Die Musik von Astor Piazzolla

  • Dieser Thread soll einen der der besten Musiker der Neuzeit ehren, den argentinischen Komponisten Astor Piazzolla.


    Er hat Elemente der klassischen Musik mit dem Tango verbunden, und so eine neue Musikform geschaffen, den argentinischen Tango. Aber seine Musik geht weit über den Tango hinaus, auch "Jazz" ist nur ein unvollkommener Oberbegriff, aber "Pop" ist es jedenfalls gar nicht...


    Laßt Euch ein wenig verzaubern...


    Hier also ein zentrales Tango-Thema, interpretiert von den Katona-Twins, die heute im Eröffnungs-Konzert des 22. Iserlohner Gitarren-Symposiums einen sehr guten Eindruck hinterlassen haben.


    http://www.youtube.com/watch?v=IPDEOBrHpfc

  • Zum Beitrag Nr. 1 - Hallo m-mueller,


    das ist Gitarrenmusik auf allerhöchstem Niveau. Wer mag kann das mit m. E. einfallslosem und einfältigem E-Gitarrenlärm von so mancher Pop-Ikone (auch wenn sie schon 70 ist) vergleichen - besser man tut's nicht.


    Viele Grüße
    zweiterbass

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

  • Hallo zweiterbass,


    spielst Du jetzt auf Mick Jagger an?


    Der hat allerdings nie - so weit ich weiß - irgendwas von Piazzolla versucht zu interpretieren - ansonsten ist er durchaus ein Musiker "in his own right" - ich mag viele seiner Stücke und manche sind genial.


    Muß man nicht mögen, aber darf man ruhig.


  • Dies dürfte auch so ein Stück sein. Die Tangos finde ich in der Version mit Klavier und Violine am gelungesten. Mit Popmusik haben diese beeindruckenden Kompositionen absolut nichts zu tun, die passen wunderbar in jedes klassische Konzert und sind - wenn man so will - mehr eine "Gattung für sich", so wie die Tangos von Ernesto Nazareth.

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • n´amd Strana:


    jooo, schönes Stück, schöne Interpertation.


    Das dritte Stück aus dem Dutzend ist ebenfalls ein solcher Tango: Oblivion


    http://www.youtube.com/watch?v=oB-RS000NLs


    Die beste Interpretation dieses Stückes ist von dem leider ziemlich unbekannten Duo Giampaolo Bandini (Gitarre) und Caesare Chiachiaretta (Bandoneon), die eine CD namens "Hombres de Tango" eingespielt haben, die es anscheinend nur noch als mp3-Download (igitt) gibt:


  • Vuelvo al sur zählen wir zum Dutzend - müssen ja zum Schluß nicht notwendigerweise 12 sein...


    Nicht von Piazzolla, sondern von Carlos Gardel, aber eines der ganz prominenten Stücke des argentinischen Tango, ist Por una cabeza, und gehört damit zentral zum "dirty dozend".


    Es ist in so manchen Filmen verwendet worden, z.B. in Schindlers Liste, einem Schwarzenegger (der mit zur Zeit gerade nicht einfällt), im wirklich schönen Film "Der Duft der Frauen" (einen Duft, um den es im Prinzip so gut wie gar nicht geht) und auch im folgenden Ausschnitt aus einem Film mit Colin Firth, aber keine Ahnung welcher (jedenfalls nicht Pride & Prejudice oder The King´s Speech - gg)...


    http://www.youtube.com/watch?v=Gcxv7i02lXc


    Noch besser wird das Stück, wenn der markante Melodieteil nicht von Geigen, sondern von einem Bandoneon vorgetragen wird - auch hier noch mal der Verweis auf die CD "Hombres de Tango", die ich weiter oben schon vorgestellt habe - eine bessere Version von Por una cabeza als die auf der CD kenne ich nicht.

  • Mal ein Album, das mir gar nicht gefällt, obwohl die beiden Protagonisten für sich genommen zu den Spitzenleuten der jeweiligen Profession gehören:


    Ich mag Gallois und ich bin ein Fan von Söllscher, aber eine Querflöte kann kein Bandoneon ersetzen und eine Gitarre kein Orchester - der resultierende Klang ist viel zu dünn für diese Art von Musik.

  • Leider kann ich auch diese "Gesamtaufnahme" nicht empfehlen:



    Viele Stücke sind einfach zu alt, die Klangqualität ist stark eingeschränkt. Auch wenn man hier mit wenig Geld einen umfassenden Überblick bekommt, ist die Zusammenstellung (immerhin 10 CDs) nur etwas für Hardcore-Sammler.

  • In einem anderen Thread habe ich bereits auf die nachstehende, künstlerisch und klangtechnisch ausgezeichnete Aufnahme hingewiesen:



    Gidon Kremer und seine Kremerata Baltica spielen ein Tango Ballet, das Concierto del Angel und Tres Piezas par Orquesta de Camera. Es handelt sich um leidenschaftliche, melancholische und streckenweise von Schwermut geprägte Musik, in deren Mittelpunkt der Tango in unterschiedlichsten Ausformungen steht.

    LG
    Portator

  • YouTube spricht von einer Improvisation.
    Und dann werden auch noch alle Geräusche des Waldes sorgfältig herausgefiltert.
    Was bringt dann ein "Waldkonzert"?

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

  • Hallo zweiterbass,


    improvisiert kommt mir das eher nicht vor, die beiden haben das vermutlich schon ein paarmal gespielt.


    Ansonsten ist ein "Waldkonzert" ein Event mit frischerer Luft, freierem Gefühl und schlechterer Akustik. Wegen des Waldes habe ich den Link allerdings nicht vorrangig eingestellt.

  • Diesen Thread gibt es schon vier Jahre hier, und ich habe ihn - ich gesteh´s zu meiner Schande - erst heute entdeckt. Und um der Schande gleich noch eine gehörige Portion draufzupacken: Ich kannte dieses Astor Piazzolla bislang gar nicht.
    Was sich aber, wie ich nun heute erfahren habe, indem sich die Links hier nutzte und mich erstmals in seine Musik einhörte, als ein gehöriges Manko an Erfahrung und Bildung in Sachen zeitgenössischer Musik herausgestellt hat.
    Dem lieben Kollegen m-mueller sei Dank, dass er mir mit seinem hiesigen Thread ermöglicht hat, dieses Manko ein wenig zu beheben.


    Diese Musik ist hinreißend, - in der spannungsreichen und kreativen Synthese von traditioneller Tango-Klanglichkeit und -Rhythmik und Elementen klassischer Musik. Und sie ist es auch deshalb, weil sie sich nicht scheut, musikalische Ausdrucksformen des Jazz und der Pop-Musik in sich einzubeziehen, sie in ihrem klanglichen Potential zu nutzen und damit in einem der künstlerischen Wahrhaftigkeit verpflichteten Sinn zeitgenössisch-modern zu sein.


    Wie Piazzolla "Live in the Montreal Jazz" (s. Beitrag 24) mit seinem Bandoneon die spezifische Jazz-Rhythmik akzentuiert und dabei ein faszinierendes Spiel mit melodischen Legato-Figuren und Blue-Notes betreibt, das ist wahrlich, - wie sagt m-mueller treffend: "Große Klasse"!