Das Öl des Nibelungen in Bayreuth 2013

  • Oh Gott, diese Emotionen!


    Mir wird hier leider oft der Eindruck vermittelt, dass es nur Gut und Böse gibt. Außerdem ist es doch mal wieder sehr spannend, wie dann über Castorf und Co geredet, nein, abgeurteil wird, obwohl sicherlich kaum jemand eine Inzenierung von ihm gesehen hat. Ich weiss, ich wiederhole mich. Aber diese Art von Vorverurteilungen irritieren mich jedesmal.


    Und wieder muss ich leider feststellen, dass es hier nur um den Regisseur geht. Interessiert sich noch jemand hier für die Musik?

  • Und wieder muss ich leider feststellen, dass es hier nur um den Regisseur geht.

    Was natürlich nur an uns liegt, schon klar. ;)



    Zitat

    Interessiert sich noch jemand hier für die Musik?

    Das ist eine hervorragende Frage, die umgehend mal an die großen "Visionäre" weitergeleitet werden sollte.

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • Außerdem ist es doch mal wieder sehr spannend, wie dann über Castorf und Co geredet, nein, abgeurteil wird, obwohl sicherlich kaum jemand eine Inzenierung von ihm gesehen hat. Ich weiss, ich wiederhole mich. Aber diese Art von Vorverurteilungen irritieren mich jedesmal.

    Gestatte eine Frage, lieber Casimir. Die in meinem Btr. 87 aufgeführten Opern, hast Du davon vielleicht zufälligerweise mal eine in Berlin gesehen? Wenn ja, wann und wie hat es Dir gefallen?



    Und wieder muss ich leider feststellen, dass es hier nur um den Regisseur geht. Interessiert sich noch jemand hier für die Musik?

    Die Frage stellt sich so eigentlich nicht. Bei dem Klamauk und der Verunstaltung, die heutzutage leider die Regel ist, spielt die Musik doch eine untergeordnete Rolle. Es geht doch in der Hauptsache nur noch um den beabsichtigten Skandal und die Selbstdarstellung des sogenannten Regisseurs!
    Ich darf doch voraussetzen, daß mein obiger Btr. ironisch verstanden wurde. Die Werke, die ich angeführt habe, da bildete Regie /Inszenierung, Kostüme, zeitbezogene Handlung und die Musik (!!!) eine vollendete Einheit und jeder erlebte Opernabend war dadurch insgesamt ein beglückendes, nachhaltiges Erlebnis.
    Herzliche Grüße
    CHRISSY

    Jegliches hat seine Zeit...

  • Ohne den aktuellen Ring in Bayreuth gesehen zu haben, weiß ich jetzt schon wie die Publikumsreaktionen sein werden : Jubel für die Sänger und eine Buhsturm für das Regieteam, vermischt mit ein paar einzelnen Bravos . Und die Moderatorin wird dann davon sprechen, das das Publikum geteilter Meinung über die Inszenierung ist.

  • Zitat

    Zitat rodolfo39: Jubel für die Sänger (...) vermischt mit ein paar einzelnen Bravos .


    Nach dem, was ich bis jetzt im Radio gehört habe (19.38 Uhr), wäre das auch durchaus gerechtfertigt. Auch das Dirigat von Petrenko finde ich sehr gut. Akustisch ist das Ganze also durchaus zu genießen.

  • Lieber Cartman,


    auch ich habe einen Teil des Rheingolds im Radio gehört und kann bestätigen, dass das akustisch sehr reizvoll war. Wenn ich es aber sehen würde, wäre mir bei der Entstellung des optischen Teils auch die Musik verleidet. Ich habe schon oft festgestellt, dass bei einer dieser neumodischen Inszenierungen mir die vertraute Musik plötzlich fremd erschien. Denn bei mir hört auch das Auge mit - ähnlich wie bei einem schön dekorierten Essen. Glücklicherweise besitze ich auf DVD zwei sehr schöne Aufnahmen von Rheingold, bei denen man auch hinsehen kann. Und da ist die Wirkung der Musik noch weit besser.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Zitat

    Zitat von Casimir: Und wieder muss ich leider feststellen, dass es hier nur um den Regisseur geht. Interessiert sich noch jemand hier für die Musik?

    Lieber Casimir,


    in diesem Thema geht es ja in erster Linie um die Inszenierung und da ist selbstverständlich, dass auch in erster Linie über deren Erzeuger gesprochen wird. Dass sich das für mich auch auf die Musik auswirkt, habe ich schon früher, jetzt erneut in meinem Beitrag 96 geschildert.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Habe auch reingehört:
    Die Sänger soso lala, das Dirigat ziemlich gut; aber wenn ich die jetzige Kritikerrunde höre, muss ich sagen: Gott sei Dank musste ich diese Verballhornung nicht live miterleben!

  • Star des Abends war für mich eindeutig der Dirigent Herr Petrenko. Da muss Thielemann aufpassen das er keine Konkurrenz bekommt. Sänger waren passabel. Sehr gut der Fasolt von Gunther Groissböck und die Fricka von Claudia Mahnke. Leider nicht so gut war der Loge von Norbert Ernst. Wolfgang Koch als Wotan hatte etwas Anlaufschwierigkeiten, steigerte sich aber. Die schwächste Leistung boten eindeutig die 3 Kritiker am Ende, da muss man aufpassen das man nicht auf der Schleimspur ausrutscht. Ich hoffe wir müssen die Herrschaften nicht nach jedem Ring Abend ertragen.

  • Star des Abends war für mich eindeutig der Dirigent Herr Petrenko.


    Ja, lieber Rodolfo, da kann ich nur aus vollem Herzen zustimmen.
    Ich habe Petrenko in der Komischen Oper wirklich mit fast allen Werken gehört, die er dort dirigiert hat. Und ich war immer begeistert! Seit seinem Abschied von Berlin habe ich ihn leider nicht mehr so häufig hören können.
    Umso überwältigender war für mich heute abend am Radio die Erfahrung:
    Wie dieser Mann die Musik in ihrer Schönheit und dramatischen Kraft zum Klingen bringt, ist grandios! Viele Stellen glaubte man zum ersten Mal wirklich zu hören. Und doch verlor Petrenko sich nicht in "Stellen". Seine Interpretation hatte einen großzügig disponierten sinfonischen Zuschnitt! Da gab es klar konturierte Strukturen, stimmige Relationen und einen Sinnzusammenhang, der musikalisch ebenso überzeugend war wie dramatisch!
    Das hat mich voll mitgenommen. Da ist mir denn völlig egal, was auf der Bühne, die ich ja nicht gesehen habe, passiert!
    Wenn die Geschichte vom Orchester so plastisch erzählt, in all ihren Facetten, Dimensionen und Tiefen ausgeleuchtet wird, dann ist jedes Reden darüber, ob denn nun die Inszenierung geglückt oder misslungen ist, meiner Meinung nach schlichtweg peinlich! Da entlarven sich die, die keine Ohren haben zu hören und keine Herzen zu begreifen!


    Liebe Grüße


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

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  • Es geht mir dabei so, wie wenn man vor Jahrzehnten Böhm als den massgeblichen Wagnerdirigenten gepriesen hat. Die Dramatik, die ehemals Kna und heute Thielemann in auch im Rheingold gefunden hat, blieb mir weitgehend auf der Strecke. Wenn ich mich dazu noch mt einem schwachstimmigen Wotan, einem häufig tremolierendem Ensemble (Donner!) und gar mit einer Mafiia-Inszenierung abfinden sollte, dann : Nein Danke! Ich frage mich echt, lieber Caruso, der Du doch auch andere Zeiten erlebt hast, ob Dich die Altersmilde mittlerweile alles verzeihen lässt.
    MfG

  • Wenn die Geschichte vom Orchester so plastisch erzählt, in all ihren Facetten, Dimensionen und Tiefen ausgeleuchtet wird, dann ist jedes Reden darüber, ob denn nun die Inszenierung geglückt oder misslungen ist, meiner Meinung nach schlichtweg peinlich! Da entlarven sich die, die keine Ohren haben zu hören und keine Herzen zu begreifen

    Es hat zu allen Zeiten gute und sehr gute Wagner-Dirigenten gegeben. Petrenko reiht sich in eine Reihe dieser Größen ein, ist aber weder der erste noch der letzte Interpret. Eine Oper bleibt trotzdem auch ein visuelles Werk und kann nicht auf die musikalische Komponente (so wichtig diese auch ist) reduziert werden.



    Zitat

    Da entlarven sich die, die keine Ohren haben zu hören und keine Herzen zu begreifen

    Als fragwürdig entlarven sich vor allem jene, die mit einer so seltsamen Mischung aus Berufsempörung und billiger Psychologie meinen, Andersdenkende mundtot machen zu können.

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • Hallo Caruso, hallo Cartman!


    Euch Beiden empfehle ich, es mit guten Einspielungen auf DVD zu belassen, dann braucht ihr euch genauso wie ich, mit dem Kasperle-Theater auf der Bühne nicht abzufinden. Denn es geht euch doch nur um die Musik und die Interpreten. Wenn ich es recht verstehe, geht es euch doch nicht um den Schwachsinn auf der Bühne. Kaum 10 Minuten habe ich dieses Theater im TV durchhalten konnen. Gott sei gedankt, es gibt im TV den Ausschaltknopf, den ich in Bayreuth nicht betätigen kann! :thumbdown:

    W.S.

  • Als fragwürdig entlarven sich vor allem jene, die mit einer so seltsamen Mischung aus Berufsempörung und billiger Psychologie meinen, Andersdenkende mundtot machen zu können.


    Das verstehe ich jetzt aber gar nicht. Ich habe nicht den Eindruck, dass da jemand irgendwelche Andersdenkende mundtot machen möchte. Wer, wie, wo? Soll ich Caruso so missverstanden haben oder bist Du aus Versehen in den falschen Thread gerutsch? Das wäre bei den gegenwärtigen Außentemperaturen ja auch nicht verwunderlich. ;)


    Mit besten Empfehlungen Rheingold

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Zitat von 9079wolfgang

    Hallo Caruso, hallo Cartman!


    Euch Beiden empfehle ich, es mit guten Einspielungen auf DVD zu belassen, dann braucht ihr euch genauso wie ich, mit dem Kasperle-Theater auf der Bühne nicht abzufinden. Denn es geht euch doch nur um die Musik und die Interpreten. Wenn ich es recht verstehe, geht es euch doch nicht um den Schwachsinn auf der Bühne.


    Aber nein, lieber Wolfgang, ich interessiere mich durchaus auch für die Inszenierungen und nicht nur für die musikalisch-sängerische Seite. Ob es sich dann um "Schwachsinn auf der Bühne" handelt oder nicht, ist ja Geschmackssache. (Bevor hier wieder die unsinnige Endlosdiskussion ums Regietheater (das Unwort des Klassikforums) entbrennt, möchte ich auf meinen Beitrag Nr.28 in Alfreds Thread "Prominente und ihre Abneigung gegen das Regietheater in Bonmot und Zitat" verweisen. Mehr wird man - von mir - zu diesem unsäglichen Thema nicht mehr hören.)
    Nachdem ich heute einige Kritiken zu Castorfs Rheingold-Inszenierung gelesen habe (überwiegend wohlwollend bis begeistert), scheint es sich ja um einen kurzweiligen Theaterabend gehandelt zu haben, der allerdings noch nicht klar werden lässt, in welche Richtung sich dieser Ring noch entwickelt. Viele Fragen sind offen und werden - befürchten manche Kritiker - auch offen bleiben. So sehe ich auch noch nicht, wie sich ein Punker (= Hagen) am Berliner Alexanderplatz (= bei den Gibichungen am Rhein) oder eine "kommunistische" Mount-Rushmore-Dekoration (Siegfried) sinnvoll erschließen will. Es bleibt also spannend, ob man Castorfs Ansatz nun mag oder nicht. Ich halte ihn eigentlich für etwas veraltet und platt - also den Ansatz, nicht Castorf. Kapitalismuskritik und Gangstermethoden im Ring sind ja keine neuen Themen. Was ich leider nicht beurteilen kann, ist, ob sich die Inszenierung des Rheingold der Musik gegenüber kontraproduktiv erweist oder ob man beides auf einen gemeinsamen Nenner bringen kann. Rein akustisch gab es - wie gesagt - wenig zu bemängeln.

  • Es hat zu allen Zeiten gute und sehr gute Wagner-Dirigenten gegeben. Petrenko reiht sich in eine Reihe dieser Größen ein, ist aber weder der erste noch der letzte Interpret. Eine Oper bleibt trotzdem auch ein visuelles Werk und kann nicht auf die musikalische Komponente (so wichtig diese auch ist) reduziert werden.

    Wagner selbst hatte Zweifel, ob denn die szenische Nacherzählung seiner Werke nicht am Ende den Weg zu einem tieferen Verstehen und Nacherleben verstellen würde.
    Er hat wiederholt angedeutet, wie sehr er unter den Bühnenrealisierungen litt, und geklagt, dass er wohl nach dem unsichtbaren Orchester das unsichtbare Theater erfinden sollte.



    Das verstehe ich jetzt aber gar nicht. Ich habe nicht den Eindruck, dass da jemand irgendwelche Andersdenkende mundtot machen möchte. Wer, wie, wo? Soll ich Caruso so missverstanden haben oder bist Du aus Versehen in den falschen Thread gerutsch? Das wäre bei den gegenwärtigen Außentemperaturen ja auch nicht verwunderlich.

    Ja, ich verstehe die Intervention eigentlich auch nicht.
    Einer der Gründe, warum ich mich so lange im Forum nicht mehr zu Worte gemeldet habe, war, dass ich keine Lust auf Grundsatz-Diskussionen über Regietheater hatte. Die nehmen ja in den verschiedensten Threads immer breiten Raum ein. Dazu habe ich meine Position mehrfach darzustellen versucht und das zu wiederholen oder weiter zu entfalten, hat mich überhaupt nicht interessiert.
    Ich diskutiere allerdings gerne auch mal über Inszenierungen, die ich gesehen habe. Aber Sinn macht das nur, wenn die anderen eben diese Instzenierungen auch gesehen haben! Da nun wohl bisher noch niemand von den Taminos das Rheingold von Castorff gesehen hat, und ich in diesem Jahr auch nicht in Bayreuth bin, werde ich darüber also auch nicht diskutieren.
    Keinesfalls aber habe ich ein Interesse daran, jemanden mundtot zu machen. Wie, um Himmels willen, liebe Strano, kommst Du zu dem Verdacht?


    Was mich interessiert ist eine Diskussion über musikalische Interpretationen.
    Und da mich Petrenkos Rheingold sehr gefreut hat, hatte ich das ausdrücken wollen.
    Über die Sänger war ich eher nicht so begeistert und insofern kann ich gut verstehen, dass M.Joho fragt, ob in dem Wein nicht doch reichlich Wasser war!


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Caruso, der erfreulicherweise wieder bei uns ist und schreibt, empfinde ich in erster Linie als kompetenten Gesangsexperten und klar präferierend auf die musikalische Realisierung einer Opernaufführung ausgerichtet. Nur eine Oper ist ein Gesamtkunstwerk. Gerade Richard Wagner war es ein ganz besonderes Anliegen, immer wieder darauf hinzuweisen, dass Musik, Dichtung, Gesang, Darstellung, Bilder, Licht, Kostüme usw zu einer dienenden dem Werk verpflichteten Gesamtheit verschmelzen müssen. Eine Oper ist halt keine Sinfonie mit Stimmen, ein Denkfehler, den selbst große Dirgenten - z. B. Georg Solti geäußert in Stellungnahmen zu seiner Ring-Gesamtaufnahme - machten. Gelingt es in einer Inszenierung nicht, die Forderung Oper als Gesamtkunstwerk zu erfüllen, dann noch so gut gesungen und enthusiasmiert musiziert werden - es bleibt unerfülltes Stückwerk.


    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Eine Tankstelle an der Route 66: einen besseren "Tatort" für den Ring kann es kaum geben. Ich vermute mal, dass diese Tankstelle am Schluss komplett in Flammen aufgehen wird. Schade, dass Russ Meyer schon tot ist, der hätte sowas auch toll inszeniert.

    Nulla dies sine linea (nach wie vor gültige Römerweisheit)

  • Ein ehemaliger Tamino versteckte sich hinter diesem Bildchen:



    In den Vorschaubildern zum "Ring" tauchen solche Männchen, die Papiertüten aufhaben, ebenfalls auf.
    Kann mir jemand erklären, was es damit auf sich hat?

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • ...Nur eine Oper ist ein Gesamtkunstwerk. Gerade Richard Wagner war es ein ganz besonderes Anliegen, immer wieder darauf hinzuweisen, dass Musik, Dichtung, Gesang, Darstellung, Bilder, Licht, Kostüme usw zu einer dienenden dem Werk verpflichteten Gesamtheit verschmelzen müssen. Eine Oper ist halt keine Sinfonie mit Stimmen,...


    Ja, lieber Operus, so hat er in seinen theoretischen Schriften argumentiert. Aber wenn er es denn mit realen Bühneninszenierungen zu hatte, grauste es ihn. In vielen Briefen ist das plastisch ausgemalt, wie widerwärtig ihm Schminke, Kostüme, Dekorationen und herumstehende Sänger waren. Und Cosima berichtet gar, dass er so deprimiert gewesen sei, dass er sterben wollte...


    Nun, ich habe viele Ringinszenierungen gesehen von Heinz Tietjen bis Patrice Chéreau, von Wieland Wagner bis Joachim Herz, von Götz Friedrich bis Ruth Berghaus, von Peter Lehmann bis Barry Koskie - sterben aber wollte ich eigentlich nie! Obwohl ich schon sagen muss, dass ich nicht selten das Leiden des großen Meisters recht gut verstehen konnte! Das Konzept des Gesamtkunstwerks ist utopisch und die szenische Realisierung scheint die zu sein, die wohl oft am weitesten entfernt bleibt von dem, was erdacht und gewollt wurde!
    Deshalb - und nur darum ging es mir - freut es mich, wenn Dirigenten wie Petrenko oder Thielemann (man könnte hier nach seinem RING an der Staatsopoer auch Barenboim nennen!) die Bilder, das Licht, die Aktion in der Musik und durch die Musik lebendig werden lassen! Vielleicht wurden sie ja von der Szene unterstützt. Kann ich nicht sagen! Wie erwähnt: ich habe die Aufführung nur am Radio gehört.


    Liebe Grüsse


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


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  • Aber wenn er es denn mit realen Bühneninszenierungen zu hatte, grauste es ihn. In vielen Briefen ist das plastisch ausgemalt, wie widerwärtig ihm Schminke, Kostüme, Dekorationen und herumstehende Sänger waren. Und Cosima berichtet gar, dass er so deprimiert gewesen sei, dass er sterben wollte...


    Es freut mich sehr, lieber Caruso, dass auch Du auf die Nöte, die Wagner selbst plagten im Zusammenhang mit der Verwirklichung seiner Visionen, zu sprechen kommst. Eine sehr empfehlungswerte und schier unerschöpfliche Quelle neben den Briefen und anderen Selbstzeugnissen sind die Tagebücher von Frau Cosima, auf die Du auch verweist. Ich benutze die bislang nach meinem Wissen vollständigste Ausgabe von Piper in zwei Bänden, die es zusammen auf 2500 Seiten bringen. Sie ist derzeit nur antiquarisch zu finden. Dass es im Wagner-Jahr keine Neuauflage gibt, kann ich nicht verstehen. Unter dem 23. September 1876 findet sich dieser Satz: "... und nachdem ich das unsichtbare Orchester geschaffen, möchte ich auch das unsichtbare Theater erfinden!"


    Es grüßt Rheingold

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Wie ich vorher schon geschrieben habe ist eine Bekannte von mir bei den Londoner Proms wo zur Zeit fast alle Wagner Opern konzertant aufgeführt werden. Zur Zeit wird der Ring aufgeführt. Mit Nina Stemme als Brünhilde und Daniel Barenboim als Dirigent. Gestern Abend nach Siegfried mailte sie mir das sie noch nie eine musikalisch wunderbare Ring Aufführung erlebt hat. Und sie ist im Wagner Verband, war bei den Bayreuther Festspielen und bei etlichen Ring Aufführungen. Am Ende schrieb sie das sie nie wieder eine Szene Ring Aufführung sehen möchte sondern das Stück nur noch in konzertanter Form genießen möchte und so hatten auch viele ihre Begleiter gedacht. Ich habe die Übertragungen im Radio angehört und kann ihr nur zustimmen. Ich bin auch froh das ich mir den Bayreuther Ring gemütlich zu Hause auf der Couch anhören kann.

  • Nach dem, was ich bis jetzt im Radio gehört habe (19.38 Uhr), wäre das auch durchaus gerechtfertigt. Auch das Dirigat von Petrenko finde ich sehr gut. Akustisch ist das Ganze also durchaus zu genießen


    Also werde ich warten, bis eine CD kommt. Eine DVD - niemals!!


    La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Es wäre wirklich sehr viel gewonnen, wenn man an den Opernhäusern versuchen würde beiden Seiten gerecht zu werden


    Der Kandidat erhält 10 Punkte!! Volle Zustimmung. Im Moment ist ja das Verhältnis eher 99 : 1 gegen die Tradition.


    La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Hallo, Casimir

    Buhs für Castorf
    Hier gibt es die erste Kritik zu gestern abend.

    Zitat aus der von Harald eingestellten Kritik:
    Regisseur Frank Castorf kann mit Buhrufen in Bayreuth gut leben. „Ich bin ja das Kontroverse gewohnt und versuche auch, es zu erreichen“, sagte er am Samstag bei einer Zusammenkunft der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth.
    In dieser für mich arrogant klingenden Selbsteinschätzung, sehe ich mich in meiner Meinung bestätigt. Nämlich...



    Es geht doch in der Hauptsache nur noch um den beabsichtigten Skandal und die Selbstdarstellung des sogenannten Regisseurs!

    Herzliche Grüße
    CHRISSY

    Jegliches hat seine Zeit...

  • Was mir einfällt, in diesem Ringen um Werktreue und Authentizität einer Operninszenierung, ist doch auch das Nicht-Ernst-Nehmen der nachfolgenden Generation. Wie soll unser Nachwuchs noch Oper sehen (nicht nur hören!) können, wenn Werkinhalt und Inszenierung keinen Zusammenhang mehr haben?
    Als ich mit meinem Sohn eine "Zauberflöte" besucht hatte, die in einer Psychiatrischen Klinik spielte, habe ich mich fast dafür geschämt, dass außer der Musik nichts mehr erkennbar war. Der Zauber der Oper wird so völlig zerstört - und der Nachwuchs überlegt sich den nächsten Opernbesuch zweimal, wenn er überhaupt noch dafür zu begeistern ist. So inszeniert man Oper zu Tode!
    Zweifellos mag es "intelligente" Inszenierungen geben, oder die im Feuilleton als solche benannt werden, und dennoch könnte im Sinne der Zukunft des Opernwesens der Schuß nach hinten losgehen. Als Beispiel Rossinis "Barbier" in einer Münchner Inszenierung von Ruth Berghaus, die ich als junger Mann erlebt hatte, und die mich etwas ratlos zurückließ - eine rein in weiß gekleidete Ausstattung mit einrem Frauentorso auf der Bühne, deren Brust sich zum Balkon öffnete... Den "Barbier" hätte ich mir damals auch anders vorgestellt.

  • Was mir einfällt, in diesem Ringen um Werktreue und Authentizität einer Operninszenierung, ist doch auch das Nicht-Ernst-Nehmen der nachfolgenden Generation. Wie soll unser Nachwuchs noch Oper sehen (nicht nur hören!) können, wenn Werkinhalt und Inszenierung keinen Zusammenhang mehr haben?


    Ich möchte hier noch einmal in dies gleiche Horn tuten: die große Tochter einer befreundeten Familie (6.Klasse) hatte die "Entführung" mit ihrer Musiklehrerin durchgenommen, was ja schon beachtenswert ist. Die Entführung ist ja auch zum Kennenlernen von Opern eine wunderbare Oper! Vier Stunden vorher klickten die Mutter und ich die Bilder der Inszenierung aus Essen an! Oh je, habe ich da gesagt, das ist Regietheater, das wird dem Kind nicht gefallen. Alles war weiß und abstrakt, also Plastik statt Jute. Maßlos enttäuscht kamen die Kinder aus dieser Aufführung.

    Nulla dies sine linea (nach wie vor gültige Römerweisheit)

  • die große Tochter einer befreundeten Familie (6.Klasse) hatte die "Entführung" mit ihrer Musiklehrerin durchgenommen, was ja schon beachtenswert ist.

    In der Tat ist dies ein weiterer Sargnagel. Musiklehrer vermitteln ja kaum "Oper" (Dies ist nur eine Behauptung von mir!), dabei könnte man hier so wunderbar übergreifend arbeiten (Deutsch, Geschichte, Theater, Kunst). Schon zu meiner Zeit in der Schule habe ich für die Musiklehrer die Karten für sinnvolle Opernaufführungen besorgt, damit auch die Mitschüler davon profitieren konnten. Sie selbst (die Lehrer) waren dazu wohl nicht befähigt - ich befürchte, dass das insgesamt nicht besser geworden ist.

  • Zitat von ciociosan

    Wie soll unser Nachwuchs noch Oper sehen (nicht nur hören!) können, wenn Werkinhalt und Inszenierung keinen Zusammenhang mehr haben?


    Das ist doch genau der springende Punkt! Mit Werktreue haben diese Opern-Aufführungen nichts mehr zu tun, wenn man vor lauter Klamauk nicht mehr die eigentliche Oper erkennen kann! Dann genügt nur noch eine konzertante Aufführung, damit man wenigstens die Musik genießen kann. :yes:

    W.S.

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