Donizetti Gaetano: Don Pasquale - Glyndebourne 2013

  • REZENSION OPER DVD


    Donizetti: Don Pasquale


    Libretto von Giovanni Ruffini und dem Komponisten
    Aufzeichnung aus der Glyndebourne 2013
    Generelle Beurteilung : überragend


    Dauer: keine Angabe
    Breitbild 16:9 HIGH DEFINITION


    Don Pasquale: Alessandro Corbelli
    Dr. Malatesta: Nikolay Borchev
    Ernesto: Alek Shrader
    Norina: Danielle de Niese
    Ein Notar: James Platt
    Eine Bediente: Anna-Marie Sullivan


    Orchester: London Philharmonic Orchestra
    Chor: Glyndebourne Chorus
    Dirigent: Enrique Mazzola
    Bühnenbild und Kostüme: Julia Hansen
    Lichtdesign: Bernd Purkrabek
    Inszenierung: Mariame Clement


    Wieder ist von eine mehr als erfreulichen, nein großartigen, werkgetreuen Inszenierung zu berichten, der man dennoch ansieht dass es eine Produktion der Gegenwart ist. Das Wort „konservativ“ oder „konventionell“ würde hier nicht passen, wenngleich es eine Aufführung ist, die durchaus librettogetreu ist.Kleinere Eigenwilligkeiten bewegen sich im Rahmen dessen, was in der Theatergeschichte immer schon gang und gäbe war – verleihen aber der Inszenierung einen durchaus eigenen Charme.
    Meine Befürchtung, diese im Vergleich zur New Yorker – Schenk-Langenfass-Inszenierung doch etwas weniger üppig ausgestattete Inszenierung würde hinter dieser blass aussehen hat sich nicht bestätigt. Die Akzente sind anders gesetzt, viel wird durch Drehbühne und eine beeindruckende Lichtregie erreicht, die Charaktäre und sogar die Pointen sind anders verteilt.
    Die Bühnenbilder sind leicht stilisiert, aber realitätsnah, Die Kostüme eher spätes 18. als frühes 19. Jahrhundert (meine diversen Opernführer variieren hier ebenfalls bezüglich der Angaben)


    Die Personen sind sehr gut charakterisiert Alessandro Corbelli lässt auch die melancholische Seite der Figur erkennen, seine Heiterkeit ist indes vorhanden, wenngleich vorsichtig dosiert.


    Danielle de Niese als Norina/Sofronia ist eine sehr gute Wahl, allerdings als „unschuldige Sofronie“ konnte sie mich – die alles übetreffende Netrebko – nicht völlig überzeugen, dar Schalk saß ihr schon zu Beginn im Nacken.
    Dr Maltesta, dargestellt von Nikolay Borchev kann mit seiner Rollengestaltung voll überzeugen. Ich hatte erwartet, dass er gegen den schalkhaft, sportlich agierenden Marius Kwieczen kaum eine Chance hätte – aber ich habe mich getäuscht. Sein Dr. Malatesta ist die Elegance in Person, eine stets allgegenwärtig agierende graue Eminenz, hintergründig lächeld, gut aussehend, immer alle Fäden in der Hand. Ein ironischer Beobachter, der seinen „Marionetten“ genüsslich zusieht. In dieser Insenierung wird angedeutet, daß er selbst einem Geplänkel mit Norina nicht abgeneigt wäre - und diese eigentlich auch nicht....


    Der Neffe Ernesto ist mit Alek Shrader IMO optimal besetzt. Das gilt nicht nur für seine Stimme, deren Timbre mir persönlich sehr zusagt, sondern auch für seine Schönheit, ein Mann der natürlich Norina begeistern MUSS.


    Nicht zu vergessen ist, dass die „Dienerschaft“ aus einer Haushälterin bestand, die durchaus präsent war – und die man aufgewertet hatte, indem sie durch ihr Verhalten der Figur – die allenfalls unter „Hausperonal“ in den Besetzungslisten zu finden ist – einen interessanten Eigencharakter verlieh.


    Nicht zu vergessen sei der Dirigent Enrique Mazzola, der oft kräftige musikalische Akzente setzte und (man sieht es am Video) am Spiel der Akteure großen Gefallen fand...Die Begeisterung war ihm ins Gesicht geschrieben - was er auch weiterzugeben wusste..


    Eine geglückte Inszenierung, welche sich hinter ihrer großen „Konkurrentin“ (MET 2010) nicht zu verstecken braucht.


    Welche nun aber nehmen ?
    Die Antwort ist einfach und für mich schon entschieden:
    So es die Finanzen erlauben: BEIDE !!


    Mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

  • Und hier noch, quasi als Nachschlag , ein Youtube-Video, wo Danielle de Niese die Inszenierung und ihre Protagonisten vorstellt - in Zivilkleidung bei den Proben. Welch ein Trost, daß all die schönen Leute ungeschminkt und ohne Kostüm auf beinahe nur normale Sterbliche sind. Welche Freude, daß die Regisseurin eine zum Zeitpunkt des Enstehens dieser Inszenierung erst 39 jährige elegante Französin, zeigt, wie witzig, einfallsreich und mit persönlicher Note man librettogetreue Aufführungen gestalten kann - wenn man sein Handwerk versteht.....
    Welche Freude, wenn man sieht, daß Alessandro Corbelli - er ist knapp drei Jahre Jünger als ich - im realen Leben ein eleganter Mann anfang sechzig ist, der uns noch etliche Jahre Freude bereiten kann.....


    Viel Spaß beim Betrachten des Promotion Videos



    mfg aus Wien
    Alfred