Fremd gegangen - Opernsänger singen Operette, Volkslied und (igitt) Schlager .....


  • Nach dem ich was völlig anderes suchte :hahahaha:, habe ich das gefunden und gleich mal richtig einsortiert.

    Es finden sich nach meinem Umzug vor 4 Jahren, immer noch verirrte CDs!

    Oha,die Moffo konnte das auch seh rgut rüberbringen! :)


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Opernsänger haben sehr wohl hervorragend Operette gesungen: Ich erinnere an:

    Konya, Weikl, Orth, Kmentt, Kunz, Gedda, Hollweg, Wunderlich, Hoppe, Prey, Protschka uva.

    So will ich mal den Werner Hollweg herausgreifen aus dieser Aufzählung. Er hat zumindest auf Tonträgern - Bühnenproduktionen sind mir nicht bekannt - diverse Auftritt hingelegt. Ich finde ihn bezaubernd in diesem Genre. Diese Leichtigkeit und dieser Charme! Für Hollweg gab es auch keine Grenzen. Hier das Duette "Wer uns getraut" aus dem "Zigeunerbaron" von Johann Strauß an der Seite von Helen Donath, die sich auch auf Operette verstand.


    Rheingold 1876

  • Gibt es überhaupt Sängerinnen und Sänger, die ganz und nur in Opernpartien, in Oratorien und mit klassischen Liedern zu hören waren?
    Haben nicht alle sich immer auch auf anderen Feldern versucht? Mal mit mehr Fortune mal mit weniger!


    Eine Sängerin, die auf vielen Feldern reüssiert hat, war Eileen Farrell. Sie war nicht nur eine der wirklich bedeutenden Interpretinnen der großen Sopranpartien Verdis, Puccinis und Wagners. Sie sang immer auch Musical-Songs, Country-Balladen, Weihnachtslieder, Schlager und vor allem Jazz. In jedem dieser Felder war sie ganz zu Hause. Besonders beeindruckend finde ich sie im Blues.

    Noch lange nach ihrer Karriere als Opernsänger hat sie zahllose Auftritte in Blues-Bars gehabt. Da habe ich früh in de 80 Jahren live gehört! Unvergesslich!


    Hier eine kleine Kostprobe:



    Caruso41





    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Ich erinnere mich, mal eine Radiosendung über sie gehört zu haben mit dem Titel "Brünnhilde singt den Blues", wirklich faszinierend

  • Einen wunderschönen guten Tag, der Tastenwolf meldet sich zurück....

    wie gewohnt mit einem heißen Eisen, zu dem er allerdings reichlich Erfahrung gesammelt hat.

    Vielleicht vorweg die Frage - was denn die Unterscheidung von Opern- und Operettensänger_innen heutzutage noch soll?

    Die Anzahl der Theater, die überhaupt Operette auf die Bühne bringen, ist recht gering. Reine Operettenhäuser gibt es schon lang nicht mehr und die Trennung bzw. Definition der Genres wäre ohnehin zu hinterfragen.

    Kleine Theater, die in der Saison eine Operette produzieren, tun das in der Regel mit dem eigenen Ensemble, also vielseitigen Opernsänger_innen.

    Die Mode, Operetten im Musicalstil flott zu inszenieren gemeinsam mit der Schar an arbeitslosen, ausgebildeten Musicalsänger_innen führt zu einer musikalischen und choreografischen Kombination, meistens wird auch die Instrumentation aufgepeppt. (der Werbegag, daß die Operette entstaubt und mit neuem Schwung versehen wird, ist schon sehr alt...)

    Ich komme in Besetzungsfragen immer wieder auf die alte praktische Frage der KBB Chefs zurück: was sollen sie denn den fix angestellten dramatischen Sänger_innen eines Hauses zu singen geben?
    Aktuelle Beispiele bietet die Volksoper Wien: Vincent Schirrmacher singt Kalaf und Manrico, sowie nächste Saison den Alvaro in Forza (leider auf Deutsch), aber natürlich nach Bedarf des Hauses auch Operettenrollen.

    Soweit meine erste Schlußfolgerung: Sänger_innen suchen sich die Rollen nicht aus, sondern werden nach Bedarf zugeteilt bzw. verwendet.

    Der nächste Punkt betrifft natürlich die tänzerischen Fähigkeiten der jeweiligen Künstler.
    Der Trend zu schwergewichtigen Stimmen führte auch dazu, daß sich jene zwangsläufig auf der Bühne nicht gerne viel bewegen... und daher heute auch nicht so häufig besetzt werden.

    Aber ich gebe zu - am Beispiel von E.Kalman: Mariza: Grüß mir mein Wien - die bekannten Aufnahmen von Opernsängern bleiben im Ohr und setzen sich von stimmlich leichteren Ausführungen deutlich ab.
    Allerdings: die tenorale Marotte, hohe Töne als olympische Leistung darzustellen, ist wohl eher eine technische Schwäche, keine Besonderheit.
    Man hat die hohen Töne - aus körperlichen Gründen - und wegen dem dazugehörigen Training. Alles weitere ist Eitelkeit, oder sogar Unvermögen...

    Weiters: die Anforderung, Singen und Sprechen zu müssen - von manchen als Makel oder ungesunde Anforderung dargestellt wird - seit den ersten Singspielen rund um Mozarts Entführung mussten Sänger_innen auf der Bühne auch Dialoge sprechen.
    Leider zeigen Dialoge die mangelhafte Beherrschung einer Sprache noch deutlicher als Arien - bei mancher Königin der Nacht muß man diese Erfahrung machen...
    Aber auch die Dialogfassung von Carmen offenbart so manche Schwäche.


    Musikalisch gesehen gibt es keinen Grund, warum ein Unterschied gemacht werden sollte.
    - vielleicht eher darstellerisch: Die Operette verzeiht keine selbstgefällige Haltung eines Stimmbesitzers, der meint, Gold in der Kehle zu haben.
    Der Wille zu schauspielerischer Gestaltung sollte vorhanden sein, ich erinnere an das notorische Beispiel der Callas als Tosca, die die Rolle nicht nur gesungen, sondern auch dargestellt und gelebt hat.

    Ironie und Selbstironie sind für mich wichtige Merkmale dieser Kunst, kein "sich wichtig und ernst nehmen".

    Ob Operette mit Mikroport gesungen werden sollte, sei dahingestellt...

    Im übrigen bin ich der Ansicht, dass gepostete Bilder Namen des Fotografen, der dargestellten Personen sowie eine genaue Angabe des Orts enthalten sollten.
    (frei nach Marcus Porcius Cato Censorius)

  • Lieber Tastenwolf,

    ich stimme dem gelesenen (fast) vollkommen zu. Doch mache ich schon einen kleinen Unterschied:

    Als Operettensänger bezeichne ich jemanden, der zusätzlich zu dem stimmlichen Anforderungen auch eine Portion Charme und auch Tanzvermögen besitzt.


    Wieviele als "sehr gut" apostrophiert Danilos in der "Witwe" als Beispiel machen auch beim Walzer eine gute Figur?

    Wer bringt seine Partie nicht nur stimmlich und trocken, sondern auch mit dem "gewissen" Charme auf die Bühne? (Da habe ich schon so manche große Stimme in die zweite Reihe verschoben).


    Daher sehe ich in der Bezeichnung "Operettentenor" keine Herabsetzung eines sonst guten Operntenors.


    Erich

    Meine Meinung steht fest. Bitte verwirren Sie mich nicht durch Tatsachen.

  • Soeben lief im TV - Sender MDR eine Interview - und Porträt - Sendung mit dem früheren großen Wagner Tenor "René Kollo".

    Er macht erfreulicherweise, trotz fortgeschrittenem Alter, einen sehr vitalen Eindruck.

    U. a. berichtete er, daß er jetzt nochmal "fremdgeht" und eine CD aufgenommen und veröffentlicht hat mit Schlagern,

    beginnend mit "Hello, Mary Loo", mit der er seine musikalische Karriere in der Jugendzeit begann.

    Weitere Songs darauf von Sinatra, H. R. Kunze, Udo Jürgens, Westernhagen, Ebstein, Karat...


    CHRISSY

    Jegliches hat seine Zeit...

  • Reine Operettenhäuser gibt es schon lang nicht mehr

    Doch, die gibt es schon noch. Z.B. in Leipzig, wenn auch derzeit an einem Ausweichspielort, da das Operettentheater umgebaut wird.

    Einer acht´s - der andere betracht´s - der dritte verlacht´s - was macht´s ?
    (Spruch über der Eingangstür des Rathauses zu Wernigerode)