Artur Rubinstein - vergessener 'Großmeister'?


  • NB Es gibt praktisch alles, was in der großen Box drin ist, auch in (meist mehreren) älteren CD-Ausgaben, etwa der "braunen" Rubinstein-Edition und vorher gab es schon eine nicht ganz so vollständige "graue" bzw. normale RCA blue/red seal CDs.

    Die drei sensationellen Carnegie Hall-CDs gab es lange Zeit nur in dieser Edition, inzwischen sind sie aber auch als mp3s bei amazon verfügbar!




  • Die drei sensationellen Carnegie Hall-CDs gab lange Zeit nur in dieser Edition, inzwischen sind sie aber auch als mp3s bei amazon verfügbar!

    Zum Glück, lieber Christian, habe ich das Konzert auf CD-R, wo Rubinstein Strawinskys "Petruschka" spielt, was er ja leider nie aufgenommen hat aber zu dessen Entstehung er ja viel beigetragen hat als enger Freund Strawinskys. :hello:


    Schöne Ostergrüße
    Holger

  • Was oft vergessen wird: Rubinstein war auch ein großartiger Mozart-Interpret, wie auf dieser CD eindrucksvoll zu hören ist:
    MOZART: Klavierkonzerte Nr. 23 A-dur KV 488 & Nr. 24 c-moll KV 491 + Rondo a-moll KV 511
    Artur Rubinstein mit dem RCA Victor Symphony Orchestra, Dirigenten: Alfred Wallenstein (KV 488) und Josef Krips (KV 491). Aufnahmen: 1958, 1959 und 1961, sämtlich in STEREO.
    Die Konzerte verbreiten Licht und Wärme, besonders gelungen scheint mir das Solostück KV 511: 10 Minuten reinstes Mozart-Glück!


    LG, Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • :D Ich habe ja so vieles in Einzelausgaben, auch von den älteren Aufnahmen. Deswegen denkt man zu lange: Brauchst Du das wirklich? Aber so eine Anthologie ist immer besonders interessant, weil man da doch viele unbekannte Sachen überraschend entdeckt und natürlich die komplette Entwicklung des Interpreten verfolgen kann. :hello:


    Weiter oben ist ja meine Aussage dokumentiert, dass ich wegen zu vieler Einzelausgaben (und eigentlich auch mangels Interesse an 4x Grieg-Konzert oder 3x Chopin-Polonaisen) die Box nicht haben wollte. Als es dann ein Sonderangebot gab, bin ich doch schwach geworden... Und trotz Verschenken/Vertauschen/Verkaufen habe ich immer noch zwei oder drei CDs der Jahre vorher gekauften Einzelausgaben, die ich noch nicht losgeworden bin.


    @Christian: Die Sonderbeilagen hatte ich noch gar nicht richtig wahrgenommen, habe die Box ja auch erst vier Jahre... :untertauch:

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Was oft vergessen wird: Rubinstein war auch ein großartiger Mozart-Interpret, wie auf dieser CD eindrucksvoll zu hören ist:

    Ja genau, das war er und für mich unverzichtbar, lieber Nemorino! Die CD habe ich und diese hier:



    Gerade auch das Rondo KV 511 (an dem Horowitz gescheitert ist :D ) ist exemplarisch! Den langsamen Satz von KV 488 z.B. finde ich besonders erindrucksvoll mit seiner tiefen Trauer!


    Schöne Grüße
    Holger

  • Das A-Dur-Konzert stand Rubinstein anscheinend besonders nahe; es ist das einzige, dass er mehrmals eingespielt hat und dann gleich dreimal: 1931 Barbirolli, 1949 Golschmann, 1962 Wallenstein. Das Rondo KV 511 ist das einzige Solostück Mozarts, das er eingespielt hat (Füller für die LP mit dem c-moll-Konzert) und dann noch (sehr spät, um 1970) die beiden Klavierquartette.

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Um mal auf den Threadtitel einzugehen: Ich wüsste nicht, bei welchem ernsthaften Klassikliebhaber Arthur Rubinstein heute vergessen sein sollte. Es dürfte wohl eher kaum einen anderen Pianisten geben, der sogar Laien zumindest namentlich etwas sagt. Richtig ist indes die Bezeichnung "Großmeister", die bei Rubinstein gar nicht in Anführungszeichen stehen müsste. Ich bin nun zwar nicht der große Pianistenkenner, doch sprach mich Rubinstein von Anfang an stark an, was sich bis heute gehalten hat. In ausgezeichneter Erinnerung habe ich ihn insbesondere in den Klavierkonzerten von Beethoven, Grieg und Tschaikowski. Bei den Beethoven-Klavierkonzerten ist er sogar mein Favorit neben Elly Ney (was er wohl ungern hören würde).

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Das Rondo KV 511 ist das einzige Solostück Mozarts, das er eingespielt hat (Füller für die LP mit dem c-moll-Konzert) und dann noch (sehr spät, um 1970) die beiden Klavierquartette.

    Da wäre interessant, ob er es (und andere Mozart-Solowerke) im Konzert gespielt hat. Vieles aus seinem Konzertprogramm hat er ja gar nicht aufgenommen - wie etwa Beethovens "Hammerklaviersonate". Ich werde da nachher mal in der Rubinstein-Autobiographie nachforschen... :hello:


    Schöne Grüße
    Holger

  • Die CD habe ich und diese hier:



    Lieber Holger,


    die steht auch bei mir im Regal, ebenso unverzichtbar wie die zuerst gezeigte.
    Auch diese CD bietet etwas Besonderes, nämlich "Andante und Variationen" f-moll von Joseph Haydn, m.W. die einzige Haydn-Aufnahme, die Rubinstein gemacht hat. Dafür extra schön!


    LG, Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Als es dann ein Sonderangebot gab, bin ich doch schwach geworden...
    @Christian: Die Sonderbeilagen hatte ich noch gar nicht richtig wahrgenommen, habe die Box ja auch erst vier Jahre... :untertauch:

    Gute Entscheidung! Ich habe sie leider nicht, da ich die vorherige 'braune' Rubinstein-Collection fast vollständig besitze. Die drei fehlenden CDs aus den zehn berühmten Carnegie Hall-Konzerten hat mir dann netterweise ein Mitglied hier aus dem Forum zur Verfügung gestellt. Ich finde einen Großateil der Aufnahmen nach wie vor beglückend, nicht nur die Soloaufnahmen von Brahms und Chopin (leider nur wenig Schumann und Schubert), sondern vor allem wegen der wundervollen, späten Kammermusik mit dem Guarneri-Quartet, Szeryng und Fournier - das eigentliche Herzstück der Box, wenn man so will: Brahms, Schubert, Dvorak und Schumann! Trio, Quartette und Qintette. Das sind wunderbare Aufnahmen mit Schwung und Leidenschaft.

  • Wie ich schonmal schrieb, lag mein Zögern auch darin, dass ich eine ganze Reihe der Aufnahmen, die mich am meistens interessierten (wie die Brahms-Kammermusik abgesehen von den Trios) schon in älteren Ausgaben besaß, etwa 2o CDs. Bei zwei oder drei Scheiben war schon die "braune" Ausgabe die zweite Anschaffung, wg. Kopplungen oder der Hoffnung auf besseren Klang gegenüber noch älteren Ausgaben.


    Auch abgesehen von dem Bonus-Material ist die Box wirklich sehr schön gestaltet: Fest gebundener Bildband, solider Karton und eben "Originalcover". (Es sind u.a. so viele CDs, weil oft die LPs dupliziert wurden, dadurch etliche mit nur um 30 min. Spieldauer.) Das einzige Manko (außer der Farbe ;)) ist die Verpackung der frühen Aufnahmen, bei denen immer 4-5 zusammen in einer eigenartigen und nicht sehr stabilen Papphülle zusammengefasst sind.

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Rubinstein und Rachmaninow, eine ungewöhnliche, dafür umso interessantere Kombination:
    Klavierkonzert Nr. 2 c-moll op. 18 + Paganini-Rhapsodie op. 43
    mit Fritz Reiner und dem Chicago Symphony Orchestra (Aufnahme: Januar 1956, STEREO).
    Rubinstein und Reiner waren sich nicht "grün", weil der Dirigent sich einmal despektierlich über Chopin geäußert hatte. Trotzdem eine großartige Aufnahme, vielleicht nicht ganz so herausragend wie das Brahms-Konzert Nr. 1, das 1954, als erste Stereo-Produktion der RCA, aufgezeichnet wurde.
    Leider ist diese Rachmaninow-CD z.Zt. nur für "Großknopfeten" erschwinglich.


    LG, Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Es gibt alternative (bezahlbare) Ausgaben dieser Aufnahmen und es gibt wiederum zwei weitere des Konzerts, wobei die späte mit Ormandy anscheinend kaum zu finden ist und eine weitere der Paganinis (Susskind).


    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Sowohl die Aufnahme mit Ormandy - die ich der mit Rainer vorziehe - als auch eine spätere vermutlich mit Gloschmann oder Mitropoulos sind als Download über amazon zu bekommen (die oben abgebildete mit Reiner natürlich auch).



    Nur bei der frühen Paganini-Aufnahme wird es schwierig, die kennne ich auch noch nicht, bin gespannt!



    Viele Grüße
    Christian

  • Die Rachmaninoff-CD mit Reiner hatte ich neulich, bevor mich dem Anfang der Box zuwandte, schonmal gehört. Das Konzert ist nicht "meine" Musik, ich fand die Aufnahme nicht allzu bemerkenswert. Die Paganinis sind dagegen nahezu unzerstörbar (und mein Favorit unter Rachmaninoffs Konzerten).


    Weiter in der Box mit drei etwas seltsam zusammengestellten CDs, die Aufnahmen von 1940-47 enthalten. Seltsamerweise fand ich die klanglich oft weniger zufriedenstellend als die der späten 1930er wie die vorhergehenden Chopin-Mazurken und Nocturnes. Im Beethoven-Finale und bei den Tänzen De Fallas klirrt und klappert es einigermaßen.
    Anscheinend ist man hier (anders als in der "braunen" Edition) streng chronologisch vorgegangen, was für mich zu etwas zu bunten Anthologien führt. Man hätte sämtlichen Brahms- und Schumann aus der Zeit auf eine CD packen können (was allerdings zu zwei Versionen von Träumerei u.a. direkt nebeneinander geführt hätte) und entsprechend die lateinamerikanisch bzw. spanische Musik usw. Sogar ein Prelude von Gershwin ist dabei!


    Brahms ist für mich neben Chopin die zweite ganz große Stärke Rubinsteins. Zwar nicht vollständig, aber den größeren Teil der späten Klavierstücke op.116-119 hat er eingespielt:
    116,5+6, 117,1-3, 118,2,3,5,6, 119,2-4. Ebenso die Balladen op.10, die Rhapsodien op.79, die f-moll-Sonate (zweimal) und zwei Stücke aus op.76.
    Hier u.a. auch eine eigene Bearbeitung des berühmten Wiegenlieds. Von Schumann neben der Träumerei und der Arabeske die geradezu ekstatische Liszt-Fassung der "Widmung" aus den "Myrthen".


    Interessant jedenfalls auch die wenigen Stücke seines befreundeten Landsmanns Szymanowski (dessen Quasi-Konzert, Symphonie Concertante, kommt später noch) und die relativ große Zahl von Werken seiner Zeitgenossen Milhaud, Villa-Lobos, de Falla usw., die er immer wieder spielte.


    Disk: 11
    Beethoven op.81a
    1. Das Lebewohl - Adagio
    2. Abwesenheit - Andante espressivo
    3. Widersehen - Vivacissimamente
    Villa-Lobos
    4. Moreninha No. 2
    5. A pobrezinha No. 6
    6. O Polichinelo No. 7
    7. Bruxa No. 8
    8. Negrinha No. 5
    9. Caboclinha No. 3
    10. Branquinha No. 1
    11. Allegria na horta
    Brahms:
    12. op.117, 1
    13. 117,2
    14. 118. 2
    15. 118. 6
    16. 76. 7
    17. 119, 3
    18. op.119, 4
    19. op.79, 1


    Disk: 12
    Grieg: Klavierkonzert (Philadelphia Orchestra, Ormandy)
    1. Allegro molto moderato
    2. Adagio -
    3. Allegro moderato molto e marcato; Quasi presto


    Debussy
    4. La soiree dans Grenade
    5. Jardins sous la Pluie
    6. Reflets dans l'eau
    7. Hommage a Rameau
    8. Poissons d'or
    9. La plus que lente
    Franck
    10. Prelude
    11. Chorale
    12. Fugue
    Szymanowski: aus Mazurken op.50
    13. Sostenuto: Molto rubato
    14. Scherzo: Allegramente - Poco vivace
    15. Moderato
    16. Allegramente, risoluto


    Disk: 13
    Milhaud
    1. Ipanema No. 5
    2. Sunare No. 9
    3. Laranjeiras No. 11
    Gershwin
    4. Prelude No. 2
    Albeniz
    5. Navarra
    Brahms
    6. op.118/3
    Fauré
    7. Nocturne op.33. 3, in A-flat
    Poulenc
    8. Mouvements perpetuals
    Schumann
    9. Arabeske
    Brahms
    10. Wiegenlied
    Schumann
    11. Träumerei
    12. Widmung
    Poulenc: Napoli
    13. Barcarolle
    14. Nocturne
    15. Caprice Italien
    de Falla
    16. Danza del terror
    17. Danza ritual del fuego

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Es gibt alternative (bezahlbare) Ausgaben dieser Aufnahmen


    Danke, Johannes Roehl, für den Hinweis.
    Bei Amazon muss man tatsächlich sämtliche Möglichkeiten ausschöpfen. Es ist längst nicht egal, ob man den Komponistennamen mit zwei f, w oder v am Schluß schreibt, oder ob man Artur mit oder ohne h eingibt etc. Ich hatte da wohl die teuerste Ausgabe erwischt. :(

    Immerhin sind die von Dir gezeigten Ausgaben sehr günstig, die Version mit Ormandy kenne ich nicht, und die frühe mit Golschmann habe ich mir wegen der (wohl aufgrund der Aufnahmezeit) bescheidenen Tontechnik nicht angeschafft.


    LG, Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Ja, eigentlich ist Artur korrekt, aber der Name wurde oft auch internationalisiert/anglisiert. Rachmaninoff selbst hat sich immer in dieser "französischen" Weise geschrieben, insofern wäre das die richtige, aber man findet natürlich auf oft das "deutsche" Rachmaninow oder das internationale/englische "Rachmaninov".
    Wie gesagt, sind das Dubletten, die für mich eher "Beifang" darstellen, weil mich die Musik nicht so sehr interessiert und ich das Stück auch eigentlich nicht gut genug kenne, um interpretatorische Nuancen vergleichen zu können. Immerhin ist mir neulich mal bei einer Aufnahme (weiß aber schon wieder nicht mehr welche? Ashkenazy?) aufgefallen, dass manche die Akkorde am Beginn des Rachmaninoff 2 leicht arpeggieren, was mir eigentlich besser als das üblichere Gedonnere gefallen hat.

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Holger hat heute im Domingo-Thread an den großartigen Künstler Artur Rubinstein erinnert. Das hat mich auf den Gedanken gebracht, diesen Thread hier, der nun schon wieder über ein Jahr vor sich hin dümpelt, wieder zu beleben. Ob viel dabei herauskommt? Einen Versuch ist es jedenfalls wert, zumal es Künstler vom Range eines Rubinstein heute wohl kaum noch gibt.

    Eine seiner herausragendsten Aufnahmen ist hier, wenn ich es richtig überblickt habe, noch gar nicht genannt worden:

    BRAHMS: Klavierkonzert Nr. 1 d-moll, op. 15

    mit dem Chicago Symphony Orchestra, Dirigent: Fritz Reiner (Aufnahme: Chicago, Orchestra Hall, 17.4.1954).


    Es handelt sich nicht nur um die allererste STEREO-Aufnahme überhaupt, die jemals produziert wurde, auch künstlerisch ist diese Version m.E. weder früher noch später jemals getoppt worden.

    Rubinstein und Reiner waren nicht unbedingt die besten Freunde, weil der Dirigent sich einmal abfällig über Chopin geäußert und ihn als schwul bezeichnet hatte, was zu einem heftigen Streit zwischen den beiden führte, weil Rubinstein sich durch diese Bemerkung persönlich beleidigt fühlte. Trotzdem (oder vielleicht gerade deshalb) ist hier eine Aufnahme wie aus einem Guß entstanden. Beide Musiker waren gestandene Profis, und sowohl Rubinstein als auch das CSO unter Reiner liefen zur Höchstform auf. Außerdem ist die Aufnahme technisch überraschend gut gelungen. Ich denke, daß die Produzenten John Pfeiffer und Richard Mohr ihren Ehrgeiz darein gesetzt haben, mit diesem technisch revolutionären Produkt nicht nur bei den Käufern, sondern vor allem auch bei den Konkurrenten, allen voran CBS, Eindruck zu schinden, was ihnen auch gelungen ist.

    Doch nun zum wichtigeren musikalischen Teil: Der Kopfsatz setzt schon mit großer Leidenschaft ein, das CSO zeigt, daß es bereits damals zu den besten Orchestern der USA zählte, und der Präzisionsfanatiker Reiner holt aus den Musikern das Letzte heraus. Im Verlauf des gewaltigen Satzes kommt es zu wilden, eruptiven Ausbrüchen; am Satzende mit seinen wuchtigen Oktavgängen stockt einem unwillkürlich der Atem. Den 2. Satz "Adagio" trägt Rubinstein mit kontemplativer Ruhe vor, obwohl er, im Gegensatz zu seinen Kollegen Curzon (Decca) und Arrau (EMI), ein ziemlich bewegliches Tempo wählt. Er benötigt für den Satz, der meist 15-16 Minuten in Anspruch nimmt, nur 13 Minuten. Der Finalsatz wird mit großer Kraft gestaltet, man staunt Takt für Takt, über welche souveräne Virtuosität der große Pianist verfügt. Alles in allem eine überragende Leistung!

    Die Aufnahme wurde übrigen zunächst nur in Monofassung auf den Markt gebracht, weil sich die Plattenhersteller lange nicht auf ein einheitliches Stereoformat einigen konnten. Die Stereoausgabe wurde erst 1958 erstmals veröffentlicht.

    Für mich ist dies eine der größten Aufnahmen, die Rubinstein jemals gemacht hat. Sie übertrifft auch seinen späteren Remakes mit Leinsdorf (1964, RCA) und Mehta (1976, Decca), wobei man berücksichtigen muß, daß der Pianist bei der letztgenannten Aufnahme fast 90 und fast erblindet war. Doch selbst da konnte er noch eine Leistung hinlegen, die schier staunen macht.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Lieber Nemorino,


    ich verehre Artur Rubinstein seit meiner Schulzeit ! Ich habe das 1. Brahms KK mit Leinsdorf, auch top.


    LG Siamak

  • Lieber Siamak,


    die Aufnahme Rubinstein/Leinsdorf habe ich leider nicht im Bestand, habe sie aber mal bei einem Bekannten gehört. Doch das ist lange her.

    Momentan ist sie als CD nur total überteuert zu bekommen:

    Da bleibe ich doch lieber bei meiner Version mit Fritz Reiner.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Die Aufnahme des 1. Brahms-Konzertes findet sich auch in dieser wunderbaren Box.


    Allerdings mono. Der editorische Hinweis lautete, daß in der Box stets die Erstausgaben der LPs berücksichtigt wurden. Da, wo es parallell zu Ausgaben mono und stereo gekommen ist haben die Herausgeber die stereo-Variante bevorzugt. Das heißt, daß den Herausgebern der Box die stereo-Variante nicht bekannt war (was ich befremdlich fände). Es scheint wohl so zu sein, dass RCA selber das originale stereo-Band verloren hatte. Gefunden habe ich den Vermerk, dass das Band Anfnmag der 1970er wieder aufgetaucht sein soll. Die stereo-LP ist mir allerdings noch nicht untergekommen. Die New Orthophonic Aufnahmen waren allerdings auch mono superb. Werde nun Deiner Empfehlung folgen und mir die CD gleich zu Gemüte führen.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Das heißt, daß den Herausgebern der Box die stereo-Variante nicht bekannt war (was ich befremdlich fände).

    Lieber Thomas,


    befremdlich ist das allerdings, doch wenn man bedenkt, welche ahnungslosen Leute heute bei den Resten der Plattenindustrie beschäftigt sind, muß man sich so gut wie über nichts wundern.

    Zu der Rubinstein-Box kann ich Dich nur beglückwünschen, da sind ja Schätze für die Ewigkeit drin! Ich habe leider weit mehr als die Hälfte des Inhalts bereits in Einzelausgaben, so daß ich mir die Anschaffung nicht erlauben werde - man kann ganz einfach nicht alles kaufen, und auch nicht hören bzw. unterbringen.


    Ja, eindeutig enthält die Box das Brahms-Konzert Nr. 1 Rubinstein/Reiner in der Monofassung; das konnte ich anhand der Seitenbeschriftung der einzelnen CDs feststellen. Da steht nämlich bei CD 50 LM-1831, und LM bedeutete bei RCA immer eine Monoausgabe. Wie schon gestern gesagt, hat man die Aufnahme jahrelang nur in Mono verkauft, weil sich die Plattenfirmen uneinig waren über ein einheitliches Stereoformat. Vor mir liegt ein Auswahlkatalog von 1962 der TELEFUNKEN-DECCA, die damals den Vertrieb von RCA-Platten für Deutschland vornahm, da ist die Aufnahme ebenfalls nur in MONO gelistet. Die Stereofassung muß also noch später erstmals erschienen sein.

    Um beim Brahms-Konzert Nr. 1 zu bleiben: die Box enthält natürlich auch die Neuaufnahme von 1964 unter Erich Leinsdorf (CD 95), mit der Original-Bestellnr. LSC-2917. Das ist selbstverständlich eine Stereoplatte, den der Code LSC steht für Stereo.

    Zu meiner großen Überraschung enthält die Kiste sogar die Original-DECCA-Aufnahme von Brahms Nr. 1 von 1976 unter Mehta (CD 138, Best-Nr. SXL 6797), obwohl DECCA und RCA sich nach der Trennung spinnefeind waren. SXL war das Stereo-Kürzel von Decca. Diese Aufnahme hat vornehmlich dokumentarischen Wert; Rubinstein war damals bereits weitgehend erblindet und knapp 90 Jahre alt. Unter diesen Umständen ist die Aufnahme nur als großartig zu bezeichnen, es gibt nur einige kleine Nachlässigkeiten.


    Ich wünsche Dir viele schöne Stunden mit dieser herrlichen Rubinstein-Box.


    LG, Nemorino :hello:

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Ich habe das 1. KK Brahms mit Rubinstein auch in der vorzüglichen Aufnahme von 1954 mit der Chikago Symphony unter Fritz Reiner sowie das 2. KK mit dem RCA Viktor Symphony Orchestra von 1958 unter Josef Krips in dieser Box:

    Hinzu kommt das 2. KK in einer früheren Aufnahme in (ausgezeichneter) Monoqualität vom 11. 8. 1952 mit der Boston Symphony unter Charles Munch in dieser Box:

    Des Weiteren habe ich noch einmal, auf dieser DVD:

    das 1. KK in einer legendären Aufnahme aus dem Concertgebouw vom August 1973 mit dem Concertgebouw Orchestra, wo er mit "schlappen" 86 Jahren unter dem damals 44jährigen Bernard Haitink, heute noch einem meiner absoluten Lieblingsdirigenten, außerdem Beethovens 3. KK spielte sowie Schuberts As-dur Impromptu D.899, Brahms' b-moll-Capriccio op. 76 Nr. 2, sein b-moll-Intermezzo op. 117 Nr. 2 und Chopins b-moll Scherzo op. 31.

    Ich weiß nicht mehr, ob er die letzten vier Stücke (insg. knapp 27 Minuten) als Zugaben spielte, aber ich gehe einmal davon aus. Wenn ich heute Abend Zeit habe, werde ich mir die DVD noch einmal zu Gemüte führen und später in diesem Thread davon berichten.


    Abschließend möchte ich noch einmal bemerken, dass Rubinstein für mich immer ein "Großmeister" war, aber nie ein "Vergessener", denn er hat mich von meiner Jugend an immer begleitet und begeistert, und was es im Fernsehen von ihm zu sehen gab, habe ich gesehen, so auch, wenn ich es richtig erinnere, als letzte Ausstrahlung im Fernsehen, zwischen 1974/75 und 1977, u. a. das 5. KK von Beethoven.


    Liebe Grüße


    Willi:thumbup:

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Korrektur meinerseits: die CD ist eindeutig stereo, hab‘ sie vorhin durchgehört.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Ich komme gerade von der Hör- und Seh-Sitzung zurück und habe festgestellt, dass ich mich insofern geirrt habe, dass es kein Live-Konzert war, sondern nur im Concertgebouw aufgenommen wurde. Ich habe mich nicht geirrt in der Feststellung, dass es, damals wie heute, ein sehr tief greifendes Erlebnis war, diese Aufnahme zu hören und zu sehen, das, was an einer Wunder grenzte, dass da ein 86jähriger "alter" Mann spielte wie "ein junger Gott", immer noch über eine stupende Technik verfügte und immer noch ein wahrer Klangmagier war, einer, der bei dieser Aufnahme schon auf eine fast 80jährige Konzertkarriere zurückblicken konnte. Und er hatte das Glück, bei dieser Aufnahme auf einen Bernard Haitink und ein Concertgebouw in Höchstform zu treffen, so dass es zu einer ganz natürlich anmutenden Klang- und Ausdruckssynthese kam.

    Faszinierend war es immer wieder für mich, auf Rubinsteins Hände zu schauen und immer wieder zu denken: wie macht er das bloß, wo nimmt er diese Kraft her? Keine Frage war es für mich, wie er aus dem Nichts diesen Klang erschaffen konnte, habe ich mich doch sehr lange mit seinen drei Gesamtaufnahmen aller Beethovenkonzerte (unter Leinsdorf, Krips und Barenboim) beschäftigt. Ich kenne nur noch einen Pianisten, der auch drei Gesamtaufnahmen vorgelegt hat, und das ist Brendel (unter Haitink, Levine und Rattle). Und beide haben das 3. Konzert ein viertes Mal aufgenommen, wenn ich mich nicht irre, Brendel mit Abbado in Luzern, und eben Rubinstein mit Haitink in Amsterdam.

    Das führt mich zu der Meinung, dass Rubinstein auch als einer der größten Beethoven-Pianisten anzusehen ist, auch wenn er nicht alle Sonaten aufgenommen hat. Aber wenn mich diesmal mein Gedächtnis nihct trügt, hat er sie in Konzerten immer wieder gespielt.

    Bei nochmaligem Nachsehen habe ich bemerkt, dass ich mich nochmal korrigieren muss. Da ich gestern meine neue Gilels-Box bekommen habe, glaube ich, dass der gute Emil die beiden an Aufnahmen noch übertrifft.

    Denn er hat eine GA mit Masur aufgenommen, eine mit Szell, eine mit Ludwig, Vandernoot und Cluytens, dazu noch das 1. und 5. KK mit Sanderling, das 3. KK mit Kondraschin und nochmal das 5. KK mit Günter Wand.

    Ich hoffe, dass mir jetzt nicht ein weiterer Pianist "durch die Lappen gegangen" ist, der die Beethovenkonzerte noch öfter genommen hat, aber das müsste ich eigentlich wissen. Ich bin aber für jede Korrektur dankbar.


    Liebe Grüße


    Willi:)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Lieber Willi,


    vielen Dank für diese Übersicht. Spontan fallen mir noch ein:


    Brendel hat die Konzerte bereits in den Sechzigern (Böttcher/Nr. 1, Wallberg/Nrn. 2-4 und Metha/Nr. 5) aufgenommen (Vox, auf CD bei Brilliant).


    Von Kempff gibt es neben den bekannten Aufnahmen mit van Kempen und Leitner noch einen Live-Zyklus mit Tadashi Mori (Nrn. 1-3 am 7.4. und 4-5 am 9.4.1970) aus Tokyo. Er ist in Japan vor einigen Jahren beim Label King erschienen, das auch den Live-Zyklus der Sonaten aus dem Jahr 1961 herausbrachte.


    LB Barere

  • Bei nochmaligem Nachsehen habe ich bemerkt, dass ich mich nochmal korrigieren muss. Da ich gestern meine neue Gilels-Box bekommen habe, glaube ich, dass der gute Emil die beiden an Aufnahmen noch übertrifft.

    Denn er hat eine GA mit Masur aufgenommen, eine mit Szell, eine mit Ludwig, Vandernoot und Cluytens, dazu noch das 1. und 5. KK mit Sanderling, das 3. KK mit Kondraschin und nochmal das 5. KK mit Günter Wand.

    Lieber Willi,


    erlaube mir, daß ich Deine Korrektur nochmals korrigieren muß: Gilels hat m.W. keine Gesamtaufnahmen der Beethovens-Konzerte mit Ludwig, Vandernoot und Cluytens erstellt, sondern er hat die Konzerte Nr. 1 & 2 mit Vandernoot (mono), Nr. 3 mit Cluytens (mono) und Nr. 4 & 5 (Stereo) mit Leopold Ludwig eingespielt, sämtlich für EMI. Zusammen ergäbe das, was Gilels betrifft, allerdings wieder eine GA. Das Vierte Konzert unter Ludwig gilt übrigens für viele Musikfreunde praktisch bis heute als das Non plus ultra.

    Die Konzerte 4 und 5 unter Ludwig gibt es in dieser schönen Ausgabe einzeln zu kaufen:

    BEETHOVEN: Piano Concerto Nos 4 & 5 / Philharmonia Orchestra, Ludwig, Gilels


    LG, Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Lieber Barere,


    schönen Dank für die Ergänzung, Brendel habe ich wohl deswegen vergessen, weil er in meiner Sammlung ganz woanders steht (bei den Sonaten). Das habe ich so gehalten, weil ich auf die Soanten ja im Rahmen meines großen Beethovenprojektes immer wieder zurückgreifen muss. Und dann muss ich die große Vox-Box nicht immer hin und her hieven.


    @ Nemorino:


    Lieber Nemorino,


    das war von mir natürlich genauso gedacht, als quasi eine GA. Bei der Aufnahme der Vierten untzer Leopold Ludwig möchte ich dir nicht wiedersprechen. Kennst du übrigens auch diese:

    Ich finde sie grandios. Viele Gilels-Freunde hatten damals auf eine Fortsetzung der Zusammenarbeit Wand-Gilels gehofft, die sich leider nicht erfüllt hat, wahrscheinlich aus Termingründen.


    Liebe Grüße


    Willi:)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Lieber Willi,


    leider kenne ich die Gilels-Version aus der Günter Wand-Edition nicht.

    Ich habe von Beethovens Nr. 5 mehr als 25 Version im Schrank, darunter zwei mit Gilels (unter L.Ludwig und Szell), da muß man sich fragen, wann man das alles hören soll. Trotzdem vielen Dank für die Empfehlung.


    Doch hier geht es ja um Artur Rubinstein, der keineswegs der "vergessene Großmeister" ist, wie der Titel dieses Threads vermuten lassen könnte. So lange es Tonträger gleich welcher Art geben wird, bin ich sicher, daß Rubinstein so wenig vergessen wird wie Enrico Caruso, Maria Callas oder Herbert von Karajan. Natürlich verblaßt der Ruhm eines jeden Künstlers, je länger er nicht mehr unter den Lebenden weilt, aber wir erleben es immer wieder, daß auf eine Periode der Vernachlässigung oftmals eine Wiederbelebung erfolgt, wie man es in den vergangenen Jahren z.B. bei Karl Böhm oder Ferenc Fricsay feststellen konnte.


    Ich möchte nun hier noch 2 CDs mit dem Großmeister Rubinstein vorstellen, die explizit noch gar nicht genannt wurden:

    Schumann: Carnaval/Romanze by Artur Rubinstein  Kreisleriana


    Robert Schumann war, neben Chopin und Brahms, einer der "Hausgötter" Rubinsteins, der zeitlebens in seinen Konzertprogrammen und Plattenproduktionen eine herausragende Stellung einnahm. Die Aufnahmen stammen allesamt aus den Jahren 1962 bis 1965 und sind klanglich bestens gelungen. Sie sind natürlich auch in späteren Ausgaben enthalten; ich besitze die oben abgebildeten Versionen.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Bevor dieser Thread wieder in den Winterschlaf versinkt, möchte ich noch eine Aufnahme hier vorstellen, die für mich eines der schönsten und bedeutendsten Tondokumente ist, die uns Artur Rubinstein geschenkt hat:

    oder hier:

    Es handelt sich um Schuberts letzte Sonate B-dur, D. 960 (Aufnahme: 22.4.1965, RCA Italiana Studios, Rom).


    Die Aufnahme hat eine Vorgeschichte: Es ist die einzige Schubert-Sonate, die Rubinstein aufgenommen und auch in Konzerten öffentlich gespielt hat. In einem Interview mit dem bekannten US-amerikanischen Kritiker Irvin Kolodin hat sich der Pianist über Schubert und seine Musik geäußert. Er bekannte offen, daß er lange gezögert habe, überhaupt eine Schubert-Sonate in seine Konzertprogramme aufzunehmen, weil sie "im Konzertsaal nicht so gut funktionieren, wegen der langen und vielen Wiederholungen, und mir die Leute dann mit herablassender Nachsicht sagen: unterhaltsam, aber viel zu lang", In dem gleichen Interview bekannte er aber, daß Schuberts Sonaten für ihn "täglich Brot" seien, "die ich ständig (für mich selbst) spiele, weil sie so voll von Musik und angenehmen Stimmungen sind."

    Zum besseren Verständnis dieser Haltung sollte man wissen, daß Schuberts Sonaten bis weit in die 1960er Jahre ein Schattendasein fristeten. Sie wurden kaum aufgeführt, aus welchen Gründen auch immer. Der erste Pianist, der sie vor dem 2. Weltkrieg in seine Programme aufnahm, war Artur Schnabel, wenig später folgte Eduard Erdmann. Doch das blieben Ausnahmen. Der Durchbruch für diese Werke kam erst durch Alfred Brendel und Claudio Arrau, die sich vehement für sie einsetzten, sowohl im Konzertsaal wie auch im Aufnahmestudio.

    Erst spät in seinem Leben, in der Saison 1963/64, änderte Artur Rubinstein seine Einstellung insoweit, daß er die B-dur-Sonate in einige seiner Programme aufnahm und sie auch in den Folgejahren etliche Male öffentlich aufführte. Im Aufnahmestudio versuchte er sich sogar viermal an diesem großartigen Werk, wobei die ersten beiden Versuche gleich im Anschluß von Rubinstein als "musikalisch unbefriedigend" verworfen wurden. Die oben enthaltene Version ist sein dritter Versuch, dem ein weiterer vier Jahre später, 1969, folgte. Diese letzte Fassung ist auf dieser CD zu hören:

    Ich habe die 1969er Aufnahme nicht in meinem Bestand, kann sie also nicht beurteilen. Doch die meisten Rubinstein-Verehrer sind der Meinung, daß Rubinsteins Liebe zu dieser Sonate am besten in der 1965er Version zu hören sei.

    Für mich ist es eine wunderbar erfüllte, melancholische Interpretation, in der Rubinsteins berühmter "singender Anschlag" wunderbar mit Schuberts Musik zu einer

    Einheit wird. Zum zweiten Satz der Sonate äußerte Rubinstein einmal, er sei "wie der Tod", wörtlich "es gibt nichts, was uns so sehr wie dieser Satz zeigen könnte, wie der Tod sein muß". Wie sehr Rubinstein Schuberts Musik geliebt hat, zeigt sein Wunsch, in seiner Todesstunde den langsamen Satz aus dem Streichquintett D. 956 hören zu dürfen ....


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).