Das Öl des Nibelungen in Bayreuth 2013

  • Zitat

    caruso41: Ich habe ja die Inszenierung nicht gesehen und werde mir kein Urteil erlauben, denke aber, man sollte verschiedene Stimmen hören: Also auch diese aus der BZ!

    Ist ja richtig, dass man hier mehrere Meinungen hören sollte, aber da musst Du doch nicht gleich mit dem Ich-schreib-das-mal-in-roten-Grossbuchstaben-Oberlehrer-Stil ins Haus fallen, lieber caruso41. Und jetzt kommt der Knaller: Ich setze mich mit dieser Meinung auseinander und erlaube mir sogar ein eigenes Urteil. Wat sachste nu? ;)


    Zitat

    aus der BZ-Kritik: Castorfs Ring ist eine, warum auch nicht, mühsam zu entziffernde Interpretation - nicht unbedingt des Werkes, aber unserer Zeit und der Zeitläufte, die sie geprägt haben.

    Genau das ist ja das Problem. Warum wird nicht das Werk interpretiert? Kann er es nicht, will er es nicht oder wie oder was? Eine adäquate Werkinterpretation darf ruhig sperrig oder nicht unmittelbar zugängig sein, aber welchen Sinn macht eine Inszenierung, die das Werk missachtet oder mit Desinteresse behandelt (z.B. in der "Walküre", wo es wohl keine klare Personenführung oder Interpretation der Ereignisse gab)?



    Zitat

    aus der BZ-Kritik: Wer meint, dieser Ring sei einfallslos, der hat die Augen nicht aufgemacht oder schon nach dem "Rheingold" den Stab gebrochen. Castorfs Ring ist wild und romantisch, politisch, ohne dogmatisch zu sein, er bricht mit Traditionen und Ideologien, auch denen, denen der Regisseur einst folgte.

    "Einfallslos" war dieser "Ring" gewiss nicht. er hatte wohl eher - wie Katharinas "Meistersinger" - zu viele Einfälle, ohne sie unter einen Hut oder auf einen Nenner bringen zu können oder - noch schlimmer! - zu wollen. Ein nur lose zusammenhängendes Sammelsurium halb ausgegorener Ideen und dummer Provokationen ist nie und nimmer ein ausreichendes Konzept für eine Inszenierung. (Übrigens: Wo war in diesem Ring denn die in der Kritik erwähnte Romantik?)



    Zitat

    aus der BZ-Kritik: Troztdem tat er (Castorf) einem Leid da vorne, dann eine hilflose Geste, die weit aufgerissenen Arme und dann zeigt er dem Publikum den Vogel. Das ist nicht gerade höflich, aber so war sein Ring ja auch nicht.

    Meiner Meinung nach hat Castorf dem Publikum vier Abende lang permanent den Vogel gezeigt. Da muss sich doch niemand wundern, wenn er es mit gleicher Münze heimgezahlt bekommt. Wenn der Mann den "Ring" nicht interpretieren kann oder will, fühlen sich viele Zuschauer völlig zu recht verarscht. Das kann ich gut nachvollziehen. Sein "Ring" mag zwar kurzweiliger als Dorsts vorige Umsetzung gewesen sein, aber besser ist sie auf keinen Fall. Und dass hier in Zukunft ein Zuspruch erfolgt, wie es bei Chereau war, halte ich zumindest für sehr unwahrscheinlich. Das Schlimme an Castorfs "Ring" ist meiner Meinung nach, dass er das Publikum nicht ernst nimmt und nun dafür - trotz einiger positiver Stimmen - die Quittung bekommen hat. Einzig der freche Humor, der hin und wieder im "Rheingold" aufblitzte, war sicher eine spannende Sache, die man weiter hätte verfolgen können. Eine gewisse Ironie schadet einer "Ring"-Inszenierung wahrscheinlich nicht. (Zu diesem Thema kann ich Loriots Texte zum "Ring" aus seinem Opernführer empfehlen.)

  • Lieber Cartmann,


    Du triffst m. E. den Nagel auf den Kopf. Ich habe mich in einem vorstehenden Beitrag ähnlich geäußert. Es geht doch nicht darum irgend etwas spannend, mit Gags oder provozierend zu erzählen. Es geht darum, das philosphisch-tiefgründige Weltendrama Ring zu erfassen zu deuten und gekonnt in Szene zu setzen. Wenn dann eine Meisterleistung der Regie gelingt, dann wird aus allen vier Ringabenden eine geschlossene Einheit und das Gesamtkunstwerk ist geschaffen. Leider selten erreicht.


    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • in einem solchen Boulevardblatt, das selbst häufig - wie die Bildzeitung - schreiend und alle Werte missachtend daherkommt,

    Lieber Gerhard und manche andere
    Nichts für Ungut bei aller ansonsten berechtigter Kritik, aber warum muß immer wieder mal völlig unbegründet und unberechtigt die BILD- Zeitung herhalten. Vermutlich wird und will es mir keiner glauben, aber ich sage Euch, gerade diese Zeitung hat in diesem Jahr so viele wirklich gute und sehr ausführliche Beiträge (Informationen, Text und Bilder) zum "Wagner- Jahr" gebracht. Da hätten sich wohl viele, viele andere ein Beispiel nehmen können. Ich konnte viel Interessantes daraus entnehmen.
    Und bitte, keine neue Diskussion zum Thema BILD, aber ich mußte das mal loswerden.
    Herzliche Grüße
    CHRISSY

    Jegliches hat seine Zeit...

  • Nichts für Ungut bei aller ansonsten berechtigter Kritik, aber warum muß immer wieder mal völlig unbegründet und unberechtigt die BILD-Zeitung herhalten.


    Das kommt wohl daher, lieber Chrissy, dass BILD und B.Z. aus einem Hause kommen. Künftig gehen sie ja auch direkt und ganz offiziell zusammen, wie den aktuellen Berichten über die bevorstehenden großen Umwälzungen bei Springer zu entnehmen ist. Dafür werden andere Traditionszeitungen mal eben verkauft. Und die B.Z. war und ist ein Revolverblatt! Da beißt die Maus keinen Faden ab. Ressentiments gegen diese Blätter sind tief verwurzelt. Sie haben vor allem während der Studentenbewegung und anlässlich der Erschießung des Studenten Benno Ohnesorg wirklich eine ganz üble Rolle gespielt. Das ist nicht vergessen.


    Mich wundert natürlich auch, dass die B.Z. - der Berichterstatter ist schließlich kein Volontär sondern ein hochkarätiger Vertreter der Chefetage - plötzlich Vatergefühle für Castorf und seinen "Ring"entwickelt, dessen leiblicher Vater übrigens ein bekannter Berliner Eisenwarenhändler im Berliner Prenzlauer Berg gewesen ist, der sein inzwischen verkleinertes Geschäft erst jetzt mit 90 abgewickelt hat. Das habe ich so deutlich in keiner anderen Zeitung gelesen. Ich hege die Vermutung, dass das Verlagshaus wieder einmal nicht nur berichten sondern aktive Kulturpolitik betreiben will. Diese Neigung zur direkten politischen Gestaltung hat es dort schon immer gegeben. In den letzten Jahren waren die entsprechenden Erfolge allerding nicht reich gesät. Es sieht durchaus danach aus, dass der neue "Ring" zum großen Wurf zurecht geschrieben wird. Und das nicht nur bei Springer. Ich fand auch die von Christian hier (oder war es der anderen Thread über den "Ring"?) erwähnte völlig einseitige ARD-Berichterstattung bemerkenswert. Das alles ist kein Zufall. Bei der ARD ist ganz grundsätzlich ein Abfall von Grundsätzen eines kritischem Journalismus zu beobachten, was bedenklich ist.


    Sollten wir uns nicht besser um solche Fragen der Zukunft des Theaters Gedanken machen statt zum x-ten Male zu wiederholen, wie fürchterlich das alles ist, wie schön alles mal war, wie wenig geistreich die Regisseure sind und dass uns die armen Sänger leid tun. Das, was hier als Regietheater gilt und meist scharf attackiert wird, werden wir nicht mehr los. Es sitz fest, es ist zu spät. Darauf schließe ich jede Wette ab. In dieser Auffassung bestärkt werde ich auch durch das, was sich im Sprechtheater ereignet. Die Träumereien von mehr Werktreue, denen ich mich auch gelegentlich genussvoll hingebe, sind kein Gegenentwurf zu dem, was wir in Deutschland wie anderswo erleben. Mir fällt in diesem Zusammenhang eine Äußerung von Furtwängler ein. Der ging nach eigenem Bekunden nur deshalb gastweise nach Amerika, damit dort nicht verlernt werde, wie Beethoven gespielt werden müsse.


    LG Rheingold

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Lieber Rheingold,


    hab besten Dank für Deine kluge Intervention!
    Leider kann ich den Faden jetzt nicht gebührend aufnehmen, da ich auf dem Absprung nach England bin, wo ich ein bisschen Kultur in London und Glyndebourne verbinden möchte mit ein bisschen Urlaub in Cornwall.
    Vor allem freue ich mich, echte Opernaficiados von der Insel wieder zu treffen. Bin gespannt, wie die die hysterischen Reaktionen auf Castorfs Ring sehen und wie sie die musikalische Qualität der Aufführungen beurteilen.


    Mit besten Grüßen
    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Sollten wir uns nicht besser um solche Fragen der Zukunft des Theaters Gedanken machen statt zum x-ten Male zu wiederholen, wie fürchterlich das alles ist, wie schön alles mal war, wie wenig geistreich die Regisseure sind und dass uns die armen Sänger leid tun.


    Lieber Rheingold
    Mit unseren Protesten und gebetsmühlenhaften Wiederholungen und erneuten Schilderungen, "wie fürchterlich das ist", beweisen wir doch, daß wir uns um die Zukunft des Theaters Gedanken machen.

    Das, was hier als Regietheater gilt und meist scharf attackiert wird, werden wir nicht mehr los.


    Das glaube und hoffe ich nicht. Wir dürfen und werden in diesem Kampf nicht nachlassen.
    Wie heißt es doch so schön "Steter Tropfen höhlt den Stein", oder auch "Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren".
    Persönlich bin ich froh und stolz mich hier im Forum mit vielen Gleichgesinnten vereint zu wissen.
    Ich bin auch überzeugt, gerade unser bedeutendes und führendes Forum wird von vielen Gästen gelesen und da wird manch einer zum Nachdenken angeregt und ein paar neue Mitglieder, die unserer Meinung sind und sich anschließen, haben wir in letzter Zeit auch dazu gewonnen.
    In diesem Sinne, Mit Kampfesgruß
    CHRISSY


    Kurz auch noch dazu:

    Ressentiments gegen diese Blätter sind tief verwurzelt. Sie haben vor allem während der Studentenbewegung und anlässlich der Erschießung des Studenten Benno Ohnesorg wirklich eine ganz üble Rolle gespielt. Das ist nicht vergessen.


    Das kann man aber getrost vergessen. Das Argument zieht m. M. nach überhaupt nicht. Selbst wenn es damals so gewesen war, das ist fast 50 (!!!) Jahre her und von den Journalisten und Redakteuren, die damals unbestritten vielleicht negativ berichtet haben, schreibt heute garantiert keiner mehr. Auch von der damaligen "Chefetage" ist seit vielen Jahren keiner mehr im Amt.
    In dem Zusammenhang fällt mir da gleich ein ganz anderer Typ ein, vom Steinewerfer und Straßenkrawallo zum Politiker!

    Jegliches hat seine Zeit...

  • Wie heißt es doch so schön "Steter Tropfen höhlt den Stein", oder auch "Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren".
    Persönlich bin ich froh und stolz mich hier im Forum mit vielen Gleichgesinnten vereint zu wissen.

    Ich auch!
    Komisch, warum werde ich, wenn ich das hier


    Das, was hier als Regietheater gilt und meist scharf attackiert wird, werden wir nicht mehr los. Es sitz fest, es ist zu spät. Darauf schließe ich jede Wette ab.

    lese, unweigerlich an diejenigen Politiker erinnert, die die DDR auch als "nicht mehr zu ändern" und als nun endlich zu akzeptierenden 2. deutschen Staat ansahen? Die denjenigen, die das nicht tun wollten, auch Träumerei und Realitätsferne vorwarfen? :sleeping::sleeping::sleeping:

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • Liebe Strano, Du verstehst mich jetzt und hier ganz bewusst falsch. Das ist offenbar Methode bei Dir, wie ich schon mehrfach beobachten musste. Jetzt sage ich es einfach mal. Du argumentierst ideologisch. Und darauf habe ich nicht die geringste Lust, weil das so langweilig und - gelinde gesagt - so irritierend ist.


    Gruß Rheingold

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Du argumentierst ideologisch. Und darauf habe ich nicht die geringste Lust, weil das so langweilig und - gelinde gesagt - so irritierend ist.

    Bekanntlich werfen ja Ideologen anderen am häufigsten Ideologie bzw. ideologische Argumentation vor. Aber lassen wird das - denn auch ich empfinde es als langweilig und irritierend. Fragen wir uns doch lieber einmal, wer denn diesen Thread zu welchem Zweck eröffnet hat?
    Wenn ich mir dein Eingangsposting nochmals durchlese, habe ich nicht den Eindruck, dass du dieses ebenso hehre wie schwammige Ziel


    Zitat

    Sollten wir uns nicht besser um solche Fragen der Zukunft des Theaters Gedanken machen

    damit verfolgen wolltest. :whistling:

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • Bekanntlich werfen ja Ideologen anderen am häufigsten Ideologie bzw. ideologische Argumentation vor. Aber lassen wird das - denn auch ich empfinde es als langweilig und irritierend. Fragen wir uns doch lieber einmal, wer denn diesen Thread zu welchem Zweck eröffnet hat?
    Wenn ich mir dein Eingangsposting nochmals durchlese, habe ich nicht den Eindruck, dass du dieses ebenso hehre wie schwammige Ziel


    damit verfolgen wolltest. :whistling:


    Nein. Strana Sognatrice kämpft für ihre Überzeugung. Und ihre Argumente dienen einem guten Zweck. Gegen die Ignoranz, Borniertheit und Intoleranz des RT für das richtige und gute, gegen eine Ideologie, die die Oper an den Rand des Untergangs gebracht hat. Es kostet heutzutage Mut und Kraft gegen den Strom des Irsinns zu schwimmen, wenn das ideologisch ist, dann von ich auch Ideologe!

    Liebe Grüße,
    Figarooo

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  • Danke für die Zitierung dieser grenzdebilen Rezension!

    Eine unglaubliche Entgleisung!!!
    Kannst du auch irgendwie begründen, was an dem Bericht von Peter Huth so daneben ist, dass du ihn öffentlich als "grenzdebil" einstufst?



    Das Schlimme an Castorfs "Ring" ist meiner Meinung nach, dass er das Publikum nicht ernst nimmt und nun dafür - trotz einiger positiver Stimmen - die Quittung bekommen hat.

    Nun kann man natürlich darüber diskutieren, ob und in welchem Maße ein Regisseur sein Publikum ernst nehmen soll. Mir erscheint dies jedoch als nur sekundärer Punkt. Mir wäre viel lieber, nähme er das zu inszenierende Stück ernst - die für mich wesentlich wichtigere Prämisse! Wenn das geschehen ist, kann er sich meinetwegen bei Details der Realisierung auch über sein Publikum Gedanken machen.


    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Nein. Strana Sognatrice kämpft für ihre Überzeugung. Und ihre Argumente dienen einem guten Zweck. Gegen die Ignoranz, Borniertheit und Intoleranz des RT für das richtige und gute, gegen eine Ideologie, die die Oper an den Rand des Untergangs gebracht hat. Es kostet heutzutage Mut und Kraft gegen den Strom des Irsinns zu schwimmen, wenn das ideologisch ist, dann von ich auch Ideologe!


    Der Zweck heiligt auch das Argument nicht, lieber Figarooo. Aber wenn sich Strano durch eine Bemerkung meinerseits völlig aus der Luft gegriffen an irgendwelche ewiggestrige deutschen Politiker von vor dreißig Jahren oder noch früher erinnert fühlt - Namen hat sie nicht genannt - dann empfinde ich das als unfreundlich und unsachlich. Etwas bleibt dann immer an einem etwas hängen. Es war völlig unnötig, stimmte auch hinten und vorne nicht und brachte einen ideologischen Zug in die Debatte. Dabei hätte ich ihr unter anderen Umständen gern zugehört, weil ich ihre ganz entschiedene Ablehnung des Regietheaters und ihren - wie Du schreibst - Kampf für ihre Überzeugungen - akzeptiere. Die Mittel müssen nur fair bleiben. Obwohl ich geduldig bin und viel aushalten kann, das konnte und wollte ich so nicht hinnehmen. Dabei habe ich nicht einmal dem Regietheater das Wort geredet, wirklich nicht.


    Dir allerdings zolle ich meinen Respekt, dass Du hier ganz prinzipiell eine Frau verteidigt. Das ist höchst anständig von Dir, Du bist ein Kavalier.


    Gruß Rheingold

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • In der klassischen Musik-Website LIMELIGHT erschien der lesenswerte Artikel „Blowjobs rock Bayreuth while Barenboim's Ring resounds“, der den Unterschied zwischen dem Bayreuther und dem Londoner „Ring“ zum Inhalt hat.
    Eine Weiterleiten des Artikels ist nicht gestattet, deshalb hier der Hinweis für Interessierte.


    :hello:

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Der Zweck heiligt auch das Argument nicht, lieber Figarooo. Aber wenn sich Strano durch eine Bemerkung meinerseits völlig aus der Luft gegriffen an irgendwelche ewiggestrige deutschen Politiker von vor dreißig Jahren oder noch früher erinnert fühlt - Namen hat sie nicht genannt - dann empfinde ich das als unfreundlich und unsachlich.

    Das aber ist dann auch dein Problem, Rheingold, denn so war es nicht gemeint. Es bleibt aber mir überlassen, wie ich bestimmte Äußerungen interpretiere und woran ich mich durch sie erinnert fühle. Wenn du - wie ich finde - ziemlich apodiktisch behauptest:

    Zitat

    Das, was hier als Regietheater gilt und meist scharf attackiert wird, werden wir nicht mehr los. Es sitz fest, es ist zu spät.

    , dann solltest du auch in Kauf nehmen, dass dies jemand als grundlose, vorschnelle Kapitulation auffasst und dagegen Widerspruch einlegt. Wenn ich mich dadurch z.B. an sehr ähnlich klingende Aussagen vor allem westdeutscher Politiker bzgl. der Ex-DDR erinnert fühle, dann ist das a) mein gutes Recht und b) sagt das noch lange nicht aus, dass ich dir diese Geisteshaltung ebenfalls unterschieben und dich damit diskreditieren möchte. Ich bemerke nur die Ähnlichkeit der Aussagen im Bezug auf ein angeblich unabänderliches, auf Ewigkeit gegebenes "Schicksal". Das ist alles. Von "Ideologisierung" kann dabei keine Rede sein, und es ist sehr schade, wenn du das so auffasst.


    Und noch etwas. Niemand hat behauptet, dass das RT von heute auf morgen aus den Theatern verschwinden wird oder zumindest dezimiert werden kann, bzw. dass das, was es bisher angerichtet hat, völlig rückgängig zu machen sei. Wer das täte, würde in unrealistisch-sträflicher Manier den Einfluss all jener Mechanismen verkennen, die dafür gesorgt haben, dass es überhaupt so weit kommen konnte. ABER: Nichts ist von Dauer, nichts ist so ehern, dass es für die Ewigkeit Bestand haben könnte, auch das RT nicht, wenngleich auch noch so viele Lobbys dahinter stehen mögen. Es gilt also, weiterhin Widerspruch einzulegen, anstatt das Feld kampflos zu räumen. Dieser Widerspruch kann ganz unterschiedlich sein, aber eine Form ist auch das Internet, sind auch Threads wie dieser. Dass so etwas vielen nicht passt und hier sogar schon der Begriff "Moratorium" hinsichtlich eben dieser Diskussionen gefallen ist, ist wohl kaum verwunderlich.

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • Richtig, wenn ich eine Überzeugung habe und verändern will, dann muss ich für meine Meinung kämpfen. immer wieder und langfristig. Gottes Mühlen mahlen langsam aber sie mahlen. Veränderungen, die langsam kamen, sich schleichend aufbauten und dann als scheinbar gültige Meinung festsetzten, werden sich nach den selben Gesetzmäßigkeiten überleben und genau so absterben. Also Geduld und Ausdauer!


    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Eine erfreuliche Stellungsnahme des kundigen Stefan Mikkisch zum heutigen Katharina-Zirkus in Bayreuth, die ich dankenswerter Weise in einem anderen Forum fand:
    "Die Bayreuther Festspiele unter der derzeitigen Leitung haben nichts mit Richard Wagner zu tun. Das einzige, was mit ihm zu tun hat, ist das Festspielhaus und das hat der Urgroßvater gebaut." Inhaltlich: Das einzige Projekt der letzten Jahre, das er gelten läßt, ist die Inszenierung und Regiearbeit des "Parsifal" von Stefan Herheim. Wenn man Wagner erleben wolle, solle man besser anderswo hin fahren, beispielsweise nach München, Salzburg (da lobte er die "Meistersinger", ebenfalls ja von Stefan Herheim) oder Luzern. Er selbst sei, Gott sei Dank, mit seinen Vorträgen von der Festspielleitung vollkommen unabhängig.

  • Wie ich heute las, beklagt sich Castorf darüber, dass die Bayreuth-Chefinnen versuchten, die Wiederaufnahme seiner Verunstaltung des "Rings", die im vorigen Jahr zu einem Skandal wurde, zu torpedieren. Er meinte, Bayreuth falle dadurch, dass es solche Produktionen nicht mehr wolle, auf das Niveau eines Stadtheaters zurück. Bezeichnend ist auch, dass sich Castorf laut Bericht im Kölner Stadt-Anzeiger juristischen Beistand bei Gregor Gysy geholt haben soll, was die Ansichten Alfreds über die linken Tendenzen des Verunstaltungtheaters untermauert.
    Es war immer mal mein Traum, mir einmal eine Oper Wagners in Bayreuth leisten zu können. Bei den derzeitigen Produktionen dort würde ich aber eine Karte nicht einmal geschenkt haben wollen, wenn man mir den Aufenthalt, das Essen und noch 1000 € dazu schenken würde.

    Liebe Grüße
    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Bezeichnend ist, dass man in der vergangenen Woche (und in der letzten Zeit immer wieder mal) auf der Heimseite der Festspiele problemlos Tickets für einen Ringzyklus kaufen konnte. Die Damen haben wirklich schnell abgewirtschaftet. Eva W-P zieht sich sicher nicht ohne Grund zurück.

    res severa verum gaudium


    Herzliche Grüße aus Sachsen
    Misha

  • Das sind die Gesetze des Marktes. Die Käufer der Tickets entscheiden. Warum soll ich mir ein schlechtes Produkt kaufen? Kann es sein, dass am Ende die fehlenden Einnahmen einen Denkprozess in Gang setzen? Doch das ist nur die halbe Wahrheit.


    Zitat Handelsblatt
    "Die Richard-Wagner-Festspiele sind eines der größten kulturellen und gesellschaftlichen Ereignisse des Jahres. Trotzdem schreibt die Veranstaltung keine schwarzen Zahlen. Sieben Millionen Euro müssen der Bund, der Freistaat Bayern und die Stadt Bayreuth jedes Jahr dazugeben. Und das obwohl Wagner-Fans bereit sind, 700 Prozent des offiziellen Eintrittspreises für Karten auf dem Schwarzmarkt zu bezahlen. Ein Grund für die negative Bilanz ist, dass nur 40 Prozent der Karten in den freien Verkauf gelangen. Der Großteil wird so vergeben, meist an prominente Persönlichkeiten."
    .

    I think laughter is preferable to tears.

    John Cage


    Jede Hörerin und jeder Hörer des öffentlich-rechtlichen Rundfunks hat Anspruch darauf, wenigstens einmal am Tag überfordert zu werden.

    Hans Winking

  • Die staatlichen Subventionen in Deutschland sind ja ein Grund für die fortbestehenden Gräuel des Regietheters. Ist ein Haus auf zahlende Besucher existentiell angewiesen, kommt früher oder später das Umdenken. Zumal sich ja auch ein Herr Castorf seinen Murks teuer bezahlen lässt. Beim eigenen Potremonnaie hört die Kapitalismuskritik in der Regel auf.

    res severa verum gaudium


    Herzliche Grüße aus Sachsen
    Misha

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  • Wenn die Entscheidungsträger der Subventionen einen Grossteil der 60 % Frei-Karten erhalten, wird der Geldstrom der 7 Millionen Euro der öffentlichen Hand wohl weiterhin fliessen. Oder habe ich etwas übertrieben? Die wirtschaftlichen Zusammenhänge des Kulturbetriebes Bayreuth wären eine Betrachtung wert.
    .

    I think laughter is preferable to tears.

    John Cage


    Jede Hörerin und jeder Hörer des öffentlich-rechtlichen Rundfunks hat Anspruch darauf, wenigstens einmal am Tag überfordert zu werden.

    Hans Winking

  • Zitat

    Zitat Handelsblatt: Sieben Millionen Euro müssen der Bund, der Freistaat Bayern und die Stadt Bayreuth jedes Jahr dazugeben.

    Zitat

    Zitat von Moderato: Der Großteil wird so vergeben, meist an prominente Persönlichkeiten."

    Hier ist der Bund der Steuerzahler gefragt. Es ist nicht einzusehen, dass der Steuerzahler diese Millionen aufbringen muss, damit die Prominenz, bei der ich - gerade in Bayreuth - den Eindruck habe, dass die Wenigsten von denen eine Beziehung zur Oper haben und eine Ahnung, was ihnen da an Unsinn vorgesetzt wird, sich aber auf dem Laufsteg zeigen müssen, Freikarten bekommen und der normale Wagnerfreund bisher - auch wegen der für ihn dann horrenden Eintrittspreise (er zahlt also auch noch für die Prominenz mit) - kaum die Chance hatte, nach Bayreuth zu gehen.
    Nun aber wollen aber viele Wagnerfreunde nicht mehr, weil sie diesen Müll, der dort geboten wird, verschmähen. Bezeichnend ist, dass inzwischen - und das habe ich schon voriges Jahr festgestellt - noch kurz vor Beginn der sogenannten "Festspiele" von den verschiedensten Unternehmen noch Fahrten dorthin angeboten werden, um die übrig gebliebenen Karten (was früher nie der Fall war) an den Mann zu bringen.
    Und Eva Wagner Pasquier schein die vernünftigere der beiden Damen zu sein, wenn sie sich aus diesem Pfuhl zurückziehen will.
    Bayreuth - nein danke!


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Und, wie ich in Kulturnachrichten im WDR hörte, hat der Bundesrechnungshof zum wiederholten Mal die geringe Quote der Karten-Verkäufe gerügt.


    Aber wer oder was ist schon der Bundesrechnungshof X(

    .


    MUSIKWANDERER

  • Zitat

    Zitat von Musikwanderer: Aber wer oder was ist schon der Bundesrechnungshof

    Zumindest hat er keinen Einfluss auf die Art der Inszenierungen. Aber der geringe Kartenverkauf, der durch das immer mehr nachlassende Interesse bzw. die Wut der Opernfreunde an den immer dämlicher werdenden Verunstaltungen durch das sogenannte "Regietheater" führt dazu, dass der freie Kartenverkauf auch diese Quote nicht mehr ausfüllt.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Aber der geringe Kartenverkauf, der durch das immer mehr nachlassende Interesse bzw. die Wut der Opernfreunde an den immer dämlicher werdenden Verunstaltungen durch das sogenannte "Regietheater" führt dazu, dass der freie Kartenverkauf auch diese Quote nicht mehr ausfüllt.


    Das stimmt so nicht. Ich habe die genauen aktuellen Zahlen nicht im Kopf, aber es ist in etwa so, dass tatsächlich eine deutlicher Rückgang an Kartenbestellungen zu bemerken ist. Das heißt aber in der Praxis, dass die Festspiele nicht mehr zehnfach überbucht sind, sondern "nur" mehr fünffach (oder so ähnlich). Wenn also der Rechnungshof zu hohe Freikartenkontingente bemängelt, können diese nicht als Kompensation für mangelnden Kartenverkauf entstehen, sondern nur durch ausufernde (erzwungene?) Großzügigkeit (vermutlich geldgebender) Interessengemeinschaften gegenüber.


    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Das stimmt so nicht. Ich habe die genauen aktuellen Zahlen nicht im Kopf, aber es ist in etwa so, dass tatsächlich eine deutlicher Rückgang an Kartenbestellungen zu bemerken ist. Das heißt aber in der Praxis, dass die Festspiele nicht mehr zehnfach überbucht sind, sondern "nur" mehr fünffach (oder so ähnlich). Wenn also der Rechnungshof zu hohe Freikartenkontingente bemängelt, können diese nicht als Kompensation für mangelnden Kartenverkauf entstehen, sondern nur durch ausufernde (erzwungene?) Großzügigkeit (vermutlich geldgebender) Interessengemeinschaften gegenüber.

    So wird es sein. Und ich sage mir, diese Betuchten müssten ihre Karten selber bezahlen, aber ich weiß natürlich auch, dass das ein Traum ist. Der Teufel "macht" eh immer auf den dicksten Haufen...


    :hello:

    .


    MUSIKWANDERER

  • Ich möchte schon mal klarstellen, dass das Spiegel - Interview mit Castorff (geführt von zwei Analphabeten der Spiegel - Redaktion) eine grobe Fälschung ist. Das wahre Interview, das Castorff mit Dr. Pingel auf der Grundlage des fiktiven Spiegel-Interviews geführt hat, erscheint demnächst hier. Und wo? Na, klar, in Dr. Pngel´s satyrischen Brosamen.

    Nulla dies sine linea (nach wie vor gültige Römerweisheit)

  • Unfrohe Botschaften aus Bayreuth


    Ein paar Anmerkungen der FAZ zum Niedergang eines ehemals sehr bedeutenden Festivals! :(


    Schönen Sonntag wünscht Rheingold :)

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Unfrohe Botschaften aus Bayreuth


    Na endlich werden die Journalisten nach und nach auch einsichtiger und kritischer. Das immer wieder ahnungslose Bejubeln solcher Verunstaltungen durch sich modisch wähnender Journalisten ist hoffentlich langsam überholt. An der Tatsache, dass nach früherer fünffacher Überbuchung neuerdings Karten übrig bleiben und an den Leserzuschriften sieht man ebenfalls, dass die überwiegende Mehrheit diesen Unsinn ablehnt. Bayreuth ist einfach durch falsche Regisseurswahl niedergewirtschaftet worden und es sieht nach den Planungen für die Zukunft immer düsterer aus.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

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