Anton Urspruch - Spätromantiker aus Frankfurt

  • Anton Urspruch wurde am 17. Februar 1850 in Frankfurt am Main geboren und starb dort am 11. Januar 1907. Er war Sohn des Juristen und Schriftstellers Carl Theodor Urspruch und dessen Frau Anna Elisabeth, geb. Sänger. Seine musikalische Ausbildung in Frankfurt übernahmen Martin Wallenstein, Ignaz Lachner und Joachim Raff. Im Jahr 1871 kam Anton 21-jährig nach Weimar zu Franz Liszt, er wurde einer der Lieblingsschüler des Komponisten. 1878 wird er an das ein Jahr zuvor gegründete Hoch´sche Konservatorium (Direktor Joachim Raff) als Lehrer für Klavier und Komposition neben Clara Schumann berufen.



    Im März 1881 heiratet Anton Urspruch Emmy Cranz, die Tochter des Hamburger Musikverlegers Alwin August Cranz. Ihr widmete er seine Symphonie op. 14 in Es-Dur, deren Uraufführung in Wiesbaden im September 1891 stattfand.


    Nach dem Tode Raffs im Jahr 1882 verließen die besten Lehrer, unter ihnen Anton Urspruch, das Hoch´sche Konservatorium und gründeten das Raff-Konservatorium, an dem Urspruch bis zu seinem Tode lehrte. Anton Urspruch erlag am 11. Januar 1907 einem Herzinfarkt.


    Die einzige Symphonie von Anton Urspruch findet sich offensichtlich bisher nur bei youtube ohne Angabe der Interpreten (vermutlich die von Holger Sambale erwähnte Aufnahme des WDR mit die NWD Philharmonie unter Marcus Bosch). Wer das Stück unvoreingenommen hört, findet eine famose spätromantischen Symphonie, die denen des Lehrers Raff und den frühen von Dvorak auf Augenhöhe begegnet.


  • Lieber Lutga,


    AllerbestenDank für diese Ausgrabungen, die ganz nach meinem Geschmack ist. Das gilt für die Musik, andererseits auch für Komponisten dieses Schlags. Eduard Lassen ist ja auch so einer aus dem Kreis um Liszt. Ich hatte noch nie von ihm gehört.


    Herzliche Grüsse und hoffentlich auf bald mal im Plattenladen Horestein. :hello:
    Rheingold

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Immerhin gibt es von Urspruch derzeit 2 Veröffenlichungen im Handel, von denen ich auch die mir näher liegende kurz hinweisen möchte. Es handelt sich um 2 CDs mit sämtlichen Klavierwerken Ursprungs, eine Ausgabe welche ich - nach hineinhören in die jpc Sound Samples - auf meine Oktober-Bestelliste gesetzt habe.
    Ich bin übrigens überzeugt, dass Ursprungs Sinfonie op 14 gute Chancen hat, binnen der nächsten Jahre in Form einer Neuafnahme oder Wiederveröffentlichung dem Klassikmarkt auf CD zur Verfügung zu stehen. Schöne Grüße (in alphabetischer Reihenfolge) an Herrn Heymann und Herrn Schmilgun. Beide Herren sind übrigens nominal Mitglieder des Tamino Klassikforum - sind aber nicht schreibend aktiv. Ich gehe aber davon aus, dass sie gelegentlich hier mitlesen.

    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

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  • @ Beitrag Nr 3 - Helmut Hofmann


    Die von Hart damals vorgestellten Lieder Ursprungs stammen aus op 23, welches auf dieser - inzwischen gestrichenen - MDG CD enthalten war. Ferner waren noch Lieder op 8 und op 26 auf dieser CD. Auch wenn ich selbst keine antiquarischen CDs kaufe, so gibt es doch Leute die das tun. Somit weise ich auf die Existenz dieser Aufnahme hin, vielleicht hat jemand Interesse und kann sie gebrauicht erwerben,


    0760623086927.jpg


    mfg aus Wien
    Alfred

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  • Ich bin beeindruckt und bekenne mich zu meiner Unbildung, über die ich und andere erst dieser Tage in einem anderen Thread direkt und indirekt Gewissheit gewinnen mussten. :)


    Gruss Rheingold

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Apropos "Unbildung", -
    Erstens, lieber Rheingold, bis Du nicht der einzige, der diese Erfahrung hier im Forum immer wieder einmal macht (ich mache sie erschreckend oft), zum andern aber zielte mein obiger Beitrag ja gar nicht darauf ab.
    Ich wollte nur darauf hinweisen, dass es hier im Forum schon einiges zu Anton Urspruch zu lesen gibt, hier - dank der Aktivitäten von hart - zu dessen Liedkomposition.
    Die ist übrigens durchaus hörenswert. Interessant ist zum Beispiel, wie er sich mit der Lyrik Heines liedkompositorisch auseinandersetzt. In seinem Opus 6 von 1875 finden sich immerhin sieben Lieder ausschließlich auf Heine-Texte, worunter auch solche sind, die Robert Schumann in seiner "Dichterliebe" vertont hat. Urspruch kannte diese natürlich, und es ist bemerkenswert, dass er mit seinen Vertonungen diesen Gedichten sehr wohl Aussagen abgewinnen kann, die sich bei Schumann nicht finden.

  • Lieber Helmut, wir verstehen uns doch wohl. Danke für Deine sehr freundlichen Worte. Was denkst Du wohl, was ich so eben getan habe? Mir eine der beiden Lieder-Aufnahmen bestellt. Ich bin sehr gespannt.


    Grüsse von Rheingold

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Die einzige Symphonie von Anton Urspruch findet sich offensichtlich bisher nur bei youtube ohne Angabe der Interpreten
    (vermutlich die von Holger Sambale erwähnte Aufnahme des WDR mit die NWD Philharmonie unter Marcus Bosch).


    Nun findet sich bei Youtube die Angabe des Interpreten, wie vermutet mit Marcus Bosch:
    Played by the Nordwestdeutsche Philharmonie, conducted by Marcus R. Bosch
    Dazu eine Anmerkung zur Austrahlung 2007:
    eine Einspielung von Urspruchs Sinfonie, die vom WDR mit der Nordwestdeutschen Philharmonie unter der Leitung von Markus Bosch aufgenommen und am Ostermontag 2007 ausgestrahlt wurde
    http://www.antonurspruch.de/100jahre.htm


    Der Youtube-Link läßt sich einfügen bei convert2mp3.net
    und man erhält einen konvertierten Audio mp3(192)-Download.
    http://convert2mp3.net/index.php

  • Ich bin mal zufällig auf ein Klavierkonzert von ihm gestoßen - das man vermutlich aber nicht kaufen kann. Klar strukturierte, melodiöse, etwas ausladende, stilistisch meines Erachtens eher hochromantische (da harmonisch nicht sonderlich kühn), zeitlich sicher spätromantische Musik:




    :hello: Wolfgang


    Da der Originalclip nicht mehr aufrufbar war wurde von mir ein Ersatz eingestellt, von dem ich hoffe daß er äquivalent ist

    MOD 001 Alfred

  • wie man sieht, findet Urspruchs Musik Zuspruch (Entschuldigung für das Wortspiel, das musste sein :D ) Naxos hat sich auch seiner Musik angenommen und eine Opernaufnahme vorgelegt!


    »Anton Urspruch war Franz Liszts Lieb­lings­schü­ler und sah sich selbst als ein ‚fort­schritt­li­cher Moder­nist‘. Solange er von sei­nem Leh­rer und Richard Wag­ner beein­flusst wurde, wich sein Weg von dem sei­ner Zeit­ge­nos­sen wie Reger und Richard Strauss ab. Sein Meis­ter­werk, die komi­sche Oper »Das Unmög­lichste von Allem«, basiert auf einem sin­fo­ni­schen Gerüst mit einer Reihe unter­halt­sa­mer Hand­lungs­stränge unter­stützt von klang­vol­len und ein­falls­rei­chen Arrangements.
    Obwohl die Oper, sowohl bei den Kri­ti­kern als auch bei den Musi­kern schnell gro­ßes Gefal­len fand, geriet sie nach Urspruchs Tod in Ver­ges­sen­heit, bis sie durch diese erste Live-Aufnahme der ori­gi­na­len, unge­kürz­ten Ver­sion zu neuem Leben erweckt wurde.« — (Text: Naxos)

  • Herzliche Grüsse und hoffentlich auf bald mal im Plattenladen Horestein.


    Lieber Rheingold


    ich war vorgestern in Berlin, um eine Wohnung für den Sohn anzumieten, aber obwohl es um die Ecke war (Gosslerstr) hat die Zeit nicht gereicht für einen Besuch im Horenstein. Vielleicht klappt es Anfang Oktober, da bin ich für mehrere Tage in der Stadt.


    Gruß
    lutgra :hello:

  • Durch eine Mitteilung (siehe nächster Beitrag) wurde ich nach längerer Pause auf diesen Thread aufmerksam.

    Die Verlinkungen sind inzwischen mehrheitlich nicht mehr aufrufbar und konnten mangel Ersatz von mir auch nur in einem Falle wieder hergestellt werden.


    Aber als erfreulich ist zu vermelden, daß es inzwischen seit einem Jahr die Aufnahmen des Klavierkonzerts und der Sinfonie legal bei jpc zu kaufen gibt.

    Es handelt sich in der Tat um die alten Aufnahmen aus den Jahren 2006 uns 2009 (irgend jemand schein hier mitzulesen)

    Die Besetzung ist:

    Oliver Triendl (Klavier), Nordwestdeutsche Philharmonie, Marcus Bosch, Georg Fritzsch


    mfg aus Wien

    Alfred

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  • Die hier vorgestellte Lieder CD ist neueren Datums. Die Aufnahme stammt von 2017 und wurde Ende September 2018 veröffentlicht.

    Sie enthält unter anderem die Ersteinspielung von op.5 "Rosenlieder" (5 Lieder)

    Ebenso finden wir op. 23 (8 Lieder nach Texten von Goethe, Wieland , Brentano) die zwar schon einst für MDG aufgenommen wurden, inwischen aber gestrichen sind.

    Es singt Sibylla Rubens, begleitet von Carl-Martin Buttgereit dem die Lieder von Urspruch ein besonderes Anliegen sind, und der mich liebenswürdigerweise via Tamino Kontaktformular auf diese CD aufmerksam gemacht hat.

    Nicht zu vergessen das Label Kaleidos, welchem wir diese Aufnahme verdanken.


    mfg aus Wien

    Alfred




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  • Anton Urspruch Klavierkonzert op 9


    Ich bin noch völlig im Banne des Klavierkonzerts von Anton Urspruch, welches ich soeben erstmals gehört habe. Gestern abend habe ich noch gestöbert und mich dann entschlossen, die Urspruch-CD zu kaufen. Eine halbe Stunde später fand ich heraus, daß sie in einem der Regale der "ungehörten" CDs lag - und zudem, daß es sich um eine Doppel CD handelt.

    Das Klavierkonzert ist dreisätzig und hat eine Spieldauer von knapp unter 42 Minuten, wobei der erste Satz mit 22 Minuten den Löwenanteil beansprucht.

    Die Sätze:

    1) Allegro ma non troppo

    2) Andante - Lento e mesto

    3) Allegro. Tempo giusto

    Das Werk wurde 1878 veröffentlicht und ist Joachim Raff gewidmet, der - neben Liszt - ein Lehrer von Urspruch war.

    Im Booklet wird erwähnt, daß man hier trotz des geradezu freundschaftlichen Verhältnisses zu Liszt keine Anklänge an ihn finden kann.

    Es wurde gelegentlich behauptet, die Tonsprache erinnere an Brahms oder an Raff.

    Ersteres würde ich eher verneinen, denn Brahms kann ganz schön "knorrig" wirken, was ihn beispielweise von Gernsheim unterscheidet, mit Raff gefällt mir der Vergleich schon eher, nämlich in Punkt der Eingängigkeit der Themen.

    Das Konzert beginnt eher unscheinbar mit dem Orchesterpart als relativ lange Einleitung, welche sich aber in kurzer Zeit sehr lebhaft entwickelt und durchaus "Drive" vermittelt, bis dann - beinahe überraschend - der Klavierpart einsetzt. Das Konzert wurde in der Vergangenheit auch gelegentlich als Sinfonie mit Klavierbegleitung beschrieben. Von Begleitung kann hier allerdings keine Rede sein, das Klavier perl, fließt, trumpft gelegentlich strahlend auf.

    Ich gestehe, daß ich die Klangsprache nirgendwohin wirklich zuordnen kann und will. Sie ist überaus eingängig, hat gelegentlich Ohrwurmcharakter, aber wenn ich Mozart oder Schubert hernehme, die teilweise seine Vorbilder waren, so finde ich eigentlich keine Ahnlichkeiten, ebensowenige wie bei Mendelssohn, der in diesem Zusammenhang auch herangezogen wird.

    Alles in allem ein mehr als hörenswertes Werk - hier kann man meiner Meinung nach ruhig von ungerechterweise vergessen sprechen. Ungerechterweise ja - aber natürlich gibt es Gründe. Über die werde ich in einem meiner nächsten Beiträger schreiben....


    mfg aus Wien

    Alfred

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