Sergej Tanejew (1856-1915): Die Streichquartette

  • Sergej Tanejew war ein Schüler von Peter Tschaikovsky und Nikolai Rubinstein und folgte diesen auch auf ihren akademischen Posten nach. Er war ein hervorragender Pianist, der schon mit 18 Jahren Brahms' Klavierkonzert öffentlich aufführte und auch als erster Russe das 1. Klavierkonzert von Tschaikovsky spielte. Dessen 3. Klavierkonzert hat er vollendet.
    Als Komponist ist er am bekanntesten für seine 4 Symphonien; dass er auch das umfangreichste Streichquartettschaffen im Russland des 19. Jahrhunderts vorlegte, ist weniger bekannt.


    Will man sich mit diesem Oeuvre näher beschäftigen, stellt man erst einmal ein ziemliches Chaos was Zahl und Reihenfolge der Quartette angeht fest. In den meisten Informationsquellen ist von 9 Streichquartetten die Rede. Der "Gruhle" listet 12. Mit Opus-Nummer versehen sind aber nur sieben, sechs davon sind die Quartette 1-6, warum op. 14 keine Nummer bekam, ist unklar. Die Quartette 7-9 haben keine Opus-Nummer und entstanden vor dem Quartett Nr. 1. Auch die Reihenfolge 1-6 richtet sich nicht genau nach der Entstehungsgeschichte, so entstand auch das 3. vor dem 1., wurde aber später noch einmal überarbeitet. What a mess!


    Die 9 "offiziellen" Quartette sind diskographisch zugänglich und zwar in einer Einspielung des Tanejew Quartetts aus den 70er Jahren. Derzeit bietet "Northern Flowers" diese auf 4 oder 5 einzelnen CDs an, wie lange noch, bleibt abzuwarten. Naxos hat vor einigen Jahren mit dem amerikanische Carpe Diem String Quartet eine zweite Serie begonnen; die ersten beiden Ausgaben wurden vielerorts gelobt, die dritte ziemlich verrissen, von schlecht geprobt und lustlos heruntergespielt war da die Rede. Vielleicht sollte man sich dann also doch eher an das authentischere Ensemble halten.


    Ich habe aus der Tanejew Quartett Serie nur die Quartette 8 und 9, die zwischen 1880 und 1883 entstanden. Diese Aufnahme erschien bei Zyx Music, einem der vielen kurzlebigen Melodiya-Nachfolge Label. Das mit den unattraktiven schwarzen Booklets.
    Selbiges ist auch inhaltlich dürftig, es enthält nur eine kurze Biografie und nichts über die Musik. Höhepunkt der Schlampigkeit ist dann, dass die Stereokanäle vertauscht wurden, die erste Geige also rechts sitzt und das Cello links. :thumbdown:


    Nun aber zur Musik, denn die ist deutlich besser als ihre Aufbereitung hier. Beide Quartette sind also Frühwerke, was man beim 8. auch noch hört. Ähnlich wie die frühen Dvorak Quartette ist es ein wenig zu lang geworden für das gebotene Material, fast 40 min gibt die Materie vielleicht doch nicht her. Trotzdem hörenswert. Das 9. ist dann m.E. schon ein echter Knüller, der es mit den wenigen bekannten russischen Quartetten seiner Zeit durchaus aufnehmen kann. Alle vier Sätze bringen jedenfalls hochattraktives Material und nichts wirkt hier wie eine Studienarbeit, der Komponist war ja auch schon 27. Die Aufnahmequalität ist abgesehen vom oben beklagten Lapsus anständig, das Spiel der Russen wirkt im Vergleich zu den heutigen Quartetten etwas "rustikal", aber das passt schon.

  • Ich erlaube mir mal ein wenig abzuweichen vom Thema, aber nur ein wenig, denn jetzt geht es um die Quintette. Um die zu spielen, braucht man bekanntermaßen ein Streichquartett und einen Gast. Im vorliegenden Fall drei Gäste, denn Tanejew hat ein Klavierquintett und zwei Streichquintette hinterlassen, wobei eines nach dem Mozart'schen Modell - also mit zweiter Bratsche - und eines nach Schubert mit zwei Celli eingerichtet ist.

    Das Streichquintett G-Dur op. 14 stammt von 1901, zu der Zeit hatte Tanejew schon alle Streichquartette bis auf zwei geschrieben. Es ist also ein reifes Werk nach dem Schubert-Modell. Mit dem hat es allerdings nichts gemein, es ist ein wesentlich helleres und lebensbejahenderes Werk. Drei Sätze, ein 12 minütiges Allegro, ein kurzes Vivace con fuoco und ein 20-minütiger Variationensatz, in den zum Schluß ein Thema aus der Oper "Sadko" von Rimsky-Korsakoff eingefügt ist. Ca. 5 min vor Ende kommt außerdem eine hochinteressante Passage, die schon deutlich auf Schönberg vorausweist. Das Ganze ist ziemlich musikantisch ausgerichtet, vergleichbar vielleicht Dvorak, wenn auch nicht mit so prägnanten Themen, recht kurzweilig und sehr gut zu hören. Zumal in der fabelhaften Einspielung durch das tschechische Martinu Quartett mit Jiri Barta als zweitem Cellisten. Diese Musiker sind offenkundig mit Enthusiasmus und Freude bei der Sache und da springt der Funke schnell auf den Hörer über.

  • Inzwischen steht die GA der 9 Tanejew-Quartette mit dem gleichnamigen Quartett bei mir Regal, was gut so ist, denn wer weiss, wie lange sie noch verfügbar ist und ob und vor allem wann Naxos seine Reihe mit dem Carpe Diem überhaupt zu Ende bringt. Das erste nummerierte Streichquartett entstand 1890. Es hat ungewöhnlicherweise fünf Sätze und dauerte ca. 32 min. Die ersten drei Sätze gehören gleich zum Besten was im Rußland des 19. Jahrhunderts für dies Genre geschrieben wurde und begegnen den bekannten Quartetten von Tschaikowsky und Borodin auf Augenhöhe. Der vierte Satz fällt ein wenig ab, er klingt mir zu sehr nach Brahms, der bekanntermassen nicht der begnadete Streichquartettkomponist war. Der letzte Satz - ein lockeres und fröhliches Vivace giocoso - gefällt wieder besser und bringt das Werk zu einem effektvollen Ende. Das Herzstück aber ist der zweite Satz Largo mit einer hinreissenden, zum Heulen schönen Melodie. Absolut repertoirefähig das Stück.
    Das Tanejew Quartett spielt engagiert, an den für heutige Ohren etwas rustikalen Klnag gewöhnt man sich schnell und will ihn dann auch gar nicht mehr missen. Die Aufnahme ist von 1977 und geht klanglich in Ordnung.

  • Ich habe mir - schon vor einigen Monaten - vermutlich zum Zeitpunkt des Threadstarts - 3 CDs aus der Naxos Serie mit dem Carpe diem Quartett gekauft. Ich war der Auffassung, das sollte zum Kennnenlernen reichen. Derzeit warten sie noch originalversiegelt darauf "wachgeküsst" zu werden - und daß wird passieren, sobald die tropischen Temperaturen hier in Wien soweit abgesunken sind. dass ich wieder vernünftig denken und mit Genuss (oder zumindest analytischem Verstand) auch in komplexere Werke hineinhören kann. Vielleicht finden wir in den Booklets Antworten auf die von Lutgra gestellten Fragen bezüglich Numeriern - indes - allzuviel Hoffnung habe ich nicht....


    mfg aus Wien
    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Ich habe inzwischen ein wenig recherchiert. Überraschenderweise hat sich der Harenberg-Kammermusikführer ziemlich ausgiebig mit Tanejew befasst. Ihm zufolge gibt es eigentlich nur 6 von Tanejew autorisierte Quartette. Drei weitere Jugendwerke wurden von ihm als "Versuche" abqualifiziert. Ein weiteres wurde gewissermaßen als Rohmaterial für das Streichquartett Nr 3 verwendet und wird daher nicht mehr gezählt. Die anderen drei werden laut Harenberg ohne Opuszahl geführt. Ich habe heute das (fünfsätzige) Quartett Nr 1 gehört und war überrascht wie gut es mir gefiel, speziell der verträumt liebliche 2. Satz hat es mir angetan. Das Quartett widmete Tanejew seinem Lehrer Tschaikowsky. Persönlich besitze ich die Aufnahme mit dem Carpe Diem Streichquartett von Naxos, welche meinen Ansprüchen voll genügt, Vergleichsaufnahmen stehen mir jedoch nicht zur Verfügung, sodaß ich kein endgültiges Urteil abgeben kann....

    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Teil 4 der Neuaufnahme der Streichquartette von Tanejew mit dem amerikanischen Carpe Diem String Quartet ist im Anmarsch. Vol. 1 + 2 bekammen gute Kritiken, Vol. 3 eher schlechte, ich hoffe, man hat sich hier wieder etwas mehr Mühe gegeben. Einzige Alternative zur schon etwas betagten, aber natürlich authentischen Aufnahme durch das russische Quartett gleichen Namens.


  • Inzwischen habe ich die mir noch fehlende Folge Vol 2 der Serie, sowie die neue, Vol 5 gekauft und bin bereit für weitere Beiträge zu diesem Thread.
    Ich setze dieselben mit dem 2. Streichquartett Nr 2 fort, welches am 16, November 1895 in Moskau erstmals gespielt wurde. Obwohl Taneyev mit der Aufführung nicht zufrieden war und dies auch schriftlich notierte, waren die Kritiker begeistert,


    Der Moskauer Musikkritiker, Nicolai Kashkin schrieb:
    „Nachdem wir dieses Werk gehört haben müssen wir sagen, dass es einen sehr hohen Rang in der heutigen Musikliteratur einnehmen wird, und sicher wird es die Aufmerksamkeit aller Quartettspieler auf sich ziehen.“……….“Seit langem haben wir kein (neues) Quartett gehört, welches so gut geschrieben war und mit so vollendeter Meisterschaft“.


    Besser kann man dieses Quartett nicht beurteilen. Es hat mich sofort angesprungen mit seinem ersten Satz der dunkel getönt, majestätisch und geheimnisvoll raunend daherkommt.
    Zugleich fremd und vertraut. Und dennoch wüsste ich nicht, an wen mich diese Tonsprache erinnern sollte.


    Eine zwei Jahre später stattfindende Aufführung war geradezu perfekt, nämlich jeden vom 16. Oktober 1897, wo die Mitglieder des Tschechischen Quartetts (Hanus Wihan, Karel Hoffmann, Josef Suk und Oskar Nedbal). Tanayev betrachtet diesmal das Spiel als Spitze der Perfektion und die ebenfalls anwesende Ehefrau von Leo Tolstoi (selbst ebenfalls Schriftstellerin) bezeichnete das Quartett als letztes Wort in Sachen neuer Musik: Ernst, komplex, unerwartete harmonische Kombinationen beinhaltend, eine Welt von Ideen und großer Meisterschaft.


    In der Tat ersparen mir die historischen Zitate jegliche Meinungsäußerung. Es ist fast alles gesagt – Bemerkenswert ist indes, dass es in wesentlichen Zügen heute noch gilt.


    Mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Ein neuer Player im Tanejew-Geschäft: das California String Quartet, das hier wohl ihre Debut CD präsentiert. Ob es die 3. GA wird bleibt abzuwarten, die Kritik zu dieser CD im renommierten Strad-Magazine ist jedenfalls positiv.

  • Ich erlaube mir mal ein wenig abzuweichen vom Thema, aber nur ein wenig, denn jetzt geht es um die Quintette …


    So auch hier noch einmal – möchte auf eine neue Scheibe hinweisen, die noch nicht erwähnt wurde:



    Streichquintette opp. 14 & 16


    Utrecht String Quartet


    Aufnahme von 2015


    Das entdeckungsfreudige Utrecht String Quartet hat sich jetzt an eine lRehabilitation gemacht:


    Rechtzeitig zum 100. Todestag legen die Niederländer, zusammen mit Pieter Wispelwey und Alexander Zemtsov, die beiden Streichquintette Tanejews in einer Neueinspielung vor, die die russische Kammermusik um die Wende zum 20. Jahrhundert in einem neuen Licht erscheinen lässt.

    Einer der erhabensten Zwecke der Tonkunst ist die Ausbreitung der Religion und die Beförderung und Erbauung unsterblicher Seelen. (Carl Philipp Emanuel Bach)

  • Hallo liebe Forumskollegen,


    oben wurde schon das Pianoquintett op. 30 erwähnt. Es gehört tatsächlich zu den von mir sehr geschätzten Werken ganz besonders in einer Einspielung mit Mikhael Pletnev, Lynn Harrell und anderen, auf die ich an dieser Stelle gerne aufmerksam machen möchte.


    Sergej Taneyevref=sr_1_12?__mk_de_DE=ÅMÅŽÕÑ&dchild=1&keywords=Pletnev+taneyev&qid=1593462521&sr=8-12

    Leider scheint diese Aufnahme als CD nicht mehr erhältlich, man kann sie aber streamen.


    Eine neuere Aufnahme stammt von der Pianistin Anna Zassimova und Kollegen, die in meinen Augen nicht dieselbe Tiefe aufweist, aber auch ihre Reize hat.


    Anna Zassimova

    Ich möchte ungerne hier eine leidige Diskussion über Interpretationen anstoßen. Beide hier genannten bieten Einblicke in diese wunderschöne komplexe Musik.


    Beste Grüße,

    Axel


    PS leider bin ich nicht wirklich in der Lage, die Bilder mit den entsprechenden Seiten zu verlinken und bitte hier um Hilfe

  • Zitat

    Ich möchte ungerne hier eine leidige Diskussion über Interpretationen anstoßen. Beide hier genannten bieten Einblicke in diese wunderschöne komplexe Musik.

    Hallo, Axel!


    Ich müsste eigentlich auch zwei Einspielungen dieses Tanejew-Quintettes finden. Zassimova ist jedenfalls dabei - und die andere, die Du benennst, ziemlich sicher nicht. Daher nütze ich demnächst Deine Anregung zur Sichtung und Überprüfung.


    Interpretationsvergleiche finde ich stets interessant. Man sollte dabei aber eine gewisse Toleranz walten lassen. Denn über viele Dinge lässt sich trefflich streiten. (Wobei mir schon klar ist, dass ich hier eine Binsenweisheit zum Besten gebe, noch dazu off topic, wie der Deutsche so sagt.)


    Ich gehöre jedenfalls zu den Hörern, die mit sehr unterschiedlichen Konzepten und Zugangsweisen gut und gerne zurechtkommen und damit viele interessante Erfahrungen gemacht haben. "Leidig" wird mir die Sache allenfalls dann, wenn jemand eine sehr eingeengte Erwartungshaltung erkennen lässt. Und natürlich gibt es schwache Aufnahmen aus unterschiedlichen Gründen - dann aber muss man die Kritik auch begründen können, und zwar jenseits eines reinen Geschmacksurteils.


    :)Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • Ich begebe mich wieder in den Kernbereich dieses Threads nämlich zu den Quartetten. Und hier ist bei mir das Streiochquartett Nr 3 op 7 an der Reihe. Es eintstand in seiner entgültigen Form 1896, wobei es eine erste Version von 1886 gab.Das Quartett ist zweisätzig, wobei der Schwerpunkt auf dem 2. Satz liegt, der aus einem Thema und acht Variationen besteht. Der Erste Satz ist eindringlich und ich habe nach einer Definition gesucht und sie gefunden: "Aggressive Melancholie" Das ist natürlich etwas plakativ und übertrieben, aber mäherungsweise kann ich so meinen Eindruck beschreiben.

    Der zweite Satz ist zumindest zu Beginn wesentlich leichter und verspielter. Als ich im Booklet den Begriff von "mozartzhafter Leichtigkeit" las war ich zunächst eher skeptisch, aber in Teilen trifft es den Charakter recht gut, wobei immer wieder tiefsinnige Passagen auftreten.

    Ein Quartett, das IMO kein Kammermusikliebhaber übersehen sollte...


    mfg aus Wien

    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • angeregt durch die Diskussion über Taneyev habe ich mich an das vierte Steichquartett begeben in der Aufnahme mit den Carpe Diem Streichquartett



    tatsächlich gibt es zu diesem Quartet einen Wikipedia Eintrag, auf den ich hier verweise. Die Einspielung des Carpe Diem Quartetts vermittelt auf jeden Fall einen Eindruck von der Polyphonie, der Rhythmik und Chromatik des Stückes und läßt einen beeindruckt davon zurück. Allerdings hat man an einigen Stellen den Eindruck, als würde etwas gebremst musiziert.


    Deswegen verweise ich noch auf eine Einspielung des Leningrader Taneyev Quartetts, die natürlich auch dem Namen verpflichtet sind. :)


    Leider ist sie älter und akustisch nicht ganz auf dem Niveau der Naxos Aufnahme:


    Aber es wird mit Begeisterung gespielt und man bekommt einen klareren Eindruck, was als polyphone Folgerung von Mendelssohn und tonale und rhythmische Annäherung an Bartok verstanden werden könnte. Sogar das Volkslied scheint im vierten Satz sich Gehör zu verschaffen


    Es grüßt mit Begeisterung,

    Axel

  • Tanejew: Streichquartett Nr 4 op 11


    Ich springe hier auch wieder auf den Tanejew-Zug auf. Nachdem was ich in diversen Quellen über dieses Quartett gelesen hatte (progressiv, teilweise dissonant etc) war ich auf das Schlimmste gefasst, denn ich liebe keine sperrigen Werke.

    Überraschenderweis empfand ich das Streichquartett Nr.4 trotz zahlreicher turbulenter Stellen als durchwegs eingängig und irgendwie auch vertraut.

    Vielleicht ist aber auch die Interpretation des Carpe Diem String Quartets die mir das Werk gefällig (im weitesten Sinne) erscheinen läasst, das was astewes als "Allerdings hat man an einigen Stellen den Eindruck, als würde etwas gebremst musiziert." bezeichnet hat.

    Ich würde sagen, daß hier - bei allem Temperament - niemals sperrig oder spröde musiziert wird - sondern immer im Rahmen.


    Hier ein Text von Tanejev, wo er die Gedanken über die Arbeit an dem Streichquartette Nr 4 a moll op 11 festhält


    In the peace of a monastery. for over a week

    I have lived here alone writing my A-minor Quartet

    for two Violins Viola and Cello

    but I am tired, I hve no more strength to write;

    I shut my notebook, and my frivolous thought

    from the depths of fugues and contrapuntal debris

    transports me to a chessboard


    mfg aus Wien

    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Ich mache weiter mit dem Streichquartett Nr 5 op 13. Das Stück wurde 1903 im Zeitraum von etwa 7 Monaten geschrieben.

    es ist viersätzig mit einer Spieldauer von ca 24 Minuten


    Allegro con spirito

    Adagiao Espressivo

    Allegro molto

    Presto


    Für ein Werk der Entsehuingszeit bemerkenswert "klassisch" und stellenweise betörend schön (1 Satz !!) sehr schwankend in den Stimmungen, das "adagio espressivo" ist äusserst schillernd und eigenwillig.

    Es ist bemerkenswert wie wenig Interesse Teanejew in diesem Forum zuteil wird - und - ebendfalls auffällig - wie viele Aufnahmen seiner Werke existieren- Er war nicht nur Schüler von Nikolai Rubinstein und P- I. Tschaikowsky (mit letzterem war er dann lebenslönglich befreundet) sondern auch Lehrer von Skrijabin, Gliere und Rachmaninow.


    Hier eine Vorschau aus einer anderen Aufnahme mit dem Taneyev Quartett für "Northern Flowers"




    mfg aus Wien

    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • hallo Alfred,


    ich habe mir beide Aufnahmen des fünften Streichquartetts angehört und möchte zu Deinen zwei Fragen Stellung, was mich angeht, beziehen


    Sein Klavierquintett, Klaviertrio haben mit den oben erwähnten Einspielungen Interpretationen erfahren, die den bedeutenden Gehalt der Musik widerspiegeln. Bei den Streichquartetten bin ich mir da nicht so sicher.

    Nehmen wir Nr. 5 op. 13. Der erste Satz wird vom Carpe Diem so gespielt, dass man mit etwas Willen noch ganz gut folgen kann, aber schon das Adagio und ganz besonders die großartigen dritten und vierten Sätze werden in meinen Ohren so lustlos „gegniedelt“, dass es ziemlicher Anstrengung bedarf, sich den musikalischen Gehalt vorzustellen. Das Ensemble unterstützt da wenig.


    Anders das auch von Dir angeführte Taneyev Quartett. Hier kann man erahnen, was alles in der Musik drinsteckt.


    Taneyevs Musik selbst scheint wenig auf Außenwirkung hin konzipiert zu sein. Die Stimmführung, die dynamischen Ausbrüche und vieles mehr entfalten ihren Reiz nur beim intensiven Zuhören. Hier kommt die technische Qualität der Aufnahme mit dem Taneyev Quartett störend ins Spiel. Die Schärfe in den Höhen belastet auf die Dauer.


    Das könnte erklären, warum ein so bedeutender Komponist so großartiger Kammermusik nicht gehört wird.


    Das erklärt leider nicht die traurige Aufnahmensituation. Eigentlich sollten sich mehr Ensembles dieser Herausforderung stellen. Hier ist ein Komponist am Beginn der Moderne, der eigenes zu sagen hat neben den üblichen Verdächtigen...


    Ein kleiner Lichtblick ist die oben im Thread schon erwähnte Einspielung des California String Quartetts, Auch wenn es einzelne nich ganz überzeugende Stellen gibt, hört man hier mit Freude und Begeisterung zu. Es scheint aber nur genau diese Aufnahme und keine weiteren zu geben. Schade.


    Es grüßt

    Axel