Skandalinszenierungen - mehr als nur werbewirksames Medienspektakel?

  • ich möchte an dieser Stelle einmal die gewollt provokanten Inszenierungen untersuchen, die in der Regel zu einem Rauschen im Blätterwald führen.
    Regisseure wissen, dass sie mit Tabubrüchen leicht an die breite Öffentlichkeit gelangen.
    daher ist der Einsatz solcher Mittel immer vorsätzlich.


    in wievielen Fällen ist aber ein Skandal wirklich bewusst verursacht?


    eine meiner Beobachtungen im Theateralltag ist, dass die Wirkung einer Inszenierung sehr schwer abzuschätzen ist. Zu glauben, dass Regisseure mit den Intendanten "unter einer Decke stecken" und gemeinsame Sache machen, ist ein bisschen vereinfacht.
    Kaum ein Intendant kalkuliert absichtlich eine Produktion die nur geringe Auslastung erreicht.


    und tatsächlich: Skandalinszenierungen sind oft keineswegs schlecht besucht - im Gegenteil, manche Menschen wollen sich justament von der Wirkung dieses Bühnenwerks überzeugen.
    Auch die grössten Festspiele sind offensichtlich auf solche Werbung angewiesen.


    Wo hat in den Medien das letzte Mal eine konventionelle Inszenierung ähnliches Aufsehen erregt?


    dass sich konventionelle Inszenierungen gut verkaufen, kann man an den grossen Festivalbühnen sehen, die pro Aufführung bis zu 6000 Menschen erreichen können.
    Ich glaube dennoch nicht, dass die Rezepte, die für den Steinbruch St.Margarethen oder die Seebühne Mörbisch gelten, auf ein Repertoiretheater 1:1 anwendbar sind.


    wenn wir wirklich in manchen Fällen von organisierten Skandalen sprechen, lässt sich das nicht stark eingrenzen auf ganz bestimmte Häuser?


    am Beispiel der komischen Oper Berlin würde ich fragen: ist eine Aussenseiterposition nicht auch wirtschaftlich notwendig? In Berlin scheint es keine ähnlichen Spielplanabsprachen wie in Wien zu geben. Die Konkurrenzsituation und der Überlebenskampf ist nicht zu unterschätzen.
    Wenn sich die komische Oper eben auf diesem Weg von den zwei anderen Häusern abhebt, kann es dafür mehrere Gründe geben. Eine grundsätzlich negative Ästhetik unterstellen zu wollen, finde ich seltsam... (noch dazu sind Bilder jener Zauberflöte wirklich interessant..)


    und in manchen Fällen wird es tatsächlich so sein, dass sich hinter dem angekündigten Skandal nur heisse Luft verbirgt, keine echte Aussage...
    wenn es so einfach ist, Nazisoldaten, nackte Menschen, Blut etc. auf die Bühne zu bringen, um letztlich doch das Haus damit zu füllen... dann hat diese Absicht ihren Zweck wirtschaftlich gesehen doch erfüllt?


    Tabus sind private Grenzen eines jeden Menschen... die Auswirkung eines Tabubruchs, die daraus resultierende Empörung kann schwer als Körperverletzung umgedeutet werden.
    aber ich will damit nicht in Abrede stellen, dass traumatisierte Menschen, die ein Konzentrationslager erlebt haben, durch den Anblick einer entsprechenden Inszenierung erschüttert werden können....


    dennoch ist das Rütteln an Tabus auch eine politische Angelegenheit, wie man am Beispiel von Religionskritik sehen kann.
    Ich halte es auch für die Pflicht einer Gesellschaft, sich der Bevormundung von zensurierenden Gruppierungen entgegenzustellen.

    Im übrigen bin ich der Ansicht, dass gepostete Bilder Namen des Fotografen, der dargestellten Personen sowie eine genaue Angabe des Orts enthalten sollten.
    (frei nach Marcus Porcius Cato Censorius)

  • Ich glaube dennoch nicht, dass die Rezepte, die für den Steinbruch St.Margarethen oder die Seebühne Mörbisch gelten, auf ein Repertoiretheater 1:1 anwendbar sind.

    Was ist mit der Wiener Staatsoper? Dort sind die alten werktreuen Aufführungen auch voll. Ganz ohne Skandal.

  • dennoch ist das Rütteln an Tabus auch eine politische Angelegenheit, wie man am Beispiel von Religionskritik sehen kann.

    Welche Tabus gibt es heute? Mir fällt das Verbotsgesetz und die Pädophilie ein. Rütteln an Tabus wäre demnach einerseits Wiederbetätigung, andererseits Verherrlichung von Kinderschändung. Was würde das bringen?

  • Welche Tabus gibt es heute? Mir fällt das Verbotsgesetz und die Pädophilie ein. Rütteln an Tabus wäre demnach einerseits Wiederbetätigung, andererseits Verherrlichung von Kinderschändung. Was würde das bringen?

    Das Thema Pädophilie ist spätestens seit Calixto Bieitos Parsifal-Inszenierung in Stuttgart im Regietheater angekommen. Dort wird ein toter Jüngling, der offensichtlich dem Gurnemanz "zu Diensten" war, dem Parsifal als "totgeschossener Schwan" untergejubelt. Womit die Gralsritter quasi den sündigen katholischen Priestern gleichgesetzt werden. Oh, wie provokant!

  • ich dachte, die Wiener Staatsoper wäre grundsätzlich immer voll?


    wie gesagt, Tabus sind für jeden Menschen unterschiedlich stark.


    als einfachstes Beispiel? underdressed zu sein...


    Oh, wie provokant!


    ganz meine Meinung... nach einiger Zeit stellt sich doch nur mehr gelangweiltes Gähnen ein...

    Im übrigen bin ich der Ansicht, dass gepostete Bilder Namen des Fotografen, der dargestellten Personen sowie eine genaue Angabe des Orts enthalten sollten.
    (frei nach Marcus Porcius Cato Censorius)

  • Das ist ja eher das Bedienen der üblichen Klischees schlecht als Provokation getarnt. Da wird an überhaupt keinen Tabus gerüttelt, es werden nur Feindbilder zementiert. Heute nicht der Jude sondern der katholische Priester, sehr fortschrittlich.

  • Hier mal ein interessanter Artikel zu dem vor intellektuellem Anspruch nahezu berstenden Theater Frank Castorfs. :D


    Zitat:

    Zitat

    Es wird gebrüllt und gespuckt, geflucht, gevögelt und gepinkelt. Theaterblut spritzt, es gibt viele halbnackte Brüste und einen völlig entblößten Phallus, ein Huhn und ein Kaninchen haben den Auftritt ihres Lebens und die Schauspieler spielen und schreien sich die Seele aus dem Leib.


    Aber klar - man muss das natürlich gesehen haben, sonst kann man es nicht wagen, ein Urteil darüber abzugeben! :hahahaha:

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • Hallo, Strana!


    Klar! Das verlangen doch die meisten der Regietheater-Befürworter von uns! Man soll für diesen Sch... auch noch bezahlen, damit man sich ärgern und dann darüber mitreden kann! :cursing:




    Gruß Wolfgang

    W.S.

  • Hier mal ein interessanter Artikel zu den vor intellektuellem Anspruch nahezu berstenden Theater Frank Castorfs.


    Unser Freund Musikwanderer wird mir bestimmt erlauben, daß ich hier wieder mal einen Ausspruch von ihm verwende und ihn zitiere:
    "Man kann sich nur an den A... fassen, der Kopf ist zu schade dafür"!!!
    Auch auf die Gefahr, daß mir das hier im Forum zwei oder drei wieder übelnehmen. In meiner Betrachtung trägt solch eine Aufführung schon bedenkliche pathologische Züge, bzw. ist psychisch auffällig. Bin mal gespannt, ob es unter uns dafür auch verständnisvolle Befürworter gibt.
    CHRISSY

    Jegliches hat seine Zeit...

  • Warum diese angedeutete Fäkalsprache? Igitt! Die entspringt doch genau dem Gegenstand, der hier in scharfer Kritik steht. Sie wird auch im Zitat nicht annehmbarer. Sie ist einfach nur widerlich und unterstes Niveau. Lieber Chrissy, Du bist doch aus gutem Haus. Und ich kann und will mir einfach nicht vorstellen, dass Strano Sognator auf derlei billigen Beifall aus dem Souterrain angewiesen ist. :no::no::no:


    Rheingold

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

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  • Zitat:
    Zitat
    Es wird gebrüllt und gespuckt, geflucht, gevögelt und gepinkelt. Theaterblut spritzt, es gibt viele halbnackte Brüste und einen völlig entblößten Phallus, ein Huhn und ein Kaninchen haben den Auftritt ihres Lebens und die Schauspieler spielen und schreien sich die Seele aus dem Leib.

    Das eigentlich traurige ist, das diese Beschreibung auch schon zu Stücken passt, die er vor 20 Jahren an der Volksbühne gebracht hat. Das heißt, dies ist eine uralte Masche, die ewig wiedergekäut wird. Wie öde. ;(

  • Warum diese angedeutete Fäkalsprache? Igitt! Die entspringt doch genau dem Gegenstand, der hier in scharfer Kritik steht.


    Weil eine solche "Inszenierung" und Aufführung m. M. nach keine andere Sprache verdient. Da bleibt einem doch nichts anderes übrig, als sich anzupassen, obwohl das nicht mein üblicher Stil ist.

    ich kann und will mir einfach nicht vorstellen, dass Strano Sognator auf derlei billigen Beifall aus dem Souterrain angewiesen ist.


    Das ist sie bestimmt nicht. Sie ist aufgrund ihrer fachlich versierten und niveauvollen Beiträge ein von mir hochgeschätztes Mitglied. Ich bin mir aber relativ sicher, daß ich hier nicht bei ihr in Kritik gerate.

    Lieber Chrissy, Du bist doch aus gutem Haus.


    Das fasse ich mal als Kompliment auf. Danke. Allerdings paßt da der Vorwurf mit dem "Souterrain" nicht so ganz.
    Zugegeben, etwas niveauvoller und unserem Forum angemessen klingt da schon...

    In meiner Betrachtung trägt solch eine Aufführung schon bedenkliche pathologische Züge, bzw. ist psychisch auffällig.

    CHRISSY

    Jegliches hat seine Zeit...

  • Unser Freund Musikwanderer wird mir bestimmt erlauben, daß ich hier wieder mal einen Ausspruch von ihm verwende und ihn zitiere:
    "Man kann sich nur an den A... fassen, der Kopf ist zu schade dafür"!!!

    Ich kann nichts gegen das Zitat haben, weil es nicht in meinem eigenen Kopf entstanden ist. A.aO. habe ich es irgendwann mal eingeführt und dabei auch den Urheber angegeben: Mit diesem Spruch belegte Dieter Hildebrandt politische Fehlentwicklungen "in diesem unserem Lande" und ich finde - damit Chrissy zustimmend - dass es auch sehr gut auf die Verdrehungen und Verrohungen (vornehm ausgedrückt um nicht zartbesaiteten Gemütern hier im Forum die Schamesröte ins Gesicht zu treiben) des Verunstaltungstheaters passt.


    :hello:

    .


    MUSIKWANDERER

  • Zitat

    eine meiner Beobachtungen im Theateralltag ist, dass die Wirkung einer Inszenierung sehr schwer abzuschätzen ist. Zu glauben, dass Regisseure mit den Intendanten "unter einer Decke stecken" und gemeinsame Sache machen, ist ein bisschen vereinfacht.
    Kaum ein Intendant kalkuliert absichtlich eine Produktion die nur geringe Auslastung erreicht.


    .."schwer abzuschätzen ist": Jein - Die Reaktion der Öffentlichkeit ist relativ gut virhersehbar - so man sehen WILL.
    Die Schwierigkeit bei der Abschätzbarkeit ist vor allem dadurch gegeben, daß sich "gesellschaftliche Werte" ällmählich wandeln - ich rede hier nicht von aufdoktrinierten "Werten" - allenfalls den dümmeren Teil der Jugend zu beeinflussen vermögen - nein - ich meine unvorhergesehene allmähliche Änderungen. Die Nutzniesser von gesellschaftlichen Strömungen sind einfach überfordert, wenn sie damit konfrontiert werden, daß jene Rezepte, die ihnen jahrzehnelang Erfolg und ein überdimensionales Einkommen bescherten allmählich wirkungslos werden.


    "Regisseuere mit den Intendanten unter einer Decke stecken" -
    Das kann natürlich nicht über Jahrzehnte lang das einzige Motiv sein - wenngleich ich relativ viele Personen gefunden habe, die mit dem Kommunismus - vorsichtig ausgedrückt - "sympathiesierten" Man siehe unter WIKIPEDIA die diversen Verflechtungen an.


    Ich gehe davon aus , daß die Zerstörung des "bürgerlichen, elitären Theaters" und indirekt der Schwächung der "bürgerlichen Gesellschaft" schon eine starke Triebfeder war.


    Allmählich aber hatte man große Teile des elitären Publikums vertrieben und durfte nicht mehr an dem Ast siten auf dem man selber saß. Man war urplötzlich selbst zu "Establishment" - IMO in pervertierter Form - mutiert. Einige erkannten das und begannen zurückzrudern. So wurden - wieder in WIKI nachzulesen - gelegentlich Leiter von Festspielen etc relativ rasch ihres Postens enthoben, wenn ihr Wirken Publikumsrückgänge brachte.


    Leute, die Skandalvorstellungen besuchen sind - wieder bei Wikipedia fündig geworden - vorzugsweise junge Leute, die den Theaterbesuch imklusive "Skandal" als "Partyersatz" sehen


    Zitat

    genießt die Berliner Volksbühne unter Castorfs Leitung seit Jahren so etwas wie Kultstatus, insbesondere unter jüngeren Leuten, die den Theaterbesuch regelmäßig als „Party-Ersatz“ wahrnehmen


    Mein FAZIT: Intendanten die versuchen ihr Haus mit derlei Publikum zu füllen begehen eine gefährliche Gratwanderung. Sobald das "normale" Theater wieder sie Oberhand gewinnt werden sie von der dann agierenden konservativen Mehrheit in die Hölle geschickt - mitsamt ihren Regisseuren - und die Chancen stehen mittelfristig nicht allzu schlecht.....


    mfg aus Wien
    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Intendanten die versuchen ihr Haus mit derlei Publikum zu füllen begehen eine gefährliche Gratwanderung. Sobald das "normale" Theater wieder sie Oberhand gewinnt werden sie von der dann agierenden konservativen Mehrheit in die Hölle geschickt - mitsamt ihren Regisseuren - und die Chancen stehen mittelfristig nicht allzu schlecht.....


    Inhaltlich gebe ich dir sofort recht.
    Man kann dieses Denken auch als recht kurzfristig bezeichnen - aber auch in der Wirtschaft sehe ich das Bevorzugen des schnellen, grossen Erfolges gegenüber langfristiger Planung.


    Ob es eine agierende konservative Mehrheit gibt, sei dahingestellt. Dass sich manche Theater in Zukunft einmal zutrauen werden, sich ausschliesslich konservativ zu positionieren, halte ich für möglich.
    Ob das ein Erfolgsrezept ist - den Vergleich mit Opernevents bei Sommerfestspielen halte ich für unpassend, ich denke, dass Festivals ein ganz anderes Publikum anlocken - das wird sich erst zeigen.


    Viel interessanter erscheint mir auch die Rolle der Medien, wobei ich kaum erkennen kann, dass die auflagenstarken Zeitungen hier eine Vorreiterrolle übernehmen wollen oder können.
    Woran kann das liegen?
    Vielleicht ist die Bewerbung durch Krone, Bild und Blick doch nicht so effizient?


    Hier kann ich leider nicht widerstehen

    Das heißt, dies ist eine uralte Masche, die ewig wiedergekäut wird. Wie öde.


    sollte eine uralte Masche durch eine noch viel ältere ersetzt werden?

    Im übrigen bin ich der Ansicht, dass gepostete Bilder Namen des Fotografen, der dargestellten Personen sowie eine genaue Angabe des Orts enthalten sollten.
    (frei nach Marcus Porcius Cato Censorius)

  • In einem anderen Thread hab ich ja schon mal geschrieben, das das Aalto Theater in Essen ein sehr gutes Beispiel ist. Dort gab es unter Herrn Soltesz nur RT und Skandalinszenierungen. Die Premieren waren immer ausverkauft aber geh dann mal in die 3. oder 4. Aufführung, dann lichten sich die Reihen und auf dem zwieiten Balkon saßen höchsten bis zu 20 Zuschauer so das wir angewiesen wurden in den ersten Balkon oder ins Parkett zu wechsen, damit der Saal voller aussieht. Aber das Aaalto Theater wurde fast immer Opernhaus des Jahres in NRW: Es wird meiner Meinung nach ohne Rücksicht auf die Abonnenten inszeniert und darauf, das man diese Inszenierungen einige Jahre im Pragramm hat. Hat man ein Stagione System , könnte man so etwas machen.

  • Die Premieren waren immer ausverkauft aber geh dann mal in die 3. oder 4. Aufführung, dann lichten sich die Reihen und auf dem zwieiten Balkon saßen höchsten bis zu 20 Zuschauer so das wir angewiesen wurden in den ersten Balkon oder ins Parkett zu wechsen, damit der Saal voller aussieht.



    Wer hat euch denn da angewiesen? Na der hätte bei mir viel anweisen können, wenn ich mich nicht umsetzen will, bleibe ich sitzen, wo ich bin.

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • Liebe Strano,
    dann versuch die mal gegen zwei oder drei Platzanweiser, die aller MItarbeiter der Security Firma Kötter sind und gut durchtrainiert aussehen, zu wiedersetzen., wenn sie dich freundlich aber bestimmt auffordern. Nach meiner ersten Beschwerde hieß es dann den Aufforderungen des Dienstpersonals im Opernhaus unverzüglich folge zu leisten ist und bei Weigerung kann man sogar des Opernhauses verwiesen werden.

  • lutgra


    sorry, das war nicht an dich gerichtet... eher "in den Raum" ;)

    Im übrigen bin ich der Ansicht, dass gepostete Bilder Namen des Fotografen, der dargestellten Personen sowie eine genaue Angabe des Orts enthalten sollten.
    (frei nach Marcus Porcius Cato Censorius)

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  • Ich finde, dass die oben erwähnte Inszenierung von Frank Castorf nicht ganz konsequent ist. Ich würde nämlich noch weitergehen und die Rollen nicht mit Schauspielern besetzen, sondern mit Laien, normalen und prominenten. Vögeln auf der Bühne, das wäre doch was für Pocher, Boris und Dieter Bohlen und das Personal des Dschungelcamps. Noch konsequenter: dem Publikum wird kurz die nächste Szene erklärt, dann können sie loslegen. Nur den Wein müssen sie selbst mitbringen.
    Auch für Bayreuth hätte ich einen Tipp: es singen dort Leute, die gar nicht singen können (z.T. soll es ja schon sogar so sein).

    Wir haben paläolithische Emotionen, mittelalterliche Institutionen und gottgleiche Technologie (E.O.Wilson)

  • Wessen hat sich Castorf denn schuldig gemacht, dass gleich die Regietheaterkeule geschwungen werden muss? Zumindest hat er diesmal keine Oper "verunstaltet", sondern die eigens von ihm für die Bühne geschaffene Bearbeitung eines Romans.


    Darf man denn annehmen, dass die Empörten alle Kenner der "Reise ans Ende der Nacht" sind, sodass es ihnen möglich ist, über die Angemessenheit der Castorf'schen Umsetzung zu urteilen?


    Oder wird hier gejammert über eine Inszenierung, die man nicht gesehen hat, und die auf einem Buch basiert, das man nicht gelesen hat?

    "Geduld und Gelassenheit des Gemüts tragen mehr zur Heilung unserer Krankheiten bei, als alle Kunst der Medizin." (W.A. Mozart)

  • Ich wundere mich auch, dass es hier so viele aktive Besucher der Berliner Volksbühne zu geben scheint. ;) Denn auffallend viele Taminos wissen ziemlich gut Bescheid, was dort getrieben wird. Wann war ich das letzte Mal dort? Das muss an die fünfzehn Jahre her sein. Mich interessiert dieses Haus schlicht nicht mehr. Bin ich gar eine Minderheit?

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent