Kurt Moll - Zum Glück kein Cellist geworden...

  • Hallo,
    Ich bin der Meinung,daß K.Moll als Liedersänger nicht viel
    zu bieten hat.Ich kenne nur die Winterreise und s.g.Schubert-
    Basslieder mit ihm,die eigendlich nur zum einschlafen taugen.
    Er hat einfach nicht genug Farben und Ausdrucksmöglichkeiten
    für Lieder auf seiner Palette.Alles ist schön sauber gesungen.
    Aber gerade das ist es,was bei Liedern nicht genügt.
    (Mittlerweile ist Moll 68 Jahre alt.Da kann man nur noch von
    Restverwertung sprechen.)


    :hello:Herbert.

    Tutto nel mondo è burla.

  • Hallo Herbert,


    die Schubert-Basslieder gefallen mir dagegen sehr gut, vor allem die "Fahrt zu Hades", ich finde auch, dass er das sehr nuanciert singt, wobei er natürlich an überragende Bass-Liedersänger wie Kipnis nicht herankommt. Die Winterreise kenne ich allerdings nicht, werde ich mir mal anhören, da ich bisher recht unterschiedliche Kritiken darüber gelesen habe.


    Störend empfinde ich bei Liedern vor allem seine beschränkte Höhe, die dass dann Stellenweise arg forciert klingen lässt, beispielsweise im ersten Teil von "Der Tod und das Mädchen".


    Zur Resteverwertung: Naja, er lässt halt seine Karriere ausklingen. Dabei muß aber beachtet werden, dass er stets sehr vielseitig war und schon immer neben der Oper Lied- und Oratoriengesang gepflegt hat.
    Am stärksten in Erinnerung bleiben werden aber sicherlich die Opernrollen, wo er seine Stimmfärbung und Gesangskultur passend einsetzen konnte, wie vor allem beim Sarastro und beim Gurnemanz.


    Gruß
    Sascha

  • Hallo Sascha,
    ich schließe mich Deiner Meinung voll und ganz an.
    Moll hat eine Menge deutscher Opernrollen,
    hervorragend gestaltet.


    :hello:Herbert.

    Tutto nel mondo è burla.

  • Ach Du liebe Zeit.
    War in der Semper Oper in Dresden am vergangenen
    Freitag 11.11.06 und hab einen Liederabend von Kurt Moll gehört.
    Es war ein trauriger Abend, warum kann er
    nicht aufhören.......
    Will den Deckmantel der Nächstenliebe
    drüber decken.
    Bin in der Pause geflüchtet.
    Traurig wars aber schon....
    :untertauch:

    mucaxel

  • Hallo Mucaxel,
    Du hast vollkommen recht,
    warum können sie nicht aufhören?
    Da sind in den meisten Fällen die Agenten schuld,
    diie Sänger immer wieder in's Rampenlicht drängen,
    um selber an deren ehemaligem Ruhm zu verdienen.


    :hello:Herbert

    Tutto nel mondo è burla.

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  • Zitat

    Original von mucaxel
    Freitag 11.11.06 und hab einen Liederabend von Kurt Moll gehört.
    Es war ein trauriger Abend, warum kann er
    nicht aufhören.......


    Seltsam... War denn jemals die Rede davon daß er aufhören sollte / aufhören wollte weil seine Stimme nicht mehr mitmacht? Nach seinem ziemlich plötzlichen Abschied auf der Bühne der Bayerischen Staatsoper als Nachtwächter hat man doch allgemein bedauert daß er aufhört, gerade weil seine Stimme noch so gut in Form ist.


    Sophia

  • Im Programm wird darauf aufmerksam gemacht,
    er habe im Juli in München mit Nachtwächter
    in Meistersinger seine Opernkarriere beendet, würde aber
    als Liedsänger weiter auftreten wollen.....
    Ja und damit tut er sich keinen Gefallen mehr!!!
    Er hatte vorher alles hier am Nationaltheater
    abgesagt auch den Daland im Holländer.
    Grund ein Sturz...




    X(:stumm:

    mucaxel

  • Hallo,
    Kurt Moll war nie ein Liedersänger.
    Man wird auch im Alter kein Liedersänger,weil die
    stimmlichen Anforderungen viel höher und diffiziler
    sind,als bei einer Opernrolle,und deswegen mußte
    K.Moll auf diesem Geibet auch scheitern.


    :hello:Herbert.

    Tutto nel mondo è burla.

  • Einige persönliche Ansichten zum gestrigen Liederabend:


    In der Erinnerung sehe ich ihn immer als Gurnemanz auf der Bühne der Bayerischen Staatsoper, jeweils aus großer Entfernung. Es war gestern erschütternd zu sehen, wie gebrechlich er trotz seiner mächtigen Statur wirkte. Die Stufen auf das Podium konnte er nur heruntergehen, indem er sich schwer am Geländer festhielt und sein Begleiter immer auffangbereit nah nebenher ging. Was seine Stimme betrifft, bin ich zwiespältig. Das Mozart-Lied war leider völlig daneben, Molls` samtschwarzer Bass taugt nicht für so ein Liedchen. Bei den langgezogenen Vokale brach ihm immer die Stimme weg. Anschl. wurde es viel besser, wobei ihm die zunehmende Erschöpfung dieses Abends körperlich und leider auch stimmlich anzuhören war. Sehr ergreifend waren die Lieder aus Schuberts "Schwanengesang". Da fragt man sich auch, wer dieses Programm zusammengestellt hat, ob Moll diesen Liederabend nicht nur als allgemeinen Bühnenabschied zelebriert sondern auch im Hinblick auf einen Lebensabschied. Die schwarzen und traurigen Lieder waren mit einer Verzweiflung gesungen, die schon sehr nahe ging. Er singt immer noch mit 100% Textverständlichkeit, das ist irrsinnig.


    Für den Abend wurde er vom Publikum frenetisch gefeiert (nach der 2. Zugabe bin ich allerdings gegangen). Insgesamt ist er doch sowas wie eine graue Eminenz und stellt eine große Persönlichkeit auf der Bühne dar.


    Sein Begleiter war Stefan Irmer, der ist mir besonders positiv bei den Schostakowitsch-Liedern aufgefallen. Das ugs. `Bin ich zu laut` hat er genau richtig dosiert, einer der wenigen Liedabende wo man den Eindruck gewinnt, Sänger und Pianist stehen nebeneinander in der Präsenz.


    Sophia

  • Hallo Sophia,


    wie mittlerweile ja auch in den Medien zu hören war ( ich habs durch WDR3 erfahren), hast Du wahrscheinlich Kurt Molls letzten Auftritt als Sänger erlebt. Bereits im Laufe des späteren Abends drang die Kunde durch, daß er sein letztes Konzert gegeben habe.

    Musik ist die Sprache der Seele. Und der wird man nie müde.(Hille)

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  • Hallo Picus,


    auch wenn mir das bei Moll nicht leicht fällt, muß man sich auch als Zuhörer verabschieden können... Ich war allerdings der Meinung, daß er sich auf einer Liederabend-Abschiedstournee durch einige große Konzerthäuser befindet und Köln noch nicht die letzte Station ist.
    Wer ihn in NRW noch einmal erleben möchte, kann am 25.11. nach Erftstadt fahren, dort findet um 19.30 eine Veranstaltung "Durch die Welt der Oper" mit Kurt Moll u.a. statt. (Der Hinweis steht im Veranstaltungskalender des Stadtanzeigers.)


    Sophia

  • Wenn es wirklich so ist, das er nicht mehr öffentlich auftritt: Verneigung :jubel: vor einem großartigen Sänger, der in seinem Kernrepertoire unzweifelhaft zu den führenden Bassisten der letzten Jahrzehnte gehörte (auf der Höhe seines Könnens ,als Gurnemanz, Sarastro und Marke wüßte ich keinen besseren, der zeigleich neben Ihm bestehen konnte).:
    Für Künstler ist es immer schwer, auf dem Höhepunkt aufzuhören und sicher hat er auch noch im Nachlassen seiner physischen Möglichkeiten vielen Freude bereitet. Nachwuchsmäßig sieht es aus meiner Sicht düster aus. Zu oft höre ich mächtige, aber ungeschliffene und unkultiviert geführte Bassstimmen und Moll hat neben seinem wunderbarem Timbre gerade immer durch die belcantistischen Qualitäten seiner Kunst geglänzt.


    (Ein Ereignis war auch die Tragfähigkeit der Stimme, die beim Liveerlebnis immer wieder verblüffte, auch ein gelegentlich kritisierter, leicht klosiger, gaumiger Charakter dieses ungewöhnlich vollen Organs ist vor allem auf CD präsent, live klang es in der Tat anders.)


    Einzig René Pape kann heutzutage halbwegs an Molls Gesangskultur anknüpfen (Wobei die Stimme viel höher gelagert ist, obwohl er interessanterweise trotzdem in Molls "Wohnzimmerrollen" beträchtlichen und berechtigten Erfolg feiert) Bezeichnender Weise ist aber Papés Thread bisher unberührt. Vielleicht interessiert sich ja auch heute keiner mehr großartig für Bassisten. Glutäuige Sopranisten und latinoeske Hochtöner lassen sich halt auch wirksamer vermarkten.


    Gruß
    Sascha

  • Hallo Antracis,
    ich glaube schon,daß die Opernkenner hier im Forum
    sich für Bässe genau so interessieren wie für die anderen
    Stimmfächer,weil sie ja in der Oper alle gebraucht werden.
    Es gibt ja Threads über : A.Kipnis,E.Pinza,T.Adam,G.Frick
    F.Crass und eben K.Moll. Mehr fallen mir im Moment nicht ein.
    Vielleicht hat R.Pape kein so individuelles Timbre,wie
    die oben genannten.


    :hello:Herbert.

    Tutto nel mondo è burla.

  • Ich liebe Bässe auch sehr :yes:
    So ein schöne kernige Stimme à la Moll und Salminen :]
    Die meisten Sprecher in Funk- und Fernsehen haben ja auch eher dunkle Stimmen und Kinder lieben ruhige tiefe Stimmen...
    Mir ist die Lage wesentlich lieber als Sopran :angel::baeh01:


    :hello:
    Stefan

    Viva la libertà!

  • Ich wollte den Blick nochmal auf Molls Sarastro in Soltis zweiter Zauberflöteneinspielung lenken.




    Die Aufnahme ist sicher im Regal entbehrlich, wegen Moll lohnt der Einblick allerdings schon. Man höre das "O Isis und Osiris". Der Gesangston ist wundervoll weich und rund, das Legato beispielhaft, bei dennoch deutlicher Artikulation. Sehr schön auch, wie fein der Sänger im Sinne der Wortbedeutung mit den Stimmfarben spielt. Bei "Zu Grabe gehen" hat das "Grabe" wirklich Grabesschwärze, das "gehen" ist wiederum versöhnlich-warm gefärbt und erlischt am Ende der Phrase.


    Für mich wieder ein Beispiel, dass Moll nicht nur einer der größten Bässe seiner Generation war, sondern auch einer der größten Sänger seiner Zeit unabhängig von Stimmfach.


    Gruß
    Sascha

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  • Hallo Sascha,


    ich kann dir nur zustimmen, was Kurt Molls Sarastro betrifft. Ich hatte vor gut 20 Jahren mal das Glück, Moll in dieser Rolle in München zu erleben und das war grandios. Er und die wunderbare Lucia Popp als Pamina bleiben unvergesslich :angel:

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Liebe Freunde von Kurt Moll,


    auch wenn er heute nicht mehr singt, das Fernsehen wiederholt nächste Woche eine Porträtsendung (1 Std.) über diesen großartigen Sänger:


    Portrait Kurt Moll - Ein Mann, ein Bass
    BR-Alpha 11.30 Uhr, 60 Min.


    Sonntag, 9. September 2007

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Der ZDF-Theaterkanalbringt im Februar eine kleine Oper von Telemann, bei der unser Kurt Moll in einer Paraderolle zu sehen ist:


    Pimpinone
    Heitere Oper von Georg Philipp Telemann
    Hamburgische Staatsoper, 1976


    Pimpinone, ein reicher Bürger - Kurt Moll
    Vespetta, ein Kammermädchen - Jutta-Renate Ihloff


    Bühnenbild: Toni Businger
    Choreographie: Peter Grisebach
    Inszenierung: August Everding
    Libretto: Johann Philipp Praetorius
    Musikalische Leitung: Mathias Husmann
    Orchester: Wührer-Kammerorchester


    Zitat

    Vespetta, eigentlich als Kammermädchen angestellt, hat zwar weder Stand noch Wahlstand in die Waagschale zu legen, dafür aber Jugend und weibliche Reize. Und so bringt das geschickte, zielbewusste Mädchen es fertig, Herrn Pimpinone oder vielmehr dessen Vermögen nach ihrem eigenen Kompass in den Hafen der Ehe zu steuern. Ein Manöver, das Telemann mit grimmigem Witz beleuchtete und zudem nicht ohne eigene Erfahrungen: War ihm doch, übrigens nach glücklicher erster Ehe, die zweite mit der leichtherzigen und verschwenderischen Maria Catharina Textor kläglich gescheitert. Die ging mit einem schwedischen Obristen auf und davon, und Telemann blieb auf ihren Schulden sitzen. Freunde freilich halfen ihm mit einer Sammlung über den doppelten Verlust rasch hinweg.


    Termine


    Di, 05.02.2008 11:15 Uhr
    Do, 07.02.2008 16:15 Uhr
    So, 10.02.2008 11:15 Uhr
    Di, 12.02.2008 16:15 Uhr
    Fr, 15.02.2008 11:15 Uhr
    So, 17.02.2008 16:15 Uhr
    Fr, 22.02.2008 16:15 Uhr
    Mi, 27.02.2008 11:15 Uhr(60 min.)


    Unbedingt ansehen!


    LG

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Am 11. April 2008 konnte Kurt Moll seinen 70. Geburtstag feiern.


    Herzlichen Glückwunsch auch von hier aus!


    Bei dieser Gelegenheit hier seine Recital-Platte:



    Kurt Moll singt berühmte Bass-Arien

    Lortzing, Weber, Wagner, Cornelius Künstler: Moll,
    Münchner Rundfunkorchester, Eichhorn
    Label: Orfeo , 1981


    LG

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Kurt Moll hat nach einer rührenden, umjubelten Abschiedsvorstellung in München - übrigens als Nachwächter in "Meistersingern" mit der Partie,mit der er einst debütierte - seine fabelhafte Karriere würdig beendet. Danach kam nur noch ein letzter Liederabend in der Semper-Oper in Dresden. Für mich war er neben Gottlob Frick einer der größten Bassisten des letzten Jahrhunderts. Das sehen die Stimmenfachleute a la Kesting übrigens genau so. So sollten wir den großartigen Sänger und Darsteller in Erinnerung behalten.

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

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  • Hallo zusammen,


    man muß sich einfach wirklich mal klarmachen, welch ein großartiger Sänger Moll in seiner Glanzzeit war.


    Die Stimme an sich genügt höchsten Anforderungen, vor allem bezüglich Klangreichtum, Volumen und individuellem Charakter. Der Stimmumfang ist für einen echten profondo sehr groß. Moll hat durchaus eine gute Höhe gehabt, höhensichere Kollegen gab es, bilden aber eher die Ausnahme (Frick beispielsweise).


    Technisch ist er ein wirklicher Meistersänger gewesen, mit einer beispielhaften Bildung des Gesangstones und vorbildlich bei farblicher und dynamischer Nuancierung und auch bezüglich des Legato. Wie er als Osmin die Triller bildet und die Verzierungen singt, ist angesichts der gewaltigen Dimension der Stimme ebenfalls zu würdigen.


    Er ist aber auch ein durchaus beeindruckender Interpret und Darsteller gewesen, man sehe sich nur mal seinen Ochs im Rosenkavalier an.
    Auch das Repertoire ist ungewöhnlich breit, trotz Schwerpunkt im "seriösem Bassfach" hat er auch gerade in geistlicher Musik großartiges geleistet. Herbert erwähnt Limitationen im Liedbereich, die ich gerne gelten lasse. Aber wieviele große wirkliche tiefe Bässe gab es, die große Liedsänger waren. ?


    Freilich gibt es Grenzen: Stimmcharakter, und auch das gezügelte künstlerische Temperament eignen sich nur für ein bestimmtes Repertoire.
    Die darstellerische Dämonie beispielsweise, die Frick eigen sein konnte, stand Ihm nicht zur Verfügung.


    Aber Maßstäbe (so zumindest meine ja bekannte Ansicht), ergeben sich aus dem Vergleich. Nach Moll hat es keinen basso profondo mehr gegeben, der dieses Niveau erreicht hat. Matti Salminen beispielsweise kann in Sachen sängerischer Finesse keinesfalls mithalten.
    Und davor ? Martti Talvela und Gottlob Frick spielen stimmlich klar in der gleichen Gewichtsklasse. Fricks Umfang ist sowohl bei der Stimme wie auch hinsichtlich des überzeugenden affektiven Spektrums ( von Sarastro bis Hagen) größer. Und Talvela (dies hochgradig subjektiv!) konnte die anrührenderen Menschenportraits abgeben.
    Aber beide überragt Moll hinsichtlich der gesanglichen Möglichkeiten.


    Ich kann mich deshalb Operus nur anschließen: Einer der größten Bassisten des Jahrhunderts. Und nach dem Krieg der bedeutenste basso profondo des Kunstgesanges. Es gab eindringlichere Charakterstudien von Kollegen mit großer Technik gesungen. Aber die Meisterleistungen von Molls Osmin, Sarastro, Daland und Ochs sind bezüglich des sängerischen Aspektes nach dem zweiten Weltkrieg einzigartig. Und auch stimmfachübergreifend ist diese sängerische Perfektion selten.


    Gruß
    Sascha

  • Lieber Sascha,
    herzlichen Dank für Deinen profunden Beitrag.


    Erlaube bitte, dass ich noch etwas anfüge: Kurt Moll ist nicht nur der große, dramatische Sänger, er hatte durchaus auch viel Freude an komischen Rollen, die uns auf Tonträgern erhalten sind. Um nur ein paar Beispiele zu nennen: Van Bett, Osmin, Sir Morosus, Doktor Bartolo, Sir John Falstaff (Nicolai), Colas, Buff, Omar, Abul Hassan...


    Den Verdi'schen Falstaff hat er sich klugerweise ebenso verkniffen wie den Hans Sachs....


    Und: Dies ist kein Nachruf, sondern ein Glückwunsch zum runden Geburtstag eines liebenswerten Menschen, der auch heute noch fertige Sänger berät und sich guter Gesundheit erfreut und auch noch regen Anteil am Leben nimmt. So freut er sich ganz besonders zusammen mit seinem Enkel über den Wiederaufstieg des 1. FC Köln in die 1. Liga!


    LG

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Lieber Opernfreund,


    die Reihenfolge unter den Größten Ihres Faches festzulegen ist schwieirg, wenn nicht gar unmöglich. Hier müssten wir zusammensitzen und z. B. die beweglichere Stimmführung von Moll als Osmin mit der gewaltigern, vor allem in der Tiefe profunderen Darstellung von Frick anhand von Tondokumenten vergleichen.
    Aber was soll es? Die Fragstellung sollte nicht lauten Wunderlich oder Gedda, Nilsson oder Varnay, Dieskau oder Prey sondern Frick UND Moll.
    Freuen wir uns doch, dass es diese zwei Ausnahmebassisten gab und versuchen wir nicht, sie gegeneinander auszuspielen.

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  • Lieber Harald,


    Zitat

    Original von Harald Kral
    Lieber Sascha,
    herzlichen Dank für Deinen profunden Beitrag.


    Erlaube bitte, dass ich noch etwas anfüge: Kurt Moll ist nicht nur der große, dramatische Sänger, er hatte durchaus auch viel Freude an komischen Rollen, die uns auf Tonträgern erhalten sind. Um nur ein paar Beispiele zu nennen: Van Bett, Osmin, Sir Morosus, Doktor Bartolo, Sir John Falstaff (Nicolai), Colas, Buff, Omar, Abul Hassan...


    LG


    Lieber Harald,


    vielen Dank für die Ergänzung. Viele der Rollen liegen leider in einem von mir noch nicht erschlossenen Repertoire, deshalb habe ich sie nicht angeführt.





    Lieber operus,


    Zitat

    die Reihenfolge unter den Größten Ihres Faches festzulegen ist schwieirg, wenn nicht gar unmöglich.


    Um eine Reihenfolge ging es mir auch nicht primär. Gerade bei Frick und Moll
    würde man den Geicheren unter den Gleichen suchen müssen. Mir war es nur wichtig, herauszuarbeiten, wo vor allem Molls Stärken, aber auch Defizite liegen. Und dies lässt sich gerade im Vergleich mit anderen Meistern Ihres Fachs gut herausheben. Den kompletten Sänger hat es leider nie gegeben (Wobei im Bassbereich Kipnis diese friedensstiftende These arg ins Wanken bringt!).


    Gerade aber beispielsweise für den Osmin lässt sich leicht sagen: Sowohl Moll als auch Frick liefern herausragende Interpretationen - aber zu unserem Glück nicht mit dem selben Focus der Meisterschaft.


    Gruß
    Sascha

  • Lieber Sascha,
    Alexander Kipnis war zweifellos einer der grandiosesten Bässe aller Zeiten. Besonders auch als Liedersänger. Allerdings ist er sehr frei mit den Notenwerten umgegangen. Wenn wir in diese Klasse gehen sollten wir Ivar Andresen, ein Stimmkaliber a la Frick - nur mit begrenterer Höhe - Ezio Pinza und Mark Reisen nicht vergessen.
    Schön, dass die von uns favorisierten deutschen Bässe Moll und Frick in dieser Liga mitspielen können.
    Herzlichst
    Operus.

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  • Wenn ich eine Baßstimme besonders liebe, dann ist es die von Kurt Moll. Obwohl ich seine Recital-CD schon viele Jahre besitze, höre ich sie immer wieder mit der gleichen Begeisterung.


    Für mich ist er immer noch der beste Sarastro, den es je gab. Vor einigen Jahren hatte ich einmal das große Glück ihn in dieser Rolle in Duisburg zu erleben und es war für mich eine Sternstunde ihn live zu hören.

    Außerdem schätze ich ihn auch als Liedsänger. In meinem Besitz befinden sich
    - Brahms: Vier ernste Gesänge
    - Portrait 1: Orchesterlieder von Schubert, Haydn, Loewe, Wolf und
    Strauss (eine meiner Lieblings-CD´s überhaupt)
    - Romantiic Bass Duetts mit Kurt Moll u. Harald Stamm


    LG
    Jolanthe

  • Zitat

    Original von Norbert
    Von all den vielen guten Sangesleistungen, die ich bisher von Kurt Moll gehört habe, ist definitiv die beste



    Kurt Moll liefert hier eine Lehrstunde an Textverständlichkeit und Rollengestaltung. Vom Sprechgesang bis hin zu fast heldenbaritonaler Strahlkraft reichen die Facetten der prächtigen Baßstimme. Er verkörpert einen sehr respektvollen und warmherzigen Gurnemanz und schafft es, meinen bisherigen Favoriten dieser Rolle, Hans Sotin, zu übertreffen.


    Das würde ich ebenfalls unterstreichen.
    Fast zeitgleich sang er den Gurnemanz auch in der Karajan-Aufnahme - böse Zungen behaupten, unter Kubelik (die Aufnahme war zwei Jahrzehnte unter "Verschluß") war er gar noch besser. :pfeif:
    Mir gefällt er in beiden Aufnahmen ausnehmend gut.

    »Das ist sehr groß, ganz toll! Man möchte sich fürchten, das Haus fiele ein.«

    – Goethe über den Kopfsatz der 5. Sinfonie von Beethoven

  • Der Gurnemanz ist tatsächlich eine der besten Leistungen des großen Bassisten. Hier profitierte Moll - und wir als Hörer - von seiner Erfahrung
    als Liedersänger. Auf der Bühne war das Erleben sicherlich noch eindrucksvoller. Von den großen Erzählungen bis hin zum Karfreitagszauber ein durchgehaltner Spannungsbogen mit unendlich viel stimmlichen Nuancen und Schattierungen. Auch darstellerisch war die Wirkung großartig.
    Herzlichst
    Operus

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  • Kurt Moll war wohl einer der bedeutendsten, wenn nicht der bedeutendste Baß in der Generation nach Frick, Greindl und Böhme.
    Ihr werdet vielleicht lachen, aber mich erinnert seine Stimme an die von Greindl, als dessen Nachfolger ich ihn auch in gewisser Weise ansehe. Man vergleiche etwa den Gurnemanz der beiden: sehr eindrucksvoll und zugleich menschlich herübergebracht.
    Was die Bühnenwirkung anging, so waren wohl Greindl und Moll überwältigend.

    »Das ist sehr groß, ganz toll! Man möchte sich fürchten, das Haus fiele ein.«

    – Goethe über den Kopfsatz der 5. Sinfonie von Beethoven

  • Ich will mal einen ganz anderen Aspekt hier hinein bringen.


    Moll war doch einer der besten Sänger der Welt. Sang so gut wie Pavarotti, Domingo und manche andere. Aber als ich im Opernhaus Dusiburg in an einem beliebigen Werktag in den 90er Jahren für 15 Mark eine Karte für eine "08/15-Repertoire-Vorstellung" der Zauberflöte kaufte (ohne zu wissen, wer singt), da stand plötzlich unerwartet Kurt Moll als Sarastro auf der Bühne. Es war natürlich - Molls Sarastro ist hier ja schon mehrfach gewürdigt worden - eine Offenbarung.


    Diese Erfahrung sagt mir mehr über den Künstler Moll als so manche hochkompetente Kritik seiner Gesangskultur. Ein Weltstar, der sich nicht zu schade ist, in einer Provinzvorstellung für "jedermann" mitzuwirken, weil er offenbar den Kontakt zur Basis nicht verloren hat. Denn bestimmt hätte er es sich leisten können, à la Netrebko oder Villazon nur noch an Hochglanz-Veranstaltungern teilzunehmen.


    Aber offenbar wusste er, dass ein Künstler nicht abheben darf, wenn er glaubwürdig bleiben will. Ich liebe ihn sehr, unter anderem dafür, dass ich ihn damals erleben durfte.


    Gruß in die Runde, sagittarius2

    Einmal editiert, zuletzt von sagittarius2 ()

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