Otto Ackermann


  • Otto Ackermann, geboren am 5. Oktober 1909 in Bukarest, gestorben am 9. März 1960 in Wabern bei Bern, war ein in Rumänien geborener Schweizer Dirigent.


    Er studierte an der Königlichen Akademie in Bukarest, später bei George Szell und Walther Gmeindl an der Berliner Musikhochschule. Es schlossen sich verschiedene Stationen als Kapellmeister an: Düsseldorf, Brünn, Bern, Zürich, Luzern und Wien (Volksoper). 1954 wurde er zum Generalmusikdirektor an die Städtischen Bühnen Köln berufen. Ab 1958 amtierte er als musikalischer Oberleiter am Stadttheater Zürich.


    Ackermann war als Gastdirigent in zahlreichen europäischen Städten tätige und machte sich insbesondere als Dirigent von Operetten und Mozart-Opern einen Namen. Es liegen etliche Einspielungen für EMI Electrola vor.


    Nach seinem Tode im Alter von gerade 50 Jahren wurde der Dirigent auf dem Ostfriedhof in Grindelwald, Kanton Bern, beigesetzt.



    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Danke, lieber Joseph, dass du die Zeichen der Zeit erkannt hast und diesem verdienten Dirigenten einen eigenen Thread gewidmet hast. Noch am 9. März, als ich seines 55. Todestages gedachte, wunderte ich mich, übrigens nicht zum ersten Male, dass ein solcher Künstler keinen eigenen Thread hatte. Gestern hatte ich mich noch darüber gewundert, dass André Cluytens keinen eigenen Thread hat, heute war mein Erstaunen darüber nicht geringer, dass es sich mit Mstislav Rostropowitsch genau so verhielt, vorher Grumiaux und Menuhin. Die Liste ist noch lang.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).


  • Otto Ackermann begleitet mich seit frühester Jugend. Er öffnete mir die Ohren und das Herz für Operette, auf die ich - versessen auf Wagner, Bruckner und Beethoven - herablassend geblickt hatte. Operette, das ist doch keine Kunst! Operette hörten meine Großmutter und meine Tanten. Ackermann lehrte mich, genau hinzuhören und alberne Vorurteile abzulegen. So entdeckte ich Zusammenhänge. Der Unterschied zwischen meinen Hausgötter und Strauß oder Lehár wurde kleiner, bis er sich in einem globaleren musikalischen Empfingen fast ganz auflöste. Bei Ackermann entdeckte ich, was ich musikalische Toleranz nennen möchte. Als ich heute auf diesen Thread aufmerksam wurde, las ich auch noch einmal nach, was Walter Legge, der Produzent der berühmten EMI-Operetteneinspielungen - Joseph II. hatte schon deren zwei eingestellt - schrieb. "Ich hatte mir seit den dreißiger Jahren in den Kopf gesetzt, die besten Johann Strauß- und Lehár-Operetten aufzunehmen. Damals dirigierte Bruno Walter die Fledermaus mit Lotte Lehmann, Elisabeth Schumann, Maria Olczewska und Gerhard Hüsch in Covent Garden. Um dem Projekt auf die Sprünge zu helfen und außerdem das größtmögliche Publikum anzuziehen, wollte ich mit der Lustigen Witwe beginnen. Ich hatte die Besetzung zusammen, doch Karajan weigerte sich zu dirigieren, und so verging ein Jahr, bis mir plötzlich aufging, dass Otto Ackermann genau der Mann wäre, nach dem ich gesucht hatte, ein schon fast genial zu nennender Dirigent mit wunderbar flexiblem Rhythmus, einer leichten Hand, großer Erfahrung und einem sicheren Theaterinstinkt. Alles, was wir unser Leben lang gelernt hatten - wir alle waren ja der größten Musik verschrieben - wandten wir nun mit Vergnügen an." Deshalb soll auch die "Lustige Witwe" hier unbedingt erscheinen.

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Im Jahre 2003 ist übrigens bei "archiphon" eine Aufnahme von "Rheingold" erschienen, die Otto Ackermann dirigiert (Producer und Remastering: Gert Fischer). Hierbei handelt es sich um eine Rundfunkaufnahme der "Berner Studio-Oper". Die Aufnahme fand - laut Booklet - am 25. April 1951 statt. Aus finanziellen Gründen stand nur ein Orchester von 53 Musikern zur Verfügung. Also musste eine reduzierte Orchesterfassung erarbeitet werden, eine überaus verantwortungsvolle und schwierige Aufgabe für den Dirigenten. Der Produzent Gert Fischer schreibt dazu: "Für einen solchen Drahtseilakt versicherte man sich mit Otto Ackermann eines Mannes, der in jahrzehntelanger Bühnenpraxis gelernt hatte, sich mit Mängeln so zu arrangieren, dass das Ergebnis gleichwohl als eine untadelige künstlerische Leistung bezeichnet werden konnte. Orchestermusiker haben immer wieder vor allem davon berichtet, dass das Einrichten von Materialien, das Bezeichnen von Stimmen eine ganz besondere Domäne Ackermanns gewesen sei..." - Diese Einspielung ist eine meiner Lieblingsaufnahmen dieses Werkes von Richard Wagner. Die Sängerbesetzung ist sorgfältigst zusammengestellt und vermag mehr als zu überzeugen. Für mich ganz grossartig der Wotan von Heinz Rehfuss, in diesem Studio-Rahmen eine absolute Idealbesetzung. Auch die anderen Sängerinnen und Sänger gestalten ihre Partien höchst eindrücklich: Inge Borkh (Fricka), Gerty Wiessner (Freia), Waltraut Demmer (Erda und Flosshilde), Julius Pölzer (Loge), Albert Kunz (Froh), Fridolin Mosbacher (Donner), Alois Pernerstorfer (Alberich), Julius Brombacher (Mime), Manfred Jungwirth (Fasolt), Siegfried Tappolet (Fafner), Helga Kosta (Woglinde), Frieda Blatter (Wellgunde). "Die Aufnahme entstand an nur einem Tage! Und das ist zweifellos mit ein Grund, weshalb man hier den grossen inneren Spannungsbogen so stark verspürt, der das morgendliche Geschehen in den Tiefen des Rheins eng verklammert hält mit dem abend-strahlenden, unheilschwangeren Einzug der Götter in Walhall. Wer Ohren hat zu hören, dem vermittelt diese Aufnahme einen Begriff davon, wie eine 'Walküre' oder eine 'Götterdämmerung' unter Otto Ackermann's Leitung in der Wiener Staatsoper oder in der Mailänder Scala geklungen hätte. Tempi passati!" So Gert Fischer im Booklet. - Eine Aufnahme, die ich jedem Freund der Werke Wagner's wärmstens ans Herz lege.

    :hello:Grüsse von Buralicchio

  • Zitat von Buralicchio

    Im Jahre 2003 ist übrigens bei "archiphon" eine Aufnahme von "Rheingold" erschienen, die Otto Ackermann dirigiert (Producer und Remastering: Gert Fischer).


    Lieber Burliacchio, die Aufnahme wurde hier schon mal erwähnt! :)

    Übrigens es lohnt das haben zu wollen! ;)


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Lieber Buralicchio, ich freue mich, dass Du die Aufnahme wieder ins Spiel gebracht hast. Als sie auf den Markt kam, habe ich sie sofort angeschafft. Damals vor allem wegen Inge Borkh als Fricka, die mich noch vor dem Erscheinung darauf aufmerksam machte. So war ich doppelt gespannt - als jemand, der sich mit Wagner auf Tonträgern ganz grundsätzlich beschäftigt und als ein wertschätzender Verehrer der Sängerin. Diese relativ frühen Versuche, komplette Werke Wagners auch mit bescheidenen Mitteln zu konservieren, finde ich nach wie vor faszinierend. Ich käme nicht auf die Idee, müde lächelnd darüber hinweg zu hören, weil eine Aufnahme damals nur in Mono möglich war. Die sängerischen Leistungen faszinieren mich oft mehr als das unidiomatische Geschrei, das heutzutage gern als Wagnergesang ausgegeben wird. :(

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Zitat von Rheingold1876

    Die sängerischen Leistungen faszinieren mich oft mehr als das unidiomatische Geschrei, das heutzutage gern als Wagnergesang ausgegeben wird. :(

    Aber aber lieber Rüdiger, ich habe einige Aufnahmen und Liverlebnisse, Geschrei habe ich da nicht vernommen!

    Deine Aussage sehe ich eher als Vorurteil! ;)


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Die sängerischen Leistungen faszinieren mich oft mehr als das unidiomatische Geschrei, das heutzutage gern als Wagnergesang ausgegeben wird.


    Aber aber lieber Rüdiger, ich habe einige Aufnahmen und Liverlebnisse, Geschrei habe ich da nicht vernommen!

    Deine Aussage sehe ich eher als Vorurteil!

    Und ich muss in diesem Punkte "Rheingold1876" tendenziell wirklich Recht geben: Es geht im heutigen Wagner-Gesang immer mehr im Stimm-Power (schneller, höher, weiter = lauter, mächtigere, herrischer) und immer weniger um Idiomatik (Sprachverständlichkeit und Ausdruck).

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Lieber Fiesco, als neues Mitglied, noch völlig unerfahren und naiv im Forum hin und her stolpernd, habe ich leider nicht den Überblick über bereits 'Besprochenes'. Aber die Aufnahme ist es wert, wenn man sie hin und wieder erwähnt. - . Es gab damals noch viele Schätze bei der 'Berner Studio-Oper' die leider, leider nicht mit jener Wertschätzung gepflegt worden sind, wie etwa entsprechende Aufnahmen in deutschen und österreichischen Rundfunkanstalten. Aber wenigstens haben einige davon

    'überlebt' - wenn auch teilweise mit schmerzlichen Strichen.

    Beste Grüsse von Buralicchio:hello:

  • Lieber Fiesco, als neues Mitglied, noch völlig unerfahren und naiv im Forum hin und her stolpernd, habe ich leider nicht den Überblick über bereits 'Besprochenes'.

    Lieber "Buralichio", das wirft dir auch niemand vor. Solche Hinweise auf bereits frühere Beiträge zum gleichen Thema sind immer hilfreich, weil man dann gezielt das zum Thema nachlesen kann, was man noch nicht gelesen hat. :hello:

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Lieber Rheingold1876! Danke herzlich für das Echo! Damals war Inge Borkh ja noch Ensemblemitglied am Berner Stadttheater. Wie unglaublich toll wäre es, wenn man ihre erste 'Jenufa', ihre 'Wally', 'Maddalena di Coigny' noch hören könnte, die sie in Bern zum ersten Male gesungen hatte - wie auch die 'Lady Macbeth'. Ich weiss nicht genau, welche von diesen Aufführungen damals im Rundfunk übertragen worden sind. - Na ja, troppo tardi, aber wenigstens haben einige Aufnahmen überlebt.

    Liebe Grüsse Buralicchio :hello: