Schubert, Franz: Impromptus
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Artur Schnabel
Ich wurde durch das Projekt "Schubert +" angeregt diesen Thread hier aufzusuchen, mir Anregungen zu holen und gegebenfallss auch ein Quentchen beizutragen.
Bevor ich mich den Neuaufnahmen (insbesondere Can Cakmurs - aber nicht ausschließlich) Aufnahmen widme gehe ich zurück zum "Urvater" von Beethovens und Schuberts Musik für Klavier solo. Er galt seit den 30er Jahren als unangefochtene Konkurrenz. Leider sind wir mittels Schllplatte nur bedingt in der Lag das nachzuvollziehn, bzw ob seine damals propagierte Überlegenheit heutigen Konkurrenten standhält. Ich würde überspitzt mal formulieren:NEIN
Das liegt einerseits an seinem eher kräftigen als subtilen Spiel, andrerseits an einer suboptimalen Aufnahmetechnik. Hier war es nich gut möglich geinst Dynymikunterschiede aufzunehmen bzw auszukosten, weil man sich stets der Gefahr der Übersteuerung oder der hohen Grundrauschens ausgesetzt sah. Die Tontschniker der damaligen Zeit(en) kannten die Grenzen der damaligen Technik und mussten in zusammenarbeit mit den Interpreten jeweils einen Kompromiss finden. Schnabe mutierte - nachdem er sich lange Aufnahmen verweigert hatte - zum Pionier von Aufnahmen der gesamte Beethoven Klaviersonaten uns Stücken für Klavier solo und später sollte ein Schubert Zyklus folgen, der aber wurde durch Kriegswirren unterbrochen und nachher nur bruckstückweise zu Ende gebracht. Die Impromptus D.935 sind silch ein Relikt aus der Nachkriegszeit. Hier konnten bei der Restaurierung die in passablen Zustand befindlichen Originalbänder Verwendung finden - daher ein relativ guter Gesamtton.
Diese 4 Imprumptus (Schubert hat sie selbst zu bezeichnet) wurden von Robert Schumann (und etlichen Nachfolgern) als verkappte Klaviersonate gesehen, andererseits wurden sie zeitweilig als Fortsetzung von D.899 geführt, als Nr. 5-8
Sie ist nicht so vordergründig eingängid wie Nr 2 und speziell Nr 3 - aber bei konzentriertem Hinhören offenbart sich ihre Schönheit und Größe
Insbesondere die Qualität und Machart verweist auf eine geplante Klaviersonate. Das Impromptu, eine Art Ländler ist oberflöchlich heiter und hell, offenbart aber bei genauem Hinhören auch melancholische Züge. Das Improptu Nr 3 ist vermutlich das beliebteste, weil eingängigste. Ein Ohrwurm. Er besteht aus Variationen der Schauspielmusik zu "Rosamunde" Unerklärlicherweise hat Robert Schumann dieses Werk vehement abgelehnt. (IMO nicht sein einziges Fehlurteil !!)
Interessant auch Schumanns Bemerkung zum Impromptu Nr 4. Er fühlte sich an Beethovens Werk "Die Wut über den verlorenen Groschen" erinnert, und übersah offenbar den spanischen Ton, den dieses Stück unverkennbar prägt.
A pro pos "übersehen" ich war sehr traurig, daß auf meiner Schubert-Schnabel-Box die Impromptus nicht enthalten waren. Durch eine Bemerkung von Nemorino. wo er eine solche Aufnahme erwähnte, wurde ich veranlasst genauer zu schauen. Und siehe da: Sie war da - ich hatte sie übersehen.
Hier eine Kostprobe, wobei ich hinweise, dass es die vermutlich beste Aufnahme dieser Box ist (1950) Der Rest stammt aus den Dreissigerjahren.....
(ist aber respektabel)
mfg aus Wien
Alfred
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Wilhelm Kempff
Im knappen - aber immerhin vorhandenen Booklet der oben gezeigten Schnabel-Box wird am Schluss kurz auf Nachfolger von Schnabel hingewiesen, die "zögerlich" in seine Fußstapfen traten, und so in Schnabels Nachfolge zu sehen sind. Genannt wurden hier Wilhelm Kempf und Claudio Arrau. Krmpf Klaviersonaten und -Werke habe ich komplett in meiner Sammlung. Arrau scheint mir, hat nur die letzten"großen" Soantan aufgenommen - ein Schubert-Spezialist scheint er also nicht gewesen zu sein. Es ist nichts zu finden- auch nichts "historisches"
Bleiben wir also bei Wilhelm Kempff, dessen Aufnahme der Impromptus D 935 ich soeben gehört habe. Ich bin begeistert. Wenn man immer wieder gehört - nd nachgeplappert hat, Kempffs Stil wäre überholt und dann mit der Realität (auf CD) konfrontiert wird, der wird jubeln, Schlank, frisch, lyrisch,optimal durchhörbar, aber mit dem richtigen Zupacken wo der Notentext dies vorsieht, veredelt durch eine vorzügliche Aufnahmetechnik (1965 - Balance Engeneer: Klaus Scheibe)
präsentiert sich die Interpretation im besten Licht. Das Klavier wird namentlich nicht erwähnt, aber ich glaube 1965 ging man bei DGG noch von der Annahme aus, daß "Klavier" gleichbedeutend mit Steinway sei. Wie dem auch sei, das Klavier klingt farbenfroh und etws schlanker, als man es von einem Steinway erwarten würde. Konzertflügel sind ja bekanntlich Chamäleons.....
mfg aus Wien
Alfred
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Claudio Arrau
Nun wäre Arrau an der Reihe. Das Problem ist nur, daß meine Arrau-Sammlung winzig ist. 2 CDs mit den Sonaten D958-960 und den Impromptus D899. D935, um das es hier geht, fehlt. Es war schwer eine gebrsuchte 5 CD Box mit Werken von Schubert zu finden. Die ist auch nicht vollständig, logischerweise. Warum man aber dort ausgerechnet D 958 weggelassen hat ist mir schwer nachvollziehbar, kann mir aber gleich sein, denn die habe ich auf meiner Doppel CD. Das worauf es ankommt, D 935 ist indes vorhanden. Die Box ist bestellt. Arrau sollte unverzichtbar sein, denn er ist 1903 geboren und war im Kindesalter Schüler von Martin Krause (1853-1918) , einem Meisterschüler von Franz Listzt. Ich selbst habe Arrau in seinen letzten Lebensjahren noch im Wiener Musikverein mit Beethovens Klavierkonzert Nr 5 erlebt. Schon am youtube Videoclip kann man erkenne, daß er einen völlig eigenen Stil spielt....Arrau polarisiert hier. Ähnlich fie Glenn Gould wird er bewundert oder gehasst. Manch einer sieht hier ein Parodie. Andere sind begeistert. Immerhin ein anderer Blick auf das Werk.
Ich bin aber schon neugierig auf die komplette Aufnahme - muß also noch ein paar Tage warten.......
mfg aus Wien
Alfred
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Einer meiner Schätze in meiner Sammlung ist dieser Claudio-Arrau-Brocken mit allen Philips & American Decca Recordings auf 80 CDs.
Er ist beim Werbepartner vergriffen.
Darin enthalten:
CD 37-41 Schubert: Klaviersonaten D. 664, 894, 958-960; Impromptus D. 496, 899, 935; Moments musicaux D. 780
Bei den Hörschnipseln ist ab CD 32 Schluss.
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Die Aufnahmen der Sonate D. 894, der Impromptus D. 935, der Klavierstücke D. 946 und der Moments Musicaux D. 780 gehören zu den "last recordings" des Pianisten. Obwohl sie ihren Reiz haben (1. Satz D. 894 !!!), sind sie zuweilen leider auch ein bisschen holprig (bpsw. das beliebte D. 780 Nr. 3).
Klanglich sind es mit die besten Klavieraufnahmen, die ich überhaupt kenne.
Wer Can Çakmur schätzt, wird sich hier eher verstört abwenden.
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Es war schwer eine gebrsuchte 5 CD Box mit Werken von Schubert zu finden. Die ist auch nicht vollständig, logischerweise. Warum man aber dort ausgerechnet D 958 weggelassen hat ist mir schwer nachvollziehbar, kann mir aber gleich sein, denn die habe ich auf meiner Doppel CD.
Lieber Alfred,
zum Glück habe ich die Philips-Erstveröffentlichung mit den kompletten Sonaten. Danach kam die weiße Serie von Philips-France heraus. Da nehme ich an, sind die Sonaten auch vollständig. So etwas ärgert jeden Sammler. Da gibt es leider auch andere Beispiele: EMI z.B. Bei der Erstveröffentlichung der gesamten Aufnahmen von Dinu Lipatti fehlte eine CD, auch der Michelangeli war zuerst nicht vollständig, so dass ich auch noch die Zweitauflage der Box kaufen musste. Der Grund scheint zu sein, dass sie wegen der Zusatzveröffentlichung der alten Aufnahmen aus den 1950igern wohl nicht noch eine CD brennen wollten.
Arrau polarisiert hier. Ähnlich wie Glenn Gould wird er bewundert oder gehasst. Manch einer sieht hier ein Parodie. Andere sind begeistert. Immerhin ein anderer Blick auf das Werk.
Naja, Arrau ist immer sehr gediegen und gilt als gewissenhaft werktreu. Solche Capricen wie Gould hat er sich nie erlaubt! Er ist allerdings nun nicht unbedingt "der" Schubert-Interpret. Aber es ist immer lehrreich und ein Gewinn, ihn zu hören. Es ist auch immer gut, besonders zu seinen letzten Aufnahmen seine Konzertmitschnitte als Alternative zu haben. Da schaue ich heute Nachmittag nochmals.
Liebe Grüße
Holger
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Über Claudio Arrau
Die Aufnahmen der Sonate D. 894, der Impromptus D. 935, der Klavierstücke D. 946 und der Moments Musicaux D. 780 gehören zu den "last recordings" des Pianisten. Obwohl sie ihren Reiz haben (1. Satz D. 894 !!!), sind sie zuweilen leider auch ein bisschen holprig
Naja, Arrau ist immer sehr gediegen und gilt als gewissenhaft werktreu. Solche Capricen wie Gould hat er sich nie erlaubt!Siehe den Einwand von Christian B. Und das ist kein Einzelfall. Einige Personen im Internet bezeichneten die Interpretation sogar als Parodie. Aber sofort wurde er verteidigt.
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Wer Can Çakmur schätzt, wird sich hier eher verstört abwenden.
Es ist schön, daß Du Can Calmur hier erwähnst. Derzeit dürfte edoch noch ziemlich unbekannt sein. Er war eigentlich der Grund ich wieder in diesen Thread eingestiegen bin. Um sein Spiel einschätzen zu können,ist es hilfreich einige Größen der Vergangenheit kennenzulernen. Da bin ich draufgewkommen, daß dieser Tread - so lang er ist, von ein parr persönlichen Lieblingen abgesehen, sich eher oberflächlich mit den Interpretationen von D935 befasst hat. Ist ach nicht mehr so notwendig wie früher, weil wir ja jetzt unterstützend Beispielclips einfügen und verlinken können. Cakmur habe ich mir für etwas später sufgehoben (was nicht bedetet, daß sich jemand früher damit befassen darf) weil ich zuerst ein paar "Referenzen" wieder ins Gedächtnis rufen wollte. Zum Anfixen. Ich bin da in meine eigene Falle gelaufen. Seit einiger Zeit höre ich alte Aufnahmwn, vergleiche mit neuen, plündere meinArchiv und kaufe laufend Aufnahmen mit einstigen und gegenwärtigen Interpreten. Schlecht füs Bankkonto - gut fürs Sammlerherz...
mfg aus Wien
Alfred.
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Siehe den Einwand von Christian B. Und das ist kein Einzelfall. Einige Personen im Internet bezeichneten die Interpretation sogar als Parodie. Aber sofort wurde er verteidigt.
Im Internet wird aber viel B.... geschrieben, würde ich da sagen und das nicht Ernst nehmen. Arrau hat unglaublich viele Aufnahmen gemacht. Auch im ganz hohen Alter. Er war erstaunlich fit. Aber manches klingt in der Tat dann altersbedingt etwas holprig, das stimmt. Da hat man dann aber meist die Alternative von ihm selbst aus jüngeren Jahren. Dazu sollte man aber wissen, dass Arrau, völlig uneitel als Virtuose, auf Geläufigkeits-Eleganz nie Wert legte. Er nahm mit Absicht die unbequemen Fingersätze, wo es dann nicht so glatt lief, weil ihm die Sinnverdeutlichung wichtiger war.

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Das ist gespeilt in Amsterdam 1978. Impromptu Nr. 3 Wiederum ungemein lehrreich. Bei Arrau hört man nicht nur wie sonst eine fließende Wellenbewegung, sondern sehr genau die harmonische Struktur.
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Das ist gespeilt in Amsterdam 1978. Impromptu Nr. 3 Wiederum ungemein lehrreich. Bei Arrau hört man nicht nur wie sonst eine fließende Wellenbewegung, sondern sehr genau die harmonische Struktur.
Ja genau! Ich schätze deswegen diese Einspielung sehr, auch wenn Arrau harmonische Reibungen mehr ausspielt als üblich. Die später aufgenommenen Zyklen D. 935 und D. 946 sind da noch extremer.
Die Klavierstücke D. 946 hat er bereits in den 50er Jahren gespielt, es gibt bei Warner eine digitale Neuauflage (zusammen mit D. 760 und D. 780!). Erstaunlicherweise sind die Tempi über die Jahrezehnte sehr ähnlich geblieben und schon als junger Mann hat sich Arrau für die ersten beiden Stücke von D. 946 jeweils ca. 15 Minuten Zeit genommen.

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Die Klavierstücke D. 946 hat er bereits in den 50er Jahren gespielt, es gibt bei Warner eine digitale Neuauflage (zusammen mit D. 760 und D. 780!). Erstaunlicherweise sind die Tempi über die Jahrezehnte sehr ähnlich geblieben und schon als junger Mann hat sich Arrau für die ersten beiden Stücke von D. 946 jeweils ca. 15 Minuten Zeit genommen.
Lieber Christian,
ich habe noch die schwarze EMI-Box mit sämtlichen Aufnahmen für EMI, wo all das drin ist. Muss ich mir wieder mal anhören! Einen älteren Mitschnitt der Impromptus habe ich nicht gefunden in meiner Sammlung.

Schöne Grüße
Holger
