Liszt - Années de Pelerinage

  • Seit drei Jahren ruht nun dieser Thread und von Jörn höre ich auch nichts mehr! Sehr schade, ich würde doch gerne unser Projekt mit den Annees wieder aufnehmen. Denn es gibt eine bemerkenswerte Neuentdeckung, die ich kürzlich erworben habe: Die sehr lyrisch-feinsinnige Interpretation vom ersten Jahr, der Schweiz, von einem Schweizer, dem Brendel-Schüler Francesco Piemontesi - mit einer Bonus-DVD, Film von Bruno Monsaingeon, der auch Glenn Gould und Svjatoslav Richter u.a. filmte:



    Lieber Jörn, wenn Du das liest, dann melde Dich doch! Ich glaube, diese Aufnahme lohnt es, sich mit ihr näher zu beschäftigen. Durchgehört habe ich sie noch nicht! :) :hello:


    Schöne Grüße
    Holger

  • Lieber Holger, ja, viel zu lange hat die Zeit ohne Tamino gedauert, aber das ändert sich wieder. Liszt begleitet mich nach wie vor und auch ich habe ein paar Neuerwerbungen in diesem Bereich, eine ist die folgende, die ich aber noch nicht richtig mir Ruhe gehört habe:



    Von den Pilgerjahren kann ich immer noch nicht genug bekommen, Zeit ist, da das Semester dem Ende zugeht und alles Digitale ein wenig mehr Zeit als üblich kostet, rar, aber wir könnten ja in kleinen Happen vorgehen. Ich ordere Piemontesi, der mir durch die Lappen gegangen war und dann könnte es ja in lockerer Folge weitergehen, wenn Du magst. Ich freue mich sehr darauf, herzlich JLang

    Gute Opern zu hören, versäume nie
    (R. Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln)

  • Von den Pilgerjahren kann ich immer noch nicht genug bekommen, Zeit ist, da das Semester dem Ende zugeht und alles Digitale ein wenig mehr Zeit als üblich kostet, rar, aber wir könnten ja in kleinen Happen vorgehen. Ich ordere Piemontesi, der mir durch die Lappen gegangen war und dann könnte es ja in lockerer Folge weitergehen, wenn Du magst.

    Lieber Jörn,


    das ist eine große Freude für mich, das von Dir zu lesen! :) So geht es mir auch mit den "Annees..."! Und stell Dir vor, Piemontesi habe ich schon bestimmt 2 Jahre (!) ungehört im Regal stehen - vielleicht weil ich innerlich gehofft und geahnt habe, dass wir da zusammen weiter machen könnten! :) Beim Reinhören fand ich ihn (er ist ja Brendel-Schüler) den interessantesten seit langem.



    Suzana Bartal kenne ich gar nicht! Zwischenzeitlich hatte ich noch Ragna Schirmer, Oliver Schnyder (auch ein Schweizer wie Piemontesi) erworben. Louis Lortie (auf einem Fazioli-Flügel) ist auch sehr gut anhörbar. Nachdem ich Jerome Rose hier persönlich bei seinem Konzert, das er anlässlich einer Meisterklasse an der Musikhochschule gab, kennengelernt hatte (er ist ein sehr sympathischer Mensch, aufgeschlossen und freundlich, dabei frisch und rüstig, obwohl schon über 80), habe ich mir auch seine klassische alte Aufnahme besorgt.


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    Zuletzt hatte ich mir die RIAS-Aufnahmen von Jorge Bolet zugelegt. Da ist in Vol. 1 eine Auswahl aus Heft 1 dabei (in Mono) - gleich die Tells-Legende, die ich ja auch gespielt habe, hat mich regelrecht becirct:



    Wir haben jetzt also die schöne Wahl, uns zu überlegen, wie wir vorgehen. Wir könnten ja Piemontesi nehmen und wie damals von Stück zu Stück weitergehen - und immer Vergleichsaufahmen dazu ziehen.


    Bei mir sieht die Woche im Moment so aus, dass jeden Morgen um 4:30 der Wecker klingelt und ich oft erst gegen 18 Uhr wieder zuhause bin. Leider komme ich da nur noch wenig zum Musik hören, was mich wirklich schmerzt! Dann muss man abends einige Dinge erledigen im Haushalt, Kochen etc. und fällt ins Bett. Aber ich hatte mir noch vor Corona vor gut einem Jahr zum Glück einen neuen Kopfhörer (und auch neue Boxen!) zugelegt, so dass ich mich dann abends unter den Kopfhörer verkriechen kann. Wenn wir unser Projekt wieder aufnehmen, wäre das ein schöner Ansporn für mich, mir die Zeit dafür zu nehmen.


    Wenn Du Lust hast, kannst Du auch hier mal reinschauen - in meinen Thread über die Ungarische Rhapsodie Nr. 2:


    Wozu Interpretationsvergleiche? (I) Antworten auf die Frage am Beispiel von Franz Liszts Ungarischer Rhapsodie Nr. 2


    Dir jedenfalls ein schönes, erholsames Wochenende - trotz Eiseskälte!


    Liebe Grüße

    Holger

  • Zitat

    Holger Kaletha: Suzana Bartal kenne ich gar nicht! Zwischenzeitlich hatte ich noch Ragna Schirmer, Oliver Schnyder (auch ein Schweizer wie Piemontesi) erworben. Louis Lortie (auf einem Fazioli-Flügel) ist auch sehr gut anhörbar. Nachdem ich Jerome Rose hier persönlich bei seinem Konzert, das er anlässlich einer Meisterklasse an der Musikhochschule gab, kennengelernt hatte (er ist ein sehr sympathischer Mensch, aufgeschlossen und freundlich, dabei frisch und rüstig, obwohl schon über 80), habe ich mir auch seine klassische alte Aufnahme besorgt.

    Auf Bartal war ich nur durch Zufall aufmerksam geworden, sie sagte mir auch nicht wirklich etwas, ich bin gespannt. Ich bin dankbar für den Hinweis auf Jerome Rose, Lortie finde ich vom Klang her interessant ... und bin vor allem einer Freund des Fazioli-Klangs.

    Zitat

    Holger Kaletha: Wir haben jetzt also die schöne Wahl, uns zu überlegen, wie wir vorgehen. Wir könnten ja Piemontesi nehmen und wie damals von Stück zu Stück weitergehen - und immer Vergleichsaufahmen dazu ziehen.

    das finde ich wunderbar, sobald die Aufnahme da ist, das wird gegen Mitte der Woche sein, denke ich, können wir sehr gern loslegen. Ich freue mich sehr, zumal ich Brendels Liszt insgesamt vorzüglich finde.

    Zitat

    Holger Kaletha: Zuletzt hatte ich mir die RIAS-Aufnahmen von Jorge Bolet zugelegt.
    Da ist in Vol. 1 eine Auswahl aus Heft 1 dabei (in Mono) - gleich die Tells-Legende, die ich ja auch gespielt habe, hat mich regelrecht becirct:

    Das ist imO auch eine hervorragende Aufnahme, ich mag diesen „Tell“ lieber als den späteren aus dem Decca Zyklus.


    hab auch herzlichen Dank für den Hinweis auf den thread zu den Rhapsodien, der war mir glatt durchgegangen, ich habe viel zu viel nachzuholen nach der langen Zeit ... aber das Wetter bleibt ja eher mäßig.


    Ganz herzliche Grüße zum Sonntag, ich freue mich sehr, dass Du Dir trotz des enormen Tagespensums Zeit für Liszt nehmen willst und gebe sofort Bescheid, wenn Piemontesi eingetroffen ist, JLang

    Gute Opern zu hören, versäume nie
    (R. Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln)

  • Lange zu lange hat dieser thread geruht, und nun ist eine Einspielung bei mir eingetroffen, die ich gekauft habe, weil mir dieser Austausch immer so viel Freude bereitet hat. Ich habe Jahr eins soeben durchgehört:



    Kurz vorab, es ist ein imO stimmiger Zyklus mit ganz wunderbaren Momenten (ich war hin und weg vom Valle d‘Obermann). Nun wollte ich einen ersten Höreindruck zum ersten Stück liefern, das ich mich nochmals Vergleich zu Bolet, Berman, und Brendel angehört habe (Es werden insgesamt eher kleinere „Häppchen“).


    Nun also einmal mehr die Chapelle de Guillaume Tell

    Ganz am Beginn der Pilgerreise steht die vertonte Tellskapelle am Vierwaldstätter See, Sinnbild eines heroischen Freiheitskampfes. Aber Holger hatte weiter oben im thread dankenswerterweise ein Gemälde der Kapelle gepostet: es ist eben auch ein Naturbild, ein ruhiger See mit Schiff und Kapelle. Brendel hatte dies sehr ernst genommen, das dynamische Spektrum nicht ausgeschöpft. Mir scheint Piemontesi hier nicht unbeeinflusst. Auch er steigert vom f des ersten Taktes im zweiten nicht merklich zum ff, nimmt auf der Fermate sogar ein wenig Dynamik im Anschlag heraus, pedalisiert aber etwas mehr. Das hat einen ähnlichen Effekt, der es ermöglicht, sich dynamische Steigerungen aufzusparen. Wunderbar gefällt mir dann der Übergang vom expressivo ins dolce, das aber nicht zu süß gerät. Überhaupt ist das mit einer extrem hohen Anschlagskultur gespielt, dynamische Kontraste werden nicht unermesslich gesteigert aber gerade die Abstufungen in Bereich p bis pp sind ganz fein nuanciert. Die heroisch wilden Passagen werden sorgsam wieder eingefangen und in den Fluss zurückgeführt, enden choralhaft-hymnisch. Das ist eine Musik, die sich zum Ende hin regelrecht öffnet. Mir scheint hier eher Naturbild als Heldengeschichte Pate gestanden zu haben, mir gefällt das ausnehmend gut. Piemontesi spielt durchaus schneller als Berman oder Bolet, imO wirkt es nie gehetzt, aber vielleicht wäre manche Passage ein wenig langsamer noch besser zum Klingen gebracht worden?

    Herzlich grüßend

    Jörn

    Gute Opern zu hören, versäume nie
    (R. Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln)

  • Lieber Jörn,


    mit Freude habe ich Deinen geistvollen Bericht gelesen! Ich hoffe, ich komme möglichst bald im Laufe der Woche zum Nachhören! Ab morgen bin ich etwas früher zuhause. Im Moment bin ich auch noch dabei, meine Hifi-Anlage aufzurüsten, so dass ich MP3 und FLAC-Dateien vom Computer abspielen kann, ohne umständlich CD-Rs brennen zu müssen. Das alles zu probieren hat mir die Zeit das letzte Wochenende gekostet - und ich bin noch nicht zuende damit. Schon beim kurzen Reinhören hat mich die Feinsinnigkeit bei ihm beeindruckt, auf die Du ja auch hinweist. Das ist ein höchst kultiviertes Klavierspiel - und das freut den Freund des Klaviers! :) Inzwischen hat er auch den ersten Italien-Band aufgenommen (ebenfalls mit FIlm). Die CD werde ich mir auf jeden Fall auch noch besorgen. Zum Film von Bruno Monsaingeon müssten wir dann auch noch ein Wort verlieren, finde ich!


    Herzlich grüßend aus dem Büro :hello:

    Holger