Einer Anregung in einem anderen Faden folgend, sei die Diskussion über den (nicht mehr so ganz) neuen Ring der MET eröffnet. Der erhältliche "Querschnitt" (bei Wagner ohnehin fast ein Verbrechen) imponiert vor allem durch sein brutalen Schnitte. Bei den Sängern fällt einem zunächst das hemmungslose Geschluchze von Kaufmann auf (da übertrifft er selbst Gigli in seiner späten Butterfly) und dann fragt man sich:In welcher Sprache singt eigentlich Frau Voigt? Deutsch ist das jedenfalls nicht.
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...mmh, es geht wohl nicht um den aktuellen Ring an der MET, oder?
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Ich gehe mal davon aus, dass dieser "Ring" gemeint ist:

LG
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Hoppla,
das ist ja eine interessante Eröffnung für eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem aktuellen Ring-Zyklus an der MET: Gleich mit kontextfreiem Draufschlagen einsteigen, und dann ein Beitrag, der fragt, worum es eigentlich geht. So wird das aber nichts mit dem von Alfred gewünschten lexikographischen Charakter...
Nochmal von vorn: Es geht um die aktuelle Inszenierung des "Ring des Nibelungen" an der MET von Robert Lepage.
Dirigenten: James Levine and Fabio Luisi.
Regie: Robert Lepage.
Sänger: Stephanie Blythe, Richard Croft, Jonas Kaufmann, Hans-Peter König, Waltraud Meier, Jay Hunter Morris, Eric Owens, Gerhard Siegel, Bryn Terfel, Deborah Voigt, and Eva-Maria Westbroek.
Orchestra and chorus: Metropolitan Opera.
Set designer: Carl Fillion.
Costume designer: François St-Aubin.
Lighting designer: Etienne Boucher.Das Ganze ist auf DVD und Blu ray bei der Deutschen Grammophon erschienen. Länge 920 Minuten.

Zur Inszenierung gibt es einen eigenen Film, "Wagner´s Dream". Der Trailer dazu auf Englisch findet sich hier:
Und hier der Beginn des "Rheingolds", die ersten 25 Minuten:
Soweit erstmal als Rahmen.
Herzliche Grüße
Christian
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...mmh, es geht wohl nicht um den aktuellen Ring an der MET, oder?
Falls du Zweifel hast, so kann ich dich beruhigen: Es geht NICHT um Tulpen aus Amsterdam. -
...ach so, nur um Klischeevorstellungen und Ressentiments... Dann kann ich das Thema getrost rechts liegen lassen. (Moffrikaan!
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Jetzt mal im Ernst: Nu` ist geklärt, dass es sich doch um den neuen MET-Ring handelt. Schön! Das Wort "Querschnitt" beinhaltet ja schon "Schnitte". Da ich davon ausgehe, dass die DVD mit der Kino-Liveübertragung 1:1 identisch ist (ist es nicht so?), kann es eigentlich hier nur um eine CD-Veröffentlichung gehen. Selbst bei älteren Gesamtaufnahmen fehlt oft zwar nichts, doch zugunsten der Leerrillen auf den Schallplattenveröffentlichungen zwischen den einzelnen Stücken, wirken diese wie brutale Schnitte. Schade, wenn bei heutiger digitaler Technik das immer noch so sein sollte.
Lieber Misha, schau mal in die DVD rein. Da singt Herr Kaufmann und Frau Voigt zwar ebenso, aber vielleicht versöhnt der stringente Charakter der Aufnahme. Ich bin derzeit davon immer noch überzeugt, dass es sich um die beste Ringaufnahme (-inszenierung) handelt, die zumindest ich noch erleben durfte.
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Ganz vermag ich Oranje nicht zu folgen. Ich habe diesen Ring auch im Kino gesehen, und für mich war die Dekoration mit technischen Spielereien überfrachtet. Die Sänger mußten sich mehr darauf orientieren, nicht aus den Bühnenaufbauten zu fallen als auf das Singen. Bei mir kam ehrlich keine Superstimmung auf. Leider. Hinzu kam, daß im Kino der Ton zu laut war, ich hatte längere Zeit Ohrenrauschen.
Mein bester Ring war in der Oper Chemnitz, in der Walküre z.B. mit einem fabelhaften Endrik Wottrich. Es war zaghaftes Regietheater (Alfred würde meinen Regietheater light), aber mit durchaus historisierenden Kostümen und einem eindrucksvollen Feuerzauber am Ende der Walküre (wenn da auch der Wotan von Hans-Peter Scheidegger deutliche Ermüdungserscheinungen zeigte).
La Roche
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Nunja, für die Lautstärke im Kino würde ich den MET-Dramaturgen weniger verantwortlich machen.
Die Chemnitz-Version würde mich schon interessieren. Auf welchem DVD-Label ist sie erschienen? Denn Live gibt es,
ganz sicher, wenig Schnitte. -
Diesen "Ring" aus der Met hatte ich mir auch schon einmal vorgenommen und bin zu folgenden ganz persönlichen Eindrücken über dieses Ereignis vom Blu-Ray-Player in heimischer Breitwand mit rauschhaftem Sound gelangt. Andere Labels werden sich viel Mühe geben müssen, um wenigstens mitzuhalten. Zu toppen dürfte dieser Ring derzeit nur schwerlich sein – allein wegen eines einzelnen Mitwirkenden nicht: JONAS KAUFMANN. Er singt den Siegmund und überragt in dieser Rolle alle anderen, zum Teil meilenweit. Daran ist überhaupt nicht zu rütteln. Kaufmann scheint auf dem Höhepunkt seiner Karriere, sein dunkler, zur Schwere neigender Tenor, der auch keine Probleme mit der Höhe hat, ist wie geschaffen für diese Figur. Ohne neuen Aufgaben vorgreifen zu wollen, es scheint, als habe er im Siegmund die Rolle seines Lebens gefunden. Besser geht das nicht. Er singt in der obersten Liga. Kaufmann nimmt die Rolle sehr empfindsam auf, er stemmt sie nicht und weiß auch, wie nützlich im rechten Moment stimmliches Haushalten sein kann. Er macht aus seinem Siegmund einen Menschen aus Fleisch und Blut, weniger den gehetzten Außenseiter, den scheiternden Held, den Archetyp. Und auch das zählt: Nie hat einer so gut ausgesehen wie er. Der Regisseur bringt das gehörig zur Geltung, gewandet ihn mit einem nicht unerotischen Wams, versteckt ihn also nicht in derbem Zwirn.
EVA-MARIA WESTBROEK, die schöne Sieglinde, passt mir ihren dunkel timbrierten Sopran haargenau zu diesem Siegmund. Allein stimmlich suggerieren beide das tragische Zwillingspaar. Am stärksten war ich an dieser Stelle berührt, da war es ganz pur: „O still! Lass mich der Stimme lauschen: Mich dünkt, ihren Klang hört‘ ich als Kind – Doch nein! Ich hörte sie neulich, als meiner Stimme Schall mir widerhallte der Wald.“ Wie bei Kaufmann ist auch bei ihr jedes Wort zu verstehen, sie hat sich die Rolle so gründlich erarbeitet, dass sie ihr ganz leicht und natürlich und ohne jede Anstrengung über die Lippen geht. Dadurch eröffnen sich ihr große Räume für die die intensive wie diskrete Darstellung.
Das war es dann auch an allerhöchstem stimmlichem Niveau! Von nun an geht’s nach meiner Meinung bergab in die Niederungen einer sehr gewöhnlichen Vorstellung. DEBORAH VIOGT fängt sich zwar im Laufe ihrer langwierigen Aufgabe als Brünnhilde etwas, kommt aber gleich mit mehreren Stimmen und deutlichen Intonationsproplemen daher. Sie verhunzt die Rolle sprachlich bis zur Unkenntlichkeit. „Leuchtende Liebe, lachender Tod“ habe ich so noch nie gehört. STEPHANIE BLYTHE, die im sehr breiten widderhorn-besetzten Sessel hereingeschoben wird, bringt nichts für die Rolle als Fricka mit. WALTRAUT MEIER, die Wagnererfahrene, kann als Waltraute in der „Götterdämmerung“ abermals punkten. Für die Erda hat die blond bezopfte PATRICIA BARDON genug Tiefe.
Die anderen Männer? Nun ja. JAY HUNTER MORRIS, der Siegfried, bleibt allgemein und ist nicht zu verstehen. Er gefällt höchstens als wilder, aufsässiger Typ. HANS-PETER KÖNIG (Fafner, Hunding und Hagen) kommt wie ERIC OWENS als sein Vater Alberich, bei stimmlicher Akkuratesse ohne jeden Anflug von Dämonie aus. GERHARD SIEGEL, ein sehr guter und verständlicher Mime, neigt wie einst Gerhard Stolze zu Übertreibungen. Dem Loge von RICHARD CROFT gehen die Höhen aus, er muss mogeln. Bleibt BRYN TERFEL als Wotan und Wanderer. Der ist mir zu hell und zu sportlich. Für Terfel spricht, dass er sich mit Intelligenz in einer neuen, zeitgemäßen Interpretation des Göttervaters versucht, sich lösen will von den ewigen Vorbildern. Das verdient Respekt und gelingt im Großen und Ganzen sehr gut.
Lepage geht in seiner Produktion eigene Wege. Er versucht den Spagat zwischen Tradition und Erneuerung ohne etwas spektakulär Zukunftsweisendes zu erfinden. Für dieses Mal liefert er eine solide Arbeit, bei der ihm die Akteure leider nicht immer folgen. Wie beispielsweise Hagen am Schluss des Ganzen von den Rheintöchtern in die Fluten des Rheins gezogen werden, wirkt ehr wie ein putziger Scherenschnitt, weil sich der Hagen mehr in die Tiefes des Gewässers tastet. Jetzt bitte ja nicht ausrutschen! Meilenweit ist Lepage von dem entfern, was gemeinhin als Regietheater gilt. Sein „Ring“ ist optisch stark ins Archaische gerückt, während die Figuren nicht in Erstarrung verharren. Man ist an Kaiserpfalzen in dunkler historischer Zeit erinnert. Dunkel ist auch die Bühne wenn nicht gerade Flammen hochschlagen.
In die musikalische Leitung teilen sich JAMES LEVINE („Rheingold“ und Walküre“) und FABIO LUISI. Das Publikum rast, es ist mehr als zufrieden. Und das ist immer noch die Hauptsache.
Was diesen weiter oben erwähnten Querschnitt angeht: Es gibt von dieser Produktion einen Zusammenschnitt der wichtigsten Szenen auf CD, die - wenn ich nicht irre - hier auch mal unter Neuerscheinungen angezeigt wurde. Hier ist sie nochmal:
Zur kritischen Anmerkung von La Roche über die Lautstärke der Kinoübertragung kann ich nichts sagen. Ich sah ihn ja zu Hause, und das gibt es einen eigenen Regler.

Gruß Rheingold
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Danke für diese sehr ausführliche Rezension!
Ist es denn wirklich so, dass die von Luisi dirigierten Abende gegenüber Levine abfallen? Leider verhinderte wohl Levines Krankheit, dass er den kompletten "Ring" dirigiert.
Beste Grüße
Joseph

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Ist es denn wirklich so, dass die von Luisi dirigierten Abende gegenüber Levine abfallen? Leider verhinderte wohl Levines Krankheit, dass er den kompletten "Ring" dirigiert.
Das ist eine gute Frage, die zumindest ich gar nicht eindeutig beantworten kann, lieber Joseph. Ich hatte nicht derlei Eindruck, dass es da einen Anfall gegeben hat. Das Orchester der Met ist ja sehr auf Levine fixiert, weil der so lange der Chef ist. Die könnten bestimmt auch ohne ihn spielen. Mein Eindruck ist, dass die Musiker auch unter Luisi wie von Levine geführt spielen. Ich glaube, so etwas ist möglich.LG Rheingold
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Liebe Wagnerfreunde,
folgende interessante Sammlung von Reviews über den aktuellen MET- Ring habe ich von einer befreundeten Opernliebhaberin aus den USA erhalten. Sie schaut sich alle MET- Produktionen im Kino an, weil das dort preisgünstig und bequem ist.
http://www.nytimes.com/2011/10…impressive-vvsinging.html
http://www.huffingtonpost.com/…ring-cycle_n_1238998.html
http://www.nytimes.com/2012/01…ng-at-the-met-review.html
http://www.newyorker.com/onlin…t-ring-cycle-critics.html
http://www.nytimes.com/2012/05…e-metropolitan-opera.html
http://www.nytimes.com/2013/04…nca-at-carnegie-hall.htmlhttp://www.nytimes.com/2013/04…ropolitan-opera.html?_r=0
http://www.forbes.com/sites/ay…he-better-with-siegfried/
http://theclassicalreview.com/…tisfying-gotterdammerung/
http://www.forbes.com/sites/ay…mmerung-at-the-met-opera/
http://www.bloomberg.com/news/…hould-survive-review.html
http://www.wagneropera.net/DVD…e-Metropolitan-Review.htm
Persönliche Anmerkung:
Während meines letztjährigen NY-Aufenthalts lief dort gerade auch der „Ring“, welcher unter den Besuchern lebhafte Diskussionen auslöste. Die meistgenannten US-Publikumslieblinge waren Voigt, Kaufmann, Terfel und ganz besonders Waltraud Meier.
Die interessantesten Begegnungen kann man übrigens im MET-Shop machen, da trifft man schon mal einen Top-Star der Opernszene oder man tauscht sich mit Besuchern aus, die gerade ihre Eindrücke der letzten Vorstellung verarbeiteten. Eine ältere Dame zB heulte Rotz und Wasser über die geschmissene „Traviata“ von Natalie Dessay am Vorabend. Da war ich mit „Manon“ schon besser dran. Doch trotz der überragenden Vorstellung von Anna Netrebko war ich vom Benehmen der Amerikaner in ihrem Kulturtempel sehr enttäuscht. Sie kommen gummikauend in Cowboy- oder Militärklamotten in die MET, lümmeln sich in ihren Sitzen und spielen an ihren Mobilephones herum. Dann nach Ende der Vorstellung – der letzte Ton ist gerade verklungen – stehen 4000 Amis auf und eilen den Ausgängen zu. Ich war geschockt.
Man stelle sich dieses Bild vor: Die Sänger verneigen sich nach ihrer Darbietung vor einem Heer von „Ärschen“, die alle zur Subway drängen.
So eine Missachtung von Kunst und Künstlern habe ich noch nie erlebt. Deshalb werde ich auch keine Opernaufführung mehr in den USA besuchen. -
Der Kritik von Rheingold kann ich mich weitgehendst anschliessen. Auch ich finde Kaufmann überragend. Meine einzige Einschränkung betrifft Brian Terfel, der mich mehr überzeugt hat als Rheingold.
Was vielleicht noch positiv angemerkt werden muss, ist die überragende Tonqualität dieser Aufführungen.
Im Ganzen gesehen ist jedenfalls dieser Ring der diesjährigen Bayreuther-Parodie bei weitem vorzuziehen! -
Kaufmann ist sicher neben Botha der zZ beste Siegmund und hat zusätzlich noch darstellerische Qualitäten. Fakt ist aber, dass er auf der CD (die DVD mag besser sein) mit dem Querschnitt der MET weit unter seinen Möglickeiten singt und ständig die Töne anschluchzt. Bei Gergiev ist er um Klassen besser. Letzterer hat m.E. mit Kampe und Stemme außerdem die weit bessere Damenriege, und Pape gefällt mir auch besser als Terfel (wobei ich dessen Leistung nicht schmälern will).
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Nunja, für die Lautstärke im Kino würde ich den MET-Dramaturgen weniger verantwortlich machen.
Die Chemnitz-Version würde mich schon interessieren. Auf welchem DVD-Label ist sie erschienen? Denn Live gibt es,
ganz sicher, wenig Schnitte.
Ersteres stimmt, hat aber den Gesamteindruck doch geschmälert.Vom Chemnitzer Ring gibt es nur die Erinnerung. Leider.
La Roche