Von Korsaren, schlafenden Schönen, untoten Witwen und weißen Schwänen: die Welt des Balletts

klingsor · 47 Beiträge · letzte Antwort von Gerhard Wischniewski

47 Beiträge
  • Hallo Maticus,


    Zitat

    Original von maticus
    gerne würde ich die Liste Deiner Favoriten sehen. Schön wären auch konkrete DVD-Empfehlungen.


    um es gleich vorwegzunehmen: DVD-Empfehlungen bezüglich des Ballett-Genres kann ich Dir leider nicht liefern, da mich innerhalb dieser Gattung nicht die Bühnenpräsentationen (Choreographien usw.) interessieren, sondern fast ausschließlich die Kompositionen.


    Die folgende Liste enthält sowohl Ballettwerke, die zu meinen Favoriten der Gattung gehören als auch solche, die noch nie in einer Einspielung erhältlich waren und die ich infolgedessen liebend gerne (in einer Bühnenaufführung oder einer Aufnahme) kennenlernen würde, wie z. B. die Ballette von Bantock, Ferguson, Koechlin, Mosolov, Sekles und Wellesz.
    Sämtliche anderen Stücke kann ich in den mir vorliegenden hervorragenden CD-Einspielungen auf Anfrage gerne empfehlen:


    Fikrät Ämirov (1922-1984):
    Die arabischen Nächte - Ballett in 2 Akten für gemischten Chor und Orchester 1979


    Sir Granville Bantock (1868-1946):
    The Great God Pan - Ballett 1915


    Béla Bartók (1881-1945):
    A Fából Faragott Királyfi (Der hölzerne Prinz) - Tanzspiel in 1 Akt, opus 13; Sz 60 1914-17
    A Csodálatos Mandarin (Der wunderbare Mandarin) - Pantomine in 1 Akt für gemischten Chor und Orchester, opus 19; Sz 73 1918-23


    Sir Arthur Bliss (1891-1975):
    Adam Zero - Ballett in 1 Bild, opus 67 1946
    Checkmate - Ballett, opus 57 1937


    Claude Debussy (1862-1918):
    Khamma - Tanzlegende 1911/12
    Jeux (Spiele) - Tanzdichtung 1912/13


    Paul Dukas (1865-1935):
    La Péri - Tanzdichtung in 1 Bild 1911/12


    Howard Ferguson (1908-1999):
    Chauntecleer - Ballett in 2 Szenen, opus 11 1948 (zurückgezogen)


    Arthur Honegger (1892-1955):
    Horace Victorieux - Gemimte Symphonie 1920


    Charles Koechlin (1867-1950):
    La Forêt Païenne - Ballett, opus 45 1911-16, orch. 1920-25


    Alexander Mosolov (1900-1973):
    Stal (Stahl) - Ballett, opus 19 1926-28


    Sergej Prokofiew (1891-1953):
    Ala i Lolli (Ala und Lolly) - Ballett, opus 20 1914/15 (zurückgezogen ==> Skythische Suite, opus 20 1915)
    Romeo i Dschuljetta (Romeo und Julia) - Ballett in 4 Akten, opus 64 1935/36
    Soluschka / Cinderella (Aschenbrödel) - Ballett in 3 Akten, opus 87 1940-44


    Väinö Raitio (1891-1945):
    Vesipatsas (Wassersäule) - Ballett in 1 Akt / 2 Szenen 1929


    Maurice Ravel (1875-1937):
    Daphnis et Chloé - Ballett-Symphonie in 3 Teilen für gemischten Chor und Orchester 1909-12


    Ottorino Respighi (1879-1936):
    Belkis, Regina di Saba (Belkis, Königin von Saba) - Ballett in 7 Bildern für Soli, Sprecher, gemischten Chor und Orchester, P 171 1931


    Albert Roussel (1869-1937):
    Padmâvatî - Opern-Ballett in 2 Akten für Soli, gemischten Chor und Orchester, opus 18 1914-18
    Bacchus et Ariane - Ballett in 2 Akten, opus 43 1930


    Florent Schmitt (1870-1958):
    La Tragédie de Salomé - Stummes Drama in 7 Bildern für Singstimme und Kammerorchester, opus 50 1907
    Oriane et le Prince d' Amour - Ballett für gemischten Chor und Orchester, opus 83 1932/33


    Erwin Schulhoff (1894-1942):
    Ogelala - Ballettmysterium in 1 Akt nach einem antik-mexikanischen Original, opus 53 1922/24


    Bernhard Sekles (1872-1934):
    Der Zwerg und die Infantin - Tanzspiel in 2 Bildern nach Oscar Wilde, opus 22 1913


    Richard Strauss (1864-1949):
    Josephslegende - Ballett in 1 Akt, opus 63 1912-14


    Igor Strawinsky (1882-1971):
    L' Oiseau de Feu (Der Feuervogel) - Märchenballett in 2 Szenen 1909/10
    Pétrouchka (Petruschka) - Burleske Szenen in 4 Bildern 1910/11
    Le Sacre du Printemps (Die Weihe des Frühlings) - Ballett in 2 Bildern 1911-13
    Les Noces (Die Hochzeit) - Russische Tanzszenen in 4 Bildern (komponiert 1914-17),
    instrumentiert für Sopran, Mezzosopran, Tenor, Baß, gemischten Chor, 4 Klaviere und Schlagzeug 1921-23
    Perséphone - Tanzmelodram in 3 Teilen für Tänzer, Sprecherin, Tenor, Knabenchor, gemischten Chor und Orchester 1933/34


    Karol Szymanowski (1882-1937):
    Harnasie - Ballett-Pantomime in 3 Bildern für Tenor, gemischten Chor, Violine und Orchester, opus 55 1923-31


    Nicolai Tscherepnin (1873-1945):
    Narcisse et Echo - Ballett für gemischten Chor und Orchester, opus 40 1911


    Ralph Vaughan Williams (1872-1958):
    Job - A Masque for Dancing in 9 Szenen 1927-30


    Egon Wellesz (1885-1974):
    Das Wunder der Diana - Ein griechisches Ballett / Tanzspiel, opus 18 1914
    Persisches Ballett - Tanzspiel, opus 30 1920
    Achilles auf Skyros - Ballett, opus 33 1921
    Die Nächtlichen - Eine Tanzsymphonie in 9 Bildern, opus 37 1923


    Alexander von Zemlinsky (1871-1942):
    Das gläserne Herz - Ballett in 3 Akten 1900-04


    LG
    Johannes

  • Hallo Johannes,


    eine beeindruckende Liste! Ich kenne nur das wenigste davon.


    Die Choreographie, also die Tanzaufführung, hat mich bisher auch nicht interessiert. Ähnlich war es bei Opern. Ich war nie so der Opernfan. Aber das wenige, was mir gefällt, hat durch die Bilder, durch die Handlung, eine weitere Verstärkung für mich bewirkt, so dass ich jetzt lieber die DVD einlege, als nur die Musik zu hören. Und auch beim Ballett ist neuerdings dadurch für mich eine weitere Dimension hinzugekommen, auch wenn ich sicherlich nie ein großer Tanzfreak werden werde. Es ist halt eine weitere Facette des Werkes.


    Zusätzlich ist es so, dass ich mit meinen DVDs großes Glück gehabt habe, denn ich finde bei einigen auch die Musik unschlagbar gut. Beispiele habe ich genannt.


    Was hältst Du eigentlich von den Schostakowitsch Balletten? Kennst Du sie nicht oder gefallen sie Dir nicht? Im Vergleich zu den den eher braven Prokofjew-Balletten (ich kenne nur Romeo und Julia, und Cinderella; bei den älteren mag es anders sein) sind sie satirischer und frecher, was meinem Geschmack (auch bei der Choreographie) sehr entgegenkommt.


    :hello:
    maticus

  • Hallo maticus,


    natürlich hätte auch ich nichts dagegen einzuwenden, mir das ein oder andere Ballett nicht nur akustisch, sondern auch in einer stimmigen Inszenierung und effektvollen Choreographie auf DVD zu Gemüte zu führen. Da sich aber meine Vorlieben, auch innerhalb dieser Gattung, auf Raritäten-Repertoire konzentrieren, habe ich hier leider ohnehin keine Wahl. Von etlichen in meiner Liste aufgezählten Balletten gibt es, wie bereits erwähnt, entweder gar keine oder nur wenige Einspielungen, geschweige denn irgendwelche Produktionen auf Video oder DVD. Trotzdem versuche ich aber stets, mir beim (ersten) Hören anhand der im Booklet abgedruckten Handlung oder mithilfe von Zeichnungen / Bildern bereits stattgefundener Aufführungen eine Vorstellung von den jeweiligen getanzten Szenen zu machen.


    Zitat

    Original von maticus
    Was hältst Du eigentlich von den Schostakowitsch Balletten?


    Leider kann ich dazu nichts Wesentliches sagen, weil ich bislang keine Einspielungen der drei Schostakowitsch-Ballette besitze, höchstens mal Ausschnitte daraus in Radio oder Konzert gehört habe. Tatsächlich hast Du hier einen unverzeihlichen weißen Fleck in meiner Sammlung aufgestöbert, den ich aber auf jeden Fall bei Gelegenheit mit Inhalt füllen werde. Kannst Du auch bezüglich 'Das goldene Zeitalter' und 'Der helle Bach' gelungene Produktionen auf CD oder DVD empfehlen?


    :hello:
    Johannes

  • Hallo Johannes,


    die Aufnahmen mit Roshdestvensky und den Stockholmer Philharmonikern bei Chandos sind so gut, dass ich nie nach anderen gesucht habe. Ich weiss nicht einmal, ob es andere Einspielungen der vollständigen Werke gibt.



    Die beiden erstgenannten sind Doppel-CDs. Häufig findet man ja die Suiten auf CD (als Zugabe), aber es gibt viele wunderbare Passagen, die in den Suiten nicht auftauchen. Andererseits muss man zugeben, dass es auch ein paar wenige schwächere Stücke gibt (was nicht weiter schlimm ist) und dass das Hören am Stück etwas ermüdend sein kann.


    Interessant ist die (Aufführungs-) Historie der Ballette, die mal einen eigenen Thread wert wäre... Ich denke, dass Roshdestvensky wenn nicht als einziger dann als erster die vollständigen Werke eingespielt hat. Auch diese CDs bestätigen, dass er m. E. einer der allerbesten und wichtigsten Schostakowitsch-Interpreten ist. Dazu muss ich sagen, dass ich die oben von mir genannte DVD-Einspielung des "Bolzen" (gekürzt; Bolschoi-Orchester unter Pavel Sorokin) musikalisch/technisch noch ein klein wenig besser finde, was an erster Linie an der extremen Transparenz der Musik liegt und an dem viel direkterem Schlagzeug (insbesondere Militärtrommel). Aber das soll die hohe Qualität der CDs nicht schmälern.


    :hello:
    maticus

  • Herzlichen Dank für Deine Einspielungsempfehlungen, lieber maticus!
    Die Rozhdestvensky-Aufnahmen habe ich soeben meiner Wunschliste hinzugefügt. ;)


    :hello:
    Johannes

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  • Hallo Johannes und maticus,


    das Problem bei Ballettmusiken, die sich oft über 2CD hinziehen, ist folgendes, dass maricus schon in einem Satz erwähnte:

    Zitat

    Andererseits muss man zugeben, dass es auch ein paar wenige schwächere Stücke gibt (was nicht weiter schlimm ist) und dass das Hören am Stück etwas ermüdend sein kann.


    Von daher sind die Suiten-Fassungen schon kurzweiliger, da hier für den reinen Musikgenuss (ohne Bild) das wesentliche zusammengefaßt wird.


    Mit Bild sieht die Sache schon ganz anders aus. Als DVD hätte ich die drei Schostakowitsch-Ballette auch gerne.


    Selbstverständlich liegt maticus richtig, wenn er zu den Roshdestwensky-Aufnahmen rät (dann könnte man sich beim Hören seine eigene Suite zusammenstellen, den alles hält man ohnhin (auch aus Zeitgründen) nicht durch).
    Ich habe die drei Ballettsuiten Der Bolzen, Der helle Bach und Das goldene Zeitalter in der sehr empfehlenswerten 3-CD-Box mit Theodore Kuchar/National Orchestra of Ukraine


    --- leider ohne Bild, da zur Zeit nur die enthaltene Einzel-CD+SACD mit den Jazz-Suiten zu finden ist ---
    (Brillant, 90er, DDD)



    *** Neben den drei Balletten gibt es aber auch noch von Schostakowitsch die Ballettsuten Nr.1-5, die von Schostakowitsch ebenfalls für Ballettaufführungen des Bolshoitheaters in Moskau und Kirow-Theaters in Leningrad komponiert wurden.
    Die Ballettsuiten entstanden alle bereits vor seinem 30.Lebensalter (auch wenn die Endfassung später datiert ist):
    Nr.1 (1949), Nr.2 (1951), Nr.3 (1952), Nr.4 (1953), Nr.5 Der Bolzen op.27a (1931)


    :yes: Eine hervorragende Doppel-CD mit den Ballettsuiten, die auch die tolle Katerina-Ismailowa-Suite enthält, ist die Järvi-Aufnahme:


    - neustes Cover (bei mir noch anders) -

    Royal Scottish National Orchestra, Neeme Järvi
    Chandos, 1977/78, DDD

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Sie hätte heute ihren 100. Geburtstag:
    Dore Hoyer (* 12. Dezember 1911 in Dresden; † 31. Dezember 1967 in Berlin) war eine deutsche Ausdruckstänzerin und Choreografin.


    Der Deutschlandfunk erinnert heute in seinem Kalenderblatt an die Tänzerin, die heute vor 100 Jahren geboren wurde. Hier ist der link zum Nachlesen und Nachhören:
    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kalenderblatt/1622654/


    Dore Hoyer war die letzte große Vertreterin des Ausdruckstanzes in Deutschland. Mehr als 30 Jahre lang prägte sie als Solistin, Ballettmeisterin und Choreografin die Tanzszene. Als ihre Karriere zuende ging und das Publikumsinteresse an ihren Choreographien nachließ, nahm sie sich mit einem indianischen Pfeilgift das Leben.



    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Ich liebe z.B. die Balletmusiken von Tchaikovsky, ganz besonders den Schwanensee. Es ist einfach herrlich. Also habe ich bei 2001 die DVd gekauft. Auch hier, die Musik ist wunderschön. Aber: Ich verstehe das Geschehen auf der Bühne überhaupt nicht. Nichts. Ich weiß auch nach 1 Stunde nicht, wer wer ist. Ich weiiß nicht, was gerade geschieht, oder auch nur, an welcher Stelle der Handlung man sich befindet. Nichts.
    Frage: Wie kann ich mcih da reinarbeiten? gibt es Anfängerballette? Vielleicht mit Untertiteln? Oder ist das normal bei mir?
    Es ist sehr seltsam für mich, dass mir da eine Kunstform, die doch ganz in der NÄhe von geliebten Formen ist, mir total unverständlich ist.


    Ratlos
    Klaus

    ich weiß, dass ich nichts weiß. Aber ganz sicher bin ich mir da nicht.

  • Toll, dass es auch einen Thread für Ballettfreunde gibt. Ich schätze die Compagnie der Berliner Staatsoper sehr und versuche, jedes Jahr mindestens zwei Vorstellungen zu besuchen. Intendant ist Vladimir Malakhov, der auch die meisten Produktionen choreographiert, und mir gefällt sein abwechslungsreicher Spielplan sehr gut. Es gibt immer klassisch und sehr aufwändig gestaltete Ballette, darunter "Dauerbrenner" wie "Schwanensee" etc, aber auch wiederentdeckte, unbekannte Ballette der Romantik. Daneben gibt es natürlich auch moderne Werke, die ich ebenfalls mag. Jede Vorstellung, die ich bisher besucht habe, war nahezu ausverkauft. Letztes Jahr war ich zweimal in "Eugen Onegin". Es handelt sich dabei um ein Ballett von John Cranko, in dem zwar Werke von Tschaikowski erklingen, aber eben nicht Onegin ohne Gesang. Ich hatte mir nicht vorstellen können, dass man die Dramatik dieser Oper tänzerisch so glaubwürdig und mitreißend darstellen könnte, ohne den Onegin zu zitieren, aber es geht. Sehr gut sogar. Besonders die "Briefszene" war fantastisch.


    Ich liebe z.B. die Balletmusiken von Tchaikovsky, ganz besonders den Schwanensee. Es ist einfach herrlich. Also habe ich bei 2001 die DVd gekauft. Auch hier, die Musik ist wunderschön. Aber: Ich verstehe das Geschehen auf der Bühne überhaupt nicht. Nichts. Ich weiß auch nach 1 Stunde nicht, wer wer ist. Ich weiiß nicht, was gerade geschieht, oder auch nur, an welcher Stelle der Handlung man sich befindet. Nichts.
    Frage: Wie kann ich mcih da reinarbeiten? gibt es Anfängerballette? Vielleicht mit Untertiteln? Oder ist das normal bei mir?
    Es ist sehr seltsam für mich, dass mir da eine Kunstform, die doch ganz in der NÄhe von geliebten Formen ist, mir total unverständlich ist.


    Ratlos
    Klaus

    Kann es vielleicht auch daran liegen, dass du verschiedene Versionen bzw. Choreographien gesehen hast, die sich stark unterscheiden? Welche DVD hast du erstanden?
    Ich kenne z.B. die Aufführung der Petersburger Compagnie, die sich eng an die erfolgreiche Petipa/Iwanow- Inszenierung hält. Dort hat z.B. Benno, der Freund des Prinzen Siegfried, nur eine kleine Rolle, es gibt einen sprunggewaltigen Hofnarren, und die Königinmutter ist nur eine Statistenrolle. Am Ende kann Siegfried den Zauberer Rotbart besiegen und Odette vom Zauber erlösen.
    Ganz anders in der Berliner Version, die von Patrice Bart inszeniert wurde. Bart hat die originalen Petipa-Choreographien vollständig beibehalten, verlegt aber die Handlung vom Märchenreich ins zaristische Russland. Die Königinmutter ist eine Tanzrolle, und Rotbart ist "offiziell" ein zwielichtiger Minister, der Siegfrieds Mutter heiraten und den Prinzen verdrängen möchte. Es gibt gerade im ersten Akt noch ein Pas de deux des Ministers mit der Königin sowie längere Divertissements, und auch Benno hat eine sehr viel größere Rolle. Siegfried kann am Ende den Zauberer/Minister in einem dramatischen Kampf an den Ufern des Sees zwar besiegen und töten, stürzt aber dann aus Verzweiflung selbst in die Fluten, während Odette unerlöst bleibt.

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

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  • Lieber Klaus,


    ich möchte deinen Beitrag, den Strano Sognator schon zitiert hat, nicht wiederholen. Auch ich liebe neben Oper und Konzert vor allem auch das Ballett. Ich besitze eine umfangreiche Sammlung an Balletten auf DVD. Beim Ballett kommt es mir allerdings noch nicht einmal so sehr auf die Handlung an, die es meist nur in groben Zügen wiedergibt, sondern auf den Tanz selbst. Beim Ballett gibt es auch die sogenannten "weißen" Akte, die überwiegend aus Schautänzen bestehen. Viele Ballette haben sogar gar keine Handlung, sondern sind nur in Tanz umgesetzte Musik.
    Für die Handlungsballette habe ich zwei Balettführer. Natürlich läuft die Handlung in den einzelnen Choreographien häufig auch ein wenig anders. Es gibt auch hier im Forum einen Ballettführer, der allerdings noch erhebliche Lücken aufweist. Von Tschaikowsky ist lediglich Dornröschen enthalten. Den umfangreichsten Ballettführer, den ich kenne, findes du unter http://www.schwanensee.info. Dort ist auch angegeben, welche Choreographie besprochen ist. Sehr gut kann man meiner Ansicht nach die Handlung in Choregraphien von Marius Petipa, Rudolf Nurejew, Mikhail Fokine, Yuri Grigorovich (der oft Choreographien von Marius Petipa und Lev Iwanow lediglich neu bearbeitet, ohne das klassische Ballett in modernes Tanztheater umzusetzen), George Balanchine und Heinsz Spoerli (von dem ich allerdings nur das hübsche "La Fille mal gardée" kenne, verfolgen. .
    Schau einfach mal unter der angegeben Internet-Adresse nach, vielleich hilft dir das weiter
    Übrigens wird heute nach ab 1.15 Uhr auf arte die recht farbenfrohe Inszenierung von Tschaikowskys "Nussknacker" aus der Semperoper wiederholt, die ich dir empfehlen kann.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Erst einmal vielen Dank an Euch beide für die sehr ausführlichen Antworten. Und das hilft mir auch ein ganzes Stück weiter. Ich werde beim nächsten Mal ganz anders herangehen.
    Es kann natürlich auch sein, dass es nicht gut ist per DVD sich in die Welt des Balletts zu begeben, bei der klassischen Musik ging es bei mir auch erst, als ich in Konzerte ging.
    Was ich gesehen habe, war im TV die Sendung über die Eröffnung des Bolschoi-Theaters. Die DVDs waren von 2001, Schwanensee finde ich momentan nicht und Ivan der Schreckliche auch Bolschoi Yuri Rgirorovich.
    LG
    Klaus

    ich weiß, dass ich nichts weiß. Aber ganz sicher bin ich mir da nicht.

  • Lieber Klaus,


    Die von dir genannte DVD ist eine Choreographie von Grigorovich, die auf den Choreographien von Marius Petipa und Lev Ivanov basiert. Die von mir genannte Internet-Adresse enthält eine Beschreibung der Choreographie von Rudolf Nurejew. Dagegen scheint mir die Beschreibung unter "Schwanensee" in Wikipedia auf der Choreographie von Petipa zu beruhen. Dennoch meine ich, dass die Handlung in beiden Choreographien nicht erheblich unterschiedlich ist. Schau auch mal in Wikipedia rein.
    Auch Spartakus, den ich selbst in dieser Augabe habe, ist klassische inszeniert. Die Musik von Chatschaturian ist wilder, agressiver, aber auch teilweise sehr lyrisch, besonders in dem wunderschönen Adagio des
    Spartakus und der Phrygia zu Beginn des dritten Aktes. Hier findest du unter http://www.schwanensee.info eine gute Beschreibung und auch eine Szenenabfolge des Balletts.
    Ob das dir die Begeisterung im Theater kommen würde, weiß, ich nicht, denn auch Balett wird häufig modern verunstaltet, wie z.B. bei einer Fassung, die hier einmal angeboten wurde (ich bin nicht hingegangen), in der Schwanensee im Irrenhaus spielt oder wie kürzlich die Fassung von Dornröschen in Trier, die im Drogenmilieu angesiedelt ist.
    Wundervoll war allerdings die Fassung vom Nussknacker der Dresdener Semperoper, die heute gesendet wurde. Ebenfalls sehr schön war die Übertragung von Dornröschen aus dem Bolschoi am Heiligabend. Vielleicht wiederholt arte diese noch einmal. Die kann ich dir sehr empfehlen.


    Liebe Grüße
    Gerhard


    Liebe Grüße

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Ob das dir die Begeisterung im Theater kommen würde, weiß, ich nicht, denn auch Balett wird häufig modern verunstaltet, wie z.B. bei einer Fassung, die hier einmal angeboten wurde (ich bin nicht hingegangen), in der Schwanensee im Irrenhaus spielt oder wie kürzlich die Fassung von Dornröschen in Trier, die im Drogenmilieu angesiedelt ist.
    Wundervoll war allerdings die Fassung vom Nussknacker der Dresdener Semperoper, die heute gesendet wurde. Ebenfalls sehr schön war die Übertragung von Dornröschen aus dem Bolschoi am Heiligabend. Vielleicht wiederholt arte diese noch einmal. Die kann ich dir sehr empfehlen.

    Ja, das kann ich so bestätigen. Aus diesem Grund bin ich ja auch so gern in Berlin, denn da gibt es sowohl ganz moderne als auch klassische Ballette für jeden Geschmack, und bei den modernen handelt es sich dann auch wirklich um zeitgenössische Choreographien und nicht um Verfremdung. Eine so ehrliche Herangehensweise würde ich mir in der Oper auch wünschen. Den Nussknacker habe ich auch gesehen und war begeistert, ebenso das Dornröschen, welches ich schon im November im Kino genießen durfte. Hier im Cinemax gibt es die nächste Übertragung aus dem Bolschoi im März, und zwar "Le Corsaire".
    Natürlich ist ein schöner Live-Ballettabend ein tolles Erlebnis, gegen das eine DVD im heimischen Wohnzimmer sicherlich steriler und distanzierter ist. Aber die Begeisterung für gutes Ballett ist meiner Ansicht nach nicht davon abhängig.

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • Nachdem ich diesen Faden mit seinem schönen Titel entdeckt habe, möchte ich allen Ballett- und Chopinfans ganz nachdrücklich ans Herz legen:


    La Dame aux Camélias
    Ballett in drei Akten
    Choreographie: John Neumeier
    UA: 4. 11. 1978, Stuttgart


    Das Ballett basiert wie Verdis La Traviata auf dem Roman von Alexander Dumas (Sohn), allerdings mit einigen Unterschieden in der Handlung. In La Traviata fehlt der im Roman erwähnte Bezug auf Manon Lescaut, während dieser Bezug im Ballett auf wunderbare Weise ausgebaut wird zu einem Ballett im Ballett, wobei Marguerite in Manon ein Spiegelbild ihrer selbst sieht. Auch kommt es im Ballett, anders als in der Oper, nicht mehr zu einer Vereinigung der beiden Liebenden, nachdem Arnand (bzw. Alfredo in La Traviata) die Kameliendame bei einem Ball öffentlich gedemütigt hat, indem er ihr einen Umschlag mit Geld überreicht.


    Ich hatte das große Glück, letzten Montag eine Aufführung in der Opéra Garnier in Paris sehen zu dürfen; ein für mich sicher auf immer unvergessliches Erlebnis. Noch dazu stand, anders als angekündigt, Aurélie Dupont in ihrer vielleicht letzten Saison (?) auf der Bühne; diesen großen Etoile noch "in echt" erleben zu dürfen hatte ich nicht erwartet.


    Als Klaviermusikverrückter war ich vor allem auf das Ballett aufmerksam geworden, weil es ausschließlich zu Musik von Frédéric Chopin choreographiert ist; es beginnt z.B. mit dem vollständigen zweiten Klavierkonzert (bevor ich dieses Ballett kannte, hätte ich nie damit gerechnet, einmal einen Pianisten dieses Konzert von unten aus dem Orchestergraben heraus darbieten zu hören!!).


    Bevor ich nun seitenlang ins Schwärmen gerate, belasse ich es hierbei, und kann nur allen, die sich von obiger Beschreibung angesprochen fühlen, nahelegen, sich nach einer Möglichkeit, dieses Ballett zu erleben, umzusehen! Bei vielen der dort gehörten Chopin-Werke werden für mich in Zukunft beim Hören (oder Spielen) vor dem inneren Auge die Eindrücke dieses Ballettabends präsent sein.


    Zum Abschluss noch ein Ausschnitt - der große Pas de Deux aus dem dritten Akt zu Chopins g-Moll-Ballade, ebenfalls mit Aurélie Dupont in der Rolle der Marguerite:



    Herzliche Grüße,
    pianovirus

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  • mir gefällt die Romeo und Julia Choreographie von Christian Spuck in Zürich sehr gut.
    nicht so "klassisch" wie Cranko, aber sehr gut überlegt und nicht "zwanghaft" modern.
    Charaktere wie Julias Amme, Tybalt oder Pater Lorenzo werden reizvoll und plausibel dargestellt.


    am 4.1. 2014 gibt's die Wiederaufnahme

    Im übrigen bin ich der Ansicht, dass gepostete Bilder Namen des Fotografen, der dargestellten Personen sowie eine genaue Angabe des Orts enthalten sollten.
    (frei nach Marcus Porcius Cato Censorius)

  • Zitat

    Zitat von Pianovirus: Nachdem ich diesen Faden mit seinem schönen Titel entdeckt habe, möchte ich allen Ballett- und Chopinfans ganz nachdrücklich ans Herz legen: La Dame aux Camélias

    Lieber Pianovirus,


    da stimme ich dir voll zu. Ich habe die Inszenierung mit dem Ballett de L'Opera national de Paris auf DVD und bin von dem Ballett begeistert.

    Zitat

    Zitat von Tastenwolf: mir gefällt die Romeo und Julia Choreographie von Christian Spuck in Zürich sehr gut.

    Lieber Tastenwolf,


    ich kenne die Choreographie von Christian Spuck noch nicht. Ich habe die John Cranko- Choreografie, die mich immer wieder begeistert, vor Jahren mit dem Stuttgarter Ballett und erst vor einem Jahr in der Wiener Staatoper gesehen. Außerdem habe ich auf DVD die Choreographie von Yuri Grigorovich nach Leonid Lavrovsky aus dem Bolschoi-Theater und die Choreographie von Kenneth MacMillan aus der Mailänder Scala.
    Romeo und Julia ist für mich eines der schönsten Ballette überhaupt, das ich immer wieder ansehen oder einfach auch nur mal auf CD hören könnte. Auch Cinderella und Die Steinerne Blume von Prokofjew liebe ich sehr.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

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