Lullist: Unverzichtbare Klassikaufnahmen

  • Damals wie Heute zwei Begriffe die Kenner gleich hellhörig werden lassen.


    Der ständig wiederkehrende Bass, die Rhythmik, das alles fesselt genauso Heute noch und erst recht, wenn es solch stimmungsvolle Interpretationen gibt, wie sie Hesperion XXI unter Jordi Savall vorlegen:





    Ostinato
    Hesperion XXI / Savall
    Werke von Valente / Ortiz / Falconiero / Rossi / Marini / Merula / Purcell / Pachelbel und anonymen Quellen.



    Altre Follie 1500 – 1750
    Hesperion XXI / Savall
    Werke von Cabèzon / Mudara / Ruffo / Piccinini / Falconiero / Storace / Corelli Vivaldi u.a.



    Beide Aufnahmen haben die gewohnten Qualität des Labes und der Interpreten.


    Ostinato führt die typischen Werke wie Ciaconna, Passacaglia, Ruggiero u.ä. vor, auch sehr bekannte Werke sind hier mit dabei, das berühmte „Greensleeves“, der Canon von Pachelbel, die Ciaconna von Merula etc.
    Und wie bei Savalls Programmen dieser Art üblich, sind die verschiedenen Werke in (grob) chronologischer Reihenfolge zu hören.


    Altre Follie ist gewissermaßen die Fortsetzung des ersten Albums „Folia“
    Und diese Aufnahme übertrifft fast die ältere, was eigentlich kaum möglich schien.
    Es sind Folias die bis auf die Folia Version Corellis auf dem ersten Album nicht zu finden waren.Und auch die Folia von Corelli ist hier ganz anders dargeboten, denn wärend sie auf dem Album „Folia“ mit der Diskant Gambe von Savall höchst selbst gespielt wurde, tritt hier Manfredo Kraemer mit seiner Violine auf den Plan.
    Aber nicht alle Folias sind Ensemblestücke, es gibt auch Folias für Cembalo, Gitarre oder Harfe die hier zum Zuge kommen.



    Wer diese barocken Variationen liebt, der kommt an diesen beiden Aufnahmen unmöglich vorbei.


    In beiden Aufnahmen wird auch ordentlich mit Schlagzeug der Rhythmus verstärkt was dem ganzen noch mehr Feuer verleit. In jedem Fall spürt man sofort die Liebe, die Begeisterung und die Hingabe, die die Musiker bei der Einspielung an den Tag legten.
    So muss das sein !

  • Im Booklett und auf der Rückseite der CD Hülle heißt es „Hausmusik von John Blow“


    Doch das sollte man nicht wörtlich nehmen, denn hierbei handelt es sich um wahrhaft erlesene englische Musik, des Purcell - Lehrers.




    John Blow: Awake my Lyre
    The Parley of Instruments & Redbird




    Die Kompositionen wurde vor einigen Jahren noch fälschlicherweise als Lieder oder Kantaten bezeichnet, nichts davon trifft zu.
    Mittlerweile nennt man sie „Symphonie Songs“ ein Begriff der den Stücken vielleicht noch am ehesten Entspricht.


    Der Inhalt dieser Werke ist entweder mythologischen oder christlichen Ursprungs.
    Von Blow zwar als Hausmusik herausgegeben, aber welcher Haushalt könnte schon 4 Sänger , 2 Melodieinstrumente und mit einen großen Generalbass aufwarten ?


    Nein hierbei handelt es sich sicherlich um höfische Kompositionen, um Oden, Dialoge.



    Die beiden Ensembles „Redbyrd“ und „The Parley of Instruments“ haben diese wunderbare Musik wirklich hervorragend eingespielt.
    Und diese Cd hat sich im Lauf der Jahre, die ich sie nun schon habe, immer wieder (für mich) gesteigert.


    5 Sänger sind angetreten


    Suzie LeBlanc (Sopran)
    Geraldine Mc Greevy (Sopran)
    Charles Daniels (Tenor)
    John Potter (Tenor)
    Richard Wistrich (Bass)


    Und 5 Instrumentalisten


    Judy Tarling (Violine)
    Theresa Caudle (Violine)
    Mark Caudle (Gambe)
    Fred Jacobs (Theorbe)
    Peter Holman (Cembalo und Orgelpositiv)


    Das besondere ist hierbei, dass man für die Aufnahme zwei Violinen verwendet hat, die Blow höchstwahrscheinlich selbst benutzte, denn sie stammen aus der Zeit und der Umgebung seines Wirkens und sind so gut wie unverändert erhalten geblieben.



    Neben den gesungen Werken erklingen auch noch 2 Instrumentalstücke, eine Sonata in A und ein Ground in g-moll.



    Die Serie „The English Orpheus“ ist wirklich ein herausragendes Projekt.
    „Awake my Lyre“ ist hierbei Vol.20 dieser Serie.



    Man sollte aber keinen barocken Pomp von diesen Werken erwarten, es sind intime, sehr sanfte und in sich gekehrte Werke, vielleicht ein wenig melancholisch und einfach typisch Englisch.

  • Hier möchte ich gleich 4 ganz besondere Titel nennen, die mich sehr beeindruckt haben und über wirklich wunderschönes Repertoire verfügen.
    Natürlich ist die Interpretation der verschiedenen Aufnahmen in bester Qualität und es wird auf alten Instrumenten musiziert.





    Agostino Steffani: Duetti da Camera
    Rossana Bertini & Claudio Cavina / Ensemble Arcadia



    Die Kammerkantaten von Steffani stehen in Qualität denen von Alessandro Scarlatti in nichts nach, sie sind vielleicht sogar noch einen Tick kunstvoller komponiert.
    Jede der 6 „Duett – Kantaten“ ist fast eine Miniatur Oper, es geht natürlich immer um die Liebe.
    Wann Steffani diese Kantaten komponierte, ist nicht bekannt, es steht jedoch fest, dass diese Kantaten eine ähnlich große Verbreitung wie Corellis Triosonaten fanden und sowohl bei Profimusikern als auch bei „Dilettanten“ im häuslichen gebrauch gesungen wurden.
    Steffani, der um 1700 zu den bedeutendsten Komponisten seiner Zeit gehörte ist Heute nicht sehr bekannt und CD Aufnahmen sind auch eher rar gesät, aber anhand dieser wunderbaren Duette kann man absehen wie großartig seine Opern sind, um die sich die deutschen Fürstenhöfe und Theater rissen.



    Caresana: Per la Nascita del verbo – Teatro religioso nelle Napoli barocca
    Capella della Pieta de Turchini / Florio



    Neapolitanische Weihnachtsmusik des Hochbarock.
    Doch wer hier eine CD im Stil der üblichen „Barocken Weihnachtsklänge“ CD’s erwartet, wird bitter entäuscht werden.
    Diese Musik bezieht ihre Wurzeln aus der Volksmusik Neapels.
    Und so erwarten den Hörer Ciaconnas und Tarantellas, Musik voller Rhythmik und Feuer.
    Der musikalische Stil Caresanas ist am ehesten mit Carissimi oder vielleicht Cavalli gleich zusetzen.
    In jedem Fall dürfte das die ungewöhnlichste Aufnahme mit Weihnachtsmusik sein, wenn z.B. gleich in der ersten Kantate der „Stierkampf“ (La Caccia del Torro) zum Thema gemacht wird. Die Spanischen Vizekönige versuchte mehrfach vergeblich den Stierkampf in Neapel einzuführen.
    Das ganze wird dann wieder so allegorisch verbogen, dass man die Kurve zur Weihnachtsthematik hinbekommt..... :D
    Aber in jedem Fall hochinteressante und ungemein mitreißende Musik.






    Vanitas vanitatum – Rome 1650
    Tragicomedia / Stephen Stubbs




    Diese Aufnahme hat das Barocke Thema par Exelance zum Thema: die Vanitas, die Vergänglichkeit.


    „Eitelkeit der Eitelkeiten,
    alles ist pure Eitelkeit“


    Die Kompositionen stammen von den damaligen Größen der römischen Musikszene, Ciacomo Carissimi (bei dem Marc Antoine Charpentier lernte) Marco Marazolli, Luigi Rossi, Stefano Landi.
    Die Dichtungen drehen sich stets nur um den Vanitas Gedanken.
    Besonders eindrucksvoll sind hier jedoch 2 Ostinato Kompositionen bei denen der Autor unbekannt ist: die Ciaconna di Paradiso e dell’ Inferno und die Passacalli della vita, die mit ihrem stets wiederkehrenden Refrain „alle Menschen müssen sterben“ fast zynisch in ihrer tänzerischen Geste wirkt.
    Eine ganz faszinierende Aufnahme.




    Christinas Resa – Music from the Court of Queen Christina of Sweden
    Susan Rydn / Stockholm Barockensemble / Tatlow



    Diese Aufnahme gibt einen Einblick in die musikalische Welt, die Christina von Schweden erlebte. Zugunsten ihres Glaubens verzichtete sie ja auf den Thron und zog mit ihrem Hofstaat nach Rom.
    In Innsbruck konvertierte sie in der Hofkirche offiziell zum Katholizismus. Zu diesem Ereignis wurde Cestis „L’Argia“ gegeben. Die Oper strotzt nur so vor derber Komik und pornographischen Textpassagen.
    Einige wenige Auszüge aus der Prunkoper finden sich auf der CD. Daneben von Luigi Rossi die Kantate über den Tod von Gustav Adolf, von Kardinal Mazarin in Auftrag gegeben. Auch ihr Hofkomponist Vincezo Albrici ist mit einer Sinfonia vertreten.
    Christina war für ihre großzügigen Förderungen in Sachen Musik bekannt, und so sind auch Auszüge aus Werken zu hören, die sie in Rom in Auftrag gab, an erster Stelle scheint da Alessandro Stradella mit seinen epochalen Meisterwerken gestanden zu haben.
    Eine CD die nicht nur „Christinas Reise“ nachzeichnet, sondern auch ein wunderbares Portrait der Musik dieser Epoche wiedergibt.

  • Normalerweise stehe ich Soundtracks für Historienfilme wenn sie keine originale Musik der Epoche enthalten, mehr als skeptisch gegenüber.
    Man denke nur an diese furchtbaren Machwerke wie der Soundtrack zu „Vatel“ (Morricone).


    Doch dieser hier ist anders, ein Meisterwerk – ebenso wie der bösartige Film.





    Ridicule – original Soundtrack / Musique de Antoine Duhamel
    La Grande Ecurie et la Chambre du Roi / Jean Claude Malgoire



    Wer den Film noch nicht kennt, hat ganz sicher etwas verpasst.
    Der Plot ist einfach erklärt, wenige Jahre vor der Revolution versucht ein Adliger aus der Provinz sich am Hof von Versailles Gehör zu verschaffen um die Sümpfe seiner Heimat trocken legen zu können, da seine Bauern am Fieber sterben.
    Für die nötigen Kanäle ist natürlich viel Geld nötig.
    Schnell sieht er sich einigen unüberwindbaren Hindernissen gegenübergestellt, der Unwilligkeit der Minister und dem grundsätzlichen Desinteresse, das man ihm entgegenbringt.
    So ist er gezwungen sich den Intrigen des Hofes zu stellen und seinen „Esprit“ unter Beweis zu stellen:
    „Denn der Esprit öffnet alle Türen“
    Ein Film über die wunderbare Dekadenz des Hofes von Versailles.





    Anthoine Duhamel komponierte die Musik zu diesem Film.
    Eine Musik wie ich sie in der Qualität und dieser Art nur von Ulli her kenne. :D


    Duhamel fühlte sich hervorragend in den Film ein und komponierte Musik wie sie passender nicht sein könnte.
    Er zitiert die Musik dieser Epoche und setzt eigene Akzente.


    Es gibt Anleihen an die Divertimenti für Bläser von Mozart, oder wenn z.B. Marie Antoinette im Film auftritt, bearbeitete er Mozarts Fassung des frz. Volkslieds Ah! Vous dirai-je, Maman!


    Auch sehr toll das Kopfthema eine Art Mini-Symphonie , die fast bösartig wirkt.


    Im Film muss sich Ponceludon einem Duell stellen, zu diese Zweck komponierte Duhamel eine Miniatur Requiem, das eine ganz seltsame Wirkung entfaltet – übrigens wunderbar gesungen von Agnes Mellon, Claudine Lecoze und Philippe Cantor.


    Der Höhepunkt ist aber sicherlich die bissige Gavotte, die den Hofball am Schluss des Films untermalte. Der Stil erinnert ein wenig an Rameau – in jedem Fall grandios gelungen und ein höllischer Ohrwurm.


    Trotz dieser ganzen Musik die bestimmte Szenen unterstützt, ist die Musik auch ohne den Film wunderbar anzuhören.
    Wenn man es nicht wüsste, käme man wahrscheinlich gar nicht auf den Gedanken, dass es sich hierbei um einen Soundtrack handelt.


    Das ganze wurde von der „Grande Ecurie et la Chambre du Roy“ wirklich großartig eingespielt. Also ein moderner Soundtrack im Alten Stil komponiert und auf historischen Instrumenten eingespielt


    einfach genial !

  • Eines der eindrucksvollsten Werke Lullys ist nun endlich in einer Gesamtaufnahme erschienen und das in bester musikalischer Qualität:


    das Baoston Early Music Festival Ensemble hat wieder zugeschlagen:



    [jpc]8171766 [/jpc]
    Lully: Psyché
    The Boston Early Music Festival Orchestra & Chorus
    Paul O'Dette & Stephen Stubbs




    Psyché nimmt untern den Opern Lullys eine absolute Sonderstellung ein.
    (Leider ließt man solche Floskeln viel zu häufig, da ja in letzter Zeit alles zu unrecht vergessen wurde und alles ein Meisterwerk mit Sonderstellung sein soll.... doch hier ist es wirklich angebracht, davon zu sprechen.)


    Von "Psyché" existieren 2 Versionen.


    Die erste Version wurde 1671 im Salle des Maschines des Tuillerien Palastes aufgeführt und war ein Sensationserfolg.


    Louis XIV wollte den Saal endlich häufiger nutzen, seit der Aufführung von Cavallis "Ercole amante" (1662) war keine Oper dort mehr gespielt worden, auch die Bühnenwerke von Lully und Molière fanden an andern Orten statt, da man die aufwendige Theatermaschinerie einfach nicht brauchte.
    So beauftragte der König drei Dichter damit Entwürfe zu machen für ein "Maschinenstück" :


    Thomas Corneille, der Bruder des Heute berühmteren Pierre Corneille (Thomas schrieb für Charpentier das Libretto zu seiner Medee)


    Philippe Quinault, der spätere Librettist Lullys


    und


    Jean Baptiste Molière


    Molière trug mit seinem Entwurf den Sieg davon, es sollte die Geschichte von Psyché behandelt werden.
    Aber Molière war kein Egomane, er arbeite mit den beiden "Verlierern" zusammen um ein Gemeinschaftswerk zu schaffen.


    Es entstand eine Art "Semi Opera", als Tragèdie Ballet bezeichnet.
    Auf Deutsch: ein Theaterspektakel mit prächtiger Musik und Ballett.


    Heute gilt diese erste Version der Psyché als "Vorentwurf" zur großen Oper und steht als Bindeglied zwischen den Comèdie Ballets und den Tragèdie Lyriques. Und es ist zugleich die letzte Zusammenarbeit zwischen Molière und Lully gewesen.
    Denn ein Jahr später zerstritten sich die beiden, bei den Vorbereitungen zu dem Pasticcio "Le Ballet des Ballets" wo eben auch große Passagen aus der Psyche wieder verwendet wurden.


    Überhaupt war das Werk nach wie vor sehr populär, doch nach den Erfolgen der Opern "Cadmus et Hermione" "Thésée" "Alceste" "Atys" war die Struktur des Werkes nicht mehr zeitgemäß.


    1677 fiel Quinault wegen seines Librettos zur "Isis" am Hof in Ungnade (siehe weiter oben den entsprechenden Artikel) und so verlor Lully vorerst seinen Librettisten.
    Zusammen mit Corneille setzte er sich erneut an die Psyche und arbeitete das Werk innerhalb von nur 3 Wochen zu einer vollgültigen Oper um.
    Er übernahm sämtliche Musiknummern, die Dialoge und Theaterszenen wurden durch Rezitative ersetzt und wo es nötig war, schrieb Lully neue Instrumentalnummern.
    1678 wurde das Werk unter großem Beifall an der Academie Royal aufgeführt.



    Doch warum ist Psyche so anders als die übrigen Opern Lullys ?


    Zum einen hat der Chor in dieser Oper kaum bedeutenden Raum, auschließlich im Prolog und kurz im 5. Akt sowie im Finale tritt der Chor auf.
    Kaum eine Oper von Lully verfügt über soviel Ballett - und Instrumentalmusik, was sich durch die erste Version als "Tragèdie Ballet" erklären lässt.


    Und es ist die einzige ! Oper Lullys mit einer Passage in italienischer Sprache.
    Diese Passage war und ist zugleich eine der berühmtesten und besten Szenen die Lully je geschrieben hat, die Plainte italiènne.


    Lully imitiert hier das obligatorische Lamenti der italienischen Opern. Zwar benutzt er keinen offensichtlichen Ostinato Bass, wie z.B. in Monteverdis Lamento della Ninfa, aber eine gewisse Ähnlichkeit existiert, da die Sängerin von 2 Männern begleitet wird.


    Obwohl diese Klage so berühmt und einmalig in Lullys Schaffen ist, wurde sie bisher nur 2 mal aufgenommen.
    Bei den Divertissements, mit Guillemette Laurens (Skip Sempé) aber in gekürzter Fassung und auf LP unter Jean Claude Malgoire in vollständiger Fassung.


    Ebenfalls ungewöhnlich ist, dass es keine eindeutigen Divertissements gibt, welche die verschiedenen Akte beschließen.
    Mit kaum einem Werk hat sich Lully mehr von seinem eigenen Opern Modell entfernt.
    Aber für die ausbleibenden Divertissements entschädigt Lully mit einem groß angelegtem Finale, einer Ballett-Apotheose.


    Nachdem Psyche und Amor glücklich vereint sind und die Eifersucht der Venus besiegt ist, feiern alle Gottheiten die Liebe.


    Das Finale gipfelt mit einigen Fanfaren und dem schon durch William Christie bekannt geworden Chor "Chantons les Plaisirs"


    Doch was ich noch bei Christie kritisierte ist hier wunderbar gelöst worden.
    Wärend bei Christie die Fanfare zu einem regelrechten Flötengedudel verkommt, sind hier die 4 Trompeten und die Pauke wunderbar eingesetzt, auch die beiden letzten Fanfaren (Premier et Deuxième Air des Enseignes) und der Chor werden wunderbar mit den Trompeten interpretiert - so und nicht anders muss das gemacht werden !


    Sowohl die musikalische Darbietung als auch die CD Produktion als solche ist über jede Kritik erhaben, selten habe ich soviel begleitende Texte zu einem Werk gesehen.



    Einziger "Kritikpunkt" das Cover:
    Von der ersten Aufführung der Psyche wurde ein Gobbelin von Louis XIV in Auftrag gegeben, schade dass man nicht davon eine Abbildung für das Cover verwendet hat.
    Allein diese Tatsache, dass davon ein Gobbelin existiert, unterstreicht ja schon, welche Bedeutung man diesem Werk damals beigemssen hat !


    Eine absolut herausragende Produktion, die nochmal ein ganz anderes Licht auf das Opernschaffen des großen Lully wirft.
    Einfach nur phantastisch gemacht !



    :jubel:
    :jubel: :jubel:
    :jubel: :jubel: :jubel:
    :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:
    :jubel: :jubel: :jubel:
    :jubel: :jubel:
    :jubel:

  • .... oder halt so etwas ähnliches :D



    Bekanntlich hat man ja in Deutschland versucht, den italienischen und den französischen Geschmack zu vereinen.
    Doch die meisten Komponisten hielten sich an die alten Regeln wie ein Concerto Grosso augebaut sein sollte, bzw. eine Orchestersuite.


    Aber es gab auch andere Komponisten, die sich wohl einen Dreck um Regeln scherten und die ganz außergewöhnliche Werke schufen.


    So ist bei den beiden Aufnahmen die ich unbedingt hier vorstellen möchte, nicht so leicht zu sagen ob es Orchestersuiten sind.



    Die erste CD beschäftigt sich mit Orchesterwerken Jean Baptist Farinellis (1655 - 1720).
    Er war als Hofkomponist und Kapellmeister in Hannover tätig.



    Jean Baptiste Farinelli - Musique de Ballet
    Concerto Farinelli - Mühlberg



    Das Repertoire der Aufnahme zeigt auch gleich den seltsam untypischen Aufbau der Werke:


    I Suite in a-moll
    Prelude - Gigue - Sarabande - Bourrée - Menuett - Gavotte - Canaries


    II Suite in g-moll
    Gravement - Air Grave - Rondeau - Courante - Gigue


    X Suite in e-moll
    Simphonie - Bourrée - Rondeau - Gavotte I / II - Gigue


    VI Suite in F-DurChaconne


    VIII Concert in G-Dur


    V Concert in E-Dur


    X Concert in f-moll


    VI Concert B-Dur



    die Suiten haben einen deftigen Concerto Grosso - Touch, schwenken aber dann wieder ins extrem frz. Ballett Muster zurück.
    Bemerkenswert ist vor allem, dass einigen Suiten (es gibt in der Sammlung allerdings auch "regelgerechte" Suiten) mit einem freien Prelude eröffnet werden und keiner Ouvertüre.
    Soetwas war eigentlich nur in der frz. Kammermusik üblich.
    Aber die Suiten für Orchester wurden in 99 % aller Fälle stets mit Ouvertüre gegeben.


    Der mit Abstand schönste Satz ist die hinreißende Chaconne mit der die CD beschlossen wird, besser hätte es Lully auch nicht machen können. Eine Komposition die zur Besten ihrer Gattung zählen darf.


    Aber am bemerkenswertesten sind wohl die kurzen "Concerts"


    Hierbei handelt es sich um freie Orchesterstücke, die nicht unbedingt an ein Concerto erinnern, sondern eher an die Ritournelle aus Lullys Opern oder die Sonaten von Couperin - aber eben als Orchestersatz.


    Als Bonus gibt es noch eine Folia Variation von Farinellis Bruder dazu.


    Das Concerto Farinelli spielt recht ordentlich auf auf Alten Instrumenten.
    Die CD ist ein hochinteressanter Beitrag zu der höfischen Musik an barocken Residenzen Deutschlands.




    Johann Christoph Pez (1664-1716)
    war Hofmusiker Max Emaunel II von Bayern und später folgte er Johann Sigismund Kusser als Hofkapellmeister in Stuttgart nach.
    In München wie auch in Stuttgart pflegte und liebte man den frz. Orchesterstil - Kusser wurde ja sogar zu Lully nach Paris geschickt um dort zu studieren.


    Pez hingegen ging nach Rom um dort zu studieren. Damals noch auf Kosten des bayerischen Kurfürsten.
    Den frz. Stil lernte er wohl ohne weiteres am Hofe des Kurfürsten kennen, denn das Wirken von Torri, Steffani und D'Ardespin kann Pez unmöglich unbekannt gewesen sein.


    Die Kompositionen von J. C. Pez sind jedoch keinem der beiden großen Stile verpflichtet.
    Er schuf eine Synthese, die man in dieser Vollkommenheit höchstens in Steffanis Opern wiederfindet.



    Johann Christoph Pez : Ouvertures & Concerti
    Les Muffatti / va Heyghen



    Das Ensemble Les Muffatti gestaltet diese einmalige Musik wahrhaft liebevoll bis ins kleinste Detail. Besser kann man es kaum machen.


    Aber auch hier zeigt sich im Aufbau der verschiedenen Werke, wie sehr sich Pez Freiheiten herausnahm:


    Ouvertüre in B - Dur
    Ouverture - Allemande - Aria: Largo - Rondeau - Aria: Adagio - Menuett
    Gavotte - Gigue en Rondeau


    Concert Sonata
    Adagio - Presto - Fuga alla breve - Presto / Adagio - Allegro


    Concerto Grosso / Sinfonia
    Sinfonia - Rondeau - Aria: Andante - Menuett Trio - Aria: Presto - Aria: Allegro
    Chaconne - Bourrée


    Sonata / Concerto Simphonia
    Sinfonia - Fuga alla breve - Aria: Presto - Aria: Adagio - Menuett - Rondeau - Gigue


    Ouverture (Pieces pour la Musique de Table)
    Ouverture - Entree - Air - Rondeau - Menuett - Gigue


    Concert Pastoral
    Pastorella - Allegro / Largo / Adagio / Allegro
    Andante



    Die Titel der Werke entspricht nicht den originalen Titeln die Pez den Werken gegeben hat, zumindest äußert man sich so im Booklett.
    Allerdings sind die originalen Titel auch nicht abgedruckt.
    Warscheinlich gab es teilweis gar keine Bezeichnungen, was bei solchen Handschriften nicht selten vorkommt.
    Auf jeden Fall zeigt sich eine unglaublich Formenvielfalt, einflüsse der venezianischen Sonaten (Bertali) den Concerto Grossi (Corelli) und den Orchestersuiten (Lully & Campra)


    In jedem Fall ist auch diese Aufnahme eine kleine Sensation, denn es wurde mal wieder bewiesen, wieviel vergessene wunderschöne (und musikhistorisch bedeutsame) Musiken noch in den Bibliotheken schlummern.

  • so urteilte die Fachwelt damals nach einem denkwürdigen Konzert.
    Auf dem Programm standen 2 große Symphonien:
    Anton Eberls Symphonie in Es-Dur
    und
    Beethovens Symphonie No.3 besser bekannt als "Eroica"


    Wärend Eberl mit Lob überschüttet wurde, riet man Beethoven seine Sinfonia zu überarbeiten und vor allem zu kürzen.


    Doch wer war dieser Eberl ?!
    Das er Heute bekannt wäre kann man nicht direkt behaupten.
    Geboren wurde er 1765 in Wien.
    Man weiß nicht ob Eberl Freund oder Schüler Mozarts gewesen ist, aber der musikalische Austausch fand statt, auch die Nähe zur Familie Mozart wird immer wieder erwähnt.
    Stilistisch liegen Eberl und Mozart ebenfalls dicht bisammen (was Eberls Frühwerke betrifft) und er komponierte eine Trauerkantate zu Mozarts Begräbnis.


    Eberl kam schnell zu großem Ruhm und wurde schließlich als Hofkapellmeister nach St. Petersburg berufen.
    In dieser Zeit wandelte sich auch sein Stil - und zwar völlig.
    Als er wieder nach Wien kam, dürfte er der Führer der Avantgarde gewesen sein, denn seine musikalische Sprache ist viel moderne als Bethovens, sie weißt eher auf Schubert, ja sogar Mendelsohn vorraus.
    Eberl starb 1807 in Wien - er war wohl der erste echten Frühromantiker, und man sollte sich beim anhören der Symphonien vor Augen und Ohren halten dass es noch fast 2 Jahrzehnte dauern wird, bis Schubert seine großen Symphonin verfasst.




    Leider gibt es nicht allzuviel seiner Musik auf Tonträger.
    3 wunderbar representative Symphonien wurden jedoch in fabelhafter Interpretation aufgenommen:




    Anton Eberl: Symphonies
    Concerto Köln



    Die erste Symphonie in C-Dur lehnt sich noch stark an Mozart an, sie zitiert sogar im ersten Satz das Haffner-Thema, das ja auch andere Komponisten gerne benutzten.


    die zweite Symphonie in Es-Dur ist die berühmte Sinfonia, die Beethoven hat alt aussehen lassen.
    Gegen dieses Werk hat es Beethovens Eroica wirklich etwas schwer.
    Es ist jedenfalls nicht verwunderlich, dass das Publikum und die Kritik so begeistert waren - und das obwohl Eberl viel moderner schrieb als Beethoven !
    Der erste Satz ist ein wirkliches Orchesterfeuerwerk, der zweite Satz ist wie in der Eroica ein Trauermarsch - aber viel exquisiter, das ganze mutiert irgendwann zu einer wunderschönen Balade.
    Das Menuett ist ein beschwingter Ländler, der von Schubert hätte sein können, das Finale macht dann seinem Namen auch alle Ehre.


    Die dritte aufgenommene Symphonie steht in d-moll und stammt wie Es-Dur Symphonie aus der späten Schaffensphase Eberls und man wird unwillkürlich an die späteren Werke die Schubert schreiben wird erinnert.
    Eberl ein Kleinmeister ? ... Wohl eher nicht!


    Eine musikalisch wie musikhistorische unglaublich wichtige und lohnende CD Aufnahme.

  • Joseph Schuster (1748 - 1812) gehört zu den vielen Zeitgenossen Mozarts und Haydns, die es noch zu entdecken gilt.
    Denn Schuster war ganz sicher kein Provinzmusiker der in der Musikgeschichte es nichtmal zu einer Fußnote brachte.


    Schuster war einer der erfolgreichsten Opernkomponisten seiner Generation, er wurde von seinen Zeitgenossen als einer der größten Musiker seiner Zeit angesehen. Er hatte mit seinen Opern enorme Erfolge in Neapel (das will was heißen- kaum ein Publikum in Europa war so unbarmherzig mit den Komponisten)
    Schuster wurde unter Hasse ausgebildet, und die Italienreise unternahm er mit dem später ebenfalls berühmt gewordenen Naumann.
    In Italien studierte er bei dem berühmten Martini, dieser war von dem Talent seines Schülers so überzeugt, dass er Schuster den Auftrag für die Eröffnungsoper für das Theater in Forli verschaffte.
    Das war Demofoonte, also Schusters zweite ernste Oper (1776)


    diese Oper wurde auch bisher als einzige auf CD aufgenommen:



    Joseph Schuster: Demofonnte, Opera Seria (1776)
    La Ciaconna / Remy



    Stilistisch ist Schusters Opera Seria am ehesten mit den frühen Werken Glucks, Mozarts "Mitridate, Re di Ponto" oder Werken von Myslevicek, J. Chr. Bach, Jommelli und Traetta zu vergleichen.


    Also Opera Seria in Reinform, ganz auf die Glanzleistungen der Starsänger ausgerichtet. Und Dieser Demofoonte ist wirklich ein Fest für Liebhaber des Kolloraturgesangs des 18. Jahrhunderts.
    Ludger Rémy hat sehr leichte Stimmen ausgewählt, die aber spielend mit den teils halsbrecherischen Verzierungen und Spitzentönen fertig werden.
    Der Produktion ging eine intensive Forschungsarbeit vorraus, die Leiterin des Ensembles Ulla Schneider hat das Ensemble "La Ciaconna" zur Wiedererweckung der Musik Schusters gegründet - und sie begleiten die Sänger auf höchstem Niveau.


    Leider ist die Oper nicht ganz vollständig erhalten, der Schlusschor ist verloren gegangen. Aber ein zu verschmerzender Verluss, die hinreißenden Arien machen das schnell vergessen.


    Eine ganz außergewöhnlich schöne Entdeckung, die nicht nur wunderschön anzuhören ist, sondern auch eine arg vernachlässigte Epoche der Europäischen Musik ins schönste Licht rückt und Lust auf mehr - auf viel mehr Musik von Schuster macht !

  • Weber ist ein Heute recht beliebter Komponist, gewissermaßen die Symbolfigur der Frühromantik - und leider auch ziemlich oft entsprechend kitschig interpretiert.
    Aber auch hier lernte ich seine Musik erst durch die historisch informierte Aufführungspraxis schätzen.
    Bevor ich diesen Ansatz hörte, seine Musik in HIP zu spielen, kam sie mir ziemlich altbacken und biedermeierlich vor.
    Dabei war Weber doch ein Zeitgenosse Beethovens und Schuberts ...



    Roy Goodman hat sich mit der Hanover Band sehr für die Interpretation auf Alten Instrumenten gerade für diese Epoche stark gemacht.
    Leider leidet seine wunderbare Gesamtaufnahme der Schubert Sinfonien und auch viele andere Einspielungen unter zuviel Hall.


    Anders bei der Weber Doppel CD, hier reißt Webers Musik mit, sie ist revolutionär, voller Esprit und Feuer:




    Carl Maria von Weber
    The Hanover Band / Goodman



    Die erste CD ist den Ouvertüren zu Webers Bühnenwerken gewidmet:
    Der Freischütz, Euryanthe, Oberon, Der Feen König, Abu Hassan und Peter Schmoll, als Bonus das populäre Stück "Aufforderung zum Tanz"


    Auf CD 2 sind dann Webers Symphonien No. 1 & 2 (beide in C-Dur) zu hören, sowie ein "Horn Concertino in F-Dur"
    Also ein wunderbarer Querschnitt durch das Orchesterschaffen Webers.


    Anthony Halstaed ist als Solist mit Naturhorn angetreten - ein Instrument das man ja nicht allzuoft zu hören bekommt.



    Man kann jetzt nur hoffen, das in absehbarer Zeit mal komplette Bühnenwerke Webers in dieser Art aufgenommen werden - es ist dringend nötig.

  • Ja auch Haydn will ich nur noch in historisch informierter Aufführungspraxis hören.
    Die Leichtfüßigkeit, der Humor und die Feingeistigkeit Haydns kommen für mich hier viel besser zum Tragen.


    Mit Sicherheit werden noch weitere Haydn CD's in meinen Unverzichtbaren auftauchen, beginnen möchte ich jedoch mit den wohl berühmtesten Werken von Haydn, die man auf alle Fälle mal hören sollte.


    Für die Sinfonien hat Hogwood die schönsten Interpretationen für meinen Geschmack vorgelegt.
    Leider wurde das Projekt alle Sinfonien einzuspielen nach 2/3 abgebrochen - eine absolute Schande !
    Aber zumindest liegen die frühen Sinfonien in 10 Volumes vor.
    Jede 3 CD Box kommt mit einem eleganten Schuber und ausführlichem Begleitmaterial.
    Besonders hübsch die Rückseiten, die man man dann sieht, wenn die Box im Regal steht - sie sind alle in unterschiedlichen Farben. So entsteh ein kleiner Regenbogen im CD Schrank :D


    Aber es gibt auch eine einzel CD mit 2 sehr bekannten Symphonien, die vor der geplanten Gesamteinspielung aufgenommen wurde - mit späten Sinfonien:



    Haydn: Sinfonien No. 94 "Miracle" & No. 96 "Surprise"
    The Academy of Ancient Music / Hogwood


    Die erste Sinfonie erhielt ihren Beinamen, als wärend der Aufführung ein Kronleuchter herabstürzte und niemand verletzt wurde - ein Wunder.
    Die "Surprise" ist bei uns besser bekannt mit dem Beinamen "mit dem Paukenschlag" - jedoch ist dieser Schlag im Andante ein kompletter "Orchesterschlag"
    Hogwood spielt genauso feingeistig wie bei den Mozart Sinfonien, jedoch verzichtet er bei den Haydn Sinfonien auf das Cembalo im Bass.


    Das gleiche natürlich in der Edition.
    Außerdem lässt Hogwood alle Wiederholungen spielen, diese Gesamteinspielung hätte DIE Haydn Edition werden können, wenn man sie nicht eingestellt hätte.


    Zwei Boxen sollte man aus der Edition auf alle Fälle haben - die Sturm und Drang Symphonien:



    Haydn: Sinfonien Vol. 6 ( No. 26 / 42 / 43 / 44 / 48 / 49)
    The Academy of Ancient Music / Hogwood


    oder wem die Beinamen mehr sagen, die Sinfonien "Lamentatione" "Merkur" "Trauer" "Maria Theresia" und "La Passione" werden hier nebst der Sinfonie 42 in D-Dur hervorragend gespielt.


    und



    Haydn: Sinfonien Vol. 7 (No. 45 / 46 / 47 / 51 / 52 / 64)
    The Academy of Ancient Music / Hogwood


    Hier ist die berühmte "Abschieds Symphonie enthalten - einfach großartig gespielt. Hogwoods Interpretation hat mich so begeistert, dass ich einfach mal eine Haydn Karikatur machen musste, speziell zu dieser Symphonie:



    Das Trompetenkonzert darf natürlich auch nicht fehlen, allerdings habe ich auch dieses berühmte Konzert erst in einer HIP Enspielung schätzen gelernt - es war mir in den herkömmlichen Aufnahmen zu kitschig und schwülstig.
    Hier ist es einfach nur noch genial:



    Haydn: Concertos
    The English Concert / Pinnock


    Neben dem schon erwähnten Trompetenkonzert (Benett spielt eine Trompete die der Haydn Trompete nachgebaut wurde) wird auch das nicht ganz so bekannte Oboenkonzert (Paul Goodwin spielt die Oboe) zum Besten gegeben.
    Den Abschluss bildet das Clavier Konzert mit dem sehr bekannten ungarischen Rondo. Da sitzt Pinnock selbst am Cembalo.
    The English Concert spielt auf gewohntem hohen Niveau.


    und natürlich dürfen auch Haydns Streichquartette nicht fehlen.
    Moderne Streichquartett - Formationen konnten mich nie begeistern, erst über Aufnahmen des "Quatuors Festics" die auf Alten Instrumenten spielten habe ich überhaupt Interesse an dieser Gattung bekommen.


    Bei Arcana lag eine Gesamteinspielung der Streichquartette Haydns mit dem Quatuor Festetics vor, doch das Label existiert nicht mehr und die Aufnahmen sind nur noch zu Wucherpreisen zu bekommen - Zeit also sich nach etwas Neuem umzusehen - und ich wurde fündig:



    Haydn: Quartette Op.76
    Quatuor Mosaiques


    Das Quatuor Mosaiques spielt ebenfalls auf historischen Instrumenten.
    Sogar noch Klangschöner als die Festetics. Deren Haydn Einspielung faszinierd durch diesen Erdigen Klang, die Mosaiques spielen wesentlich leichtfüßiger.
    Von der Zeitschrift Fono Forum wurde diese Einspielung auch zur Referenz in Sachen HIP Streichquartett genannt, ich denke dem kann man ich anschließen.


    Die Box enthält drei der wohl bekanntesten Haydn Quartette.
    Das "Kaiser Quartett" mit dem späteren "Deutschlandlied - Mittelteil" damals noch "Gott erhalte Franz den Kaiser"
    dem "Quinten Quartett" in d-moll und dem Quartett mit dem schönen Titel "Soleil levant" (Sonnenaufgang)
    Insgesammt biete die Doppel CD 6 Quartette in bester Interpretation.

  • der hundertste Beitrag in meinem Thread ist der Musik der berühmtesten Lagunenstadt der Welt gewidmet: Venedig, auch "La Serenissima" (die Heitere) genannt.


    Wie faszinierend Venedig wohl im 17. und 18. Jahrhundert gewesen sein muss, aufregend, frivol, voller Gestank und Masken... eben genau wie Heute auch noch :D


    Die Venezianischen Komponisten stehen Heute allerdings alle im Schatten von Vivaldi - dabei gibt es gerade abseits davon wirklich wunderbare Schätze zu entdecken.



    Das Ensemble "Sanatori de la Gioiosa Marca" hat sich der Musik des 17. Jahrhunderts verschrieben.
    Sie haben 3 CD's aufgenommen mit Instrumentalmusik aus Venedig.


    Dabei war reine Instrumentalmusik mit dem Aufkommen der Oper und dem Opernboom in Venedig ein Gengre das fast gar nicht bedient wurde.
    Umso interessanter sind diese Einspielungen:




    Balli, Capricci, Stravaganze
    Sanatori de la Gioiosa Marca


    Diese Einspielung erhielt einige Preise - völlig zu Recht.
    Das Ensemble spielt Tanzmusik (Balletti für die Aristokratie) und Ostinato Variationen.
    Eine herrliche Musik, wer Chaconnen und Passacaillen liebt kommt sowieso nicht um diese Cd herum.
    Aber es gibt auch Ausflüge in die 12 Ton Musik... und gesungen wird auch mal - aber von den Musikern..... :D
    Aber auch die übrigen Stücke sind wunderschön anzuhören - und das Ensemble dürfte zu den besten italienischen Barockensembles gehören.


    Die Kompositionen stammen zum größten Teil von Merula, den Rest bilden Stücke von frescobaldi, Marini, Farina und Uccellini.



    Music for Strings in the Republic of Venice 1615 - 1630
    Sanatori de la Gioiosa Marca


    Hier werden einige Sonaten der großen Meister Venedigs zum Besten gegeben.
    Eben diese Werke die für den Habsburger Hof (Bertali, Biber & Schmelzer) stilbildent werden sollten = Stilo Moderno
    Die Sonaten und Canzonen dürften bei den großen Zeremonien im Markusdom ihren Platz gehabt haben.
    Die Kompositionen stammen hier von Rovetta, Marini, Castello, Turini, Fontana u.a.
    Solche Sonaten kennt man vielleicht von den Bläserensembles am Weihnachtsmarkt.... jedoch in der Besetzung des Ensembles Sanatori de la Gioiosa Marca und deren wunderbaren Interpretation vergisst man die bekannten Vergewaltigungen.




    Serenissime Sonate
    Music for Strings in the Republic of Venice 1630 - 1660
    Sanatori de la Gioiosa Marca



    Absolute Raritäten !
    Neben wirklich atemberaubend Sonaten von Arrigoni, Merula, Cavalli, Neri u.a. gibt es auch ein recht nettes Balletto von Marini, da kommt dann auch mal Schlagwerk ordentlich zum Zuge.
    Diese CD übertrifft die beiden Vorgänger vielleicht sogar noch.


    Und vielleicht wird die Serie noch weiter fortgesetzt - es ist jedenfalls großartige Musik, die hier eingespielt wurde.



    Bekannter ist ja die Musik des 18. jahrhunderts aus der Lagunenstadt.
    Tomaso Albinoni der leider Gottes für ein Stück berühmt wurde, das er gar nichts selbst geschrieben hat (das Adagio ist eine Fälschung die sogar so plump ist, dass sie nicht mal in seinem bzw. im Stil des Barock geschrieben wurde....)


    Man sollte diesen Kitsch vergessen und lieber die echten Werke Albinonis genießen. Es lohnt sich!




    Albinoni: oncerti a cinque Op. 5
    Ensemble Musicum 90 / Standage


    Eine exquisite Sammlung von 12 Konzerten für Streicherensemble.
    Hier spürt man die modernität Albinonis am ehesten, die Sammlung erschien 1707 - wenn man das mit anderen Werken dieser Zeit vergleicht, dann verschlägt es einem den Atem.
    Simon Standage und sein Ensemble machen dies Aunahme perfekt - selbst das Cover ist genial, war doch Albinoni Spielkartenfabrikant...



    Albinoni: oncerti Op. 9
    The Academy of Ancient Music / Hogwood


    Die Sammlung Op. 9 ist wohl die berühmteste Konzertsammlung des Venezianers. Die meisten Heute so populären Oboenkonzerte stammen aus dieser Sammlung - umso wichtiger diese wunderschönen Konzerte endlich mal in historisch informierter Spielweise zu hören.
    Auch das berühmte Oboenkonzert in d-moll ist natürlich mit dabei.
    Vor allem zeigen die Aufnahmen, das die echten Adagios von Albinoni hundertfach besser und herzergreifender sind.
    Die Aufnahme mit Hogwood ist da sicherlich erste Wahl.
    Als Oboisten hat er Frank de Bruine und Alfredo Bernardini herangezogen für die Violinkonzerte Andrew Manze.


    Besser gehts kaum noch


    :jubel: :jubel: :jubel:




    Alessandro Marcello: Concerti
    Ensemble Musicum 90 / Standage



    Marcello gehörte zum Venezianischen Adel und so hatte er es nicht nötig für seinen Lebensunterhalt zu komponieren.
    Wie Albinoni war er ein Dilettant - was aber im Barock keinesfalls negativ gemeint war.


    Seine Concerti die neben dem Streicherensemble auch noch Oboen verlangen sind ganz außergewöhnlich schön.
    Zumal er die Oboen nicht direkt solistisch einsetzt - was allein dadurch schon einen ganz eigenen Klang ergibt.


    Diese wunderbaren Aufnahmen lassen das Barocke Venedig wieder aufleben.
    Einfach wunderschön und herrlich musiziert!

  • Nun komme ich doch nicht umhin, diese beiden Einspielungen hier zu nennen:




    und


    Die erste beinhaltet die Klavierkonzerte No. 4 & 5 von Beethoven
    Die zweite das Klavierkonzert No.3 und das Violinkonzert in Beethovens Fassung für Klavier.


    Beide Einspielungen wurden von Arthur Schoonderwoerd mit seinem Ensemble Cristofori eingespielt.


    Eines vorweg, die Einspielung in historisch informierter Aufführungspraxis der Klavierkonzerte von Beethoven die ich an erster Stelle empfehlen würde ist weiterhin Hogwood mit Steven Lubin.
    Warum ?
    Weil Hogwood nicht ganz so krass zu Werke geht wie Schoonderwoerd – und wegen des günstigen Preises :D
    Denn egal wie genial auch die Einspielungen von Schonderwoerd sein mögen, hierbei könnten einige Hörer einen wahren Kulturschock erleben.


    Aber Schoonderwoerds Einspielung ist eine Alternative die man unbedingt haben muss !!
    Geplant ist, dass auch die Konzerte No. 1 & 2 beim Label Alpha erscheinen soll (2009)
    Diese Aufnahmen gehören zu dem aufregendsten was in den letzten Jahren überhaupt in Sachen HIP bei Beethoven aufgenommen wurde.
    Vielleicht sogar im ganzen Bereich der historisch informierten Aufführungspraxis.


    Was ist an Schoonderwoerds Einspielung so besonderes?
    Er versucht die ursprüngliche Konzertsituation wiederzubeleben, die Orchestergröße mit der Beethoven arbeitet.
    So sind die einzelnen Stimmen nur doppelt besetzt und es entsteht, zwar ein kammermusikalischer, aber dennoch voller Orchestersound, der einen einfach umhaut.
    Beethovens Musik klingt frisch, revolutionär und wirklich sehr herb.


    Schoonderwoerd spielt natürlich auf einem Fortepiano der Beethovenzeit, das Instrument hat einen wundervollen Klang.



    Beide Einspielungen haben die gleiche künstlerische Qualität.
    Zwar gibt es im Forum die Kritik, die Neuartigkeit der Interpretation würde sich recht schnell abnutzen – nun ich kann das nicht bestätigen, ganz im Gegenteil, bei jedem erneuten Hören werden die Aufnahmen spannender, weshalb sie ja auch schließlich in meinem Kanon auftauchen.


    Vor allem die seltene Fassung des Violinkonzerts, als sechstes Klavierkonzert ist phänomenal – das Violinkonzert mochte ich nie besonders, jetzt wurde dieses Werk zu einem meiner liebsten Beethovenstücke. Diese Transkription stammt übrigens von Beethoven selbst, und es ist eigentlich ziemlich merkwürdig wieso die Fassung für Violine beliebter ist.


    Die Konzerte 4 & 5 gehören ja sowieso zu den berühmtesten und beliebtesten Beethoven Werken, sie so zu hören, ist einfach ein unbeschreibliches Vergnügen.
    Wer die Konzerte nicht mehr hören kann, der wird hier ganz sicher wieder Feuer fangen.



    Allerdings muss ich doch noch etwas zu dem Thema „historische Aufführungspraxis bei Beethoven“ schreiben. *Achtung Polemik* ;)
    Wenn man sich die Kundenrezensionen durchliest, dann kann man sich über einige Äußerungen nur wundern.
    Hier wird oft von der „Rekonstruktion eines Notbehelfs“ gesprochen.
    Natürlich waren die damaligen Instrumente reinster Mist, der Saal wo Beethoven spielen durfte, eine Notlösung und das Publikum von damals sowieso blöd und ignorant.
    Weil, wir wissen ja Heute, dass Beethoven genau wusste, dass um 1850 in Amerika eine Familie Namens Steinway tolle Flügel bauen wird, diese im 20. jahrhundert perfektioniert und das Publikum im Jahre 2000 genau weiß, was in Beethovens Kopf vorging…… ich frage mich, wie die Leute auf so einen Blödsinn kommen.


    Das größte Missverständnis ist dass man der HIP Bewegung genau das unterstellt, was die HIP Gegner tun – zu wissen wie etwas zu sein hat.
    Mir ist kein Musiker der historischen Aufführungspraxis bekannt, der von sich behauptet, dass er genau weiß wie es damals war. Na ja mal abgesehen von Harnoncourt :stumm:
    Das sind alles künstlerische Ansätze, musikalische Thesen die man umsetzt.
    Alles was man versucht ist mit den damaligen Instrumenten, den damaligen Spieltechniken und den damaligen Konzertsituationen die Musik so aufzuführen, wie sie wahrscheinlich vom Komponisten gedacht war und wie sie vielleicht geklungen hat.
    Nicht immer kann man das genau feststellen, dann muss man eben Intuitiv handeln.
    Die Ergebnisse überzeugen mich jedenfalls immer wesentlich mehr, als wenn man versucht diese Musik mit modernen Instrumenten zu spielen.
    Das Argument, dass wir nicht mit den Ohren aus dem 18. Jahrhundert hören können ist ebenfalls blödsinnig, denn dann würde uns ja die ganze Alte Musik abstoßen.


    Das hat ausschließlich etwas mit Gewöhnung zu tun.


    Sicher war Beethovens Flügel wegen seiner Schwerhörigkeit wesentlich lauter, als die übrigen Fortepianos – aber das ist ja dann kein Notbehelf, sondern visionär…. Ach nein, man sollte es einfach akzeptieren, dass die Komponisten – wie übrigens Heute auch – Musik für die Instrumente geschrieben haben, die ihnen zur Verfügung standen. Denn nebenbei mussten sie davon auch ihren Lebensunterhalt bestreiten, mir ist jedenfalls nicht bekannt, das Beethoven gesagt hätte, ja im Moment klingt das noch alles Scheiße, aber in 200 oder 300 Jahren, da wird es Instrumente geben, da wird das dann alles toll klingen….nein es klang damals auch schon wunderbar.


    Schoonderwoerds Ansatz kann davon eine Ahnung geben.


    Man sollte die Vergangenheit nicht so von oben herab betrachten, die Menschen waren damals viel gebildeter als man Heute glaubt und erst recht das Publikum für das Beethoven spielte.
    Aber genug von diesem Mist.
    Schoonderwoerd hat mit seiner Einspielung gezeigt, dass dieser so genannte Notbehelf eigentlich ziemlich ideal Beethovens Musik zur Geltung bringt.
    Außerdem macht er etwas, was bei vielen Einspielungen nicht vorhanden ist - er spielt mit dem Orchester, nicht dagegen.


    Man sollte sich viel mehr an diesen Bahnbrechenden, visionären und wunderbar gemachten Aufnahmen erfreuen.
    Ich bin jedenfalls selten von einer Aufnahme so dermaßen gefangen und begeistert gewesen - das sind Einspielungen die man kaum genug würdigen kann.


    :faint:
    :jubel:
    :jubel: :jubel:
    :jubel: :jubel: :jubel:
    :faint::jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :faint:
    :jubel: :jubel: :jubel:
    :jubel: :jubel:
    :jubel:
    :faint:

  • 2008 ist in der Vendée das Richelieu-Jahr.
    1608 wurde Armand – Jean du Plessis de Richelieu Bischof von Lucon.


    Zu diesem Anlass gab es im Rahmen des Festivals de la Chabotterie, deren künstlerischer Leiter Hugo Reyne ist, zwei pionierhafte Konzerte mit noch nie in unserer Zeit aufgeführter Musik.
    Denn Richelieu war nicht nur Staatsmann, sondern auch ein großer Kunstkenner und begeisterter Musikliebhaber, genau wie Louis XIII.



    Die Konzerte hatten die Titel:


    « Musique Sacrée pour Richelieu »


    « Musique profane pour Richelieu »


    Glücklicherweise hat man sich entschlossen dieses Programme auf einer Doppel CD für den Weltmarkt zugänglich zu machen.
    Allerdings ist das CD Programm nicht identisch mit den Konzerten.
    Es fehlen z.B. die Airs de Cour von Moulinie und das Lamento de Cinq Mars von Barbara Strozzi.
    Aber diese Werke sind ja auch auf anderen Aufnahmen zu haben.



    Musique au Temps de Richelieu
    Maitrise d L'institut Musical de Vendee;Le Choeur du Marais, La Simphonie du Marais, Hugo Reyne


    Die erste CD ist der geistlichen Musik gewidmet.
    Man zog dafür u.a. die Bibliothek von Versailles heran, die ja Philidor sei Dank, einen großen Bestand dieser Alten Musik aufweißt.


    Das Programm beinhaltet folgende Werke:


    Cantate Domino , Motette für die Belagerung von La Rochelle
    Guillaume Bouzignac zugeschrieben


    La Pacifique (Streicher Ensemblestück) von Louis Constantin


    3 kleinere Motetten die Guillaume Bouzignac zugeschrieben werden.


    Ein anonymes Te Deum


    Die Messe „Musica simplex“ von Nicolas Formé


    Die Missa Laetamini von Annibal Gantez


    Ein De Profundis von Anthoine Boesset


    Und das von Schneebeli schon eingespielte „Domine Salvum fac Regem“ von Formé



    Die Kirchenmusik überrascht wieder durch ihre völlige Andersartigkeit.
    Und es zeigt sich erneut, dass dieser spezielle Kirchenmusik - Stil den man nun von Bouzignac her kennt, der Musikstil dieser Epoche gewesen ist.
    Einzig die Missa Musica simplex von Formé ist noch in dem polyphonen Stil der Renaissance geschrieben – mit Antiphonen Einschüben.


    Die Gesänge werden teilweise auch von einem Ensemble begleitet:


    3 Violinen
    2 Bratschen
    2 Gamben
    1 Theorbe
    1 Orgel
    2 Cornets
    1 Trompete
    3 Posaunen



    Der Chor besteht aus dem „petit Choeur“ 6 Sänger
    Und dem „Grand Choeur“ aus 32 Sänger.



    Auf der zweiten CD wurde das „Ballet de la Prosperite des armes de France“ (1641) aufgenommen.


    Dieses pompöse Ballett wurde im Februar des Jahres 1641 im Palais Cardinal (der spätere Palais Royal und Wirkungsstätte Lully, sowie das Gebäude das die spätere Academie Royale de Musique beherbergen sollte) aufgeführt.


    Anlass war die Hochzeit zwischen dem Duc d’Enghien, dem späteren Prinzen von Condé mit der Nichte des Kardinals.
    Einer der großen Träume des Kardinals ging damit in Erfüllung – seine Familie wurde Mitglied der königlichen Familie der Bourbonen.
    Mehr als hunderttausend Livre soll Richelieu das Spektakel wert gewesen sein.


    Das Libretto zu dem Hofballett schrieb sein Günstling Desmarest de Saint Sorlin.
    Die Musik stammte von Michel de Chancy, dem Oberhofmeister der Musik Richelieus, Louis de Molliere, La Barre und Verpré – also die bekannten Ballettmeister und Komponisten, deren berühmtestes Werk 1654 das „Ballet Royal de la Nuit“ werden sollte.


    Natürlich war der ganze Hof anwesend, Louis XIII, Anna von Österreich und der zweijährige Dauphin, der spätere Sonnenkönig.



    Das Ballett selbst ist ausschließlich in der Sammlung Philidors erhalten, als er den Auftrag von Louis XIV erhielt die alten Musikbestände zu ordnen und sauber abzuschreiben, war schon ein teil verloren gegangen.
    Dennoch ergeben die erhalten Entrees fast eine Stunde Musik.
    Man kann davon ausgehen, das insbesondere die vokalen Kompositionen abhanden gekommen sind, obwohl einige wenige in der Partitur überdauert haben.
    Die Poesie von Desmarest de Saint Sorlin wurde nicht mit aufgenommen, allerdings werden einige Entrees angekündigt (von Hugo Reyne)



    Die Aufnahme zeigt einmal mehr woher die Wurzeln der Musik Lullys kommen, einfach faszinierend.


    Die Interpretation ist wunderbar gelungen, allerdings hätte ich mir im Ballet den Einsatz von Schlagwerk und Trompeten gewünscht.
    Generell ist die Besetzung wohl zu klein, aber so ein gewagtes Projekt muss auch finanzierbar sein....
    Aber zumindest hat Reyne alte Oboen verwende, die man in Frankreich zwar auch als „Hautbois“ bezeichnet, in Deutschland aber eher als „Schalmei“ bezeichnen würde.
    Die Besetzung für das Ballett sieht so aus:


    3 Violinen
    2 Bratschen
    2 Gambe
    3 Lauten / Gitarren / Mandora
    1 Theorbe
    3 Oboen (Schalmei)
    1 Flöte
    1 Fagott


    4 Sänger sind ebenfalls beteiligt.


    Diese Einspielung ist ein wichtiger Meilenstein was die Erforschung dieser Musikepoche betrifft.
    Es ist unglaublich welch geniale Musik noch immer unbeachtet in den Bibliotheken herumliegt.
    In jedem Fall kann sich Frankreich rühmen ebensolche musikalischen Genies wie Italien hervorgebracht zu haben !


    Namen wie Boesset, Formé, Bouzignac, de Chancy und Moulinie wird man bald in einem Atemzug mit Gabrieli, Monteverdi, Peri, und Cavalli nennen müssen.




    Diese Pioniertat von Hugo Reyne und seinem Ensemble ist hoffentlich Anstoß gnug, mehr von dieser faszinierenden Musik zu spielen !




    :lips:
    :lips: :lips:
    :lips: :lips: :lips:
    :lips: :lips: :lips: :lips:
    :lips: :lips: :lips:
    :lips: :lips:
    :lips:


  • Musik am Hofe Bamberger Fürstbischöfe 1583 – 1683


    So lautet der Titel einer prächtigen Edition des Labels Ambitus.
    Die Box umfasst 5 CD’s mit ganz hervorragenden Aufnahmen.


    Allerdings sei gleich gesagt, dass es sich hier wirklich um „Hardcore Barock“ handelt.
    Komponisten die Teilweise noch nicht mal Kennern und Liebhabern ein Begriff sein dürften und Musik die natürlich zum größte Teil ihren Platz in der Kirche hat.


    Aber genug der Abschreckung. :D
    Die Aufnahmen die hier gemacht wurden sind interpretatorisch absolute Glanzleistungen.
    Das Repertoire, so außergewöhnlich das ganze erst mal anmuten mag, gibt einen repräsentativen Einblick in die barocke Musik die im 17. Jahrhundert in Deutschland üblich war.



    Bemerkenswert ist, welch hohen Standart die Hofkapelle in Bamberg im 17. Jahrhundert wohl hatte. Die Kompositionen sprechen für sich.
    Aber man sollte hier keinen Hochbarocken Pomp erwarten.
    Alle Aufnahmen befassen sich mit sinnlicher, leicht melancholischer und intimer Musik. So werden fast alle Messen und Motetten nur von einem Continuo Ensemble begleitet.
    Aber es gibt auch einige Instrumentalwerke von erstaunlicher Qualität.
    Nicht nur die großen Höfe in Deutschland waren stets auf dem Laufenden was Musik betrifft, hier sind die neuesten Einflüsse aus Italien eingearbeitet.
    Und man muss anerkennen, dass die Fürstbischöfe von Bamberg absolute Kenner gewesen sind.
    Nicht jeder Hof verfügte über so auserlesene Kompositionen.


    Die Texte zu jeder CD sind hervorragend geschrieben und sehr informativ.
    Deshalb spare ich mir hier Details zu den Komponisten.


    In jedem Fall ist diese Box für jeden ein Muss, der sich für die Musik des Barock in Deutschland interessiert, abseits von Schütz und Rosenmüller.




    Hier die 5 CD’s nochmal im Überblick (die sind übrigens auch einzeln erhältlich, allerdings muss man wohl bei Ambitus direkt bestellen - was aber kein Problem darstellt).



    CD 1: Musik für Ernst von Mengersdorf Fürstbischof von Bamberg 1583 - 1591



    Orlando di Lasso: Deutsche Lieder / Orgelwerke
    Johanna Koslowsky, Sopran/Alt; Mona Spägele, Sopran; Harry Geraerts, Tenor; Bruce Dickey, Zink; Konrad Junghänel, Laute; Musica Canterey Bamberg; Leitung und Orgel: Gerhard Weinzierl



    CD 2: Musik für Johann Georg von Dornheim Fürstbischof von Bamberg 1623 - 1633



    Heinrich Pfender (c. 1590 – 1631) Motetten – Psalmen – Instrumentalwerke
    Nele Gramß und Veronika Winter, Sopran; Elisabeth Popien, Alt; Gerd Türk und Wilfried Jochens, Tenor; Stephan Schreckenberger, Bass; Sabine Lier und Martina Graulich, Violine; Ekkehard Weber, Viola da gamba; Lee Santana, Chitarrone; Klaus Eichhorn, Orgelpositiv; Musica Canterey Bamberg; Leitung: Gerhard Weinzierl



    CD 3: Musik für Melchior Otto Voit von Salzburg Fürstbischof von Bamberg 1642 – 1653



    Georg Mengel (1612 – 1667) Miserere mei Deus (2 Versionen) - Domine Jesu Christe – Motette a 5 – Orgelwerke
    Mona Spägele und Nele Gramß, Sopran; Paul Gerhardt Adam Altus; Gerd Türk und Wilfried Jochens, Tenor; Stephan Schreckenberger, Bass; Ekkehard Weber, Viola da gamba; Leitung und Orgel: Gerhard Weinzierl



    CD 4: Musik für Philipp Valentin Voit von Rieneck Fürstbischof von Bamberg 1653 – 1672




    Georg Arnold (1621 – 1676) Cantiones Sacrae – Canzon a 3 – Missa in quarta
    Johanna Koslowsky und Mona Spägele, Sopran; Paul Gerhardt Adam Altus; Wilfried Jochens, Tenor; Stephan Schreckenberger, Bass; Veronika Skuplik und Elfriede Stahmer, Violine; Laurence Trayger, Viola; Ekkehard Weber, Viola da gamba; Bernhard Junghänel Bassdulcian; Michael Behringer Orgelpositiv; Musica Canterey Bamberg; Leitung: Gerhard Weinzierl



    CD 5 Musik für Peter Philipp von Dernbach Fürstbischof von Bamberg 1672 – 1683



    Johann Baal (1657 – 1701) Missa in A – Violinsonate – 4 Solomotetten
    Johanna Koslowsky, Sopran; David Cordier, Altus; Wilfried Jochens, Tenor; Stefan Schreckenberger, Bass; Konrad Junghänel, Chitarrone; MENSA SONORA FREIBURG; Leitung: Gerhard Weinzierl



    :jubel: :lips: :jubel: :lips: :jubel: :lips: :jubel:

  • Die Opernszene in Frankreich neben Rameau ist bis Heute ja nicht sonderlich erforscht.
    Manch eine Publikation spricht sogar davon, dass zwischen Rameaus Tätigkeit für die Oper und der späteren Präsenz von Gluck nichts Nennenswertes für die französische Oper geschrieben wurde.


    Oft kann man sogar lesen, dass außer Rameaus Bühnenwerke nichts bedeutsames aus Frankreich zu erwarten ist.



    Dass das natürlich alles völliger Quatsch ist, wird mit jedem Werk das der Vergessenheit entrissen wird nur allzu deutlich.
    Man denke nur an die Werke von Mondonville, die ich hier auch demnächst vorstellen werde.


    Daniel Cuiller, der bereits eine CD mit Orchesterstücken von franceour und Rameau veröffentlichte, die sich vor allem wegen der phänomenalen Chaconne von Mr. Berton lohnt, hat nun ein ganzes Bühnenwerk von Francoeur ausgegraben und aufgenommen.


    [jpc]1018132 [/jpc]
    Francois Francoeur & Francois Rebel: Pirame et Tisbe, Tragèdie Lyrique en 5 actes et un Prologue (Version 1779)
    Ensemble Stradivaria / Cuiller




    Francois Franceour gehört wohl zu den interessantesten Komponisten neben Rameau und Mondonville. Der Gedanke drängt sich sowieso schon auf, wenn man die „Symphonies pour le Festin Royale du Comte d’Artois“ hört.
    Francoeur war Superintendant der königlichen Musik, diesen Posten teilte er sich mit Francois Rebel, dem Sohn des Heute wesentlich bekannteren Jean Fery Rebel.



    Das Werk war eine ihrer ersten gemeinsamen Arbeiten und wurde erstmals 1726 an der Academie Royale de Musique aufgeführt.
    Da beide Künstler noch sehr jung waren, bekam die Oper den Beinamen „L’Opera des enfants“ die Oper der Kinder.
    Dennoch die Oper war ein großer Erfolg und das über 50 ! Jahre hinweg.
    Zwar war man sich sicher, dass die beiden jungen Männer Hilfe von „einem großen Meister“ bekamen – womit nur Michel Richard Delalande gemeint sein kann. Denn die Zeitgenossen meinten zu glauben, dass die Chöre so wunderbar seien, dass sie nur von Delalande sein könnten.


    Das mag wohl sein, denn die beiden gaben zu, Hilfe gehabt zu haben.
    Alles in allem ist es eine ganz vorzügliche Tragèdie Lyrique.
    Und wenn man bedenkt, dass die hier vorliegende Version von 1779 stammte, so kann man nur wieder staunen, wie groß der Einfluss Lullys, noch fast 100 Jahre nach seinem Wirken gewesen ist.
    Die Sonderstellung Rameaus wird zwar so auch hervorgehoben – denn die anderen Komponisten scheinen seine extravagante Instrumentation nicht mitgetragen zu haben. Allenfalls der Einfluss von Campra ist deutlich hörbar.


    Diese Oper ist absolut konservativ im Stile Lully verfasst, was wohl auch der Grund für den enormen Erfolg gewesen ist.


    Pirame e Tisbe ist ein Meisterwerk, die Oper verfügt über alles was eine Tragèdie Lyrique haben sollte, natürlich gibt es ausgedehnte Rezitative nach dem Vorbild Lullys, eine schöne Chaconne, eine große Szenen mit Pauken und Trompeten und viele Tänze und natürlich auch eine Art Sturm.



    Der Schluss der Oper ist dramatisch, aber knapp – kein Chor, keine Instrumentalnummer.
    Oft wird das als Grund angeführt, wenn eine Oper damals floppte.
    In diesem Punkt irrt also die Wissenschaft.


    Das Libretto stammte von Jean Louis Ignace de la Serre, Sieur de L’Anglade und schien dem damaligen Publikum sehr zuszusagen.


    Das Werk selbst war dem Prince de Conti gewidmet.





    Die Interpretation ist tadelos und bewegt sich auf höchstem Niveau.
    Eine wirkliche Entdeckung die das Bild der Oper des 18. Jahrhunderts sehr bereichert.


    Übrigens, viele der Tänze dieser Oper tauchen in der Sammlung „Symphonies pour le Festin Royale“ von 1773, die Franceour zusammenstellte, wieder auf, ein weiterer Beweis für die Popularität dieser Oper.


    Die Story dürfte auch jedem bekannt sein, die mythologische Geschichte von Pyramus und Tisbe ist so ziemlich die gleiche Geschichte wie Romeo und Julia (soviel zu Shakespears genialstem Werk... :stumm: )
    Da war Ovid schneller :D


    Die Tracks sind auf den beiden CD's übrigens nur nach Szenen getrennt, dadurch sind manche Tracks ungewöhnlich lang.


    Aber dieses Werk ist so dermaßen schön, dass es eh keien Grund gibt bestimmte Szenn zu überspringen. :D
    Allein die Ouvertüre ist hinreißend.



    Diese Einspielung ist in jedem Fall für jeden Liebhaber der Barockoper, bzw. der frz. Barockoper ein absolutes muss!


    Bitte mehr von solchen tollen Werken !

  • Die Düben Sammlung in Stockholm stellt sicher neben der Sammlung der Murhardschen Bibliothek in Kassel eine der interessantesten und einmaligsten Musiksammlung Europas für Musik des 17. Jahrhunderts dar.
    Doch im Gegensatz zu Kassel kümmert man sich in Stockholm hervorragend um die Auswertung und Pflege.
    In Kassel ist man sich bis Heute nicht mal über diesen Musikalienschatz bewusst....


    So wurde auch das Label „Musica Sveciae“ gegründet, dass den Musikbestand der Düben Sammlung und das schwedische Musikerbe im Besonderen, in hervorragenden Aufnahmen präsentiert.


    Die CD’s sind außerhalb Schwedens nicht bei jedem Anbieter zu beziehen, aber JPC besorgt die Aufnahmen ohne Probleme.
    Neben Werken der Düben Sammlung, wurden auch hier die ersten Aufnahmen von Johann Helmich Roman und Joseph Martin Kraus veröffentlicht.



    Es gibt eine hervorragende Doppel CD, die sich jedoch ganz der Sammlung der Familie Düben widmet.
    Doch wer war Düben ?
    Die Dübens, also eine ganze Familie, waren am königlichen Hof zu Stockholm die Kapellmeister. Ursprünglich wanderten sie aus Deutschland ein.
    Durch ihre ausgedehnte Reisetätigkeit sammelten sie eine Unzahl von Manuskripten aller musikalischer Stile ihrer Zeit (etwa 1650 - 1720)
    Aber auch eigene Werke der Familie befinden sich natürlich in der Sammlung.


    Die vorliegende CD gibt einen Einblick in verschiedene musikalisches Gengres die in dieser Sammlung enthalten sind: geistliche Musik, Sonaten, Orgelwerke und sogar ein höfisches Ballett nach frz. Vorbild.




    Music at the Royal Palace of Stockholm
    Corona Artis / Hans Davidson



    Selten habe ich eine so sorgfältige und erstklassige Umsetzung eines solchen Projekts gesehen und gehört. Als ich die beiden CD’s hörte, war ich absolut sprachlos und gebannt von den wunderbaren Klängen.



    Das Ensemble musiziert auf höchstem Niveau, auch die Sänger stehen da nicht hinten an.
    Dabei ist die Produktion schon fast 14 Jahre alt.



    Die Auswahl bevorzugt natürlich die Familie Düben. Aber auch Komponisten wie Geist, Sweelinck, Froberger, Albrici, Dijkman, Ritter und Verdier sind vertreten.
    Das ganze gibt ein beeindruckendes Bild der schwedischen Hofmusik im 17. Jahrhundert.
    Und wie mal in einer Doku über Schloss Drottningholm gesagt wurde, „Schweden war gewiss nicht die kulturelle Hinterbühne Europas“
    Vielleicht hatten die Schweden nie einen eigenen Musikstil im Barock entwickelt, wie es andere Nationen taten – doch sie hatten Geschmack und sammelten das Beste in ihrer Zeit!


    Die Sammlung Düben ist übrigens die einzige Sammlung, neben der Sammlung in Kassel für französische Orchestermusik der Jahre 1650 – 1668.
    Für Guillaume Dumanoirs Musik, dem Leiter der 24 Violons du Roy sind diese beiden Sammlungen sogar die einzigen Quellen mit seiner Musik.


    In beiden Sammlungen dürften noch viele einmalige Werke zu finden sein. Wenigsten kümmert man sich in Schweden um eine angemessene Pflege dieser Werke.
    Der Wert ist jedenfalls unermesslich.



    Die geistlichen Werke haben eindeutige italienische und norddeutsche Wurzeln. Auch sind die Sonaten und Orgelwerke ähnlich geprägt.
    Doch was die Orchestermusik anbelangt, da hielt man sich an Frankreich.
    Das Ballett das hier vorgestellt wird, ist allerdings in Teilen rekonstruiert mit Musiken von Lully, Campra und Colasse. Da nur die Vokalen Partien erhalten blieben. Alle Tänze und Instrumentalnummern sind leider verloren.
    Aber mit den „Ersatzstücken“ der frz. Großmeister kann man durchaus leben und einen Eindruck bekommen.



    Alles in allem eine der hervorragendsten Produktionen, die nun in meine Sammlung bereichert.
    Ein wirkliches musikalisches Schmuckstück, von dem ich gerne noch weitere Editionen hätte....
    Nun zumindest hat das Label Musica Sveciae noch eine Menge interessanter Titel.

  • Herve Niquet und sein Concert Spirituel haben in der Vergangenheit oft meine Kritik auf sich gezogen. Einmal weil das Continuo fürchterlich schepperte, dann weil die Passagen für Pauken und Trompeten zu regelrechtem Gedudel verkamen.
    Das Te Deum von Lully ist dadurch eigentlich schon regelrecht misslungen, während die übrigen Grands Motets aber ausgezeichnet aufgenommen worden sind.




    Doch mit den letzten Aufnahmen hat Niquet den Stil seines Ensembles absolut verbessert und einen angenehmeren Klang geschaffen, der Interpretationen von Reyne, Christie, Rousset oder Minkowski in nichts nachsteht.



    Im letzten Jahr führte er Lullys Tragedie Lyrique „Proserpine“ auf.
    Allerdings ohne Prolog, was die Kenner in Frankreich auf die Barrikaden trieb.
    Doch war die Streichung des Prologs wohl keine alleinige Entscheidung Niquets, denn die Oper wurde ja auch szenisch gegeben und da war der Prolog wohl für den Regisseur nicht zu bewältigen... wie auch immer, in der CD Aufnahme wurde der Prolog nachträglich aufgenommen.




    Jean Baptiste Lully: Proserpine, Tragèdie Lyrique en 5 actes et un Prologue 1680
    Le Concert Spirituel / Niquet



    Die Oper wurde damals im Chateau Saint-Germain en Laye uraufgeführt, wie viele andere Werke Lullys auch (Atys z.B.)


    Proserpine war das erste Werk, das wieder in der Zusammenarbeit mit Quinault entstand.
    Die Überarbeite Fassung von Psyche ( 1678 ) und die Tragèdie Lyrique „Bellerophon“ ( 1679 ) hatten andere Librettisten, da ja Quinault im Jahre 1677 wegen der „Isis“ bei Hofe in Ungande gefallen war.


    Proserpine gehörte nie zu den besonders beliebten Werken Lullys, obwohl sie doch recht häufig aufgeführt wurde und das bis ins 18. Jahrhundert hinein.
    Doch ähnlich wie bei den Opern Isis und Phaeton war das Publikum Anfangs icht wirklich überzeugt.
    Die sehr gedehnte Handlung war wohl auch der größte Kritikpunkt, aber es spricht auch wieder für Quinault wie er es geschafft hat, diese schnell erzählte Geschichte in 5 Akte zu verpacken, ohne das Langeweile aufkommt.


    Und doch ist Proserpine ein Meisterwerk – wie jede Oper Lullys hat auch dieses Werk einige einmalige Besonderheiten, die in keinem anderen Werk zufinden sind.
    Ähnlich wie bei Psyché hat das Orchester eine bedeutende Rolle.


    Die Chöre weisen bereits die klassizistischen Züge auf, die man in den späteren Werken wie Persee, Amadis oder Roland findet.
    Die Rezitative sind auch wesentlich dramatischer und „perfekter“ als in den Vorgängerwerken.


    Es gibt zahlreiche Duette und Terzette, deren Schönheit ebenso überwältigend ist, wie ihre Kürze. Der 3 Akt ist ausschließlich der Ceres, der Mutter von Proserpine gewidmet und ihrem Schmerz über den Verlust.
    Natürlich kommt auch der barocke Pomp nicht zu kurz.
    Der Prolog verfügt über zwei Fanfaren, wobei die erste aus der Alceste stammte, das Finale der Oper ist eine beeindruckende Szene mit Solisten, Chor, Orchester und Pauken und Trompeten.
    Die Divertissements sind alle wunderbar.


    Salome Haller als Proserpine ist schon eine Traumbesetzung.
    Und auch die übrigen Sänger wissen zu gefallen.


    Das Concert Spirituell hat wie schon angesprochen an seiner Spielweise sehr gefeilt.
    Die große Eleganz wie die Ensembles von Christie, Reyne oder Rousset erreichen sie noch nicht ganz, aber sie sind auf dem besten Wege dahin.


    Das Booklett ist zwar informativ, aber leider ist das Libretto nur in französischer, italienischer und englischer Sprache abgedruckt.
    Und trotz des nachträglich aufgenommenen Prologs weißt die Einspielung doch recht viele Streichungen auf (wohl der Spielzeit von 2 CD's angeglichen)
    Die Streichungen betreffen einige Tänze und Airs, sowie alle Wiederholungen von Chören und Tänzen.



    In jedem Fall darf man für diese weitere Operneinspielung sehr dankbar sein.
    Anscheinend wird Lully nun doch endlich so gewürdigt wie er es verdient. Immerhin sind weitere Einspielungen von seinen Opern und Balletten für die nächste Zeit geplant.

  • Die erste echte Tragèdie Lyrique „Cadmus et Hermione“ wurde 1673 unter stürmischen Beifall im Theater des Palais Royal aufgeführt und erfreute sich auch noch im 18. Jahrhundert großer Beliebtheit.


    Lully hatte durch einige Intrigen die Opernrechte an sich gebracht, aber zur Einweihung der Bühne der Academie Royale de Musique arrangierte er erst mal ein Pasticcio (Les Fêtes de l’Amour et de Bacchus) – Zeitnot eben.


    Doch selbst diese Notlösung war so erfolgreich, dass er genug Zeit hatte die erste große Oper in Angriff zu nehmen.


    Lully wandte sich an Philippe Quinault, dessen Fügsamkeit und großes Talent im schon früher aufgefallen war, und besonders bei der Zusammenarbeit bei dem Tragèdie Ballet „Psyché“ wohl Lully überzeugte, künftig mit ihm zusammen zuarbeiten.


    Das Ziel war es, all das was der Hof, der König bisher so geschätzt haben zu vereinen:
    Poesie, Ballett, die Airs de Cour und die großen Chöre.
    Aber vergleicht man diese erste Oper mit Armide oder anderen späteren Werken, dann fällt natürlich auf, dass hier einiges noch recht ungeschliffen und manchmal auch etwas gezwungen wirkt.
    Und doch war diese Oper so erfolgreich, dass Lully sich mit diesem und den nachfolgenden Werken fast selbst besiegte, denn seine älteren Ballette und Bühnenmusiken waren schnell vom Großteil des Publikums vergessen.
    Anders der König selbst, er ließ sich noch in seinen späten Lebensjahren die alten Airs aus den Balletten vorspielen.


    Cadmus et Hermione gehört zu den meistgespieltesten Opern Lullys.
    Liselotte von der Pfalz berichtet in ihren Briefen ausführlich über diese Oper – und auch darüber wie bestürzt sie war, weil sie die Premiere nicht besuchen konnte, da sie erkrankt war. Welche Bedeutung die Opern Lullys für den Hof hatten, lässt sich schon daran ablesen, dass Liselotte alle (!) Opern Lullys auswendig kannte, und oft und gerne ganze Textpassagen aus diesen Werken zitierte.



    Die erste Aufführung der gesamten Oper in unserer Zeit wurde von Christophe Rousset geleitet. Leider wurde diese Produktion, die herausragend geglückt war, nie auf CD veröffentlicht, schon komisch, dass man sich für den Ursprung der frz. Oper erst so spät interessierte...


    Aber dafür entschädigt nun das Label Alpha, mit der DVD Produktion.



    Lully: Cadmus et Hermione, Tragèdie Lyrique en 5 actes et un Prologue
    Le Poeme Harmonique / Dumestre




    Die musikalische Interpretation ist noch einen Tick besser geraten als bei Rousset, zumal hier auch die Instrumentierung etwas phantasievoller geraten ist.
    Das Basso Continuo der Poeme Harmonique ist sowieso genial, und auch hier wird mit viel Phantasie begleitet.
    Schön auch, der Einsatz der Flöten.
    Die Ausgestaltung der Details der Ritournelle ist überaus geglückt und auch die Sänger sind allesamt hervorragend, der Chor klanggewaltig.
    Der Gesamtklang wird auch kaum von Publikumsgeräuschen gestört, allerdings gibt es ab und zu mal ein Husten, aber das lässt sich ja niemals vermeiden.
    Sehr schön auch die Pauken und Trompeten.



    Cadmus und Hermione gab genug Gelegenheit schöne Effekte einzubauen, König Cadmus töten einen Drachen um dann dessen Zähne zu sammeln, die streute er auf dem Feld des Mars aus und aus der Erde entwuchsen Krieger.


    Das alles wird auch in der Oper thematisiert.
    Und da spürt man auch, dass Quinault noch nicht die Reife hatte, wie in seinen nachfolgenden Werken.
    Der Höhepunkt der Oper ist der 3. Akt, andere Akte fallen dagegen ab, weil Der 3. Akt beginnt recht lustig, fast in der Art von Moliere. Die Begleiter von Cadmus ängstigen sich zu Tode und bibbern vor dem Drachen, dann kommt Cadmus und meint, ja und was ist los, haut den Drachen um und geht wieder. :D:D:D
    Die Begleiter zeigen nun ihren ganzen Mut und erstechen den Kadaver des Drachen.


    Danach kommt gleich die beeindruckendste Szene der ganzen Oper, die Anbetung des Mars.
    Mit Pauken und Trompeten und Chor hat Lully eine seiner schönsten Passagen verfasst.


    Im vierten Akt lösen sich eigentlich alle Konflikte auf, dumm nur, dass man aber noch einen 5. Akt braucht..... also erscheint Juno und entführt Hermione.
    Es folgt eine bittere Klage des Cadmus, der damit eine Versöhnung der Götter bewirkt.
    Der Rest des Aktes ist als großes festliches Divertissement gestaltet.
    Die Musette wird hier mit einer dominierenden Gambe gestaltet – faszinierende hypnotische Wirkung, zwar fällt das etwas aus dem rahmen, aber es ist genial gemacht.



    Die Inszenierung stammt von Benjamin Lazar, der auch schon „Le Bourgeois Gentilhomme“ inszenierte.
    Die Inszenierung ist somit auch im gleichen Stil gehalten.
    Augenscheinlich mag die Szenerie stark historisierend wirken, aber durch die sehr bunten Kostüme und den nur angedeuteten Barocktanz ist das ganze noch etwas weit davon entfernt, wie man Barockopern im 17. Jahrhundert inszenierte.


    Aber dennoch wurde viel Liebe zum Detail und Phantasie bewiesen.
    Die Kulissen sind alle gemalt und gestaffelt aufgestellt, auch gibt es ab und zu „magische Veränderungen“ im Barock waren die allerdings häufiger zu sehen und auch eine Spur extremer. Auch kommt die Bühnenmaschine zum Einsatz. Es ist schon mal sehr schön soetwas endlich mal ansatzweise zu sehen.


    Die Kostüme sind historisierend, Ähnlichkeiten zu den Stichen des königlichen Kostümdesigner Jean Berain sind auszumachen, allerdings halte ich die Stoffwahl für mehr als fragwürdig.


    Sehr schade ist, dass man darauf verzichtet hat die historisch erhaltenen Choreographien mit einzubeziehen, zwar werden historische Tänze dann und wann zitiert, aber eine konsequente Umsetzung hätte dem ganzen vielleicht mehr Ernsthaftigkeit verliehen.


    Die Beleuchtung wird wie auch schon beim Bourgeois Gentilhomme hauptsächlich mit Kerzen gemacht, was recht reizvoll wirkt, allerdings die wunderschönen Kulissen leider etwas im dunkeln lässt.




    Abschließend kann man sagen, das die musikalische Umsetzung dieser ersten Tragèdie Lyrique Lullys, die zugleich auch den Grundstein der frz. Nationaloper bildet mehr als gelungen ist.
    Die Inszenierung ist hübsch anzusehen, phantasievoll und auch mit reichlich Humor ausgestattet. Zwar wirkt das ganze etwas überladen durch die sehr bunten Kostüme und das sehr opulente Bühnenbild, aber es ist in jedem Fall ein großer Spaß fürs Auge und eine Genuss fürs Ohr.
    Vincent Dumestre hat sich mit diesen Produktionen in die Oberliga der Lully Interpreten gespielt, als nächstes sollen Produktionen von Campras „Tancrede“ und Lullys „Bellerophon“ folgen, man darf gespannt sein.

  • Mittlerweile dürfte es auffällig genug sein, dass bei meinen Unverzichtbaren, fast jede Einspielung der Werke Lullys auftaucht.
    Und das hat für mich auch seine Berechtigung, denn für mich ist jedes Werk von Lully in der Tat unverzichtbar.


    Glücklicherweise befriedigt Hugo Reyne meine Gier nach neuen Werken mit regelmäßigen Veröffentlichungen auf CD, Lully hat kaum einen besseren Interpreten, der meinen Geschmack so sehr entgegenkommt.



    Nun ist Vol. X der Serie „Lully ou le Musicien du Soleil“ erschienen, ein weiteres Ballet de Cour. Also jene Gattung die bisher noch so gut wie gar nicht ins Bewusstsein der Barockmusik getreten ist, in mir aber einen besonders großen Fan gefunden hat.


    Das Ballet Royal des Arts wurde am 8. Januar des Jahres 1663 aufgeführt und wie üblich durch die Mitglieder des Hofes getanzt.
    Das besondere ist vielleicht, dass durch dieses Ballett Lullys frühe Schaffensperiode abgeschlossen wurde.
    Seit 1654 hatte er jedes Jahr ein bis drei Ballette für Louis XIV verfasst, daneben auch noch kleinere Gelegenheitswerke.



    Um die Zeit der Entstehung noch etwas zu beleuchten, 1660 heiratete Louis XIV die Infantin von Spanien, kurz darauf starb der Kardinal Mazarin und Louis XIV übernahm die Alleinherrschaft.
    1661 fand das berüchtigte Fest in Vaux-le-Vicomte statt, dass zu allerlei Legendbildung anregte, aber sich letztlich nur ein korrupter Finanzminister selbst den Strick drehte.
    Ab jetzt begannen die großen Bauarbeiten in Versailles, dass dann 1664 mit allergrößtem Pomp eingeweiht werden sollte (Les Plaisirs de l’Îsle enchantée)
    Aber natürlich gab es für dieses Ballett auch einen offiziellen Anlass:


    1662 feierte Louis XIV seinen Einzug in Dünkirchen, es wurde fast als militärischer Sieg gefeiert, dabei hatte er die Stadt "nur" gekauft.
    Dennoch war das Ereignis bedeutend genug um Europa einen kleinen Schrecken von der Macht des Sonnenkönigs zu versetzen.
    Und man ließ es sich auch nicht nehmen, von dem Ereignis einen Gobelin anfertigen zu lassen:




    (Bildmaterial Wikipedia)


    Man führte zu diesem Ereignis also das Ballet des Arts auf, das eben auch eine entsprechende Botschaft hatte.
    Das Ballet ist in 7 große Entrées aufgeteilt, die von einer Ouvertüre im alten Stil eröffnet werden:


    Premier Entrée: L’Agriculture (die Landwirtschaft)
    Deuxième Entrée : La Navigation (die Navigation)
    Troisième Entrée: L’Orfèvrerie (die Goldschmidekunst)
    Quatrième Entrée: La Peinture (die Malerei)
    Cinquième Entrée : La Chasse (die Jagd)
    Sixième Entrée : La Chirugie (die Heilkunst)
    Septième Entrée : La Guerre (die Kriegskunst)




    Jedes Entrée besteht aus mehreren Tänzen und einem eröffnendem Air de Cour, die ersten beiden stammen von Michel Lambert, der ja für viele Ballette die vokalen Partien verfasste.


    Interessant ist, was man alles unter "die Künste" vereinte, niemand käme Heute mehr auf die Idee Landwirtschaft oder die Jagd als Kunst zu bezeichnen – umso seltsamer erschein es, dass Poesie und Musik gar nicht auftauchen.
    Dass einige Entrées dadurch auch genügend Raum für komische Szenen bieten, liegt auf der Hand.


    Louis XIV tanzte natürlich auch mit, nein diesmal nicht als die Sonne, sondern als die Allegorie des Krieges im letzten Aufzug – eine eindeutige Botschaft an die Herrscher Europas.




    Lully: Le Ballet Royal des Arts 1663
    La Symphonie du Marais / Reyne



    Die Einspielung knüpft an das hervorragende Niveau der anderen Folgen der Edition an.
    Reyne gelingt es die Partitur wunderbar mit Leben zu füllen, eine Instrumentierung ist ja bei diesen frühen Werken nicht auszumachen, meist ist sowieso nur die erste Stimme und die Basslinie erhalten.... wenn man Glück hat.


    Das Ballett wurde in Versailles zu den diesjährigen Musikfestspielen aufgeführt, sowohl szenisch, als auch konzertant.
    Das Ballet des Arts ist eines der ersten Projekte, das Ballet de Cour wieder auf die Bühne zu bringen, die Inszenierung war auch recht humorvoll und phantasievoll, so dass die Aufführungen allesamt sehr erfolgreich waren.


    Wie es in dieser großartigen Serie für den größten Komponisten des Barock weitergeht steht noch nicht ganz fest.
    Anscheinend bereitet Reyne als Vol. XI die Oper „Atys“ vor.



    Man wird sehen.
    Das Ballet des Arts ist jedenfalls eine phantastische Neuproduktion, an der ich mich kaum satt hören kann.




    :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:

  • Francois Couperin ist ja vor allem für seine Kammermusik und die Cembalowerke bekannt.
    Nie hat er sich an der Oper versucht, nie für große Besetzungen geschrieben.


    Davon geht man jedenfalls aus, weil eben nichts erhalten ist, was diese Annahme untermauern könnte.


    Doch immerhin gibt es das Gerücht, das eine frz. Familie im Besitz der Originalpartituren der Grands Motets aus der Feder Couperins sei.
    Nur diese ominöse Familie gibt niemanden Einblick in diesen Schatz (....)



    Peter Holman, der Leiter der Parley of Instruments, der ja auch einen Hang zur frz. Orchestermusik hat, ist der Meinung, dass Couperin sehr wohl auch Orchesterwerke und vielleicht sogar ein Divertissement geschrieben hat.
    Anlass zu dieser Vermutung war das 8. Concert der „ Goûts reuinis“, die Fortsetzung der Concerts Royaux.
    Dieses achte Konzert unterscheidet sich erheblich von den übrigen Konzerten.
    Es ist nicht nur das längste, im Gegensatz zu den anderen Werken wird es auch als einziges durch eine Ouverture eröffnet und verfügt über sehr theatralische Tänze.
    So lautet die Vermutung, dass dieses Konzert vielleicht das Fragment eines Divertissemnst oder Ballets gewesen ist, das bei den Appartements des Sonnenkönigs in Versailles aufgeführt wurde.
    Man wird es wohl nie wissen, denn außer diesem außergewöhnlichem Konzert weißt nichts darauf hin.
    Fakt ist jedoch, dass dieses Konzert völlig anders ist, als die übrigen Konzerte der Sammlung.




    So haben Holmann und Gardiner eine Version / Bearbeitung dieses Konzerts als Orchestersuite vorgelegt und das Ergebnis ist mehr als überzeugend.


    Ich habe die CD 1996 in Saarbrücken erworben, damals empfand ich die Einspielung als fremdartig, da mir die Musik Couperins noch nicht so vertraut gewesen war, ich glaube sogar, dass das damals meine erste Couperin CD gewesen ist.


    Mittlerweile ist mir die CD sehr ans Herz gewachsen und sie avancierte zu einer meiner liebsten Couperin CD’s überhaupt.



    Couperin: Concert dans le Goût Theatral / Les Apotheoses de Corelli & Lully
    The English Baroque Soloists / Gardiner



    Neben dem Concert werden auch noch die beiden Apotheosen die Couperin für Corelli und Lully schrieb, auf der CD vorgestellt.
    Das sind sehr bemerkenswerte Werke, denn Couperin versucht den Stil der beiden Komponisten zu imitieren. Das gelingt ihm außerordentlich gut.
    Jeder Satz ist mit einer kleinen Beschreibung versehen, somit kann man diese Apotheosen in ihrer Gestalt durchaus als Tondichtungen bezeichnen.
    Vielleicht wurde beim Konzert sogar noch diese Textzeilen vorgetragen.


    Die Apotheose des Herrn von Lully endet mit einem Konzert in den Elysischen Gefilden, wo dann Corelli und Lully miteinander musizieren.
    So wird alos Friede zwischen den Nationalstilen geschlossen.
    Es gibt dann noch bestimmte vertragliche Abmachungen, die vortan beibehalten werden sollen :D



    Die Interpretation ist hervorragend, tadelos, anders kann man das nicht sagen.
    Die Apotheosen sind auch nicht gerade sparsam besetzt, deshalb ist diese Einspielung völlig anders, als man das von den übrigen Couperin Einspielungen her kennt.



    Übrigens wurde die Idee mit dem Divertissement noch auf die Spitze getrieben, indem Skip Sempé eine Einspielung vorlegte, in der er das Concert mit den Airs serieux von Couperin mischte.
    So ergab sich fast schon eine kleine Handlung.
    Diese Einspielung sei jedem Interessiertem ebenfalls ans Herz gelegt.



    In jedem Fall ist diese CD Produktion ein richtiger Schatz, in einer wundervollen Interpretation.
    Wer die Apotheosen allerdings etwas kammermusikalischer hören will, der sollte warten, bis die tollen Aufnahmen von Savall wieder aufgelegt werden.


    Das Beiheft ist recht dick und führt glänzend in die Werke ein, zudem sind die Vorworte Couperins im Original mit Übersetzung abgedruckt und eben auch die schönen Textpassagen zu den Säzen der Apotheosen.

  • Mitridate, Re di Ponto




    Mozarts frühe Opern sind oftmals nur vom Titel her ein Begriff.
    Oder man assoziiert sie mit dem Vorurteil, dass es sich um langweilige Ausläufer der Opera Seria handelt.
    Und ich gebe zu, bisher haben mich diese Werke auch nicht gerade bedeistert, bis ich eben auf Mitridate gestoßen bin.


    Angeblich soll Mozart dies abendfüllende Oper im Alter von 14 (!) Jahren komponiert haben.
    Aber schon damals glaubte man nicht so recht, dass er das alleine bewerkstelligt hatte.


    Die Oper eines 14 jährigen Wunderkindes... macht auch nicht unbedingt Lust darauf sich damit zu beschäftigen.



    Aber man sollte das alles vergessen und sich auf das Drama einlassen.
    Ich war völlig gefangen, platt, zu Tränen gerührt und einfach nur fasziniert.
    Mitridate, re di Ponto ist ein Meisterwerk, ein heftiges Drama um Liebe und Verrat, keine einzige schwache Arie, eine packende Handlung mit atemberaubend schöner ergreifender Musik.



    Ich hatte zwar eine Aufnahme, die ich auch hin und wieder mal hörte, aber mich nicht sonderlich dafür interessierte.
    Dann kam die Inszenierung aus Salzburg unter der musikalischen Leitung von Marc Minkowsky, die auch auf DVD zu haben ist.


    Ich kannte die Geschichte des tragischen Mitridate nicht und ich war allein von der Handlung der Oper mehr als erschüttert und begeistert zugleich.
    Unvorstellbar, dass eine solche Oper nicht zum bekannten Repertoire gehört.



    Ich weiß nicht wie oft ich diese Oper nun schon gesehen habe, neben Idomeneo ist sie nun mein liebstes Bühnenwerk von Mozart.
    Und jedes Mal muss ich mit meiner eigenen Beherrschung kämpfen, eben weil die Oper so tragisch ist und Mitridate eben nur verraten wird, aber wenigstens zufrieden stirbt.
    Später fand ich heraus, das die Geschichte auf einen Text vom größten Tragödiendichter überhaupt basierte: Jean Racine.


    Kein Wunder dass ich an der Story einen Narren gefressen hatte.
    Und im Vergleich zu vielen anderen Opernlibretti ist das wirklich ein packendes Drama, das einen von Anfang an in Spannung hält.



    Mozart: Mitridate, re di Ponto, Opera Seria 1770
    Les Musiciens du Louvre / Minkowski




    Die musikalische Interpretation ist wunderbar, die Sänger sind nicht nur großartige Besetzungen, sondern auch gute Schauspieler, mit denen man einfach mitleiden muss und denen man ihre Rollen sofort abkauft.
    Das Orchester ist wild, spritzig, einfach herrlich, wie sie die Oper begleiten.



    Aber auch die Inszenierung verdient ein großes Lob.
    Nein nichts mit historischen Klamotten (obwohl....) es ist Regietheater, aber verdammt gutes. Sehr viele Symbole, viel stilisierte Szene, aber beeindruckende Bilder.
    Ich war selten so gebannt von einer Inszenierung wie das hier der Fall gewesen ist, denn die geniale Geschichte wird eben auch wirklich glaubhaft und spannend vermittelt.


    So muss Oper sein!



    einfach genial gemacht in jeder Beziehung !!!


    :jubel::jubel::jubel::jubel::jubel::jubel::jubel::jubel:

  • Eine CD mit „deutschen“ Kantaten ist mir dermaßen ans Herz gewachsen, das ich sie hier auch mit aufnehmen muss.



    Die CD ist zugegeben ein ziemlicher Exot, von dem Komponisten dürfte man kaum etwas gehört haben:


    Johann Christoph Kridel (1672-1733)


    Die Einspielung widmet sich seinen geistlichen Konzertarien, die unter dem Titel „Neu eröffnetes Blumengärtlein“ ( :D ) im Druck erschienen.
    Kridel war Organist in Rumburg (nicht mal das dürfte man wissen wo das ist )
    Jedenfalls irgendwo in Böhmen, dort war er auch als Musiklehrer tätig. Auch als Dichter hat er sich betätigt.
    Das Booklett gibt doch einige erstaunliche Details über sein Leben preis – soviel weiß man teilweise nicht mal über berühmte Komponisten dieser Zeit.
    So unterrichtete er die Prinzessin Karolina von Hessen-Reinfels und die Tochter des Rumburger Fürsten Marie Karolina von Liechtenstein.


    Auch ist sein seltsamer Humor überliefert, seine sechs Kinder benannte er nach den Klängen der alten Tonleiter : Ut / Re / Mi / Fa / Sol / La .... ja, ja die Gesetzte zur Namensgebung in unserer Zeit sind schon nicht aus der Luft gegriffen...wenigsten nannte er seine Kinder nicht „Störenfried“ ... aber keine Angst, die Kinder nannte er nur privat so, im richtigen Leben hatten sie wohl ganz gewöhnliche Namen, so ein Ulk wäre auch im Osten nicht ohne Folgen geblieben :D:stumm:


    Aber zurück zur Musik:


    Die Sammlung der geistlichen Kantaten wurde 1706 gedruckt – also mitten im spanischen Erbfolgekrieg.
    Daher rührt wohl auch diese religiöse Inbrunst und Hingebung in Musik wie auch im Text.
    Die Kantaten sind in deutscher Sprache verfasst, die Texte dichtete Kridel wohl selbst.
    Die Musik ist stark italienisch geprägt jedoch auch recht einzigartig mit einem Schuss Norddeutscher Tradition.


    Alles im Allem sind das Kompositionen von unglaublicher Schönheit – als ich die Cd zum ersten Male hörte war ich wie gebannt.
    Leider ist die deutsche Aussprache der Sängerin Anna Hlavenkova nicht das gelbe vom Ei, aber man gewöhnt sich dran.
    Die Musica Florea ist ja recht bekannt und spielt auf sehr hohem Niveau.


    Die Texte, die Musik, beides ist außergewöhnlich und eindringlich.
    Ich möchte die CD nicht mehr missen.



    Ich kann nur jedem raten, der sich für solche Musik begeistert, sich diese Aufnahme zu krallen, wenn man sie erblickt - es lohnt sich auf alle Fälle :yes:

  • 4 wunderbahre Alben hat sie gemacht, Cecilia Bartoli.
    Jedoch nicht ihre Aufnahmen mit Mozart und Rossini sind hier gemeint sondern ihre Experimente mit Vivaldi, Gluck, Salieri und Arien italienischer Oratorien.



    Das erste Album nahm sie zusammen mit dem Ensemble Il Giardino Armonico auf - und welches Ensemble könnte man sich eher wünschen für eine Vivaldi Aufnahme ?




    Ceclia Bartoli - The Vivaldi Album
    Il Giardino Armonico - Giovanni Antonnini


    Den Auftakt bildet eine Art Chor aus Vivaldis Ninfa pastori, der genau dem Motiv des ersten satzes des Frühlings aus seinen 4 Jahreszeiten folgt.
    Ein Satz den auch schon zeitgenossen als Ohrwurm empfanden und sehr oft parodierten.
    Dann reiht sich Arie an Arie, ein wunderschönes Programm um Vivaldis Opernsprache kennen zu lernen und grundsätzlich anders als das Album das Emma Kirkby mal aufgenommen hatte.


    Dann kam Gluck


    Jedoch nicht der bekannte Gluck mit seinen Reformopern.
    Man entschied sich hier Arien aus seinen frühen Opern aufzunehmen.
    Also Auszücke aus der reinen Opera Seria.
    Und selbst da haut Gluck in verbindung mit Cecilia Bartoli einen um.



    Gluck italian Arias
    Akademie für Alte Musik Berlin - Berhard Forck


    Hier sind Opernwerke von Gluck vertreten die man so nichtmal vom Namen her kennt: La Clemenza di Tito / Ezio / Antigono usw.



    Die größte Überraschung war wohl das "Salieri Album"
    Endlich eine ernstgemeinte Aufnahme mit Opernarien von Salieri !



    Cecilia Bartoli - The Salieri Album
    Orchestra of the Age of Enlightement - Adam Fischer


    Beeindruckend ist, dass die Qualität dieser großartigen Musik bisher niemanden aufgefallen ist.
    Aber wie viele Komponisten des 18. jahrhunderts benötigt auch Salieri eine absolute Spitzeninterpretation, da sonst seine wunderschönen Kompositionen mehr oder weniger Zerstört werden.
    Und was für ein großartiger Opernkomponist Salieri gewesen ist, das zeigen diese Arien unzweifelhaft.
    Nun wartet man gespannt auf Gesamtaufnahmen seiner Opern in dieser Qualität.


    Jedenfalls wundert es da nicht, das Salieri so erfolgreich gewesen ist.



    Das letzte Album mit Musik des 18. Jahrhunderts war "Opera Prohibitia"



    Opera Prohibitia
    Les Musiciens du Louvre - Marc Minkowksy


    In dieser Aufnahme geht es um die aufregende Welt der römischen Oratorien um 1700 von Komponisten wie Händel, Alessandro Scarlatti und Antonio Caldara.


    Denn die Oper war zu dieser Zeit in Rom verboten.
    Man betrachtete das Treiben in den Opernhäusern ohnehin als unzüchtig und als die Stadt von 2 Erdbeben heim gesucht wurde, bei denen aber wie durch ein Wunder keine Toten zu beklagen waren, sprach der Papst Clemes IX:


    „Das keine Weibsperson bei hoher Strafe Musik aus Vorsatz lernen solle. Denn man wisse wohl, dass eine Schönheit die auf dem Theater singen und dennoch ihre Keuschheit bewahren wolle, nichts anderes tue, als wenn man in den Tiber springen und doch die Füße nicht nass machen wolle.“


    Damit war die Oper verboten, jedoch überlistet die Musikliebhaber und Komponisten den Papst und das Oratorium wurde zwar mit der gleichen leidenschaft und Stimmkunst gesungen, jedoch mit biblischen Themen.




    4 wunderbare Alben mit unbekannterem Repertoire.
    Interpretiert von einer tollen Sängerin mit einigen der besten Ensembles für Alte Musik - was will man mehr ?

  • Hä ? was’n jetzt los


    Doch, doch, der Lullist liebt auch nicht barocke Musik :yes:



    Es war eigentlich ein Kauf ohne wirklich zu wissen was ich mir da ins Haus holte, als ich mir die „Shostakovich Box“ kaufte:


    The Shostakovich Edition 27 CD’s



    Normalerweise bin ich bei solchen Boxen äußert vorsichtig, weil der Inhalt meist doch recht durchwachsen ist.
    Und meist endet es damit, das man ein paar CD’s daraus hört und dann verstaubt der Kasten für den Rest des Lebens.



    Doch nicht so hier - ich kann absolut nichts negatives über diese gigantische Box sagen, ganz im Gegenteil – sie ist eine besondere Schatz Kiste in meiner Sammlung.


    Mein erster Kontakt mit Shostakovichs Musik hatte ich über Arte, allerdings war das im Zusammenhang mit einer Dokumentation über den Kommunismus in Russland und China.
    Und die Musik die ich da hört fand ich absolut scheußlich.
    Zuerst dachte ich mir, Wahnsinn, ein Komponist der noch miesere Klänge fabrizierte als Strauss.... :stumm:


    Und doch, ich kaufte diese Box und wurde eines besseren belehrt.
    Gleich von der ersten Cd an, war ich gefangen und auch wenn ich diese Art von Musik eher selten höre, dann aber mit großer Begeisterung.


    Die Box umfasst erst einmal seine 15 großen Symphonien.


    Interpretiert durch das WDR Symphonie Orchester unter Rudolf Barshai


    Die Shostakovich - Kenner, zu denen ich mich nun wirklich nicht zähle, würden vielleicht anderen Einspielungen den Vorzug geben.
    Aber mir persönlich haben gerade diese Aufnahmen aus der Box am besten gefallen.


    Dann sind enthalten die Chamber Symphonies, Arrangements von Rudolf Barshai von diversen Streichquartetten Shostakovichs.
    Soweit ich das verstanden hatte, war Barshai ein Schüler Shostakovichs, der diese Arrangements seinem Meister vorlegte und von ihm auch gut geheißen wurden.



    Dann sie sehr unterhaltsamen Jazz Suites
    National Symphony Orchestra of Ukraine – T. Kuchar


    Ballettsuiten (The Bolt / The Limpid Stream / The Golden Age)
    National Symphony Orchestra of Ukraine – T. Kuchar


    Film Musiken:
    Hamlet – Suite und die Filmmusik aus dem Kultfilm “The Gadfly”
    National Symphony Orchestra of Ukraine – T. Kuchar


    Klavierkonzerte No.1 in c-moll und No.2 in F-Dur
    Cristina Ortiz / Bournemouth Symphonie Orchestra – Berglund


    Die Violinkonzerte in cis-moll und a-moll,
    letzteres schrieb Shostakovich für David Oistrakh – und der ist auch hier zu hören


    die Cellokonzerte No.1 und No.2


    3 CD’s mit diverser Kammermusik


    und 7 CD’s mit seinen Streichquartetten (Rubio Quartett)




    Man erhält also durch diese Box einen beeindruckenden Querschnitt durch das kompositorische Schaffen Shostakovichs
    Seine Opern fehlen leider, aber diese Box ist ein wunderbarer Tür-Öffner.



    Als kleinen Bonus ist noch eine DVD beigelegt mit einem Interview von Rudolf Barshai.
    Ziemlich trocken, aber durchaus informativ.




    Ich habe jedenfalls große Freude mit dieser schönen Box und kann sie nur jedem ans Herz legen.
    Diese Musik ist schwer zu beschreiben.
    Zum einen ist sie zutiefst russisch, dann stilistisch sind die Symphonien mit Mahler verwandt, es gibt keine direkte Atonale Musik, das ist vielleicht das besondere und das was man Shostakovich bis zum Ende des kalten Krieges auch gerne mal vorgeworfen hatte.
    Eigentlich noch fast spätromantisch, ein ständiges Schwanken zwischen tiefer Melancholie (was wohl ohnehin typisch russisch ist, laut Klischee) überschwänglicher Freude und der bissigen Karikatur.


    Für mich war das Kennenlernen dieser Musik eine absolute Bereicherung in meinem Leben - und diese Box möchte ich nicht mehr missen.
    Auch wenn es von diesem oder jenen Werk bessere Aufnahmen geben mag - in dieser Konzentration wird man ähnliches vergeblich suchen.


  • La Vita nella Morte, Oratorio du Sépulcre 1688 von Antonio Draghi (1635-1700)
    Ensemble Baroque de Limoges
    Christophe Coin




    Wer ist Antonio Draghi ?!


    Wie Pietro Antonio Cesti ist er einer jener Barockkomponisten, die wohl zu den interessantesten Meistern des 17. Jahrhunderts gehören, aber weder vom Publikum noch wirklich von den Ensembles bisher entdeckt wurden.


    Und so wundert es kaum, dass diese wirklich herausragende Aufnahme eines Oratoriums aus seiner Feder auch das einzige ist, was auf CD greifbar ist.
    Es gibt noch einen anderen Draghi, Giovanni Battista, wahrscheinlich sein Bruder – doch dieser war nicht wie Antonio in Wien tätig, sondern im Umfeld von Purcell in London.


    Biographisches:


    Antonio Draghi wurde um 1635 in Rimini geboren.
    1658 ist er in Wien anzutreffen, jedoch zuerst nicht als Musiker sondern als Poet (er schrieb Libretti für Opern) und vor allem als Impressario der kaiserlichen Feste.
    Doch schon 1663 avancierte er zu dem bevorzugten Komponisten der Kaiserin.
    Somit stand er in einer Reihe mit den damals so geschätzten Komponisten Pietro Antonio Cesti, Antonio Bertali und Johann Heinrich Schmelzer.


    Auch Leopold I. war von Draghis Musik wohl mehr als angetan, fast 120 Opern soll er geschrieben haben und der Kaiser steuerte oftmals eigene Kompositionen hinzu. Eine große Ehre für einen Komponisten.
    Auch der geistlichen Musik widmete er sich im umfangreichen Maße - über 40 Oratorien sind von ihm überliefert.


    Antonio Draghi wird nach Schmelzer plötzlichem Tod (er starb 1680 an der Pest) schließlich zum Kapellmeister ernannt (1682) Und wird somit zum unmittelbaren Vorgänger von Johann Joseph Fux und bestimmte fast 30 Jahre !! das musikalische Leben am Hofe.


    1700 stirbt Draghi hochgeschätzt in Wien.



    Das Oratorium „La Vita nella Morte“



    Das Werk wurde für den kaiserlichen Hof verfasst (in Hofkirche in der Hofburg aufgeführt).
    Das Thema lässt es erahnen, es war für die Karwoche geschrieben.
    Sogar das Uraufführungsdatum ist ganz genau bekannt: Karfreitag der 16. April 1688.
    Man geht sogar davon aus das Kaiser Leopold I. der Autor des Librettos ist, aber gesichert ist es nicht, daher greift man etwas tiefer und weißt es dem Hofdichter Apostolo Zeno zu.


    Das ganze ist eine faszinierende allegorische Darstellung der Vanitas und des Sündenfalls – barocker geht’s kaum noch. :D


    Auch ist belegt, dass solche Oratorien nach italienischer Manier mit Kulissen und Kostümen aufgeführt wurden – nur verzichtete man auf Special Effects.


    entsprechend schlicht ist auch die Instrumentierung, neben einem reichen Basso Continuo bestehend aus mehreren Gamben, Celli, Cembalo, Theorbe kommen auch von Violinen und Bratschen hinzu.
    Dieses Ensemble begleitet 7 Sänger.


    Das ganze Werk ist in "Bilder" aufgeteilt, insgesammt wird in 5 Bildern über Liebe, Leben, Tod und Vergänglichkeit gesungen.





    Draghis Werk ist eines der erstklassigsten Barockwerke das mir seit langem begegnet ist.
    Draghi ist alles andere als ein Kleinmeister.


    Ich denke wir haben es hier mit einem italienischen Lully zu tun. Ich kann nur hoffen das weitere seiner Werke – vor allem die Opern – bald eingespielt werden.



    :faint:
    :jubel:
    :jubel: :jubel:
    :jubel: :jubel: :jubel:
    :faint: :jubel: :jubel: :lips: :jubel: :jubel: :faint:
    :jubel: :jubel: :jubel:
    :jubel: :jubel:
    :jubel:
    :faint:

  • kaum ein Instrument liebe ich so sehr wie die Gambe.
    Entsprechend groß ist der Anteil an Aufnahmen mit diesem faszinierenden Instrument.



    Mitte der 90er Jahre kaufte ich fast alle Aufnahmen von Jordi Savall, die damals bei Astree - Auvidis erschienen sind.
    Diese Aufnahmen sind meist noch immer erhältlich, oder werden bei Alia Vox irgendwann wieder neu aufgelegt.
    Bisher habe ich mich bei meinem Klassik-Kanon mit solcher Musik ehre zurück gehalten...warum auch immer.


    Das wird nun geändert.



    Den Anfang macht eine der ersten Aufnahmen von Savall (aus dem Jahr 1977)




    Mr. de Machy - Pieces de Viole
    Jordi Savall



    Das besondere ist, dass diese Werke die ersten gedruckten Gambenstücke in Frankreich waren (1685)
    Vom Stil und musikalischer Färbung sind sie den Werke Saintes Colombes recht ähnlich, auf den ich noch zu sprechen komme.
    Er war wohl auch dessen Schüler.


    Wer Mr de Machy nun war, weiß man nicht mehr, wahrscheinlich ein Adliger Gambenliebhaber, der sein Spiel so sehr angesehen wurde, dass er sich entschloss seine Stücke in den Druck zu geben.


    Jordi Savalls Aufnahme ist immer noch absolut frisch und mitreißend.
    Sie ist immer noch genauso faszinierend wie vor 12 Jahren, als ich sie erwarb - ich glaube das macht eine wahrhaft große Interpretation und Musik aus.Außerdem führt Savall hier alle beschriebenen Möglichkeiten vor, wie man eine Gambe nach dem Vorwort de Machy zu spielen hat.
    So gib es hin und wieder auch Sätze die gezupft werden.



    Die beiden großen Gambenvirtuosen des 17. Jahrhunderts waren André Maugars und Nicolas Hotmann.
    Mersenne bezeichnete Hotmann sogar als besten Gamben- und Theorbenspieler Frankreichs.
    Hotman war auch der Nachfolger in der königlichen Kammer von Louis Couperin.
    Hotman war ebenfalls der Lehrer des heute wesentlich berühmteren Mr. de Sainte Colombe, dessen Bekanntheit, wie die von Marain Marais, auf den Film "Tous les matins du Monde" zurückzuführen ist.
    André Maugars war aber nicht weniger berühmt, so hatte er sogar 4 Jahre lang am Hofe Charles I. von England zugebracht und rühmte die englischen Gambisten.
    Leider ist kein einziges Stück von seiner Hand überliefert.


    Doch die Schule Maugard und Hotmanns überlebte in der Gestalt des misteriösen Mr. de Sainte Colombe.


    Monsieur de Sainte Colombe, mit bürgerlichem Namen Augustine Dautrecourt lebte nicht wie im Film im Tal der Bievré sondern in Lyon und hatte eine ähnliche Position an einem Mädchenpensionat, wie später Vivaldi.
    Monsieur de Sainte Colombe hatte wohl recht viele Kinder, von drei Töchtern ist die Rede mit denen er Gambenkonzerte aufführte - und einen Sohn, der sich später in England niederließ.
    Die Persönlichkeit und Vorstellung des Mr. de Sainte Colombe ist natürlich maßgeblich von dem Film geprägt.
    Aber das ist natürlich nur reine Fiktion, die melancholische, in sich gekehrte Musik scheint aber eben genau jene fiktive Person zu zeichnen....



    Eine besonders liebenswerte Episode aus dem Verhältnis zwischen Marais und Sainte Colombe ist überliefert:
    Sainte Colombe ließ sich in den Zweigen eines Maulbeerbaums eine kleine Hütte errichten um dort ungestört die Viola spielen zu können. Marais schlich sich unter besagte Hütte um die neusten Verzierungen seines Meisters zu hören, die ers sonst für sich behalten hätte.


    Und diese Introvertiertheit spricht auch seine Musik deren Einmaligkeit in der Musikgeschichte nur Bewunderung hervorrufen kann.


    Und auch hier ist es Savall der mit den beiden Einspielungen für mich das Optimum darstellt:




    Tome I



    Tome II


    Zusammen mit Sigiwald Kuijken erweckte er diese hypnotische Musik zum Leben.



    Das erste Album erschien 1976 auf LP und regte eben zu jene Roman an, der später Vorlage für den Film "die siebente Saite" werden sollte.
    Das zweite Album entstand fast 14 Jahre später 1992.


    Und im Jahre 2003 nahm Savall die Stücke für Gambe des Mr. de Sainte Colombe "le fils" auf:




    Sainte - Colombe Le Fils
    Jordi Savall


    also die Musik jenes Sohnes der in England lebte und dort um 1720 wohl auch starb.



    Diese Stücke stehen an Qualität und Innigkeit denen seines Vaters in nichts nach.
    So überlebte die Gambenschule Maugars und Hotmanns bis ins 18. Jahrhundert.


    Ein kleines Highlight ist das abschließende "Tombeau pour Mr. de Sainte Colombe le pere" also der musikalische Nachruf für seinen Vater, den großen Sainte-Colombe.
    Die rezitierten Passagen spricht niemand anderes als Jean Pierre Marielle, jener Schauspieler, der im Film "Tous les matins du monde" Mr. de Sainte Colombe verkörperte.

  • Überrschungen gibt es manchmal, mit denen man wirklich nicht rechnet.



    So eine CD, des Labels Coviello:




    Jan Wellem - geistliche Musik am Düsseldorfer Hof
    Neue Düsseldorfer Hofmusik




    Das CD Programm ist ebenso wunderbar, wie selten.
    Zwei der führenden Komponisten am Hofe des Jan Wellem werden hier vorgestellt - Erstaufnahmen dieser Werke und wohl auch dieser Komponisten, die selbst wohl Kennern von Barockmusik nicht bekannt sein dürften:



    Johann Hugo von Wilderer (1670 - 1724)


    und


    Carlo Pietro Grua der Ältere (1665 - 1726)


    Die Musik am Hofe des Jan Wellem, wie Johann Wilhelm von der Pfalz-Neuburg im Volksmund genannt wurde, ist bisher kaum ins Bewusstsein zurück gekehrt.
    Es ist nicht der einzige Barock Hof, dessen Musik völlig in Vergessenheit geriet, man denke nur an Darmstadt, Hannover, Cassel oder München.




    Jan Frans van Douven: Jan Wellem nebst Gattin



    Und doch konnten alle diese Höfe mit den großen Höfen in Versailles, London, Wien oder Dresden zumindest musikalisch durchaus mithalten.
    Das beweisen immer wieder vereinzelte Aufnahmen dieser faszinierenden Musik - wie eben auch diese.
    Bei Jan Wellem kann man davon ausgehen, ebenso wie bei August dem Starken, dass er auch da mithalten konnte, was den höfischen Pomp anbelangte.


    Der Vorgänger von Grua und Wilderer, Sebastiano Moratelli wurde ja mal mit einer Einspielung seines einzig erhaltenen Werkes auf CD bei CPO verewigt
    (La Faretra Smarrita / Salzburger Hofmusik)
    Allerdings ist diese CD auch schon wieder gestrichen.


    Und das ist auch das größte Problem der Düsseldorfer Hofmusik, durch die Verlegung des Hofes nach Mannheim und später nach München wurde der musikalische Bestand des Hofes in alle Winde zerstreut.


    Daher sind die hier vertretenen Kompositionen wahre Raritäten.
    Die Werke sind bis auf zwei Ausnahmen eher schlicht gehalten, was die Instrumentierung angeht, nicht aber die Kompositionen selbst.
    Hier wird mit wenig personellem Aufwand, ein wahres Feuerwerk an barocker Kunst abgebrannt.
    Überhaupt ist das Instrumentalensemble eher klein - dafür aber intelligent besetzt, so dass ein orchestraler Sound entsteht.
    Wunderschönste barocke Psalmvertonungen.
    Eine Messe von Wilderer die in 2 Sätzen durch J.S.Bach überlebte erinnert an mit dem dramatischen Kyrie, an den gleichnahmigen Satz in der h-moll Messe.


    Neben diesen Werken gibt es auch noch ein "Alleluia fideles plaudite" von Grua mit Trompeten und ein prächtiges Te Deum von Wilderer mit Pauken und Trompeten das durchaus zu der Krönung Karls VI. in Frankfurt erklungen sein könnte.


    Denn die musikalische Gestaltung oblag der Düsseldorfer Hofkapelle.





    Was diese Aufnahme aber wirklich so herausragend macht, ist auch die vorzügliche Umsetzung durch die Neue Düsseldorfer Hofmusik und dem Norddeutschen Figuralchor.
    Es ist fast schon zu schön um wahr zu sein - auch die Aufnahmetechnik.
    Das gelungene Design der CD runden die Sache absolut perfekt ab.
    Für eine Liveaufnahme ist das ganze fast schon zu gut - eigentlich unglaublich.


    Jeder der auch nur ein Fünckchen für barocke Musik übrig hat, sollte zusehen, diese CD zu bekommen.
    Das ist ein absolutes Muss.
    Und selbst wenn einem geistliche Musik des Barock nicht so nahesteht, wird diese CD begeistern !




    Jetzt hoffe ich natürlich auf eine zweite Jan Wellem CD mit weltlicher Hofmusik.


    Diese Produktion zum Jan Wellem Jahr, ist in jedem Fall eine Sternstunde für die Alte Musik


    ganz große Klasse !

  • immer wieder gibt es neue hervorragende Einspielungen.


    So auch diese CD:




    "Le Journal de Printemps" von Johann Caspar Ferdinand Fischer (1656-1746)
    L'Orfeo Barockorchester - Michi Gaigg



    J.C.F. Fischer ist wahrscheinlich am ehesten durch seine Cembalosuiten bekannt, oder vielleicht auch wegen seinen geistlichen Werken.


    Fischer war Hofkapellmeister des "Türkenlouis"



    mit korrektem Namen, der Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden Baden und Erbauer der ältesten Barockresidenz am Oberrhein (Rastatt)


    Zwar stand er politisch dem Kaiser nahe, unterstützte ihn auch wärend der Türkenkriege (daher der Spitzname) aber kulturell orientierte er sich an Frankreich - vor allem was die Musik anbelangte.
    Das Schloss Rastatt ist eine seltsame Mischung aus italienischer Ausstattung in einem frz. anmutendem Gebäude.




    Le Journal de Printemps von Fischer sind verschiedene Suiten im Stile Lullys.
    Und sie vermögen durchaus die prächtige Musik am Hofe des Markgrafen von Baden wieder aufleben zu lassen.


    Die Interpretation des Ensembles ist makellos und sehr mitreißend.
    Einige Tänze wie bestimmte Bourres werden mit Schlagwerk untermalt in zwei Suiten kommen auch noch Trompeten hinzu.


    Wer hochbarocke Orchestersuiten mag, kann um diese herrliche Aufnahme nicht herum kommen.
    Sie ist zurzeit auch ziemlich günstig beim Werbepartner zu beziehen.

  • Die spanische Musik des 17. und 18. Jahrhunderts ist noch immer recht unbekannt.
    Aber bis au die „Folia“ hat sich auch schon damals die spanische Musik nicht wirklich in Europa etablieren können, umso mehr in der neuen Welt.



    Aber an diesem Umstand waren die spanischen Könige nicht ganz unschuldig.
    So waren z.B. die Kompositionen Gaetano Brunettis Privatbesitz des Königs und durften die Mauern des Palastes nicht verlassen.
    Wohl war auch das spanische Temperament nicht für europäische Ohren geeignet.
    Luigi Boccherini äußerte sich ziemlich abfällig über die spanische Musik, in der Art, als müsse er einem Barbarenstamm anständige Musik näher bringen.
    Vor allem war er angewidert von den lasziv getanzten Fandangos und der Hemmungslosigkeit.... was ihn aber nicht davon abhielt selbst solche Musik zu schreiben.



    Heute jedoch haben wir die Gelegenheit, diese wunderbare Musik wieder zu hören.
    Bemerkenswert ist jedoch, dass Spanien, ähnlich wie Russland (da folgt hier bald ein weiterer Eintrag) vor allem ausländische Musiker, bevorzugt Italiener verpflichtet.


    Vor allem markiert diese Entwicklung der große Regierungswechsel der schließlich zum spanischen Erbfolgekrieg führte.
    Die spanischen Habsburger waren bereits im 17. Jh. schon so verbraucht, dass es sich abzeichnete, dass dieses Haus alsbald aussterben würde.
    Schon Philip IV wurde als lebende Statue bezeichnet und das berühmte Gemälde Les Meninas von Velasquez hält diese beunruhigende Atmosphäre am spanischen Hofe wohl besser fest, als es jede Beschreibung könnte.


    Der spanische Hof der Habsburger verabscheute jeden größeren Prunk, es war ein fast klosterähnliches Leben, der Palast Escorial spricht Bände.
    Doch die Musik am spanischen Hofe stand der anderer Höfe in nichts nach.
    Juan de Hidalgo, "der spanische Lully", schuf die ersten großen Bühnenwerke, die Zarzuelas.
    Leider sind die Aufführungen seiner Werke bisher nicht auf CD veröffentlicht worden, abgesehen von einzelnen Arien.


    Die frühe Zarzuela war eine Mischung die sowohl vom frz. Ballet de Cour und der italienischen Oper inspiriert war, jedoch eindeutig mit spanischem Kolorit.
    Und vor allem die Barockgitarre war das Modeinstrument dieser zeit schlechthin.
    Namen wie Sanz oder Guerav sind eventuell bekannt.
    Gaspar Sanz war der persönliche Gitarrenlehrer des spanischen Königs, Carlos II.



    Carlos II. war ein ständig kranker Mann, der auch keine Nachkommen mehr hatte und früh starb.
    Hopkinson Smith hat bei Astrée -Auvidis / Naive eine wunderbare Platte mit dieser Gitarrenmusik aufgenommen.


    Zurzeit aber leider nicht lieferbar.



    Sanz: Instruccion de Musica
    Hopkinson Smith (Barockgitarre)


    Die CD dürfte aber auch mal wieder neu aufgelegt werden, es gibt jedenfalls keinen Grund, den albekannten Scalpern ihre Wucherpreise zu bezahlen...



    Eine wahrhaft wunderbare Platte mit Musik dieser Zeit entstand auch bei Glossa:



    José Miguel Morene, einer der besten Lautenisten und Gitaristen – mein persönlicher Lieblingsinterpret dieser Instrumente – hat hier ein ganzes Ensemble um sich geschart um die spanische Musik dieser Zeit in vielen Facetten aufleuchten zu lassen, und selbstverständlich bekommt man auch die Folia zu hören, oder die berühmten Canarios von Sanz, die Marionas on Guerav die fast ein wenig an Louis Couperin erinnern und und und – eine ganz faszinierende Platte.



    Carlos II. bestimmte den Herzog von Anjou, einen Enkelsohn Louis XIV zum Erben des spanischen Weltreiches. Bis Heute ist nicht ganz geklärt wie es zu dieser Entscheidung kam.
    Sicher ist nur dass ein verheerender Krieg folgte, ganz Europa gegen Frankreich und das handlungsunfähige Spanien. Doch hielt Frankreich der Übermacht stand, lediglich Bayern und Köln standen auf der Seite der Franzosen.


    In Spanien selbst brach das Chaos aus, der Staat war bankrott, der neue König musste erst einmal die Hofkapelle und alle anderen Hofämter die nicht zwingen nötig waren auflösen.
    Louis XIV musste seine Silbermöbel einschmelzen, auch seinen Thron um die Kriegskosten zu finanzieren.
    Zusätzlich erlebte Europa 1711 den schlimmsten Winter seit Menschengedenken, selbst die Themse fror zu.


    Doch dann 1714 endete der Krieg, zwar hatte keine Seite einen Sieg errungen, oder auch nur die Aussicht darauf – doch in Wien starb Joseph I.
    Leopold I. hatte zwei Söhne, Joseph und Karl, Joseph sollte Kaiser werden, Karl spanischer Thronfolger. So wollten es auch alle anderen Mächte in Europa.
    Doch nun hätte Karl, als Karl VI. über ein Riesenreich geherrscht, wie schon einmal Karl V.
    Nein, das wollte niemand.
    Man fand einen Kompromiss: Spanien würde den Bourbonen zufallen, die spanischen Niederlande, sowie die Besitzungen in Amerika, auch Sizilien und Neapel waren jedoch verloren.



    Man konnte also wieder daran gehen das Land aufzubauen.
    Philipp von Anjou wurde zu Philipp V. gekrönt.
    Und eine der Krönungserenaden hat überlebt. Man bestellt dafür, bei dem damals hoch angesehenen Komponisten Giacomo Facco.




    G.Facco: Festejo Harmonico


    Das Ensemble La Compagnia Dei Febi Armonici & Ens. Albalonga unter Cetrangolo haben diese sehr hübsche Serenata mit einem Schlußchor auf das Wohl des neuen Königs ganz hervorragend eingespielt.


    Die Komposition erinnert stark an Werke von Alessandro Scarlatti und steht diesem auch in nichts nach.


    Der Hofkomponist Philipp V. wurde jedoch nicht Facco, sondern ein anderer Italiener, Francisco Corselli





    F.Corselli: Ouverturas - Lamentationes - Marchas
    El Concierto Espanol
    Nuria Rial (Sopran)


    Eine wirklich bildschöne Einspielung diverser Werke ist bei Glossa erschienen.
    Neben Ouvertüren aus Opern und Oratorien sind auch „Lecon de Tenebres“ zu hören, also Lamentationen.
    Aber das ganze in einem so wunderbaren galanten Stil, den man nicht in Spanien erwarten würde.


    Francisco Corselli ist eine wirkliche Entdeckung und man kann nur hoffen, einige Werke auch einmal komplett hören zu dürfen.
    Auch die Interpretation ist phantastisch.
    Ein junges Ensemble in Verbindung mit der wunderbaren Nuria Rial wissen zu begeistern.





    Karl IV von Spanien mit Familie (Goya)



    Gaetano Brunetti stand im Dienst der Könige Karl III. und Karl IV.


    Auch wenn Karl IV von Spanien immer wieder als ein Bauer in Seide beschrieben wird. Und auch sehr schonungslos von Goya gemalt wurde,
    er hatte Geschmack, gerade was Musik anbelangt. Immerhin war der König auch ein gelehriger Schüler im Violinspiel.
    Wie man sich doch täuschen kann, wenn man einen Menschen nach dem Aussehen beurteilt...


    Gaetano Brunettis Kompositionen galten als Privatbesitz des Königs und waren auch nur für dessen persönliche Konzerte zur Aufführung gedacht.
    Ein wahrhafter Schatz, und man muss die Zeitgenossen fast bedauern, dass sie nicht in den Genuss dieser Werke kamen.
    Brunetti hingegen schien das Leben am Hofe zu genießen, ermöglichte ihm die Position doch ein sorgenfreies künstlerisches Leben, ähnlich wie es Haydn in Esterhazy genoss.



    G. Brunetti: Symphonies
    Concerto Köln



    Die Einspielung von 3 Symphonien mit dem Concerto Köln stellen somit eine ganz besondere Premiere dar.



    Die spanische Musik des 17. und 18. Jahrhunderts ist in jedem Falle eine sehr lohnende und stimmungsvolle Entdeckung die Lust auf mehr macht.

  • Wer ist denn das schon wieder ?
    Wieder eine Eintagsfliege die ausgegraben wurde ?



    Mitnichten. Sartorio war neben Legrenzi vielleicht der wichtigste Vertreter der italienischen Oper zwischen Cavalli / Cesti und Scarlatti / Händel.


    Geboren 1620 in Venedig und 1681 auch dort gestorben, beging er einen beeindruckenden Lebensweg und eine große Karriere.
    In den 60er und 70er Jahren war sein Ruhm as Opernkomponist bereits so weit verbreitet, das seine Opern überall gespielt wurde,
    Vor allem sein „Orfeo“ wurde an fast allen europäischen Theatern gegeben, Aufführungen von Wien bis Hamburg sind belegt.
    Er wurde schließlich sogar Hofkapellmeister des Herzogs von Braunschweig- Lüneburg, der am Hofe zu Hannover residierte.


    Sartorio war ebenso Vizekapellmeister am Marcus Dom in Venedig, sein direkter Nachfolger wurde übrigens Giovanni Legrenzi.



    Von Sartorio gibt es mittlerweile zwei seiner Bühnenwerke auf Tonträger.
    Den Orfeo sogar gleich in zwei Einspielungen.


    Aber dazu ist zusagen, das die Aufnahme mit Rene Clemencic rein tontechnisch eine bare Zumutung ist. Völlig übersteuert, eng, blechern und mit einer Akustik wie aus einem Schuhkarton geht jegliche Schönheit der Interpretation völlig verloren.


    Vielleicht können Hobbytontechniker mit diesem Material vielleicht noch was zaubern, jedem anderen rate ich die Finger davon zu lassen. Zwar wird bei Clemenci mit einem sehr farbigen Orchester und viel Schlagwerk gespielt, aber was nützt es, wenn die Aufnahmetechnik einem alles verdirbt.



    Sartorio: L'Orfeo
    Hargis, Le Blanc, Grimm, Lilja, Cabre, Kamp
    Teatro Lirico, Stubbs


    Die Aufnahme von Stephen Stubbs ist etwas schlichter gehalten, eleganter und natürlich vom Klang eine völlig andere Welt.
    Diese Aufnahme ist ganz hervorragend, kein Wunder aus der Gruppierung ist das heutige „Boston Early Music Festival Ensemble“ hervorgegangen.
    Und hier wird einem eine absolute Spitzenleistung geboten.


    Viel beeindruckender ist jedoch der „Giulio Cesare in Egitto“



    Antonio Sartorio: Giulio Cesare in Egitto
    La Cetra - Cremonesi


    ja genau, auf das gleiche Libretto, das fast 50 Jahre später von Händel vertont wurde.
    Der Mitschnitt stammt von einer Aufführung bei den Innsbrucker Festwochen (2004)
    Aber das Publikum sowie Bühnengeräusche sind kaum zu hören, sehr wohl aber die Begeisterungsstürme nach einigen Arien.
    Und hieran mangelt es wahrhaftig nicht, von den weit über 70 Arien des Werkes wurden für die Aufführung nur 55 verwendet, diese Arien erreichen selten die Länge von 3 Minuten, bestechen also vor allem durch ihre prägnante Kürze.


    Da Capo Arien sucht man hier vergeblich, obwohl diese Form schon lange bekannt war und benutzt wurde.
    Aber diese Arien haben es in sich, es gibt wahrhaftige Schmachtfetzen, die einem nicht mehr aus dem Ohr gehen, Trompetenarien (daran mangelt es wirklich nicht) und sehr tänzerische Arien, manchmal mit Schlagwerk verstärkt.
    Was man vielleicht vermissen mag, es gibt keinen Schlusschor, wie oft bei italienischen Opern dieser Zeit, endet das Stück mit einer großartigen Arie. Einen kleinen Chor gibt es aber im II. Akt.


    Das ganze wird durch die hervorragende Interpretation von La Cetra unter Attilio Cremonesi vergoldetet.
    Und auch bei den Sängern begegnen einem sehr bekannte Namen, die nur das beste erwarten lassen: Domenique Visse, Claire Brua, Maria Cristina Kiehr u.a.


    Ich bereue es fast die Oper nicht schon früher gekauft zu haben, selten hat mich ein Werk so begeistert wie dieses.


    Meine Entdeckung des Jahres 2009 definitiv !


    :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: