Deutschlands wichtigster Dirigent? - Sir Simon Rattle

  • während seine Beethoven-, Bach - und Brahmswiedergaben bisher eher belanglos geraten


    Wenn Du irgendwelche fundierten Einwände gegen Rattles Beethoven-, Bach- und Brahms-Interpretationen mit den Berliner Philharmonikern hast, dann benenne uns zunächst einmal präzise, bei welchen Beethoven-, Bach- und Brahms-Aufführungen von Rattle Du im Konzertsaal gesessen hast. Und danach argumentiere bitte substantiiert, worin Deine Einwände bestehen.


    ...


    Beitrag wegen persönlichen Angriffs auf Forenmitglied gekürzt.


    Theophilus

  • Zitat

    dann benenne uns zunächst einmal präzise, bei welchen Beethoven-, Bach- und Brahms-Aufführungen von Rattle Du im Konzertsaal gesessen hast. Und danach argumentiere bitte substantiiert, worin Deine Einwände bestehen.

    wer ist den "uns".. oder sprichst du etwa fürs ganze Tamino-Forum ?
    hochinteressant ist deine Forderung nach "substantiiert", die in deinen Postings anderen Orts nicht erfüllt wird ... :D
    :hello:

  • wer ist den "uns".. oder sprichst du etwa fürs ganze Tamino-Forum ?

    Nein, ich meine damit "uns" Leser Deines Postings.


    hochinteressant ist deine Forderung nach "substantiiert", die in deinen Postings anderen Orts nicht erfüllt wird ...

    Ich weiß zwar nicht, was Du mit "anderen Orts" meinst. Ist mir aber auch egal.


    Der Administrator Theophilus hat nicht nur mein Posting Nr. 211 um einen vermeintlichen - in Wirklichkeit nicht gegebenen - "persönlichen Angriff" gekürzt, sondern er hat auch seinen eigenen in blauer Schrift hierzu geschriebenen Eintrag, welcher ursprünglich drei Zeilen lang war, später wieder umgeändert. Nunmehr steht dort etwas ganz anderes. Aus diesem Grund ist mein Posting Nr. 212, welches sich auf den ursprünglichen Eintrag von Theophilus bezog, nicht mehr verständlich. Dieses Posting Nr. 212 möge somit bitte entfernt werden.


    Das Posting wurde wunschgemäß entfernt. Und der persönliche Angriff war keineswegs "vermeintlich" sondern ganz eindeutig gegeben! Es muss möglich, seine anders geartete Meinung zu artikulieren, ohne gegenüber dem "Kontrahenten" beleidigend zu werden.

  • Zitat


    Zitat Amfortas:



    während seine Beethoven-, Bach - und Brahmswiedergaben bisher eher belanglos geraten


    Bach versteht sich von selbst. Bach wird gegenwärtig doch sehr von HIP-Ensembles bestimmt. Da kann Rattle mit einem hin und wieder Eintauchen in die Materie natürlich nicht mithalten.


    Ich wohne zwar in Berlin, habe aber zugegebenerweise noch kein Live-Konzert mit Rattle erlebt. Und das aus gutem Grund: Er kann an seine Zeit in Birmingham hier leider nicht anschließen.


    Was noch eher geht, sind seine Mahler-Interpretationen, wenngleich seine neue 2. ja doch auch nicht besonders gut geriet, verglichen mit seinen früheren Aufnahmen.


    Seine Brahms-Sinfonien habe ich mir ausgiebig an der Hörstation angehört. Es klingt so oft jetzt bei ihm: gut gewollt aber nicht gekonnt. So wenig inspiriert und so völlig blutleer. Diese Aussage gilt auch für seine Schubert- und Bruckner-Interpretationen.



    Sein Beethoven geriet viel zu leichtfüßig: gemünzt auf seine Sinfonien- und Fidelio-Interpretation.



    :hello: LT


  • Bach versteht sich von selbst. Bach wird gegenwärtig doch sehr von HIP-Ensembles bestimmt. Da kann Rattle mit einem hin und wieder Eintauchen in die Materie natürlich nicht mithalten.


    Ich wohne zwar in Berlin, habe aber zugegebenerweise noch kein Live-Konzert mit Rattle erlebt.


    Es ist immer wieder dasselbe. Seit Jahren. All die Leute, die Rattle schlechtreden, antworten auf die Nachfrage, ob sie ihn denn überhaupt schon jemals gesehen haben und somit überhaupt irgendeine Ahnung haben, wovon sie reden: "Nein". Du nimmst diese Antwort freundlicherweise gleich vorweg. Und reihst Dich damit in die gefühlten 10.000 Leute ein, die eine Meinung zu Rattle haben, allerdings noch nie ein Konzert von ihm besucht haben. Und folglich reden wie die Blinden vom Licht.


    Ein Harald Schmidt-Zitat lautet: "Es gibt Leute, die behaupten, sie mögen keinen Estragon. Dabei haben sie nie welchen gegessen". So scheint es auch mit Rattle zu sein. Probiert Estragon, hört Rattle im Konzert. Und danach können wir über alles diskutieren. Ihr könnt ihn danach sehr gern schlecht finden. Ihr werdet ihn allerdings danach nicht schlecht finden.


    Zu Rattle und HIP: der allererste Gastdirigent, der in Rattles Chefdirigentenzeit bei den Berliner Philharmonikern eingeladen wurde, war William Christie. Der in der Folgezeit auf Betreiben von Rattle mit den Berlinern Lully, Rameau und Händel so einstudierte, dass es von HIP-Ensembles kaum mehr zu unterscheiden war. Exakt so war das auch bei Rattles Matthäus-Passion vom letzten Jahr (bei welcher ich übrigens im Saal war, wie auch bei Christie). Exakt so war das auch bei Emmanuelle Haims Debüt bei den Berlinern mit Händel (auch hier war ich - als absoluter Händel-Fan - im Saal).


    Rattle hat in Glyndebourne schon sehr früh HIP-Aufführungen gemacht. Wenn Ihr Rattle-Skeptiker mal die bisher einzige Rattle-Biografie von Nicholas Kenyon lesen würdet (das werdet Ihr natürlich nicht tun, ebensowenig wie Ihr Rattle-Konzerte besucht: Vorurteile wollen schließlich gepflegt werden, da stören lästige Fakten nur), dann würdet Ihr von einem Telefonat zwischen Rattle und Karajan lesen. Karajan knallte wütend den Hörer auf, weil Rattle die HIP-Prinzipien auf Mozarts Opern übertragen wollte. Das ging natürlich in Karajans Augen gar nicht! Rattle verteidigte HIP gegenüber Karajan so sehr, dass dieser die Fassung verlor.

  • Lieber Swjatoslaw,


    es ist wohl immer so: der live-Eindruck ist das Eine, die Tonkonserve das Andere. Insofern müssen wir hier überhaupt nicht grollen. Sir Simon hat auf dem Konservenmarkt gegen eine Armada von Aufnahmen anzukämpfen. Genau darüber, nämlich über das durch Konserven Dokumentierte unterhalten wir uns hier in der Regel. Wenn Du Deine Heroen vorstellst, dann wirst Du Swjato R. sehr wohl live gehört haben (ich ja auch), Dr. Fu haben wir beide nicht geschafft. Somit reden wir also über das gemeinhin Nachhörbare. Live-Erlebnisse sind individuell und können tatsächlich nur dann Diskussionsgrundlage sein, wenn sie von mehreren Diskutanten geteilt werden. Ansonsten reden wir über Konserven. Und genau da hat Sir Simon Schwreigkeiten, in meine Sammlung zu gelangen. Sein Sibelius? Vorzüglich, keine Frage, aber besser als Barbirolli und Roshdestwensky? Sein Beethoven? Besser oder anders als Ansermet, Böhm, Karajan, Leibowitz, Wand etc.? Hmmm... Für uns Ältere setzt sich das munter fort. Sir Simon ist ein exzellenter Dirigent, der den Vorzug hat, dass man ihn live erleben kann. Aber deswegen muss ich nicht zwangsläufig seine Platten rühmen. Meinem Patenkind und meiner Stieftochter würde ich sofort seine Platten schenken: das ist eine andere Generation, die müssen nicht unbedingt unsere Mumien als das Nonplusultra erleben (immerhin war für uns z.B. der Karajan ja präsent genug -oder Böhm, dass man mitkriegte, wenn von den Herren eine neue Platte herauskam).


    Begeisterung für Künstler hat immer auch sehr viel mit einem selbst zu tun. Das ist mir besonders bewusst bei meinem Idol Aldo Ciccolini, der den von mir immer noch hochverehrten Samson Francois von Platz eins verdrängt hat (wer diese beiden Pianisten kennt weiß, dass sich hinter deren Spiel zwei unterschiedliche Lebenswelten verbergen).


    Zurück zu Sir Simon: vor einigen Jahren hat er Bruckner gemacht. Die 9. musste es sein. Fand ich interessant, da das Werk ja auch sehr publikumswirksam ist. Günter Wand hat mit der sperrigen Nr. 5 begonnen und unser Kölner Markus Stenz mit Nr. 8. Die damals im Rundfunk übertragene Aufführung hatte ich mitgeschnitten. Überzeugender, guter Bruckner. Nicht merhr und nicht weniger. Alles auf einem Level, das man so ohne weiteres nicht auf den Bühnen des Landes geboten bekommt. Aber der Vergleich mit den alten Heroen kam in den Web-Foren sofort. Nicht sehr fair, denn dieses Heroen sind zumeist mausetot und Sir Simon lebt. Leute wie er sind diejenigen, heute und jetzt die Qualität von Musik verantworten. Den alten Konserven gegenüber bringt er gewiss nicht viel Neues. Das aber ist kein Abwerten, sondern lediglich die Einsicht, dass es von dem Hauptwerken eben eine erdrückende Anzahl von Aufnahmen gibt. Vor dem Hintergrund muss die Bewertung seiner Aufnahmen zwangsläufig mehr oder weniger neutral ausfallen. Und live-Erlebnisse sind ohnehin in der Bewertung außer Konkurrenz.


    Und da unsere Lieblinge unser Lieblinge sind, ertragen wir ja wohl auch, wenn diese von anderen gerupft werden. An unserer Einschätzung ändert das ja nichts.


    Sehr herzlich grüßt Dich Dein Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Lieber Swjatoslaw,


    warum soll ich mir eine teure Eintrittskarte kaufen, wenn mir schon seine CD-Aufnahmen nicht gefallen?


    Bei der HIP-Geschichte hast du mich leider missverstanden. Ich weiß sehr wohl, dass es beispielsweise eine sehr gute "Cosi" mit einem HIP-Ensemble gibt. Aber Bach ist dann noch eine andere Geschichte. Was ich meine, ist, dass es Vertreter gibt, die sich hauptsächlich mit dieser Materie beschäftigen: Rilling, Harnoncourt, Kuijken, Gardiner usw. Da wird ein Rattle-Fan bei einer Live-Aufführung vielleicht begeistert sein, aber, wie Thomas bereits erwähnt hat, auf Konserve hat er nur schwerlich eine Chance.


    Bei diesen Vergleichen haben eben auch seine Beethoven-, Schubert-, Brahms- und Bruckner-Interpretationen mit den Berlinern keinen guten Stand. Oder man ist eben ein Rattle-Fan durch und durch.


    Meine Rattle-Aufnahme stammen sämtlich vor der Zeit als Chef in Berlin:


    Bernstein: Wonderful Town - Mahler: Blumine / 1. Sinfonie / Das klagende Lied - Schumann / Grieg: Klavierkonzerte - Ravel: Daphnis und Chloe / Bolero - Gershwin: Porgy and Bess - Mozart: Cosi fan tutte - Szymanowski: Krol Roger / 4. Sinfonie - Liszt: Eine Faust-Sinfonie


    :hello: LT

  • Zitat

    Ihr könnt ihn danach sehr gern schlecht finden.

    Wer hätte das gedacht...?


    Zitat

    Ihr werdet ihn allerdings danach nicht schlecht finden.

    Nicht schlecht, aber mittelmäßig...


    Zitat

    warum soll ich mir eine teure Eintrittskarte kaufen, wenn mir schon seine CD-Aufnahmen nicht gefallen?

    So ist es!
    Da muß man gar nicht mehr viel zu sagen. Ich habe einfach nicht das Gefühl, irgendwas Besonderes zu verpassen, wenn ich Rattle-Konzerte nicht besuche. Von den unverschämten Eintrittspreisen der BP mal ganz zu schweigen. Wenn Rattle im Herbst hier in FFM die Siebte Mahler dirigiert, habe ich sicher was Besseres vor (und sei es, ein gutes Buch zu lesen oder einen guten Film zu schauen)...


    Zitat

    Meine Rattle-Aufnahme stammen sämtlich vor der Zeit als Chef in Berlin:

    Meine auch!
    Und da sind etliche Referenzaufnahmen dabei. Die genannte "Wonderful Town" von Bernstein aus London zum Beispiel. Absolut mitreißend. Hört man dagegen dasselbe Werk mit Rattle/BP und fast identischer Sängerbesetzung live aus der Philharmonie von einem Silvesterkonzert, ist man geschockt. Alles klingt bemüht, blutleer, angestrengt, es kommt kein Spaß auf, es klingt schlichtweg wie eine zu absolvierende Pflichtveranstaltung...typisch deutsch eben - und das ist der Todesstoß für "Wonderful Town".


    Ich bin hier in Frankfurt mit dem HR-Sinfonieorchester eigentlich ganz zufrieden. Paavo Järvi ist zwar ein etwas hölzerner Chefdirigent, aber eben kein Blender, sondern mit Substanz und Können versehen (wie er kürzlich erst wieder mit einer fantastischen Fünften von Nielsen bewiesen hat). Es gibt Aufnahmen mit Ihm, und Jeder kann sich dadurch ein Urteil von seinen Künsten bilden. Man muß Ihn nicht live gehört haben, um sich ein Urteil bilden zu können. Dasselbe gilt eben auch für Herrn Rattle und "seine" BP!



    Agon

  • Zitat

    Zitat von Johannes:


    Zurück zu Sir Simon: vor einigen Jahren hat er Bruckner gemacht. Die 9. musste es sein. Fand ich sehr interessant, da das Werk ja auch sehr publikumswirksam ist. Günter Wand hat mit der sperrigen Nr. 5 begonnen und unser Kölner Markus Stenz mit der Nummer 8.

    Was Günter Wand betrifft, der ja auch Jahrzehnte ein "Kölner" war, so verhielt es sich ganz anders, zumindest, was das Aufführen der Nr. 5 betraf:


    Zitat

    Zitat von Wolfgang Seifert aus dem Booklet der Nr. 5 unter Günter Wand mit den Berliner Philharmonikern (1/1996):


    "Wands Annäherung an Bruckner vollzog sich langsam und schrittweise, war Teil des eigenen künstlerischen Reifungsprozesses. In seiner Kölner Zeit hat er die "Fünfte", die für ihn später schicksalhaft Bedeutung erlangen sollte, niemals dirigiert. Dabei hatte ihn sein Komponistenfreund Bernd Alois Zimmermann mehrfach auf das Werk angesprochen und ihn ermutigt, sich gerade mit diesem spröden Stück auseinanderzusetzen.
    Erst nach Günter Wands Übersiedlung in die Schweiz war es soweit: Er dirigierte die B-dur-Sinfonie in Bern und produzierte sie 1974 mit dem Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester für den WDR".

    Diese Ausführungen Seiferts bedeuten doch nichts anderes, als dass er sich mit den anderen Sinfonien Bruckner sehr wohl auseinander gesetzt hatte, aber sich für die "Fünfte" einfach noch nicht bereit, reif fühlte.


    Also warum sollte Sir Simon nicht mit Bruckners "Neunter" beginnen? Und ich bin davon überzeugt, dass er nach seinem Mahler-Projekt auch auf Bruckner zurückkommen wird. Und wo wir hier dauernd von Rattles Vorzügen als Live-Dirigent reden, auch oben erwähnter Dirigent Günter Wand hat spätestens seit den mittleren 80er Jahren, als das Schleswig-Holstein-Musikfestival begann, nur noch Live-Konzerte aufgenommen, ob es nun Bruckner, Schubert, Haydn oder Beethoven war. Insofern können natürlich, lieber Johannes, tatsächlich nur die mitreden, die einen Dirigenten live erlebt haben.


    Zitat

    Zitat von Liebestraum:


    Ich wohne zwar in Berlin, habe aber zugegebenerweise noch kein Live-Konzert mit Rattle erelbt, und das aus gutem Grund: Er kann an seine Zeit in Brimingham hier leider nicht anschließen.

    Woher weißt du das, Liebestraum? In Berlin hast du ja keines seiner Konzerte besucht, etwa in Birmingham? Und selbst wenn ja, hättest du keinerlei Vergleichsmöglichkeiten.
    Vielleicht sollten wir uns tatsächlich mal zu einem gemeinsamen Konzertbesuch in Berlin verabreden, wo ich zur Zeit sämtliche Mahlerkonzerte besuche. Für die Sechste am 1./2. Juni wird es sicher keine Karten mehr geben. Ein guter Freund hat mir eine besorgt, als ich in der letzten Woche in der Türkei in Urlaub war. Aber in der neuen Saison sind noch die Nummern sieben bis neun dran, und das sind ja nun nicht die schlechtesten Mahler-Sinfonien, wie wohl es m.E. keine schlecht von ihm gibt.


    Zitat

    Zitat von Agon:


    Von den unverschämten Eintrittspreisen der BP mal ganz zu schweigen.

    Das ist klar, lieber Agon, wenn sie denn in Frankfurt spielen, oder in Köln, oder in Essen, dann kostet die Karten schon mal leicht 150 €, aber das tut sie bei den Wiener Philharmonikern auch, deswegen war ich auch noch in keinem dieser Konzerte drin, aber in Berlin kostet die Karte höchstens 80 €, und die 2000 Leute, die in jedem der bisher von mir besuchten Konzerte (Anfahrtsweg 500 km) zugegen waren und stets euphorisch applaudierten, können doch nicht alle Idioten sein.


    Liebe Grüße an alle Rattle-Ignoranten und Rattle-Freunde


    Willi :thumbsup:

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Zitat

    Sein Beethoven geriet viel zu leichtfüßig: gemünzt auf seine Sinfonien- und Fidelio-Interpretation.

    es gibt eine - leider nur eine ! - Ausnahme: 27.08.05 in Berlin (Radiomitschnitt) ) die Eroica, was da an Tempo, Spannung, Transparenz, Schärfe, Agressivität + Spielfreude sich entfaltete, erinnerte später an z.B P. Järvi 14.12.06 (Radiomitschnit) oder Rylund. Schade, dass die Berliner unter Rattle an diese eigene Sternstunde - was z.B. Beethoven betrifft - nicht mehr angeknüpft haben...



    Zitat

    Bei diesen Vergleichen haben eben auch seine Beethoven-, Schubert-, Brahms- und Bruckner-Interpretationen mit den Berlinern keinen guten Stand.

    mit gutem Gründen ! :yes: :yes: Dass hervoragende Bach-Wiedergaben auch ohne HIP möglich sind, beweist die H-Moll-Messenwiedergabe aus Chorin unter Rademann.
    Warum spielte ein Orchester unter seinem Chefdirigenten, die beide angeblich von Weltrang sind, die Johannespassison am 20.02.02 so langweilig und "blutleer" (um mal deine Formulierung aufzugreifen) ?
    Und die Matthäus-Passion vom 06.03.10 (Birmingham) geriet unter Rattle zur Matthäus-Pension. In dieser Hinsicht ist aber Rattle nicht allein auf weiter Flur....



    Zitat

    Man muß Ihn nicht live gehört haben, um sich ein Urteil bilden zu können. Dasselbe gilt eben auch für Herrn Rattle und "seine" BP!

    mein Eindruck aus der Berliner Zeit resultiert ausschließlich aus Live-Mitschnitten und da fallen die Brahms-, Bruckner, - Beethoven und Bachwiedergaben der BPs im Vergleich zu anderen Interpreten + deren Orchestern qualitativ ab... Schade !


    :hello:

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  • Und die Matthäus-Passion vom 06.03.10 (Birmingham) geriet unter Rattle zur Matthäus-Pension.


    Cooler Spruch. Ist der von Dir?


    Ich zitiere mal die Rezension der von Dir erwähnten Rattle-Aufführung der "Matthäus-Passion" vom März 2010 in Birmingham mit dem CBSO, Mark Padmore, Thomas Quasthoff u.a. aus der "Birmingham Post". Der Rezensent Christopher Morley war im Gegensatz zu Dir im Saal anwesend und weiß somit, wovon er redet:


    "Making a triumphant return to the orchestra he brought to international class, to one of the world’s finest concert-halls he did so much to create, and to the city whose centre has accordingly been regenerated, Sir Simon Rattle bestrode Symphony Hall like a colossus at the weekend.


    Yet there was no sense of ego as two packed houses (not a spare ticket to be had) greeted their hero adoringly. We were soon reassured that music-making was the essence of the matter: that music was in fact Bach’s St Matthew Passion one of the greatest works in the history of artistic creation – and one which is not normally in Rattle’s repertoire.


    So he brought to the piece a bright-eyed freshness, pointing up the dance-rhythm templates which lie behind so many of these movements as they describe, comment and reflect upon the awesome events surrounding Christ’s crucifixion. I have rarely heard the CBSO and its huge CBSO Chorus deliver with such lightness of touch (much credit to Simon Halsey for his choral training – and his direction of the brilliant CBSO Children’s Chorus).


    Surtitles assisted listeners’ understanding of the flow of the narrative, and a decidedly dramatic style of stage-presentation (Rattle conducts a Peter Sellars production of the work at this year’s Salzburg Easter Festival) added an extra element of communication. Engagement from the soloists was vivid, baritone Thomas Quasthoff particularly involved, but outstanding among them all was Mark Padmore. Singing the huge part of the Evangelist without a score, his presence compelled throughout all three hours of the performance: even when not singing himself, he was constantly immersed, and frequently outraged, at the unfolding of this terrible story.


    And, piquantly, he was unconsciously paying tribute to another great Evangelist, the internationally-renowned tenor Philip Langridge, who had died on Friday night, to the immense sadness of music-lovers the world over.


    Dedicating Saturday’s performance to Langridge, Rattle remembered that he had sung with the CBSO over 100 times, and was very much a member of “the CBSO family”. And as the lightness of performance moved towards the eventual sustained outpouring of pent-up grief in the huge final chorus, our reaction to the crucifixion was mingled with fond thoughts of Philip.


    Rating: 5/5"


    Quelle: http://www.birminghampost.net/…hony-hall-65233-26012741/



    Zu den Aufführungen des Werks einen Monat später mit den Berliner Philharmonikern sowie derselben Sängerriege in der Philharmonie in Berlin (von denen ich eine glücklicherweise miterleben durfte) sowie in Salzburg bei den Osterfestspielen mag meine bescheidene Meinung hier möglicherweise niemanden interessieren. Auch diesbezüglich zitiere ich also einfach mal einen Rezensenten, nämlich Ulrich Weinzierl aus der "WELT":


    "Simon Rattles Osterwunder mit Bachs "Matthäuspassion"
    Eine szenische Aufführung in Salzburg


    Diese Musik hält fast alles aus. John Neumeier hat daraus Ballett gemacht, Götz Friedrich Theater, um allein die bekanntesten szenischen Verwerter zu nennen. Doch was der amerikanische Starregisseur Peter Sellars völlig uneitel auf die Bühne Salzburger Großen Festspielhauses bringt und bald in die Berliner Philharmonie transferieren wird, heißt exotischer, bescheidener, vielleicht auch weltfrommer: eine "Ritualisierung". Es handelt sich um Intensivierung des musikalisch und sprachlich Erzählten: durch Blicke, Berührungen, Binnenspannungen, also um buchstäbliches Mitgefühl, das gezeigt und erzeugt wird. Angst und Verzweiflung, Liebe und Verrat sind zu sehen und zu spüren.


    Gewiss ein gewagtes Unterfangen, obgleich der Aufwand - freilich bloß zum Schein - gering wirkt. Wandern Gesangssolisten und Choristen, naturgemäß ohne Noten, durchs Orchester und den Saal, ist äußerte Akkuratesse geboten. Es drohen Chaos und geschmäcklerische Arrangements, die sich am Geist des Kunstwerks versündigen. Dank minimalistischer Gestaltung entgeht Sellars der Gefahr souverän. Nur ganz selten entsteht der Eindruck des Überflüssigen: Pontius Pilatus auf dem Seitenrang müsste nicht so tun, als würde er wirklich seine Hände säubern, wenn er sie metaphorisch in Unschuld wäscht. Illustrierende Verdoppelungen verstärken nicht, sie schwächen. Der Judaskuss als echter Kuss - Lippen auf Lippen, nicht Wange an Wange - sorgt hingegen für leise und darum legitime Irritation.


    Eine einsame Glühbirne hängt von der Decke und über dem Geschehen. Auf dem gestuften Boden: Quader und Würfel aus hellem Holz, keine sonstigen Requisiten. Ihre Funktion ergibt sich aus dem Gebrauch: als Sitzgelegenheit, Abendmahltisch, Opferblock, Sarkophag. Sir Simon Rattle teilte die Berliner Philharmoniker in zwei Orchester, den Berliner Rundfunkchor in zwei Chöre, positionierte dazwischen die Continuo-Gruppe mit Cello, Orgel, Laute und Theorbe. Die Absicht, historische Raumklangverhältnisse nachzubilden, gelingt vorzüglich. Der in alle Himmelsrichtungen dirigierende Rattle nimmt Bach leicht, beinah beschwingt und duftig. Klarheit und Transparenz ersetzen wuchtiges Pathos mühelos, Prägnanz und Präzision des Chores sind phänomenal. Die vergebliche Rettungsattacke "Lasst ihn, haltet, bindet nicht!" treibt Tränen in die Augen, und den im Piano gehauchten Choral "Wenn ich einmal soll scheiden" hat man wahrscheinlich noch nie so betörend und so schön gehört.


    Mit Mark Padmore verfügt die Produktion über den derzeit wohl besten Evangelisten. Strahlend hell, dramatisch im Lyrischen und voll ausdrucksstarker Poesie, modelliert er den Text geradezu. Zudem hat Padmore die Aufgabe, die Gestalt Jesus und deren Leiden mit knappen gestischen Andeutungen zu verkörpern - die Rezitative des Herrn werden vom Bariton Christian Gerhaher gesungen.


    Seltsam genug: Die gewaltige Matthäus-Passion wird hier ganz intim dargeboten, wie Kammermusik, als Kammerspiel. In den Instrumentalsoli, vor allem des Geigers Daniel Stabrawa, Albert Mayers mit der Oboe d'amore und von Hille Perl an der Viola da gamba, scheinen sich die Instrumente in menschliche Stimmen zu verwandeln, die mit den Sängern ins Zwiegespräch treten. Auf dem Weg zum spirituellen Erlebnis offenbart sich das Heilige als das zutiefst Humane."


    Quelle: http://www.welt.de/die-welt/ku…chs-Matthaeuspassion.html

  • Zitat

    Ich zitiere mal die Rezension der von Dir erwähnten Rattle-Aufführung der "Matthäus-Passion" vom März 2010 in Birmingham mit dem CBSO, Mark Padmore, Thomas Quasthoff u.a. aus der "Birmingham Post". Der Rezensent
    Christopher Morley war im Gegensatz zu Dir im Saal anwesend und weiß somit, wovon er redet:

    gewiss ist bloß, dass du selbst nicht weisst, worüber du im Posting Nr. 221 reden kannst, sonst würdest du nicht ellenlange Zitate hineinkopieren, um dich dahinter zu verstecken .. im Gegensatz zu dir verlasse ich mich auf meinen Eindruck ...
    :hello:

  • gewiss ist bloß, dass du selbst nicht weisst, worüber du im Posting Nr. 221 reden kannst, sonst würdest du nicht ellenlange Zitate hineinkopieren, um dich dahinter zu verstecken .. im Gegensatz zu dir verlasse ich mich auf meinen Eindruck ...


    Gewiss ist Folgendes: ich war von den Rattle-Aufführungen der Matthäus-Passion im Jahr 2010 in Birmingham, Berlin und Salzburg in Berlin dabei. Nicht in Birmingham und nicht in Salzburg. Folglich zitiere ich Kritikerstimmen von den Birminghamer und den Salzburger Aufführungen, weil ich in Birmingham und in Salzburg nicht dabei war und mir folglich keine eigene Meinung über diese Aufführungen bilden konnte. Wobei diese Kritikermeinungen absolut mit meinen eigenen Eindrücken von den Berliner Aufführungen übereinstimmen.


    Du hingegen warst nirgends dabei. Nicht in Birmingham, nicht in Berlin, nicht in Salzburg: nirgends. Du warst einfach absolut nirgends dabei. Du kannst keine einzige dieser Aufführungen aus einer eigenen Wahrnehmung heraus beurteilen. Folglich weiß ich nicht, worin Dein "Eindruck", den Du erwähnst, bestehen soll. Wenn Du hier irgendwas über eine "Matthäus-Pension" faselst, die es Deiner "Meinung" nach am 06.03.2010 in Birmingham gegeben haben soll, fragt man sich als Leser Deiner Zeilen natürlich zwangsläufig, woher Du Dein "Wissen" nimmst. Da Du doch gar nicht dabei warst. Und Du musst Dir schon gefallen lassen, dass Leute, die Rattle kennen, sehr erstaunt sind über solche Sprüche von jemandem, der allenfalls mal ein Foto von Rattle in der Zeitung gesehen hat, sonst aber keine Ahnung hat, wovon er redet.


    Solltest Du jemals irgendeine Rattle-Aufführung besuchen, können Willi und ich und alle anderen, die wissen, wovon sie sprechen, anschließend gern in einen Dialog mit Dir einsteigen. Mal sehen, was Du uns dann über Deine Rattle-"Eindrücke" zu sagen hast. Bis dahin gilt allerdings das gute alte Dieter Nuhr-Zitat.

  • Also faselt du in der Tat über eine MP-Aufführung, die ich mir zwar reingezogen habe, die du aber – nach eigener Mitteilung - nicht gehört hast, weil du – wie du sagst - in Birmingham nicht dabei warst. Da fragt man sich zweifellos, woher dein Wissen stammt ? Ach ja , wie üblich aus 2. und nicht aus 1. Hand ! FolglichIn kann auch in diesem Fall nicht konstatiert werden, dass du weißt wovon du sprichst.
    Nicht für ungut.
    :hello:

  • Manche lernen es nie und andere noch später.


    Frohe Ostern


    Willi ^^

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Also faselst du in der Tat über eine MP-Aufführung, die ich mir zwar reingezogen habe, die du aber – nach eigener Mitteilung - nicht gehört hast, weil du – wie du sagst - in Birmingham nicht dabei warst. Da fragt man sich zweifellos, woher dein Wissen stammt ? Ach ja , wie üblich aus 2. und nicht aus 1. Hand ! FolglichIn kann auch in diesem Fall nicht konstatiert werden, dass du weißt wovon du sprichst.
    Nicht für ungut.
    :hello:


    Hallo Amfortas08


    Ich ersuche dich um etwas mehr Zurückhaltung in deinem Tonfall. Es geht nicht primär darum, wer was weiß, sondern darum, dass du offenbar nicht bereit bist, deine Meinung über die "Matthäus-Pension" zu begründen. Sie steht nämlich diametral zur zitierten Rezension, und da die anderen bekannten Aufführungen der MP unter SR offenbar mehr dem Ergebnis der Kritik aus Birmingham entsprechen, stehst du mit deiner Meinung vorerst alleine da. Da ist die einfache Behauptung des Gegenteils a bissale wenig, da wären unterstützende Fakten schon hilfreich...


    Frohe Ostern!

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!


  • Hallo,


    ich habe am 3.6. Mahlers 6. Symphonie unter Rattle mit den Berliner Philharmonikern in der Semperoper erlebt.
    Natürlich war ich ziemlich gespannt, ob mich Rattle beeindrucken kann, vor allem weil ich Mahlers 6. ziemlich gut kenne.
    Und ja... er hat es geschafft... Das Orchester hat vorzüglich gespielt.. ein paar wenige Stellen klangen etwas anders, wie ich es von CD kenne.. Keine Ahnung, ob da die führenden Instrumente etwas leiser waren oder woran es lag..
    An ein paar Stellen hat Rattle das Tempo ziemlich angezogen, allerdings ohne dass es gehetzt klang. Und so manchen heiklen Übergang von schnell zu langsamen Tempo hat Rattle meiner Meinung nach sehr gut gemeistert.
    Die beiden Hammerschläge waren natürlich sehr beeindruckend, da gut hörbar. Negative Kritik habe ich keine.
    Ob ein anderer Top-Dirigent es allerdings genauso gut gemacht hätte... Gut möglich... ;)

  • Warum nicht, lieber zifrank, warum nicht?


    Aber allzu viele werden es nicht mehr sein, der "Große Alte" Claudio Abbado, Markus Stenz in Köln vielleicht, der gerade eine viel beachtete Gesamtaufnahme einspielt mit dem als Mahler-Orchester nicht ganz unbekannten Gürzenich Orchester (Ur-Aufführung der 5. Sinfonie durch den Komponsiten daselbst) oder Jonathan Nott, der gerade mit den Bamberger Symhnikern an dem gleichen Projekt arbeitet, vielleicht Valery Gergiev, wer weiß?


    Jedenfalls ist Sir Simon Rattle eine allererste Adresse.


    Viele Grüße


    Willi :rolleyes:

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • ja an Gergiev habe ich auch gedacht. Abbado-Fan bin ich ehrlich gesagt weniger.. genauso bin ich von Maazel zu begeistern.
    Unter Nott höre ich in 10 Tagen Mahlers 8... die war letztes Jahr schon ein absolutes Highlight.
    Ansonsten habe ich vor einigen Jahren mal Mahlers 7. unter Inbal mit den Münchner Philharmonikern gehört und war damals ziemlich begeistert. Jansons finde ich auch nicht unbedingt schlecht...

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  • Zitat

    Zitat von zifrank: Ansonsten habe ich vor einigen Jahren mal Mahlers 7. unter Inbal mit den Münchener Philahrmonikern gehört und war damals ziemlich begeistert.


    Vielleicht nicht zu Unrecht, lieber zifrank, denn Inbal hat in den 80er Jahren mit dem RSO Frankfurt eine damals viel beachtete Gesamtaufnahme der Mahler-Sinfonien vorgelegt:


    . Es war meine erste Gesamtaufnahme, aus der ich noch heute die eine oder andere Aufnahme höre.


    Liebe Grüße


    Willi :rolleyes:

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • BILD vom 6. Juni, Zitat:


    Dresden - Grandioser Ausklang der 34. Dresdner Musikfestspiele !


    Die Berliner Philharmoniker mit Chefdirigent Sir Simon Rattle (56) gastierten am Freitag in der Semperoper. Anlass: Das Orchester erhielt für seine Jugendarbeit den mit 25.000 Euro dotierten Glashütte Original Musikfestspielpreis der gleichnamigen Uhrenmanufaktur. Danach gaben die Musiker Gustav Mahlers 6. Sinfonie (die Tragische)- so furios und gewaltig, daß Besucher in der ausverkauften Semperoper erst völlig gebannt waren und sich anschließend zu stehenden Ovationen erhoben.
    CHRISSY

    Jegliches hat seine Zeit...

  • Ich finde das Statement von Thomas Pape aus April d.J. genau nach meinem Geschmack. Mir geht es ebenso, ich habe eine ganze Menge Aufnahmen mit verschiedenen Dirigenten der Werke, die mich interessieren, dass ich gar keinen Bedarf habe neue Aufnahmen mit S.R. anzuschaffen, die zwar gut , aber nicht überwältigend sind. Anders ist es bei Live-Auftritten. Ich versuche immer, wenn ich in Berlin bin, Konzerte mit den Berlinern unter Rattle anzuhören, die mir ob der gebotenen Qualität auch immer gut gefallen. Es müssen ja nicht immer Sternstunden sein.


    Es wird sich zeigen, welche Spuren S.R. einmal hinterlassen wird, auch bei den großen "Alten" ist der Ruhm ja oft erst spät gekommen !

  • Ein kleiner Nachtrag noch von mir...
    Hatte letztes Jahr im Juli Mahlers 8. unter Nott und den Bamberger Symphonikern in Bamberg erlebt und war richtig überwältigt. Gerade am Schluß war die Musik dermaßen intensiv, dass es mir die Kehle zugeschnürt hatte. Als der Chor zu Beginn das erste Mal den Mund aufgetan hat, war ich begeistert, wie laut und präsent die Stimmen waren.
    Mit diesen Erwartungen bin ich dann nach Baden-Baden, um am 18.6. das gleiche Konzert im Festspielhaus erneut zu hören. Und ich muß sagen, ich war enttäuscht... Habe erst später erfahren, dass dieses Konzerthaus das 2.größte in ganz Europa sein soll... Und dementsprechend war es einfach nur leise... die Stimmen des 200-Mann-Chors kamen gar nicht richtig an.. die Solisten haben sich abgemüht und man hat es nicht wirklich gut gehört. Lediglich der Schluß der Symphonie mit extra Blechbläsern, die vom 2. Rang gespielt haben, hat mich etwas entschädigt und konnte erahnen lassen, wie gewaltig diese Symphonie sein kann, wenn das Konzerthaus nicht so riesig ist...

  • Also nachdem ich heute aus der Berliner Philharmonie das Silvester Konzert der Berliner mit Ihrem Chef gesehen habe, bin ich nach wie vor k e i n Fan vom Maestro Rattle.
    Der einzige große Pluspunkt des Konzerts war die BARTOLI, die sang einfach nur bewundernswert !!!


    HAPPY NEW YEAR!
    :hello:

    mucaxel

  • Ich hatte ja die Bartoli kritisiert wegen ihres outrierten Singens und mich dann korrigiert wegen ihrer einfühlsamen Art, Agostino Steffani zu singen. Heute wieder Rolle rückwärts: "Lascia la spina" war o.k., obwohl ich es schon viel schöner gehört habe. Die Arie der Zauberin aus "Amadigi" war für mich unkontrolliertes Singen, im Film würde man "overacting" sagen. Und natürlich: sowas erzeugt nicht Applaus am Schluss, sondern "overacting" Gebrüll. Es ist halt alles übertrieben bei ihr und somit ist sie eine ideale Protagonistin des Klassikbetriebes und mehr nicht.

    Neue Sprichwörter: Leo leonis lupus - Leo leonis leo

  • Ich weis wirklich nicht, was man bei dem Konzert an Rattle aussetzen könnte.
    Auch wenn das gewiss in der ersten Hälfte nicht mein Programm war, so zeigte er sich höchst einfühlsam als Kenner dieser Musik. Zudem vermittelte er eine Freude an dieser Musik, dass auch ich bei dem Programm gerne ganz zugesehen und gehört habe.
    :thumbup: Das Konzert war vom Anfang bis zum Ende absolut "hochkarätig".


    Ich habe von Gesangsqualitäten keine Ahnung - das ist halt nicht mein Thema/Richtung. Aber die symphatische Cecilia Bartoli sehe ich immer gerne. Und ihr Händel-Programm absolvierte sie mit gröstem Können und ebenfalls voller Freude an der Musik. Dafür erntete Sie nachvollziehbar stürmischen Applaus.


    :thumbsup: Das Programm nach der Pause entsprach dann mit Dvorak, Ravel und Brahms ganz meinem Geschmack und war von allen beteiligten TOP und mit Hingabe gespielt.
    :!: Wirkliche negative Kritlik sehe ich sowohl für Rattle als auch Bartoli absolut unberechtigt !


    ?( Nur das die ARD dann den Ung.Tanz Nr.1 von Brahms am Ende einfach abgebrochen hat, weil 18:55 erreicht war, fand ich eine Unverschämtheit für alle TV-Zuschauer.
    :cursing: Als das Konzert bis zum Ende zu übertragen, erschien stattdessen auf dem Bildschirm irgend ein saublöder "Schlarermusikclown" mit seiner Fratze um Werbung für seine Kitsch-Abendsendung zu machen.
    ;( Das hat mich dann aber total geärgert !!!


    Wie seht ihr das ?

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • (...) Auch wenn das gewiss in der ersten Hälfte nicht mein Programm war, so zeigte er sich höchst einfühlsam als Kenner dieser Musik. Zudem vermittelte er eine Freude an dieser Musik, dass auch ich bei dem Programm gerne ganz zugesehen und gehört habe.(...) Ich habe von Gesangsqualitäten keine Ahnung (...) Aber die symphatische Cecilia Bartoli sehe ich immer gerne. Und ihr Händel-Programm absolvierte sie mit gröstem Können und ebenfalls voller Freude an der Musik. Dafür erntete Sie nachvollziehbar stürmischen Applaus.

    Mit meinem Urteil über die Bartoli bin ich näher bei


    (...) "Lascia la spina" war o.k., obwohl ich es schon viel schöner gehört habe. Die Arie der Zauberin aus "Amadigi" war für mich unkontrolliertes Singen (...) Es ist halt alles übertrieben bei ihr und somit ist sie eine ideale Protagonistin des Klassikbetriebes und mehr nicht.

    Für mich waren in den Händel-Werken die beiden Instrumentalisten die wahren "Helden". Wegen des Oboisten und des später hinzugekommenen Trompeters konnte ich auch die von Rolf Seelmann-Eggebert und von teleton beschworenen Begeisterungsstürme wahrnehmen. Wären die beiden nicht gewesen, hätte Signora Bartoli kaum mehr als höflichen Beifall bekommen...


    :hello:

    .


    MUSIKWANDERER

  • Mich interessieren Dirigenten immer dann, wenn sie für Expertentum bzgl. eines mir lieben Werkes/Komponisten stehen und ich darin übereinstimme, dass der Dirigent das wirklich gut macht. Was Rattle angeht, ist da für mich nichts vorhanden. Für seine Karriere als Sozialarbeiter interessiere ich mich eher nicht.

  • Zunächst einmal muss ein Dirigent genau dieses Orchesters im Jahre 2013 sowohl ein unglaubliches tiefes Spezialwissen haben, als auch ein Universalist sein. Das Orchester stellt an sich selbst diesen Anspruch und damit auch an den Dirigenten.


    Wenn es einen Dirigenten in unserer Zeit gibt, der diesem gerade unmenschlichen Anspruch nahe kommt, dann ist es in der Tat Simon Rattle. Dessen Bach gehört zum besten, was ich von Nicht-Barockspezialisten (also jetzt nicht Herreweghe, Koopman, Suzuki) gehört habe.


    Weiterhin dirigiert er einen vorzüglichen Haydn. Eine der stilsichersten und schönsten Haydn-Aufnahmen hat er mit den Berliner Philharmonikern eingespielt:


    Eine für mich unerreichte stilsichere und klangschöne Referenzaufnahme. Höchster Respekt für diese Leistung!


    DAS Traditionsrepertoire für den erdigen deutschen Klang der Berliner Philharmoniker sind wohl die Orchesterwerke von Brahms. Rattle hat hier zu überaus überzeugenden Interpretationen gefunden, die keinen Vergleich scheuen müssen. Der berühmte Karajanklang....ja, sie können ihn noch, unter Rattle klingt es jedoch noch wärmer, herbstfarbender und verfeinerter, frei von oberflächlichem Drücken und Drängen. Die Brahmschen Seelenzustände klangen mir nie menschlicher. Hier findet der Hörer feinste kammermusikalische Details UND die grosse Linie, eine unglaubliche Klangschönheit und ein bedingungsloses "Sich-Hineinbegeben" in den Raum der Musik - wahrer Ausdruck wie er sein soll.


    Meine jahrelange Referenz war die GA mit Abbado, doch ziehe ich - was mich, der ich mich wohl leider noch immer nicht als vorurteilsfreier Hörer bezeichnen kann, selbst sehr überrascht hat- in so manchen Teilen diese Aufnahme hier sogar vor - vom "deutschen Klang" her auf jeden Fall, der jedoch auch bei Abbado vorhanden ist. Sollte diese Einspielung in einigen Jahrzehnten als legendäre Überreferenz gelten, an die all das, was man dann spielen wird, "natürlich niemals herankommen kann", würde es mich nicht wundern.


    Bruckner und Celibidache ist eine Welt für sich. Wenn man davon absieht, muss ich sagen, dass ich Rattles Einspielung der Vierten sehr gerne höre. Es ist eine klangschöne, romantische und durchdachte Interpretation auf höchstem Niveau, die ich nicht missen möchte:

    Da lade ich zum Blindvergleich z.B. mit Bruckner-Papst Wand ein: Wo beginnen den die Tremoli besonders atmosphärisch, "wie aus dem Nichts"? Wo kommt denn das Cellothema des Andante sowohl in aller schmerzlichen Gebrochenheit als auch in singender Klangschönheit am eindrucksvollsten aus dem Kopfhörer? Bei wem klingen die Berliner Philharmoniker so voll und warm wie einst bei Karajan, ohne jedoch der Sostenuto-Ästhetik irgendwelche luftigen Feinheiten zu opfern? So wie ich es höre, gehen meine Punkte an Rattle.


    Weise alte Männer sorgen schon durch ihr Erscheinungsbild für eine gewisse positive Voreingenommenheit, gerade bei Bruckner. Ich möchte auch keineswegs den Bruckner von Wand oder anderen grossen Alten schlechtreden. Aber ich finde, dass man allein auf die Musik hören sollte und äussere Eindrücke, die man eventuell ungewohnt findet, bei Dirigenten zunächst ausblenden sollte, also Sachen wie z.B. ein scharf gezogener Scheitel (wer so aussieht, dessen Beethoven muss ja irgendwie konservativ-anachronisistisch sein) oder Wuschelkopffrisur und englischer Name (was will uns der im deutschen Standardrepertoire sagen....?) einfach einmal beseitelegen.


    Dirigenten und Dirigentenlehrer haben mir erzählt, dass sie Rattles Körpersprache und seine Dirigiertechnik als besonders beeindruckend und vorbildlich empfinden. Dem habe ich nichts hinzuzufügen.


    Schliesslich ist Rattle ein ausgewiesener und unbestreitbarer Spezialist für moderne Orchesterwerke, ob man diese Musik nun mag oder nicht. In vielen Konzerten und durch eine mehrteilige DVD-Reihe, in der er den Zuseher/Zuhörer in diese Klangwelt selbst einführt, hat er sein Können in diesem Bereich eindrucksvoll unter Beweis gestellt.


    Die Berliner Philharmoniker haben vom Beginn ihrer Geschichte bis heute der Mittelmässigkeit erfolgreich den Kampf angesagt und gelten zurecht bis heute als eines der weltbesten Symphonieorchester (ich höre sie ja am liebsten von allen, mag natürlich aber auch die Wiener und andere sehr...). Die Herausforderungen, vor denen ein Dirigent dieses Orchester heute steht, sind- wie gesagt- nicht geringer geworden. Rattle besteht diese Herausforderungen und kann künstlerisch durchaus an die grossen Vorgänger anknüpfen. Der eine Beethovenzyklus mit den Berlinern, über den ich jetzt schon im Geiste höre, wie er von Einigen beckmesserisch als "das war wohl nichts" hingestellt werden wird, steht ja noch aus. Vielleicht lässt er sich für diesen Kern im Standardrepertoire bewusst noch etwas Zeit und diese Aufnahmen kommen irgendwann - ich wünsche es mir jedenfalls.


    Gruss


    Glockenton


    PS.: Zur Eingangsfrage: Wer an der Spitze dieses Orchesters steht und so musiziert wie Rattle, ist Kraft seines Amtes und auch von der Art her, wie er dieses Amt ausfüllt, Deutschlands wichtigster Dirigent - selbstverständlich ist er das.

    "Jede Note muss wissen woher sie kommt und wohin sie geht" ( Nikolaus Harnoncourt)

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