Entdeckungen: Neue Stimmen

  • Schrecklich: soviel Askese! Freiwillige Enthaltsamkeit! Verzicht!
    Da fällt mir nichts zu ein!


    Caruso41

    Lieber Caruso,


    das hat mit Askese nichts zu tun. Es ist einfach ein Zeitproblem! Ich begleite meine Frau beim Einkaufen (sie traut sich nicht mehr Auto zu fahren, seitdem wir keinen Wartburg mehr haben und der Verkehr heutige Dimensionen angenommen hat, aber ohne Auto geht es nicht, ich will das Gelumpe nicht kilometerweit schleppen), bin im Haushalt aktiv dabei, gehe zum Stammtisch und zum Skaten, interessiere mich außer für Musik noch für Sport, sehe oft Dokus im TV usw, und manches andere fällt auch noch an, z.B. lesen oder mal was Unterhaltsames im TV wie Western u.a.. Da sind manchmal nur 1-2 Stunden am Tag für Musik da, und nicht immer steht die Stimmung auf Klassik. Bei mir läuft auch mal im Hintergrund Countrymusik, auch deutsche Schlager der z.B. der 60-er oder Elvis.

    Und auch aktiv zu sein im Tamino kostet Zeit. Und wenn mir dann nach Klassik ist, dann ist das Verhältnis Oper : Konzert bei

    etwa 30 : 70. Du siehst, Verzicht ist relativ!!

    Herzlichst La Roche

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


  • Lieber Rodolfo!

    Wurde der Tenor Benjamin Bernheim schon vorgestellt? Falls nicht, würde ich das gerne nachher machen.

    Bisher ist Benjamin Bernheim nicht im Thread NEUE STIMMEN vorgestellt.

    Ich habe den Tenor bisher noch nicht gehört und nur wenig über ihn gehört. Deshalb bin ich gespannt auf Deine Vorstellung.

    Beste Grüße


    Caruso41

  • Zu Anna Lucia Richter


    Nun sind schon zwei Jahre vergangen, seit wir hier Anna Lucia Richter vorgestellt haben.

    Sie hat inzwischen eine eindrucksvolle Karriere auf den großen Konzertpodien im Lande gemacht, singt in Orchester- und Kammermusik-Konzerten und gibt Liederabende. Seltener hört man sie auf Opernbühnen.

    Das mag der Grund sein, weshalb ihr Name nicht so populär ist, wie es meiner Meinung nach diese Ausnahmesopranistin verdient hätte.

    Jetzt hat das holländische CD-Label Pentatone einen Vertrag mit ihr abgeschlossen und will wohl vor allem Lied-Aufnahmen mit ihr produzieren. Als erstes wird ein Schubert-Album erscheinen, auf dem Anna Lucia Richter von Gerold Huber begleitet wird.

    cover.png


    Ich bin gespannt!

    Beste Grüße


    Caruso41

               


  • Auch der Bariton Benjamin Appl (in den Beiträgen #30ff. #240, und #617ff vorgestellt) singt vor allem auf Konzertpodien und hat sich eindrucksvoll einen Namen als Liedersänger erworben! Davon zeugen auch CD-Alben, die hier schon vorgestellt wurden. Nun hat er ein Album mit Ausschnitten aus Kantaten und  Passionen  von Johann Sebastian Bach veröffentlicht, das ich mir eingehender angehört habe.


    Benjamin Appl - Bach, CD

    Auch hier sind all die Vorzüge und Tugenden zu bewundern, die oben schon gepriesen wurden.

    Appl überzeugt zudem als genuiner musikalischer Geschichtenerzähler, setzt Klangfarben und onomatopoetische Laute und Klänge mit Lust, und oft auch mit Humor ein. Es ist sehr vergnüglich, wenn die Trompeten des Jüngsten Gerichtes  infernalisch schmettern und scheppern, oder wenn der musikalische Kampf zwischen Apollo und Pan recht drastisch ausgemalt wird.

    Leider aber gibt es stimmliche und gesangstechnische Probleme, die ich nicht verschweigen möchte. Die Noten- und Phrasen-Endungen werden nicht wirklich bis zu Ende gesungen und im Ton gerundet. Auch hat er mit Sechzehntel-Passagen seine liebe Not. Da leiden Intonation und Artikulation. Oft verliert der Ton Körper und Gewicht. Die Tiefe klingt dann flach und schwach, die Höhe eng.


    Das Vergnügen an den Aufnahmen dieses großartigen Künstlers wird dadurch allenfalls marginal getrübt. Ich denke, es wäre an der Zeit, einen eigenen Thread für Benjamin Appl zu eröffnen, denn er ist schon heute einer der wirklich bedeutenden Sänger!

    Wer würde das übernehmen? Es könnte dabei ja auf das bisher gesammelte Material über den Künstler zurückgegriffen und bereits formulierte Höreindrücke zitiert werden. 

    Aufmunternde Grüße


    Caruso41

  • Hallo Caruso, wolltest du mit der großen Schrift die besondere Bedeutung herausstellen! ^^



    Die CD ist sowas von durcheinander, warum hat er sich nicht wenigstens für eine ganze Kantate entschieden und dann noch diese vielen Sinfonias, gesanglich ist das meiste ja gelungen aber nicht alles, hier merkt man Bach zu singen ist doch nicht so einfach! Seine Lieder CDs gefallen mir wesentlich besser, besonders im Ausdrck kommt da mehr rüber!


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Hallo Caruso, wolltest du mit der großen Schrift die besondere Bedeutung herausstellen! ^^

    Nein. lieber Fiesco, aber wenn Du auf einen Beitrag eingehst, muss der ja wohl eine "besondere Bedeutung" haben.....


    Spaß beiseite! Ich schreibe meine längeren Beiträge im Word-Programm. Zu oft sind hier im Forum Beiträge verloren gegangen und dann war die ganze Zeit, die ich für die Formulierung gebraucht hatte, von Windows verweht... Bei dem Einsetzen des Textes scheint der Server selbständig eine Schrift und Schriftgröße zu wählen!

    Das Formulieren der Texte im Word-Programm hat für mich auch den Vorteil, dass ich im Forum und in anderen Quellen einfach schnell mal was nachschlagen kann.


    Aber zu Appl und Bach!

    Deine Feststellung "dass Bach zu singen, doch nicht so einfach" ist, kann ich nur unterstreichen. Genau deshalb habe ich meine Höreindrücke geschildert, um deutlich zu machen, dass dieser herausragende Liedersänger eben doch nicht auch ein herausragender Bach-Sänger ist.


    Beste Grüße

    Caruso41


  • Hallo Caruso, es geht jetzt im Forum nichts mehr verloren, man kann alles wieder herstellen das finde ich ganz wunderbar!

    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Hallo Caruso, es geht jetzt im Forum nichts mehr verloren, man kann alles wieder herstellen das finde ich ganz wunderbar!

    LG Fiesco

    Und wie???


    Ich bleibe erst mal weiter bei Word! Meist kommen zwischendurch sowieso Störungen. Oder mir fallen erst mal nicht die passenden Formulierungen ein. Dann kann ich problemlos unterbrechen.


    Schlaf gut!


    Caruso41

  • Heute Abend habe ich mir das War Requiem von Benjamin Britten angehört. Auf Youtube ist eine recht aktuelle Aufnahme mit der NDR Radiophilharmonie und Benjamin Appl zu finden. Ich hatte mir bereits vor zwei Jahren, als er vorgestellt wurde, die hier eingestellte Dichterliebe angehört und war sehr angetan.

    Bei einem moderneren Werk, wie eben der Britten, finde ich es für mich etwas schwieriger eine Stimme zu beurteilen. Und hier auch noch auf Englisch. Ich mag Englisch gerne in Pop - und Rockmusik, aber in klassischer Musik höre ich sie nicht so gerne.

    Caruso41 hatte so schön gesagt das seine Stimme manchmal den Körper verliert. Das kann man in der Requiem-Aufnahme auch selten mal hören. Es sind dann meist Spitzentöne, und ich glaube die waren auch beides Mal auf dem Ö. Ob das was damit zu tun hat ? habe ich mich gefragt und mir noch einmal die Dichterliebe angehört. Und auch da gibts, obwohl eine Studioaufnahme, den ein oder anderen Spitzenton der nicht so ganz überzeugend ist. In „Ich grolle nicht“ zu Beispiel. Da ist es kein Ö. Vielleicht kann er die Höhe einfach nicht. ;)

    Aber das ist Erbsenzählerei: trotzdem finde ich ihn klasse. Ich mag seinen wandelbaren Klang und seine starken Ausdruck.

    Jetzt würde ich Euch ja gerne einen Youtubelink reinstellen, aber bei dem neuen Tamino-Outfit habe ich noch nicht herausgefunden wie.


  • Und auch da gibts, obwohl eine Studioaufnahme, den ein oder anderen Spitzenton der nicht so ganz überzeugend ist. In „Ich grolle nicht“ zu Beispiel.

    "Ich grolle nicht" ist aber auch ein Spezialfall. Meines Wissens gibt es von diesem Lied keine autorisierte Transposition. Meiner Erinnerung nach (ohne jetzt nochmal nachgeschaut zu haben!) steht dieses Lied in C-Dur und man muss entweder oben zweimal das hohe A singen (ein Grenzton für Baritone) oder aber eine tiefere Alternativlinie singen. Letzteres macht Thomas Hampson in einer mir bekannten Studio-"Dichterliebe" und ich finde das unmöglich, weil ich der Meinung bin, dass Schumann diese oberen Grenztöne dem armen Sänger ganz bewusst abverlangt, weil das lyrische Ich in diesem Zyklus hier wirklich an seine emotionalen Grenzen geht, genau deshalb MUSS meines Erachtens die Originallinie oben kommen, aber sie muss nicht schön und entspannt kommen, die beiden hohen A's im Bariton-Grenzbereich dürfen durchaus angestrengt, forciert, grenzwertig klingen, sollen dies durchaus und keinesfalls entspannt oder lyrisch schön. (Vergleiche auch Beckmessers Schlusston in der Schusterstube.)

    Jetzt würde ich Euch ja gerne einen Youtubelink reinstellen, aber bei dem neuen Tamino-Outfit habe ich noch nicht herausgefunden wie.

    Einfach den Link in den Beitrag kopieren und fertig! ;)

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Für einige hier habe ich höchstens noch ab und an einen Smiley übrig...

  • Die Eindrücke von Boismortier über Benjamin Appl möchte ich ausdrücklich teilen. Nachdem ich von der weiter oben grundsätzlich gelobten Bach-CD etwas enttäuscht war, fand ich ihn im "War Requiem" mit seinen dramatischen Gesängen, die ja opernhafte Züge haben, einfach umwerfend. Er sollte mehr Oper singen. Das Orchester tut seiner Stimme gut. Es gibt ihr mehr Halt. Da ich erst kürzlich im Berliner Dom das Requiem mit ihm gehört habe, bin ich froh, meine eigenen Liveeindrücke nun bei Youtube bestätigt zu finden. In Hannover ist er nach meinem Eindruck sogar noch etwas besser als in Berlin, was auch auf die sehr unterschiedlichen akustischen Bedingungen zuzurückzuführen sein dürfte. Der Dom mit seiner hohen Kuppel birgt viele Risiken.

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Ich darf nochmal auf Lise Davidsen zurückkommen:


    In Beitrag 345 wurde hier Lise Davidsen vorgestellt.

    -Dies nochmal zur besseren Übersicht bzw. Einordnung.

    Da sind wir ja inzwischen schon zwei im Forum.


    Mittlerweile bin ich auch ein Fan von Frau Davidsen, vor allem nach der Ariadne aus Aix.. Also sind wir schon drei.

    Also ich geselle mich vorbehaltlos zu den Fans! Was für eine überwältigend prachtvolle Stimme!

    Lise Davidsen hat eine absolut intakte, wohlklingende Stimme, die in der Höhe weich klingt.

    Das finde ich eine sehr schöne und zutreffende Beschreibung.

    Ihre Stimme ist kraftvoll, klar, sauber, ohne Intonationsprobleme, einfach erfrischend.

    Auch das unterstreiche ich voll und ganz. Ich hätte auch noch gesagt, dass sie auf der einen Seite eine nordisch-klare, kraftvolle, strahlende Stimme hat, ohne jede Schärfe und schrille Töne. Eine groß sich verströmende, völlig unangestrengte Energie, die ebenso mühelos wie machtvoll ist. Dazu besitzt sie gleichzeitig -was vielleicht paradox scheint, ihre Stimme aber so einzigartig macht- ebenso ein Timbre von großer Sinnlichkeit, opulenter, schimmernder Schönheit. Dazu ist sie auch noch technisch eine bemerkenswerte Sängerin. Man höre nur dieses mitreißende "I could have danced All Night", wie sie dort mühelos, wonnevoll, unwiderstehlich crescendo an crescendo reiht, wie sie die Höhe perlen lässt, wie behutsam sie das letzte "All night" behutsam zurücknimmt und dennoch so projiziert, das der Ton auch im Mezzoforte noch mühelos trägt und nichts von seiner Strahlkraft einbüßt. Das Publikum jubelte - und ich hier im stillen Kämmerlein auch, und höre das jetzt in Dauerschleife. Ach, liebe Lise Davidsen, I could have listenend all night!

    Und danke auch noch mal an Caruso, dem ich Entdeckungen wie diese durch diesen wundervollen Thread verdanke.

    Hier noch das Video:


  • Ich werde Lise Davidsen am 12.1. in Stuttgart als Lisa in "Pique Dame" sehen u.hören?


    Weitere Termine von ihr sind.....

    Zürich Elisabeth Tannhäuser März

    München ebenfalls Mai

    Bayreuth ebenfalls Juli

    und im Mai 2X Sieglinde in Antwerpen


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Zu Benjamin Appl und Brittens Requiem

    Liebere Boismortier

    Lieber Rheingold!


    Das hätte ich ja nicht gedacht, dass sich jemand die Aufnahme des War Requiem aus dem Hannoverschen Kuppelsaal unter Andrew Manze bei Youtube anhört. Umso mehr habe ich mich über die Berichte gefreut!

    Es war eine grandiose Interpretation des unbequemen dunklen Werkes und ich bin sehr froh, dass ich sie live erlebt habe. Erst wollte ich nämlich gar nicht rein gehen, da ich zweifelte, ob das Konzert vor der noch frischen Erinnerung an die Aufführung am selben Ort unter Gardiner würde bestehen können.

    Sie konnte es voll und ganz!

    Heute Abend habe ich mir das War Requiem von Benjamin Britten angehört. Auf Youtube ist eine recht aktuelle Aufnahme mit der NDR Radiophilharmonie und Benjamin Appl zu finden

    …...trotzdem finde ich ihn klasse. Ich mag seinen wandelbaren Klang und seine starken Ausdruck.

    Jetzt würde ich Euch ja gerne einen Youtubelink reinstellen, aber bei dem neuen Tamino-Outfit habe ich noch nicht herausgefunden wie.


    Benjamin Appl möchte ich ausdrücklich teilen. Nachdem ich von der weiter oben grundsätzlich gelobten Bach-CD etwas enttäuscht war, fand ich ihn im "War Requiem" mit seinen dramatischen Gesängen, die ja opernhafte Züge haben, einfach umwerfend.


    In den Wilfried Owen Gedichten, die der Tenor Ed Lyon und Bariton Benjamin Appl sangen, erreichte Manze durch überraschend großzügige Tempodramaturgie und eine Klarheit und Plastizität des Klanges eine Intensität, die einem den Atem nahm. Benjamin Appl (und auch Ed Lyon) hat das mit seiner Fähigkeit, seinen Ton ganz in den Dienst der Botschaft zu stellen, kongenial mitgetragen. Das war von der Vergegenwärtigung vordergründigen Kriegsgrauens so weit weg wie von jeglicher Verklärung.

    Das letzte Duett der beiden Solisten mit dem "Let us sleep now" war nur noch Ermattung und Verlöschen, die wirklich zu Tränen gerührt hat.


    Zu der Aufführung und Manze ließe sich noch viel sagen. Allein die Stille nach der Pianissimo-Auflösung am Ende sprach Bände.


    Caruso41

  • Zu Lise Davidsen

    Ich hätte auch noch gesagt, dass sie auf der einen Seite eine nordisch-klare, kraftvolle, strahlende Stimme hat, ohne jede Schärfe und schrille Töne. Eine groß sich verströmende, völlig unangestrengte Energie, die ebenso mühelos wie machtvoll ist. Dazu besitzt sie gleichzeitig -was vielleicht paradox scheint, ihre Stimme aber so einzigartig macht- ebenso ein Timbre von großer Sinnlichkeit, opulenter, schimmernder Schönheit. Dazu ist sie auch noch technisch eine bemerkenswerte Sängerin...

    Lieber Don Gaiferos.


    schöner und treffender kann man die Stimme eigentlich nicht beschreiben!

    Seit ich sie bei einem Vorsingen zum ersten Mal gehört habe, konnte ich sie inzwischen immerhin als Medea von Cherubini, als Ariadne von Strauss und mir der Sopranpartie im Requiem von Verdi wiederhören. Jeden der Abende habe ich noch sehr lebendig im Ohr!,


    Die Aufnahme von "I could have listenend all night" kannte ich noch gar nicht. Sie ist wirklich was Besonderes!

    Merci vielmals!

    Und danke auch noch mal an Caruso, dem ich Entdeckungen wie diese durch diesen wundervollen Thread verdanke.

    Es freut mich sehr, dass Du die Arbeit, die ich immer in diesen Thread investiere, würdigst und vor allem, dass sie Dir wertvoll ist.


    Was mich übrigens besonders freut, ist die Tatsache, dass über die Stimme und Gesangskunst der Davidsen inzwischen in diesen Thread so viele und wirklich treffliche Beiträge eingestellt wurden.


    Liebe Grüße


    Caruso41

  • Das letzte Duett der beiden Solisten mit dem "Let us sleep now" war nur noch Ermattung und Verlöschen, die wirklich zu Tränen gerührt hat.

    Das hast Du sehr schön ausgedrückt, lieber Caruso. So soll es auch sein, so war es auch beim "War Requiem" in Berlin, wo der ebenfalls noch realiv junge Benjamin Hulett - im Forum schoin oft genannt - den Tenor-Part sang. Gestandene Kammersänger fände ich fehlbesetzt. Die beiden müssen jung sein, idealerweise jung wie Wilfred Owen. Dadurch wir die Botschaft des "unbequemen dunklen Werkes" (Deine Worte) für mich erst glaubhaft.

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Lieber Rheingold!

    …...so war es auch beim "War Requiem" in Berlin, wo der ebenfalls noch realiv junge Benjamin Hulett - im Forum schoin oft genannt - den Tenor-Part sang. Gestandene Kammersänger fände ich fehlbesetzt....

    Ich denke dass Ed Lyon und Benjamin Appl eine ideale Besetzung für die Gesänge von Wilfried Owen sind.

    Diese Direktheit der Identifikation bringen vielleicht wirklich nur sehr junge Sänger ohne Peinlichkeit auf.


    Beste Grüße

    Caruso41

  • Rafael Fingerlos hat meiner Meinung nach eine wunderbar klare, kernige Stimme, die - soweit man das nach den Videos auf YouTube beurteilen kann - doch nicht fest oder hart klingt. Technisch souverän, klangschön in allen Lagen! Die Höhe lichtet fein auf und entfaltet jugendlichen Glanz.

    Ich habe Rafael Fingerlos am Samstag zum ersten Mal live erlebt und kann diesen Eindruck nur bestätigen. Als kernig würde ich die Stimme nicht unbedingt bezeichnen, aber als klar, farbenreich und von der Gestaltungskraft eines guten Liedsängers geprägt. Das war mein Eindruck von seinem Harlekin in der Ariadne in Dresden.

  • Ich habe Rafael Fingerlos am Samstag zum ersten Mal live erlebt und kann diesen Eindruck nur bestätigen. Als kernig würde ich die Stimme nicht unbedingt bezeichnen, aber als klar, farbenreich und von der Gestaltungskraft eines guten Liedsängers geprägt. Das war mein Eindruck von seinem Harlekin in der Ariadne in Dresden.

    Ich bin gespannt, welchen Eindruck ich übermorgen haben werde.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Für einige hier habe ich höchstens noch ab und an einen Smiley übrig...

  • Zu Rafael Fingerlos

    Ich bin gespannt, welchen Eindruck ich übermorgen haben werde.

    Lieber Stimmenliebhaber,

    es wäre interessant, wenn Du Deine Eindrücke auch hier mitteilen könntest! Hier ist Fingerlos ja eigentlich bisher nur als Liedersänger vorgestellt und beurteilt.


    Viel Spaß bei der Ariadne wünscht

    Caruso41

  • Naja, viel mehr als ein Liedchen bzw. Ständchen hat er ja als Harlekin auch nicht zu singen... ;)

    Was der Harlekin zu den Ensembles beiträgt ist ja auch nicht unwichtig. Wie er sie führt und dann wieder die Führung abgibt und wiederum übernimmt, will auch gekonnt sein!


    Also: viel Spaß!

    Caruso41

  • Was der Harlekin zu den Ensembles beiträgt ist ja auch nicht unwichtig. Wie er sie führt und dann wieder die Führung abgibt und wiederum übernimmt, will auch gekonnt sein!


    Also: viel Spaß!

    Caruso41

    Ja, aber da ist er kaum wichtiger als die anderen drei, die Hauptlast von den vieren trägt da schon der Brighella, aber diese Ensembles sind in der Tat sehr kunstvoll gesetzt und stehen und fallen nicht mit der Leistung eines Sängers, sondern alle vier bzw. fünf müssen erstklassig singen, damit diese Ensembles erstklassig werden. Und im Prolog, also bis zur Pause, kann der Harlekin stimmlich nicht viel falsch machen.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Für einige hier habe ich höchstens noch ab und an einen Smiley übrig...

  • Ich bin gespannt, welchen Eindruck ich übermorgen haben werde.

    Lieber Stimmenliebhaber, dann wünsche ich Dir heute abend eine schöne Ariadne in Dresden. Ich sah und hörte sie am vergangenen Sonnabend. Mir hat es gefallen, aber die überaus positiven Urteile über den Gesang teile ich nicht in dieser Ausgeprägtheit. Es grüßt Hans.

    ..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
    -- Aydan Özoğuz

  • Beitrag von operus (Mittwoch, 16:54)

    Dieser Beitrag wurde vom Autor gelöscht (Mittwoch, 17:03).



    Lieber Operus.


    Warum hast Du denn Deinen Beitrag wieder gelöscht?

    Es hätte mich sehr gefreut, nach längerer Zeit mal wieder etwas von Dir zu lesen!


    Aufmunternde Grüße

    Caruso41

  • Elsa Dreisig, Sopran (Frankreich)



    Die Sängerin habe ich inzwischen schon so häufig gehört, dass ich mich frage, ob ich sie hier als NEUE STIMME vorstellen kann. Wenn ich sie nicht schon früher vorgestellt habe, dann war der einzige Grund dafür, dass es keine angemessenen Aufnahmen von ihr gab. Das hat sich jetzt erfreulicherweise geändert. Es gibt Videos auf Youtube und auch Aufnahmen auf CD und DVD. Also stelle ich heute


    Elsa Dreisig

    als Entdeckung vor.

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    Den Berliner Opernbesuchern ist sie allerdings durchaus schon bekannt. Sie ist Mitglied des Ensembles der Berliner Staatsoper, sie hat dort Hauptrollen wie Pamina in Mozarts ZAUBERFLÖTE, Euridice in Glucks ORFEO, Gretchen in Schumanns FAUST SZENEN, die Violetta in Verdis TRAVIATA, die Gretel in Humperdincks HÄNSEL UND GRETEL und die Dircé in Cherubinis MEDÈE gesungen. Im kommenden Jahr kommen die Diana in Rameaus HIPPOLYTE ET ARICIE und - in Zürich – die Manon von Massenet hinzu.


    Stimme und Gesangskunst

    Passionierte Melomanen sind begeistert von der Strahlkraft ihres Soprans, der mit schwebender Leichtigkeit geführt wird und doch die Ressourcen für weite lyrische Bögen und dramatische Ausbrüche hat.

    Die Stimme klingt in allen Lagen rund und warm, die Spitzentöne sind völlig mühelos, die Koloraturen funkeln wunderbar. Sie kann mit weichem Wohlklang genau so überzeugen wie mit passionierter Intensität. Vor allem hat sie eine schier unbegrenzte Palette schillernder Farben und einen unendlichen Reichtum an Nuancen und Facetten.

    Was an dieser jungen Künstlerin so besonders beeindruckt, ist freilich ihre Fähigkeit, all dieses in eine Gestaltung der Figuren, die sie zu verkörpern hat, stimmig einzubringen. Nach ihrer Traviata wurde sie in Berlin enthusiastisch gefeiert. Zu Recht!

    Trotzdem will ich zumindest anmerken, dass ihr für die Partie der Violetta einstweilen noch die fragilen Töne fehlen, Töne der Anfälligkeit und Schwäche, der Todgeweihtheit, des Dahinscheidens und Verlöschens. Aber kann man das von einer jungen Frau erwarten, die noch keine 30 Jahre alt ist und in der Partie debütiert?

    Auch in Paminas g-moll-Arie klingt die Todesnähe noch nicht an. Aber dafür überzeugt sie mit der Verzweiflung der Euridice, mit der Koketterie der Musette, dem Jubel und der Glückseligkeit Paminas, wenn sie denn ihren Tamino gefunden hat.


    Biografische Notizen

    Elsa Dreisig wurde 1991 geboren. Sie hat französisch-dänische Wurzeln und wuchs in einer Opernfamilie auf: Ihre Mutter ist Opernsängerin, ihr Vater war es auch, Opernsängerinnen sind außerdem ihre Tante und Cousine. Schon mit sechs Jahren sang sie in Kinderchören, den Maîtrises der Opéra Royal de Wallonie und der Opéra national de Lyon, zehn Jahre lang. Mit 17 Jahren begann sie „ihre Frauenstimme zu finden“.

    Nach der Schule studierte sie Gesang am Conservatoire National Supérieur de Musique in Paris (bei Valérie Guillorit) sowie an der Musikhochschule Leipzig (bei Regina Werner).

    2015 gewann sie den zweiten Preis beim Königin-Sonja-Wettbewerb in Oslo und den ersten sowie den Publikumspreis beim „Neue Stimmen“- Wettbewerb. Dann ging es Schlag auf Schlag: 2016 Siegerin beim „Operalia“- Gesangswettbewerb, Auszeichnung als ‚Gesangsentdeckung’ bei den „Victoires de la musique classique“.

    Von 2015 bis 2017 war sie Mitglied des Opernstudios der Staatsoper Berlin. Inzwischen ist sie festes Mitglied des Ensembles an diesem Haus.

    In diesem Herbst hat sie ihr erstes Album mit französischen Sopranarien bei ERATO veröffentlicht. Da ist auch ein Ausschnitt aus dem Schlußgesang der Salome drauf!


    Und hier kann man Elsa Dreisig hören

    Gounod: Roméo et Juliette, Juwelenarie


    Gounod : Faust, Arie der Marguerite


    Strauss: Salome (Französische Fassung), Schlußgesang


    Bizet: Carmen, Arie der Michaela

    [/media][/media]


    Lehar. Die lustige Witzwe, Vilja-Lied


    Zur Person






    Viel Spaß beim Hören!

    Gespannt bin ich auf Beschreibungen von Höreindrücken!

    Caruso41

  • Lieber Caruso,


    ich habe die von Dir eingestellten Tonbeispiele mit großem Interesse und Neugier angehört, die schließlich zu nachhaltiger Begeisterung führten. Gounods Juwelenarie zum Beispiel unterstreicht nicht nur eindrucksvoll alles das, was Du geschrieben hast; ich würde auch noch hervorheben, dass in ihrer Stimme ein helles Timbre aufstrahlt, das (was gerade bei hohen Stimmen nicht selbstverständlich ist) niemals penetrant oder schrill, spitz und eng in der Höhe oder fahl in der Tiefe wird. Dazu trägt meines Erachtens auch die Kunstfertigkeit der Sängerin bei, die trotz der erstaunlichen Legatolinie eine perfekte Diktion beibehält und auch bei den dahingetupften Interjektionen, kleinen Lachern und verspielten Schnörkeln jederzeit eine plastische, lebendige, charakteristische Figur mit ihrer Stimme zum Leben erweckt und nicht nur den Effekt sucht.

    Wieder einmal mehr kann man nur konstatieren, dass sich hier eine phänomenale Künstlerin ihren Weg sucht, und es bleibt nur zu hoffen, dass dieser Veröffentlichung noch viele nachfolgen.

    Wenn man sich allein schon die Fülle der hier gezeigten Stimmen anschaut, scheint es mir, dass es einem um den Nachwuchs nicht bange zu werden braucht.

    Bisweilen fragt man sich, ob sich bei manchen der "Großen" oder zumindest dauerpräsenten Sänger tatsächlich die höhere Qualität durchgesetzt hat oder nur das bessere Marketing.

    Aber wie dem auch sei: Chapeau, liebe Frau Dreisig, da höre ich doch gleich mal weiter...


    Schönen Dank, lieber Caruso, und viele Grüße.

  • Zu Elsa Dreisig (.....und Liparit Avetisyan)


    Lieber Don Gaiferos!


    Es ist wieder hochinteressant von Deinen Höreindrücken zu lesen! Andere Melomanen wagen sich ja - bisher? - nicht aus der Deckung.

    Umso wichtiger waren mir Deine Beschreibungen und Dein Urteil. Da gäbe es einige Anknüpfungspunkte. Ich begnüge mich erst mal mit zweien!

    Dazu trägt meines Erachtens auch die Kunstfertigkeit der Sängerin bei, die trotz der erstaunlichen Legatolinie eine perfekte Diktion beibehält und auch bei den dahingetupften Interjektionen, kleinen Lachern und verspielten Schnörkeln jederzeit eine plastische, lebendige, charakteristische Figur mit ihrer Stimme zum Leben erweckt und nicht nur den Effekt sucht.

    Wie so viele französische Sängerinnen und Sänger ist Elsa Dreisig in die französische Sprache verliebt. Nichts drängt sich in den Vordergrund, was die Schönheit und Anmut, die Noblesse und die Eleganz der Sprache stört oder gar überlagert. Interessanterweise fällt das ganz besonders in ihrer Aufnahme der Arie der Thais auf, für die sie genau genommen noch nicht die lyrische Fülle und das Gewicht hat. Da sie aber die Worte ganz vorne, schlank, leicht, klar und vor allem plastisch formt, entsteht ein Portrait, dass man nicht auf die Idee kommt, sie sei in der Partie fehlbesetzt oder gar überfordert.


    Bei der Aufnahme des Schlussgesangs der Salome habe ich begriffen, warum Richard Strauss unbedingt eine Aufführung des Werkes in der französischen Sprache wollte (Immerhin ist ja der Text von Oskar Wilde französisch und nur ins deutsche übersetzt und auf die Bedürfnisse der Oper gekürzt.). Strauss war ja sogar bereit, dafür sämtliche Vokalpartie so umzugestalten, dass die Vokallinien möglichst vollkommen der Diktion der französischen Sprache angepasst werden. Dafür hat er eigens Romain Rolland hinzugezogen, um sich von ihm beraten zu lassen, wie die Wortakzentuierungen aufgenommen und die Farbwerte der französischen Oral-Vokale und Nasal-Vokale richtig zum Klingen gebracht und harmonisch mit den Konsonanten verbunden werden könnten. Auch in der Frage, wie die stummen Endsilben behandelt werden sollten, hat er Roman Rollands Rat gesucht.

    In der einzigen Gesamtaufnahme des Werkes in der französischen Fassung habe ich davon nichts bemerken können. Die Sänger beherrschten einfach nicht vokale ars gallica.

    Es wäre sicher reizvoll, wenn Elsa Dreisig in einigen Jahren eine Gesamtaufnahme der französischen Fassung einspielen könnte.

    Wenn man sich allein schon die Fülle der hier gezeigten Stimmen anschaut, scheint es mir, dass es einem um den Nachwuchs nicht bange zu werden braucht.

    In der "Traviata" in der Berliner Staatsoper, in der ich Elsa Dreisig als Violetta gehört habe, hat übrigens Liparit Avetisyan den Alfredo gesungen. Auch ihn habe ich ja hier im Thread NEUE STIMMEN vorgestellt (Beitrag #396, 402). Er war der beste Alfredo, den ich in den letzten zwanzig Jahren gehört habe! Mit Abstand! Auch auf seine weitere Entwicklung bin ich sehr gespannt!


    Liebe Grüße


    Caruso41





  • Lieber Caruso41,


    vielen Dank für die Hörbeispiele von Elsa Dreisig. Im Nachhinein ärgere ich mich, dass ich nicht in der Traviata gewesen bin, aber ich renne nicht in jede Serie und hatte auch keine Lust auf Daza (die Traviata in der DOB mit Venera Gimadieva und Marco Ciaponi hat sich z. B. nicht gelohnt). Ich finde, die Stimme klingt im positiven Sinne wie aus einer anderen, vergangenen Zeit. Elsa Dreisig singt ungeheuer ausdrucksstark ohne jegliche Schärfen , sehr kunstvoll, aber dennoch natürlich und alles andere als aufgesetzt. Live habe ich sie bisher nur als Magd im Simone und als Dircé in Médée (nur bis zur Pause) gehört. Daher kann ich leider keine Live-Eindrücke beisteuern.

  • Von ihrem Gretchen im Schumann-Faust war im Dezember 2017 nicht so hingerissen, aber das war insgesamt einfach ein schlimmer Abend, wobei sie zugegebenermaßen noch eine der besten Solistenleistungen erbrachte. Hat in diesem szenischen und musikalischen Umfeld aber alles nichts genützt...

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Für einige hier habe ich höchstens noch ab und an einen Smiley übrig...