Dinorah Varsi - fliessender Klang und konzentrierte Kraft

  • Der uruguayischen Pianistin Dinorah Varsi (1939-2013) hat das Label Genuin ein editorisches Denkmal gesetzt: auf 35 CD und 5 DVD kann man ihrem Klavierspiel lauschen. Im 112 Seiten dicken Buch erfährt man mehr über diese Pianistin.



    Ich habe mich erst durch einige Aufnahmen durchgehört. Ihr Chopin ist eigenwillig, was ich schon als Kompliment sehen möchte, auch wenn nicht alles von der Konzeption mir verständlich ist. Ihr Schumann wirkt auf mich etwas schwer, manches tönt durchaus poetisch, anderes ist mir zu schwerblütig. Bei Schubert hebt sie gewisse Stellen zu stark hervor. Da tönt nicht alles selbstverständlich. So jetzt ist genug gemäkelt. In diesen Aufnahmen begegnet mir eine reflektierende grosse Persönlichkeit, die ihre Klangvorstellungen umsetzt.


    Unter diesem Link gibt es noch mehr Informationen: "http://www.dinorahvarsi.com" Bitte Link zwischen den Anführungszeichen kopieren. Ganz unten sind Filme zu verschiedenen Komponisten abrufbar, in denen Dinorah Varsi erlebt werden kann. Bei Bach, Chopin und Debussy erläutert sie die Werke.


    Eine der fünf DVDs der Box ist ihren Meisterkursen gewidmet. Von ihrem Gestus und ihrem gewinnenden Wesen in ihrer pädagogischen Arbeit erfährt man mehr, wenn man sich diese kurze Szene anschaut (Chopin Sonate b-Moll). Wie entsteht am Klavier Kraft, wie ein Agitato.



    Von ihrer pianistischen Technik kann man sich ein Bild in Sergei Rachmaninoffs Paganini-Variationen op. 43 in diesem auf YouTube anklickbaren Live-Konzert mit den Radio Sinfonieorchester Berlin unter Eliahu Inbal machen.



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    Die Beschäftigung mit Musik, selber spielend, hörend, im Nachdenken über sie und in der Diskussion im Forum soll Freude bereiten.

    Den Bratschenklang liebe ich wie der anderer tief klingender Instrumente: Bariton-Saxophon, Bassklarinette, Fagott, Kontrabass spiele ich neben anderen selber. Schubert ist mein Lieblingskomponist. Musik geniesse ich.

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  • Lieber moderato,
    erst heute habe den von Dir angestoßenen thread gefunden und danke Dir sehr dafür, dass Du dieser Pianistin zu mehr Sichtbarkeit verholfen hast. Diese hat sie allemal verdient, auch wenn manche ihrer Interpretationen wirklich eigenwillig sein mögen. Da die angesprochene Box nicht ganz billig ist, habe ich sie leider nicht, aber einige Aufnahmen befinden sich in meiner Sammlung. Mir haben die Chopin-Etüden gefallen und ich habe auch eine Aufnahme der Kreisleriana in einer äußerst temperamentvollen Konzertaufnahme (mich hat Angerich’s Schumann immer ein wenig an Varsi erinnert). Gerade das YouTube Video zu ihrer Lehrtätigkeit ist ganz wunderbar.


    Vielen Dank
    und beste Grüße
    JLang

    Gute Opern zu hören, versäume nie
    (R. Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln)

  • Zur Sichtbarkeit verholfen - JLang hatte mein Engagement für die Pianistin Dinorah Varsi mit diesen Worten gewürdigt. Nur im Forum blieb das Echo auf diese eine Antwort beschränkt.

    Vielleicht liest jemand diese Zeilen und nimmt sie zum Anlass sich mit den eigenständigen Interpretationen zu beschäftigen.

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    Die Beschäftigung mit Musik, selber spielend, hörend, im Nachdenken über sie und in der Diskussion im Forum soll Freude bereiten.

    Den Bratschenklang liebe ich wie der anderer tief klingender Instrumente: Bariton-Saxophon, Bassklarinette, Fagott, Kontrabass spiele ich neben anderen selber. Schubert ist mein Lieblingskomponist. Musik geniesse ich.

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  • Dinora Varsi kenn ich lediglich von einer Aufnahme, die ich vor Jahren im Rundfunke mitgeschnitten hatte und die ich leider nicht mehr habe: es was das Klavierkonzert G-dur von Maurice Ravel, Dirigent müsste Zdenek Macal gewesen sein. 40 Jahre ist das bestimmt jetzt her. Auch wenn mich später die Aufnahme von Samson Francois in den Bann gezogen hatte: vor allem der zweite Satz atmete etwas unglaublich Schönes, Ruhiges. Und ich rede jetzt nicht vom Klang, der aus meinem mono-Tonbandgerät kam -genau, die Aufnahme war mitgeschnitten, sondern von dem weichen, ruhigen und langmütigen Spiel. Platten waren zu der Zeit im normalen Plattenhandel nicht zu bekommen. Als die Box erschien, hatte ich leise auf den Ravel gehofft. Aber genau dies Aufnahme ist nicht dabei.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Hallo moderato,


    ich habe ein LP mit den Chopin Nocturnes von Dinorah Varsi. Leider ist nein Plattenspieler seit über 15 Jahren vergraben und ich habe momentan keine Möglichkeit sie mir anzuhören.

    Es war die einzige Aufnahme dieser Musik, die ich regelmäßig genießen konnte. Soweit ich sehe, gibt es keine Möglichkeit, die Aufnahme als CD zu erwerben oder zu streamen.


    Die Aufnahme war meines Wissens damals von der EMI. Ist sie denn in der legacy box enthalten?


    vielen Dank für eine Antwort und Grüße,


    Axel

  • ch habe ein LP mit den Chopin Nocturnes von Dinorah Varsi. Leider ist nein Plattenspieler seit über 15 Jahren vergraben und ich habe momentan keine Möglichkeit sie mir anzuhören.

    Es war die einzige Aufnahme dieser Musik, die ich regelmäßig genießen konnte. Soweit ich sehe, gibt es keine Möglichkeit, die Aufnahme als CD zu erwerben oder zu streamen.


    Die Aufnahme war meines Wissens damals von der EMI. Ist sie denn in der legacy box enthalten?


    vielen Dank für eine Antwort und Grüße,

    Lieber Axel,


    ist sie tatsächlich. :) CD Nr. 22 und 23. Schau mal hier:


    https://www.amazon.de/Various-…rsi&qid=1593413430&sr=8-1


    Die Box habe ich aber leider nicht!


    :hello:


    Schöne Grüße

    Holger

  • hallo Holger,


    vielen Dank für den Link und Bei der Gelegenheit auch für den Hinweis auf das Live Album von Friedrich Gulda. Das kannte ich tatsächlich noch nicht.


    Beste Grüße,

    Axel

  • Lieber astewes


    Momentan habe ich keinen Zugriff auf die Box (35 CDs & 5 DVDs), weil ich mich im Ausland befinde. Ich kann deine Frage, ob die CD-Aufnahme ursprünglich bei EMI erschienen ist, daher nicht beantworten. Sobald ich wieder daheim sein werde, kann ich nachschauen.


    Was ich gefunden habe, ist das PDF des Inhaltsverzeichnisses der erwähnten Legacy-Box. In der Spalte rechts ist das Aufnahmejahr vermerkt:


    https://www.dinorahvarsi.com/PDFs/legacy_Inhalt.pdf


    Es grüsst dich


    moderato

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    Die Beschäftigung mit Musik, selber spielend, hörend, im Nachdenken über sie und in der Diskussion im Forum soll Freude bereiten.

    Den Bratschenklang liebe ich wie der anderer tief klingender Instrumente: Bariton-Saxophon, Bassklarinette, Fagott, Kontrabass spiele ich neben anderen selber. Schubert ist mein Lieblingskomponist. Musik geniesse ich.

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  • Ich habe Dinorah Varsi in den 80er Jahren in München Live gehört, es war ein beeindruckendes Konzert, auch wenn ich mich nicht mehr an das Programm erinnere. Die Legacy-Box würde mich interessieren. Auf Spotivy gibt es von Ihr nur eine Aufnahme mit den Chopin Sonaten und Brahms Klavierstücken.

  • Hallo Holger, hallo moderato,


    vielen Dank für die Hinweise. Sie ist bestellt. Ich bin gespannt...

    ( Rameau dabei!)


    Es grüßt

    Axel

  • Ich habe Dinorah Varsi mit dieser LP kennengelernt:

    Frédéric Chopin, Dinorah Varsi, Orchestre National De L'Opéra De ...

    Eine originale PHILIPS-Produktion, die ich vor vielen Jahren bei SATURN Köln in obiger Fassung gekauft habe. Eine schöne, ansprechbare Aufnahme, aber gegen meine Favoriten Rubinstein und Arrau hatte sie wenig Chancen. Später ist sie mir irgendwie aus dem Fokus geraten. Soweit ich feststellen kann, besitze ich keine CD mit ihr.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Lieber astewes


    Ich bin wieder daheim und habe, wie ich dir versprochen habe, im Booklet der Dinorah-Varsi-legacy-Box nachgeschaut, ob weitere discographische Daten zu den Einspielungen aufgeführt sind. Leider sind nur die Aufnahmejahre und ob es sich um eine Studio- oder Live-Aufnahme handelt angegeben, so wie es im PDF Dokument aus Beitrag 8 vermerkt ist.


    Mit liebem Gruss


    moderato



    jpc-Link auf Cover klicken


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    Die Beschäftigung mit Musik, selber spielend, hörend, im Nachdenken über sie und in der Diskussion im Forum soll Freude bereiten.

    Den Bratschenklang liebe ich wie der anderer tief klingender Instrumente: Bariton-Saxophon, Bassklarinette, Fagott, Kontrabass spiele ich neben anderen selber. Schubert ist mein Lieblingskomponist. Musik geniesse ich.

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  • Von ihrer Webseite ist als PDF-Dokument das Inhaltsverzeichnis der Box herunterzuladen. Daraus ist auch ersichtlich, ob es eine Studio- oder Live-Aufnahme ist und es steht die Jahreszahl vermerkt:


    https://www.dinorahvarsi.com/PDFs/legacy_Inhalt.pdf


    Bei den Chopin-Nocturnes steht Studio (CD) 22 1986, Studio (CD) 23 1986. :)


    Das müsste eigentlich reichen - sie hätten in der Tat das Label vermerken können. Aber das müsste nicht so schwer rauszubekommen sein!


    Moderato hat es hier auch schon vermerkt, sehe ich gerade:


    Dinorah Varsi - fliessender Klang und konzentrierte Kraft


    Schaut man hier:


    https://www.amazon.de/Fr%C3%A9…norah-Varsi/dp/B00F0WBE3U


    müssen es laut Erscheinungsjahr (1987) die EMI-Aufnahmen sein.


    Schöne Grüße

    Holger

  • Hallo liebe Forumsmitglieder,



    herzlichen Dank für diese Mühe. Ich habe die Box bestellt und wenn die Post funktioniert, kommt sie morgen an....Das mit 85/86 passt sehr gut. Ich habe zu der Zeit auch noch Platten gekauft.


    Da ich kein eigentlicher Liebhaber von Chopinschen Ritardandi bin, kam ich mit den Mazurken und Notturni nie wirklich zurecht. Die Version von Varsi hatte etwas stringent Unsentimentales, das mir sehr gut gefiel. Wenn es interessiert, berichte ich gerne.


    Grüße,

    Axel

  • Da ich kein eigentlicher Liebhaber von Chopinschen Ritardandi bin, kam ich mit den Mazurken und Notturni nie wirklich zurecht. Die Version von Varsi hatte etwas stringent Unsentimentales, das mir sehr gut gefiel. Wenn es interessiert, berichte ich gerne.

    Ja, unbedingt, lieber Axel. Hier sind die Nocturnes op. 9. Mir gefällt dieser Interpretationsansatz sehr gut, weil er die Nocturnes nicht als biedermeierliche Stimmungsbildchen betrachtet, sondern ihren dramatischen Zug nicht unterschlägt, der sie in die Nähe der Balladen rückt. Ihr Rubato-Spiel ist allerdings deutlich "extremer" als von Rubinstein etwa. ^^



    Schöne Grüße

    Holger

  • ich habe die Box erhalten und möchte erstmal sagen, dass es sich um eine liebevolle Zusammenstellung handelt mit einem wirklich ausführlichen Booklet und auch die einzelnen CDs sind nett eingepackt mit jeweils ausführlichen Auflistungen des Inhaltes. Ich hatte bei solchen Gesamtvorhaben schon Unschöneres gesehen. Insofern kann man den Preis in Relation zum Gegenwert eigentlich als günstig ansehen. Zum Lagern wird der Platz von etwa eineinhalb Hifi Karajan Plattenschubern aus den Siebzigern benötigt...:)


    Dr. Holger Kaletha Vielen Dank für das Plattencover. Das ist die Platte. Und ja, was das Rubatospiel angeht, hast Du recht! 25 Jahre nicht gehört, da bleibt dann manches wohl nicht richtig im Gedächtnis haften. Allerdings ist sie sehr vorsichtig mit dem Pedal, was ich sehr liebe, weil es die Anschlagstechnik klarer hervorkommen lässt.


    Vielleicht noch ein paar Bemerkungen zum ersten Hören:


    Die Sonate für zwei Klaviere und Schlagzeug, eines meiner Lieblingstücke von Bartok, ist auf jeden Fall interessant gespielt.(mehr wage ich noch nicht zu sagen) was es wohltuend von der irgendwie missglückten neuen Einspielung mit Argerich und Barenboim unterscheidet.

    Die zweite Sonate von Ginastera hat mir auch sehr gut gefallen und hat mich danach gleich zu seinen Streichquartetten geführt.


    Man fragt sich unwillkürlich, wieso Dinorah Varsi nicht bekannter ist. Ein Konzert mit ihr wäre schon ein sehr gelungener Abend..-.-Könnte sie ein Opfer der Schallplattenrezeption sein? Die gestattet es einem ja seine Lieblingsaufnahme in unveränderter Form jederzeit zu hören. Und wenn man dann nicht in die Menge deR Lieblingsaufnahmen in ausreichender Anzahl gerät ist das plattentechnische Schicksal ......


    Danke noch einmal für die vielen Hinweise

    Axel