Bregenz 2013: "Die Zauberflöte"

  • Die Zauberflöte
    von Wolfgang Amadeus Mozart

    Oper in zwei Aufzügen
    Libretto von Emanuel Schikaneder
    In deutscher Sprache mit Übertiteln
    Premiere am 17. Juli 2013 - 21.15 Uhr, Seebühne

    Dauer ca. 2 1/4 Stunden, keine Pause


    Weitere Aufführungen
    19., 20., 21., 23., 24., 25., 26., 27., 28., 30. und 31. Juli 2013 - 21.15 Uhr
    1., 2., 3., 4., 6., 7., 8., 9., 10., 11., 13. 14., 15., 16., 17. und 18. August 2013 - 21.00 Uhr


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Freitag, 19. Februar 2013 - 21:20 Uhr ORF 2. Programm

    Live von den Bregenzer Festspielen:
    Die Zauberflöte

    Zitat

    Die Bregenzer Festspiele zeigen eine der weltweit am häufigsten gespielten Opern auf der Seebühne. Was beginnt wie ein Märchen wird zum phantastischen Spiel zwischen Zauberposse und Freimaurer-Mystik: Wolfgang Amadeus Mozarts "Die Zauberflöte" verbindet eine Liebesgeschichte mit den großen Fragen der Aufklärung.
    "Am Ende der Oper sieht man Tamino und Pamina nicht mehr als Prinz und Prinzessin, sondern tatsächlich nur als einen Mann und eine Frau: Für mich ist das das Fazit dieses Stücks. Würde sich aber die Zauberflöte nur um solche Dinge drehen, wäre diese Oper wohl schon längst in Vergessenheit geraten. Mozart jedoch gelingt ein Spagat, wie wir ihn sonst nur von Shakespeare kennen: Die Zauberflöte ist auch ein wunderbar erzähltes Märchen!
    Sie ist charmant und unterhaltsam, bezaubernd und witzig, romantisch und geistreich – und transportiert nichtsdestotrotz eine große philosophische Botschaft", zeigt sich David Pountney von der Oper begeistert.
    Er wird im letzten Jahr seiner Intendanz wieder Regie bei der Seeoper führen, das beeindruckende Bühnenbild stammt von Johan Engels.
    Patrick Summers steht am Pult der Wiener Symphoniker.
    Die Bildregie liegt in den Händen von Felix Breisach.


    LG

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Danke, Harald!


    Noch einige zusätzliche Informationen:


    Die gesamte Produktion ist ausverkauft!


    Hier die Darsteller inkl. Mehrfachbesetzungen:

    Sarastro (Bass)
    Albert Pesendorfer
    Alfred Reiter

    Tamino (Tenor)
    Norman Reinhardt
    Maximilian Schmitt
    Rainer Trost

    Sprecher / 2. Geharnischter (Bass)
    Eike Wilm Schulte
    Wilfried Staber

    Königin der Nacht (Sopran)
    Laura Claycomb
    Ana Durlovski
    Kathryn Lewek

    Pamina, ihre Tochter (Sopran)
    Anja-Nina Bahrmann
    Bernarda Bobro
    Gisela Stille

    Erste Dame (Sopran)
    Magdalena Anna Hofmann
    Barbara Zechmeister

    Zweite Dame (Sopran/Mezzo)
    Verena Gunz
    Sabrina Kögel

    Dritte Dame (Alt)
    Bernadett Fodor
    Katrin Wundsam

    Erster Knabe (Sopran)
    Laila Salome Fischer
    Hanna Herfurtner

    Zweiter Knabe (Sopran)
    Eva Dworschak
    Veronika Vetter

    Dritter Knabe (Sopran)
    Dymfna Meijts
    Viola Zimmermann

    Papageno (Bass-Bariton)
    Paul Armin Edelmann
    Klaus Kuttler
    Daniel Schmutzhard

    Papagena (Sopran)
    Dénise Beck
    Susanne Grosssteiner

    Monostatos/1. Geharnischter (Tenor)
    Alexander Kaimbacher
    Martin Koch



    Musikalische Leitung
    Patrick Summers
    Hartmut Keil

    Inszenierung
    David Pountney


    Es spielen die Wiener Symphoniker;


    es singt der Prager Philharmonische Chor
    Chorleitung: Lukáš Vasilek


    Außerdem wirken mit: Stunt Performer, Doubles, Schauspieler für Sprechrollen etc.

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Wobei mit 2 1/4 Stunde Aufführungszeit die Zauberflöte stark gekürzt ist. Ich kann mich an Rheinopern Aufführungen erinnern, da ging die Zauberflöte mit Pause von 19.30 Uhr bis 22.45 Uhr, Aber die Besetzung liest sich ganz gut. Wo gibt es in der Zauberflöte Sprechrollen ? Die werden wahrscheinlich wieder extra eingefügt.

  • Die gesprochenen Dialog in der "Zauberflöte" sind sehr platzgreifend und interessant. Sie enthüllen auch die dunklen Seiten des salbungsvollen Sarastro. Offenbar werden diese Texte nicht von den Sängern gesprochen, denn die wenigsten Sänger können auch gut sprechen.


    Gruß Rheingold

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • wer kuckt? oder zeichnet auf?
    Seltsames ist hinter den Kulissen zu erfahren.
    Von der oben von Siegfried geposteten Besetzungsliste sind etliche Namen nicht mehr dabei.
    Man hört, dass Künstler kurz vor der Premiere ohne Begründung einfach gekündigt wurden und sich Dirigent Patrick Summers dabei in schillerndem Licht präsentiert?
    Die angekündigte Sopranistin Arpiné Rhadjian (ursprünglich besetzt als Erste Dame) erscheint plötzlich nicht mehr in der Besetzungsliste.
    Jetzt gibt es auch Gerüchte um Rainer Trost (ursprünglich besetzt als Tamino).

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Ich bin über weite Strecken zumindest mit den Ohren dabei.


    Am Anfang lief das Besetzungsinsert so rasch durch, dass man es kaum verfolgen konnte.


    Zumindest die Augen bekommen das ,was sie sich erwarten. Die Ohren sind wie so oft nur mit Schmalkost bedient. Z.B.: Selten einen so ausdruckslosen Sprecher gehört. Auch der Sarastro ist zwar in der Tiefe da, aber ohne jedes persönliches Profil. etc.


    Rainer Trost soll erkrankt sein?

  • Zitat

    Erich Ruthner: Ich bin über weite Strecken zumindest mit den Ohren dabei.


    Ich war von Anfang an mit Augen und Ohren dabei. Mein Gott, welch ein Farbenspiel. Ich habe die Zauberflöte sicherlich am häufigsten von allen Opern gehört und gesehen, sicherlich über hundert mal, auch, weil ich ein großer Märchenfreund bin. Und die Zauberflöte als Märchen kam heute voll zum Zuge.
    Der Regisseur zeigte, dass man auch heute noch eine solche Ausstattungsoper wie die Zauberflöte überzeugend inszenieren kann und dabei sie als bildgewaltiges und auch mit modernen akustischen Mitteln aufgepepptes Märchen-Spektakel darstellen kann.
    Musikalisch muss ich vor allem die Wiener Symphoniker und ihren Dirigtenten Patrick Summers hervorheben. Ich möchte beinahe sagen, dass ich noch nie so einen plastischen Orchesterpart gehört habe, vor allem eingedenk des bereits Gelesenen, dass es wegen der Wettersituation am Bodensee mit der akustischen Qualität Schwierigkeiten geben könnte.
    Von den Stimmen her muss ich Erich zum Teil Recht geben: die Zeiten eines Gottlob Frick, Franz Crass und Martti Talvela als Sarastro sind leider vorbei. Konnten sie René Pape nicht kriegen?
    Der Tamino gefiel mir recht gut, obwohl seine Ausflüge abseits von Mozarts Noten nicht unbedingt notwendig waren. Der Papageno schlug sich recht tapfer, der Sprecher war in der Tat etwas schwach (nicht, was die Figur betraf). Pamina und ihre Mutter, die Königin der Nacht, haben mir ausnehmend gut gefallen (Köstlich der zweite Priester, der ob der permanenten Unbelehrbarkeit des Papageno sich aus dessen Weinflasche bediente).
    Zwei inhaltliche Dinge möchte ich anführen, die mir überhaupt nicht gefallen haben:
    1. meldete sich der verstorbene Gatte der Königin der Nacht aus dem "Off" und verbreitete noch einige weitere frauenfeindliche Parolen, als wenn die herkömmlichen nicht schon überflüssig genug werden;
    2. warum um alles in der Welt durfte Sarastro die erste Strophe der Arie schlechthin :"In diesen heil'gen Hallen" nicht singen? Das kann doch nicht dadurch begründet sein, dass plötzlich der arme Monostatos auf Krücken mit blutigen Füßen auf die Bühne gehumpelt kam.
    Ansonsten fand ich die Regieidee, dass Monastatos auf offener Bühne ausgepeitscht wurde, interessant, vor allem durch die humorvolle Tatsache, dass die Sklaven (natürlich) weit vorbeischlugen.
    Zwei Dinge waren mir nicht so ganz klar:
    a) warum behielt Sarastro Monostatos' zweite Krücke? Ich hatte erst gehofft, er würde sie ihm nachbringen. Stattdessen hielt er sie, apathisch mitten im Bühenbild halb liegend, halb sitzend, krampfhaft in Händen. Warum?
    b) warum ging die "Zernichtung der Macht" der Königin der Nacht und ihrer treuen Gefolgsleute dem Sarastro so an die Kräfte, dass er darob beinahe selber zugrunde ging? In anderen Inszenierungen steckt er das locker weg.


    Ich habe gelesen, dass die Zauberflöte auch bei den nächsten Festspielen 2014 gegeben wird, und deswegen werde ich mich unbedingt um eine Karte bemühen. Denn dieses musikalische Märchen hat mich voll überzeugt, eben bis auf die kleinen Ausnahmen. Aber wo erlebt man schon mal eine Zauberflöte, in der Papageno sich, als "Eierman" getarnt, an Monastatos anschleicht und Papagena am Schluss als "Cheergirl" auftaucht, bevor beide dann in den überdimensionalen Eierschalen verschwinden, um den Lebenskreis zu schließen(?). Köstlich!!


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).


  • Das riecht aber schwer nach Regietheater, lieber Willi. Da soll man ja nicht alles verstehen und nichts soll gefallen. ;) Im übrigen habe ich Sarastro immer für einen ganz schlimmen Gesellen gehalten, der öffentlich unerträglich salbungsvoll Wasser predigt und heimlich Wein trinkt und Sklaven für die Drecksarbeit hält. Vielleicht sollte das stärker herauskommen in Bregenz.


    Gruß Rheingold

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Ich fand die Zauberflöte war mehr was fürs Auge als für die Ohren. Das Dirigat von Herrn Summers fand ich nicht so toll, da er regelrecht durch die Partitur hetzte. Ordentlich fand ich den Tamino und Pagageno und die Königin der Nacht. Sarastro erinnert mich immer etwas an meinen Lieblings männlichen Bösewicht aus meiner Lieblingsserie "Falcon Crest": Nach außen freundlich und schleimig und hintenherum korrupt und verschlagen. Aber trotzdem blinzelt ab und zu immer noch etwas menschliches durch. Was ich seit meiner Kindheit nie verstanden habe warum die Königin der Nacht immer als die Liebe und Gute dargestellt wird. Dabei handelt sie genauso verschlagen wie Sarastro und benutzt für ihre Mordpläne ihre eigene Tochter. Das ist für mich nur feige und schwach. Aber die Inszenierung war sehr schön und ich habe auch nicht verstanden, warum Herr Reiter nicht die Hallenarie komplett singen durfte. Nur sehen die Zuschauer die nicht unbedingt in den ersten Reihen sitzen überhaupt was auf der Seebühne vor sich geht ?

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  • Zitat

    Rheingold 1876: Im übrigen habe ich Sarastro immer für einen ganz schlimmen Gesellen gehalten....

    Zumindest gilt das in meinen Augen für seine Ansichten über das schwache Geschlecht im Allgemeinen und die Sklavenhaltung, da gebe ich dir Recht, lieber Rheingold.
    Aber die Regieideen, die die Zauberflöte als phantasievolles Märchen zeigten, waren doch m. E. endlich mal ein Schritt in die richtige Richtung. An einer solchen Umsetzung hätte sicherlich auch Mozart seine Freude gehabt.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
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  • Zitat

    rodolfo39: Das Dirigat von Herr Summers fand ich nicht so toll, da er regelrecht durch die Partitur hetzte.

    Der Meinung bin ich nicht, lieber rodolfo. Ich hatte ja schon weiter oben erläutert, dass ich diese glasklare Lesart, die die musikalischen Strukturen klar hervortreten ließ und auch die schwungvolle Tempogestaltung für sehr positiv hielt, eine klassische Interpretation, keine romantisierende mit breiten Tempi und vor allem nicht mit Donnergetöse, sondern mit maßvollen Dynamikspitzen und berückenden Piani.


    Liebe Hrüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Bei der Charakterisierung des Sarastro kann man sehr gegensätzlicher Meinung sein. Hohepriester der Humanität oder verkappter Schurke? Ich neige zum humanen Bild, jedoch gepaart mit hoher Autorität, die auch strenge Macht ausübt.


    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Zitat

    Zitat von Rodolfo: Das Dirigat von Herrn Summers fand ich nicht so toll, da er regelrecht durch die Partitur hetzte.

    Ich habe die Übertragung aus Bregenz leider nicht gesehen, weil wir eine Einladung hatten und meine Frau - obwohl ich die Sendung programmiert hatte - versehentlich den Hauptschalter und damit die ganze Anlage ausgeschaltet hatte. Allerdings las ich heute morgen eine Kritik im Kölner Stadt-Anzeiger, in der der Rezensent - ganz im Gegensatz zu Rodolfo - das Dirigat als schleppend bezeichnete und daher das Spiel noch bis in der Regenguss kurz vor Ende verzögert wurde. Zur Inszenierung kann ich aus dem genannten Grunde keine Meinung abgeben.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Allerdings las ich heute morgen eine Kritik im Kölner Stadt-Anzeiger, in der der Rezensent - ganz im Gegensatz zu Rodolfo - das Dirigat als schleppend bezeichnete ...


    Da fragt man sich schon, welche Hudelei der Gute im Ohr haben muss, um das Bregenzer Dirigat als "schleppend" zu bezeichnen.


    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!


  • Das riecht aber schwer nach Regietheater, lieber Willi. Da soll man ja nicht alles verstehen und nichts soll gefallen.


    Ja, da wird in Bregenz reinrassiges Regietheater geboten. Aber unverständlich nur für Leute, die nicht in der Lage oder nicht willens sind, zwei zusammenhängende Gedankengänge zu produzieren. Einer der Einfälle von Pountney ist seine Schlusspointe, wo nach der erfolgreichen Inthronisation von Pamina und Tamino die alten Repräsentanten sich nicht nur zurückziehen sondern auch dahinscheiden. Mit dem in Kraft treten der neuen Gesellschaftsordnung ist die Dämmerung der alten gleich auch vollständig (wieso kommt mir das so bekannt vor? ;) ).


    "... und nichts soll gefallen." Wieder so eine völlig unzutreffende Pauschalierung. Man muss suchen, um optisch derart attraktive Inszenierungen zu finden. Dem Auge wird wirklich außerordentliches geboten. Und mit diesen Regieeinfällen machen andere zwei Zauberflöten. Ich bin sicher, dass der Großteil der über 180.000 zu erwartenden Besucher (die ihre Karten bereits gekauft haben) großen Gefallen an diesem Spektakel finden werden.


    Möge der Wettergott mit Bregenz sein...


    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!


  • Nach dem was ich bis jetzt sehen konnte wird die "Zauberflöte" grandios märchenhaft in Szene gesetzt. Achim Freyer hatte bei den Salzburger Festspielen vor Jahren einen ähnlichen Ansatz, Zauberflöte im Zirkus, der sehr überzeugte.
    Und schon sind wir wieder in unserer unendlichen Diskussion des Regietheaters.
    Regie wird immer geführt, die Frage ist nur in welcher Art. Sollte es gelungen sein, neue überzeugende Gedanken so gekonnt ins Werk einzubringen, dass dabei Charakter, Inhalt und Musik der Zauberflöte erhalten bleiben und nicht entstellt werden, dann wäre die diesjährige Inszenierung der Bregenzer Festspiele eines der leider seltenten Beispiele einer geglückten modernen Inszenierung. Dann Chappeu!


    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • "... und nichts soll gefallen." Wieder so eine völlig unzutreffende Pauschalierung. Man muss suchen, um optisch derart attraktive Inszenierungen zu finden.
    Dem Auge wird wirklich außerordentliches geboten.


    Ich habe zwar nur etwa die zweite Hälfte bis zum Schluß gesehen, aber hier muß ich tatsächlich mal zustimmen. Und bitte, ich habe betreffs Regie /Inszenierung bestimmt nicht die Seiten gewechselt! Nur muß man hier in der Bewertung und Betrachtungsweise Unterschiede machen. Wir sind hier nicht im Opernhaus, sondern auf einer riesigen Freilichtbühne und es sollte jedem im Vornherein klar sein, daß hier keine akribische Werkumsetzung stattfindet, sondern daß es vordergründig um ein optisches "Showspektakel" mit Licht- und Farbeffekten, einschließlich Pyrotechnik geht. In erster Linie sollen hier die Augen bedient werden und diese Absicht wurde meiner Meinung nach erreicht. Und eine Verunstaltung /Verunglimpfung konnte ich nicht erkennen. Und das bedeutet in der heutigen Zeit doch schon viel.
    Vor einiger Zeit bekam ich von einem Freund eine DVD mit der Zauberflöte, aufgenommen auf Österreichs größter Freilichtbühne, geschenkt. Auch hier ging es in einer gigantischen und aufwendigen Bühnenshow vordergründig um den optischen Effekt. Und das bei einer solchen Show nicht die weltbesten Sänger auf der Bühne stehen, sondern mitunter Nachwuchssänger, denen man eine Chance gibt und die dafür mit Leidenschaft und Spielfreude dabei sind, sollte man auch bedenken.



    Ich bin sicher, dass der Großteil der über 180.000 zu erwartenden Besucher (die ihre Karten bereits gekauft haben) großen Gefallen an diesem Spektakel finden werden.

    Das sehe ich aus den von mir genannten Gründen auch so. Zumal ich vermute, daß von den zu erwartenden 180.000 Zuschauern vielleicht nur höchstens 20%, wahre und echte Opernkenner sind. Der Rest wird vielleicht zum ersten mal diese Oper erleben. Aber evtl. ist das für manchen der Anstoß, sich ernsthaft mit einem Einstieg zu beschäftigen.


    CHRISSY

    Jegliches hat seine Zeit...

  • Zitat

    Zitat von Crissy: Vor einiger Zeit bekam ich von einem Freund eine DVD mit der Zauberflöte, aufgenommen auf Österreichs größter Freilichtbühne, geschenkt. Auch hier ging es in einer gigantischen und aufwendigen Bühnenshow vordergründig um den optischen Effekt.

    Lieber Crissy,


    wenn du die Zauberflöte aus dem Steinbruch in St. Margarethen von 2010 meinst, stimme ich dir zu. Die librettogetreue Inszenierung, die ich auch aufgenommen hatte, war für meine Begriffe etwas übertrieben auf Spektakel getrimmt und enthielt sowohl in der Szenerie als auch in der Personenführung einige übertrieben poppige Elemente. Obwohl ich ganz gerne auch solche Freilichtaufführungen sehe, konnte diese mich nicht so recht begeistern. Auf jeden Fall für viele Zuschauer ein schönes Erlebnis.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

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  • Für alle, die es verpaßt haben (so wie ich): Ab morgen nachmittag (14:00) kann man bei arte liveweb das Versäumte nachholen.

    Einer acht´s - der andere betracht´s - der dritte verlacht´s - was macht´s ?
    (Spruch über der Eingangstür des Rathauses zu Wernigerode)

  • Lieber Crissy, wenn du die Zauberflöte aus dem Steinbruch in St. Margarethen von 2010 meinst,

    Ja, lieber Gerhard, die meine ich. Mir fiel auf die Schnelle der Name nicht ein.



    Auf jeden Fall für viele Zuschauer ein schönes Erlebnis.

    Und so meine ich das auch jetzt mit Bregenz. Für die meisten Zuschauer "ein schönes Erlebnis", nicht mehr und nicht weniger. Dies sehe ich als vordergründiges Ziel des Veranstalters.


    Herzliche Grüße
    CHRISSY

    Jegliches hat seine Zeit...

  • Zitat

    Theophilus: Einer der Einfälle von Pountney ist seine Schlusspointe, wonach der erfolgreichen Inthronisation von Tamino und Pamina die alten Repräsentanten sich nicht zurückziehen sondern auch dahinscheiden.

    Jetzt habe ich diese Stelle verstanden- Die Götterdämmerung, nur dieses Mal von Mozart/Schikaneder/Pountney und 85 Jahre eher.
    Aber immerhin war mir die Stelle aufgefallen.


    Liebe Grüße


    Willi ^^

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Hier fühle ich mich wie im falschen Film. Musikalisch war es vom Orchester her recht gediegen, die Sänger [bis auf die Königin der Nacht (übrigens eine Miljakovic-Schülerin), die hervorragend war] bewältigten zwar ihre Partien mit mehr oder weniger Anstand, waren aber durchwegs stimmlich uninteressant - die 3. Liga läßt grüßen!


    Pountny übertrieb in seiner Regie das Bühnengeschehen in erschreckendem Ausmaß (war ja offenbar für Trickfilm-affine Kinder gedacht), das Gezeppel vor allem in der Ouvertüre, verbunden mit störenden Knallgeräuschen, eine Zumutung. Die Requisiten strotzten vor gigantomanischer Häßlichkeit, ja, und erst die Bühne: Hier wähnte man sich in einer schrulligen Grottenbahn wie weiland zu Großvaters Zeiten. Dieses abstruse Gemenge von gigantischen pflanzenähnlichen Gebilden, durch die sich die Solisten des öfteren durchwursteln mußten, gemahnten in ihrem Farbenspiel an ein überdimensioniertes Chamäleon, das auch ständig seine Farbe wechselt.


    Aber gut, es war ein Fest auf der Seebühne, aber mit dem Werk, nämlich der "Zauberflöte", hatte dieses Spektakel nur marginal zu tun.

    Arrestati, sei bello! - (Verweile, Augenblick, du bist so schön!)

  • Eine Bemerkung sei mir noch erlaubt: Um erfolgreich zu sein, muß eine zeitgemäße Produktion vor Häßlichkeit nur so strotzen, denn alles, was man weiland als "schön" empfand - das trifft auch auf die Musik zu! - wird heutzutage als vorgestrig und altvaterisch abgetan, denn alles muß aufgerauht, pseudopsychologisch verschroben sein und möglichst schrill aufgepeppt werden.


    Ich habe nichts mit dieser Welt gemein!

    Arrestati, sei bello! - (Verweile, Augenblick, du bist so schön!)

  • Schon was dran an Deinen Beurteilungen, lieber Milletre. Ich ertappe mich, dass ich schon beruhigt akzeptiere, wenn keine Verunstaltungen und Scheußlichkeiten in einer Inszenierung sind und eine solche wenigstens Zauberflöten ähnlich daher kommt. In dem ganzen Regischlamassel bin ich (zu) sehr bescheiden geworden.


    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Da bist Du aber nicht allein, mein Lieber. Ob Dich das trösten kann, denn fraglos haben sehr viele Menschen das Zeitalter der Häßlichkeit als zeitgemäß verinnerlicht.

    Arrestati, sei bello! - (Verweile, Augenblick, du bist so schön!)

  • Generell neige ich dazu, die Mehrzahl der Bregenzer Inszenierungen (wenn nicht gar alle?) als verunstaltet, zumindestens als Karikatur einer Oper zu sehen. In meinem Bewußtsein hat die Seebühne einen ganz schlechten Stand, allerdings ohne jemals dabeigewesen zu sein.


    Dann schon eher St. Margarethen (diese Zauberflöte hatte mir zugesagt) oder Mörbisch.


    Überhaupt bin ich bei Open Air - Opern sehr skeptisch. Die äußere Beeinflussung und damit Ablenkung ist doch recht groß, ganz zu schweigen von einer mitunter haarsträubenden Akustik. Wenn schon Oper, dann gehe ich lieber in ein Opernhaus.


    La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Ich ertappe mich, dass ich schon beruhigt akzeptiere, wenn keine Verunstaltungen und Scheußlichkeiten in einer Inszenierung sind

    Da bist Du aber nicht allein, mein Lieber.


    Nein, meine beiden lieben Brüder im Geiste, da seid ihr nicht allein. Man ist wirklich schon bescheiden geworden und freut sich, wenn mal keine Verunstaltung und Verunglimpfung zu sehen ist. Vor allem, wenn der zu einer "Modedroge" gewordene Nazidreck nicht dauernd mißbräuchlich präsentiert wird.


    Herzliche Grüße
    CHRISSY

    Jegliches hat seine Zeit...

  • Pountny übertrieb in seiner Regie das Bühnengeschehen in erschreckendem Ausmaß (war ja offenbar für Trickfilm-affine Kinder gedacht),


    Das ist genau das, was ich immer als "Verprollung der Oper" bezeichne. Man traut jungen Menschen gar nicht mehr zu, einen Sinn für Geschmack und Schönheit zu haben, sondern glaubt fälschlicherweise auf die Weise neue Generationen für die Oper gewinnen zu können.

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