München: La Forza del Regietheater am 5. Januar

  • Liebe Tuonela,


    wie ich deinem Beitrag entnehmen muss, hast du immer noch nicht verstanden oder willst nicht verstehen, worum es hier geht.

    Ein allgemeines Problem in diesem Thread. Es wird entweder überhaupt nicht auf die Argumente der Gegenseite eingegangen oder nur dann, wenn man glaubt, eine Blöße entdeckt zu haben.


    Sowohl William wie Auch Mme. Cortese haben hier interessante Beiträge eingestellt, die eigenartiger Weise völlig ignoriert wurden.


    Wenn Sven hier zu Recht fordert, man solle mit offenem Visier kämpfen, sollte er aber auch seiner eigenen Richtschnur folgen.
    Er zieht es jedoch vor, auf unangenehme Fragen überhaupt nicht zu antworten.
    Was der Sache absolut nicht dient, sind persönliche Duelle, die das zugrunde liegende Problem nur als Kulisse benutzen.


    Es wäre doch schön, endlich zu erfahren,
    warum man namhaften Dirigenten und Sängern die Berechtigung abspricht, sich kompetent in der Regiefrage zu äußern
    und warum ein Regisseur nicht im Stande wäre, das Thema zu verfehlen.

  • Auch ich danke Alfred für die überaus treffende Analyse. Es ist durchaus nicht so, wie ein immer wieder nachgeschwätztes, für mich hirnrissiges Schlagwort der Befürworter dieses Irrsinns lautet, dass die Rezeption heute eine andere ist. Dass diese Behauptung völlig weltfremd ist, beweisen Filme im historischen Gewand, die hohe Quoten erzielen und in denen z.B. Königin Elisabeth I noch eine Königin des 16. Jahrhunderts und nicht als moderne Bürotippse herumstakst, die Wartburg noch nicht zum Biogasbehälter und Mannen Heinrichs des Voglers noch nicht zu Ratten mutiert sind.
    Weiterhin die Pflege alter Traditionen, die immer gut besucht sind. Und gerade die Weihnachtszeit hat ja wieder einmal gezeigt, wie sehr die alten Märchen in auch märchenhaften Inszenierungen immer wieder gern gesehen werden. Man könnte Hunderte von Beispielen anführen, die diese Behauptung völlig ad absurdum führen.
    Auch bei der Oper lässt sich oft beobachten, dass unverfälschte Bühnenbilder und Kostüme schon bei Öffnen des Vorhangs Begeisterungsstürme verursachen, noch ehe die Musik eingesetzt hat, während bei Modernisierungen meist erst einmal betretenes Schweigen herrscht.
    Natürlich möchte man gerne die tumbe Masse mit diesen Manipulationen, die zum Kult hochstilisiert werden, in eine bestimmte Richtung erziehen. Und wie ich aus eigener Erfahrung weiß und wie auch aus vielen Berichten hier herauszulesen ist, kennt ein Großteil der Zuschauer vielleicht einige Melodien und geht dann in die Oper, um diese zu hören, hat aber von dem Werk keine tiefere Ahnung. Deshalb locken weniger geläufige Opern auch weniger Zuschauer an. Ein weiterer Teil geht aus Statusgründen in die Oper und hat eventuell noch weniger Ahnung. Diese werden sicher weniger verärgert sein, wenn ihnen hier etwas völlig Falsches geboten wird. Ja, manche werden das sogar noch für richtig halten.
    Wir werden jedenfalls nicht aufgeben, immer wieder darauf hinzuweisen. Das ist zwar nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber jeder Tropfen höhlt bekanntlich den Stein.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Daß einige der "großen" Regietheaterregisseure in der Nähe des Kommunismus zu finden sind ist IMO entlarvend genug


    Lieber Alfred,


    Dein Beitrag ist treffend analysiert und verdeutlicht Deinen Standpunkt, den auch viele hier im Forum vertreten und dem ich mich ausdrücklich anschließe.


    Nur das obige Zitat kann ich nicht unterschreiben. Ich bin im "Kommunismus" aufgewachsen, und wie in einer Diktatur üblich, hat die herrschende Kaste diktiert, was es für gut hält. Das betrifft Kinofilme genauso wie Literatur oder Theater. Inszenierungen wie die hier als Titel aufgeführte Forza in München wären - das behaupte ich einfach - in der DDR nicht möglich gewesen. Seit 1955 bin ich in der DDR Theaterbesucher gewesen, und ich kann mich nicht erinnern, auch nur ein einziges Mal so etwas gesehen zu haben. Lediglich der Fidelio in Dresden zur Zeit des Umbruchs (Mielitz?) machte so etwas wie RT. Selbst der langjährige Chef der Komischen Oper Walter Felsenstein verunstaltete die Oper nicht. Er machte neue (gewöhnungsbedürftige) Übersetzungen in die damals noch übliche deutsche Sprache in der Oper, aber der Inhalt einer Oper wurde nicht kastriert, im Gegenteil, er stellte das Ensemble und nicht die Solisten in den Vordergrund.


    Versuche div. Regisseure, in der DDR verunstaltete Inszenierungen auf die Bühne zu bringen wie von Ruth Berghaus, Götz Friedrich u.a. scheiterten mit dem Ergebnis, daß sie in der DDR nicht mehr multipräsent waren. Vielleicht hat die angelegte Knute dazu geführt, sich in der Bundesrepublik auszutoben, was dann nach der Wende für alle möglich wurde. Aber eine kommunistische Grundlage für das RT sehe ich nicht, wohl eine diktatorische.


    La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Dennoch frage ich mich, was Dich auf die Idee bringt, dass Deine Auffassung oder meinethalben die der "Clique" Mehrheitskonses seien


    Lieber Thomas,


    auch ich vertrete die Auffassung - wie viele im Forum - daß die Befürworter des RT in der Minderzahl sind. Ein Beispiel dafür ist, daß nach RT-verunstalteten Inszenierungen Buh-Rufe überhaupt losgelassen werden (denen die Claque Gegenfeuer gibt), aber ich noch nie erlebt habe, daß nach "klassischen Inszenierungen" Unmutsäußerungen gekommen wäre. Ich erinnere mich an an die Premiere des Rosenkavalier vor etwa 18-20 Jahren in Dessau - eine nach heutigen Maßstäben gemäßigte RT-Veranstaltung.


    Nach dem Schlußduett (was übrigens herrlich mit rot werdendem Hintergrund beleuchtet war) setzte ein Buhsturm ungeheurer Stärke ein. Und sofort rekrutierte sich aus eine Gegenfraktion, die mit Bravorufen ihre Meinung ausdrückte. Das ging so weit, daß die Akteure gar nicht mehr bei ihren Verbeugungen beachtet wurden, sondern die beiden Gruppen sich bekriegten, lautstark, fast militant. Als Ortsfremder in Dessau fragte ich einen neben uns buhrufenden älteren Herren, wer die Bravoleute seien. Er sagte, daß sich die Premierenbesucher eigentlich kennen, aber diese Leute kannte er nicht. Er meinte, das seien wohl Schüler des Gastregisseurs, Dessauer jedenfalls wären es nicht. Übrigens brauch ich nicht zu erwähnen, auf welcher Seite ich stand, lautstark. Meine Frau hätte sich fast geprügelt mit einem der Bravoleute.


    In Gera, meinem Theater, kann man im ausliegenden Besucherbuch lesen, was über die Inszenierungen gedacht wird. Natürlich gab es auch zu verunglückten Inszenierungen (z.B. Lohengrin, Tannhäuser)
    einige positive Meinungen, aber zu mind. 80 % gab es heftigste Ablehnung.


    Leider ist es schon so, daß Leute in die Oper gehen, ohne vorher bestimmte Erwartungen zu haben. Eine der besten Freundinnen meiner Frau sagte zur aktuellen Carmen in Gera (wir haben das nicht ausgehalten und sind zur Pause gegangen), wo man mit Kalaschnikows schmuggelte u.a. Käse machte, das ist halt heute so, mich stört das nicht. Es hätte sie aber auch nicht gestört, wenn die "klassische" Carmen gegeben worden wäre. Ein Großteil des Publikums ist ohne Anspruch, guckt, egal was kommt und wie es gemacht wird.


    La Roche

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    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Ein Beispiel dafür ist, daß nach RT-verunstalteten Inszenierungen Buh-Rufe überhaupt losgelassen werden (denen die Claque Gegenfeuer gibt), aber ich noch nie erlebt habe, daß nach "klassischen Inszenierungen" Unmutsäußerungen gekommen wäre.


    Nach dem "Attila" in der Konwitschny-Version letzten Juli in Wien gab es keinen einzigen Buh-Ruf. Im Gegenteil. Und das war wirkliches "hardcore Regiertheater". Und Wien ist konservativ, seeeehr konservativ......

  • Ein absoluter Fehlbeitrag. Schon das an den Haaren herbeigezogenen Beispiel mit Freni und Domingo zeugt nicht von besonderer Offenheit, im Gegenteil.


    Die Meinung, daß Kunst von ständiger Erneuerung lebt, die teile ich sogar. Nur ist mit einer Oper von Verdi oder Wagner das Kunstwerk bereits fertig und bedarf keiner Veränderung. Die Erneuerung wäre dann eine Oper von Zimmermann (z.B. die Soldaten) oder Gotovac (z.B. Ero der Schelm) oder Hanell (z.B. die Spieldose). Und das gibt es ja. Über den Erfolg sollte man nicht reden.


    Ich muß Dir hoch anrechnen, daß auch Du über Dinge redest, die Du nicht gesehen hast. Also rege Dich nicht darüber auf, wenn jemand die Münchener Forza-Inszenierung verurteilt, wenn er sich nur an Hand der Beschreibung oder eingesehener Bilder sein Urteil gebildet hat. Denn Du machst es nicht anders. Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.


    Über manches kann ich nicht mehr lachen, sondern müßte heulen. Dazu gehört Dein Beitrag.


    La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Der Vergleich ist keineswegs an den Haaren herbeigezogen, ganz im Gegenteil, in beiden Fällen haben wir es hier mit Personen zu tun die einen bestimmten Kult betreiben.
    Bei der Inszenierung, wollen sie ewig alten Inszenierungen sehen und gehen daher zu neueren gar nicht erst ins Theater.
    Bei den Sängern wollen sie keine neuen Stimmen mehr hören, weil sie alten besser fanden.
    Es ist in beiden Fällen der gleiche Hebel der hier angesetzt wird und in beiden Fällen führt er zum gleichen Resultat.
    Sie gehen gar nicht hin vieleicht auch, weil sie ein Bild von der Sängerin oder dem Sängers ( etwas mehr Figur als normal ) gesehen haben und feststellen die oder der Erfüllt meine Erwartungen nicht.
    Andere sehen ein oder zwei Bilder von einer Inszenierung und kommen zum gleichen Resultat, ohne mich.
    In beiden Fällen wird sich gar nicht erst die Mühe gemacht sich das komplette Porträt anzusehen, bevor sie wie die Wölfe darüber herfallen und es zerfleischen.
    Es ist ja auch bequemer so.


    Zu der Inszenierung, weil der neue Regisseur nicht die Erwartungen erfüllen will, oder erfüllen kann, die der Alte erfüllte.
    Bei den Sängern, weil die neuen diese die Rolle vielleicht auch anders singen oder auch anders singen müßen aus den verschiedensten Gründen und nicht so wie man seit etlichen Jahren von den Alten gewöhnt war.
    Ich erlebe so etwas momentan zwar seltener, was die Sänger anbelangt, aber manchmal eben doch.
    Bestes Beispiel hier Tiziana Fabriccini bei ihrer Deutung der Violetta in Hamburg vor einigen Jahren.
    Einige sind nach Hause gegangen, weil sie es anders gesungen hat.
    Nicht schlechter, aber anders.


    Früher prügelte man sich wegen Frau Tebaldi, weil die einen sie mochten die anderen nicht, heute wegen des Regisseurs in Dessau, wenn ich das jetzt richtig gelesen habe.
    Oder ist zumindest kurz davor.
    Wenn das Endresultat in beiden Fällen das gleiche ist, sich also zwei unversöhnliche Seiten gegenüber zu stehen, kann der Vergleich gar nicht so hängen.
    Die eine wollen das ewig alte, die anderen wollen auch mal was neues ausprobieren und erleben.

  • Hallo Sven,


    statt nur immer weiter zu polemisieren nimm doch lieber endlich mal Stellung zu Kusejs "Forza"!!!!

    Gott achtet mich, wenn ich arbeite, aber er liebt mich, wenn ich singe (Tagore)

  • Gesanglich und Darstellerisch fand ich in der Livestreamübertragung vor allem Jonas Kaufmann hervorragend.
    Er gehört für mich vor allem auch von der Bühnenpräsenz, zu den ganz wenigen Sängern die auf kleinsten Aktionsradius allein durch ihre Ausstrahlung und ihre Körpersprache überzeugen
    Ich hatte zudem den Eindruck, das er mindestens 5- 10 kg schlanker wirkte, als noch vor ca. 4 - 6 Jahren, als ich im direkt Gegenüberstand.
    Die Stimme selber dunkel timbriert, aber hier nicht ganz so baritonal wie noch in einer anderen Oper eingefärbt.
    Eine Stimme die mich immer wieder an die alte Schule erinnert, aus der Sänger wie zum Beispiel Julius Patzak hervorgeganen sind
    Anja Harteros von der Ausstrahlung her hervorragend, dennoch fand ich die drei großen Arien von ihr, wenn auch bravorös gemeistert, irgentwie etwas weniger packend.
    Die meladizione Rufe zum Ende der Pace Arie waren für mich nicht anklagend, nicht ergreifend genug gesungen worden, hier fehlte ihr die nötige Dramatik in der Stimme.
    Größe und Stimmumfang stimmten, aber es fehlte doch ein kleines Quentchen von dem gewissen etwas, daß sie zum Beispiel vermittelt, wenn sie die Arabella singt.
    Ihre Sterbeszene im Piano auch hier wundervoll gesungen, aber irgentwie fragte man sich zum Ende dann doch, na und?
    Hervorragend der Don Carlo, gesungen von Ludovic Tezier, Durchschlagskraft und auch überzeugend in der Phrasierung.
    Die Duette mit Jonas Kaufmann auch von der Körpersprache her toll gelöst und dargestellt, waren hier zum Teil richtige Duelle.
    Für mich absolut glaubwürdig, zumal Herr Kaufmann in einem Zwischeninterview erklärte, daß der Don Alvaro, eigentlich die körperliche Auseinandersetzung gar nicht mit Absicht herbeiführen möchte, sondern sie eher vermeiden will, bis dann ein Wort das andere gibt ( fast wie hier im Forum ),und er schließlich dann doch wieder das Messer in der Hand hat.
    Dieses wurde dann ja auch glaubwürdig auf der Bühne umgesetzt.
    Die Rolle der Preziosilla hier von Nadia Krasteva gesungen, hat man sicherlich von Oralia Dominguez schon konstanter und besser gehört, dennoch mit Hinblick auf die Darstellung war sie gesamtbetrachtet überzeugend.
    Renato Girolami war sicherlich nicht schlecht, aber man hörte diese Rolle leider wirklich schon bedeutend packend und weniger handsam großväterlich Interpretiert.
    Als Schlichter in dem Konflikt, wirkte er über weite Strecken dann leider doch eher überflüssig.
    Das Bühnenbild selber fand ich weitesgehend gar nicht einmal so daneben.
    Erstaunlich was man in knapp zweieinhalb Stunden alles mit einem Tisch anstellen kann, dagegen verblaßte direkt der ganze Rest der Dekoration ( sofern man davon sprechen kann ), eigentlich stand immer nur dieser Tisch im Fokus, zum Essen, zum Beine vertreten, sich darauf herumzulümmeln, oder als Krankenbarre.
    Der Kommentar von Herrn Brug, Asher Fisch wäre nicht die erste Wahl gewesen, mag vielleicht Stimmen ich weiß nicht wer sonst noch zur Disposition stand (da muß wohl eher Herrn Brug fragen ), dennoch war die Entscheidung für ihn die Richtige. Er hat das gesamte Werk musikalisch hervorragend umgesetzt und die Sänger zum größten Teil, wie man es ja auch von seinem Ring ( auf CD erschienen ) kennt, auf Händen getragen.
    Das Lager in Afghanistan und die Trümmerfelder von 9 /11, ich war weder in den Trümmern gewesen noch jemals in einem Lager in Afghanistan, ich kann hier daher leider nicht mitreden, habe diese demzufolge als solche nicht erkennen können.
    Das es aber in den Soldatenlagern oder in deren umittelbaren Umfeld sicherlich damals wie heute Trostfrauen ( um es einmal so zu formulieren) gab, halte ich für nicht so ganz ungewöhlich, und das während eines Krieges die guten Sitten und Gebräuche als erstes vor die Hunde gehen, ist hier sehr glaubhaft umgesetzt worden.
    Die Swimminpoolszene mit Draculas Söhnen, Töchtern, Neffen, Nichten und ählichen Verwandschaftsmitgliedern ersten bis vierten Grades, fand ich dann auch weniger packend.
    Und auch die Schlußszenen, wo sie irgentwie alle aus dem Únterholz gekrochen kamen, hat mich auch weniger gepackt.
    Eine Inszenierung die man im Großen und Ganzen so an sich vorbeiziehen lassen kann, oder wie es Herr Bohlen formulieren würde, stört die Hausfrau nicht beim bügeln, kochen oder stricken.
    Es ist keine Inszenierung, wo man gebannt auf den Bildschirm start bzw. nach vorn auf die Bühne und darauf wartet was als nächstens passiert.
    Dennoch die Personenregie war zum Größtenteil, was die Darstellung der Charaktere anbelangt schlüssig und glaubwürdig.
    Preziosilla hier noch einmal als Beispiel herausgegriffen, gab als Antriebkraft für die Moral der Soldaten alles, sogar ihren Körper ( bis zu einer gewissen Grenze, was zumindest auf der Bühne gezeigt wurde )
    Eine Weiterentwicklung fand bei keiner der dortigen Figuren statt, diese ist für mich aber auch wenn ich mir das Werk auf CD anhöre nicht oder kaum erkennbar.
    Fast jeder bleibt in seinem Schema stecken und kann sich eigenständig nicht daraus befreien.
    Es ist halt die Macht des Schicksals.

  • Hallo Sven,


    na das ist doch mal wenigstens eine Aussage. Was die gesanglichen Leistungen angeht, gehe ich mit dir ziemlich konform. Allerdings hast du mir noch nicht ausreichend klar gemacht, wie du das Regiekonzept als ganzes mit Verdis Werk in Übereinstimmung bringst- oder auch nicht. Es ist ja ganz nett anzusehen, was man mit einem Tisch alles machen kann, nur erhellt das IMO noch lange nicht, ob und was das mit Verdis Werk zu tun hat. Auch bleibe ich bei meiner Ansicht, dass die Betonung des Religiösen in absolutem Widerspruch zur Aussage des Werkes steht und damit auch die Auswirkungen des religiösen Fanatismus, wie sie sich in 9/11 und Abe Ghraib niederschlugen, zur Aussage des Werks nichts beitrugen - eher ist das Gegenteil der Fall. Außerdem ist mir immer noch nicht klar, wieso man eine Ouvertüre unbedingt immer mit irgendwelcher Handlung "aufpeppen" muss - Schauspielregisseure scheinen absolut unfähig zu sein, die Musik für sich alleine wirken zu lassen. Und was sich da während der Ouvertüre und im ersten Bild abspielte, schien mir doch reichlich im Gegensatz zum Text zu stehen. Wieso der Vater Leonoras und der Padre Guardiano von demselben Sänger dargestellt werden mussten, kann ich mir auch nicht erklären - aber vielleicht bist du ja dazu in der Lage. Meinem profanen Geist scheint es am wahrscheinlichsten, dass die Arbeit des Herrn Kusej so teuer war, dass man halt an den Sängergagen sparen musste.


    Das soll für jetzt erstmal genügen - also kläre mich bitte auf!


    Viele Grüße


    Mme. Cortese

    Gott achtet mich, wenn ich arbeite, aber er liebt mich, wenn ich singe (Tagore)

  • Auch bleibe ich bei meiner Ansicht, dass die Betonung des Religiösen in absolutem Widerspruch zur Aussage des Werkes steht


    Hallo Mme. Cortese,


    wie viel Akteure gehen eigentlich ins Kloster? Dabei gehe ich gerne davon aus, dass Du auch Kloster als etwas religiöses betrachtest.


    Viele Grüße
    zweiterbass

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

  • In einem Zwischeninterview wurde das so erklärt, daß man Leonora in Padre Guardiano die wiederkehr der Vaterfigur sieht.
    Deswegen wurden beide Rollen vom gleichen Darsteller gesungen.
    Was Krieg und Religion anbelangt möchte ich mich hier jetzt nicht so weit aus dem Fenster lehnen, da sich mir dieses nie so wirklich 100 prozentig erschließen wird.
    Mir ist bis heute in schriftlicher Form kein Kommentar untergekommen (in religiösen Schriften ) in denen es heißt Morde deinen nächsten, wenn er anderer Meinung ist.
    Ich denke mir man sollte hier auch nicht zuviel hinein interpretieren.
    Es geht in diesem Stück um Kirche, Kloster und letztendlich auch um Vergebung.
    Da gibt es für jeden verschiedene Intepretationansätze, wie jemand glaubt diesen Stoff am besten umsetzen zu können.
    Der Regiesseur in München meinte halt es auf diesem Wege deutlich machen zu können.

  • Ohne mich an dieser hirnrissigenn Diskussionen beteiligen zu wollen, hier nur zur Information für Interessierte ein Bühnenbild aus der "Macht des Schicksals" der Uraufführung von 1862 in St. Peterburg:



    (Dank an AMOP)


    LG

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Eine Inszenierung die man im Großen und Ganzen so an sich vorbeiziehen lassen kann, oder wie es Herr Bohlen formulieren würde, stört die Hausfrau nicht beim bügeln, kochen oder stricken


    Hallo, Sven,


    aber sag mir doch, warum ich Geld ausgeben soll, um den gleichen Eindruck zu bekommen, den ich beim Beobachten meiner Frau beim Bügeln, Kochen oder Stricken hätte. Aus Deinen Worten vermag ich keine Begeisterung für die Münchener Forza zu erkennen. Es ist egal, ob meine Frau kocht, wäscht oder bügelt und ich dabei Oper gucke oder ob meine Frau wäscht, kocht und bügelt und dabei selbst die Oper anhört. Der Zweck wird nicht erfüllt.


    Ich möchte von einer Oper gepackt werden, emotional evtl. sogar aufgewühlt sein. Wenn man eine Inszenierung an sich so vorbeiziehen lassen kann, stelle ich sie auf eine Stufe mit Heino oder Hansi Hinterseer. Das hat keine Operverdient!


    Ich gebe Dir recht hinsichtlich der optischen Eindrücke von Kaufmann. Bereits in der Wiener Fanciulla war er verändert. Meine Frau meinte nur "Der sieht aber schlecht aus".


    La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Danke, Harald, für das schöne Bühnenbild.
    Ich frage mich, wo die Nachteile sind, wenn man ähnlich passende Bühnenbilder und Kostüme - bei allen Forzas, die ich gesehen habe waren sie zwar jedesmal anders, aber immer ähnlich packend - heute noch auf die Bühne bringt und wo die Vorteile und Verbesserungen liegen, wenn man Bühne und Kostüme so ausstattet, dass sie "mich genau so wenig stören, wie die Hausfrau beim Bügeln, Kochen oder Stricken", dazu aber die Handlung - wie es vielfach geschieht noch irrsinnig verdreht. Diese Frage aber hat mir noch keiner der Befürworter beantwortet. Ähnlich wie auch La Roche und viele andere wohl denken: meiner Frau kann ich beim Kochen, Bügeln, Wäschewaschen usw. auch zu Hause zusehen, wenn ich dazu die Musik der Forza einstelle. Dafür lohnt es sich nicht mehr, Geld zu investieren.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Auch dieses letzte Refugium des sog. Bildungsbürgertums wurde von Sympatisanten der Linken oder gar des Kommunismus mittlerweile mit Erfolg zerstört.
    Dies konnte nur deshalb so gründlich geschehen, weil wir so lange geschwiegen und stillschweigend gelitten haben.
    Da ich eine Umkehr erreichen will (und die Anzeichen mehren sich, dass ein gewisser Erfolg sich zeigt), kann und will ich nicht länger schweigen.


    Gesellschaftspolitisch gebe ich Dir, lieber Marcel, völlig recht. Was jedoch die Opernszene in der ehemaligen kommunistischen UdSSR betrifft, habe ich meine Zweifel, denn ich kann mir nicht vorstellen, daß (sic!) in deren Opernhäusern, vornehmlich dem Bolshoi oder im ehemaligen Leningrad, in ihrem traditionellen Kunstverständnis solch linke "Regisseure", die heutzutage die westliche Welt mit ihren Metastasen verseuchen, auch nur den Funken einer Chance gehabt hätten. Nicht hinnehmbar allerdings war dazumal, daß (wieder sic!) diese politische Tyrannei Komponisten und deren Werke sowie mißliebige ausübende Künstler geächtet oder ins Exil getrieben hat. Seien wir froh, daß diese unselige Zeitepoche bombastisch implodierte.

    Arrestati, sei bello! - (Verweile, Augenblick, du bist so schön!)

  • Hallo Mme. Cortese,


    wie viel Akteure gehen eigentlich ins Kloster? Dabei gehe ich gerne davon aus, dass Du auch Kloster als etwas religiöses betrachtest.


    Viele Grüße
    zweiterbass


    Hallo Zweiterbass,


    Ich fürchte, ich habe mich etwas missverständlich ausgedrückt. Es gehen zwei Leute ins Kloster, und selbstverständlich ist das Kloster etwas Religiöses. Was ich sagen wollte ist, dass Religion in dieser Verdi-Oper nicht als repressiv dargestellt wird wie beispielsweise im Don Carlos und dass die Religion auch in keinster Weise Auslöser für die anfängliche Tragödie und die daraus resultierenden Folgen ist. Schon gar nicht wird Religion in dieser Oper in ideologisierter oder militanter Form gezeigt. Unter diesem Gesichtspunkt halte ich Kusejs Ansatz für falsch.


    Ceterum censeo dass eure kochenden, bügelnden oder strickenden Frauen einen erfreulicheren Anblick bieten als vieles, was da auf der Bühne abging.


    Viele Grüße


    Mme. Cortese

    Gott achtet mich, wenn ich arbeite, aber er liebt mich, wenn ich singe (Tagore)

  • Ohne mich an dieser hirnrissigenn Diskussionen beteiligen zu wollen, hier nur zur Information für Interessierte ein Bühnenbild aus der "Macht des Schicksals" der Uraufführung von 1862 in St. Peterburg:


    Obwohl es mir direkt in meinen Fingern juckt, auch endlich einmal Stellung zu nehmen möchte ich doch abschließend nur sagen "Bravo Harald!"


    Gruß


    Bernard :hello:

    Keine Kunst wirkt auf den Menschen so unmittelbar, so tief wie die MUSIK,
    eben weil keine uns das wahre Wesen der Welt so tief und unmittelbar erkennen lässt



    Arthur Schopenhauer

  • Lieber Milletre,


    wir haben hier kein eigenes Ensemble und so wurden schon in den 60er-, 70er- und 80er-Jahren vielfach Tourneebühnen auch aus Osteuropa (also aus kommunistischen Ländern) hierhin eingeladen. Nie habe ich von diesen eine Oper gesehen, die nicht dem Werk gerecht geworden wäre. Allerdings begannen die westdeutschen Ensembles schon sehr früh mit Inszenierungen, bei denen man immer mehr das Kotzen bekam. So lief hier das schon mehrfach von mir erwähnte Waldvögelein aus dem Siegfried in kurzem Kleidchen und Stöckelschuhen mit einer Bierflasche über die Bühne. die Rheintöchter staksten mit hochgehaltenen Röcken in einer Rinne aus Holz oder Plastik im Storchenschritt durchs Wasser, die Gibichungen kamen in Motorranzügen usw., der Ring war auf vier Stunden verkürzt.
    Bei der Krönung der Poppea (auch von einem westdeutschen Ensemble) war die Bühne leer, über den Orchestergraben war ein Brücke gelegt, darauf ein großer Kasten stand, aus dem Nero, ein dickbäuchiger Sänger, an dem alles schwammig war, nur mit einer kurzen weißen Unterhose bekleidet hervorkroch. Die Bühnenrampe wurde im Verlaufe des Stücks zugestellt, indem ein Arbeiter im Abstand von Minuten Pappkartons herbei trug und aufeinander stapelte. Meine Frau und ich waren - wie das meiste Publikum - geneigt, in der Pause zu gehen. Einige gingen schon Türen knallend vorher. Doch weil gut gesungen wurde, wir unser Geld nicht völlig umsonst ausgegeben haben wollten und die Musik damals noch nicht kannten, haben wir der größten Teil der Vorstellung mit geschlossenen Augen durchgestanden und sind dann stillschweigend ohne Applaus (der ohnehin nur noch schwach war, weil der Zuschauerraum sich weitgehend geleert hatte) gegangen. Ich bin vollständig deiner Meinung, dass das in kommunistischen Ländern nicht passiert wäre. Die linken Zerstörer saßen und sitzen auch heute noch bei uns, mit dieser Einschränkung gebe ich Alfred und M.Joho recht. Leider haben sich die Metastasen des Krebsgeschwürs Verunstaltungstheater jetzt auch nach Moskau und St. Peterburg sowie auch in die USA ausgebreitet
    Dann habe ich mich von der Oper abgeseilt und gehe nur noch hin, wenn ich mich überzeugt habe, dass auch wirklich das Werk geboten wird, das in der Ankündigung steht, und das war das letzte Mal vor mehr als zwei Jahren, als ein osteuropäisches Ensemble hier die Originalfassung von Boris Godunow spielte. Ein Abonnement zu nehmen kann man sowieso nicht mehr wagen. Ich beschränke mich auf Einzelveranstaltungen. Schon, wenn ich das Wort Neudeutung lese (nicht zu verwechseln mir Neuinszenierung) stehen mir inzwischen die Haare zu Berge, dann weiß ich nach den Erfahrungen der letzten Jahre -auch der im Fernsehen - dass nicht Gescheites dabei herauskommt.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Lieber La Roche!


    Ich bin mir jetzt nicht ganz sicher, ob das in den letzte Jahren eindeutig von mir vermittelt werden konnte.
    Ich bin wie Herr Brug, Herr Mischke und Co. kein Inszenierungskritiker und werde auch niemals zu einem werden.
    Der Grund warum ich in die Oper gehe ist grundsätzlich immer die Besetzung.
    Bei Figaroo, Strano, Gerhard und Chrissy mag das anders sein, bei mir nicht.
    Für mich steht und fällt eine gute Oper grundsätzlich mit der Besetzung.
    Ich habe mich mit über 100 Jahren Gesangsviel- und einfalt auseinandergesetzt nicht mit Inszenierungsgeschichte.
    Dafür fehlt mir offengestanden auch die Zeit.
    Und so lange meine Augen bei einer Inszenierung, wie in der Hamburger Manon Lescaut oder der neuen La Traviata ebenfalls hier in Hamburg nicht tödlich beleidigt werden, ist mir die Inszenierung relativ egal, solange gut gesungen wird und von der Gestik und der Mimik her verbunden mit dem Gesang, die darzustellenden Charaktere einigermaßen glaubhaft vermittelt werden können.
    Sollte es sogar darüber hinausgehen, bin ich begeistert.

  • Ich habe versucht, die Forza im Livestream anzugucken, bin aber nicht bis zum Ende gekommen. Nach ungefähr einer halben Stunde habe ich keine Lust mehr gehabt, das Bild anzugucken. Rampensingen in langweiliger Kulisse? Ne, danke, hatte ich schon oft genug. Nach einer weiteren Viertelstunde habe ich dann den Ton auch noch weggeklickt, denn ich hab' bei Herrn Kaufmann die ganze Zeit das Gefühl gehabt, dass die Stimme am Anschlag ist. Das klang für mich weder tenoral noch baritonal, sondern einfach nur überfordert und angestrengt.


    Zum Generalthema "Regietheater" fällt mir eines auf: Ich bin privat sehr viel in England und auch durchaus mal in USA unterwegs. Und dabei fällt mir auf, dass Oper überall da wo nicht oder nur sehr wenig subventioniert wird, nicht solche Regietheater-Auswüchse zeitigt wie an den hochsubventionierten deutschen Theatern. So erinnere ich mich zum Beispiel an eine Cosi fan tutte in Boston letztes Jahr - period piece mit Kostümen und richtigem Bühnenbild (gasp!). Die wurde von der dortigen Zeitung erst vor kurzem unter die "10 Top-Ereignisse 2013" gehievt. Ich erinnere mich an eine wirklich schöne "Boheme" in Chicago (die könnte bei mir fast die alte ROH-Boheme als ein Lieblingsstück ablösen) und - ebenfalls in Chicago - eine tolle Aida. Und dann war da ein richtig guter Don G. in Glasgow - und in allen Fällen ein begeistertes Publikum, das keineswegs den Eindruck machte, als ob es die oh-so kreativen Einfälle der Superregisseure vermisste. Die einzigen "Buhs", die ich letztes Jahr gehört haben, kamen in Glyndebourne - da hatte eine deutsche Regisseurin "Ariadne" vermurkst.


    Was mich am Regietheater unglaublich ärgert - und das kam mir bei der Forza auch mal wieder - ist die Respektlosigkeit. Da meint irgendein Herr Regisseur XY, er wüsste es besser als die, die das Werk ursprünglich geschaffen haben. Da wird beim Fidelio sogar in der Musik rumgemurkst, da wird kurzerhand die ganze Geschichte auf den Kopf gestellt. Man hat immer wieder das Gefühl, dass der Regisseur eine Idee hat - und die Oper wird dann dazu "passend" gemacht. Für mich ist das einfach schlechtes Handwerk. Wer es nicht schafft, im Rahmen des vorgegebenen Librettos und an die Musik angepasst neue Funken aus einem alten Werk zu schlagen, sollte sich einen anderen Job suchen. Das Argument, dass man den Don G. im Kostüm satt hat, zieht bei mir nicht. Der hat über 200 Jahre so funktioniert, wie Mozart und Da Ponte ihn geschrieben haben, der wird auch in 200 Jahren noch so funktionieren - aber er funktioniert nicht mehr, wenn man Pinguine in Containern parkt (die symbolisieren dann die innerliche Kälte, sagte der Regisseur. Noch was?) und wenn aus dem spanischen Edelmann ein prolliger Biker an der Bushaltestelle in Wanne-Eickel wird.


    Mag sein, dass es ein paar Leute gibt, die das so wollen, die sich davon "angeregt" und inspiriert fühlen. Es sei ihnen vergönnt. Theater muss ganz sicher auch experimentieren dürfen. Aber wenn es schließlich nichts anderes mehr tut und wenn weite Teile des Opernpublikums sagen: "Ich geh wegen der Musik hin und mache eben die Augen zu", dann läuft was schief!


    Sycorax
    "so - und damit habe ich mich gleich als 'zurückgeblieben' und nicht aufgeschlossen geoutet."

  • Liebe Sykorax,


    willkommen im Kreis der "Zurückgebliebenen" und von einigen, die es besser wissen als "dumm Beschimpften". Wir lassen uns davon aber nicht beirren. Interessant, dass du dieselben Beobachtungen gemacht hast wie viele von uns.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Lieber Sven,


    in einem Punkt völlige Übereinstimmung! Eine gute Besetzung, ein harmonisch aufspielendes Orchester, ein toller Dirigent - das sind ideale Voraussetzungen für einen stimmungsvollen Opernabend. Und das wäre für mich immer noch des erstrebenswerteste Ziel für einen kulturvollen Abend.


    Wenn das Wörtchen wenn nicht wäre...... Oper ist nunmal Gesang + Orchester + Bühnenbild. Und alles hat der Kompositeur vorgegeben (mit dem Texter, klar, besonders bei Strauß und Wagner). Und deshalb reicht es mir nicht, wenn ich akustisch zufrieden bin, ich möchte auch optisch befriedigt werden. Sicher spielen langjährige Sehgewohnheiten eine große Rolle, sie prägen eine bestimmte Erwartungshaltung. Und bei mir ist es so, daß ich sauer bin, wenn anstelle von Rheintöchtern Nutten auf der Bühne gezeigt werden und 70-jährige nackte Damen einen Maskenball aufführen. Deshalb bist Du zufrieden, wenn die musikalische Qualität Deinen Vorstellungen entspricht. Du brauchst nicht mehr. Für Dich ist eine konzertante Aufführung sicher ideal.


    Leider brauche ich beim Besuch einer Oper mehr, ich will auch vom Bühnenbild und den Kostümen angesprochen werden. Deshalb gehe ich kaum noch in die Oper, was ich sehr, sehr bedaure. Meine schönsten Opernerlebnisse der letzten Jahre (außer der schweigsamen Frau in Chemnitz) waren daher auch konzertante Aufführungen (z.B. Andre Chenier im Gewandhaus, alle Auftritte der Gruberova in Dresden. ein phantastischer Tristan in Gera, Norma in Chemnitz).


    Hier stimme ich nun dem Beitrag von Sycorax (Nr. 53) voll zu!!


    La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Hallo Mme. Cortese,


    dies ist als Antwort auf Deinen Beitrag Nr. 49 gedacht.


    Im gleichnamigen Thread, allerdings unter „Tritsch-Tratsch“, ist im Beitrag Nr. 43 von Strano Sognator ein Link auf ein Video enthalten – diesen geöffnet gibt es auch Fotos des Bühnenbildes.


    Die letzten zwei Fotos sind für mich eine gelungener Hinweis darauf, dass Verdi ein agnostischer Atheist war (die religiöse Einstellung des Librettisten kenne ich nicht). Wenn noch hinzu betrachtet wird, dass Schicksal und der Glaube daran eine sehr große Bedeutungsbreite haben (vom Fatalismus, über Determination bis zu…), dann ist dieses Bühnenbild m. E. hervorragend geeignet, den Inhalt der Oper, über den reinen Text hinaus, zum Teil zu verdeutlichen und zwar unter Einbeziehung des Schöpfers der Musik - Verdi. In wie weit Verdi auf das Libretto dieses Oper Einfluss genommen hat, weiß ich nicht, er war aber öfter gezwungen den Text zu ändern bzw. anzupassen. Heute kann man über Bilder Aussagen treffen, die Verdi (wahrscheinlich?) nicht möglich waren, die er aber in der Handlung - durch die „Flucht in Kloster“ und deren Erfolglosigkeit - verstecken konnte – die Macht des…?


    Viele Grüße
    zweiterbass

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

  • Zitat

    Zitat von Sykorax: denn ich hab' bei Herrn Kaufmann die ganze Zeit das Gefühl gehabt, dass die Stimme am Anschlag ist. Das klang für mich weder tenoral noch baritonal, sondern einfach nur überfordert und angestrengt.

    Liebe Sykorax,


    ich habe die Befürchtung - und die habe ich hier schon mal geäußert - dass dieser zur Zeit so gefeierte und daher hochgejubelte Tenor, der inzwischen "auf allen Hochzeiten tanzen muss" und auch allen Irrsinn mitmacht, wie manche andere, die in den letzten Jahren so hochgejubelt waren, bald in der Publikumsgunst abnehmen und dann schnell in der Versenkung verschwinden wird. Ich kenne einige sehr schöne Aufnahmen mit ihm, aber in der letzten Zeit scheint er wirklich überfordert. Wünschen wir ihm, dass er ja noch rechtzeitig zu besseren Einsichten kommt.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • dass Verdi ein agnostischer Atheist war

    Ist das wirklich so eindeutig? Warum hat er dann das Requiem und im Alter noch weitere kleine religiöse Werke komponiert?
    Verdi war ein scharfer Kritiker der Institution Kirche und er war sicher auch ein Zweifler bezüglich der Religion an sich, aber so eindeutig, wie du das hier schreibst, scheint mir der Fall dann doch nicht so liegen. Es scheint mir wesentlich komplizierter zu sein.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Verdi mag gläubig gewesen sein - das wird so genau wohl Niemand wissen - als scharfer Kritiker... kann er aber nicht religiös gewesen sein.
    Reguiem - das trägt, nicht nur m. E., sehr deutlich opernhafte Züge.


    Viele Grüße
    zweiterbass

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

  • Reguiem - das trägt, nicht nur m. E., sehr deutlich opernhafte Züge.

    Was beweist das? Und erklärt es die vier letzten kleinen geistlichen Stücke?


    Niemand wissen - als scharfer Kritiker... kann er aber nicht religiös gewesen sein.

    Und das ist meines Erachtens genau der Trugschluss! Er kann sehr wohl religiös gewesen sein, obwohl er ein scharfer Kritiker war.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"