Deutschlands wichtigster Dirigent? - Sir Simon Rattle

  • Bei einem Sänger finde ich sprachliche Defizite beim Vortrag dann doch gravierender als bei einem Dirigenten bei den Orchesterproben. Das Problem ist auch gar nicht neu und das gibt es auch umgekehrt. Wie klang wohl das Englisch von Bruno Walter und Otto Klemperer, als sie zum ersten Mal mit US-Orchestern zusammenarbeiteten? Selbst Hans Knappertsbusch hat 1947 Aufnahmen mit dem London Philharmonic Orchestra eingespielt. Ob er einen Dolmetscher dabei hatte? Der Russe Swetlanow war nach der Wende mehrere Jahre Chefdirigent des Residentie Orkest in Den Haag und des Schwedischen RSO in Stockholm. Konnte er Niederländisch und Schwedisch? Und ob Paavo Järvi als Chefdirigent des NHK Symphony Orchestra in Tokio fließendes Japanisch draufhat, da habe ich auch meine leisen Zweifel.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Das scheint mir eine typisch deutsche Diskussion zu sein, was die Eignung Rattles zum dt. Staatsbürger betrifft. Mir reicht sein Deutsch und seine vielen anderen guten Eigenschaften völlig aus, um ihn gerne als künftigen Landsmann zu begrüßen.

    (Bei Sängern,insbesondere bei Lied-Sängern, bin ich da auch ein bisschen kleinlicher...)

    Herzliche Grüße
    Uranus

  • Zu den Voraussetzungen für eine Einbürgerung gehören in Deutschland "mündliche und schriftliche deutsche Sprachkenntnisse auf dem Niveau B1 des Gemeinsamen europäischen Referenzrahmens für Sprachen". Was sich hinter dem Niveau B1 "Fortgeschrittene Sprachverwendung" verbirgt, kann man hier nachlesen. Wenn die Sprachkenntnisse von Simon Rattle diesen Anforderungen genügen, freue ich mich sehr über ihn als künftigen Mitbürger. Einen Promi-Bonus sollte er allerdings nicht erhalten.


    Für seine Tätigkeit als Dirigent eines deutschen Orchesters halte ich hingegen fortgeschrittene Deutsch-Kenntnisse für verzichtbar.

    Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht.

  • ANTRITTSKONZERTE IM RAHMEN DER MUSICA-VIVA-REIHE


    Sir Simon, der zukünftige Leiter von Symphonieorchester und Chor des Bayerischen Rundfunks, wird seine Position zur Saison 2023/2024 antreten. Im Rahmen der vom BR etablierten Konzertreihe musica viva gab er am 6. März bereits zwei Visitenkarten für sein zukünftiges Wirken an der Isar ab.


    Den ersten Auftritt hatte er mit dem BRSO in der Philharmonie am Gasteig mit einem Programm aus Ondřej Adámeks "Where are You?" [Uraufführung der Auftragskomposition des BR und des LSO, Simon Rattle gewidmet]. Dieser elfteilige Liederzyklus, bei dem Magdalena Kožená den Gesangspart übernahm, wurde kombiniert mit Olivier Messiaens Auferstehungswerk "Et expecto resurrectionem mortuorum".


    Für das zweite Konzert zog man in den Herkulessaal der Residenz um. Henry Purcells "Funeral Music of Queen Mary" wurde gekoppelt mit Georg Friedrich Haas‘ "in vain" für 24 Instrumente.


    Die SZ verortet Simon Rattle vor dem Hintergrund dieses Programmes, das sich musikalisch mit Glaubensfragen auseinandersetzt, deshalb sogleich als Gottessuchenden [er „zeigt, dass er im Alter auf Gottsuche geht“]. Mir persönlich scheint es eher eine natürliche menschliche Reaktion zu sein, wenn man sich in Zeiten der – seit über einem Jahr andauernden - Pandemie auch in der Musik oder, ganz allgemein, in den Künsten auf den Glauben besinnt. Ich würde es deshalb nicht gleich zu einer Altersfrage erheben wollen.


    Nachzulesen hier: Süddeutsche Zeitung


    Ich verfolge diese Musica-viva-Konzerte seit vielen Jahren und habe ihr schöne Entdeckungen zu verdanken. Etwas verwundert hat mich das Programm in Bezug auf die aufgeführten Komponisten, denn die Reihe fokussiert sich eigentlich auf die Moderne. Henry Purcell [1659-1695] passt da nicht so ganz hinein. Hier scheint man dem Motto mehr Gewicht als der üblichen Musica-viva-Programmatik zugemessen zu haben.


    Konzert 1: Adamek/Messiaen/Rattle


    Konzert 2: Purcell/Haas/Rattle

  • Den ersten Auftritt hatte er mit dem BRSO in der Philharmonie am Gasteig mit einem Programm aus Ondřej Adámeks "Where are You?" [Uraufführung der Auftragskomposition des BR und des LSO, Simon Rattle gewidmet]. Dieser elfteilige Liederzyklus, bei dem Magdalena Kožená den Gesangspart übernahm, wurde kombiniert mit Olivier Messiaens Auferstehungswerk "Et expecto resurrectionem mortuorum".

    Den ersten Auftritt gleich mit einer ihm gewidmeten Auftragskompositionen, die dann auch noch mit der eigenen Frau aufgeführt wird, finde ich nun nicht so glücklich. :no: Was werden damit für Zeichen gesetzt!

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent