ADRIANO – eine vielseitige schillernde Dirigentenpersönlichkeit

  • Lieber Holger,


    vergiss auch nicht de Fallas "Noches en los jardines de España ", das müsste Dir doch dann auch sicher gefallen.


    Liebe Grüße

  • So ganz spontan: Dazu passen könnten noch Frederick Delius's "Mass of Life" (ein Stück für meine einsame Insel) Jan van Gilse's "Lebensmesse", Guy Ropartzs 3. Symphonie und Ernst von Dohnányis "Cantus Vitae", das gerade vor wenigen Tagen wieder am ungarischen Rundfunk ausgestrahlt wurde (es gibt noch keine CD davon, hab's aber abgezapft)

    Herzlichen Dank für die Tips, lieber Adriano! Schade, dass es den Dohnanyi nicht auf CD gibt! :hello:

    vergiss auch nicht de Fallas "Noches en los jardines de España ", das müsste Dir doch dann auch sicher gefallen.

    :) - das ist eine meiner absoluten Lieblings-CDs, ich hoffe, lieber Don, Du hast sie:


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    Schöne Grüße

    Holger

  • Die Fritz Brun Box mit adriano erscheint am 19.4......



    .....mit Sonderpreis bis 31.5.


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Danke, Fiesco und lutgra, für Euer Interesse :-)

    Wenn man bedenkt, dass man für 11CDs damals fast so viel bezahlen musste für 2 Guild-Einzel-CDs!

    Discs 1 und 2 habe ich übrigens neu abmixen lassen: Nr. 1 war zu fest übersteuert und in Nr. 2 waren die Streicher zu wenig präsent. Als ich die Produzentin/Tonmeisterin darauf aufmerksam machte, meint sie: "Ach Gott, ich muss damals beim Mastering echt müde gewesen sein..." So wird heute gearbeitet!

  • Lieber Adriano

    der Dank gebührt nicht uns, sondern Dir, der Du es erst möglich gemacht hast, dass wir die hörenswerte Musik dieses Komponisten kennenlernen können.:hail:


    Ich habe gerade wieder einmal die erste Symphonie gehört, die ich vor gut einem Jahr als download erstanden habe. Ich habe sie inzwischen sicher ein halbes Dutzend Mal gehört und damit gehört sie bei mir quasi schon zum "Repertoire". Ich freue mich schon sehr darauf, die anderen 9 näher kennenzulernen, was Dank Deiner website auch kundig und durch viele Informationen ergänzt möglich ist. Auch dafür gebührt Dir Dank.


    Liebe Grüße

    lutgra

  • Die werde ich mir auch bestellen! Neben den Symphonien gibt es zudem ein wirklich tolles Zusatzprogramm: Schoeck-Lieder für Orchester gesetzt, die Solokonzerte. Das wird eine schöne Entdeckungsreise! :)


    Schöne Grüße

    Holger

  • Jetzt hoffe ich nur noch, dass Brilliant das Booklet - das man auf der Seite der angekündigten Box anklicken kann

    - auch die Deutsch-Uebersetzungen meiner Einführungstexte miteinschliesst.

    https://www.brilliantclassics.…omplete-orchestral-works/


    Es sind nämlich nur die englischen Texte drin. Ansonsten kann man (auch mehr) aus diesem Kapitel meiner Webseite erfahren:

    http://adrianomusic.com/styled-10/styled-13/index.html


    Die Box selbst wird nur ein winziges Booklet haben mit einem Artikel über Brun, der in den 1990er Jahren in England publiziert wurde - und den ich empfohlen habe, denn er ist hervorragend.

  • Banner Trailer 2 Gelbe Rose
  • Auch ich habe die Box schon vor wenigen Wochen vorbestellt und bin natürlich dankbar für die Hinweise auf Einführungstexte.


    8)Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • Danke, Wolfgang :-)

    Bruns Musik ist eine Welt für sich - vielschichtig - auch nicht unbedingt jedermanns Sache. Vordergründig drückt sie eine Hommage an die Schweizer Alpen aus (Brun war ein leidenschaftlicher Bergsteiger), doch es gibt auch persönlichere Aspekte: Seine Weltanschauung, innere Konflikte und sein Leben innerhalb Familie und Freunden (wie Othmar Schoeck, Felix Weingartner, Hermann Scherchen, Volkmar Andreae sowie einigen Schweizer Literaten und bildenden Künstlern - es war eine Zeit, wo sich Künstler nicht konkurrierten, sondern zusammen hielten und sich gegenseitig anregten).

    Zu Lebzeiten wurde Brun in der Schweiz sehr oft aufgeführt - und mit Erfolg. Einige Sinfonien wurden in Abständen von Tagen in verschiedenen Städten aufgeführt; es gab sogar Konzerte, die ausschliesslich Brun-Werke im Programm hatten. Und es kam auch Einiges am Rundfunk. Nach seinem Tod ging's ziemlich rasch bergab. Vor meinen Einspielungen wurde nur ein Satz der 5. Sinfonie, die 2. Sinfonie, ein Streichquartett, eine Violinsonate und die Variationen für Klavier und Streicher auf Tonträgern verewigt. Seit seinem Tod (1959) gab es in der Schweiz etwa 16 Aufführungen seiner Orchesterwerke im Konzertsaal oder am Rundfunk.

    Was das Ausland betrifft, gibt es sehr wenig zu berichten. Bruns "Ouvertüre zu einer Jubiläumsfeier" wurde 1973 vom SWR-Sinfonieorchester eingespielt, das ist das einzige Rundfunk-Dokument, das ich bisher auftreiben konnte.

    In Deutschland gab damals Festspiele, wo ausschließlich Werke Schweizer Komponisten aufgeführt wurden; so was wäre heute undenkbar. Da gab es z. B. Musik von Fritz Brun, Othmar Schoeck und Frank Martin, die sehr gut ankam beim Publikum.

    Bruns 2. Sinfonie wurde z. B. 1917 im Wiener Konzerthaus, 1936 in der Berliner Singakademie und seine 3. Sinfonie 1925 im Wiener Musikverein aufgeführt. Die 2. Sinfonie ist sein meist aufgeführtes Werk. Zwischen 1911 und 1936 wurde sie 15 Mal in der Schweiz aufgeführt, darunter je 4 Mal in Zürich und Bern und 2 Mal in Winterthur.

    Oft braucht es mehrfaches Hören, um in Bruns Welt "hineinzukommen". Sie ist nicht direkt ansprechend wie die Musik Mahlers oder Richard Strauss'. Und sie führt die Brahms'sche Tradition der Romantik fort, die alte klassische Formen respektiert. Doch sie enthält auch sehr gewagte, auch abgründige dissonante Passagen.

    Die beiden Solistenkonzerte und die Sinfonien 1 und 2 sind einfacher zugänglich. Und die 8. Sinfonie ist ein Meisterwerk an formalem Aufbau und an prächstiger Orchestrierung! Brun hat nie ein grosses Symphonieorchester à la Wagner/Strauss benötigt um Farben und Stimmungen herzuzaubern. Die meisten seiner Werke benötigen eine Brahms-Besetzung. Schlagzeug (ausser Pauken), Harfe oder sonstige Extras gibt es meistens keine.

    Es existiert keine Monographie über Fritz Brun; umso spannender war es für mich, seine Musik und seine Welt ganz unbelastet kennen zu lernen und zu erforschen, mit Leidenschaft einzustudieren, zu interpretieren und zu verewigen. Auch menschlich fühle ich mich mit Brun sehr verbunden: Er war eine spontane, oft zu direkte Natur, ein sanguinischer Charakter.

    Mit Ausnahme der Sinfonien 2, 3 und 4 sind alle Brun-Orchesterwerke in Manuskriptform geblieben!

  • Diese CD....

    .....lieber adriano habe ich mir gestern zugelegt, und bin wiederum total begeistert vom

    musikalischen Erlebnis, besonders "La Sensitiva" hat es mir besonders angetan! Die Interpretation der Mezzosopranistin Faridah Subrata kann ich allerdings nicht so beurteilen, ja das ist schön und verbindet sich aufs angenehmste mit der Musik. Da mich das jetzt so angefixt hat, habe ich mir überlegt mir die Aufnahme mit Ewa Podles auch noch zuzulegen, was meinst du?

    Ich habe nämlich ein ausgesprochenes Faible für Frau Podles!!


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Danke, Adriano, für diese biographischen und rezeptionsgeschichtlichen Hintergründe zu Fritz Brun!


    Wenn ich lese, dass ein erklärtermaßen interessanter Komponist auf dem Markt so unterrepräsentiert ist bzw. war, interessiert er mich um so mehr. Es gibt viele Bereiche, wo ich mir mehr Entdeckerdrang vor allem seitens der ausübenden Musiker wünschen würde. Was etwa romantische Klavierkonzerte anbelangt, verstehe ich nicht, warum es im Konzert oder bei Veröffentlichungen immer wieder Tschaikowsky oder Grieg sein muss. Vor allem junge Pianistinnen und Pianisten reihen sich in eine unübersichtliche Konkurrenzstrecke ein. Dabei gibt es so beinahe unendlich viel zu entdecken. Man ist ja bereits verblüfft, wenn man liest, dass bei einem Konzert der Bamberger Sinfoniker Rubinsteins Viertes gespielt wird!


    Das nur nebenbei und als ein Beispiel für viele. Ich freue mich auf die Box!


    :hello:Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • Hallo Fiesco. Hast Glück gehabt, diese CD noch zu finden! Ist so lange her, mein Gott!

    Die Aufnahmen waren echt problematisch, weil die Sängerin krankheitshalber abbrechen musste, so dass wir erst 2 Monate später wieder aufnehmen konnten - und dies mit einem anderem Aufnahmeleiter/Techniker. Und, wie so oft der Fall ist, wir hatten zu wenig Zeit für Proben. Sobald Sänger dabei sind, geht alles etwas langsamer als nur mit Orchester.

    Wie gefallen Dir meine Respighi-Orchestrierungen? Ich mag Faridahs Stimme sehr; schade, dass ihre Karriere kurz war. Sie ist übrigens die Gattin des Tenors Markus Schäfer.

    Was das "Tramonto" betrifft, da gäbe es auch andere schöne Einspielungen nebst derjenigen mit Eva Podles, z. B. mit Anne Sofie von Otter oder Christine Rice... Ist halt Geschmackssache. Ich mag die uralte Mono-Version mit Sena Jurinac sehr. Diejenige von Janet Baker ist mir etwas zu langweilig, zu wenig sinnlich empfunden; die von Renata Scotto etwas zu forciert; diejenige Brigitte Balleys irgendwie zu exhaltiert-Textbetont... Es gibt mittlerweilen so viele Aufnahmen, wer hätte das damals gedacht!

  • Danke, Adriano, für diese biographischen und rezeptionsgeschichtlichen Hintergründe zu Fritz Brun!

    Ja, auch ich schließe mich an. Habe dann gleich einmal über youtube in die 2. Sinfonie reingehört und bin total erstaunt, wieviel Brahms oder auch Bruckner bei Brun zu hören ist.

    Der Anfang ist schon paradiesisch, und im langsamen Satz möchte man in die deutsche Romantik zurück! Naja, ist eben einer mit "B". Leider hatte ich noch keine Zeit, die ganze Sinfonie zu hören, aber das hole ich baldmöglichst nach. Ein Komponist, von dem ich noch nicht einmal den Namen kannte, hat mich beim ersten Kontakt sehr angenehm überrascht!


    Herzlichst La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Es existiert keine Monographie über Fritz Brun; umso spannender war es für mich, seine Musik und seine Welt ganz unbelastet kennen zu lernen und zu erforschen, mit Leidenschaft einzustudieren, zu interpretieren und zu verewigen. Auch menschlich fühle ich mich mit Brun sehr verbunden: Er war eine spontane, oft zu direkte Natur, ein sanguinischer Charakter.

    Mit Ausnahme der Sinfonien 2, 3 und 4 sind alle Brun-Orchesterwerke in Manuskriptform geblieben!

    Lieber Adriano,


    vielen Dank für Deine ausführlichen biographischen Hinweise. Brun war mir bisher gar kein Begriff - die Hörschnipsel haben mir sehr gefallen und ich werde mich mit ihm ausführlich beschäftigen. Die Landesregierung NRW hat mal in den 80igern eine Aufführungsserie mit dem ebenfalls kaum bekannten Allen Petterssen gefördert. Warum kann die ja nicht arme Schweiz nicht auch mal so ein Projekt starten, um die Schweizer Komponisten einem breiteren Publikum bekannt zu machen? Damals kaufte ich auch die CDs von Fischer-Dieskau mit Liedern von Othmar Schoeck, ohne sie zu kennen. Ich glaube, da könnte man doch mehr tun!


    Herzliche Grüße aus Münster

    Holger

  • Warum kann die ja nicht arme Schweiz nicht auch mal so ein Projekt starten, um die Schweizer Komponisten einem breiteren Publikum bekannt zu machen? Damals kaufte ich auch die CDs von Fischer-Dieskau mit Liedern von Othmar Schoeck, ohne sie zu kennen. Ich glaube, da könnte man doch mehr tun!

    Ja, alle sollten sich ein Vorbild an England nehmen, was die Pflege der nationalen Kleinmeister angeht - da sind auch Deutschland und Österreich nicht besonders vorbildlich, man denke nur an den doch vergleichsweise großen Johann Nepomuk David und seine Diskographie bis vor kurzem.

    Insofern wundere ich mich aber, dass Adriano meint, dass es schlechter geworden wäre mit Förderung von mutigen Projekten - ich sehe in Summe doch eine gewaltige Fülle von Neuaufnahmen "vergessener" Musik, mehr als früher. Letztlich ertrinkt man inzwischen im Angebot, wenn man offen und neugierig ist. (Deshalb werde ich vor einer Riesenbox Brun Abstand nehmen, obwohl mir zweifellos vieles daraus gefallen dürfte.)

  • Ja, alle sollten sich ein Vorbild an England nehmen, was die Pflege der nationalen Kleinmeister angeht - da sind auch Deutschland und Österreich nicht besonders vorbildlich, man denke nur an den doch vergleichsweise großen Johann Nepomuk David und seine Diskographie bis vor kurzem.

    Ich denke vollkommen unironisch, daß das im Wesentlichen tatsächlich damit zu tun hat (bzw. hatte, denn inzwischen tut sich da ja einiges), dass die "Großmeister" vornehmlich aus Deutschland oder Österreich kamen (Bach, Haydn, Mozart, Beethoven, Schubert, Bruckner, Brahms, Schumann, Mahler). Da ist der Bedarf an einer Beschäftigung mit "Kleinmeistern" naturgemäß eher geringer, als wenn ich als "Großmeister" "nur" einen Purcell und einen Britten habe (vielleicht noch Elgar, aber der dürfte als "Großmeister" schon zweifelhaft sein).

  • Da ist der Bedarf an einer Beschäftigung mit "Kleinmeistern" naturgemäß eher geringer, als wenn ich als "Großmeister" "nur" einen Purcell und einen Britten habe (vielleicht noch Elgar, aber der dürfte als "Großmeister" schon zweifelhaft sein).

    George Frideric Handel dürften die meisten Briten auch als einen der ihren verstehen ;).

    Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht.

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  • Mag sein, aber deshalb müssten die Briten nicht so dermaßen gründlich ihre Musikgeschichte in hervorragenden Einspielungen dokumentieren - stattdessen könnten sie sich auch mit den Namhafteren begnügen, also bspw. Elgar, Delius, Vaughan-Williams, Holst, Walton, Tippett, Britten, macht 7 in den Generationen von Mahler bis Cage, demgegenüber ständen in Österreich Mahler, Wolf, Zemlinsky, Schmidt, Schönberg, Schreker, Webern, Berg, Korngold, Krenek, macht 10, also auch nicht viel mehr (wenn auch wesentlich gewichtiger im Schnitt).


    Wenn man dann zu den weniger Bekannten geht, wird man eher von Briten geflutet ...

  • Also man vergleiche dann die weiteren Diskographien der 1890er-Jahrgänge:

    Arthur Bliss, Kaikhosru Sorabji, Herbert Howells, Peter Warlock, Ernest John Moeran

    versus

    Egon Kornauth, Fritz Heinrich Klein, Johann Nepomuk David, Max Brand

    (Gál würde für beide zählen)

  • Nicht vergessen, in diesem reichsten Land der Welt bin ich der erste (Schweizer) Dirigent der es fertig bringen konnte, so viele (22 glaube ich) CDs mit klassischer Schweizer Musik einzuspielen. Dies aber nur durch private Sponsorings (Komponisten-Erben usw.), keine staatlichen. Die meisten dieser CDs sind premier recordings. Aber auch die Medien können mit meinen Aktivitäten nicht immer viel anfangen. Ab und zu werde ich sogar mitleidsvoll belächelt. Und gleich zuerst muss immer erwähnt werden, dass ich nur mit dem Vornamen auftrete - das ist das wichtigste, das haben sie noch nicht verdauen können.

    Vor einigen Jahren wurde Bruns 4. Symphonie an unserem elitären Kultur-Radio vorgestellt, da meinte der Moderator: "Ach ja, Brun, der komponiert doch im wagnerschen Stil (aus einem amateurhaftigen Wikipedia-Eintrag zitiert)". Dann meinte die Co-Moderatorin: "Adriano?? Gibt's ihn eigentlich noch??". Auch was dann noch folgte veranlasste mich, eine Beschwerde einzureichen; der Ombudsmann gab mir recht - und die Kulturchefin schrieb mir: "Ja, wenn Sie zufrieden sind, ist das doch das Wichtigste, oder?". Tiefste Provinz!

    Wäre ich natürlich ein Star, dann würden sich Sponsoren schon um mich kümmern, doch, glaube ich, weniger was unbekannteres Repertoire betrifft.

    Unsere hochnäsige Kulturstiftung "Pro Helvetia" (die früher sozialer und grosszügiger eingestellt war) unterstützt keine CD-Produktionen mehr, sondern nur noch Auftritte renommierter Schweizer Künstlern in wichtigen ausländischen Städten. In Moskau und in Bratislava wollte ich Konzerte mit Schweizer Musik machen; das fanden sie (Zitat!) "nicht relevant genug"!

    Und so ist es auch in unseren Konzertsälen. Da scheint die Schweizer Musik ein ach so ab und zu notwendiges Pensum zu sein. Man konzentriert sich auf grosse Interpreten/Dirigenten, und die diktieren ohnehin was sie darbieten wollen. Die Orchestermanager sind meistens Ausländer, die keine Ahnung von Schweizer Musik haben. Meinen Frust über diese respektlose Einstellung zu unserem musikalischen Vermächtnis habe ich schon in x bösen Briefen an Kulturverantwortlichen, ja sogar an Politikern geschrieben. Nun bin ich nach so vielen Jahren umsonstiges Kämpfen müde und resigniert geworden... Ist mir langsam alles Wurscht. In meinem Alter fühle ich mich ohnehin dieser Welt abhanden gekommen, mit all dem sonstigen Beschämenden, Unkultivierten, Brutalen was ringsherum passiert - gesellschaftlich, politisch usw.

  • Ja, auch ich schließe mich an. Habe dann gleich einmal über youtube in die 2. Sinfonie reingehört und bin total erstaunt, wieviel Brahms oder auch Bruckner bei Brun zu hören ist.

    Also, ehrlich, La Roche: Durch ein blosses "Reinhören" solltest Du nicht auf eine derart pauschalisierende Ver- oder Beurteilung kommen. Ich bin nämlich gar nicht damit einverstanden, dass "soviel" Brahms und Bruckner drin ist! Komm mal darauf zurück nach einem ernsthaften Hören :-)

  • Man konzentriert sich auf grosse Interpreten/Dirigenten, und die diktieren ohnehin was sie darbieten wollen. Die Orchestermanager sind meistens Ausländer, die keine Ahnung von Schweizer Musik haben. Meinen Frust über diese respektlose Einstellung zu unserem musikalischen Vermächtnis habe ich schon in x bösen Briefen an Kulturverantwortlichen, ja sogar an Politikern geschrieben. Nun bin ich nach so vielen Jahren umsonstiges Kämpfen müde und resigniert geworden... Ist mir langsam alles Wurscht. In meinem Alter fühle ich mich ohnehin dieser Welt abhanden gekommen, mit all dem sonstigen Beschämenden, Unkultivierten, Brutalen was ringsherum passiert - gesellschaftlich, politisch usw.

    Das ist wirklich unfassbar, was Du schreibst, lieber Adriano. Da leistest Du wirkliche Pionierarbeit, denn es ist einfach etwas anderes, wenn man das Gesamtwerk vor sich hat und das einzelne Werk da dann einordnen kann. Ich verstehe ehrlich gesagt Eure Schweizer gar nicht. Während meiner Studentenzeit hörte ich noch viel Radio - heute habe ich gar keins mehr. Da gab es dann auf WDR3 oder SWF2 eine Sendereihe über Franz Schmidt. Der ist Österreicher und von der Verankerung in der Spätromantik her ganz ähnlich veranlagt wie Brun. Warum kann man sich für Schmidt einsetzen und tut nicht dasselbe für Brun? Das Heilsame am Postmoderne-Diskurs ist doch, dass man von der Fortschrittsideologie Abstand nimmt und lernt, Geschichte komplex zu sehen als ein Nebeneinander divergierender Traditionen. Da braucht man doch sogenannte Spätromantik im 20. Jhd. nicht mehr zu verteufeln und als obsolet abzutun - wie Adorno. Im Gegenteil, wenn man hier Traditionslinien aufzeugt, kann man diese Richtung dann vielleicht ganz neu sehen und bewerten.


    Noch eine Frage: Hast Du Dich auch mal mit Andre-Francois Marescotti beschäftigt? Bekanntschaft gemacht mit ihm habe ich durch Arturo Benedetti Michelangeli, der 1939 den Genfer Klavierwettbewerb gewann. Marescottis "Fantasque" war da Pflichtstück, das Marescotti für den Wettbewerb eigens komponiert hatte. Michelangeli gefiel das Stück so gut, dass er es aufnahm um 1940. Ich finde es toll - von ABM natürlich magisch gespielt. Von Marescotti habe ich eine Platte mit Klavierstücken, Orchestersachen von ihm kenne ich aber gar nicht.


    :hello:


    Herzlich grüßend

    Holger

  • Guten Morgen Holger :-)

    Bis 01:30 Uhr habe ich mich mit dem Layout des Online-Booklets der Brilliant-Brun-Box beschäftigt - alles neu formatiert und gestaltet, derart amateurhaft sah es aus...

    Von Marescotti (den ich ganz gut mag - leider ist er dann in den 1950er Jahren auf serielle Musik und Dodekaphonie umgestiegen...) habe ich die Grammont-CD. Auf LP hatte ich sein Klavierkonzert (es war eine Decca-Aufnahme). Muss mal schauen, on ich was in Archiven auftreiben kann...

  • Falls übrigens hier drin jemand denken sollte, ich würde für meine Brun-Brilliant-Box werben weil ich am Gewinn beteiligt bin, den muss ich enttäuschen. Ich tu's nur für die Sache :-)

  • Ich verstehe ehrlich gesagt Eure Schweizer gar nicht. Während meiner Studentenzeit hörte ich noch viel Radio - heute habe ich gar keins mehr. Da gab es dann auf WDR3 oder SWF2 eine Sendereihe über Franz Schmidt. Der ist Österreicher und von der Verankerung in der Spätromantik her ganz ähnlich veranlagt wie Brun. Warum kann man sich für Schmidt einsetzen und tut nicht dasselbe für Brun?

    Naja, warum setzt man sich für Schmidt und Schoeck ein, aber kaum für Reznicek und Brun? Weil man Schmidt und Schoeck höher schätzt, so einfach ist das. Wobei ich mich ja sehr freue über Aufnahmen von Reznicek und Brun, aber diesem "Unverständnis" ist doch leicht abzuhelfen.


    Die Verankerung in der Spätromantik ist sicher kein Hindernis - da findet man eher Käufer als bei Modernisten, die ja dementsprechend tendenziell noch weniger eingespielt werden - siehe Max Brand.

  • Was Brun betrifft, da ist die Schweiz schuld. Schoeck war in Deutschland bekannt und beliebt geworden, auch nachdem die Nazis regierten, hatte er, was die Aufführungen zwei seiner Opern betrifft, opportunistisch gehandelt. In seine Briefen kriegt man zwar die Bestätigung, dass er die Nazis hasste, doch er war nicht konsequent, finde ich. Dann gab es den (grossartigen) Dirigenten Robert F. Denzler, der sich ebenfalls dem Regime angepasst hatte und immer wieder Werke Schweizer Komponisten am Reichssender brachte. Denzler und Schoeck bekamen dann nach Kriegsende Probleme, als sie weiterhin in der Schweiz dirigieren wollten.

    Habe vor mir ein Konzertprogramm vom 18. Dezember 1936, mit Denzler als Dirigent (des Berliner Philhamonischen Orchesters) von Bruns 2. Symphonie, einem Klavierkonzert von Frank Martin und Schoecks "Vom Fischer und syner Fru". Links oben auf dem Zettel die Schweizerfahne und recht oben die Swastika. Titel der Veranstaltung: "1. Internationales Austauschkonzert Schweiz-Deutschland". Diesen Programmzettel habe ich im Schoeck-Nachlass - und nicht in Bruns finden können...

    In anderen Worten: Brun war damals im Ausland höchstens als Dirigent bekannt (u.a. war er 1923 in Rom verantwortlich für de italienische Uraufführung von Bachs h-moll-Messe - Schweizer Solisten und Bruns Berner Chöre wurden als Gäste eingeladen, dazu noch Wanda Landowska als Cembalistin!)

    Brun war ein sehr bescheidener Charakter und medienscheu. Seine eigenen Werke setzte er immer an zweiter Stelle. Er mochte es auch nicht, seine Werke uraufzuführen, dies überliess er immer Scherchen, Andreae, Schuricht, Weingartner, Balmer u.a.. Einige Orchestermitglieder beklagten sich immer wieder über die schwierigen Streicherpartien; die sind in der Tat sehr anspruchsvoll, doch bei Strauss-Stücken beklagten die sich nie. Es musste halt seriöser und etwas länger geprobt werden, und zuhause auch mal geübt!

    Zwischen den Zeilen oder auf Rückseiten von damaligen Brun-Orchesterstimmen fand ich ab und zu Kommentare wie: "Ach, lass das Komponieren Fritz, die Sach' hat keinen Spitz" - oder "Würde gern was besseres tun, es ist doch alles brun in Brun". Oder noch schlimmer: "Wenn Braun die Farbe der Sch... ist, dann passt diese Musik sehr gut dazu!" (Im Schweizer Dialekt heisst "braun" "Brun"). Gelegentlich lagen auch anonyme Beleidigungen in seinem Briefkasten...

    Aber es ist auch heute noch so bei uns. Ich musste mich persönlich auch mit neidischen, hasserfüllten Rezensenten abfinden, dies bevor ich zu Dirigieren anfing - als ich ein eigenes Plattenlabel hatte. Es gab z.B. die world premier recording von Raffs Klavierquintett oder den Soundtrack zum Schweizer Film "Romeo und Julia auf dem Dorfe". Nur diese beiden Produktionen hatten einige Freaks echt rabiat gemacht! Einer davon terrorisierte mich auch mehrmals am Telefon...

  • Also, ehrlich, La Roche: Durch ein blosses "Reinhören" solltest Du nicht auf eine derart pauschalisierende Ver- oder Beurteilung kommen. Ich bin nämlich gar nicht damit einverstanden, dass "soviel" Brahms und Bruckner drin ist!

    Hallo, Adriano,


    da möchte ich doch etwas richtig stellen. Brun ist mir und vielen anderen Musikfreunden ein völlig unbekannter Komponist. Seine 2. Sinfonie stammt aus 1911, und vor dem ersten Hören fragt man sich schon, was einen da erwrtet. Mahler war gerade gestorben, Strauss stieß um diese Zeit mit der Salome in neue Dimensionen vor, Schönberg hat diese bereits geöffnet. Deshalb war meine Erwartung zwiespältig. Schönbergs Atonalität ist nichts für mich, aber Salome mag ich sehr. Meine musikalischen Interessen beginnen mit Mozart und enden bei Strauss oder Schostakowitsch.


    Meine Befürchtung, etwas zu hören, was mir nicht gefällt haben sich nicht eingestellt. Ich habe Musik gehört, die tonal ist, melodiös. Und ich habe am Anfang der 2. Sinfonie eine ähnliche Thematik gehört wie bei Brahms 2, nur mit anderen Führinstrumenten. Ich glaubte, etwas zu hören wie Hirtenmusik, Pastoralklänge. Und an 2-3 Stellen wurde ich erinnert an den Beginn von Bruckners 4. Sinfonie, hier auch in den Hörnern wie bei Bruckner.


    Das ist der Grund, warum ich Bruckner und Brahms als Bezug genommen habe, da Schönberg oder Strawinski (Sacre liegt ja auch in dieser Zeit) auch möglich gewesen wäre. Erschwert wird einem Laien das Verständnis der Brunschen Musik durch fehlende Auflistung seiner Werke in allen gängigen Nachschlagewerken, von Harenberg bis Wikipedia. Inzwischen habe ich die 2. vollständig gehört und muß gestehen, daß ich sicher noch mehrfach bei Bruns zu Gast sein muß, um mein Urteil zu vertiefen. Keineswegs wollte ich angedeutet haben, daß er Anleihen bei anderen Komponisten genommen hätte.


    Herzlichst La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

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