Die Zauberflöte an der Scala, 4.9. 2016

  • Liebe Freunde, heute möchte ich euch von einer aussergewöhnlichen Zauberflöten -Aufführung berichten, die ich gestern an der Mailänder Scala erleben durfte. Es war die zweite Aufführung einer neuen Produktion, die der Regietheater-Aussteiger Peter Stein und der Dirigent Adam Fischer gemeinsam mit den jungen Sängern der Accademia Teatro alla Scala erarbeitet haben. Es war ein Opernabend der an Qualität nicht getoppt werden kann, und mir noch sehr lange im Gedächtnis bleiben wird. Peter Stein hat eine Inszenierung geschaffen, die die Vorgaben Mozarts und Schikaneder fast eins zu eins umsetzt, alle Dialoge in voller Länge belässt und mit liebevoller Personenregie dem Publikum Einsichten in die Figuren ermöglicht, die ich bisher so noch nicht hatte. Bühnenbildner Ferdinand Wögerbauer hat eine einfache, aber zum niederknien schöne Szenerie geschaffen, die fliessende Übergänge ermöglichte, mit kräftigen Farben beeindruckte und mit "Special Effects" nicht geizte, welche u.a. moderner Video-Technologie und Lichteffekten von Joachim Barth realisiert wurden. Annamaria Heinrichs Kostüme waren ein Fest für die Augen und bedienten historischer Entwürfe als Vorlage, in die dann sowohl altägyptische als auch Fantasy-Elemente ( Die drei Damen erinnerten im zweiten Akt ein wenig an Walküren ;-) ) einflossen. In diesem Rahmen wurde das alte und junge Publikum zum Stauen verführt: Magische Felsengegenden wechselten mit orientalischen Palastgärten, goldene Palmenhaine und monumentale Tempel mit düsteren unterirdischen Gewölben. Darüber hinaus beschworen Versenkungen, Donner und Blitz genau jenes Zaubertheater herauf, den der geschäftstüchtige Theatermann Schikaneder 1791 im Sinn hatte. Einfach hinreissend die als Löwen, Straussvögel, Affen und Bären verkleideten Statisten, welche nicht nur zu Taminos Flötenklängen tanzten, sondern im Falle der Löwen auch librettogetreu Sarstros Wagen zogen. Peter Stein und Adam Fischer hatten bewusst alle Partien mit deutschen Muttersprachlern besetzt. Die Stimmen der jungen Künstler der Accademia wirkten nicht nur völlig unverbraucht, sondern waren in der Lage ihre anspruchsvollen Partien auf höchstem Niveau zu meistern. Martin Summer war ein eindrucksvoller Sarastro, der mit mächtigem balsamischen schwarzem Bass Isis und Osiris anrief, sowie die "Heil'gen Hallen" auf würdevolle Weise musikalisch spürbar werden liess. Martin Pikorski war ein kräftiger, aber dennoch lyrischer Tamino. Eine in allen Lagen mustergültig und makellos geführte Tenorstimme! Auch sein grosser Einsatz in den langen Dialogszenen des Prüfungstempel verdient volles Lob. Dem stand der grossartige Papageno von Tim von Orlowski um nichts nach, der es mit warmem lyrischen Bariton und liebenswürdigem natürlichen Spiel schnell in die Herzen des Publikums schaffte. Sein Mädchen oder Weibchen hatte sich dieser liebenswerte wie ein Hahn kostümierte Charakter mehr als verdient! Yasmin Özkan war eine fulminante sternflammende Königin, deren eiskalt timbrierter Koloratursopran sich mühelos bis in höchste Höhen aufschwang und deren Triller und Verzierungen in ihren gefürchteten und in der gesamten Opernliteratur einzigartigen Arien wahrlich auf musikalische Weise einen funkelnden Sternenhimmel auf musikalische Art heraufbeschworen. So eine Königin habe ich live wahrlich noch nie gehört. Hinzu kam wie beeindruckend Peter Stein ihre Auftritte inszeniert hatte: einmal kam sie über eine riesige Treppe von ihrem riesigen sternenverzierten Thron herab, das andere Mal tobte als Illustration ihrer Rache ein meisterhafter ( aber die Musik nicht störender ) Gewitterrsturm. Fatma Said war eine bildhübsche, liebliche Pamina, die mit herrlich leuchtendem lyrischen Sopran bereits im Duett mit Papageno ganz für sich einnahm und in ihrer todtraurigen Arie "Ach ich fühl's" auf ganzer Linie berührte. Theresa Zisser war eine bunt kostümierte, verführerische Papagena, die es sich zur Freude des Publikums nicht nehmen liess, auch als "altes Weib" verkleidet ganz aus dem vollen zu schöpfen. Sascha Emmanuel Kramer war ein grossartiger Monostatos der seine Arie gemeinsam mit dem Orchester ganz wie von Mozart gefordert "wie aus weiter ferne klingend" musizierte. Dass er in der etwas undankbaren Rolle so berühren konnte, lag nicht zuletzt daran, dass Monostatos entgegen ermüdender Blackfacing-Debatten in dieser Inszenierung so aussah, wie Mozart und Schikaneder ihn erdachten oder um Franco Zeffirelli zu zitieren: Politisch unkorrekt, aber dafür korrekt im Sinne der Oper. Hinreissend gestalteten auch die drei Damen der Königin, sowie die überirdisch schön klingenden Wiltener Sängerknaben ihre Partien. Alle anderen kleineren Partien gestalteten ihre kurzen Auftritte würdevoll, was insbesondere für den Sprecher gilt, den die Scala offenbar auf dem Besetzungszettel vergessen hatte.... Adam Fischer hatte das grossartige Scala Orchester bis ins kleinste Detail und mit grosser Liebe einstudiert. Der schlanke aber dennoch weihevolle Orchesterklang verhalf Mozarts unvergänglicher Musik zu maximaler Würde. Dazu trugen auch die grossartigen von Alberto Malazzi einstudierten Chöre bei. Am Ende viel herzlicher und begeisterter Applaus in der leider nicht ausverkauften Scala (was wohl auch damit zusammenhängen mag, dass das einheimische Publikum am liebsten "seinen" Verdi und Puccini hört... ).Jung und alt waren berührt und verzaubert. Es lohnt sich für die noch den ganzen September auf dem Spielplan stehende Produktion die Reise nach Milano anzutreten, denn schöner kann man die Zauberflöte gar nicht spielen.

    Liebe Grüße,
    Figarooo

  • Allmählich entwickle ich mich zum "Bebilderer" oder Illustrator der Threads.
    Ich gehe davon aus, daß es dich bei der von Figaroo so gelobten Aufführung um die unterhalb verlinkte handelt:



    Die Welt ist im Wandel begriffen, politisch und künstlerisch. Es geht im Augenblich schneller als ich erwartet habe.
    Nur weiter so - es war höchste Zeit.


    mit freundlichen Grüßen
    aus Wien


    PS. Der Fehler im Operntitel ist bei Youtube zu suchen und ist somit ausserhalb der Verantwortung unseres Forums

    Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert


  • Danke an Figarooo für diesen wundervollen, mutmachenden Bericht einer besonders bezaubernden Zauberflöte- bleibt nur die Hoffnung, dass es vielleicht auch von solchen jungen, innovativen Produktionen evtl. eine schöne DVD geben wird, oder zumindest eine TV-Ausstrahlung. Die genannten Stimmen könnten auch gut in Carusos Thread über neue Sänger zum Tragen kommen. Danke auch an Alfred für die Verlinkung, die Szenen machen wirklich Lust auf mehr - schade, dass man nur instrumentale Klänge hört, und nicht die Sänger.

    viele Grüße von Boris alias Don_Gaiferos

  • Lieber Figaro,


    vielen Dank für den schönen Bericht, der Hoffnung macht, dass sich das Blatt allmählich wendet. Eine DVD wird es sicherlich geben. Ob das Fernsehen eine solche werkgetreue Inszenierung ausstrahlen wird, ist zwar fraglich, aber nachdem am Samstag erstmals wieder vom Fernsehen eine werkgetreue Aida ausgestrahlt wird, stirbt auch diese Hoffnung nicht.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Ja, sowas würde ich auch gerne sehen; es ist doch wunderbar, wenn man sieht, dass die Fantasie sich nicht im Grausamen und Hässlichen, sondern im Schönen und Edlen ergeht.

    Nulla dies sine linea (nach wie vor gültige Römerweisheit)

  • Schade, dass der Videoschnipsel nur so kurz war - über FS oder DVD würde ich mich freuen.

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

  • Danke Casimir, da freue ich mich!


    Und Figaroo, Dir auch auf diesem Wege noch mal vielen Dank! Jetzt bin ich gespannt, wie Hänsel und Gretel an der Scala wird. Die 2002 dort gezeigten Königskinder haben mich zwar nicht recht überzeugt, aber wer weiß:-)

  • Lieber Casimir,


    vielen Dank für den Hinweis. Ich habe mir den Termin sofort vorgemerkt.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Erst gestern entdeckte ich deine begeisterte Hymne auf die Zauberflöte der jungen Scala, lieber Figaro. Sie stimmt mich ebenso erwartungsvoll wie die anderen, die sich schon begeistert geäußert haben.


    Was mich besonders freut: Deiner Aufmerksamkeit ist nicht entgangen, dass die Scala-Akademie keine schmalstimmigen Säusler antreten lässt, sondern ausgewachsene Stimmen einsetzt, die der Größe des Werkes entsprechen.


    Dass man in der Eile den Sänger des Sprechers vergessen hat, schraubt meine Erwartungen an die Aufführung zusätzlich in die Höhe - ist sein Rezitativ-Duett mit Tamino doch eine Inspirationsquelle für Wagner und seinen neuen Gesangsstil geworden.


    Ich freue mich mit allen anderen Interessierten auf eine authentische Zauberflöte!


    Herzliche Grüße von Sixtus

  • Wie hat es Euch denn gefallen? Ich empfand die Aufführung als Wohltat! Es entspricht zwar nicht meiner Idealinszenierung, aber dennoch bin ich gebannt bis zum Schluss dabei geblieben. Übrigens auch meine über 80jährigen Eltern, wie sie mir berichteten. Ich fand es alles so lebendig, was sicher auch am jugendlichen Alter der Sänger lag. Sehr schön fand ich, wie die Charaktere gezeichnet waren und wieviel Sorgfalt Peter Stein auf die Dialoge gelegt hat. Pamina und Monostatos boten ja regelrechten Sprechgesang. Großartig. Die vielen schönen Details in Gestik und Mimik sprachen mich besonders an. Da sieht man mal wieder, dass man auch in historischen bzw. historisierenden Kostümen lebendige Charaktere schaffen kann. Angenehm, dass Monostatos wirklich schwarz war und nicht politisch korrekt "weiß". Ein schöner Opernabend! Und ich freue mich bereits auf den Hänsel im nächsten Jahr!

  • Eine lange, aber überwiegend wohltuende Zauberflöte!


    Sogar zwei Protagonisten waren geradezu wie aus dem Bilderbuch: Tamino und Pamina ohne Fehl und Tadel, stimmschön, stilsicher und obendrein attraktiv. Die Regie ganz der Originalität verpflichtet, manchmal fast zu viel. (Ein paar Striche hätten den Dialogen nicht geschadet.) Vor allem wurde nicht mehr als nötig dem Affen Zucker gegeben (Papageno- und Monostatos-Szenen)
    Die Produktion kann als Orientierung für künftige Produktionen dienen -


    meint Sixtus

  • Ich liebe ja bei Mozart besonders die Nebenfiguren, so z.B. in Figaros Hochzeit die zauberhafte Figur der Barbarina mit ihrer unendlich schönen Arie (das ist die mit den sordinierten Geigen). In der Zauberflöte sind es die beiden Geharnischten mit ihrem Duett, das wie ein Choral daherkommt. Bei guten Dirigenten sind diese beiden Sänger auch so gut wie immer hervorragend besetzt.

    Nulla dies sine linea (nach wie vor gültige Römerweisheit)

  • Ich liebe ja bei Mozart besonders die Nebenfiguren, [...hier] sind es die beiden Geharnischten mit ihrem Duett, das wie ein Choral daherkommt.

    Es ist, lieber Doktor, ja wirklich ein Choral, den Mozart hier verarbeitet hat, nämlich "Ach Gott vom Himmel sieh darein"...


    :hello:

    .


    MUSIKWANDERER

  • Mir hat eben in dieser Inszenierung das Heitere und Lebendige gefehlt, Es wirkte alles so statisch und museal. Wir hatten an der Rheinoper jahrelang eine sehr schöne konventionelle Zauberflöten Inszenierung von Ausgust Everding. Nur er hat es vestanden die einzelenen Charaktere so auf die Bühne zu bringen, daß man mit ihnen mitfühlen konnte. Das hab ich hier vermisst. Bei den Sängern haben mir der Papageno und Sarastro sehr gut gefallen. Und in einer kleinen Rolle ließ der Sprecher aufhorchen. Auch aus der Nachwuchs Moderatoren Schule von Arte war der sehr sympathische junge Moderator. Er hat aber genau wie die Damen Rett und Gerlach die schlechte Angewohnheit, in den Schlussapplaus reinzureden. Wenn er das noch abstellen könnte, dann wäre ich mit ihm sehr zufrieden.

  • Der Mozart-Möger Musikwanderer hat eine ganz andere Sichtweise als Rodolfo:
    Dass die Inszenierung statisch, wenig heiter oder gar ohne Lebendigkeit daher gekommen sein soll, ist nicht richtig. Museal ja, da kann ich Rodolfo nur zustimmen, aber genau das war ja, wenn ich den Worten, den geschriebenen und den gesagten, Glauben schenken darf, auch gewollt.
    Mir war der Lebendigkeit, an Papagenos "Turnerei" abzulesen, manchmal zu viel des Guten/Schlechten.
    Der Sarastro hat mich enttäuscht, denn ihm mangelte es an der notwendigen Tiefe, die der Sänger dieser Partie haben sollte.
    Der Tamino mag eine tragfährige Stimme haben, mir hat er zu oft und zu viel "geschrien"- ein Sänger, wie ein ehemaliges Tamino-Mitglied meinte, geeignet für das italienische Fach.
    Pamina und Papageno haben mir sängerisch und darstellerisch am besten gefallen.
    Es sind junge Leute, die noch sängerisch und darstellerisch wachsen können.
    Gut auch das abgespeckte Orchester und Adam Fischers Dirigat.
    Insgesamt hat es mir gefallen!


    :hello:

    .


    MUSIKWANDERER

  • Liebe Freunde,


    weil ich am Mittwoch verhindert war, konnte ich mir erst gestern die Aufzeichnung der Zauberflöte aus Mailand ansehen. Auch für mich war es - wie Knusperhexe es richtig ausdrückt - eine Wohltat, diese Inszenierung zu sehen. Ich kann mich da nur der Beurteilung von Figaroo. Knusperhexe und Sixtus anschließen. Peter Stein, der sein Handwerk noch versteht, hat es nicht nötig, die Handlung zu verdrehen, um mit dem Stoff zurecht zu kommen oder eine Selbstdarstellung zu inszenieren.
    Auch ich muss Rodolfo fragen, wo er denn das Statische dieser Inszenierung gesehen hat. Für mich kam sie heiter und sehr lebendig daher, manchmal eher zuviel als zuwenig. Museal, nun ja, genau wie ich im Museum ein Bild oder eine Skulptur im Original und nicht "modern" überschmiert sehen möchte, erwarte ich auch eine Inszenierung, die dem Originalwerk gerecht wird, was hier der Fall war.
    Und ich stimme ich mit Sixtus überein: Diese Inszenierung könnte künftigen Regisseuren als Vorbild dienen.
    Was mich einzig gestört hat, dass der Sender zu einer deutsch gesungenen Oper, die eigentlich jeder Opernfreund (ich kenne die Texte fast alle auswendig) kennt, und die von den Sängern auch sehr deutlich vorgetragen wurden, zusätzlich noch die nervigen und oft bildstörenden deutschen Untertitel senden musste. Bei fremdsprachigen Opern sehe ich das ja noch ein, obwohl es ja die technische Möglichkeit gibt, sie bei Bedarf auf Texttafeln hinzuzuschalten.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Obwohl ich ja bekanntlich nicht sehr Mozart- "affin"bin, habe ich mir diese Zauberflöte bis zum Schluss angesehen und bin mit geringen Ausnahmen hell begeistert. Peter Steins Leistung kann in den heutigen Zeiten nicht hoch genug eingeschätzt werden.Es muss ja einem Affront für die RT-Anhänger gleichkommen wieder mal ein Werk so zu inszenieren, wie es gedacht ist.
    Die angesprochenen geringen Ausnahmen betreffen die Sänger des Sarastro und der Königin, die einfach (noch?) nicht über das genügende stimmliche Fundament verfügen. Aber neben den sonstigen Gesangesleistungen ( vor allem ein herrlicher Tamino) war das wirklich zu verschmerzen.

  • Die Untertitel machen doch Sinn, da nicht jeder Arte Zuschauer die deutsche Sprache beherrscht. Für ein oder zwei mal Anschauen war es eine schöne Inszenierung mehr aber auch nicht. Und der Sänger des Sarastro wird sich sich, auch die Tiefe in der Stimmen angeht, sicherlich sich auch noch weiterentwicklen, wie alle anderen auch.

  • Zitat

    Zitat von Rodolfo: Die Untertitel machen doch Sinn, da nicht jeder Arte Zuschauer die deutsche Sprache beherrscht.

    Lieber Rodolfo,


    den Sinn kann ich nicht erkennen. Wer die deutsche Sprache nicht beherrscht, wird auch mit den schnell wechselnden Untertiteln wenig anfangen können. Und was arte betrifft: Der Sender, der auch in Frankreich sendet, wird dort sicher französische Untertitel senden. Abgesehen davon habe ich den Sendern auch schon den genannten Vorschlag gemacht, diese Untertitel, die auch oft das Bild stören, vor allem bei Aufnahmen in der Totale, wo man dann häufig die agierenden Personen nicht mehr erkennt, über Videotext - wie bei Hörgeschädigten - zuschaltbar zu senden. Dann wäre das Problem gelöst.
    Meine Frage, worin du das Statische in dieser lebendigen Inszenierung siehst, hast du mir nicht beantwortet.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Dann stelle ich mal die Gegenfrage : was war an der inszenierung lebendig ? Das " Rumgehampel" von Papageno hab schon lustiger in anderen konventionellen Inszenierungen gesehen, da gab es auch mal vereinzelte Lacher im Publikum.

  • Lieber Rodolfo,


    du hast behauptet, dass die Aufführung statisch war, während alle, mit denen ich darüber gesprochen habe und auch aus den Beiträgen hier lesen konnte, sie - so wie ich als lebendig empfunden haben. Da machst du es dir mit der Gegenfrage sehr einfach. Und warum soll das Publikum in einer Oper, die solche lustigen Figuren beinhaltet, nicht auch mal lachen dürfen? Außer den Szenen in Sarastros Tempel, die statisch waren (wie sollten sie deiner Meinung nach auch anders sein?) war meiner Ansicht nach in allen Szenen genug Bewegung. Oder möchtest du in der Oper künstlich hinzuerfundene, übertriebene sogenannte "action", wo sie garnicht hingehört? Leider ist das bei "modischen" Inszenierungen häufig der Fall.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Lieber Gerhard,
    Ich habe doch geschrieben, dass in anderen konventionell inszenierten Zauberflöten auch gelacht wird, wogegen ich überhaupt nichts habe. Nur hier wirkte mir alles zu aufgesetzt.

  • Also, lieber Rodolfo da muss ich mich Dir aber wirklich anschließen. Produktionen, in denen nicht auf der Bühne rumgezappelt wird, die sind sowas von öde. Zum Glück gibt es ja solche Inszenierungen, wie die aktuelle vom Freischütz in Zürich. Eine Wohltat für jedes Gemüt, das sich von dem überall herrschenden werktreuen Theater mal erholen möchte. Auf nach Zürich. https://m.youtube.com/watch?feature=youtu.be&v=H99FR1KoJXg


    Nein, im Ernst, ich weiß wirklich nicht, was an dieser Zauberflöte statisch gewesen sein soll.

  • Zitat

    rodolfo 39: Die Untertitel machen doch Sinn, da nicht jeder Arte Zuschauer die deutsche Sprache beherrscht.


    Hallo, rodolfo!


    Momentan schaue und höre ich meine DVD´s, die ich noch nie oder erst einmal konsumiert habe, abends an. Aber die erste größere Beschäftigung besteht für mich darin, die bestehenden Untertitel in den verschiedenen Sprachen gleich zu löschen. Denn diese sind für mich äußerst störend.


    Gruß Wolfgang

    W.S.

  • Um es gleich vorweg zu sagen - seit die Opernverhunzer am Werk sind, gehe ich nur noch zu konzertanten Aufführungen mal in ein Opernhaus, während ich mir in den 1950er bis siebziger Jahren keine einigermaßen erreichbare Aufführung entgehen ließ. Obwohl ich mich danach intensiv dem Kunstlied widmete, ist da also noch etwas alte Kennerschaft vorhanden, glaube ich zumindest ...


    Nun war ich gestern am Schreiben, hörte dabei aber in meinem Arbeitszimmer plötzlich die Spitzentöne der Königin der Nacht und eilte an den Ort des Geschehens - Arte, eben die hier besprochene Aufführung. Ich war entsetzt und meinte nach einer Weile: Ich bleibe nur da sitzen, weil ich wissen möchte wo das herkommt ...
    Kann ich dir sagen, sagte meine Frau, aus der Mailänder Scala; da bin ich fast aus dem Sessel gefallen, das hatte ich nicht für möglich gehalten.


    Vor Ort, in Meisterkursen zum Beispiel, höre ich relativ viele junge Sängerinnen und Sänger und bin oft hell von deren Qualität begeistert, aber dass in dieser »Zauberflöte« gut gesungen wurde, erschließt sich mir absolut nicht. Und das Bühnenbild? Teo Otto, Emil Preetorius, Paul Walter ... das waren noch Bühnenbildner, das gestern roch doch stark nach Klamotte, aber ich weiß, die Scala ist eine altehrwürdige Institution.

  • Lieber Knusperhexerich,


    der Freischütz, den du aus Zürich eingestellt hast, ist ja nun an Dämlichkeit wohl nicht mehr zu übertreffen. Ich dachte schon, der Freischütz in Hannover wäre das Dämlichste, was es gibt, aber da habe ich mich geirrt. Es gibt - am soll es nicht glauben - tatsächlich noch Dämlicheres. Na ja, bei dem Intendanten!!


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Ich hoffe, lieber "hart", du hast trotz der Mailänder Königin der Nacht gut geschlafen.


    Auch ich war etwas irritiert bei ihren Arien. Aber bei dieser Partie darf man etwas Milde walten lassen: Ist die Sängerin zu reif, scheppert sie meistens; ist sie zu jung - wie hier, piepst sie mit einer unreifen Stimme und unfertiger Technik. Kurzum, es gibt nur wenige, die es uns recht machen können, z.B. die Gruberova oder Edda Moser. Aber das ist ja nun auch schon eine Weile her. Es ist nicht leicht, dieser Mischung aus Hochdramatischer und Soubrette gerecht zu werden. Ich glaube, die Hauptschuld trifft hier Schikaneder, der ein Monstrum als Vorlage angeboten hat, dem nicht einmal Mozart zu vollem Leben verhelfen konnte.


    Jch habe mich vor dem Fernseher aus der Affäre gezogen, indem ich mich an das junge "hohe Paar" gehalten habe: eine Pamina optisch und akustisch zum Verlieben - und ein Tamino wie aus dem Bilderbuch. Aber auch an dem wurde herumgemäkelt, er habe gebrüllt, nur weil er kein Tenorino war, wie man ihn heute meistens zu hören bekommt, sondern ein junger Mann mit gut geführtem, schönem Tenor, aber auch bei Bedarf mit Temperament - so wie es sich Pamina vermutlich wünscht.


    Immerhin war es eine Produktion, die in mancher Hinsicht modellhaft vorführt, wie die ungleichen Autoren ihre Zauber- und Maschinenoper gemeint haben. Und in zehn jahren werden dieselben Sänger miteinander eine homogenere Aufführung zustande bringen (falls jemand diese Idee realisieren sollte). Warten wir´s ab!


    Herzliche Grüße von Sixtus

  • Zitat

    Knusperhexe: Produktionen, in denen nicht auf der Bühne rumgezappelt wird, die sind sowas von öde. Zum Glück gibt es ja solche Inszenierungen, wie die aktuelle vom Freischütz in Zürich. Eine Wohltat für jedes Gemüt, das sich von dem überall herrschenden werktreuen Theater mal erholen möchte. Auf nach Zürich.


    Ach, du meine Güte! Ich habe mal auf den Tip von Knusperhexe in den "Freischütz" reingeschaut. Wäre nicht die Musik gewesen, hätte ich auf eine Karnevalsprobe im Kölner Gürzenich getippt. :no:

    W.S.

  • Ach, du meine Güte! Ich habe mal auf den Tip von Knusperhexe in den "Freischütz" reingeschaut. Wäre nicht die Musik gewesen, hätte ich auf eine Karnevalsprobe im Kölner Gürzenich getippt. :no:


    Wie? Das gefällt dir nicht? Ich finde die Kritik hatte völlig recht in ihrer Freude, dass mal endlich ein Freischütz ohne Wald gezeigt wird. Das hat man nun wirklich landauf und landab. Wer will das denn schon noch?Du musst aber wirklich ein wenig offener sein. Wie die Bewunderer dieser Produktion richtig schreiben ist dasdoch alles soooooo lustig. Und schließlich ist der Freischütz doch eine wirklich lustige Oper.


    Entschuldigung, ich kann das alles einfach nicht mehr ernst nehmen. Da werden Gelder und Talent verschleudert für so einen Mist.