Entdeckungen: Neue Stimmen

  • Ein junger Sänger, dem wohl eine ganz große Karriere bevorsteht, ist der Bass Michael Nagl, der zur Zeit in seinem ersten Engagement an der Stuttgarter Staatsoper ist, wo er in dieser Saison u. a. bereits als Figaro, Mönch und Kuno zu erleben war. Er verfügt über eine ungemein prächtige, farbenreiche, sonore und hervorragend italienisch geschulte Stimme, die u. a. seine Madamina aus Don Giovanni zu einem Hochgenuss werden lässt:





    Herzlichst


    Lustein

  • Gut gelungen ist Michael Nagl auch der Dulcamara aus Lélisir d' amore, in dem er seine bemerkenswerten Fähigkeiten auch im Buffo-Fach bestens unter Beweis stellt:





    Herzlichst


    Lustein

  • Auch im Bereich des Kunstliedes ist Michael Nagl eine große Hoffnung. Hier begeistert er mit einem Lied von Richard Strauss:





    Herzlichst


    Lustein

  • Eine der wunderbarsten und vielversprechendsten jungen Sängerinnen ist Marysol Schalit, die derzeit am Theater Bremen fest engagiert ist. Sie verfügt über einen ungemein schönen, bestens fokussierten, farbigen und voll und rund tönenden Sopran. Bisher meistens im Soubrettenfach eingesetzt, beginnt sie jetzt allmählich sich das lyrische Fach zu erobern. Diese Sängerin ist etwas ganz Besonderes, wovon dieser Adele-Live-Mitschnitt beredtes Zeugnis gibt. Sie ist wahrlich die beste Adele, die ich kenne.





    Herzliche Grüße


    Lustein

  • Hier ist Marysol Schalit auf ganz bemerkenswerte Weise als Susanna zu hören. Deutlich wird hier, dass sie jetzt auch die Contessa problemlos singen könnte. Sie hat schon enorme lyrische Qualtäten bei höchstem Stimmwohlklang.





    Herzlichst


    Lustein

  • Hier die phantastische Marysol Schalit mit etwas modernerem Repertoire. Auch für die Jenny in Brechts/Weils Mahagonny ist sie allererste Wahl:





    Herzlichst


    Lustein

  • Vielleicht kennen manche von euch die Sendung kultour mit Ioan Holender. Man kann über den früheren Operndirektor Wiens ja denken, was man will. Aber eines kann man ihm nicht absprechen: Echte Liebe zur Oper. So reist er in dem offenbar erfolgreichen Format auch in kleinere Städte, um deren Kulturleben vorzustellen. Die letzte Sendung wurde in St. Gallen aufgenommen. In technisch einwandfreier Qualität wurden Passagen aus Gounods "Faust" gezeigt. Holender war ja eher von der Sopranistin Tatjana Schneider angetan, mir imponierte aber vor allem der Tenor Arthur Espiritu. Seine Timbre ist sehr warm und die Höhe von einer Mühelosigkeit, die staunen macht. Hier müsste man die Sendung noch sehen können:

    https://www.servustv.com/videos/aa-1q4b39znn1w11/


    Espiritu ist Amerikaner mit philippinischer Herkunft. Sein Geburtsjahr ist 1982. Hier im Forum wurde er einige Male in Besetzungslisten genannt und auch schon positiv erwähnt. Er sang wohl den Herzog im Römersteinbruch von St. Margarethen. Im Gärtnerplatztheater ist er in dieser Saison als Gast als Rodolfo zu sehen und hören. Hier ein repräsentativer Auftritt mit "Che gelida manina" aus Sydney. Wie gefällt euch dieser spinto? Hat ihn noch jemand gesehen, er ist viel in deutschsprachigen Landen unterwegs.

    Arthur Espiritu habe ich letztes Jahr im Mai am Gärtnerplatztheater gehört, in „Maria Stuarda“.

    Da ist er mir sehr positiv aufgefallen, besonders wie gut hörbar er über das Orchester sang.


    Viele Grüße

    Boismortier

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  • Vielen Dank, lieber Lustein, für den Hinweis auf die außergewöhnliche Sopranistin Marysol Schalit, die in der Tat über große Strahlkraft, Verve und ein sehr einnehmendes Timbre verfügt. Hier ein Interview, das auch ihr Engagement für die Gottlob-Frick-Geselschaft bzw. für Heilbronn dokumentiert; Hans kann da sicher noch mehr zu sagen:


    https://www.deropernfreund.de/marysol-schalit.html


    Liebe Grüße

    viele Grüße von Boris alias Don_Gaiferos

  • Ich habe Marisol Schalit leider seit unserem hervorragenden Heilbronner Konzert nicht mehr erleben dürfen. Deshalb bin ich Lustein sehr dankbar, dass er die immer noch so herrlich jung wirkende Sopranistin in verschiedenen Partien vorgestellt hat. Mein Urteil kann ich im Grunde relativ kurz zusammen fassen: Mein Gott, in welchem Maße ist Frau Schalit stimmlich und darstellerisch gewachsen. Geblieben ist der jugendliche Glanz der Stimme, die ausgezeichnete Mittellage, die sowohl eine fabelhafte Höhenexploration aber auch eine voll tönende Tiefe ermöglicht. Viele von den Rollen, die Frau Schalit singen möchte, liegen sicherlich schon im Bereich des Möglichen: So kann ich sie mir ganz hervorragend als Norina, Micaela, Sophie aber auch schon als Lulu vorstellen. Ich meine Marisol Schalit ist gut beraten, wenn sie noch einige Zeit das jugendlich liebreizende Fach singt. Dafür ist sie im Moment prädestiniert. Warum denn in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah. In die anderen Partien, wie Gilda und Musetta wird sie hineinwachsen, weil die Stimme dorthin tendiert. Auch bei Strauss z. B. in "Die schweigsame Frau" oder als Lauretta in "Gianni Schicchi" könnte ich mir das Temperamentsbündel Schalit gut vorstellen. Aber aus meiner Sicht sollte sie noch so lange es möglich ist, im jugendlichen Fach weitersingen. Alles andere wird wenn die stimmliche und darstellerische Reife weiterhin so zunimmt nahezu selbstverständlich zuwachsen.

    Schildern muss ich noch eine schwierige Herausforderung, die Frau Schalit beim Heilbronner Konzert zusammen mit dem Tenor Thorsten Büttner bravourös gemeistert hat. Da das Open-Air-Konzert ins Wasser gefallen war, wurde von den doch schon routinierten Bühnenhasen durch einen temperamentvollen Auftritt im Saal gekonnt überspielt. Als wir jedoch wegen Überfüllung die Saaltüren öffnen mussten und die beiden 2 Duette ohne jegliche Distanz mitten unter den Zuschauern singen mussten, war das schon eine gewaltige Herausforderung, da sie im wahrsten Sinne des Wortes Sänger zum Anfassen geworden waren, die jedoch die Zuschauer so in ihr Spiel einbezogen haben, dass das Geschehen zu einer mit schwingenden Einheit verschmolzen ist.

    Herzlichst

    Operus (Hans)

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Lieber Don Gaiferos,


    es ist schön, dass Du das Interview mit Marysol Schalit für die Taminos eingestellt hast. Es stammt übrigens von mir. Ich habe das Gespräch damals mit Frau Schalit für den OPERNFREUND selbst geführt, und es ist bei den Lesern sehr gut angekommen. Sie ist schon eine Ausnahmesängerin, die ich sehr gerne höre und der ich die ganz große Karriere prophezeie.


    Herzliche Grüße


    Lustein

  • Am vergangenen Sonnabend kam im TV die Aufnahme der Operette "Das Land des Lächelns" von der Seebühne Mörbisch aus 2019.

    Ich fand, es war eine gelungene Inszenierung mit durchweg großartigen Solisten. Besonders positiv ist mir der koreanische Tenor aufgefallen.

    Mein Interesse war geweckt und da er mir bis dato unbekannt war, habe ich dann mal im Netz recherchiert und einiges heraus gefunden:

    Glücklich das Theater /Opernhaus in Erfurt, denn dort ist er seit der Spielzeit 2015 /16 engagiert. Darüber hinaus hat er bereits mit vielen Partien

    an etlichen anderen Opernhäusern gastiert. Besonderer Höhepunkt dürfte sein - in der Spielzeit 2017 /18 war er sogar an der MET engagiert.

    Da er (geschätzt) im besten Sängeralter ist glaube ich, er hat noch eine große Karriere und Zukunft vor sich.

    Ich möchte ihn nachfolgend mit zwei Aufnahmen vorstellen:

    1. seine Vita

    2. Finale aus dem "Land des Lächelns". Hier besonders interessant und hörenswert der Schluß ab Min. 3.00

    3. "Che gelida manina" zwar in einer etwas eigenartigen Inszenierung, aber stimmlich sehr gut gesungen, auch wenn ihm hier etwas Wärme und Gefühl fehlt.


    CHRISSY


    https://www.theater-erfurt.de/…enschen/Won-Whi-Choi.html



    Jegliches hat seine Zeit...

  • Vielleicht ist es noch erwähnenwert, dass der in #1.515 vorgestellte Won Whi Choi seit der Spielzeit 18/19 nicht mehr fest in Erfurt engagiert ist. Er tritt an mehreren Bühnen in den USA auf und hat gerade eben Anfang Februar den Alfredo neben Aleksandra Kurzak an der Met gesungen.

    Alles Gute und einen Gruß von Orfeo

  • Vielleicht ist es noch erwähnenwert, dass der in #1.515 vorgestellte Won Whi Choi seit der Spielzeit 18/19 nicht mehr fest in Erfurt engagiert ist. Er tritt an mehreren Bühnen in den USA auf und hat gerade eben Anfang Februar den Alfredo neben Aleksandra Kurzak an der Met gesungen.

    Vielen Dank für den ergänzenden Hinweis. Das habe ich nicht gewußt, ich habe nur in der oben von mir reingestellten Vita gelesen,

    daß er bereits in der Spielzeit 2017 /18 an der Met gastiert hatte.

    Ich muß allerdings sagen - bei der grandiosen Stimme, wundert mich der Sprung an die Met nicht und ist eigentlich nur folgerichtig.

    Jegliches hat seine Zeit...


  • Liebe Boimortier!

    Deine Vorstellung von Katharina Konradi hat mich sehr gefreut (...) weil Du auf eine Sängerin aufmerksam machst, die zwar noch ganz am Anfang ihrer Karriere steht, von der aber schon bald ein Durchbruch zu erwarten ist.

    Vor Kurzem hörte ich sie zum dritten Mal - als Pamina in der mäßig geglückten Inszenierung von Jette Steckel in der Hamburger Staatsoper.

    Ich war gänzlich unvorbereitet in die Vorstellung gegangen und habe Konradi zunächst nicht erkannt. Sie sang ein hinreißend verinnerlichtes und klar sowie warm vorgetragenes "Ach, ich fühl's, es ist verschwunden" - für mich der sängerische Höhepunkt des Abends. Und als ich dann nachher den Besetzungszettel las, fiel es mir ein, dass sie für einige hier schon auffällig geworden war. Sie scheint sich weiterhin auf einem sehr guten Weg zu befinden.

  • Lieber Operus,


    es ist schön, dass Du Dich hier so ausführlich mit Marysol Schalit auseinandergesetzt hast. Ihre Entwicklung hat in der Tat in den letzten Jahren riesige Schritte gemacht. Einige von den von Dir genannten Partien hat sie längst gesungen. Als Gilda und Musetta habe ich sie bereits vor Jahren am Theater Bremen gehört. Da war sie ganz ausgezeichnet. Auch die Lulu hat sie in der letzten Saison in Bremen gesungen. Und nicht minder beeindruckend. Hier ein Video-Beispiel von ihrer Lulu:





    Herzliche Grüße


    Lustein

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  • Und hier noch einmal Marysol Schalit als Alcina in einen Video-Beispiel vom Theater Bremen. Sehr gefühlvoll und ausdrucksvoll gesungen. Wirklich hervorragend!!!





    Herzlichst


    Lustein

  • Lieber Lustein,

    die weiteren Videobeispiele verstärkten den hervorragenden Eindruck, den Marysol Schalit schon in den anderen Beispielen erreichen konnte. Die Rollenporträts beweisen auch, dass die Sopranistin in gefühlvollen, ausdrucksstarken Szenen doch am meisten beeindrucken kann. Hoffentlich darf diese Sängerin mit der bezaubernden Ausstrahlung noch einige Zeit das tun, was sie am besten kann, Herzen gewinnen. Wobei ich auch den Eindruck habe, dass sie am Theater Bremen hervorragend eingesetzt und geführt wird, weil sie genau im richtigen Fach die ihr auf den Leib geschriebenen Partien gestalten darf. Nur Singen wäre bei dieser Darstellerin zu wenig.

    Herzlichst

    Operus (Hans)

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Won Whi Choi - das ist einmal eine Entdeckung unter den Tenorstimmen.

    Laut Metropolitan Opera Archiv hatte er allerdings sein Debüt am dortigen Haus erst diesen Februar. Er hat bisher zweimal den Alfredo gesungen. Die Ankündigung aus Erfurt für die Spielzeit 2017/18 dürfte sich zunächst nicht bewahrheitet haben.


    Ich bereue, dass ich mir "Das Land des Lächelns" kürzlich im TV nicht angesehen habe. Manchmal versäumt man halt doch Überraschendes.


    Man stelle sich vor, man sitzt in NY in diesem eigenartigen Opernstudio, um seine fünfundzwanzigste Bohéme in bizarrer Atmosphäre zu sehen - und dann hört man so eine Stimme. Danke, Chrissy, für das Einstellen der Videos.

  • Ich bereue, dass ich mir "Das Land des Lächelns" kürzlich im TV nicht angesehen habe. Manchmal versäumt man halt doch Überraschendes.


    Man stelle sich vor, man sitzt in NY in diesem eigenartigen Opernstudio, um seine fünfundzwanzigste Bohéme in bizarrer Atmosphäre zu sehen - und dann hört man so eine Stimme. Danke, Chrissy, für das Einstellen der Videos.

    Hallo, Greghauser

    Nichts zu danken, immer gerne. Ich freue mich über Deine Antwort. Vor allem freue ich mich, daß Du auch von diesem Tenor begeistert bist.

    Und leider muß ich Dir bestätigen - Du hast wirklich eine rundum großartige Aufnahme mit stimmiger Kulisse und Kostümen, sowie großartigen

    Stimmen verpaßt, wovon vor allem, ohne die anderen zu schmälern, der koreanische Tenor besonders herausragte.

    Auch das Orchester und die Darstellung aller Akteure vom Allerfeinsten.

    Ich hatte eigentlich gedacht, daß diese Operette von vielen Mitgliedern unseres Forums angeschaut wird und dies zu einem Diskussionsthema wird.

    Ich stelle Dir extra hier aus dem 1. Akt "Dein ist mein ganzes Herz" ein.


    Viel Freude und Genuß wünscht

    CHRISSY


    Jegliches hat seine Zeit...

  • Zu Won Whi Choi kann ich nur eines sagen: Ein ganz wunderbarer Tenor!!! Diese Stimme hat Saft und Kraft, wird enorm geradlinig geführt, hat ein perfektes Legato, klingt voll, sonor und rund und sitzt hervorragend im Körper. Er hat wahrlich eine italienische Technik vom Feinsten. Ihm ist die ganz große Karriere zu gönnen und stark zu hoffen, dass er sich nicht übernimmt. Möge er an weise Intendanten und Dirigenten geraten.


    Herzliche Grüße


    Lustein

  • Zu Won Whi Choi kann ich nur eines sagen: Ein ganz wunderbarer Tenor!!! Diese Stimme hat Saft und Kraft, wird enorm geradlinig geführt, hat ein perfektes Legato, klingt voll, sonor und rund und sitzt hervorragend im Körper. Er hat wahrlich eine italienische Technik vom Feinsten. Ihm ist die ganz große Karriere zu gönnen und stark zu hoffen, dass er sich nicht übernimmt. Möge er an weise Intendanten und Dirigenten geraten.

    Mir gefällt er auch sehr gut. Vielen Dank an Chrissy, dass er hier auf ihn aufmerksam gemacht hat.
    :hello:
    Jolanthe

  • Heute erreicht mich folgender Leserbrief:



    Ich habe diesen Leserbrief zum Anlass genommen, den Schreiber dieses Briefes, Caruso41, telefonisch zu kontaktieren und wir haben in einem sehr freundlichen Gespräch miteinander vereinbart, daß Caruso41 ab sofort dem Tamino Klassikforum wieder als Autor zur Verfügung stehen wird.


    mit freundlichen Grüßen aus Wien

    Alfred

    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt ......


  • Ich habe diesen Leserbrief zum Anlass genommen, den Schreiber dieses Briefes, Caruso41, telefonisch zu kontaktieren und wir haben in einem sehr freundlichen Gespräch miteinander vereinbart, daß Caruso41 ab sofort dem Tamino Klassikforum wieder als Autor zur Verfügung stehen wird.

    Es gibt also auch noch gute Nachrichten in diesen Tagen. Das ist eine, eine ganz wunderbare dazu. Ich habe immer daran geglaubt, dass man sich wird einigen können. :jubel:

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Das freut mich sehr! Die Opernabteilung war etwas fad ohne ihn.

    ..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
    -- Aydan Özoğuz

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