Handbuch Dirigenten

  • Beim Aufräumen über die Weihnachtstage fiel mir ein zwei Jahre alter Gutschein für Bücher in die Hand und während ich noch überlegte, was ich damit beschaffen solle, lief mir per FF eine Kurzkritik über dieses neue Handbuch zu Dirigenten über den Weg. So war die Entscheidung schnell gefällt und Gutschein gegen Buch getauscht.



    Das Buch ist im selben Stil verfasst wie die Pianisten Profile aus dem gleichen Haus. Nach einem tabellarischen Lebenslauf mit den wichtigsten Daten wird versucht, Repertoire, Stil und Auffassung des jeweiligen Dirigenten zu charakterisieren. Es folgt eine kurze Liste weniger aber charakteristischer Aufnahmen auf CD ggf. auch DVD. Biographien werden - soweit existent - gelistet und abschliessend ggf websites. Das ganze für 250 Dirigenten von denen Tonaufzeichnungen vorliegen. Wie immer kann man natürlich über die Auswahl streiten. Die Autoren weisen im Vorwort daraufhin, dass im Zweifelsfall der interessantere Lebenslauf/die interessantere Herangehensweise/das originellere Repertoire Vorrang vor ordentlicher Kapellmeisterkultur gefunden haben. So fehlen z.B. Horst Stein und Ferdinand Leitner; Wyn Morris und Lovro von Matacic finden dagegen Eingang.


    Um gleich Mal die Probe aufs Exempel zu machen, habe ich mir die Einträge über Dimitri Mitropoulos und Jascha Horenstein vorgenommen, und bin weitgehend zufrieden mit dem, was ich dort lese.

  • Wie immer kann man natürlich über die Auswahl streiten. Die Autoren weisen im Vorwort daraufhin, dass im Zweifelsfall der interessantere Lebenslauf/die interessantere Herangehensweise/das originellere Repertoire Vorrang vor ordentlicher Kapellmeisterkultur gefunden haben. So fehlen z.B. Horst Stein und Ferdinand Leitner; Wyn Morris und Lovro von Matacic finden dagegen Eingang.


    Um gleich Mal die Probe aufs Exempel zu machen, habe ich mir die Einträge über Dimitri Mitropoulos und Jascha Horenstein vorgenommen, und bin weitgehend zufrieden mit dem, was ich dort lese.


    Ich muss sagen, dass dieses Kriterium doch sehr willkürlich ist. Horst Stein hat nicht so viel aufgenommen, aber ich habe ihn oft gehört, und immer war es gekonnt und sicher. Bei Ferdinand Leitner könnte ich richtig sauer werden, aber ich vermute mal, dass die Autoren einen Klassik-Bias haben und nicht über die 25 Telemann-Ouvertüren verfügen wie ich, die Ferdinand Leitner mit der Cappella Coloniensis eingespielt hat. Und meine allerliebsten Dirigenten alter Prägung, die für Jahrzehnte die Düsseldorfer Oper bereichert haben und alles konnten, nämlich Arnold Quennet und Alberto Erede, sind bestimmt auch nicht dabei.
    Übrigens: wer ist Wyn Morris?

    In keiner Gegenwart kann gewusst werden, wie sie hätte anders werden können, als sie geworden ist (Jörg Maurer).

  • Horst Stein hat nicht so viel aufgenommen, aber ich habe ihn oft gehört, und immer war es gekonnt und sicher.


    Täusch Dich da mal nicht, lieber dr. pingel. Die Aufnahmen, die Stein hinterlassen hat, dürften in die Hunderte gehen. Was allein aktuell bei Amazon gelistet ist, bleibt nicht weit entfernt von dieser Menge. Hinzu kommen Schallplatten, die es bisher nicht auf CD gebracht haben. Er hat endlos Einspielungen von Opernarien und Szenen dirigiert, auch beim DDR-Rundfunk, die auf Singles herausgekommen sind. Bayreuth nicht mitgerechnet. Stein war sehr fleißig im Studio, viel fleißiger als mancher oder manche, die lutgras schönes neues Dirigenten-Buch zieren. Das soll ihm nicht madig gemacht werden. Ferdinand Leiter, der darin auch nicht vorkommt, hat - ich scheue den Ausdruck nicht - als Dirigent Schallplattengeschichte geschrieben. Mit seinen Händel-Produktionen, die längst auf CD übernommen wurden, hat er ganz wichtige Vorarbeit geleistet für das, was heute als HIP gilt. Ihn zu unterschlagen, halte ich dann doch für ein Armutszeugnis, das sich die Redaktion des Nachschlagewerkes damit selbst ausgestellt hat. Mir will schon die eigenwillige Foto-Auswahl auf dem Buchdeckel nicht behagen. Ich verstehe ja, dass ein Verlag zu den Kunden will, die die Dirigenten und Dirigentinnen, die in dem Buch vorkommen, auch selbst hören und im Konzert erleben können. Dann müsste der Titel aber vielleicht etwas anders lauten.


    Dir, lieber lutgra, erbauliche Lektüre. Wir können ja alle kritisch lesen.


    Gruß Rheingold

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Übrigens: wer ist Wyn Morris?


    Sicher sind sowohl die Auswahl als auch die jeweilige Bewertung immer subjektiv. Aber bei 250 Dirigenten wird sicher auch vieles Richtige dabei sein. Wyn Morris habe ich als Dirigent des rekonstruierten 1. Satzes von Beethovens 10. Sinfonie, damit hat er sicher ein wenig Musikgeschichte geschrieben. Ansonsten gibt es Interessantes über ihn bei Wikipedia zu lesen, was ich nicht wiederholen muss. Ganz ein No Name ist er sicher nicht.
    :hello:

  • Solche Handbücher sind natürlich verlockend und eine gute Hilfe, sowohl für den totalen Klassikeinsteiger als für den interessierten Freak. Allerdings haben wir mit unseren Dirigententhreads - von denen zwar nicht alle, aber doch recht viele im Thread-Directory verzeichnet sind - ein Werkzeug in der Hand, welches - auf lange Sicht gesehen - derartige Nachschlagewerke oft übertreffen.
    Natürlich gibt es Vor- und Nachteile. Zu letzteren zählen zweifellos die Tatsache, daß hier keine Profis am Werke sind (oft aber sind wir nahe dran) und die Qualität der einzelnen Einführungsbeiträge systembedingt schwankt.


    Als Vorteil ist ins Treffen zu führen, daß unsere Infos jederzeit der Gegenwart angepasst werden können, sei es in Bezug auf verfügbare Aufnahmen, sei es in Bezug auf die Bewertung älterer Einspielungen, denn die Zeiten ändern sich.
    Zudem können hier verschiedene - oft einander widersprechende - Einschätzungen nebeneinander stehen.
    Und last but not least steigt die Anzahl der besprochene Dirigenten kontinuierlich. Es gibt keine "Neuauflagen", wo im Falle eines Druckwerkes stets alte Einträge durch neuere ersetzt werden müssen weil man auf Raum und Preis des Buches Rücksicht nehmen muss, wir haben allen Platz der Welt und können erweitern bis in alle Ewigkeit - na ja zumindestens beinahe .......


    Dennoch - Ein interessantes Nachschlagewerk


    mfg aus Wien
    Alfred

    Ich bitte alle Mitglieder, die über 25 Beiträge verfasst haben und noch keinen AVATAR besitzen

    sich im Thread Baustelle Avatarpool neu einen auszusuchen und am Threadende (gaaaanz weit untenI zu bestellen

  • Und meine allerliebsten Dirigenten alter Prägung, die für Jahrzehnte die Düsseldorfer Oper bereichert haben und alles konnten, nämlich Arnold Quennet und Alberto Erede, sind bestimmt auch nicht dabei.


    Also - wie gesagt - die Auswahl ist immer eine subjektive. Und ein Kriterium war - bis auf ganz wenige historische Personen (z.B. Hans Richter) - eine Präsenz am Tonträgermarkt. Das vor allem um dem Anspruch der Überprüfbarkeit bzw Nachvollziehbarkeit zu erfüllen. Und damit scheidet ein Herr Quennet aus, dessen Namen ich heute übrigens zum ersten Mal gehört habe. Klaus Arp hat auch nicht Eingang gefunden. Ein Alberto Erede selbstverständlich schon.


    Wyn Morris ist sicher ein Grenzfall, aber er war entscheidend an der Mahler-Entdeckung in GB beteiligt, hat wohl auch als erster das Klagende Lied und die Komplettfassung von Mahler 10 eingespielt. Seine Platten sind in Sammlerkreisen nach wie vor gesucht. Aber wie gesagt, ein Grenzfall, die Horst Stein und Ferdinand Leitner für mich auch wären, auch wenn sie mich jetzt hier in Stuttgart wg Letzterem wahrscheinlich aus der Stadt jagen. :untertauch:


    Nur um mal einen Eindruck zu vermitteln, wer drin ist unter S:


    Sabata
    Sacher
    Salonen
    Sanderling
    Saraste
    Sawallisch
    Scherchen
    Schmidt-Isserstedt
    Schonwandt
    Schuricht
    Segerstam
    Sejna
    Serafin
    Serebrier
    Sinopoli
    Skrowaczewski
    Slatkin
    Smetacek
    Sokhiev
    Solti
    Steinberg
    Stenz
    Stock
    Stokowski
    Storgards
    Suitner
    Svetlanov
    Swarowsky
    Szell