Entdeckungen: Neue Stimmen

  • Zu Dániel Foki (Beitrag #1959f, 1962, 1964f.)



    Lieber Operus!

    Lieber Caruso,

    danke für Deine vertiefende Stellungnahme zum Bariton Foki. Dein Urteil auch bei den Verbesserungsvorschlägen kann ich nachvollziehen. Ich habe ihn umgehend auf Deinen Beitrag hingewiesen. Da er klug und systematisch an seiner Karriere arbeitet wird Dein Rat sicherlich dankbar angenommen, beachtet und umgesetzt.

    Wenn ich gewusst hätte, dass Du meine Bemerkungen direkt an den jungen Bariton weitergibst, hatte ich sie eingehender ausführen und begründen sollen. Aber vielleicht kann er auch so etwas damit anfangen.


    Ich war gerade ein paar Tage in Berlin und habe die WALKÜRE gehört, bei der es einen "Tumult" gab, der den Weg in die Presse gefunden hat. Nun ja, so etwas bringt immer gleich Schlagzeilen. Dabei waren die Auslöser des Tumultes Besucher, die keine Masken trugen. Darüber erregten sich - zu Recht - die übrigen Besucher.

    Im übrigen wurde der Abend ein ein Erfolg, nach dem der Dirigent und alle Mitwirkenden begeistert bejubelt wurden. Allerdings gab es auch Abstufungen des Beifalls: Am enthusiastischsten war der Jubel für Lise Davidsen und das zu Recht. Schon in der Premiere hatte sie ja triumphiert: Entdeckungen: Neue Stimmen.
    Ich kann nur sagen: Davidsen war eine der besten Sieglinden, die ich in mehr als 65 Jahren gehört habe. Ganz sicher auf einer Stufe mit der Crespin und der Rysanek! Dass ich sie hier in diesem Thread vorgestellt habe, macht mich schon - bei aller Bescheidenheit - ein wenig stolz. Seinerzeit war sie ja noch völlig unbekannt, hatte noch nicht außerhalb Norwegens gesungen und in noch keiner professionellen Opernaufführung mitgewirkt.
    Solch ein Gelingen kann schon zu einer weiteren Suche nach bemerkenswerten Entdeckungen motivieren.

    Warum solltest Du weiter über junge Sänger schreiben? Weil Du Erfahrungen weitergibst, junge Sänger durch Bestätigungen motivierst und wie im Beispiel Foki belegt junge Sänger gerade durch Deine Verbesserungsvorschläge förderst. Lohnt sich nicht allein dafür Dein Einsatz?

    Und wenn dann noch dazu kommt, dass junge Sänger in dem einen oder anderen Fall sogar von meinen Einschätzungen und Urteilen profitieren, will ich mich gerne weiter für NEUE STIMMEN einsetzen und damit abfinden, dass es im Forum wenig Resonanz für diese Arbeit gibt.


    Beste Grüße


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • zu Liparit Avetisyan #1956


    ich habe mir grade das Teachers Day Concert aus Kaunas angehört. Liparit Avetisyan hat einen richtig schönen warmen Klang, ein tolles Timbre. Mir gefällt, dass er viele dynamische Abstufungen macht, seine Höhe strahlt scheinbar mühelos. Sein lucevan e stelle ist etwas unaufgeregt, aber es ist ja auch keine Opernbühne.
    Das einzige was mir nicht gefällt, ist sein Klang auf den Spitzentönen ganz am Schluss der Blumenarie. Da geht er in das Falsett (?), die Stimme ist nicht mehr mit dem Körper verbunden. Das macht Kaufmann genauso ( und gefällt mir da noch weniger). Ich gehe mal davon aus, dass das seine Interpretation ist und nicht Unvermögen, insofern ist es ja nur eine unerhebliche Geschmacksfrage.
    Den sehr positiven Gesamteindruck trübt es nicht ein bisschen.


    Viele Grüße

    Boismortier

  • Zu Liparit Avetisyan (Beiträge #396, 402, 1727, 1956, 1982)


    Liebe Boismortier!

    Das einzige was mir nicht gefällt, ist sein Klang auf den Spitzentönen ganz am Schluss der Blumenarie. Da geht er in das Falsett (?),

    Die ganze Phase am Schluss der "Arie" soll nach dem Willen Bizets im Pianissimo gesungen werden.
    Es ist schon schwer genug, sie mit voller Stimme zu singen. Deswegen brüllen die meisten Tenöre ihrer Carmen das "Et j’étais une chose à toi" im Fortissimo entgegen! Aber ist das schön? Vor allem ist es nicht unpassend?


    José gesteht doch Carmen seine Liebe eigentlich nicht in einer üblichen Arie sondern am Ende einer Erzählung leise und flehend. Es kann ein unerhört intensiver Moment sein, wenn das hohe 'B' ganz innerlich im pianissimo gesungen wird. Das geht natürlich nur, wenn der Tenor dem Ton Kopfresonanz beimischt oder gleich ganz auf die Kopfresonanz beschränkt. Perfekt ist das etwa Leopold Simoneau gelungen:



    Marcel Wittrisch, Jonas Kaufmann, Roberto Alagna, Piotr Beczała und andere bemühen sich mit unterschiedlichem Erfolg auch darum, diese Phrase im pianissimo zu singen. Das macht auch Liparit Avetisyan. Das ehrt ihn. Ich finde es auch gut gelungen, verstehe aber, wenn die voix mixte deinem Geschmack nicht entspricht.


    Liebe Grüße


    Caruso41





    ;) - ;) - ;)


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  • Von Liparit Avestisyan hörte ich mir soeben zwei Aufnahmen bei You Tube an. Zweifellos eine interessante, entwicklungsfähige Tenorstimme. Alles ist da. Für meinen Gesang singt er recht unbekümmert. ( La Donna è mobile) Empfinde auch etwas viel Metall in der Höhe. Mag auch an der Aufnahmequalität bei You Tube liegen. Es lohnt sich, diesen Sänger im Auge zu behalten. Danke für die Einstellung.

    Wenn ich gewusst hätte, dass Du meine Bemerkungen direkt an den jungen Bariton weitergibst, hatte ich sie eingehender ausführen und begründen sollen. Aber vielleicht kann er auch so etwas damit anfangen.

    Foki hat mich noch am selben Tag angerufen und sich bedankt. Er will Deine Hinweise mit seinem Gesangslehrer besprechen und falls notwendig daran arbeiten. Du siehst ernsthafte junge Künstler saugen solche Hinweise auf und sind dankbar für jede Hilfestellung.

    Und wenn dann noch dazu kommt, dass junge Sänger in dem einen oder anderen Fall sogar von meinen Einschätzungen und Urteilen profitieren, will ich mich gerne weiter für NEUE STIMMEN einsetzen und damit abfinden, dass es im Forum wenig Resonanz für diese Arbeit gibt.


    Beste Grüße

    Lieber Caruso,

    Was erwartest Du? Die "Entdeckungen neuer Stimmen" sind mit fast 2.000 Beiträgen längerfristig einer der erfolgreichsten Threads im Forum. Dieser Bereich wird auch durch das fachliche Niveau geschätzt. Das Kennenlernen der meist jungen Sängerinnen und Sänger bietet bereichernde Erkenntnisse.

    Wenig Resonanz? Sie ist gemessen an anderen Themen enorm. Was willst Du mehr?

    Herzlichst

    Operus (Hans)

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Lieber caruso41,


    ich hatte mich gestern auch bemüht in die Partitur zu schauen. Auf imslp gibt es sie ja mehrfach, aber irgendwie hat es nicht geklappt und nicht richtig geladen. Dass diese Stelle pp verlangt wusste ich nicht, das ändert für mich etwas und ich betrachte es anders.

    Dennoch finde ich es von Avetisyan (und von Kaufmann) nicht so richtig gut gelungen, da eine deutlich hörbare Klangveränderung da ist. Das ist bei der von Dir eingestellten Version mit Leopold Simoneau nicht der Fall, das gefällt mir außerordentlich gut.


    Viele Grüße

    Boismortier

  • Zu Liparit Avetisyan (Beiträge #396, 402, 1727, 1956, 1982, 1984)


    Lieber Operus!

    Von Liparit Avestisyan hörte ich mir soeben zwei Aufnahmen bei You Tube an. ... ... Alles ist da. Für meinen Gesang singt er recht unbekümmert. ( La Donna è mobile) Empfinde auch etwas viel Metall in der Höhe. Mag auch an der Aufnahmequalität bei You Tube liegen. Es lohnt sich, diesen Sänger im Auge zu behalten. Danke für die Einstellung.

    Ja es muss wohl an der grausigen technischen Qualität der Aufnahme, die Du gehört hast, liegen.

    Du hast wohl nicht die neueren Aufnahmen gehört.
    Otello50 hat ein Konzert eingestellt, in dem man Liparit Avetisyan in einer sehr ordentlichen Fernsehaufnahme hören kann. Da bekommt man einen trefflichen Eindruck von der schönen Stimme, seiner hervorragenden Technik und seiner feinen Gestaltung der Arien. Es stammt von 2019. Er singt Una furtiva lagrima, E lucevan le stelle, die Blumenarie, das Liebesduett aus La Boheme sowie schließlich Granada).


    Hier noch einmal der Link:



    Beste Grüße


    Caruso41

    Foki hat mich noch am selben Tag angerufen und sich bedankt. Er will Deine Hinweise mit seinem Gesangslehrer besprechen und falls notwendig daran arbeiten. Du siehst ernsthafte junge Künstler saugen solche Hinweise auf und sind dankbar für jede Hilfestellung.

    :jubel: :jubel: Finde ich sehr gut :jubel: :jubel:


    Beste Grüße


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


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  • Liebe Boismortier!

    Das ist bei der von Dir eingestellten Version mit Leopold Simoneau nicht der Fall, das gefällt mir außerordentlich gut.

    Simoneau kommt natürlich dem Ideal, das mir hier vorschwebt, auch wirklich ganz nahe. Wie er es schafft, der Stimme immer mehr Kopfresonanz zu geben, ohne dass es einen Bruch der Linie und des Klanges gibt, ist ist wirklich singulär! Der ganz junge Gedda kam dem nahe. Kaufmann und Alagna leider wirklich nicht. Auch - da gebe ich Dir Recht - bei Liparit Avestisyan ist die Klangveränderung nicht wirklich geschmeidig und nahtlos! So stellt sich die Wirkung, die Simoneau erzeugt, leider nicht ein. Immerhin finde ich gut, dass er sich um ein Piano bemüht.


    Liebe Grüße

    Caruso41

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  • Es gibt Neues anzuzeigen von dem französischen Tenor Julien Behr.


    Er singt den Hippolyte auf der Neuaufnahme von Jean-Baptiste Lemoynes tragédie lyrique „Phèdre“.

    Und das tut er ganz hervorragend. Sein schlanker bestens geführter Tenor klingt hell und süß und trotzdem warm. Die heiklen Höhen der Partie lässt er strahlen. Die einleitende Arie singt er mit großer Zärtlichkeit.

    Aber seine Partie fordert mehr. Und Behr vermag mit seinem nuancenreichen, dramatischem Gesang sehr eindrücklich zu vermitteln, wie er zwischen seinem Vater und der Stiefmutter Phèdre, die ihn mit ihrer obsessiven Liebe verfolgt, förmlich zerrissen wird. Seine großen Szenen im dritten Akt sind ganz einfach Klasse.

    Hier ein Beispiel:




    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Re. Julien Behr


    Gibt es bei unserem Vertragspartner....



    ....ich war auf das erste hören nicht ganz so begeistert, aber man muss sich einhören und dann wird es ein Genuss.

    Alle Sängerinnen und Sänger sind trefflich auf einander eingestimmt und harmonieren in den Duetten wunderbar.

    Jedoch, trotz Julien Behr und Tassis Christoyannis hat mich allerdings Judith van Wanroij am meisten überrascht, beeindruckt und begeistert! Sie singt eine leidenschaftliche Phèdre und wird ohne wenn und aber den Anforderungen der anspruchsvollen Rolle gerecht mit hoher Flexibilität und ohne störendes Vibrato!

    Soweit ich das beurteilen kann beim mitlesen des Librettos hat sie auch eine sehr gute Textverstandlichkeit.


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Lieber Fiesco!

    .... hat mich allerdings Judith van Wanroij am meisten überrascht, beeindruckt und begeistert! Sie singt eine leidenschaftliche Phèdre und wird ohne wenn und aber den Anforderungen der anspruchsvollen Rolle gerecht mit hoher Flexibilität und ohne störendes Vibrato!

    Das sehe ich ganz genau so! Judith van Wanroij ist herausragend!


    Dass ich meinen Hinweis auf die Neuaufnahme an Julien Behr aufgehängt habe, erklärt sich, weil er im NEUE STIMMEN-Thread vorgestellt worden ist. Judith van Wanroij hatte ich auch auf meiner Liste, dann aber doch nicht vorgestellt, weil sie schon ziemlich breit bekannt geworden war. Als ich sie erstmals in einer grüßeren Partie gehört habe, war sie eigentlich keine neue Stimme mehr. Das war 2018 im München im Prinzregententheater mit Gounods 'Le tribut de Zamora'. Inzwischen gibt es davon ja eine Aufnahme auf CD!


    Beste Grüße

    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


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  • In letzter Zeit habe ich mich überwiegend mit Sängerinnen und Sängern beschäftigt, die nicht mehr singen. Da wird es Zeit, den Blick wieder mal nach vorne zu richten. Ein besonders auffälliger Tenor, den ich noch kennen gelernt habe, ehe die Opernbühnen allüberall ihren Betrieb einstellen mussten, ist


    Jonathan Tetelman

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    Geboren in Castro (Chile), aufgewachsen in New York (USA)

    Man weiß nicht, was man zuerst an ihm bewundern soll. Die Erscheinung, die auf der Bühne einen außergewöhnlichen Eindruck macht, das darstellerische Talent, mit dem er in jeder Inszenierung besticht, die urgesunde Stimme, das attraktive männliche Timbre? Das alles ist schon fast genug für eine Karriere!

    Aber er bietet mehr. Er kann mit schön modulierter Halbstimme bestricken, hat weiche und süße Pianophrasen, vermag aber auch mit prächtig strahlenden Höhen aufzutrumpfen - wenn er dafür auch noch zu viel Kraft einsetzt. Zugegeben: Die Technik ist nicht ausgefeilt und das sind seine Rollenportraits auch noch nicht. Er hat aber scheinbar ein starkes Vertrauen in seine Mittel und Möglichkeiten. Das macht einen guten Teil seiner Wirkung aus. Ach ja: ein kräftiger Schuss Unbekümmertheit kommt auch noch dazu!


    Mich hat das Timbre seiner Stimme besonders fasziniert. Es klingt wie ein chilenischer Araucanot schmecken sollte: intensiv nach Süsskirsche und reifem Cassis, mit einem Hauch Mokka und dunkler Schokolade, füllig aber seidig.


    Ich habe ihn als Rodolfo an der Komischen Oper Berlin gehört und war sofort hin und weg.


    Als ich dann daran ging Aufnahmen von ihm Internet zu suchen, war ich etwas ernüchtert. Es gibt bisher nur wenige und die sind unter ungünstigen Bedingungen aufgenommen und zudem mit eher bescheidener Technik. Aber auch die Gesangsleistungen, die ich da von ihm gehört habe, waren nicht über jeden Zweifel erhaben. Ein Problem, das mir in mehreren Aufnahmen auffiel, ist die unzureichende Verblendung zwischen Mittellage und Höhe. Tetelmann singt bis in den oberen Passaggio-Bereich mit seinem Modal-Register und schaltet plötzlich für die Höhe auf eine andere Tonproduktion um, setzt viel Kraft ein und nutzt nun alle Resonanzräume im Kopf und im Brustraum. Die Töne haben dadurch eine anderen Klangcharakter. Das macht durchaus Effekt. Der Preis dafür ist aber eine fehlende Einbindung der hohen Töne – zumal der Spitzentöne in die Gesangslinie. Viele Opernbesucher wird das vielleicht nicht weiter scheren. Als ich Tetelman live hörte, hat mich das auch nicht gestört. Für die Stimme und ihre Zukunft muss man sich vielleicht doch Sorgen machen, denn die plötzliche Änderung der Biomechanik der Stimmlippenschwingungen kann leicht Überforderung und frühzeitigen Verschleiß zur Folge haben.


    In diesen Aufnahmen kann man wenigstens einen ersten Eindruck von der Stimme und seinem Singen bekommen:







    Und wer das 'Nessun dorma" mit einem fortissimo-'Vincero!' liebt, hat vielleicht daran Spass



    Nun noch ein paar biografische Informationen


    Der Tenor Jonathan Tetelman, in Chile geboren sowie in den USA aufgewachsen, erhielt seine Ausbildung am Mannes College sowie der Manhattan School of Music in New York. Er gewann den 2. Preis der New York International Vocal Competition 2018, den New York Lyric Opera Price 2017, war Finalist des Mildred Miller Price 2016 und kam ins Halbfinale der Giulio Gari sowie der Gerda Lissner International Vocal Competition.


    Als Rodolfo in La Bohème begeisterte er beim Tanglewood Music Festival mit dem Boston Symphony Orchestra unter Andris Nelsons. Mir der Partie reiste er vor den diversen Lockdowns von Opernhaus zu Opernhaus: English National Opera, Semperoper Dresden, Komischen Oper Berlin, Seattle Opera sowie am Fujian Grand Theatre in China. Als Mario Cavaradossi war er am Gran Teatre del Liceu Barcelona, Teatro Regio Torino und der Malmö Opera zu erleben, als Pinkerton an der Opéra National de Montpellier und als Werther am Gran Teatro Nacional de Lima und der Opera del Teatro Solis in Montevideo. Als Duca di Mantova trat er beim Berkshire Opera Festival, als Marco (Chadwick „Tabasco“) an der New Orleans Opera auf. Neben einem breiten Konzertrepertoire gehören Alfredo, Don José, Eisenstein und Freddy Eynsford-Hill (Loewe „My Fair Lady“) zu den weiteren Partien Jonathan Tetelmans. Für diesen Herbst waren Gastspiele in Dresden geplant, die nun erst mal ausfallen. Im kommenden Jahr soll er an der Deutschen Oper Berlin den Paolo il Bello in FRANCESCA DA RIMINI singen. Da will ich eigentlich hinreisen. Mal sehen, wie sich alles so entwickelt.


    Erst mal bin ich neugierig auf die Meinungen anderer Opern-Aficionados und Melomanen


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Erst mal vielen Dank für die ausführliche Vorstellung von Jonathan Tetelman.

    Ich kenne ihn schon längere Zeit und verfolge seine Karriere aufmerksam. Mir gefällt sein Timbre ausgesprochen gut.


    :hello:
    Jolanthe

  • Danke für den Hinweis auf Jonathan Tetelman, dessen Wirken (und Wirkung) ich auch schon eine Weile verfolge. Der La Bohème-Ausschnitt mit Kristine Opolais stammt aus einem Konzert in Moskau im Frühjahr kurz vor Corona-Ausbruch. Da konnte er vor allem bei der Damenwelt mächtig punkten.

    Zuletzt trat er konzertant als Cavaradossi in der Semperoper auf, wo er auch vor wenigen Tagen seinen 32. Geburtstag feierte.

    Ich gratulierte ihm auf seinem Instagram Channel und wünschte ihm eine lange Haltbarkeit seiner Stimmbänder, denn ich habe auch den Eindruck, dass er zu unbekümmert mit seinem edlen Material umgeht.

    Bin wirklich gespannt, ob er seine Kerze weiterhin an beiden Seiten brennen lässt oder ob er seine Kräfte klug einteilen kann.

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Erst mal bin ich neugierig auf die Meinungen anderer Opern-Aficionados und Melomanen

    Ein herzliches Hallo, lieber Caruso

    Da hast Du uns ja einen interessanten und hoffnungsvollen Tenor vorgestellt, dem wohl eine große sängerische Zukunft bevorsteht.

    Besonders interessiert haben mich natürlich die Ausschnitte aus "La Bohéme". Auch wenn mir persönlich seine Arie "Che gelida manina"

    etwas zu dramatisch interpretiert klingt, war es richtig gut und vor allem sicher in allen Lagen gesungen.

    Auch wenn es nur von Klavier begleitet war - richtig toll auch sein "Nessun dorma". Man stelle sich das mit Orchester vor!


    Eine kleine Spitze zwischen uns beiden kann und will ich mir aber nicht verkneifen - findest Du nicht auch, er hält den hohen Ton im Finale,

    entgegen der Notenvorschrift, viel zu lange aus.

    Jetzt aber im Ernst - natürlich klingt das richtig gut und das macht er auch wirklich toll. So ist man das gewöhnt, so will man das hören!!!


    Herzliche Grüße

    CHRISSY

    Jegliches hat seine Zeit...

  • Hab mir grade die Aufnahmen mit Jonthan Tetelman angehört und bin begeistert. Sein Timbre gefällt mir sehr gut und er hat eine sichere Technik. Ich würde ihn gerne in einer Gesamt Aufnahme sehen.und hören.

  • Lieber Caruso41,


    hab Dank für diese wie stets ausgezeichnete und sachkundige Vorstellung eines jungen und (bis Corona) aufstrebenden Tenors. Tetelmann verfolge ich auch seit etwa zwei Jahren. Seine Karriere hat in den vergangenen Monaten sichtbar Fahrt aufgenommen. Die Vorzüge und (technischen) Defizite seiner schön timbrierten, dunkel grundierten lyrischen Stimme hast du umfassend beschrieben.

    Der Lettische Rundfunk (Latvijas Radio Klasika 3) hat am 9. 11.2019 ein Konzert der lettischen Sopranistin Kristine Opolais und des mit ihr auch privat verbundenen Tenors mit dem Lettischen Rundfunkorchester unter Martins Ozolins übertragen. Dabei auch Egils Silins. Das Konzert bringt seine Stimme und seinen Vortrag eindrücklich zur Geltung (u.a. Ausschnitte aus Eugen Onegin, Manon Lescaut, Carmen). Er neigt m.E. ein wenig zur kraftgetriebenen Klangentfaltung in der (noch) souveränen Höhe . Aber er ist ja noch jung...

    Generell fällt mir auf: junge Tenöre nehmen heutzutage oft eine steile Karriere (z.B. ähnlich auch der begabte Joshua Guerrero oder der ausgezeichnete Ben Bliss) mit der Gefahr, dass sie schneller in eine Sackgasse geraten als erhofft. Sehr schnell erodiert dann die Höhe, das B oder gar C'' wird nicht mehr oder nur mit großer Mühe erreicht, die einstige schöne lyrische Politur der Stimme wirkt mehr und mehr abgenutzt, der Verschleiß offenbar ( ich nenne mal keine Namen...). Früher nahmen die Sänger den Weg über eine solide Ausbildung und Formung in der sog. "Provinz" und hatten danach die nötigen Voraussetzungen für eine längere und solide aufgebaute Karriere. Oder ist das ein falscher Eindruck?


    VG
    Otello50

  • Aber er ist ja noch jung...

    Wie jung ist er eigentlich? Ich habe nirgends einen Hinweis auf sein Geburtsjahr gefunden und beobachte, dass sich vor allem die Männer diesbezüglich gern so geheimnisvoll geben wie einst die Dietrich und die Garbo. Ist der Konkurrenzdruck wirklich so stark, dass das Alter verschwiegen werden soll?

    Generell fällt mir auf: junge Tenöre nehmen heutzutage oft eine steile Karriere (z.B. ähnlich auch der begabte Joshua Guerrero oder der ausgezeichnete Ben Bliss) mit der Gefahr, dass sie schneller in eine Sackgasse geraten als erhofft. Sehr schnell erodiert dann die Höhe, das B oder gar C'' wird nicht mehr oder nur mit großer Mühe erreicht, die einstige schjöne lyrische Politur der Stimme wirkt mehr und mehr abgenutzt, der Verschleiß offenbar

    Tetelman, dessen schönes Material mir auch gut gefällt, sollte seine Karriere sehr sorgsam planen. Mir fällt auf, dass die Stimme sehr zerbrechlich wirkt und nicht so robust wie es zunächst scheint.

    Sopranistin Kristine Opolais

    Die ist leider nicht besser geworden. Über ihren Auftritt in dem "Boheme"- Duett war ich fast schon erschrocken. Sehr brüchig der Ton, keine Mimi, allenfalls eine Adriana.

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Wie jung ist er eigentlich? Ich habe nirgends einen Hinweis auf sein Geburtsjahr gefunden und beobachte, dass sich vor allem die Männer diesbezüglich gern so geheimnisvoll geben wie einst die Dietrich und die Garbo.

    Du musst nur etwas zurück scrollen

    Zuletzt trat er konzertant als Cavaradossi in der Semperoper auf, wo er auch vor wenigen Tagen seinen 32. Geburtstag feierte.

    Ich gratulierte ihm auf seinem Instagram Channel und wünschte ... ...


    Aber ich werde auch noch auf alle übrigen Bemerkungen eingehen. Im Augenblick fehlt mir die Zeit, weil ich gleich eine Videokonferenz habe.

    Bis bald

    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Oh ja, seine Stimme ist schön, aber zum Singen gehört mehr als eine schöne Stimme.

    Ich habe mir nur das erste Video angeschaut, trotz schlechter Qualität, aber ein Werther ist er nicht, da fehlen so viele Nuancen, und laut singen ist nicht alles.

    Also warten wir mal ab, ich hoffe für ihn das seine Stimme es weiter aushält!


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Ich gratulierte ihm auf seinem Instagram Channel und wünschte ihm eine lange Haltbarkeit seiner Stimmbänder, denn ich habe auch den Eindruck, dass er zu unbekümmert mit seinem edlen Material umgeht.

    Ja, lieber Siegfried, seine Unbekümmertheit und sein Draufgängertum sind ganz sicher ein Risiko, andererseits zeichnet ihn gerade aus, dass sein Gesang eine solche Lust am Singen ausstrahlt, die eben nicht gezügelt ist.


    Hab mir grade die Aufnahmen mit Jonthan Tetelman angehört und bin begeistert. Sein Timbre gefällt mir sehr gut und er hat eine sichere Technik.

    Lieber Rodolfo!

    In dem Ingemisco aus Verdis REQUIEM - darum hatte ich das das erste Hörprobe eingestellt - bekommt man einen recht guten Eindruck davon, wie gut die Technik ist. Aber sein Temperament und seine Bravado-Laune verleiten ihn gelegentlich dazu, die Stimme mit zu viel Kraft einzusetzen und und damit zu überfordern.


    ... findest Du nicht auch, er hält den hohen Ton im Finale,

    entgegen der Notenvorschrift, viel zu lange aus.

    Absolut, lieber Chrissy! In einer Aufführung des Werkes auf einer Bühne würde ich das auch unpassend finden. Es macht dramaturgisch keinen Sinn. Aber wenn er gerade ein Vorstellungsvideo aufnimmt, ist schon akzeptabel wenn er Zuhörer-Erwartungen bedient.


    Vor einiger Zeit konnte man im Internet die ganze Boheme mit ihm aus der Komischen Oper Berlin sehen.

    Liebe Jolanthe!

    Kann man die jetzt noch irgendwo sehen?


    Oh ja, seine Stimme ist schön, aber zum Singen gehört mehr als eine schöne Stimme.

    Ich habe mir nur das erste Video angeschaut, trotz schlechter Qualität, aber ein Werther ist er nicht, da fehlen so viele Nuancen, und laut singen ist nicht alles.

    Lieber Fiesco!

    hört man sich mal an, was es an Werther-Interpreten so gibt, dann muss man doch feststellen, dass es da sehr unterschiedliche Ansätze gibt, die Partie zu interpretieren. Sind die literarische Vorlage, der Text der Oper und die Komposition Massenets eindeutig? Lassen sie nicht Alfredo Kraus, Franco Corelli und Bo Skovhus zu? Ich würde immer darauf bestehen, dass der Sänger ganz in der Französische Gesangskultur stehen sollte. Aber das sind nicht so viele, von denen man das sagen kann. Von Tetelman kann man das nun wirklich nicht sagen! Aber: auch Tagliavini oder Bergonzi hatten keinen Zugang zu den Anforderungen der Ars Gallica. Trotzdem kann ich sie als Interpreten der Partie genießen!


    Tetelman, dessen schönes Material mir auch gut gefällt, sollte seine Karriere sehr sorgsam planen. Mir fällt auf, dass die Stimme sehr zerbrechlich wirkt und nicht so robust wie es zunächst scheint.

    Da, lieber Rheingold, hast Du wohl Recht.

    Aber wird der Betrieb ihm die Zeit und Ruhe für eine umsichtige Entfaltung seiner Karriere lassen.

    Es gibt doch nur wenig positive Beispiele dafür, dass sich ein begabter und schon gefragter Tenor im Frühstadium seiner Karriere noch gestattet hat, an seiner Stimme und Technik konsequent und zielstrebig zu arbeiten. Eine erfreuliche Ausnahme ist wohl Liparit Avetisyan.


    Hier noch ein Video aus 2016, das es nicht bei YT gibt. Die Mildred Miller Voice Competion, wo Jonathan Teleman den Zuschauerpreis gewann.

    Danke vielmals, lieber Orfeo, für den Hinweis. Die Aufnahmen habe ich gehört. Interessanterweise nimmt er in der José-Arie die Piano-Vorschrift für das "Et j’étais une chose à toi" wirklich ernst und singt den hohen Ton mit gedämpfter MezzaVoce. Respekt!



    Generell fällt mir auf: junge Tenöre nehmen heutzutage oft eine steile Karriere (z.B. ähnlich auch der begabte Joshua Guerrero oder der ausgezeichnete Ben Bliss) mit der Gefahr, dass sie schneller in eine Sackgasse geraten als erhofft. Sehr schnell erodiert dann die Höhe, das B oder gar C'' wird nicht mehr oder nur mit großer Mühe erreicht, die einstige schöne lyrische Politur der Stimme wirkt mehr und mehr abgenutzt, der Verschleiß offenbar ( ich nenne mal keine Namen...). Früher nahmen die Sänger den Weg über eine solide Ausbildung und Formung in der sog. "Provinz" und hatten danach die nötigen Voraussetzungen für eine längere und solide aufgebaute Karriere. Oder ist das ein falscher Eindruck?

    Lieber Otello50!

    Der Eindruck ist schon sehr zutreffend. Ich beurteile diese Versuche, die Provinz zu sparen und gleich den Weg an die großen Häusern einzuschlagen, wie Du!

    Was ich besonders kritisch finde, ist die Praxis, dass viele der jungen Sängerinnen und Sänger wochen-, sogar monatelang mit nur ein oder zwei Partien von Opernhaus zu Opernhaus tingeln. Wie sollen da ihrer Fähigkeiten und Möglichkeiten erweitert werden, wie kann da eine breite Erfahrung wachsen, die einfach nötig ist für eine künstlerische Reifung?


    Im Übrigen finde ich immer wieder interessant, wie früher Ensembles gepflegt und gefördert wurden. Der Dirigenten Clemens Krauss bringt dazu viele bedenkenswerte Beispiele. Er wollte einen jungen Tenor als Heldentenor aufbauen. Als er ihn zum ersten Mal als Tannhäuser einsetzte, hat er ein oder zwei Abende zuvor eine Butterfly angesetzt und den jungen Mann den Pinkerton (damals noch Linkerton) singen lassen, damit er darauf fokussiert wurde, seine Höhe geschmeidig und frei strömen zu lassen. Zwei oder drei Tage nach dem Tannhäuser ließ er den jungen Mann schließlich Belmonte singen, um die Stimme wieder zu lockern! Das hat er wohl mehrmals so getan.


    Übrigens: Auch Ben Bliss wurde im NEUE STIMMEN-Thread vorgestellt. Leider hat das nur wenig Aufmerksamkeit gefunden.



    Euch allen wünsche ich noch einen guten Abend. Lasst ihn Euch durch die US-Wahl nicht kaputt machen:


    Liebe Grüße


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Liebe Jolanthe!

    nein, man die Boheme mit Jonathan Tetelmann nicht mehr sehen. Ich hatte sie damals auf youtube gefunden.

    das ist erst mal schade, aber wenn es einen Mitschnitt der Aufführung gibt, wird man die eines Tages sicher irgendwo hören (und sehen) können. Ich fürchte allerdings, dass ich das dann nicht mitbekomme!


    Beste Grüße


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Liebe Taminos,


    viele Jahre (eigentlich Jahrzehnte) lang hatte man den Eindruck, dass die Zeit großer französischer Tenöre vorüber sei und man sich fortan im Blick auf unser Nachbarland mit nostalgischer Erinnerung an Sänger wie Escalaïs, Thill, Luccioni, Poncet oder Chauvet werde begnügen müssen. Dann erschien der großartige Roberto Alagna (mit partiellen Wurzeln in Frankreich) und nun sehen wir eine Reihe ausgezeichneter junger französischer Tenöre, die weitgehend auch in diesem verdienstvollen Thread vorgestellt worden sind. Eine neue goldene Zeit für Melomanen (nicht nur) in Frankreich


    Einen weiteren vielversprechenden jungen Sänger möchte ich hinzufügen: den am 15. März 1989 in Toulouse geborenen Kévin Amiel, der auf dem Weg zu einer internationalen Karriere sein dürfte. Nach Studien u.a. am Konservatorium seiner Heimatstadt und am Opernstudio der Opéra National de Paris (2011-2014) erschien er in den vergangenen Jahren weitgehend an französischen Bühnen (u.a. Alfredo und Nemorino in Toulouse, Rodolfo an der Opéra Comique, Hoffmann in Dijon, dazu in Marseilles, Montpellier und Bordeaux, im Oktober 2019 aber auch am Teatro Regio in Turin als Nadir).

    Amiel verfügt nach meinem Eindruck über eine klare, strahlende, sehr angenehm im Ohr liegende lyrische Tenorstimme, die einer sorgsamen Pflege bedürfen wird. Bei weiterem sorgsamen Aufbau seines Repertoires und Verzicht auf überfordernde Partien wird man von ihm in den kommenden Jahren noch einiges hören.

    Hier ein paar Beispiele:



    Mehr von ihm im Internet.

    Gestern übertrug Radio Classique ein schönes Konzert mit Kévin Amiel vom 15.10.2020 aus Paris, in dem er Arien aus La Boheme, Elisir d'Amore und La Traviata und Lieder von Rossini, Tosti und Bixio sang.


    VG
    Otello50

  • Lieber Otello50,


    danke, dass auch Du immer wieder interessante, neue Stimmen vorstellst. Den Namen Kévin Amiel kannte ich noch nicht. Aber es lohnt sich, ihn sich zu merken. Beim Hören konzentrierte ich mich auf den ewigen Dauerbrenner "Wie eiskalt ist die Händchen", weil man da viele Interpretationen im Kopf hat und Vergleiche leicht fallen. Der Tenor hat genau diesen verführerischen Schmelz in der Stimme, der für Puccini notwendig ist. Die Stimme wird technisch sauber mit makellosem Passagio geführt. Die Höhe ist strahlend. An einigen Stellen in der Mitte der Arie hatte ich das Empfinden, dass der Sänger in der Höhe etwas kurzatmig ist. Ein Eindruck, der sich im weiteren Verlauf nicht bestätigte. Betörend gefühlig schön die Schlusspassage. "Ende gut -alles gut!"

    Herzlichst

    Operus (Hans)

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Lieber Otello50!


    Mit dieser Vorstellung hast Du meiner Meinung nach einen echten Coup gelandet.
    Kévin Amiel ist ganz sicher ein Tenor von besonderen Qualitäten. Ich habe ihn sogar schon mal live gehört. Das war allerdings als Hervey in ANNA BOLENA. Die Stimme ist mir positiv aufgefallen, aber in der Partie konnte er nicht zeigen, was er so drauf hat.

    Darum haben mich die Videos, mit denen Du ihn hier als Entdeckung vorgestellt hast, besonders interessiert. Und sie haben mich überzeugt, dass dieser Kévin Amiel ein Sänger ist, der alles hat, was es für eine brillante Karriere braucht: Persönlichkeit und Ausstrahlung, eine Stimme, die sich ins Ohr schmeicheln und mit ihrem Glanz auch strahlen kann, eine Technik, die raffinierte Decrescendo- und Morendo-Effekte ebenso erlaubt wie eine feine mezza voce, und last not least eine Musikalität, die einen überlegenen Einsatz dieser Technik gewährleitet.


    Diese Musikalität beweist sich schon in der Rodolfo-Arie (BOHEME) bestens, wo er die rezitativisch erzählenden Passagen sorgfältig gegen die ariose Teile absetzt - und den einen wie den anderen gibt, was sie verlangen. Bei italienischen Tenören hört man dergleichen eher selten.
    Auch in dem Lamento di Federico (L'ARLESIANA) bemüht er sich um eine sinnfällige Gestaltung - aber die gibt dieses Stück nicht so ganz her. Dem kommt man wohl doch eher bei, wenn man die Larmoyanz ernst nimmt, wie das etwa Tito Schipa oder Vergilius Noreika tun.

    Bei Offenbach und dem Couplet des Paris (BELLE HÉLÈNE) ist er dann ganz bei sich und einfach superb! Wie es ihm gelingt, den Charme und den Hintersinn Klang werden zu lassen, ist nicht weniger überzeugend als in der ebenfalls eingestellten Aufnahme von Cyrill Dubois. Ehrlich gesagt: mir ist die Stimme von Kévin Amiel sogar lieber, weil sie voller und reicher ist. Dass er trotzdem mit schlankem Ton singt und mit einer bestechenden Beweglichkeit, kann man gar nicht genug rühmen!


    Beste Grüße


    Caruso41


    PS.:

    Du hast bisher gar nichts zu meinen auf Dich antwortenden Bemerkungen (Beitrag #2004) gesagt.


    .

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Lieber Caruso41,


    Du hast bisher gar nichts zu meinen auf Dich antwortenden Bemerkungen (Beitrag #2004) gesagt.

    sorry, das habe ich einfach nicht auf dem Schirm gehabt. Ich stimme Dir natürlich voll zu. Die Karriereplanung junger Stimmen ist meines unmaßgeblichen Erachtens nach schon eine wichtige Frage für die Zukunft der Oper. Dabei auch die Frage nach der Rolle des Ensembletheaters, das es z.B. in USA so gut wie nicht gibt. Ich selbst bin in Städten mit festen Ensembles aufgewachsen, deren Mitglieder die lokalen Opernfreunde kannten, zu denen sie häufig eine innere Beziehung aufgebaut hatten und die sie wertschätzten. Dies gab dem lokalen Opernbetrieb jeweils ein sicheres Fundament, zumal viele dieser Künstler auch im weiteren Musikbereich ihrerStadt/ Region präsent waren. Wahrscheinlich tempi passati.


    Von Ben Bliss würde ich gerne mehr hören. Er scheint mir ein sehr kluger, nachdenklicher Künstler mit einer attraktiven und technisch sicher beherrschten Stimme zu sein. Das jedenfalls entnehme ich seinem Auftritt bei YT. Er hat in der jüngeren Vergangenheit anscheinend wohl einige Gastspiele in Europa gegeben (Frankfurt, Zürich, Barcelona, Glyndebourne), sonst aber vorwiegend in USA, vor allem auch an der MET, in einem gut definierten Repertoire gesungen. Daher wohl bei uns (noch) nicht so wahrgenommen.


    Lieber Operus,


    herzlichen Dank für positiven Deinen Kommentar zu Kévin Amiel. Viel habe ich ja nicht beizutragen, da ich wenig in die Oper gehe- nicht erst in der Corona-Zeit. Ich denke aber, dass dies ein besonders wertvoller Thread ist, der einen großen Schatz an Wissen über die Operngesangsszene in unserer Zeit aufgebaut hat und weiter aufbaut.


    VG

    Otello50