Anton Bruckner Symphonie Nr. 6, ein Stiefkind?

  • Vieleicht schafft es EMI, Dir zuliebe Klemp mit Bruckner Nr. 6 mal so zu remastern, das die Pauken so zu hören sind wie Du es gerne hättest.
    Bei M&A gab es mal ne Liveaufnahme. Da stimmte es.
    Und der gute Klemp hat immer großen Wert aufs Schlagwerk gelegt.
    Daher darfst Du es ihm nicht zum Nachteil auslegen, eher den Toningenieur lynchen.


    Achte lieber mal auf die Proportionen der Sinfonie und auf das Adagio. Wie es eingebunden wird und nicht aufgrund großer Langsamkeit aus dem Rahmen fällt.
    Das ist die eigentliche Leistung. Die Sinfonie bei Klemp wirkt wie aus einem Guss, irgendwie völlig natürlich.


    Gruß S.

  • Hallo,


    ich besitze von der 6. sinfonie nur die lopez cobos aufnahme - die mir sehr zusagt - tempo, klangqualität - alles nach meinem geschmack. da ich aber solti und das cso sehr mag ( meine allererste cd die ich 1989 in singapure gekauft habe war die 4. von bruckner mit solti ) habe ich mal gestöbert - sie scheint nur extrem teuer erhältlich zu sein. weiß jemand ein preislich normale quelle ? wäre auch zu einem tausch ( kopie ) bereit.


    frohe ostern wünscht


    kalli

  • Hallo,


    ich besitze von der 6. sinfonie nur die lopez cobos aufnahme - die mir sehr zusagt - tempo, klangqualität - alles nach meinem geschmack. da ich aber solti und das cso sehr mag ( meine allererste cd die ich 1989 in singapure gekauft habe war die 4. von bruckner mit solti ) habe ich mal gestöbert - sie scheint nur extrem teuer erhältlich zu sein. weiß jemand ein preislich normale quelle?


    Ein marketplace-Anbieter bei amazon.co.uk hat ein Gebraucht-Exemplar für 9 GPB, da kämen noch knapp 2 GPB Versand dazu, damit wärest Du bei ca. EUR 12,50.


    Bitte keine Tauschangebote, die als Aufforderung zum Handel mit Raubkopien missverstanden werden könnten, im Forum öffentlich posten!

    Struck by the sounds before the sun,
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    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Swjatoslaw hat die Klemperer- Aufnahme in einem anderen Bruckner-Thread positiv erwähnt. Ja, diese hat zweifellos ihre Stärken, aber der fast paukenlose Klang dort ??? Das geht für meinen Geschmack bei der Sechsten gar nicht !


    Die Sechste mit Klemperer ist für mich eine der großartigsten Bruckner-Aufnahmen überhaupt. Und die einzige Einspielung eines Bruckner-Werks, welches auch in einer Furtwängler-Version vorliegt, bei welcher man vielleicht - wohlgemerkt: vielleicht - darüber diskutieren kann, ob diese Einspielung möglicherweise, vielleicht oder auch eher nur ganz vielleicht, jedenfalls höchstens um Nuancen, Furtwänglers Aufnahme schlagen könnte. Wobei sich eine solche Diskussion ohnehin nur um die Sätze 2 bis 4 drehen kann, da bekanntlich der erste Satz von Furtwängler nicht erhalten geblieben ist. Beim ersten Satz regiert also Klemperer unangefochten.

  • Zitat

    Furtwängler-Version vorliegt, bei welcher man vielleicht - wohlgemerkt: vielleicht - darüber diskutieren kann, ob diese Einspielung möglicherweise, vielleicht oder auch eher nur ganz vielleicht, jedenfalls höchstens um Nuancen, Furtwänglers Aufnahme schlagen könnte.


    Ein herrlicher "Running Gag" in diesem Forum. Aber auf die Dauer recht ermüdend!
    Furtwängler, der alles mit der "dunklen Soße des deutschen Klanges" (FAZ vom 9.4.) übergoß als Übervater.
    Wirklich lustig!!


    Aber könnten wir mal wieder ernsthaft debatiieren? So mal nach Ostern? Wenn das Lamm verdaut ist?


    Gruß S.

  • Irgendwie reizt mich Klemperer auch hier. Nur der angeblich "fast paukenlose Klang" schreckt etwas ab. Ist auch hier (mal wieder) live die bessere Wahl?
    (Mir fällt allgemein auf, daß die EMI-Studioaufnahmen der Zeit die Pauken irgendwie gern zu sehr verstecken. Live klingt das oft viel präsenter. Also nicht Old Klemp anlasten!)


    Es gibt offenbar sogar zwei Live-Versionen der 6. von Bruckner:



    BBC SO, 1961




    CGO, 1961


    LG
    Joseph
    :hello:

    »Und besser ist's: verdienen und nicht haben,

    Als zu besitzen unverdiente Gaben.«

    – Luís de Camões

  • Ein herrlicher "Running Gag" in diesem Forum. Aber auf die Dauer recht ermüdend!
    Furtwängler, der alles mit der "dunklen Soße des deutschen Klanges" (FAZ vom 9.4.) übergoß als Übervater.
    Wirklich lustig!!
    Aber könnten wir mal wieder ernsthaft debatiieren? So mal nach Ostern? Wenn das Lamm verdaut ist?
    Gruß S.


    Ich weiß nicht, was "debatiieren" ist. Debattieren können wir vielleicht ab dem Moment ernsthaft, in welchem bestimmte Leute einfach mal zurück zu ihrer durchaus vorhandenen Sachkenntnis gelangen, statt hier Texte wie den oben zitierten von sich zu geben.

  • Paukenloser Klang ist übertrieben. Die Pauken könnten am Ende des Kopfsatzes, wenn sie den Rhythmus der Streicherbegleitung vom Beginn übernehmen, präsenter sein, aber insgesamt ist der Klang einwandfrei und transparenter als viele, auch spätere Einspielungen. Was bringt eine Live-Aufnahme mit herausknallenden Pauken, wenn man sonst mitunter nur Brei hört?
    (Wobei ich vermuten würde, dass die Testament-Aufnahme recht gut klingt, allerdings ist der Kopfsatz anscheinend noch einen Tick langsamer als im Studio.)
    Ich will ja niemandem von der Jagd nach seltenen Live-Aufnahmen abhalten, aber mitunter habe ich den Eindruck, dass das ein exzentrischer Selbstzweck wird. Zumal, wenn es wie hier, eine allgemein als sehr gut anerkannte Studioaufnahme gibt.

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    danke für die information !
    selbstverständlich werde ich keine tauschangebote mehr hier posten - das hätte ich mir bei etwas überlegung auch denken können - ich bitte um nachsicht.


    kalli

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  • Paukenloser Klang ist übertrieben. Die Pauken könnten am Ende des Kopfsatzes, wenn sie den Rhythmus der Streicherbegleitung vom Beginn übernehmen, präsenter sein, aber insgesamt ist der Klang einwandfrei und transparenter als viele, auch spätere Einspielungen. Was bringt eine Live-Aufnahme mit herausknallenden Pauken, wenn man sonst mitunter nur Brei hört?


    Auch im ersten Tutti gibt es etliche Aufnahmen, bei denen die Pauken prägnanter zu hören sind, aber letztendlich muß man sich (überspitzt formuliert) überlegen, ob man ein "Konzert für Pauke und Orchester" haben möchte (so wie es vor ein paar Wochen Barenboim fabrizierte, wenngleich mir die Interpretation, so weit über Fernsehlautsprecher hörbar, aßerordentlich gut gefiel) oder ob die wesentlichen Charaktermerkmale der Sinfonie (ibs. die Mehrschichtigkeit der Themen, Motive und Zeitmaße im ersten Satz) erfaßt und verarbeitet worden sind.


    Und gerade hier, in der "Erfassung und Verarbeitung" zeigt sich für mich die große Meisterschaft von Klemperer. Viele Dirigenten scheitern für mich im ersten Satz, weil sie aus dem "Nebeneinander kein Ganzes" schaffen können (Inbal oder Norrington) oder weil sie zu sehr glätten (Stein). Exemplarischer arbeitet für mich nur Michael Gielen die Mehrschichtigkeit des ersten Satzes heraus.


    Nebenbei (und abschließend ;) ): Gerade weil der erste Satz so einzigartig in Bruckners Schaffen ist, kann ich es nicht ansatzweise nachvollziehen, daß eine Aufnahme in den Himmel gehoben wird, bei der überhaupt kein erster Satz existiert. Aber wie sagt der Lateiner so treffend: "De gustibus non est disputandum" (Für die nicht-Lateiner, wie mich, in einem deutschen Sprichwort): "Über Geschmack läßt sich nicht streiten."

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • Hallo,
    oben (Beitrag 61) habe ich geschrieben, dass ich Teleton insofern recht geben muss, dass die EMI Aufnahme bezüglich der Aufnahme der Pauken etwas unterbelichtet wirkt, aber ansonsten eben ganz vorzüglich ist.
    Ich hörte gerade Volkmar Andreae von 1953, der die Sinfonie ebenfalls sehr zügig angeht und sehr gut integrierte Pauken hat.
    Nicht zu stark, nicht zu wenig. Aber es ist eben historisch.
    Wenn ich dann die anderen Aufnahmen heranziehe, die ich neben der von Klemperer (EMI) habe (Klemp 1961 CBO, Keilberth, Wand Live, Celibidache, Barenboim (vom DLR 2010 mitgeschnitten), Nagano), dann fällt nur Danny Boy mit zu etwas stark pointierten Pauken aus dem Rahmen. Aber ich fand dessen Aufnahme absolut ok, weil er nun endlich wieder mal Bruckner nicht als Weihefestspiel darbietet. Solti kenne ich nur von Klangschnipseln und verlasse mich da auf Teleton.


    Ich finde, es kommt bei einer Sinfonie immer auf den Gesamteindruck an: Der kommt für mich unter anderem nur bei einem vollständigen Werk und einer vernünftigen Temporelation der Sätze untereinander zustande. Celi z.B. ist mir im 2. Satz viel zu langsam. Das macht dann das Gefüge kaputt. ( Ein "Adagio mit was drum herum" oder so)


    Gruß S.

  • Hallo Bruckner-Freunde,


    vor einiger Zeit habe ich von einem netten Ex-Tamino die Bernstein-Live-Aufnahme der Sinfonie Nr.6 (CBS, 27.03.1976) mit den New Yorker PH erhalten, die aus einer nur gering veröffentlichten Bernstein-Box (nicht aus der bekannten SONY-Bernstein-Sinfonien-Box!) stammt. Auf der CD ist auch das Bach-Brandenburg Konzert 5 mit Lenny.
    :!: Eine hochinterssante Bruckner-Aufnahme.
    Wie wir wissen hat sich Bernstein dem Komponisten Bruckner leider nur noch bei der Sinfonie Nr.9 zwei mal in New York (SONY) und Wien (DG) angenommen.


    Die Aufnahme ist orchestral nicht in allen Punkten perfekt, weshalb diese Live-Aufnahme warscheinlich auch nicht einzeln auf CD veröffentlicht wurde.
    Zum Beispiel im Finale des 1.Satzes kommen Pauken und Streicher durch unterschiedliche Tempi in dem Moment nicht ganz exakt zusammen ... so könnte man mehrere Stellen aufzählen, die nicht ganz exakt geraten sind - eben LIVE !
    Aber was Lenny hier ablieferte ist wieder großes Emotionstheater der Superklasse. Deshalb stört mich auch die nicht so voll vorliegende Perfektion der Aufnahme überhaupt nicht:
    :thumbsup: Bernstein kommt in der Gesamtspielzeit mit genialen 56:30 hin und entfacht besonders im 1.Satz ein Feuer der Extraklasse. Die Pauken sind fantastisch ... das geht teils noch über meine Lieblingsaufnahme mit Solti hinaus.


    Es ist schade, dass hier nun wenige Reaktionen und Eindrücke zu lesen sein werden, weil die im Prinzip unveröffentlichte Bernstein-Aufnahme der Sinfonie Nr.6 für alle unbekannt sein wird.
    :yes: Aber nach dieser weiteren Bruckner-Interpretation (auch nach der Neunten auf DG) zweifele ich nicht mehr daran, dass Bernstein insgesamt für alle 9Sinfonien ein toller Bruckner-Dirigent gewesen wäre.



    Ich habe Bernsteins CBS-Aufnahme der Neunten in meinen Anfängen mal auf LP gehabt.
    Da sie mir damals im Vergleich zu Jochum (DG-LP) und später Karajan (DG-CD) fremd erschien - das war kein Bruckner-Sound in dem Sinne, hatte ich sie verworfen. Ich bin fast sicher, dass ich heute darüber anders denken würde, den was Bernstein in Wien (DG) für eine Mega-Neun vorlegte, ist ebenfalls "erste Gänsehautklasse" !


    :hello: Trotzdem würden mich Meinungen zu Bernstein interessieren !

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Ja, sie ist ein Stiefkind! Ich bemerke es gerade, weil ich sie nach sehr langer Zeit mal wieder höre. (Eugen Jochum, Staatskapelle Dresden). Ich höre ja nun wirklich gern Bruckner - trotzdem kommt mir das 1. Thema regelrecht unbekannt vor! Was ist da los? Das 2. Thema ist dann ein Deja vu, aber als ob ich die Melodie von irgendwo anders kenne. Und die Verarbeitung, natürlich habe ich sie x-mal gehört, trotzdem ist und bleibt sie fremd. Was ist da los?
    Zum einen scheint mir die Erklärung zu sein, dass Bruckner alles ein wenig anders angeht als sonst. Zum Beispiel fehlen die verstörenden Pausen. Und die Melodie bleibt immer, oder zumindest meist, Melodie - wird nicht zum Klanggebirge. Die Bläser spielen immer wieder unisono (Owei, hoffentlich stimmt das und ist nicht wieder mal nur eine Missinterpretation meinerseits).


    - Und was mir am meisten fehlt: Die Totalität, diese überbordende Religiösität, dieser Versuch, das Unendliche hörbar zu machen.


    Für mich ist und war Bruckner immer jemand, der außerhalb aller musikalischen Entwicklung sein Ding machte, aber die 6. ist eine "normale Symphonie" (wobei ich schon weiß, was für eine haarsträubende Formulierung ich da nutze). Man könnte vieleicht sagen, wenn man dieses WErk nicht kennte, man könnte es nicht ohne weiteres zuordnen. Es hat einfach nicht dieses einerseits naive, andererseits gigantomanische seiner anderen späteren Werke.


    Und noch etwas fällt mir auf: ER nutzt hier die Melodien nicht wirklich aus. Es gibt wirklich mitreissende Themen, aber in der Verarbeitung verschwimmen sie alle ein wenig, verlieren an Substanz, während in den anderen Symphonien ab der 3. die Melodien immer wieder mit großer (ja ich würde sagen) Penetranz bestehen. Hier ist eher die Bewegung, die Veränderung das Signifikante.


    Noch einmal: Bruckner war für mich immer die Erfüllung. ABer die 6. ist und bleibt ein Irrlicht, etwas Unwägbares. Vielleicht spricht genau das für eine besondere Größe und ich habe sie einfach ncoh nciht verstanden.


    Tschö
    kLAUS

    ich weiß, dass ich nichts weiß. Aber ganz sicher bin ich mir da nicht.

  • Ja, sie ist ein Stiefkind!

    Lieber Klaus,


    hatte bis jetzt keine Ahnung, dass dieser Thread existiert. Allerdings bin ich erst kürzlich wieder auf Bruckner gestoßen, dabei habe ich, Du wirst es nicht glauben, gerade mit der Sechsten angefangen.
    War ich vielleicht zu unkritisch, wenn ich sie großartig fand?


    Von meinen Aufnahmen mit Karajan, Tintner, Celibidache und Günter Wand, war es gerade Wands Einspielung von 1977 mit dem Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester, die mich am meisten beeindruckt hatte. Diesen mitreißenden Rhytmus im ersten Satz fand ich bei den Anderen nicht.
    Da ich annehme, dass die Dirigenten meiner übrigen Aufnahmen ebenfalls eine Partitur lesen können, interessiert es mich sehr, warum Wand da anders dirigiert.


    Ich werde jedenfalls, beginnend um Mitternacht und mit Deinen Beobachtungen im Gedächtnis, mir die Sechste noch einmal vornehmen. Solltest Du Recht behalten, hast Du mir eine Illusion zerstört.
    Ich hoffe doch, dass da eine Unabsicht im Spiele war. :D


    Grüße
    hami1799

  • Lieber Hami!


    Ich glaube, dass du mich ein wenig missverstanden hast. Ich wollte das WErk garnicht so kleinschreiben. AAAber: Es ist für mich halt nicht wirklich "brucknerisch". Das heißt aber nicht, dass es nciht gut ist.


    Tschö
    Klaus

    ich weiß, dass ich nichts weiß. Aber ganz sicher bin ich mir da nicht.

  • Bruckner war für mich immer die Erfüllung. ABer die 6. ist und bleibt ein Irrlicht, etwas Unwägbares.


    Lieber Klaus,


    ich hoffe, du hast mit deiner Aussage recht. Von Bruckner kenne ich bis jetzt die Nullte, die Vierte und die Sechste. Und die Vierte irrlichtert bei mir neben der Sechsten. Beide klingen in meinen Ohren - jetzt wird's schwierig - wie dieselbe Musik mit anderen Noten. Insbesondere die Vierte habe ich mal im Konzert erlebt und empfand dann den Schlusssatz, ähnlich wie bei der Sechsten, als zu lang. Bruckner fährt mit Vollgas im ersten Gang, statt hochzuschalten, bremst er aber ab und es geht von vorne los. Ich hoffe, mir seine Musik einst erschließen zu können, weil ich glaube, dass etwas dran sein Muss aber Mysterium Bruckner. Möglicherweise mangelt's mir ja auch an Religiösität.

    "Geduld und Gelassenheit des Gemüts tragen mehr zur Heilung unserer Krankheiten bei, als alle Kunst der Medizin." (W.A. Mozart)

  • Hallo Lynkeus!


    An der Religiosität kann´s nicht liegen, - hab ich nämlich nicht.
    Ich kann auch verstehen, dass man Bruckner für zu lang hält. - Ein Grund für mich, ihn nicht so oft zu hören, denn man muss ja eine gute Stunde Zeit haben, und die hab ich oft nciht (jedenfalls nicht mit echter Ruhe). Und auch im Konzertsaal, wenn irgendwas nicht stimmt, und sei es Hunger, kann sich so eine Brucknersymphonie schon ziehen.
    Ich weiß nicht mehr, wodurch sich mir Bruckner erschlossen hat, es war jedenfalls nicht immer so. Aber als es dann so war, hat es nicht mehr nachgelassen. Immer wieder kehre ich zu ihm zurück (allerdings ohne die Nullte) und jedesmal erfüllt mich die Musik.
    Die Ähnlichkeit der Symphonien ist sicherlich da. "Mein Bratschist" hat mal gesagt, Bruckner hat nur 1 Symphonie geschrieben, aber die 9 mal. Ein wenig stimmt das für mich. Außer bei der 7. Aber ansonsten habe ich das Bedürfnis nach Bruckner und selten oder nie nach einer bestimmten Symphonie.


    Und wenn es am SChluss hapern sollte: Versuch die 9. , die ist nach 3 Sätzen zu Ende und hat ein ganz anderes Finale, es verhaucht in unendlicher Traurigkeit.


    Dranbleiben!
    Klaus

    ich weiß, dass ich nichts weiß. Aber ganz sicher bin ich mir da nicht.

  • Und wenn es am SChluss hapern sollte: Versuch die 9. , die ist nach 3 Sätzen zu Ende und hat ein ganz anderes Finale, es verhaucht in unendlicher Traurigkeit.


    Bei Bruckner scheinen es ja die Fünfte und Neunte zu sein, denen ein besonderer Nimbus anhaftet. Genau deswegen habe ich bisher um diese einen Bogen gemacht. Ich hoffte, erst Geschmack an Bruckner zu finden, um mir die Leckerbissen dann umso besser schmecken lassen zu können. Ich fürchte, dass mir die Neunte nichts sagen könnte und wenn es mit der nicht klappT, ja, lohnt dann noch das Hören der anderen Sinfonien? ?(

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  • Ich finde das Finale der 6. recht schwach, der Rest gehört für mich aber zum originellsten und besten, was Bruckner gemacht hat. Die 5. bis 7. Sinfonie stechen für mich etwas aus der Reihe heraus. Die 4. ist zwar auch schon in Dur, aber mit einem der 3. gestaltähnlichen Hauptthema im Kopfsatz und einem (im Ggs. zur 3.) sehr massiven Finale (in jedem Falle mag ich diese, die beliebteste Brucknersinfonie am wenigsten ab #3 (die davor kenne ich zu schlecht). (8 und 9 scheinen mir im Grunde wieder einen der 3. ähnlichen Typus aufzugreifen, nur mit umfangreicherem Adagio und Finale)
    Die 5. ist ein Unikum, mit dem monumentalsten Finale (bis zur 8. oder insgesamt), aber eigenartiger Weise eine der ersten, die ich richtig kennengelernt habe und die mich seit je fasziniert hat.
    Die 6. und 7. sind die melodischsten, "entspanntesten" und lyrischsten von allen. Ich kann, ohne das Stück jetzt nochmal gehört zu haben, nicht nachvollziehen, was damit gemeint sein soll, dass Bruckner hier "nichts aus seinen Melodien" macht. Das Großartige am Kopfsatz ist doch u.a. die rhythmische Figur (ta-tatata-tat...) statt des sonstigen diffusen Tremolo. Der langsame Satz ist melodisch wunderschön, wenn auch nicht so düster und bedeutungsschwer wie der in der 7. Das Scherzo der 6. ist nach dem der 9. mein liebstes von Bruckner, weil es mal nicht wie ein Elefantentanz klingt, sondern ein für seine Verhältnisse beinahe leichtes, ungemein farbiges Stück ist.

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  • Ich fürchte, dass mir die Neunte nichts sagen könnte und wenn es mit der nicht klappT, ja, lohnt dann noch das Hören der anderen Sinfonien?


    Hallo Lynkeus,


    Du kannst absolut sicher sein, dass Dir die Sinfonie Nr.9 eine Menge sagen wird! Da brauchst Du keine Sorge zu haben.
    Das Zitat, dass Bruckner eine Sinfonie neun mal geschrieben hat (den Quark habe ich schon öfter von Leuten gelesen, die mit Bruckner wenig am Hut haben) = absoluter Blödsinn. :angel: Die Sinfonien sind doch derart kontrastreich - Jede für sich eine Einheit.


    :D sorry, dass ist schon extreem, was ihr (Du und Klaus) textmässig alles in die fabelhafte Sinfonie Nr.6 hineininterpretiert.
    Für mich ist die Sinfonie Nr.6 überhaupt kein Stiefkind!
    Ich schätze sie so, wie sie mit ihrem spannenden und fantastisch rythmischem 1.Satz ist (zum Beispiel sogar mehr, als die in meinem Ohren langatmige Nr.7 mit ihren Längen); und die fabelhaft greifbaren Themen sind für mich nicht mehr oder weniger bruckneruntypisch (wie Klaus anmerkt).
    8-) Jetzt macht es Bruckner mal etwas anders --- und dann ist es auf einmal bruckneruntypisch ... nein!
    :!: Für Hami liegen jedenfalls keinerlei Gründe vor, sich eine Illusion eines geschätzten Werken zerstören zu lassen.

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Das Zitat, dass Bruckner eine Sinfonie neun mal geschrieben hat (den Quark habe ich schon öfter von Leuten gelesen, die mit Bruckner wenig am Hut haben) = absoluter Blödsinn. :angel: Die Sinfonien sind doch derart kontrastreich - Jede für sich eine Einheit.

    @ Wolfgang: Das hat sogar … Michael Gielen einmal in einem Interview rausgelassen … :stumm:



    Zitat

    Für mich ist die Sinfonie Nr.6 überhaupt kein Stiefkind! Ich schätze sie so, wie sie mit ihrem spannenden und fantastisch rythmischem 1.Satz ist (zum Beispiel sogar mehr, als die in meinem Ohren langatmige Nr.7 mit ihren Längen); und die fabelhaft greifbaren Themen sind für mich nicht mehr oder weniger bruckneruntypisch …

    Diese Sinfonie schätze ich ebenfalls; besonders in der Interpretation von



    Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
    Heinz Rögner


    Rögner liefert eine sehr zügige Interpretation dieses Werkes ab. :thumbsup:

    Einer der erhabensten Zwecke der Tonkunst ist die Ausbreitung der Religion und die Beförderung und Erbauung unsterblicher Seelen. (Carl Philipp Emanuel Bach)

  • Zitat von »La Roche«



    In einem Interview hat Christa Ludwig gesagt, daß Karajan stotterte. Die Sänger haben dann möglichst vorbeigeguckt, um ihn nicht zu verunsichern.




    "Das verunsichert wirklich, ich merkte es deutlich als er Bruckners Sechste dirigierte. Schon gleich zu Beginn im ersten Satz traf es die Violinen: tá tatátatatá tatátatatá tatátatatá und immer nur tá tatátatatá und als die gar nicht mehr davon loskommen, steckt es noch die Bratschen und Celli an. Doch sollte man nicht alles auf den Dirigenten schieben, wenn der Komponist schon stottert. :D "


    Meine Antwort an la Roche im thread "Karajan überschätzt" drückt dieselbe Bewunderung für den Kopfsatz der Sechsten aus, wie es schon bei Johannes Roehl zu lesen ist, wenn auch auf etwas andere Art. Überhaupt ist der Rhytmus des Kopfsatzes von ungeheurer, mitreißender Wucht. Ich empfehle Günter Wand mit den Kölnern.


    Wer da noch zaudert, wird nie ein Bruckner-Fan.

  • Ich habe soeben aus dieser Box die Sechste zuende gehört, und kann sagen, dass das, was ich da gehört habe, mich sehr erfreut hat, auch wenn, wie hier schon mehrfach erwähnt wurde, die Pauken in dieser Aufnahme etwas untergehen. Aber das scheint mir, je mehr ich Bruckner höre, um so klarer zu werden, dass das wohl physikalische Ursachen hat. Wenn man die Pauken bei der orchestralen Gewalt vor allem der Blechbläser in einer Studio-Aufnahme nicht durch Direktmikrofone untertützt, dann können sie schon mal an den Rand gedrängt werden. Und so konnte ich sie denn vor allem an Stellen vernehmen, in denen die Blechbläser Pause hatten. Aber hier in dieser Aufnahme wurden die Strukturen auch so äußerst deutlich und bedurfte es m.E. nicht der zusätzlichen Strukturierung durch die Pauken.
    Ich habe nun die von Wolfgang als vorzüglich benannten Symphonien Nr. 7, 4 und 6, in dieser Reihenfolge gehört und kann das Gesagte nur bestätigen. Vielleicht hängt das auch damit zusammen, dass Klemperer diese drei zuerst aufgenommen hat. Als er 1964 die Sechste als letzte dieser Trias aufnahm, war er 79, als er 1970 die umstrittenen 8. und 9. aufnahm, war er fast 86. Und gerade bei ihm scheint sich das Alter wirklich auf die Qualität der Aufnahmen ausgewirkt zu haben. Als ich Wand mit 89 1/2 jahren im Juli 2001 in Lübeck mit der Neunten hörte, war er zwar auch zwei, drei Minuten langsamer geworden als kanpp 30 Jahre zuvor bei seiner ersten Afunahme der neun Symphonien in Köln, aber das alte Feuer, und vor allem die inneren Temporelationen waren noch voll da. So unterschiedlich kann sich das bei verschiedenen Dirigenten auswirken.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Nach langer Zeit noch mal das Stiefkind. Diesmal eben mit Karajan.
    Ich werde auf meine alten Tage noch ein Karajan-Fan. ich finde, er macht das gut, besser als Jochum, mutiger. Er geht das Auf und Ab, das Laut und Leise deutlicher an, lässt es wirken und auch einmal verstören.
    Sicher, ein tolles Finale kriegt er auch nicht hin, wie auch. Aber Bruckner war sowieso nicht der Finalenkomponist. Ich bin eigentlich immer ein wenig enttäuscht. Wenn überhaupt, dann hat die 8. ein annehmbares Finale.
    Aber zurück zu Karajan. Auch die lyrischen Elemente werden sehr schön herausgearbeitet.


    Was ich gar nicht weiß, und auch auf den Covern nicht vermerkt: Gibt es davon gar keine Versionen?


    Tschö
    Klaus

    ich weiß, dass ich nichts weiß. Aber ganz sicher bin ich mir da nicht.

  • Gibt es davon gar keine Versionen?


    Hallo Klaus,


    wenn Du mich fragst, dann hast Du mit der Karajan-Aufnahme der Sinfonie Nr.6 (DG) dieses mal eine sehr gute Wahl getroffen. Rhythmisch noch etwas prägnanter empfinde ich allerdings die Solti-Aufnahme mit dem CSO (Decca) und Wand / Kölner RSO (RCA) schlägt auch in die bevorzugte Richtung.


    Lass Dich von dem Versionswirrwar bei den Bruckner-Sinfonien nicht durcheinander bringen ! :!: Von den Sinfonien 5, 6, 7 und 9 gibt es nur eine Version von Bruckner !
    Auch die DG-CD der Karajan-Aufnahme hat den Aufdruck Original Version. Da könnte man annehmen es gäbe noch weitere.

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Aber Bruckner war sowieso nicht der Finalenkomponist. Ich bin eigentlich immer ein wenig enttäuscht. Wenn überhaupt, dann hat die 8. ein annehmbares Finale.


    Was die Final-Sätze bei Bruckner anbetrifft kann ich Dir gar nicht zustimmen. Ich finde die Finalsätze der Sinfonien im Grossen und Ganzen absolut packend, den Gipfel in Tönen besteigend, erhebend. Ich wollte gerade eine Aufstellung machen von welchen - nicht nötig - denn selbst die nicht fertig gestellte Sinfonie Nr.9, die auch mit dem 3.Satz zum Abschluss ein so vollendetes Werk ist, gehört dazu.


    Bereits die Sinfonie Nr.1 hat einen packenden typischen Bruckner-Schluss. :yes: Du hast doch jetzt die Karajan-GA - die zeigt doch deutlich und packend auf, wo es bei Bruckner und seinen Finali lang gehen kann = :angel:


    Zwei Aufnahmen, die auch den Finalsatz der Sinfonie Nr.6 mit einer derartigen Hochspannung darbieten, dass Dein o.g.Zitat über den Haufen wirft, sind
    Solti (Decca) und eine Aufnahme, die mir ein befreundeter Forianer vor vor längerer Zeit zukommen lies - diese ist schwer greifbar, da nicht veröffentlicht = Bernstein / New Yorker PH (SONY, 1976) ...

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Von den Sinfonien 5, 6, 7 und 9 gibt es nur eine Version von Bruckner!


    Das ist im Falle der 7. nicht ganz richtig. Es gibt davon zwei leicht unterschiedliche Ausgaben: Haas (1944) und Nowak (1954).

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Was die Final-Sätze bei Bruckner anbetrifft kann ich Dir gar nicht zustimmen. Ich finde die Finalsätze der Sinfonien im Grossen und Ganzen absolut packend, den Gipfel in Tönen besteigend, erhebend. Ich wollte gerade eine Aufstellung machen von welchen - nicht nötig - denn selbst die nicht fertig gestellte Sinfonie Nr.9, die auch mit dem 3.Satz zum Abschluss ein so vollendetes Werk ist, gehört dazu.


    Bereits die Sinfonie Nr.1 hat einen packenden typischen Bruckner-Schluss. :yes: Du hast doch jetzt die Karajan-GA - die zeigt doch deutlich und packend auf, wo es bei Bruckner und seinen Finali lang gehen kann = :angel:


    Zwei Aufnahmen, die auch den Finalsatz der Sinfonie Nr.6 mit einer derartigen Hochspannung darbieten, dass Dein o.g.Zitat über den Haufen wirft, sind
    Solti (Decca) und eine Aufnahme, die mir ein befreundeter Forianer vor vor längerer Zeit zukommen lies - diese ist schwer greifbar, da nicht veröffentlicht = Bernstein / New Yorker PH (SONY, 1976) ...


    Da habe ich mich wohl etwas unklar ausgedrückt. Ich meinte nicht den Finalsatz, sondern wirklich das Ende des letzen Satzes, also das Ende der Symphonie als solche. Die letzten Sätze sind fast immer klasse, aber in der letzten Minute fehlt mir einfach die Kulmination, das Totale. So wie es Tchaikovski perfekt beherrschte und natürlich auch Beethoven.


    Tschö
    Klaus

    ich weiß, dass ich nichts weiß. Aber ganz sicher bin ich mir da nicht.

  • Lieber Klaus, Du meinst die Coda, denke ich.


    Also ich weiß nicht, aber die Codas im Finale der 4., 5. und 8. Symphonie von Bruckner sind doch kaum zu überbieten. Hast Du die falschen Aufnahmen? :D


    LG
    Joseph
    :hello:

    »Und besser ist's: verdienen und nicht haben,

    Als zu besitzen unverdiente Gaben.«

    – Luís de Camões

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