Der Name Jouni Kaipainen ist hier im Forum wohl noch nicht gefallen und auch mir war er bis vor kurzem unbekannt. 1956 in Finnland geboren, Kompositionsunterricht bei Aulis Sallinen (wieso hat der eigentlich keinen thread oder hat er?) und Paavo Heininnen begann er in den 80ern zu komponieren. Seine Stil war anfangs wohl typisch avantgardistisch, um dann zunehmend auch tonale Elemente zu integrieren. Einen ähnlichen Weg ist Magnus Lindberg gegangen. Kaipainens dritte Symphonie von 2004, die ich heute zum ersten Mal gehört habe, hat mich ungemein beeindruckt, ein Meisterwerk. Die Musik ist durchaus originell und eigenständig, mir fallen jedenfalls wenig Vergleiche ein. Das dreisätzige 45-minütige Werk ist wie eine typische Symphonie gebaut, lediglich das Scherzo fehlt. Aber wie der Komponist schreibt, beinhalten alle drei Sätze scherzohafte Elemente, was ich bestätigen kann. Der Bau der Symphonie erinnert durchaus an typische spätromatisch-expressionistische Werke, die Orchestersprache ist aber eher eine impressionistische. Kaipainen ist Verehrer von Ravel, Debussy und Dutilleux und man hört es. Das ganze kommt oft leicht und transparent orchestriert daher, aber auch eindrucksvolle Steigerungen sind zu finden. Insgesamt wirkt das ganze auf mich wie ein wunderbares so noch nicht gehörtes Spiel mit den Möglichkeiten des Symphonieorchesters.
Die Jungs aus Tampere unter Hannu Lintu bestätigen ihren guten Ruf als eines der besten Orchester Nordeuropas und Aufnahmetechnik und Präsentation entsprechen den Erwartungen an ein Ondine-Produkt. Mehr davon (2 weitere CDs sind schon bestellt).
-
-
Nach der Entdeckung der phantastischen 3. Symphonie von Kaipainen war ich natürlich sehr gespannt auf seine anderen Symphonien. Eine Doppel-CD mit der ersten in der Meet the Composer Serie von Finlandia traf heute ein. Im Booklet steht u.a. "The symphony is in a single movement that can be analyzed into two, three or four movements depending on the viewpoint". Das klang schon nicht gut. Und tatsächlich liegen zwischen der ersten und der dritten nicht nur 20 Jahre sondern auch klangliche Welten. Die erste ist das Werk eines noch jungen Komponisten auf der Suche nach sich selbst, der sich in den Wirren des Avantgardismus verstrickt. Das 22-minütige Werk ist post-post-post-expressionistisch, sozusagen Alban Berg hoch 3. Es gibt speziell im Mittelteil (wenn wir mal von drei Sätzen ausgehen) durchaus kurze attraktive Momente, wo man denkt, da hätte er was daraus machen können. Aber dann kommt immer wieder dieses modernistische Allerweltsgedudel, das die meiste Musik aus dieser Zeit so ungeniessbar macht. Und der häufige Einsatz eines elektrischen Pianos ist ungefähr so willkommen wie das Gejaule der Ondes Martenot bei Messiaen. Die anderen fünf Stücke aus den 2 CDs stammen alle aus dieser Zeit, so dass ich nicht viel anderes erwarte. Schade.

-
Liebe Taminos,
letzte Nacht starb der finnische Komponist Jouni Kaipainen einen Tag vor seinem 59. Geburtstag nach einer langen Krankheit in Tampere/Finnland. Er gilt als einer der wichtigsten zeitgenössischen Komponisten Skandinaviens.
Esa-Pekka Salonen schreibt: Finland has lost one of its best composers. I have lost a dear friend. It’s up to us now to keep his legacy alive. R.I.P. Jouni Kaipainen
Hannu Lintu schreibt: World has lost a great composer. Jouni Kaipainen passed away today. Jouni was a true artist with deep undertanding of human nature and respect for tradition. His musical intelligence, imagination, ear and technique were unique. I knew him from the very beginning of my career and could always trust his support and opinions. There was and will always be something to learn from his scores, texts and thoughts. Thanks for your music. Sleep well, my friend.
R.I.P
-
astewes
Hat das Thema aus dem Forum KOMPONISTENFORUM der MODERNE nach FORUM für ZEITGENÖSSISCHE KOMPONISTEN verschoben