Bizet, Georges: Sinfonie Nr.1 C-Dur und andere Orchesterwerke

  • Wenn ich mal schlecht drauf bin, dann ist die Bizets Sinfonie Nr.1 C-Dur (1855) für mich immer schon das beste Heilmittel gewesen.
    Mit ihrem positiven lebensfrohen Auftritt vertreibt sie alle bösen Geister.


    Das ist um so bedauerlicher, als das Werk von 1855 zu Bizets Lebzeiten nie zur Auffführung kam. 80 Jahre schlummerte es in Archiven, bis sie am 26.Februar 1935 von Felix Weingartner in Basel erstmals aus der Taufe gehoben wurde.
    Der Anstoss seine Arbeit für die Sinfonie Nr.1 zu beginnen, war Gounods Sinfonie Nr.1 aus gleichem Entstehungsjahr, für die Bizet eine Fassung für 2 Klaviere erstellen sollte.


    Die 4 Sätze der Sinfonie Nr.1 C-Dur:
    1. Allegro vivo
    2. Adagio
    3. Scherzo: Allegro vivace
    4. Finale: Allegro vivace ..................... Spieldauer: meistens knapp unter 30Minuten



    Die Aufnahmen:


    Ein für mich wegweisende Aufnahme auf LP, die ich später auf CD nie wieder so fröhlich umwerfend gehört habe ist
    Jean Martinon / Chicago SO (RCA, ~1962). Die CD habe ich lange gesucht - sie ist jetzt in einer 10-CD-Box mit Martinon´s Chicago SO-Aufnahmen, auf die Lutgra im heute gekauft-Thread aufmerksam machte.


    Als TOP-Alternative hat mir dann für Jahre
    Leonard Bernstein / New Yorker PH (SONY) gedient, der ohne Frage die Witzigkeit und das richtige Feeling für das Werk mitbringt.



    Natürlich wollte ich auch wissen, wie Martinon seine spätere Aufnahme von 1972 mit dem Orchestre National de ORTF Paris (DG) gelingt.
    :thumbsup: Ich habe sie dieser Tage gehört und würde diese als die Beste mir vorliegende Aufnahme bezeichen. Vermutlich auch klanglich noch besser als die o.g. auf RCA (die ich nur als LP kenne).
    Jean Martinon entfaltet in den schnellen Sätzen ;) (im Prinzip gibt es keinen wirklich langsamen Satz) ein Feuerwerk. Die Tempi halte ich ebenfalls mit 6:49 - 9:17 - 4:30 - 6:13 für fabelhaft angemessen um die Sätze mit Biss zu entfalten. Insofern das richtige Tempogefühl, bei dem Bernstein ebenfalls gleich zieht (bei Bernstein ist nur der 3.Satz 40Sek länger). Die CD macht richtig Laune!



    Bizet Sinfonie Nr.1 mit Martinon
    DG, 1972, ADD



    SONY, 1963 (Bizet), ADD



    *** Alle Bizet-Orchesterwerke finden sich in einer ganz ordentlichen Brillant_3CD-Box unter dem Dirigenten Enrique Batiz auf die ich folgend eingehe.
    Bei der Sinfonie Nr.1 hätte ich mir mit Batiz mehr südamerikanisches Temprament erwartet. Es ist beileibe keine schlechte Aufnahme, :| aber die Spielzeiten sind mir "zu ausgewogen langsam": 10:20 - 9:53 - 5:39 - 8:10.
    Die Sinfonien Nr.1 und Urbs Roma werden mit dem Royal PO gespielt, die restlichen Werke mit dem Orchestre Philharmonique de Mexico.
    Da kommt bei der Bizet 1 nicht die Lebensfreude rüber wie bei Martinon und Bernstein.

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Nun geht es weiter mit den Orchesterwerken.


    Brillant bietet ein recht feurige Aufnahme mit Enrique Batiz mit den kompletten Orchesterwerken:
    --- ein Aufnahmedatum der DDD-Aufnahmen ist "brillantlike" nicht angegeben - aber auch besser als ein falsches wie so oft bei Brilli ! ---

    Brillant, DDD


    Bizet´s Orchesterwerke (Inhalt der Brillant - Box):
    Carmen-Suiten Nr.1 und 2 (1875)
    Prelude (from Les Pecheurs de Perles)
    L´Arlesienne Suiten Nr.1 und 2
    La Jolle Fille de Perth - Suite (1872)
    Jeux d´enfants - Suite op.22
    Sinfonie Nr.1 C-Dur (1855)
    ROMA - Sinfonie (1866)



    Carmen - Suiten Nr. 1 und 2
    Bizet berühmtestes Werk ist seine mit wunderbarem Themanmaterial umfangreich gefüllte Oper CARMEN.
    Die beiden Carmen-Orchestersuiten Nr. 1 und 2fassen diese Ohrwürmer für den Konzertgebrauch ideal in Suite Nr.1 (5 Sätze) und Suite Nr.2 (6 Sätze) zusammen.



    Neben der gut interpretiereten und vom Orchestra Philharmonique de Mexiko ordentlich gespielten Aufnahme mit Batiz gefällt mir die Aufnahme mit
    Bernstein / New Yorker PH nicht weniger gut.
    Bernstein wählt allerdings eine andere Reihenfolge als Batiz und fängt gleich mit dem "TOP-Piece", dem Torrero an - :!: hat sogar in der ersten Suite 6 Sätze zu bieten, weil er aus der Oper das Prelude zum 1Akt als 2.Satz einfügt.


    Von der Aufnahme bezitze ich noch die alte CBS-CD-Ausgabe:

    SONY, 1973, ADD



    :thumbsup: Eine Billig-CD mit ausdiophilen Qualitäten scheint mir aber für die Carmen-Suiten noch hörenswerter zu sein, als Bernstein und Batiz.
    Es ist die RPO-Aufnahme mit Mark Ermler /Royal PO (RPO). Ermler lässt das wahre Feuer sprühen und löst auch durch die audiophile Klangqualität den richtigen Hörspass aus.



    RPO, 1993, DDD


    ;) Als ich diese Aufnahme erstmals hörte habe ich mich gefragt, wo bei Batiz und Bernstein die sonst so vorhandenen Emotionen geblieben sind, die wirken einfach behäbiger (nur im Vergleich, den Beide haben auch ihre Klasse !).
    :huh: Aber wollen wir ehrlich sein - Bizet hat ja schöne Suiten zusammengestellt, aber wenn ich das mit Rodion Schtschedrins - Fassung, der Carmen-Suite für Schlagwerk und Streichorchester vergleiche, dann kommt bei mir weit mehr Spass auf ... das ist für mich der wirkliche Hammer. :untertauch:

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Leopold Stokowsky


    Seltsam, dass ich in diesem Bizet1-Thread Alleinunterhalter bin ... 8o


    Ich habe diesen Beitrag heute bei einer Suche (nach etwas Anderem) gesehen und möchte diesem Thread eine weitere höchst hörenswerte Interpretation hinzufügen, die neben den Martinon-Aufnahmen zu den Besten für Bizet1 gehört: Stokowsky / National PO - Aufnahme 1977


    Stokowsky´s unbändiges Feuer macht diese "gute Laune Sinfonie" mit seinem NATIONAL PO zu einem wirklichen Leckerbissen. Dabei werden Details wunderbar ausgeleuchtet, die (Beispielsweise bei Batiz) eher ungehört/ungeachtet bleiben.

    Spielzeiten: 7:24 - 9:02 - 4:45 - 5:47

    :jubel:Megaspassfaktor !


    - bei mir sind diese Aufnahmen in der tollen Stokowsky-Box Columbia Stereo Recordings enthalten -

    SONY, 1960-1977, ADD


    Um jetzt bezüglich der enthaltenen Aufnahmen nur bei Bizet zu bleiben:

    Auch die Carmen-Suiten Nr.1 und 2 und die L´Arlesienne Suiten Nr.1 und 2 gehören zum besten, was ich davon je auf CD gehört habe.

    Aufnahmen = 1976. Spitzenklasse !

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Auch die Carmen-Suiten Nr.1 und 2 und die L´Arlesienne Suiten Nr.1 und 2 gehören zum besten, was ich davon je auf CD gehört habe.

    Lieber teleton,


    ich würde mir mal wünschen, die L `Arlesienne Suiten komplett im Konzertsaal zu hören. Ich erinnere mich an die Zeit Ende der 50-er, ich war im Jugendkonzert, und zur Einführung wurde uns schon damals erklärt, daß man diese Musik kaum jemals ganz hören wird. Das hat sich leider bewahrheitet. Dabei ist die Musik teilweise begeisternd, mitreißend, schwungvoll und publikumswirksam.


    Herzlichst La Roche

    Ihr wißt, auf unsern deutschen Bühnen probiert ein jeder, was er mag - Goethe, Faust, Vorspiel auf dem Theater, Aussage des Theaterdirektors

  • Bizet dirigiert von Stokowski

    Lieber nemorino,


    es freut mich, dass Du (im Tschaikowsky 5-Thread) auf diese herausragende Stokowski-Aufnahme der Sinfonie Nr.1 mit Deiner Sony-Essential-CD eingegangen bist. Bis auf einen Beitrag von LaRoche bin ich in diesem Bizet-Orchesterwerke-Thread (der auch nicht im Themenverzeichnius steht) Alleinunterhalter 8o :) ......


    In Beitrag 3 habe ich die Stokowsky-Box Columbia Stereo Recordings abgebildet, in der diese ausgezeichente Aufnahme von 6/1977 aus London auch enthalten ist, die neben den Martinon-Aufnahmen mit dem CSO (RCA) und Orchestre National de ORTF (DG), sowie Bernstein / New Yorker PH (SONY) zu den stärksten gehört.


    :!:Aber in der Stokowski-Box ist nur die Sinfonie Nr.1 enthalten, sondern auch die beiden Carmen-Suiten Nr.1 und 2 und die L´Arlesienne Suiten Nr.1 und 2, die zu den besten und spannensten Aufnahmen dieser Suiten gehören, die ich jemals gehört habe.

    :angel: Es ist im Vergleich zu anderen Aufnahmen dieser Suiten unglaublich, was Stokowski aus diesen Partitiuren herausholt. Auch wenn der hochgeschätzte Leonard Bernstein ebenfalls im Jahre 1963 eine ganz vorzügliche Sinfonie Nr.1 dirigierte (Abb der SONY-CD in Beitrag 1), so bleiben im Vergleich zu Stokowski diese beiden Suiten bei ihm eher auf der langweiligen Seite.

    Was selten vorkommt wäre, dass in meiner CD-Sammlung eine Bernstein-CD nicht erhalten bleibt ... aber nachdem ich Stokowski gehört habe, sah ich keinen Grund mehr die Carmen-Suiten Nr.1 und 2 und die L´Arlesienne Suiten Nr.1 und 2 mit Bernstein (SONY/CBS) zu behalten ... die wurde weitergegeben !


    Wenn man sich die in Beitrag 3 gezeigte Stokowsi-Box nicht zulegen möchte, sei für die Suiten auf die Einzel-CD hingewiesen:

    - die liegt bei SONY in zwei Ausgaben vor -


    ... 6191sxcSeaL._SY300_.jpg

    SONY, 1976, ADD


    Zur Klangtechnik kann man nur sagen:

    Analogaufnahmen die aus der technischen Höheperiode der Analogtechnik stammen und ausgezeichnet (detailreich mit räumlcieher Tiefe) klingen !



    :hello:Euch allen eine schönes Pfingstfest ... auch wenn dass Wetter nicht immer durchweg so mitspielt ! ;) Dann ist nämlich Zeit für diese Bizet-CD´s !

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Lieber Wolfgang,


    es ist schön, daß Du diesem Jugendwerk von Georges Bizet, das er im Alter von 17 Jahren komponierte, einen eigenen Thread gewidmet hast. Ich bin heute erst durch Deinen neuesten Eintrag darauf gestoßen.


    Leider hat der Komponist, der bereits mit 35 Jahren starb, sein jugendfrisches Werk selber niemals hören können; erst 1935 wurde es uraufgeführt. Inzwischen hat es sich aber eine nicht ganz kleine Anhängerschaft erobert.


    Kennengelernt habe ich das reizende Stück erstmals in einer Monoaufnahme unter Fritz Lehmann, der es mit den Bamberger Symphonikern in den frühen 1950er Jahren für die DGG eingespielt hat. Damals habe ich dem Werk nicht die genügende Aufmerksamkeit geschenkt. Wahrscheinlich lag es daran, daß ich zu dieser Zeit meinen musikalischen Schwerpunkt auf Opern gelegt hatte. Erst in den frühen 90er Jahren kam es zu einer Wiederbegegnung, die dann prägend wurde. Es war eine ältere Aufnahme von Concert Hall, die das französische Label "Disques Adès" auf CD herausgab, gekoppelt mit den "Jeux d'enfants" op. 22 und der "Patrie"-Ouvertüre. Charles Münch leitete das Orchestre National de l'O.R.T.F. Die Aufnahme entstand 1966 in Paris und wurde sogar mit dem renommierten "Grand Prix Academie Charles Gros" ausgezeichnet. Eine schöne, gut klingende Stereoproduktion, die aber nicht mehr im Handel ist.

    Später kam eine weitere Aufnahme hinzu, und zwar diese:

    Sir Thomas Beecham mit dem Orchestre National de la RDF (Aufnahme: 11/1959, Salle Wagram, Paris, Stereo),

    diesmal gekoppelt mit den beiden L'Arlesienne-Suiten. Das Orchester ist dasselbe wie bei Münch, es hatte nur zwischenzeitlich den Namen leicht verändert.


    Auch dies eine wunderschöne, farbige Aufführung. Beecham galt ja nicht zu Unrecht zeitlebens als Spezialist für französische Musik. Ein Kritiker bescheinigte der Aufnahme ein "Niveau, mit dem jede nachkommende Aufnahme verglichen wurde".

    Für meine Begriffe wurde sie erst geschlagen durch die Aufnahme eines Dirigenten, der keineswegs als Bizet-Spezialist in die Musikgeschichte eingegangen ist. In Beitrag 5 findet sich die Abbildung (aber Du hast ja noch weitere Ausgaben angezeigt).

    Leopold Stokowski stand am Pult des National Philharmonic Orchestra. Die Aufnahme entstand 1977 in London und ist schon allein wegen ihrer überragenden Klangqualität hörenswert. Aber auch der Dirigent macht aus dem kleinen Werk eine wahre Delikatesse: Das Adagio ist ein kulinarischer Leckerbissen, und das (apokryphe) Orchester spielt mit letzter Hingabe. Eine Aufnahme, die den Hörer erfreut und beglückt. Besser kann man das m.E. nicht spielen.


    Schöne Pfingsten,

    Nemorino :hello:

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Schon in meiner Jugend zählte BIZET's Sinfonie Nr. 1 zu meinen Geheimtipps und sinfonischen Mitfavoriten! Was hätte man von diesem Komponisten noch alles erwarten können, wenn er nicht schon mit 36 Jahren gestorben wäre! Für einen 17-Jährigen ist diese Sinfonie jedenfalls eine Meisterleistung, und mir geht es wie teleton es so treffend beschreibt: "mit ihrem positiven, lebensfrohen Auftritt vertreibt sie alle bösen Geister"! Sie ist fast durchweg nicht nur lebensfroh, sondern vor allem im Finale auch mitreißend. Eine Musik, von der man eigentlich nicht genug hören kann. Musik muß ja auch nicht immer bedeutungsvoll und tiefschürfend sein.


    Eine Aufnahme, die für diese Musik den richtigen Ton trifft und das richtige Tempo findet, wurde noch nicht genannt, und zwar die Einspielung dieser Sinfonie durch DIMITRI MITROPOULOS und den NEW YORKER PHILHARMONIKERN, eine Aufnahme, die seinerzeit gekoppelt mit CHAUSSON's Sinfonie op. 20 und DEBUSSYs Images pour Orchestre Nr. 2 bei Fono Schallplatten erschien (FSM AS 617). Viele Kritiker halten ja die Einspielung durch JOHN ELIOT GARDINER von 1986 mit dem ORCHESTRE DE OPÉRA LYON für die hörenswerteteste. Mir imponiert hier aber der zugleich temperamentvolle wie auch leidenschaftliche Interpretationsstil MITROPOULOS und seinen NEW YORKER PHILHARMONIKERN, die er 1951 übernahm, nachdem er diese 2 Jahre zusammen mit STOKOWSKI geleitet hatte. Wie es scheint, ist diese großartige Aufnahme aber nicht mehr auf dem Markt zu bekommen, wie so manche geniale Aufnahme dieses großen Dirigenten, was natürlich nicht gerade zu seiner Präsenz auf dem heutigen Musikmarkt beiträgt.


    wok

  • Hallo!


    Irgendwann in den Achtzigern brachte mein Schwiegervater diese Sinfonie an. Sie lief bei ihm im Hause in der Folge sehr häufig, weil sie sehr leicht und schwerelos daher kommt.


    Ich höre (und besitze) zwei Aufnahmen:



    sowie eine Einspielung mit Neville Marriner, die ich leider nicht verlinkt bekomme.


    Auf beiden CDs wird die Sinfonie (u.a.) kombiniert mit der Klassischen Sinfonie von Prokofiev, was meines Erachtens hervorragend passt.


    Interessant fand ich es, als ich die 1. Sinfonie von Charles Gounod kennen lernte, die Bizet offenbar zu dieser herrlich leichten Komposition inspirierte.



    Gruß WoKa

    "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."


    Victor Hugo

  • … eine Einspielung mit Neville Marriner, die ich leider nicht verlinkt bekomme …


    Diese hier??


    Einer der erhabensten Zwecke der Tonkunst ist die Ausbreitung der Religion und die Beförderung und Erbauung unsterblicher Seelen. (Carl Philipp Emanuel Bach)

  • Hallo!


    Danke für den Versuch - es handelt sch um diese Scheibe:


    41DqK8c6qtL.jpg


    Gruß WoKa

    "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."


    Victor Hugo

  • Interessant fand ich es, als ich die 1. Sinfonie von Charles Gounod kennen lernte

    Lieber WoKa,


    eigentlich gehört das nicht hierhin, aber einen eigenen Thread für die Gounod-Sinfonien zu eröffnen wird wohl - mangels Interesse und Bekanntheitsgrad - nicht der Mühe lohnen.

    Ich kenne die 1. Sinfonie von Charles Gounod nicht, aber eine wunderschön gestaltete Nr.2 befindet sich in meiner Sammlung, und zwar in dieser 9 CD-Kiste, die noch jede Menge anderer Kostbarkeiten enthält:

    Igor Markevitch dirigiert das Lamoureux-Orchester, Paris (Aufnahme 11/1957, Théâtre des Champs Elysées, Paris).

    Eine der letzten Mono-Produktionen der DGG :(, ab Dezember 1957 wurde in Stereo aufgenommen. Gekoppelt ist das Werk auf CD 8 mit Bizets reizenden "Jeux d'enfants", die zum gleichen Zeitpunkt eingespielt wurden.

    Die Sinfonie von Gounod gibt es inzwischen auch auf einer Einzel-CD (Japan-Import):

    mit dem Original-Cover der ersten LP-Ausgabe. Auch dieses Werk weist einige Parallelen mit Bizets einziger Sinfonie auf, doch finde ich diese insgesamt noch reizvoller und origineller.


    Sir Neville Marriner hat Bizets Jugendsinfonie offensichtlich zweimal aufgenommen, für DECCA und EMI. Ich kenne beide Versionen nicht; Marriner war ja ein sehr umtriebiger Dirigent, der vieles mehrfach eingespielt hat (so z.B. Mozart-Sinfonien, ebenfalls für Decca und EMI). Darin ähnelt er Karajan. Künstlerisch gleichen sich die Aufnahmen, von wenigen Ausnahmen abgesehen, quasi wie ein Ei dem anderen, und auch technisch vermag ich keine großen Fortschritte festzustellen. Auch darin kann man ihn mit Karajan vergleichen ....


    LG, Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Viele Kritiker halten ja die Einspielung durch JOHN ELIOT GARDINER von 1986 mit dem ORCHESTRE DE OPÉRA LYON für die hörenswerteteste.

    Hallo wok,


    durch Deinen Hinweis bin ich darauf gestoßen, daß diese Aufnahme seit vielen Jahren ungespielt in meinem Regal steht.


    Bizet: Symphony 1 by John Eliot Gardiner

    Sie wurde mir vor sehr langer Zeit als ein Weihnachtspräsent der Firma Rhône-Poulenc überreicht, die auch auf dem Cover links unten genannt wird. Wahrscheinlich wurde die Aufnahme von dem Unternehmen gesponsert.

    Heute habe ich sie herausgesucht und ganz durchgehört. Hier meine Höreindrücke:

    Die Sinfonie wird von Gardiner und seinem Lyoner Orchester sehr schön und einfühlsam gespielt. Vor allem, Gardiner spielt, soweit ich das feststellen kann, sämtliche Wiederholungen. Das verleiht dem Werk ganz andere Proportionen; statt der üblichen ca. 27 Minuten benötigt Gardiner über 35! Damit rückt das Werk, was die Länge betrifft, in die Nähe von Beethovens Fünfter, die Karajan in seiner 1962er DGG-Aufnahme nach rd. 31 Minuten zu Ende bringt.

    Hier als Gegenüberstellung die Zeiten von Münch (Adès) und Gardiner:

    Münch: 1. Satz 7.09 / 2. 9.40 / 3. 4.00 / 4. 6.41 Min.

    Gardiner: 1. Satz 10.36 / 2. 9.16 / 3. 6.28 / 4. 8.55 Min.

    Das sind schon gewaltige Unterschiede. Ich muß sagen, daß ich das Werk mit den Wiederholungen an keiner Stelle langatmig empfunden habe. Im Gegenteil: Es ist eine liebevolle, sehr empfindsame Interpretation, die dem Werk in jeder Weise gerecht wird. Genuß pur!

    Ein wenig anders verhält es sich mit der Musik zu "L'Arlesienne", von der Gardiner 11 Stücke zur Aufführung bringt. Insgesamt umfaßt die Bühnenmusik 27 Nummern, die aber lt. Booklet zum Teil nur wenige Takte umfassen und damit zu kurz sind, um allein gespielt zu werden. Viel bemerkenswerter ist, daß Gardiner statt eines großen Sinfonieorchesters die Originalinstrumentierung mit nur 26 Musikern gewählt hat. Eine durchaus nachvollziehbare Entscheidung. Das Textheft spricht in dem Zusammenhang von der "mageren" statt der üblichen "korpulenten" Fassung.

    Mir persönlich klingt die Musik in dieser Besetzung tatsächlich ein bißchen zu "mager", das mag aber auch an der "Macht der Gewohnheit" liegen, denn mein bisherigen Lieblingsversionen sind die von Karajan (DGG, 1971), Markevitch (Philips) und Abbado (DGG), die alle "korpulent" unterwegs sind.

    Natürlich gewährt die Originalfassung eine größere Durchsichtigkeit, wirkt aber m.E. durch die dünne Besetzung deutlich weniger brillant. Auf alle Fälle: eine interessante, hörenswerte Alternative.


    LG, Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Mir persönlich klingt die Musik in dieser Besetzung tatsächlich ein bißchen zu "mager", das mag aber auch an der "Macht der Gewohnheit" liegen, denn mein bisherigen Lieblingsversionen sind die von Karajan (DGG, 1971)

    Lieber nemorino,


    eine Karajan-Aufnahme der Bizet - Sinfonie Nr.1 ist mir nicht bekannt, ich glaube da hast Du dich geirrt. (Es gibt nur eine DG-CD mit den Carmen und L´Arlesienne-Suiten.)

    Keine Frage, dass mir die Sinfonie Nr.1 in einer "mageren" HIP-Aufnahme auch nicht liegen dürfte und mit Wdh muss nun wirklich auch nicht sein.

    Ich habe das Werk in der straffen Form von Martinon (DG und CBS) und Stokowski (RCA) für mich entdeckt:

    Martinon (DG) ... = 6:43 - 9:11 - 4:25 - 6:11

    Stokowski (RCA) = 7:24 - 9:02 - 4:45 - 5:47


    Die Zeiten die Du bei Gardiner nennst würden die ganze positive Stimmung, den ganzen runden und gelungenen Zusammenhang der Sätze des Werkes für mich total aushebeln.

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • eine Karajan-Aufnahme der Bizet - Sinfonie Nr.1 ist mir nicht bekannt

    Lieber Wolfgang,


    …. mir auch nicht! :)

    Ich glaube, diesmal hast Du ein wenig flüchtig hingeschaut, denn die "magere" Besetzung bezog sich ausschließlich auf die L'Arlesienne-Auszüge. Die Sinfonie wird in normaler sinfonischer Besetzung gespielt. Über sie schweigt sich das Booklet völlig aus, während es sich mit aller Ausführlichkeit mit der L'Arlesienne-Musik befaßt.


    Im Begleittext heißt es u.a. zu L'Arlesienne: " …. Die ursprüngliche Partitur war für das typische Theaterorchester vorgesehen, das nur 26 Musiker umfaßt. Bizet indessen fühlte sich dadurch nicht begrenzt, sondern fand gerade hierin seine Inspiration. Es ist, als habe ervon vorneherein seine Musik für die zur Verfügung stehenden Instrumente empfunden. Es gelingt ihm aufs glücklichste, der recht merkwürdigen Streicherbesetzung Rechnung zu tragen: 4 erste, 3 zweite Geigen, eine Bratsche, fünf Celli und ein Kontrabaß. Eine Erhöhung der Anzahl der Instrumente jedoch zerstört das fein gesponnene Gleichgewicht. (…..) Mir scheint, von den beiden Versionen, der 'mageren' und der 'korpulenten', gibt Bizets bescheidenere Originalpartitur die Atmosphäre der Provence mit größerer Intensität wieder. Wahrscheinlich kann diese Musik überhaupt nur im Theater wirklich zum Tragen kommen ….. (…..) doch ist zu hoffen, daß die elf Sätze, die in dieser Aufnahme vereinigt sind, zur Genüge die außerordentliche Meisterschaft aufzeigen, mit der Bizet seine 26 Instrumente einzusetzen versteht."

    Noch ein Wort zur Sinfonie: Wenn Du die Zeiten genau vergleichst, wirst Du feststellen, daß sie im zweiten Satz nur geringfügig differieren, Gardiner ist da sogar schneller als Münch und fast zeitgleich mit Martinon und Stokowski. In den übrigen Sätzen bringt er die Wiederholungen, die aber die Musik IMO keineswegs in die Länge ziehen, sondern eher den Hörgenuß steigern, eben weil man die Hauptteile zweimal zu hören bekommt. Es mag gewöhnungsbedürftig sein, aber mir hat's gefallen.


    LG nach Bonn,

    Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

    Einmal editiert, zuletzt von nemorino ()

  • Zitat von Nemorino - Bizet Sinfonie Nr. 1

    Bizet: Symphony 1 by John Eliot Gardiner


    "Durch Deinen Hinweis bin ich darauf gestoßen, daß diese Aufnahme seit vielen Jahren ungespielt in meinem Regal steht."Sie wurde mir vor sehr langer Zeit als ein Weihnachtspräsent der Firma Rhône-Poulenc überreicht, die auch auf dem Cover links unten genannt wird. Wahrscheinlich wurde die Aufnahme von dem Unternehmen gesponsert.

    Heute habe ich sie herausgesucht und ganz durchgehört. Hier meine Höreindrücke:

    Die Sinfonie wird von Gardiner und seinem Lyoner Orchester sehr schön und einfühlsam gespielt. Vor allem, Gardiner spielt, soweit ich das feststellen kann, sämtliche Wiederholungen. Das verleiht dem Werk ganz andere Proportionen; statt der üblichen ca. 27 Minuten benötigt Gardiner über 35! Damit rückt das Werk, was die Länge betrifft, in die Nähe von Beethovens Fünfter, die Karajan in seiner 1962er DGG-Aufnahme nach rd. 31 Minuten zu Ende bringt.

    Hier als Gegenüberstellung die Zeiten von Münch (Adès) und Gardiner:

    Münch: 1. Satz 7.09 / 2. 9.40 / 3. 4.00 / 4. 6.41 Min.

    Gardiner: 1. Satz 10.36 / 2. 9.16 / 3. 6.28 / 4. 8.55 Min.

    Das sind schon gewaltige Unterschiede. Ich muß sagen, daß ich das Werk mit den Wiederholungen an keiner Stelle langatmig empfunden habe. Im Gegenteil: Es ist eine liebevolle, sehr empfindsame Interpretation, die dem Werk in jeder Weise gerecht wird. Genuß pur!"



    Hallo Nemorino,


    Das muß aber schon ein großer Musikkenner gewesen sein, der Dir damals die Aufnahme dieser früher eher noch weniger bekannten Sinfonie als Weihnachtspräsent überreichte! Das waren zu dieser Zeit auch noch Geschenke, über die man sich so richtig freuen konnte!

    Ja, die für dieses Werk prädestinierten Franzosen bringen, von Gardiner inspiriert, dieses heitere Werk mitreißend und fesselnd zum Klingen. Ich meine auch, daß das schlanke Orchester diese zauberhafte, luzide Komposition eben nicht zu sehr orchestral überfrachtet.


    Dennoch trauere ich immer noch der alten Aufnahme durch MITROPOULOS mit den NEW YORKER PHILHARMONIKERN nach. Ich hörte diese Aufnahme früher wiederholt im Rundfunk, es gelang mir aber nie, diese im Handel zu bekommen, und ich suche diese heute noch, und würde ein kleines Vermögen dafür ausgeben. Als ich diese Sinfonie das erste Mal in dieser Interpretation hörte, machte ich mir gleich ein dickes Ausrufezeichen in meinen musikalischen Aufzeichnungen. Ich habe diesen temperamentvollen und stellenweise zugleich introvertierten und sensiblen Duktus dieser Einspielung immer noch im Ohr.


    Was die Arlésienne-Suite anbetrifft, so verträgt diese, wie Du richtig schreibst, wohl ein etwas "korpulenteres" Orchester als das von GARDINER gewählte.


    Für diese gab es einmal eine wunderbare, sehr stilgetreue und sensitive Einspielung durch WILLEM VAN OTTERLOO mit seinem berühmten RESIDENTIE ORKEST DEN HAAG, das er von 1949 - 1973 leitete, und mit dem er zahlreiche internationale Konzertreisen absolvierte. Ein leider auch sehr unterschätzter und zu früh vergessener Dirigent. Diese Aufnahme ist wohl zumindest gebraucht noch zu bekomen.


    Sehr gute Noten von der Kritik bekam auch die Aufnahme durch CHARLES DUTOIT von 1986 mit dem ORCHESTRE SYMPHONIQUE DE MONTRÉAL.


    Viele Grüße

    wok



  • Dennoch trauere ich immer noch der alten Aufnahme durch MITROPOULOS mit den NEW YORKER PHILHARMONIKERN nach. Ich hörte diese Aufnahme früher wiederholt im Rundfunk, es gelang mir aber nie, diese im Handel zu bekommen, und ich suche diese heute noch, und würde ein kleines Vermögen dafür ausgeben.

    Lieber wok,


    diese Gelegenheit kann ich Dir verschaffen, bei Amazon wird die Aufnahme angeboten, allerdings wirklich zu einem wahren Mondpreis:

    Chausson: Symphony in B / Debussy: Ibéria / Bizet: Symphony No. 1

    Wenn Du bereit bist, 50 € (incl. Versandkosten) locker zu machen, darfst Du sie Dein eigen nennen!^^


    Ich komme später noch auf Deine anderen Ausführungen zurück.


    LG Nemorino :hello:

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Lieber Nemorino,


    Das ist aber sehr aufmerksam, und vor allem ein Volltreffer! Ja, genau um diese Aufnahme geht es! Der Preis ist natürlich schon fast unverschämt, doch läßt man sich eine so selten gewordene legendäre Aufnahme natürlich etwas kosten. Wahrscheinlich kann ich dieser Chance trotzdem nicht widerstehen! Ist das ein noch neues Exemplar oder gebraucht? Ich habe diese bis jetzt bei Amazon nicht gefunden.


    Viele Grüße aus Málaga!

    wok

  • Ist das ein noch neues Exemplar oder gebraucht? Ich habe diese bis jetzt bei Amazon nicht gefunden.

    Lieber wok,


    leider nicht neu, aber lt. Angabe "gebraucht - sehr gut". Der Verkäufer ist in London ansässig.

    Es gibt noch ein zweites Angebot, aber das ist noch ca. 13 € teurer, aus Japan, da heißt es "gebraucht - wie neu".

    Also, das ist schon (in beiden Fällen) ein unverschämter Preis, nur für einen wirklichen Liebhaber akzeptabel. Ich habe allerdings mit gebrauchten CDs (vor allem, wenn sie als "sehr gut" bezeichnet wurden, nur gute Erfahrungen gemacht.

    Rufe "Amazon" auf, dann oben bei Kategorien klicke auf "Musik-CD & Vinyl" und gebe dann ein: "mitropoulos bizet sinfonie", dann kommst Du gleich an die CD. Ich wünsche viel Erfolg, und, falls Du Dich zum Kauf entschließen kannst, ganz viel Freude an dieser lange gesuchten CD.


    Nachtrag: Noch einfacher, gib einfach bei amazon oben ASIN B00008EPDY ein, so erscheint die gewünschte CD sofort!


    Viele Grüße nach Málaga,

    Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Hallo Nemorino,


    Ich bin es nochmal. Zunächst großen Dank für diesen tollen Service!

    Leider klappt das bei mir nicht so mit dieser Verbindung. Deshalb habe ich die Aufnahme vermutlich auch bis jetzt niciht gefunden. Wenn ich das so mache wie von Dir angegeben, dann erscheint bei mir der Hinweis: "Keine Ergebnisse für Mitropoulos Bizet Sinfonie". Als Angebot erscheint dann nur eine einzige Aufnahme der Sinfonie mit BEECHAM, was ja auch nicht sein kann. Ich habe schon öfter festgestellt, daß sich die Suchergebnisse von Deutschland und Spanien aus unterscheiden. Ich werde es aber ab und zu nochmals versuchen, und spätestens wenn ich das nächste Mal in Deutschland bin, werde ich mein Glück nochmals versuchen.


    Nochmals großen Dank für die Suchunterstützung!


    Gruß

    wok

  • Leider klappt das bei mir nicht so mit dieser Verbindung.

    Lieber wok,


    wichtig ist vor allem, daß Du auf "Amazon.de" bist! Vielleicht erscheint bei Dir die spanische Amazon-Seite, dann klappt es natürlich nicht.

    Wenn es auch mit der ASIN nicht geht, so gib einfach mal auf Deiner Startseite (vermutlich google?) oben "www.amazon.de" ein, dann müßtest Du auf der richtigen Seite landen. Viel Glück!


    Gruß, Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Hallo Nemorino,


    Das ist wirklich großartig. So schnelle und gute Unterstützung ist exemplarisch! Viiiielen Dank!

    Vor allem hat es nun mit der Verbindung zu Amazon geklappt! Habe beide Angebote gefunden und werde darüber nachdenken.


    Herzlichst

    wok

  • Hallo wok,


    es freut mich, daß ich Dir helfen konnte! Da war meine Vermutung wohl richtig, daß Du bei "amazon.es" unterwegs warst, statt auf der deutschen Seite.


    Das muß aber schon ein großer Musikkenner gewesen sein, der Dir damals die Aufnahme dieser früher eher noch weniger bekannten Sinfonie als Weihnachtspräsent überreichte! Das waren zu dieser Zeit auch noch Geschenke, über die man sich so richtig freuen konnte!

    ….. es war der damalige Leiter des Frankfurter Verkaufsbüros von Rhône-Poulenc, der leider längst nicht mehr unter den Lebenden weilt. Er wußte um meine Musikneigung und hat statt dem üblichen Weinpräsent dann lieber eine CD überreicht. Ähnlich ging es mir mit einem Geschäftsfreund bei der BASF, der brachte auch zu Weihnachten stets eine oder zwei CDs, vorher noch Schallplatten aus der längst eingestellten eigenen Klassik-Produktion. Tempi passati!

    Für diese gab es einmal eine wunderbare, sehr stilgetreue und sensitive Einspielung durch WILLEM VAN OTTERLOO mit seinem berühmten RESIDENTIE ORKEST DEN HAAG

    Willem van Otterloo kannte ich mehr als Begleiter, einmal von Clara Haskil (Schumann-Konzert) und von einer alten PHILIPS-LP mit Beethovens 5. Klavierkonzert. Da war er zusammen mit dem heute leider ebenfalls in Vergessenheit gefallenen holländischen Pianisten Cor de Groot zu hören. Eine sehr schöne, feinsinnige Aufnahme war das, wahrscheinlich nie auf CD übertragen. Vor allem der langsame Satz hatte eine ganz tolle Atmosphäre.

    Die L'Arlesienne- und Carmen-Auszüge gibt es tatsächlich sogar auf CD:

    Carmen-Suiten 1+2

    auf dem alten Billig-Label der DGG "Heliodor". Beim Urwaldfluß kostet sie gebraucht z.Zt. 0,88 € + Porto (ein ganz klein bißchen günstiger als die Mitropoulos-CD:D).


    Liebe Grüße,

    Nemorino :hello:

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Lieber Nemorino,


    Ja, genau um diese alte DGG "Heliodor"-Aufnahme geht es bezüglich der Arlésienne-Suites von BIZET! Vielen Dank! Wirklilch ein kolossaler Preisunterschied zu der MITROPOULOS-CD! Dabei ist die Interpretation dieser so genialen beliebten Suiten durch VAN OTTERLOO und seinem berühmten RESIDENTIE ORKEST DEN HAAG wirklich fabelhaft und elektrisierend, für mich eine Referenzaufnahme. VAN OTTERLOO war ja schon fast berüchtigt wegen seiner Strenge seinem Orchester gegenüber. Seine Musiker bleiben ihm in der Aufnahme aber auch nichts schuldig.


    Mit WILLEM VAN OTTERLOO besitze ich noch zwei weitere hervorragende Aufnahmen: Einmal mit SCHUBERT's Unvollendeten mit dem gleichen Orchester, und des weiteren mit BEETHOVENS's 5. Sinfonie, diesmal mit den WIENER SYMPHONIKERN, beides strenge, bedeutungsvolle Deutungen dieser Sinfonien. Besonders gerühmt wurde VAN OTTERLOO ja wegen seiner Interpretation der Symphonie Fantastique von BERLIOZ mit den BERLINER PHILHARMONIKERN. Ja, auch durch seine Aufnahme von SCHUMANN's Klavierkonzert mit CLARA HASKIL wurde er ja bekannt, wie auch mit BEETHOVEN's 5. Klavierkonzert mit dem fabelhaften Pianisten COR DE GROOT, damals besonders geschätzt wegen seinen von großer Intensität geprägten CHOPIN- und RAVEL-Interpretationen. Kaum zu verstehen, daß von COR DE GROOT heute fast nicht mehr gesprochen wird. Leider mußte er ja ab 1959 wegen Überanstrengung der rechten Hand lange Zeit seine Konzerttätigkeit aufgeben, was der Grund dafür sein mag, daß er dann für das Publikum erst einmal aus dem Blickfeld verschwand, obwohl er in der Folge mit einem neuen Repertoire für die linke Hand wieder auftrat, auch mit eigenen Kompositionen. . Aber ich entferne mich hier nun doch zu weit vom Thema. Wäre aber auch einen thread wert!


    Viele Grüße

    wok:


    .

  • Besonders gerühmt wurde VAN OTTERLOO ja wegen seiner Interpretation der Symphonie Fantastique von BERLIOZ mit den BERLINER PHILHARMONIKERN.

    Lieber wok,


    vielleicht ist folgendes für Dich ganz interessant: In einer alten Plattenbesprechung von 1962 (!) heißt es u.a.: "..... zunächst möchte ich eine neue 'Fantastique" von Otterloo mit dem Philharmonischen Orchester im Haag (Fontana) nennen. Sie erfreut sich eines frischeren Klanges als die alte aus dem Jahr 1955 mit den Berliner Philharmonikern; ich rechne sie zu den besten Aufnahmen dieser revolutionären Symphonie."

    Es gibt also sogar zwei Otterloo-Aufnahmen der "Fantastique", wobei die letztgenannte bereits in Stereo produziert wurde. Auf CD scheint sie nicht überspielt worden zu sein, aber als LP ist sie gebraucht noch erhältlich:

    Symphonie Fantastique

    Es handelt sich um eine originale PHILIPS-Produktion, die aber zunächst auf dem Label FONTANA erschien.

    Auch die von Dir genannten Aufnahmen von Schuberts "Unvollendeter" und Beethovens Fünfter sind noch (auf einer LP) antiquarisch erhältlich. In den Niederlanden wird das Angebot vielleicht sogar noch etwas umfangreicher sein.

    Ich habe die Absicht, über COR DE GROOT in dem Thread "Fast vergessene Pianisten" eine kurze Abhandlung zu schreiben.


    LG nach Málaga,

    Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Hallo Nemorino,


    Interessant! Der Tenor der Plattenbesprechung, und die Begeisterung über die Aufnahme der Symphonie Fantastique durch WILLEM VAN OTTERLOO deckt sich auch mit anderen sehr positiven Urteilen, die ich gelesen habe. Es scheint, daß dieser Dirigent ein ganz besonderes Gespür für romantische französische Musik gehabt hat. Diie Aufnahme von BEETOVEN's Fünfter und SCHUBERT's "Unvollendeten" mit VAN OTTERLOO besitze ich schon.

    Bezüglich COR DE GROOT hätte sich diese so interessante Pianistenpersönlichkeit wirklich eine kleine Würdigung in unserem Forum verdient. Soweit ich weiß, fand dieser in all den Jahren noch nicht einmal Erwähnung, was angesichts so vieler Musikliebhaber und -kenner ziemlich unverständlich ist.


    Viele Grüße

    wok