Referenzen und Alternativen seit 1990 - Mozart: Die Zauberflöte

  • Liebe Forianer,


    für viele Opernfreunde war mit der "Zauberflöte" der erste Opernbesuch verbunden - vorausgesetzt es war keine entstellende Deutung. Sie waren seitdem von der Oper magisch angezogen und waren fortan neugierig, was es da noch Neues zu entdecken gibt.


    Das Medium Schallplatte bzw. CD kann kaum eine wirkungsvolle Atmosphäre vermitteln, wie es die Bühne ermöglichen kann. Und es ist schwierig, eine Auswahl zu treffen. Schwerpunkte meiner Auswahl sind: die Vollständigkeit (Aufnahmen ohne Dialoge fallen weg) sowie die Sprachverständlichkeit.



    Referenz



    Künstler: Daniel Behle, Marlis Petersen, Anna-Kristiina Kaappola, Sunhae Im, Kurt Atzesberger, Marcos Fink, RIAS Kammerchor, Akademie für Alte Musik Berlin, Rene Jacobs
    Label: HMF, DDD, 2009


    Wieder einmal mehr gelingt es René Jacobs mit seinem auf Orginalinstrumenten spielenden Ensemble eine uns bekannte Oper in neuem Licht erscheinen. Gleich einem Hörspiel wird man in die Handlung hinein gezogen. Ein Sänger sorgt für Furore: Daniel Behle als Tamino - bis dahin fast völlig unbekannt, macht er seitdem eine Weltkarriere. Der schlanke Bassist Marcos Fink bietet einen ausgezeichneten Sarastro. Sehr überzeugend auch der Papageno von Daniel Schmutzhard und die Pamina von Marlis Petersen. - Wunderbar!



    Alternativen



    Künstler: Kurt Streit, Barbara Bonney, Sumi Jo, Gilles Cachemaille, Kristinn Sigmundsson, Drottningholm Theatre Orchestra, Arnold Östman
    Label: Decca, DDD, 1992


    Östmans magisch-märchenhafte Neudeutung auf Originalinstrumenten ist auch heute noch sehr entdeckungs- und hörenswert. Zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, was das Tempo betrifft. Kurt Streit und Barbara Bonney überzeugen sehr als jugendliches Liebespaar Tamino-Pamina. Sumi Jo singt eine sehr gute Königin der Nacht mit blitzsauberen Koloraturen. Mit einem "schwarzen" Bass kann Sigmundsson als Sarastro auftrumpfen. Cachemaille singt den Papageno nicht akzentfrei.




    Künstler: René Pape, Erika Miklosa, Christoph Strehl, Dorothea Röschmann, Hanno Müller-Brachmann, Julia Kleitner, Arnold Schoenberg Chor, Mahler Chamber Orchestra, Claudio Abbado
    Label: DGG, DDD, 2004


    Abbados Einspielung ist durchaus ein Live-Mitschnitt (aus Modena) mit Ecken und Kanten. Sie ist jedoch die beste auf herkömmlichen Instrumenten spielende Aufnahme und hat ihre Meriten. Der Dirigent lässt zügig und ohne falsches Pathos musizieren. Die eindrucksvollste Leistung bietet Hanno Müller-Brachmann als Papageno. Ebenfalls ausgezeichnet ist der Sarastro von René Pape. Dagegen wirkt die Pamina von Dorothea Röschmann etwas routiniert und der Tamino von Christoph Strehl kommt etwas blass herüber.




    Künstler: Cornelius Hauptmann, Anthony Rolfe Johnson, Beverly Hoch, Dwan Upshaw, Andreas Schmidt, Guy de Mey, Olaf Bär, Schütz Choir of London, London Classical Players, Sir Roger Norrington
    Label: Virgin, DDD, 1991


    Eine lohnende Alternative ist diese Aufnahme allemal. Norrington lässt forsch und schnörkellos auf Originalinstrumenten musizieren. Kaum zu glauben, dass diese Einspielung jetzt schon über 20 Jahre alt ist! Mit Anthony Rolfe Johnson als Tamino und Andreas Schmidt als Papageno stehen referenzverdächtige Rollenvertreter zur Verfügung. Auch Dwan Upshaws Pamina lässt aufhorchen. Sehr koloratursicher setzt sich Beverly Hoch als Königin der Nacht durch. Problematisch ist mitunter das gebrochene Deutsch einiger Protagonisten bei den Dialogen.



    :hello: LT

  • Jacobs, Östman, Norrington hab ich ebenfalls, wobei mir Jacobs am besten gefällt. Meine Rferenz war jedoch bis dato Gardiner:




    Zu der einzelnen Sänger kann ich jetzt nichts sagen, da ich sie schon sehr, sehr lange nicht mehr gehört habe. Jedoch habe ich diese Aufnahme als sehr homogen, flott und beschwingt in Erinnerung.
    Besonders Auffällig ist, dass am Anfang keine Schlange, sondern ein Löwe gemeuchelt wird, was aber aber weder auf die weitere Handlung noch auf die Musik irgendeinen Einfluss hat. Ja, und im Booklet die These, die diese Oper als Vertonung des großen Arkanum aus dem Tarot-Spiel bezeichnet.


    John Doe

  • Als DVD kann ich diese Live-Aufnahme von den Ludwigsburger Festspielen 1992 aufbieten mit Chor und Orchester der Ludwigsburger Festspiele unter Wolfgang Gönnenwein. Chor und Orchester, der Dirigent und Deon van der Walt als Tamino, Ulrike Sonntag als Pamina, Cornelius Hauptmann als Sarastro, Andrea Frei als Königin der Nacht , Thomas Mohr als Papageno und Patricia Rozario als Papagena haben mir gut gefallen. Axel Manthey führte Regie und war mit Aalexander Linntl auch für das Bühnenbild verantweortlich. Obwohl das Bühnenbild etwas moderner war, passte es doch m. E. gut zur Zauberflöte, betonte in den Tierfiguren den Märchencharakter und war auf jeden Fall im positiven Sinne meilenweit von dem Bühnenbild und der Regie entfernt, die ich vor Jahren in einer Übertragung aus Zürich (unter Harnoncourt) erlebt habe und das auf mich so verstörend wirkte, dass es mich vond er Musik vollkommen ablenkte.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • ....Meine Rferenz war jedoch bis dato Gardiner:



    dies Aufnahme der Zauberflöte besitze ich auch schon lange und höre sie gerne. Bei jpc kann man in einem kurzen Ausschnitt einer Rezension u.A. folgendes lesen:


    "Die rigoros purifizierte "Zauberflöte" entwickelt sich in Spannungsfeldern so aufregend, daß der märchenhaft glückliche Ausgang nicht von Anfang an feststeht"


    Da möchte ich die Frage stellen, was muss ich mir unter rigoros purifiziert vorstellen? Ist damit gemeint, möglichst nahe am Klang, den man heute als authentisch für Mozarts Zeit erachtet (es gibt ja nun keine Zeitzeugen mehr) ?

    ________________________________________________________________________________________


    Gruß
    Nicolas

  • es gibt ja nun keine Zeitzeugen mehr

    Das ist zwar richtig, dennoch kann man wissenschaftlich herausbekommen, wie das zur Mozart-Zeit aufgeführt wurde. Quellen gibt es genug.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

  • Lieber Stimmenliebhaber,


    das glaube ich schon, es existieren ja mit Sicherheit auch noch genügen originale Instrumente aus dieser zeit. Laut Wikipedia ist Gardiner für seine historisch authentischen Aufführungen bekannt, also liege ich damit richtig dass sich purifiziert darauf bezieht?

    ________________________________________________________________________________________


    Gruß
    Nicolas