ADRIAN AESCHBACHER - SCHNABEL-Schüler und würdiger Nachfolger von EDWIN FISCHER

  • Hallo Nemorino,


    Der EUGÉNE YSAYE-Schüler CHRISTIAN FERRAS konnte immerhin schon mit 18 Jahren Welterfolge verzeichnen, sein Spiel wurde von den größten Dirigenten, und auch von seinen Geiger-Kollegen in jungen Jahren gerühmt. Schon auf Grund seiner großartigen Einspielung des BRAHMS-Violinkonzertes unter SCHURICHT - und natürich noch vieler anderer - sollte er für die Nachwelt unvergessen bleiben.


    Daß AESCHBACHER bei Joachim Kaiser keine Erwähnung findet, ist schon fast unverzeihlich. Aber es gibt auch andere große Pianisten, die in seinem Pianisten-Standardwerk durch Abwesenheit glänzen. Auch GILBERT SCHUCHTER wird von Joachim Kaiser ignoriert, der immerhin eine sehr sorgfältige Gesamteinspielung von SCHUBERT's Sonaten vornahm (ich meine, daß es FRIEDRICH WÜHRER war, der als erster ab 1950 die Sonaten auf LP einspielte), ebensowenig findet JAKOB GIMPEL Erwähnung, und MICHAEL PONTI wird gerade einmal mit SKRJABIN am Rande erwähnt. PONTI, der sich mit soviel Verve und großem Können für die vergessenen Romantiker-Konzerte wie RAFF, MOSCHELES, HENSELT etc. einsetzte, und CONRAD HANSEN wird als nicht konkurrenzfähig gegen die Weltelite auch nur kurz erwähnt. Das Wissen Joachim Kaisers über alles, was mit dem Klavier und dessen Interpreten zusammenhängt, war gewiß gewaltig und sein Werk erstaunenswert, doch hatte er auch seine Präferenzen und nicht immer nachvollziehbare Ansichten.


    Viele Grüße

    wok

  • Daß AESCHBACHER bei Joachim Kaiser keine Erwähnung findet, ist schon fast unverzeihlich.

    Hallo wok,


    bei allem Respekt vor Joachim Kaiser, die Auswahl seiner "Großen Pianisten" weist erhebliche Mängel und Auslassungen aus.

    Da ist AESCHBACHER in guter Gesellschaft: Kaiser erwähnt z.B. mit keinem Wort eine Kapazität wie Hans Richter-Haaser, der nicht nur eine überragende Aufnahme des 2. Brahms-Konzerts hinterlassen hat,

    Karajan Conducts Brahms: Piano Concerto 2 by Brahms (2004-01-01)

    mit Herbert von Karajan und den Berliner Philharmonikern (1958, STEREO), sondern auch großartige Einspielungen der Klavierkonzerte von Schumann und Grieg (Philips), sowie u.a. auch diverse Sonaten von Beethoven und Schubert (EMI).

    Auch die durchaus international bekannten Pianisten Stefan Askenase und Támas Vásáry kommen bei ihm nicht vor. Oder was ist mit Rosalyn Tureck?Das sind Namen, die mir gerade spontan in den Sinn kamen; es gibt bestimmt noch eine ganze Reihe anderer, die unerwähnt bleiben. Da spielen natürlich auch immer persönliche Empfindlichkeiten mit hinein.


    Es freut mich jedenfalls, daß ADRIAN AESCHBACHER hier immerhin eine Würdigung erfahren hat. Ich möchte meinen Beitrag mit der 45 cm-Platte schließen, mit der ich Ende der 1950er Jahre erste Bekanntschaft mit ihm gemacht habe:

    Rondo a capriccio G-dur op 129 / Albumblatt Für Elise a-moll op. 33 Nr. 1 / 30 323 EPL

    Kurze Stücke von Beethoven, u.a. "Die Wut über den verlorenen Groschen". Leider ist sie, wie manches andere, verloren gegangen.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Hallo Nemorino,


    Bezüglich der Lücken in Joachim Kaiser's Werk kann ich nur nochmals beipflichten. Pianisten wir HANS RICHTER-HAASER, STEFAN ASKENASE oder TÁMAS VÁSÁRY zu vergessen oder ignorieren, kann man eigentlich nicht nachvollziehen und verzeihen. RICHTER-HAASER setzte die gute Tradition eines WILHELM BACKHAUS fort und galt als großer Pianist der deutschen Schule. Für ihn galt Musik nicht in erster Linie nur als Unterhaltung, sondern es war ihm sehr daran gelegen, sie als Kunst zu behandeln und verantwortungsvoll zu vermitteln. Ich hörte ihn am 11.05.1967 in Bad Pyrmont mit dem Westfälischen Sinfonie-Orchester mit BEETHOVNE's 3. Klavierkonzert und erinnere mich noch heute an seinen souveränen Auftritt. Und STEFAN ASKENASE eiinfach in seinem Buch zu unterschlagen, geht schon gar nicht. Er galt jahrzehntelang als der große Poet des CHOPIN-Spiels, und ich liebte seine introvertierte Art wie er diese Musik spielte. Aber nicht nur Joachim Kaiser hat ASKENASE vergessen, sondern auch in der Nachwelt spielt er ähnlich wie VÁSÁRY nicht mehr die Rolle, die ihm eigentlich gebührt. Deshalb ist es ganz wichtig, daß sich immer wieder Melomanen auch heute noch finden, die diesen großen Künstlern durch immer neue Hinweise auf deren Lebenswerk Gerechtigkeit widerfahren lasen.


    Viele Grüße

    wok

  • Zitat von nemorino

    Lieber Willi,


    ich berichtige nicht gerne, aber beim heutigen Eintrag zum Geburtstag meines Lieblingsdirigenten Otto Klemperer ist Dir ein Tippfehler unterlaufen. Klemperer starb am 6. Juli 1973.

    Lieber nemorino,


    schönen Dank für den Hinweis, ist schon repariert. Komischerweise habe ich gerade festgestellt, dass das Datum in meinem Schriftsatz vom 6. 7. 2018 stimmt.


    LG


    Willi

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).