Nachfolger der 3 Tenöre - Wer hat das Zeug dazu ?

  • Liebe Opernfreunde,


    Langsam aber sicher ist es unübersehbar, äh unüberhörbar, daß jene 3 Tenöre, die jahrzehntelang als das Maß aller Dinge galten, das Fach wechseln.....


    So erhebt sich die Frage ? Wer kommt danach ? An Kandidaten herrscht wahrlich kein Mangel, werden doch von einer rührigen Tonträgerindustrie andauernd "Ausnahmetenöre" in bisher nie gekannter Stückzahl aus dem Hut gezaubert.
    Allerdings, und das ist die Crux, hat sich bisher kaum einer Anwärter so richtig durchsetzen können, kaum ist der Hase aus dem Hut, schon ringt er nach Luft (oder sehe ich das falsch ?) :D


    Mit "Durchsetzen" ist hier gemeint, daß einer der "neuen" Tenöre,
    bei Publikum und Kritik in etwa die gleiche Akzeptanz genießt, wie die "alten", daß die Herren singen können steht außer Zweifel.


    Wer glaubt Ihr, hat das Zeug dazu, das Publikum zu solchen Begeisterungsstürmen hinzureissen, wie Carreras, Domingo und Pavarotti und deren Vorgänger ?
    Von welchem der derzeitigen "Newcomer" würdet Ihr euch eine Arienplatte zulegen (oder habt bereits eine?)
    Oder sind Eurer Meinung nach die "sieben mageren Jahre" ausgebrochen ?


    gespannt auf Eure Antworten wartend


    verbleibe ich


    Euer Alfred

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  • Hallo,
    erstaunlich, dass zu diesem eigentlich sehr interessanten und vor allem diskussionswürdigen Thema (Sind denn eigentlich "die großen 3" wirklich die großen 3?) noch keine Reaktion erfolgt ist.
    Leider bin ich zu wenig Opern-Hörer - und schon gar nicht Kenner -, um hier ernsthaft mitreden zu können. Derjenige, der mir unter den "aktuellen" Tenören bislang am positivsten in Erinnerung geblieben ist, war Roberto Alagna. Ich hatte allerdings noch keine Gelegenheit, Florez, der ja als nach meiner Wahrnehmung einziger "durch die Bank" von der Kritik gelobt wird, ausführlich zu hören.
    Cura und Alvarez haben bei mir eher wenig Eindruck gemacht.
    Gruß
    Achim

  • Hallo zusammen,


    Ich denke, die mangelnde Reaktion auf dieses Thema ist quasi die Antwort. Es wird meines Erachtens keine - sozusagen - Nachfolger der 3Tenöre geben, weil einfach keine "Nachfolger" vorhanden sind. Sicher gibt es viele gute bis ausgezeichnete Nachwuchstalente in bestimmten Bereichen, doch sucht man solche Allround-Talente wie Domingo&co. vergeblich. Dieser Mangel betrifft vorallem das Stimmfach der Tenöre. Zwar gibt es Nachwuchs, der aber ist vorallem lyrisch veranlagt - im Gegensatz zu den doch "heldischeren" 3 Tenören.
    Doch man so niemals nie sagen - lasst uns abwarten. :beatnik:


    Viele Grüße
    Danielo

  • Hm, Carreras "heldisch"? Ich weiß nicht recht. Meines Erachtens war er erheblich mehr lyrischer als Heldentenor. Allerdings hatte auch er einen Sprachfehler: Er konnte nicht "nein"sagen als ihm Rollen angeboten wurden, die zu seinem Stimmfach oder seinem Stimmaterial nicht paßten. Somit nahm sein edles Timbre leider Schaden, und er teilte das Schicksal eines Giuseppe di Stefano.

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • Es gibt tatsächlich ein paar Tenöre, die das Zeug haben "Große" zu werden: Villazon, Pirgu, Calleja und Machado


    Man kann halt nur abwarten, ob sie die Erwartungen auch erfüllen und das war wohl auch früher so. Ich kann mich noch gut an Carreras' Debut in Wien erinnern - hübsche, nicht besonders große Stimme, die ihn im letzten Akt von Rigoletto teilweise verlassen hat.


    Florez ist großartig, fällt aber nicht in diese Kategorie - kann mir nicht vorstellen, dass er jemals dramatische Partien singen wird und das braucht er auch nicht.


    Alagna ist gut, aber doch nicht das geworden, was man erhofft hatte und Cura ist ein Kapitel für sich; der Typ hat geniale Momente und ein paar Minuten später möchte man ihn erwürgen. Das Material ist außergewöhnlich, seine Auffassung und Einstellung sind es auch - leider teile ich sie meistens nicht. Ja ich finde, dass das was er macht oft an Frechheit und Vera....e grenzt und das ist schade, denn gerade so präsente Typen wie er könnten wunderbar dazu beitragen Oper auch einem neuen Publikum schmackhaft zu machen.

  • Hallo zusammen,


    das Thema ist zwar schon ein bißchen älter und wir haben bereits vor Wochen einen Beitrag dazu abgeben wollen, diesen auch (offline)geschrieben. Leider dann vergessen online zu gehen und danach war der komplette Text weg. Ziemlich entnervt haben wir es dann gelassen...
    Jetzt aber mit neuem Tatendrang (es ist ja noch "früh") unsere Meinung dazu. ALSO...


    Vor einiger Zeit haben wir ein Interview mit Rene Kollo gesehen. Von Kollo sind wir nicht sooooo sehr begeistert, aber was er da gesagt hat, machte uns schon nachdenklich. Seiner Meinung nach wird es in ein paar Jahren NIEMANDEN mehr geben der zu gesanglichen Glanzleistungen fähig sein wird. (Insbesondere auch was die Oper betrifft, die sieht er in der jetzigen Form im Prinzip aussterben) Kollo sagte, dass den Künstlern heut zu tage (Rechtschreibreform?) einfach nicht mehr die Zeit zugestanden wird um sich richtig auszubilden. Keine Zeit um die Stimme wachsen und WIRKLICH groß werden zu lassen.


    Erschreckende Aussichten, oder?


    Viele Grüße
    B&W

  • Hallo Bettina und Wilfried!
    Gerade gestern Abend habe ich ein dickes Buch über Sänger aus der Vorkriegszeit gelesen,und da stand GENAU das drin,was dieser sehr geehrte Herr Kollo von sich gegeben hat...Man war schon immer der Meinung,die jeweilige Sängergeneration ist bedeutend schlechter als die vorangegangene,sie würden zu viel verdienen,zu viele Rollen in zu kurzer Zeit annehmen etc.Im übrigen gehört dieser Kollo ja auch schon zu der verfemten Sängergeneration,da die meisten heutigen Kritiker pauschal erklären,die "Neuzugänge" ab 1960 könnten allesamt nicht mehr richtig singen.Nunja.
    Es gab vor dem 2.WK einen Ausdruck "Bayreuth belk",aber wenn man sich in die uralten Aufnahmen hineinhört,wird man feststellen,daß Wagner vor 70 oder 80 jahren GESUNGEN wurde.Klar gab es auch damals Verrisse.Ich denke,es hat auch etwas mit dem Generationenproblem zu tun.Wie in allen Lebensbereichen:die alten können nicht abdanken,halten ihre Leistung für die beste und haben für die "Jungen" kein gutes Urteil übrig,da sie ja von ihnen verdrängt werden.
    Mag sein,daß es momentan keine wirklich guten Verdi-und Wagner-Stimmen gibt,dafür ist die heutige Zeit mit tollen Barock-Sängern gesegnet wie niemals zuvor (zumindest,was die letzten 100 Jahre betrifft).
    Gruß,der Wanderer

  • Hallo!


    Vermarkten wird man sicher nichtmehr so können, war eine geniale Idee nach der WM das zu machen und so lange "Marie" damit zu machen solange es geht. Mit 70, 65 oder 70, und knappe 60(nach quasi Neustart) ist der Sängerhimmel nichtmehr erreichbar sondern nurmehr der Abstieg möglich.
    AAber ich finde das derzeitige Sängerangebot durchaus passabel.
    Gerade Tenöre wie Florez, Villazon, M.Alvarez, Filianoti, Armiliato, Giordani, Licitra ..
    Skelton, Kaufmann, Heppner, Gould , Botha, Seiffert .....
    Bariton: Vassallo, Gazale, Alvarez, Vitali, Antonucci ....da scheint es neben Struckmann im deutschen Fach zu klemmen(den großartigen Grundheber und Brendel kann man ja keine lange Karriere mehr geben)
    ja die Bässe sinds die derzeit Not leiden. Pape auf weiter Flur ..vielleicht im italienischen Fach Colombara, der noch eine längerer Karriere vor sich hat.
    Jetzt hörte ich aus Liege einen Tenor namens Frank Portilla in La forza del destino, der hat mich überzeugt....
    Also so schlimm schaut es ja niucht aus ..
    Zu den Damen vielleicht ein andermal
    manrico

  • oooch,der Grundheber singt noch ganz passabel,auch Renato Bruson ist noch gut bei Stimme,wie ich mich kürzlich überzeugen konnte.Aber der Nachwuchs ist tatsächlich dünn gesät..
    Gruß,Wanderer

  • Es ist sicher auch ein Problem, daß der Nachwuchs, verglichen mit vergangenen Generationen, verheizt wird, und daß man verhältnismäßig wenige Neuaufnahmen macht, wo dieser Nachwuchs sich profilieren kann. So wird die Tonträgerindustrie dereinst mit einem Haufen mittelmässiger, relativ unprofilierten Sängern dastehen, die es nie schaffen werden mit ihren Vorgängern ernstlich in Wettstreit zu tretten, soll heißen, konkurrenzfähig zu sein.



    Beste Grüße
    aus Wien


    Alfred

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  • Richtig, es gibt kaum mehr Studioproduktionen - wozu auch? Es gibt Unmengen DVDs - alles live, was mir ja - wie auch schon früher gesagt - viel lieber ist als die sterilen geschönten Aufnahmen der 70er und 80er. "Ach das h war aber jetzt nicht so ganz, mach' ma noch eine, dann kann man's ja zammschneiden!" Klar sind diese Live-Aufnahmen nicht so ganz perfekt und einiger Schrott (nicht Erwin, der ist gut) ist auch dabei, aber auch viele tolle Sachen. Und wie Manrico schon richtig anmerkte, es GIBT gute neue Leute - er hat ja einige aufgezählt. Sie werden alle nicht so lange singen wie ein Kraus oder ein Domingo - klar. Aber alles ist heute schnelllebiger - bei den Gebrauchsgütern haben wir uns schon damit abgefunden. Und wer bitteschön will heute einen 60-jährigen Romeo auf der Bühne sehen? Und nebenbei bemerkt, wie lange wenn überhaupt war denn ein Herr Kollo wirklich gut?
    Kleine Notiz am Rande: Auch hervorragende Liedsänger gibt es heute mehr denn je!

  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Es ist sicher auch ein Problem, daß der Nachwuchsm verglichen mit vergangenen Generationen, verheizt wird, und daß man verhältnismäßig wenige Neuaufnahmen macht, wo dieser Nachwuchs sich profilieren kann. So wird die Tonträgerindustrie dereinst mit einem Haufen mittelmässiger, relativ unprofilierten Sängern dastehen, die es nie schaffen werden mit ihren Vorgängern ernstlich in Wettstreit zu tretten, soll heißen konkurrenzfähig zu sein.


    alfred, meinst du,
    daß man sich vorwiegend mit Aufnahmen profilieren kann?


    dem möchte ich entschieden widersprechen!


    die Tonträgerindustrie hat sich explosionsartig entwickelt - auf einmal wurde jeder Musiker nach seinen Aufnahmen bewertet.
    heutzutage kann zwar jeder selbst CDs produzieren, aber die Nachfrage ist nicht mehr da.


    Welcher Dirigent kann sich dem Ziel widmen, alle Beethoven Symphonien einzuspielen. etc...
    Wozu das ganze, wenn die Hörer durchschnittlich wieviele verschiedene Interpretationen davon zu Hause haben....?
    @Sonny
    ganz deiner Meinung


    eher wird man von der Gegenwart ein paar auserwählte kennen, die halt am großen Geschäft teilhaben konnten.
    und übers Internet, über Foren wird man sich austauschen, um Raritäten kennenzulernen.
    ob das aber repräsentativ ist, wage ich zu bezweifeln.


    ich wage zu behaupten, daß es für Musiker heute kein Ziel mehr ist, Aufnahmen zu produzieren; höchstens um das eigene musikalische Profil, die gewählte schublade zu dokumentieren.


    Liveaufnahmen halte ich für die einzige FOrm, die überleben wird.
    (bzw: die technischen Möglichkeiten sind doch fast so, daß jemand eine DVD eines eigenen Klavierkonzerts produzieren könnte, ohne das Instrument zu beherrschen. - ist halt mühsam herzustellen, aber machbar )


    @Sonny
    Und wer bitteschön will heute einen 60-jährigen Romeo auf der Bühne sehen?


    naja - Opernsänger werden immer anders gecastet als Filmschauspieler - was sie Leute sehen wollen, ist dort nicht das Hauptproblem.
    (ist nicht als Stellungnahme zu Inszenierungen zu verwenden!)

    Im übrigen bin ich der Ansicht, dass gepostete Bilder Namen des Fotografen, der dargestellten Personen sowie eine genaue Angabe des Orts enthalten sollten.
    (frei nach Marcus Porcius Cato Censorius)

  • Hallo Tastenwolf,


    "Profilieren" ist hier ein schwieriger Begriff.


    Es gab, gibt hier in Wien zahlreiche "lokale Größen", wahrscheinlich wie in jeder anderen größeren Stadt. Sie waren/sind beliebt, sie brauchen sich keine sorgen um ihre Zukunft zu machen, sie sind gut.


    Jedoch - die Nachwelt flicht dem Mimen keine Kränze - und dem Musiker auch nicht- so er nicht aufgenommen hat.
    Ich habe ein Konzert mit Arrau in Wien gesehen, ich habe Szering, Haebler, Jochum ,Gelber gehört etc.etc
    Aber nur in wenigen Fällen weiß ich mehr was genau damals auf dem Programm stand, und über die Güte der Konzerte könnte ich heute auch nicht referieren.
    Das einzige was Bestand hat sind Tonaufnahmen (ich bin ein fanatischer Jünger der Tonaufzeichnung "für die Ewigkeit", schon mit 15 hatte ich eine Tonbandmaschine, damals ein doppeltes Bruttomonatsgehalt eines Angestellten, mit 19 erwarb ich eine Maschine, die mich etwa 8 Brutto-Monatsgehälter kostete, eine B&O Beocord 2000, Stereo Halbspur semiprofessional, eine Maschine, die noch heute funktioniert, ich benütze sie aber nicht mehr)
    Tonaufnahmen sind der Triumph über die Vergänglichkeit. Ich habe in meinem Leben viele Konzterte besucht, das meiste waren Freikarten.
    Mein Geld habe ich immer im Tonträger investiert und in die geeigenten Abspielgeräte.
    Wer würde heute noch von Karajan sprechen, ohne Tonaufzeichnung ?


    Aber in einem gebe ich Dir recht:
    Der Interpret, der mich zum Kauf einer CD verführen will muß seine Feuerprobe im Live-Konzert bereits bestanden haben, womöglich jahrelang. "Blitzstarter wir Lang-Lang und Stadtfeld interessiieren mich nicht .
    Persönlich bin ich ein Verfechter von perfekten Studioaufnahmen. Ich bin der Meinung, daß man es hört wenn jemand seine Leistung lediglich der Tontechnik und dem Schnitt verdankt, aber das Einrichten einer optimalen Akustik und das Wiederholen von mißglückten Sätzen halte ich für unabdingbar. Man hat damit ja nicht aufgehört, um authentischer zu klingen, sondern um Geld zu sparen. Mitschnitte sind etwas, das seit meiner Kindheit im Rundfunk übertragen wurde, dafür brauch ich kein (extra) Geld auszugeben.


    Natürlich akzeptiere ich auch Aufnahmen, die nicht optimal in Sachen Klang sind,aber nur dann wenn es sich um welche aus der Vergangenheit handelt.


    Aber an sich hab ich sowieso schon das Meiste was mich interessiert im Archiv...


    Beste Grüße


    Alfred

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  • [quote Zitat von ALFRED]
    Das einzige was Bestand hat sind Tonaufnahmen


    Natürlich akzeptiere ich auch Aufnahmen, die nicht optimal in Sachen Klang sind,aber nur dann wenn es sich um welche aus der Vergangenheit handelt.
    [/quote]



    jemand, der es nicht geschafft hat, auf dem Zug aufzuspringen, wird - für die Allgemeinheit - ewig zweit- und drittrangig sein.


    dazu entsteht in wenigen Jahren das Bild, das du beschreibst:

    Zitat


    So wird die Tonträgerindustrie dereinst mit einem Haufen mittelmässiger, relativ unprofilierten Sängern dastehen, die es nie schaffen werden mit ihren Vorgängern ernstlich in Wettstreit zu tretten, soll heißen konkurrenzfähig zu sein.


    nicht nur Sängern...


    Zitat


    Aber an sich hab ich sowieso schon das Meiste was mich interessiert im Archiv...


    genau was ich sage, die neuen Einspielungen, wenn sie überhaupt entstehen, werden nicht gekauft und "setzen sich nicht durch".


    "ein Haufen mittelmäßiger..." tut schon weh, so beurteilt zu werden...


    von so vielen Leuten ist nichts überliefert - würden wir uns nicht wünschen, wir hätten Bach, Mozart jemals hören können.


    das Bild vom (Nur-) Interpreten existiert noch nicht so lange...


    muß noch nachdenken über dieses Thema...
    liebe Grüße,
    Wolfgang

    Im übrigen bin ich der Ansicht, dass gepostete Bilder Namen des Fotografen, der dargestellten Personen sowie eine genaue Angabe des Orts enthalten sollten.
    (frei nach Marcus Porcius Cato Censorius)

  • hätte wohl sagen müssen "sehen + hören", denn auch die Stimme eines 60-jährigen, mag sie noch so gut erhalten sein, lässt die gewünschte Jugendlichkeit nun mal naturgegebenermaßen vermissen.


    Natürlich ist mir ein erstklassiger "Alter" lieber, als ein schlechter "Junger" - das ist, denke ich, ja klar, aber wenn man die Wahl zwischen zwei Sängern gleicher Güte hat, wird man sich in vielen Partien doch eher für den "Jungen" entscheiden. Ich meine, der Duca kann zur Not auch ein älterer Lüstling sein - mittlerweile auch ein Aff' - aber der schon erwähnte Romeo wirkt überwuzelt nicht mehr ganz überzeugend.

  • Ich für meinen Teil brauche keine Nachfolger der " großen" Drei, ja nicht mal die Drei selbst. Ich kann dem nichts abgewinnen, wenn man meint, singen hätte mit Gewichtheben zu tun. Ich brauche kein minutenlang ausgehaltenes hohes C, natürlich nicht ohne den Anschleifer vorher. Und schon gar nicht in dreifacher Ausfertigung. Gebrüll im Kubik sozusagen. Aus diesem Grund bleiben die Opern Verdis, Puccinis etc. und erst recht Wagners bei mir außen vor.


    Thomas

    Da freute sich der Hase:
    "Wie schön ist meine Nase
    und auch mein blaues Ohr!
    Das kommt so selten vor."
    - H. Heine -

  • Hallo,


    es gibt noch weiteres zu Bedenken, warum kaum mehr guter Sänger-Nachwuchs die Bühnen betritt: in unzähligen Interviews der alten Gesangesmeister kann man hören wie sie sagen, dass sich der junge Sänger vorallem Zeit lassen sollte, um seine Stimme wie ein guter Wein reifen zu lassen, zuerst Partien zu wählen, die einer jungen Stimme gerecht sind und je länger je mehr sich an die grossen Partien heran zu wagen.
    Nur ist dies einfacher gesagt als getan, wenn sich ein neuer Sänger mit einer hoffnungsvollen Stimme "outet", kommen sofort irgendwelche Agenten bzw die Musikindustrie und wittern das grosse Geld und mit einem lukrativen Einstiegsvertrag sind oft die guten Vorsätze eines Sängers/Menschen weg. Geld verdienen kann man leider fast nur noch mit grossen, schwierigen Partien und so dreht sich der Kreislauf immer schneller.


    Und ein Sänger zu werden ist nun mal "Knochenarbeit". Es ist nicht so wie bei den supertalentierten Instrumentalisten, die ihr Instrument bereits in der Wiege bis zur Perfektion beherrschen. Dafür kann ein Sänger auch noch mit vielen Lenzen eine Solo-Karriere starten.



    Gruss
    Christoph

  • Hallo,


    Immer wieder begegnet mir der Name Villazon, auch hier im Thread 2 mal. Besitzt jemand im Forum Aufnahmen von ihm und kann eine Einschätzung abgeben ?



    Freundliche Grüße


    Alfred

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  • Um Alfreds Frage bezüglich Rolando Villazons zu beantworten. Ich kenne zwar nicht seine wenigen CDs, habe ihn aber letzte Woche live im Münchner Nationaltheater in der Titelrolle von Gounods "Faust" gehört und war sehr angetan. Eine großartig-jugendliche Bühnenpräsenz und eine Stimme, die an den jungen Domingo erinnert. Lyrisch angelegt bei baritonaler Einfärbung. Der Mexikaner führt seine Stimme ohne Registerbruch in eine strahlende Höhe. Was Wunder, daß das Publikum beschloss, die alberne Inszenierierung zu vergessen und sich auf dieses Stimmfest konzentrierte. Endlich mal wieder ein Tenor, dessen jugendlicher Elan sich in seiner Stimme spiegelt.
    Florian

  • Ich zitiere mich (bei Mercadante; da muß doch einmal ein richtiger Biographie kommen).


    Zitat

    Morino war für mich eine Entdeckung. Ein unterschätzter Tenor.


    Ich fragte Ulli, welche Note er in der Anfangsarie des Vicardo (Il Giuramento) sang, so ohne weiteres, ansatzlos (wie Siegfried es so schön umschrieb). Das war Es².
    Und dabei gefält mir sein Timbre sehr. Es hat einen Hauch von Giglis Timbre.


    Ich finde ihn sogar ein sehr unterschätzter Tenor. Der ein großes Register hat, und dazu auch noch Volumen.
    Aber auch Alfredo Kraus wurde überschattet. Und der gehörte ganz sicher zu der Spitzenklasse.


    LG, Paul

  • Zitat

    Original von musicophil
    Ich fragte Ulli, welche Note er in der Anfangsarie des Vicardo (Il Giuramento) sang, so ohne weiteres, ansatzlos (wie Siegfried es so schön umschrieb). Das war Es².


    Salut,


    das ist aber nur relativ zu sehen, da ich das Stück nicht kenne - ich mag es aber jetzt sehr! Was ist das überhaupt genau? Die Angaben oben sagen mir jetzt nichts... Jedenfalls fiel mir auf, dass der von Paul gefragte Ton hörbar höher war, als das mir im Ohr schwirrende d² aus der Sonnenarie im "Stein der Weisen". Es konnte also nur Es² sein, selbst das war schon kaum vorstellbar... beim Test am Flügel fand ich Bestätigung. Jetzt kommt es aber noch darauf an, in welcher Stimmung gespielt bzw. gesungen wird - dann kann es durchaus auch "nur" d² oder ~ cis² sein [bzw. auch irgendwas dazwischen], was wie Es² klingt... Mein Bösendorfer wurde zuletzt auf 441 Hz gestimmt [der zieht im Winter eh runter wie Hund :pfeif: ], da war es Es², demzufolge müsste das Stück dann in B-, F- oder Es-Dur stehen: der Ton erklang als Septime. Vom Empfinden her befand ich mich in Es-Dur, dann wäre besagter Ton Des" bei 445 Hz oder so...


    Alles klar?


    :hello:


    Ulli

  • Zitat

    Original von Ulli
    Was ist das überhaupt genau? Die Angaben oben sagen mir jetzt nichts...


    Wie bereits gesagt: die Anfangsarie aus "Il Giuramento" von Mercadante. Da singt Viscardo (dargestellt von Giuseppe Morino auf Nuova Era :D ) über eine schöne Frau, die sein Herz in Feuerflammen entfachte. Und da ist am Ende jener Arie die prächtige Sprung in der Höhe. So völlig unerwartet, ohne Einleitung.
    KLASSE. :jubel: :jubel: :jubel:


    LG, Paul

  • Hallo,


    ich glaube,wir brauchen keine "3.Tenöre",die in


    Fußballstadien Granada schmettern.Wir haben einige


    gute Tenöre,von denen jeder für sich alleine bestehen kann.


    :hello:Herbert.

  • Das sehe ich genauso. Diese Konstellation war mir immer suspekt, ich muss daran denken, wie die Herren Rühmann-Fritsch-Karlweis "Ein Freund, ein guter Freund" schmettern. Ein Tenor ist schon schl*mm gen*g :pfeif:

    „People may say I can't sing, but no one can ever say I didn't sing."
    Florence Foster-Jenkins (1868-1944)

  • Eigentlich braeuchten wir viel mehr gute Verdi-Baritone.
    Bekommen wir da nach den recht guten 60-er und 70-er Jahren und Brusons sowie Zancanaros Abgang noch drei gute zusammen ?
    Vereinzelt gute Leistungen von Chernov, neuerdings von Carlos Alvarez (wie lange noch ?), taeuschen nicht darueber hinweg, dass ein grosser Mangel an Verdi-Baritonen herrscht, sodass wir uns immer wieder den unertraeglichen Nucci anhoren muessen, der nicht merkt, dass er aufhoeren sollte.


    Was Tenoere angeht, mache ich mir weniger Gedanken, da dies mit Ausnahme von intelligenten Saengern (wie Domingo, Bergonzi, auch Pavarotti und Kraus) ein hoffnungloser Fall ist: Die Eitelkeit wirkt sich negativ auf die Intelligenz aus (siehe Alagna) . Selbstueberschaetzung und ein volles Portmonnaie fuehren zu fruehem Verschleiss.
    Zum Glueck gibt es die so reiche Brutstaette Mittel- und Suedamerika fuer hoffnungvolle Tenortalente. Da kommen immer welche nach, selbst wenn sich die Vorigen schon zu Tode gesungen haben ...


    Stefan

  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Wer glaubt Ihr, hat das Zeug dazu, das Publikum zu solchen Begeisterungsstürmen hinzureissen, wie Carreras, Domingo und Pavarotti und deren Vorgänger ?


    aufgrund des medien interesses und der speziellen CD produktionen, samt
    verkauf an eher unübliche konsumenten-schichten:


    anna netrebko & rolando vilazon


    faun

    die kritik ist das psychogramm des kritikers (will quadflieg)

  • Giuseppe Morino war auch meiner Meinung nach ein sträflich unterschätzter Tenor, der größere Kapazitäten hatte als ein tenore di grazia und vom Timbre und der Phrasierungskunst her Alfredo Kraus weit überlegen war. Ich bin noch immer ständig auf der Suche nach seinen raren Aufnahmen. Vor allem fehlt mir seine "Lucia". Auch "Adriana Lecouvreur" hat er gesungen, und wie!

  • Giuseppe Morino


    hatte ich vergessen nur dunkel an ihn erinnert und
    nun aber nach geschaut in der Chronik der
    Wiener Staatsoper, dort hab ich ihn live gehört.


    Er sang dort


    3 Mal Herzog im "Rigoletto" 3.10.1986 und
    3 Mal Sänger im "Rosenkavalier" 26.03.1989.


    Was ist aus ihm geworden,weiß das jemand???


    :hello:

  • ]Original von faun[/i]


    Wer glaubt Ihr, hat das Zeug dazu, das Publikum zu solchen Begeisterungsstürmen hinzureissen, wie Carreras, Domingo und Pavarotti und deren Vorgänger ?


    Wieso brauchen wir eigebtlich 3 neue Tenöre? Das war nun mal eine einzigartige Zusammensetztung, die sich halt so ergeben hat,-- aber lassen wir doch die grossen Tenöre einfach gross sein, auch einzeln!


    Grüsse aus Zufikon
    Lenski


  • Und Juan Diego Florez & Nathalie Dessay - nach der letzten "Fille" gab's 40 Minuten Applaus, die Leute klatschten und riefen sogar noch weiter, als schon der Eiserne unten war, F&D schlüpften dann noch einmal beim kleinen Türl auf der Seite heraus. So eine Begeisterung habe ich seit Jahren nicht mehr erlebt, das hat sämtliche AN&RV-Auftritte getoppt. (Schon vorher erzwang das Publikum ein Dacapo von "A mes amis" - der Holender wäre gelyncht worden, wenn er's diesmal wieder nicht erlaubt hätte.)
    lg Severina :hello: