Wolfgang Amadeus Mozart: Klarinettenkonzert A-Dur, KV 622

  • Von meinen Einspielungen dieses herrlichen Werks ist mir die Aufnahme mit Hans Deinzer und dem Collegium Aureum am meisten ans Herz gewachsen.Da stimmt einfach alles,Tempo,Höhe,Tiefe,Lautstärke von Solo und Tutti.Einfach genial und mit viel Seele musiziert.
    Sabine Meyer spielt ebenfalls perfekt,doch ich bekomme beim Hören das Gefühl,daß hier Jemand eine hochqualifizierte Arbeit verrichtet.Mozarts Atem kommt hier etwas zu kurz.
    Deshalb rangiert hier der Lehrer vor der Schülerin,die es inzwischen auch zu Meisterehren gebracht hat.

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Ich habs zwar gerade schon im Abbado-Thread deponiert, will dann der Vollständigkeit halber aber auch hier noch meine Meinung zu der Meyer-Abbado Aufnahme von 1998 absondern.
    Zuvor muß ich aber gestehen, daß ich als weitere Alternative nur die von mir ebenfalls als sehr schön empfundene Aufnahme mit dem Big-Band-Leader Benny Goodman an der Klarinette habe (und den zweiten Satz mit Marriner auf dem Out of Africa-Soundtrack :D ) und mich dieser Thread sehr neugierige auf weitere Alternativen gemacht hat (Harnoncourt, Orpheus Chamber Orchestra, etc), nun aber zurück zu Meyers zweiten Einspielung:
    Sie spielt ja nun auch auf einer Bassettklarinette, was ja bei den Aufnahmen in diesem Thread überraschenderweise eher die Regel als die Ausnahme ist.


    (blablabla, gelöscht am 11.10.2008 weil ich mit meiner damaligen Einschätzung nicht mehr ganz einverstanden bin)


  • Zitat

    Original von ThomasBernhard
    Sie spielt ja nun auch auf einer Bassettklarinette, was ja bei den Aufnahmen in diesem Thread überraschenderweise eher die Regel als die Ausnahme ist.


    Salut,


    bei der Gelegenheit der Hinweis von mir, dass es nur wahrscheinlich ist, dass KV 622 für Bassettklarinette komponiert wurde - das Autograph ist ja bekanntlich verschollen. Bereits die Partiturabschrift von Aloys Fuchs sowie die ersten Drucke von ~ 1801 müssen die heutige Version dargeboten haben. Der Part für Bassettklarinette - so schön er ist - ist eine Rekonstruktion auf Basis des Fragmentes für Bassetthorn G-Dur. Vermutlich aber wird es so sein...


    :hello:


    Ulli

  • Salü,


    das Klarinettenkonzert hat bei mir erneut Interesse geweckt. Endlich nämlich ist es mir gelungen, eine Einspielung des Fragmentes KV 621b für Bassetthorn und Orchester in G-Dur zu erhaschen: Auf der Suche nach Alben mit Arthur Schoonderwoerd [nervt's langsam? :D - falls ja: Recht so! Den Namen sollte man so schnell nicht vergessen!], fiel mir diese in die Hände:



    Diese "Soirée chez les Jacquin" beinhaltet die fragmentarische Einspielung von KV 621b, dem Vorgänger des Klarinettenkonzertes also, ausgeführt von Gilles Thomé am Bassetthorn und vorzüglich begleitet vom Ensemble 415.


    Thomé spielt den Bassetthornpart PERFEKT - ich habe mit der Originalhandschrift verglichen. Leider gibt es bei diesem Doppelalbum nur einen kurzen Insidetext, kein wirkliches Booklet also, so dass nähere Informationen über die Vorgehensweise der Rekonstruktion vorenthalten werden. Man kann aber davon ausgehen, dass die fehlende Instrumentierung anhand des fertigen Klarinettenkonzertes ergänzt wurde, von dem das Fragment nur ganz geringfügig in der Stimmführung abweicht. Auch fehlt die Information, was von den beiden im Autograph enthaltenen doppelt staccatierten[?] halben Noten zu halten ist - gespielt wird hier analog dem bekannten Klarinettenkonzert. Schade, denn diese Information hatte ich mir im Geheimen erhofft.


    Was mag wohl der Grund dafür sein, dass man die Einspielung mit dem Ende von Takt 199 des Fragmentes abbrechen ließ? Eine Ergänzung anhand des Klarinettenkonzertes wäre möglich gewesen, wenn auch gerade die Takte 198/199 abweichend instrumentiert sind, in der Harmonik aber übereinstimmen. Wirklich schade! ;(


    Zitat

    Original von Johannes Roehl
    Ich weiß nicht, ob das Standard ist, aber Neidich (Orpheus CO) spielt eine Kadenz im ersten Satz (kurz vor 11 min, bei ca. 12:30 Gesamtdauer, habe keine Partitur).


    Sowohl im Fragment KV 621b als auch im vollendeten KV 622 bietet Takt 127 durch zwei Fermaten zumindest einen Übergang an, die NMA unterbreitet auch Ausführungsvorschläge und Thomé nutzt die Gelegenheit selbstverständlich aus. Die Stelle wiederholt sich bei KV 622 dann in Takt 315, der als eigentliche Kadenzfermate angesehen werden kann. Allerdings halte ich eine großangelegte Kadenz durch die vorhergehende Virtuosität in der Klarinettenstimme für ziemlich überflüssig: ein kleine Pseudokadenz würde hier bereits reichen. Auch der zweite Satz bietet bei Takt 59 die Möglichkeit einer Kadenz - vor der Reprise, ganz obligatorisch. Einzig ohne Kadenzwunsch notierte Mozart das Rondo.


    Die Eingänge/Kadenzen sind in der Orpheus/Neidich-Einspielung zu finden:


    im 1. Satz bei 4'12-4'26 und 10'36-11'02 [Thomé: 4'11-4'21]
    im 2. Satz bei 4'37-5'10


    Viele Grüße
    Ulli

  • Wenn jemand einen der faszinierendsten und kompetentesten Musik-Krimis darüber lesen will (ist leider noch nicht ins Deutsche übersetzt worden):
    Daniel N. Leeson
    The Mozart Forgeries
    2004
    iUniverse, Inc.
    ISBN: 0-595-31676-X (Taschenbuch)
    ISBN: 0-595-66366-4 (gebunden)


    Besser gehts nicht, vergleichbar fast nur mit Roberto Cotroneo und der Chopin-f-moll-Ballade & ABM /"Die verlorene Partitur", im italienischen Original "Presto con fuoco".


    Klaus


    P.S.: ist je etwas Heiligeres, Zuversichtlicheres und Wahreres (ausser ev. J. S. Bach) über das Leben als der 2. Satz komponiert worden?
    Ich habe eine private Aufnahme mit den Münchner Philharmonikern, Martin Spangenberg /Basettklarinette und Sergiu Celibidache, die IMO unübertroffen Gelöstheit & Gelassenheit vermittelt - kann ich aus medienrechtlichen Gründen hier lediglich nur erwähnen.

    "Play, man, play!" (M. Davis)
    "We play energy!" (J. Coltrane)

  • Hallo,
    Ich möchte hier noch diese Aufnahme empfehlen:



    Ich glaube, dass sich hier um einen der interessantesten KLarinettisten der jüngeren Generation handelt.


    Gruss


    Syrinx :hello:

  • Hallo, Ulli!



    Gibt es denn (für mich) hörbare Unterschiede zwischen KV 622 und KV 621b (außer dem Instrument an sich)? Mir ist beim Hören eben nichts aufgefallen.


    Viele Grüße,
    Pius.

  • Zitat

    Original von Pius
    Gibt es denn (für mich) hörbare Unterschiede zwischen KV 622 und KV 621b (außer dem Instrument an sich)? Mir ist beim Hören eben nichts aufgefallen.


    Hallo!


    Dann kennst Du das Konzert nicht gut genug... :P


    Die Unterschiede sind eigentlich sehr offenhörbar - wenn Du das Konzert in Vergleich bis zu der Stelle des Abbruchs des Fragment im Wechsel mit dem Klarinettenkonzert hörst, müsstest Du die Unterschiede heraushören. Gerne kann ich Dir das auch beim nächsten Besuch anhand der Partitur erläutern.


    Ein paar kleine Beispiele:


    Abweichend sind z.B.
    T 16 - bei 0:33/0:34 in der Fragmenteinspielung [erinnert hier mehr an KV 488 I]
    T 21 - bei 0:44/0:45 in der Fragmenteinspielung
    T 36 - bei 1:09/1:10 in der Fragmenteinspielung


    gerade bei letzterem Beispiel sehr deutlich: Die "Melodie" [gebrochene Akkorde] geht im Fragment aufwärts, im Klarinettenkonzert abwärts.


    Es gibt sehr viele weitere Beispiele...


    :hello:


    Ulli

  • Guten Tag


    möchte auf eine weitere ausgezeichnete HIP-Einspielung von KV 622 hinweisen
    und zwar mit Lorenzo Coppola (Bassettklarinette)



    und dem Freiburger Barockorchester.
    Coppola versteht mühelos, aber nicht grell seine Klarinettenspielkunst zu präsentieren.


    Gruß :hello:


    aus der Kurpfalz


    Bernhard

  • Zu unserer großen Freude ist es uns gelungen, für das Mozart Klarinettenkonzert A-Dur den phantastischen jungen Preisträger Sebastian Manz als Solist beim Heilbronner Sinfonie Orchester zu gewinnen. Der 22- jährige Manz erhielt beim renommierten ARD-Wettbewerb den 1. Preis, der nach 40 Jahren zum ersten Mal vergeben wurde. Danach anschließend hatte er sofort Auftritte mit dem Bayerischen Staatsorchester und dem RSO Orchester Stuttgart. Ein Konzert wurde für das Fernsehen aufgezeichnet und hat - ich kann es nicht anders formulieren - bei der Ausstrahlung wie eine Bombe eingeschlagen. Ein neuer Star war geboren! Da ich beim Heibronner Sinfonie Orchester laut Prädikat der Presse "das Trüffelschwein" bin, das immer junge Talente sucht, habe ich mich bemüht, diesen jungen Solisten sofort zu verpflichten und es ist gelungen, obwohl die Flut der Anfragen bereits so groß ist, dass Manz sie nicht mehr alle bewältigen kann. Nun freuen wir uns bereits heute auf den Auftritt dieses Ausnahmemusikers. Übrigens das Konzert ist am 9, Mai 2010. Sebastian Manz ist also ein Name, den wir uns merken sollten. Bestimmt wird sich auch die Phono-Industrie auf dieses Talent stürzen, sodass wir bald Aufnahmen erwarten dürften, sicherlich auch mit dem wundervollen, populären Mozart Klarinettenkonzert A-Dur.
    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • [URL=http://www.extraplatte.com/component/page,shop.product_details/flypage,shop.flypage/product_id,1448/category_id,1/manufacturer_id,0/option,com_virtuemart/Itemid,27/][/URL]


    Wolfgang Amadé Mozart [1756-1791]


    Ouvertüre zur 'La Clemenza di Tito' KV 621
    Clarinettenkonzert A-Dur KV 622
    Sinfonie C-Dur 'Jupiter' KV 551


    Ferdinand Steiner, Bassett-Clarinette
    Salzburg Solisten


    'Schoonderwoerdlike' musiziert hier das Ensemble Salzburg Solisten (wie der Name bereits mehr als andeutet) in kammermusikalischer Form: Anstelle eines größeren Streichercorpus wirkt bei dieser Interpretation lediglich ein Streichquintett (2 Violinen, Bratsche, Cello und Kontrabaß) mit, wobei die Bläserbesetzungsstärke unangetastet bleibt.


    In der Konsequenz wirken die Werke transpartenter, intimer und zarter, verlieren aber nicht am nötigen Bombast (z.B. Titus-Ouvertüre, Jupiter-Sinfonie). Das Klarinettenkonzert, ohnehin kammermusikalisch angelegt und hier in einer Darbietung mit Bassett-Clarinette, profitiert am meisten von der dünnen Besetzung: Besonders jene Stellen, die bei einer 'Normalperformance' nicht zur Geltung kommen, da die Klarinette zu hoch (in der Regel eine Oktave höher) spielt, kommen hier sehr klangschön heraus (Cello + Bratsche + Bassett-Clarinette!).


    :faint:


    Bedauerlicher Weise spielt der Solist im Finalrondo eine sehr unpassende (vermutlich eigene) Kadenz im angejazzten Stil :kotz:. Dagegen spricht prinzipiell nichts, aber die Kadenz hat weder Form noch Gehalt und nervt nur. Wie erlösend, wenn endlich das Schlußritornell erklingt.



    :jubel: :jubel: :jubel:


    Ulli

  • Hab ich's doch richtig im Gefühl gehabt, daß im Finalsatz gar keine Kadenz von Mozart vorgesehen ist. Steiner lässt den Satz bei T. 333, 1. Achtel innehalten (die Idee ist hervorragend!), spielt dann seine 'Kadenz' und lässt glücklicherweise die übrigen 5 Achtel zum Schluß erklingen, so daß dieser Tumor probelmlos herausoperiert werden kann.


    Khampan...? Darf ich bitten? :D


    :hello:


    Ulli

  • Ich hörte das Konzert heute morgen und schreckte bei dieser Kadenz förmlich auf: "WAS ist kaputt?" 8o


    Ohne Kadenz würde ich den Finalsatz auch gern genießen können :yes:



    LG, Elisabeth

  • Zitat

    Original von Ulli
    so daß dieser Tumor probelmlos herausoperiert werden kann.


    Khampan...? Darf ich bitten? :D


    Darf ich es auch tun :D


    LG, Paul


    PS Flix, flux, flax, Florian... Innerhalb 2 Minuten schon erledigt :P
    Genau bei 8:00 Minuten.

  • Zitat

    Original von musicophil
    [


    PS Flix, flux, flax, Florian... Innerhalb 2 Minuten schon erledigt :P
    Genau bei 8:00 Minuten.



    Und sooo macht der Finalsatz jetzt richtig Freude :jubel: :jubel: :jubel:


    Bedankt!


    Elisabeth

  • Als Kind und Jugendlicher habe ich Mozarts Musik sehr geschätzt. Dann in meiner Sturm und Drang Zeit habe ich ihn zwar geachtet, aber eigendlich nicht bevorzugt gehört. Seit ca 10 Jahren beginne ich wieder seine Musik - bis vorgestern nachmittag allen voran die 40. und 41. Symphonie, sowie sein Requiem mehr zu hören und zu lieben.


    Dann kam - und das ist nicht übertrieben - der letzte Mittwoch, wo ich bei einem lieben Freund DIESE Musik hören durfte. Hat mir schon der erste Satz ganz besonders gut gefallen bin ich spätestens beim zweiten Satz fast zu Tränen gerührt worden, so ergriffen hat mich seine reine zwar melancholische, aber nicht weinerliche Melodieführung.


    Ab sofort muss ich Mozarts Musik für mich wohl neu bewerten, sodass er nun dank dem langsamen Satz aus diesem Klarinettenkonzert in meiner Liste der ersten Zehn an den sechsten Platz gerückt ist.

    alle Menschen werden Brüder ...

  • Zitat

    Original von Aquarius
    Hat mir schon der erste Satz ganz besonders gut gefallen bin ich spätestens beim zweiten Satz fast zu Tränen gerührt worden, so ergriffen hat mich seine reine zwar melancholische, aber nicht weinerliche Melodieführung.


    Höre dann den 2. Satz aus seinem Klavierkonzert KV466. ;( ;( :jubel:


    LG, Paul

  • Jaaa, das Klarinettenkonzert von Mozart. Da muss man nicht viel Worte verlieren, es ist einfach ein Traum.
    Der erste Satz so elegant, der zweite so furchtbar rührend (bis zu Tränen), der dritte so herrlich verspielt.


    Zum ersten Mal hörte ich das Konzert im Radio, zu einer Zeit wo mir Mozart (Klassik allgemein) noch recht fremd war. Sie spielen das Adagio, und ich wurde hellhörig. Hatte ich doch das Gefühl dieses Konzert schonmal gehört zu haben, und war mir doch so bewusst ich höre es zum ersten Mal. (Kennt da jemand?)


    Ich habe nicht aufgepasst im Radio, fand es also so schnell nicht wieder. Erst einige Zeit später stieß ich durch einen Zufall wieder drauf. Auch dann wurden die anderen Sätze sehr interessant für mich, vorallem der Finalsatz mit seiner beeindruckenden Durchführung.


    An Einspielungen haperts mir hierbei. Die Version die ich habe ist aber glaube ich mit einer sehr modernen Klarinette gespielt, was ich natürlich sehr willkommen heiße. Schön weich im Klang.
    Ich besitze zudem das Fragment für Bassethorn als Hip-Aufnahme. Finde das Klarinettenkonzert aber gelungener.


    Zweifellos ist aber Böhms Aufnahme jene, die mich am meisten rührt. Bei Böhm bin ich allgemein gut bedient, der machte aus Mozart das, was ich hören will.


    Lustig ist auch, dass das Genre m.E. nie wieder so ein vortreffliche Konzert erlebte, dies hier aber gleichzeitig ein Startschuss des Genres ist.



    :hello:



    C.

  • Zitat

    von Sakow: Zweifellos ist aber Böhms Aufnahme jene, die mich am meisten rührt. Bei Böhm bin ich allgemein gut bedient, der machte aus Mozart das, was ich hören will.


    Das ist interessant.
    Versteh mich bitte nicht falsch, ich LIEBE Böhm auch genauso wie du, nur bei diesem Konzert gefallen mir andere besser.
    Z.B. Hogwood... :jubel: :jubel: :jubel:



    Ziemlich die beste Aufnahme des Klarinettenkonzertes, die ich kenne... :angel:


    Wie gesagt ich liebe Böhm, aber deshalb gibt es auch noch andere Dirigenten, die gut Mozart dirigieren und in diesem Fall ist es Hogwood...
    Meiner bescheidenen Meinung nach... :stumm:


    Gruß :hello:

    Komponiert ist schon alles - aber geschrieben noch nicht. (W.A. Mozart)

  • Beim Abschlußkonzert des Schleswig-Holstein Musikfestivals 2009 - auf 3Sat live übertragen - kam man in den Genuß dieses Meisterwerkes von Mozart. Das NDR-Sinfornieorchester spielte bravourös unter der Leitung von Christoph Eschenbach. Beeindruckend war ganz besonders auch der Klarinettist, Jörg Widmann. Ich hörte ganz gebannt dem sensiblen und fragilen Vortrag des Solisten und dem transparenten Klang des Orchesters zu. :faint:


    Natürlich ist das ganze Konzert traumhaft, aber gerade der zweite Satz gehört zum Schönsten was jemals komponiert wurde. :yes: Das Publikum feierte Widmann frenetisch und forderte eine Zugabe. Wie der Kommentator sagte: Auf Mozart's Klarinettenkonzert kann nur Mozart's Klarinettenkonzert folgen. Widmann und Orchester wiederholten das Adagio.


    Dieser zweite Satz erklingt ja in Sydney Pollack's mehrfach Oscarprämierten Film Jenseits von Afrika mit Meryl Streep und es sollte die Liebe zu Mozart's Musik unterstreichen, die die Schriftstellerin Tanja Blixen und der von Robert Redford dargestellte Denys Finch Hatton tatsächlich miteinander teilten.


    Jörg Widmann, der mir bis zu diesem Zeitpunkt unbekannt war, stellt jedenfalls eine interessante Entdeckung unter den jungen Klarinettisten dar. Vielleicht gibt es ja schon die eine oder andere Einspielung mit ihm - vielleicht sogar dieses Klarinettenkonzert.


    Was sagte doch der legendäre Dirigent Bruno Walter über Mozart's Klarinettenkonzert? 'Nach dieser Musik kommt nur noch der liebe Gott' und Rudolf Buchbinder meinte, daß ihn der zweite Satz 'eifersüchtig mache', denn Mozart 'hat den Pianisten alle Herrlichkeit auf Erden geschenkt - aber den Klarinettisten noch etwas mehr'.


    Gregor

  • Zitat

    Original von Gregor
    und Rudolf Buchbinder meinte, daß ihn der zweite Satz 'eifersüchtig mache', denn Mozart 'hat den Pianisten alle Herrlichkeit auf Erden geschenkt - aber den Klarinettisten noch etwas mehr'.


    Hm. Ich denke doch, daß BuBi mit KV 450, II und KV 488, II mehr als zufrieden sein sollte. Ich wäre da nicht neidisch (á propos: Die Einspielung von Neidich ist auch empfehlenswert!), zumal sich das Klarinettenkonzert relativ einfach als Klavierkonzert transkribieren ließe...


    :pfeif:


    Ulli

  • Zitat

    Original von Ulli
    Sowohl im Fragment KV 621b als auch im vollendeten KV 622 bietet Takt 127 durch zwei Fermaten zumindest einen Übergang an, die NMA unterbreitet auch Ausführungsvorschläge und Thomé nutzt die Gelegenheit selbstverständlich aus. Die Stelle wiederholt sich bei KV 622 dann in Takt 315, der als eigentliche Kadenzfermate angesehen werden kann. Allerdings halte ich eine großangelegte Kadenz durch die vorhergehende Virtuosität in der Klarinettenstimme für ziemlich überflüssig: ein kleine Pseudokadenz würde hier bereits reichen. Auch der zweite Satz bietet bei Takt 59 die Möglichkeit einer Kadenz - vor der Reprise, ganz obligatorisch. Einzig ohne Kadenzwunsch notierte Mozart das Rondo.


    In völliger Übereinstimmung mit dem, was Du schreibst, hat Karlheinz Stockhausen für den 1. Satz zunächst einen "Übergang" komponiert, dem dann später im 1. Satz eine 26-sekündige - also recht kurze - Kadenz folgt. Für den 2. Satz hat Stockhausen ebenfalls eine Kadenz komponiert (57 Sekunden lang). Die sehr interessante und klangschöne KV 622-Aufnahme der Klarinettistin Suzanne Stephens mit dem Radio-Sinfonieorchester Berlin unter Leitung von Karlheinz Stockhausen verwendet selbstredend diese Übergänge bzw. Kadenzen von Stockhausen (und lässt im 3. Satz allein Mozart sprechen).


    Eigenartigerweise ist die Stockhausen-Aufnahme des Flötenkonzerts KV 313, ebenfalls mit Stockhausen-Kadenzen (Solistin: Kathinka Pasveer), problemlos im normalen CD-Handel erhältlich, während die Klarinettenkonzert-Aufnahme nur über den Stockhausen-Verlag in Kürten zu beziehen ist. Ein CD-Cover kann ich leider nicht einbinden, da auf der Homepage des Stockhausen-Verlages nicht abgebildet.


    Zitat

    Original von Gregor
    Beim Abschlußkonzert des Schleswig-Holstein Musikfestivals 2009 - auf 3Sat live übertragen - kam man in den Genuß dieses Meisterwerkes von Mozart. Das NDR-Sinfornieorchester spielte bravourös unter der Leitung von Christoph Eschenbach. Beeindruckend war ganz besonders auch der Klarinettist, Jörg Widmann. Ich hörte ganz gebannt dem sensiblen und fragilen Vortrag des Solisten und dem transparenten Klang des Orchesters zu. :faint:


    Natürlich ist das ganze Konzert traumhaft, aber gerade der zweite Satz gehört zum Schönsten was jemals komponiert wurde. :yes: Das Publikum feierte Widmann frenetisch und forderte eine Zugabe. Wie der Kommentator sagte: Auf Mozart's Klarinettenkonzert kann nur Mozart's Klarinettenkonzert folgen. Widmann und Orchester wiederholten das Adagio. (...)
    Jörg Widmann, der mir bis zu diesem Zeitpunkt unbekannt war, stellt jedenfalls eine interessante Entdeckung unter den jungen Klarinettisten dar. Vielleicht gibt es ja schon die eine oder andere Einspielung mit ihm - vielleicht sogar dieses Klarinettenkonzert.


    Dem stimme ich voll zu. Ich habe das Abschlusskonzert mit dem deutschen Komponisten und Klarinettisten Jörg Widmann ebenfalls live auf 3Sat verfolgt: Widmann spielte das Mozart-Konzert hinreißend. Wie auch Widmanns Komposition für Glasharfe und Orchester, die zuvor in jenem Konzert aufgeführt wurde, sehr spannend war.


    Zusammenfassend kann man sagen, dass zwei zeitgenössische Komponisten (Stockhausen und Widmann) durchaus gewichtige Beiträge zum Thema KV 622 erbracht haben, die es sich anzuhören lohnt. Hoffentlich kommt bald eine Widmann-CD mit dem Mozart-Konzert heraus.

  • Der Empfehlung für die Prinz/WPO/Böhm-Aufnahme kann ich mich uneingeschränkt anschliessen:



    Wenn jemand SACDs abspielen kann und guten Klang für eine wichtige Sache hält, dann sollte er wie ich zur hier geposteten SACD greifen.
    Die Emil-Berliner-Studios haben für die DGG das originale Analogband auf SACD-gemastert und mit Hilfe des AMSI II-Verfahrens eine 5.1-Abmischung erstellt.
    Das originale Stereosignal bleibt dabei erhalten, während auf die Surround-Kanäle "dem Genre musikalisch und klanglich angemessen" Raumklanginformationen verteilt werden, die aus dem originalen Stereosignal entnommen wurden.
    Hier wurde dezent und geschmackvoll zu Werke gegangen.
    Ich höre es so sehr gerne.


    Die Streicher klingen von der SACD-Schicht der Hybrid-SACD weich, samtig und angenehm.


    Musikalisch sehe ich hier "alles im Lot", wobei ich das sehr direkt meine, nämlich im Sinne von "die Balance zwischen emotionaler Belebung und der Verdeutlichung grösserer, formaler Strukturen ist stimmig".
    Damit im Zusammenhang stehend ist auch die Tempowahl absolut überzeugend. Alles wirkt natürlich und unangestrengt.
    Schön ist auch, dass das Tempo auch wirklich steht, sowohl beim Solisten, als auch beim Orchester.
    Die samtige Tongebung und die sensible Dynamik der Streicher sorgt bei mir für den Eindruck von Innigkeit, Schönheit und Poesie.
    Dieser Klang hat etwas mit einer Umarmung zu tun - allerdings nicht romantisch, wild-leidenschaftlich, sondern edel und klassisch schön.


    Wissend, dass es anders sein kann, stellt sich beim Hören dieser Aufnahme bei mir dennoch oft der Eindruck von "so muss es sein" ein.


    Ich habe einige der hier schon genannten Aufnahmen im Netz angespielt. Mir hat keine so gut gefallen, wie diese Böhm-Einspielung, sowohl vom Klang, als auch von der Interpretation her.
    Einen nahezu vibratolosen Klang wie bei Hogwood finde ich z.B. zu ausdruckslos und langweilig.
    Fast hilft die ganze helle Transparenz, wenn auf den entsprechend emphatischen Stellen nicht das Vibrato als Ausdrucksmittel hinzukommen darf? Ich denke da z.B. an die langen Vorhalte im Thema des dritten Satzes, die mir kalt und "tot" vorkommen, wenn da ein Streichervibrato fehlt, einfach weil es ungesanglich und damit irgendwie unmenschlich klingt.


    Sollte bei mir aber irgendwann der Wunsch nach einer klanglichen und interpretorischen Alternative auf alten Instrumenten aufkommen ( bin momentan mit Böhm so zufrieden, dass andere CD-Wünsche erst einmal vorgezogen werden können) dann wäre es nach dem, was ich im Netz hören konnte, auf jeden Fall diese Aufnahme hier:



    Hier gefällt mir gegenüber Hogwoods Version die flexiblere und wärmere Tongebung der Streicher einfach besser.
    Harnoncourt ordnet die "sprechenden" und "klangrednerischen" Elemente den lieblichen und sanften Affekten dieses Werkes unter
    (woran man wieder einmal sieht, dass er eben kein "Mozart-Misshandler" ist) und animiert seine Musiker zu belebten und gleichzeitig klangschönem Spiel.
    Das Tempo des letzten Satzes ist um Einiges schneller als bei Böhm.
    Es scheint mir zur kammermusikalischeren Besetzung des Concentus musicus Wien gut zu passen, wenngleich in mir beim Hören der Böhmschen Aufnahme bisher noch nie der Wunsch nach einem schnelleren Tempo ebenso wenig aufkeimte, wie der Gedanke, eine Alternativeinspielung kaufen zu müssen.


    :hello:
    Glockenton

    "Jede Note muss wissen woher sie kommt und wohin sie geht" ( Nikolaus Harnoncourt)

  • [OFF-TOPIC]
    @ Glockenton:


    Zitat

    Original von Glockenton:
    Harnoncourt ordnet die "sprechenden" und "klangrednerischen" Elemente den lieblichen und sanften Affekten dieses Werkes unter
    (woran man wieder einmal sieht, dass er eben kein "Mozart-Misshandler" ist)


    Dass die genannte Aufnahme eine Interpretation ist die Dir zusagt, ist eine subjektive Einschätzung, die wohl kaum als Gegenbeweis zu (besonders) Ullis berechtigter Kritik an Harnoncourts Umgang mit Mozarts Musik gelten kann. (Falls diese Bemerkung ein Seitenhieb auf den nicht mehr hier schreibenden Ulli sein sollte erst recht nicht).


    "Misshandler" ist außerdem nicht das zur Debatte stehende Wort. Harnoncourt macht sich sehr viele Gedanken und ist insofern ein sehr eigenwilliger Dirigent -selbstverständlich hat auch seine Sichtweise eine Existenz-Berechtigung und ob sie "schön" ist, bleibt dem jeweiligen subjektiven Hörer-Eindruck überlassen - ob sie aber "richtig" bzw. "mozartgemäß" ist, kann man durch aus (sehr) kritisch hinterfragen. Wenn Ulli das tut kommt er zu seiner genannten Kritik, welche er mehrfach erläutert hat...


    ..und wenn hier jemand was zu dem Thema zusagen hat(te), dann er ;)


    ...womit dieses Thema erledigt wäre!


    Schönen Gruß,
    Peter


    Wenn jemand was dazu zu sagen hat, bitte nicht hier - back 2 topic!


    [OFF-TOPIC/]

  • Zitat


    Original von Peter Pasdzierny
    Wenn jemand was dazu zu sagen hat, bitte nicht hier.....womit dieses Thema erledigt wäre!


    Also so geht es ja nicht.
    Ich muss mich zu diesem, mich etwas befremdenden Beitrag schon noch äussern dürfen, da ich ja direkt angesprochen wurde.
    Was Du da schreibst, ist in der Tat off-topic, und Du hast offensichtlich Einiges in den falschen Hals bekommen.


    Zitat

    Dass die genannte Aufnahme eine Interpretation ist, die Dir zusagt, ist eine subjektive Einschätzung


    Ja, das ist sehr richtig, aber ich dachte immer, dass so etwas nicht nur für mich, sondern für alle, die hier schreiben, bzw. früher geschrieben haben, gilt.
    Im Übrigen war ich so frei, einige meiner - ebenfalls subjektiven- Gründe, zu benennen, die mich dazu bringen, diese Interpretation bewusst und nicht nur "irgendwie" als gelungen einzuschätzen.
    Wer so etwas nicht lesen mag, oder solche Gedanken zum Thema der Interpretation eines bestimmten Werkes nicht wenigstens gedanklich, (wenn schon nicht hörend) nachvollziehen möchte, der darf doch gerne etwas Anderes lesen.
    Das Forum ist ja umfangreich.



    Zitat

    ...die wohl kaum als Gegenbeweis zu (besonders) Ullis berechtigter Kritik an Harnoncourts Umgang mit Mozarts Musik gelten kann


    Wenn ich Deine Aussagen zu meinen Einschätzungen und zu denjenigen eines ehemaligen Tamino-Mitgliedes vergleiche, dann fällt mir deutlich auf, dass Du bei mir das Subjektive, vom Geschmack Abhängige herausstellst, während Du bei anderen hervorhebst, dass deren Kritik berechtigt ( damit also sachlich richtig) sei.
    Was von mir demnach "nur" subjektiv geäussert wird, wäre dann wohl weniger bedeutend, als die , fundierte, sachlich "berechtigte Kritik".....?



    Bin ich es jetzt, der hier versteckte Seitenhiebe austeilt?


    Ist es denn jetzt Peter Pasdzierny, der die Definitionshoheit darüber hat, was einerseits ein "subjektiver Hörereindruck" ist und andererseits eine "berechtigte Kritik" ist?
    Oder ist das nicht ebenfalls eine subjektive Position des Herrn Pasdzierny?
    Theoretisch könnte ja der "nur subjektive Eindruck" eines gewissen Hörers gar nicht so unzutreffend sein, während die "sachliche Kritk" gar nicht unbedingt immer zutreffend sein muss, oder ginge das gar nicht?
    Entscheiden könnte das ggf. Mozart selbst, den man dummerweise nicht mehr fragen kann...
    Zwischen einem "Recht zur Kritik" und einer "berechtigten Kritik" besteht ein deutlicher Unterschied...


    Im Übrigen: "Gegenbeweis".


    Ich will hier gar nichts beweisen oder gegen-beweisen, und wenn doch, dann bestimmt nicht mit so einem kurzen Nebensatz.
    Auf die Beiträge eines ehemaligen Tamino-Mitglieds habe ich mich mit dem Satz ganz bestimmt nicht bezogen, und beim Verfassen des Textes nicht eine Sekunde an dessen frühere Aussagen gedacht.



    Zitat

    "Misshandler" ist außerdem nicht das zur Debatte stehende Wort


    Ach nein?
    Wenn ich es in die Debatte eingeworfen habe, dann darf es wohl noch zur Debatte stehen, oder wer definiert hier, welche Ausdrücke in einem Beitrag verwendet werden dürfen?


    Weisst Du eigentlich, von wem dieser Ausdruck im Bezug auf Harnoncourt und "Mozart-misshandeln" wirklich stammt?


    Karl Böhm war es, der diesen Ausdruck in einem seiner späten TV-Interviews benutzte.
    Auch wenn Böhm sich zu so einer - wie ich finde zu pauschalen und deswegen nicht richtigen- Aussage hinreissen liess, reagiere ich als jemand, der einige von Harnoncourts Interpretationen durchaus sehr schätzt, nun nicht so, dass ich alles, was Böhm jemals aufgenommen hat, nun daraufhin niederschreibe, ihm gar sein Künstlertum oder seine Sachkompetenz abspreche ( wie käme ich auch dazu !!), oder mich sonst über ihn persönlich beleidigend oder parteiisch äussere, weder in der Öffentlichkeit, noch sonst.
    Im Gegenteil weise ich immer sehr gerne auf Aufnahmen dieses Interpreten hin, die ich bis heute für unerreicht gut halte ( z.B. nachzulesen in meinen Beiträgen zur "Unvollendeten" und C-Dur-Symphonie Schuberts)
    Unabhängig, ob ich die Aussage Böhms für zutreffend oder nett halte, ist dieser Dirigent für mich als Musiker jemand, zu dem ich aufgrund seines Geschmacks und seiner Kompetenz sehr aufschaue, und von dem ich nur lernen kann.


    Dem aufmerksamen Leser meines letzten Beitrags könnte bei einigem guten Willen auch auffallen, dass ich gerade Böhms Interpretation des Klarinettenkonzerts als besonders gelungen beschrieben habe und dafür auch einige (und längst nicht alle) Begründungen aufführte.
    Ja, ich habe sogar hinzugefügt, dass ich mit dieser Aufnahme derart zufrieden bin, dass bei mir der Wunsch nach einer Alternativfassung auf alten Instrumenten nicht aufgekommen sei, selbst wenn es eine Harnoncourt-Aufnahme wäre.
    Diese habe ich nur in Ausschnitten im Internet gehört, und dort gefiel sie mir aufgrund bestimmter, von mir ebenfalls genannter musikalischer Parameter besser als andere, im Thread erwähnte HIP-Aufnahmen.
    So wie ich es sehe, steht genau das in meinem Text, und nichts Anderes. Ich finde durchaus, dass ich diese meine Auffassungen hier einbringen durfte, selbst wenn sie von einer vorher im Thread genannten Meinung (hier zu Hogwood) abweichen sollten.
    Trotz manchmal böswilliger und jedenfalls nicht zutreffender Gegenbehauptungen kann ich nur bezeugen, dass ich in diesem Forum immer Meinungsfreiheit geniessen durfte, selbst wenn meine Ansichten ab und zu mit denen des Forenbetreibers nicht übereinstimmten.


    Mein zitierter Nebensatz bezog sich darauf, dass ich mich -Böhms Ausspruch im Hinterkopf habend- durch die genannte Harnoncourt-Aufnahme aufgrund der von mir beschriebenen Eigenschaften darin bestätigt sehe, dass sein Mozartbild nur dort "dramatisch" und "erschreckend" ist, wo es vom Affekt des jeweiligen Stückes her auch angebracht ist.
    Harnoncourt kann, so wie ich es höre, durchaus einen sehr weichen, zärtlichen und lieblichen Mozart spielen - es kommt hierbei ganz auf die Affekte des Stücks an.
    Meine natürlich unbedeutende und subjektive These ist, dass Harnoncourt in den allermeisten Fällen keine Abgründe blosslegt, wenn sie nicht auch von den Affekten des Werkes ausgehend auch berechtigt sein könnten.
    Sicher darf man da immer anderer Meinung sein, aber ich nehme für mich in Anspruch, diese gar nicht so absurde Auffassung haben und diese hier sogar öffentlich artikulieren zu dürfen.


    Böhm hätte sicherlich nicht diesen etwas grantigen Ausdruck vom "Misshandeln" gewählt, wenn er die von mir oben genannte NH-Aufnahme des Klarinettenkonzerts gekannt hätte - wir wissen es nicht, welche Harnoncourt-Aufführung eines Mozart-Werkes er bei seinem Satz im Sinn hatte.
    Vielleicht bezog er sich auf so etwas, wie die bei Harnoncourt in der Tat sehr "Tschingdarassabum" gespielte Ouvertüre zur "Entführung"?
    Man kann diesen "türkischen Krach" zwar inhaltlich begründen; und es hat in einer für den Hörer einmaligen Opern-Live-Aufführung vielleicht seinen berechtigten Effekt.
    Auf einer Aufnahme jedoch hört es sich dann doch ziemlich harsch und unangenehm an; und ich mag es eigentlich auch nicht in dieser Form nicht so gerne hören, weil es ja auch wiederkehrende, und damit sich schnell verbrauchende Effekte sind ( höre auch in diesem Fall Böhm lieber, ebenso auch bei der Zauberflöte)


    Ich finde es überdies recht bedauerlich, dass man hier derart auf seine Nebensätze aufpassen muss. :boese2:
    Das Wort "man" hätte ich vielleicht mit "ich", oder "imho" austauschen bzw. ergänzen müssen - ok. Aber trotzdem....


    Ebenso empfinde ich es als nicht gerade gutwillig, wenn man mir halbwegs, mehr oder weniger zwischen den Zeilen unterstellt, dass ich mich in meinem Aussagen "klein, klein" auf Ex-Taminos beziehe, um da ggf. eine Chance zum Nachtreten auszunutzen.
    Dies vor allem deshalb abwegig , weil es dem Text meines vorhergehenden Beitrags sachlich nicht zu entnehmen ist, und weil ich ja selbst weiss, dass es einfach nicht zutrifft.


    Von pauschalen Verurteilungen oder Lobpreisungen in Bezug auf Interpreten halte ich generelle nicht viel, sondern rede lieber konkret über ganz bestimmte Interpretationen, was ich auch in meinem vorhergehenden Text so gehalten habe.


    Ich weiss nicht, ob Du meine Anmerkungen zu A-Dur Klarinettenkonzert auch hörend nachvollzogen hast. Das wäre ja sehr einfach durch einige wenige Klicks im Internet möglich, selbst wenn man die CDs nicht hat.
    Aufgrund Deiner Anmerkung vermute ich aber, dass dies eher nicht der Fall gewesen ist.


    Ich bin immer noch hier, um mich über die Musik von klassischen Komponisten und deren konkreten Interpretationen in einer angenehmen Gesprächs-Atmosphäre auszutauschen.
    Auf die absurde Idee, mich mit Meinungen von Ex-Usern zänkisch nachkartend auseinanderzusetzen, bin ich noch nie gekommen.


    Das bitte ich doch, zur Kenntnis zu nehmen.




    Glockenton

    "Jede Note muss wissen woher sie kommt und wohin sie geht" ( Nikolaus Harnoncourt)

  • Uli, tausend Dank für deine Ausführungen zum Fragment KV 621b! Ich besitze die Aufnahme mit Gilles Thomé und dem Ensemble 415 und ich bedaure, dass die Musiker nicht KV 622 eingespielt haben, weil man sonst noch mehr vom hinreissenden Spiel hören könnte...


    Ich habe mir in diesem Jahr vorgenommen alle Werke Mozarts für Klarinette bzw. Bassethorn als Amateur wieder einmal zu spielen und habe mich im Taminoforum für Informationen zu Werk und Einspielungen umgesehen. Da bin ich hier auf eine kleine Fundgrube gestossen.
    Ich besitze beinahe alle der hier vorgeschlagenen Interpretationen und noch einige mehr. Jene mit Ralph Manno und der Staatskapelle Weimar und Georg Alexander Albrecht kannte ich nicht.


    Es gibt eine besondere Aufnahme für Klarinettenspieler, die nicht die Möglichkeit haben, mit einem Orchester das Klarinettenkonzert zu spielen. Erschienen beim Musikverlag Music Partner (Peters) ist zusammen mit dem Notentext eine Play-along CD, welche ein Orchesterplayback für Klarinetten in A bzw. B-Dur enthält.



    Knochen sind Bausteine. Sie bedeuten nicht den Tod, aber fallen ohne Fleisch auseinander.

    Enno Poppe

  • Hier die Abbildung einer modernen Bassetklarinette:


    [timg]http://www.dietz-klarinetten.d…klarinetten.png;l;230;540;http://www.dietz-klarinetten.d…tt_klarinetten.html;Dietz Klarinetten[/timg]
    http://www.dietz-klarinetten.de/bassett_klarinetten.html


    Sie unterscheidet sich von der normalen A- und B-Klarinette lediglich durch das ca. 18 cm längere Unterstückl (bis tief C statt nur bis tief E). Wenn man sich eine neue Klarinette anfertigen lässt, kann man sie gleich mit 2 Unterstücken bestellen, ein normales und ein Bassetunterstück. Auch eine nachträgliche Anfertigung des Bassetteils ist möglich, falls der Klarinettenbauer zwischenzeitlich nicht die Bohrung verändert hat. U. a. spielen Sabine Meyer und Giora Feidman ein solches Instrument.

    Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum. (Nietzsche)

    Einmal editiert, zuletzt von king ()

  • Kann mir jemand sagen, an welchen Stellen des Mozart-Konzerts in der Fassung für Bassetklarinette tatsächlich die tiefen Töne (C bis Dis) vorkommen?

    Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum. (Nietzsche)

  • In einer "normalen" Noten-Ausgabe ist das Konzert so eingerichtet, dass man es auf einer normalen Klarinette spielen kann. Die NMA ist online und enthält beide Versionen. Das zu vergleichen, habe ich jetzt keine Muße. Meiner Erinnerung nach sind das aber typischerweise Skalenläufe, die die tiefsten Töne verwenden und bei der üblichen Fassung dann etwas unelegant in die höhere Oktave springen müssen, weil die tiefsten Töne fehlen.


    http://dme.mozarteum.at/DME/nma/nmapub_srch.php?l=1

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)