Aktive Pianisten unserer Tage - Olga Scheps - "Kraft und Seele"

  • Lieber Holger,


    ganz, ganz herzlichen Dank für Deine wundervolle Rezension; jeder, der schreibt, kann von so einer feinsinnigen, einfühlsamen und detaillierten Rückmeldung nur träumen, das freut mich ganz enorm, danke nochmals, dass Du Dir die Mühe gemacht hast!

    Ansonsten pflichte ich Dir auch bei, dass die CD vor allem wegen der Trias Haydn - Beethoven - Mozart ein Glanzlicht setzt; die anderen Stücke gefallen mir zwar auch, allerdings stehen mir da die drei oben genannten Komponisten in der Tat am nächsten.

    Aber immerhin, in das Konzept eines "Family"-Album passen auch die kleinen, eher schlicht gehaltenen Miniaturen, denke ich, und auch das sehr spärliche Booklet lässt sich da verschmerzen, obwohl ich es auch bedauere, dass man da nicht zumindest online noch mehr Hintergrundmaterial zur Verfügung stellt.

  • danke nochmals, dass Du Dir die Mühe gemacht hast!

    Lieber Boris,

    wirklich sehr gerne geschehen! :)

    Aber immerhin, in das Konzept eines "Family"-Album passen auch die kleinen, eher schlicht gehaltenen Miniaturen, denke ich, und auch das sehr spärliche Booklet lässt sich da verschmerzen, obwohl ich es auch bedauere, dass man da nicht zumindest online noch mehr Hintergrundmaterial zur Verfügung stellt.

    Mir ging zunächst die Facebook-Generation durch den Kopf, die ihre neuesten Selfies öffentlich postet. So ein "Album" passt also in die Zeit mit einer quasi "privaten" Zusammenstellung. Nur habe ich meine Schwierigkeiten, die Auswahl der Stücke zu verstehen. Wenn der Leitfaden wäre z.B. ...: Was ich meinem Kind so alles zuhause gerne vorspiele.... Warum dann aber nur Filmmusik-Arrangements und nicht Mozart, ein Kinderlied etc. etc.? Die großartige Geigerin Lisa Batiashvili - ebenfalls mit privatem Bezug -, hat auch sowas gemacht mit Filmmusik-Arrangements, aber dann doch künstlerisch viel ambitionierter. Da erkennt man eigentlich gleich auf Anhieb das Konzept (die CD habe ich (noch) nicht gekauft):



    Sympathisch bei Olga Scheps ist, dass sie (anders als Katia Buniatishvili :untertauch: ) die Musik nie kitschig sentimentalisiert. Ein bisschen enttäuscht war ich, dass sie diese Sachen nicht ein bisschen "pianistischer" spielt, also effektvoller vorführt in der Tradition spätromantischer Bearbeitungen wie Godowsky ("Die Lerche" spielt sie ja wirklich toll auf der russischen CD.). Das ist hier doch alles sehr schlicht. Aber ich bin halt einfach nicht der Typ für "soundende" Klaviermusik. (Klang, ja, unbedingt. Ich bin bekanntlich ein großer Debussy-"Fan"! "Klang" und "Sound" sind für mich zwei grundverschiedene Sachen.) ^^


    Liebe Grüße

    Holger

  • Lieber Holger,


    die Unterscheidung von "Sound" und "Klang" finde ich interessant, aber ich glaube ich verstehe, was Du meinst - man könnte vielleicht sogar weitergehen und von "Soundeffekt" und "Klangwirkung" sprechen; dort spiegelt sich dann auch der Unterschied wider zwischen dem eher äußerlichen, auf Überrumpelung angelegten, effektheischenden "satten" Sound im Vergleich zur lange nachhallenden, aufblühenden, aus dem Werk heraus entstehenden Klangentfaltung.


    Ich glaube auch, dass die "nicht-klassischen" Stücke kein reines "Kinder"-Repertoire sind (also keine "Kinderszenen" oder ähnliches). Das einzige Lied, das m. W. explizit Bezug auf die kindliche Welt nimmt ist Chilly Gonzales "Jeu de Maxim", das Olgas kleinem Sohn gewidmet ist. Bei den anderen Stücken stelle ich es mir eher so vor, dass wir hier einen Einblick bekommen in die Musik, der Olga abseits des Konzertpodiums begegnet - dazu gehört der Soundtrack eines Filmes, den sie gesehen hat, sogar die Melodie eines Computerspiels (!) wie bei "Unravel", oder die elektronische Musik von "Schiller" (eigentlich Christoph van Deylen - sehr hörenswerte Musik, übrigens) - dass sie dort nicht mit spätromantischer Geste auftrumpft, sondern eher unprätentiös spielt, finde ich durchaus stimmig.


    So wird aus dem Salon des 19. Jahrhunderts die Lounge des 21. Jahrhunderts - in beiden Fällen bin ich gerne lauschend zu Gast.

  • die Unterscheidung von "Sound" und "Klang" finde ich interessant, aber ich glaube ich verstehe, was Du meinst - man könnte vielleicht sogar weitergehen und von "Soundeffekt" und "Klangwirkung" sprechen; dort spiegelt sich dann auch der Unterschied wider zwischen dem eher äußerlichen, auf Überrumpelung angelegten, effektheischenden "satten" Sound im Vergleich zur lange nachhallenden, aufblühenden, aus dem Werk heraus entstehenden Klangentfaltung.

    Lieber Boris,


    das hast Du schön ausgeführt - und wäre ein eigenes Thema natürlich! :)

    Ich glaube auch, dass die "nicht-klassischen" Stücke kein reines "Kinder"-Repertoire sind (also keine "Kinderszenen" oder ähnliches). Das einzige Lied, das m. W. explizit Bezug auf die kindliche Welt nimmt ist Chilly Gonzales "Jeu de Maxim", das Olgas kleinem Sohn gewidmet ist. Bei den anderen Stücken stelle ich es mir eher so vor, dass wir hier einen Einblick bekommen in die Musik, der Olga abseits des Konzertpodiums begegnet - dazu gehört der Soundtrack eines Filmes, den sie gesehen hat, sogar die Melodie eines Computerspiels (!) wie bei "Unravel", oder die elektronische Musik von "Schiller" (eigentlich Christoph van Deylen - sehr hörenswerte Musik, übrigens) - dass sie dort nicht mit spätromantischer Geste auftrumpft, sondern eher unprätentiös spielt, finde ich durchaus stimmig.

    Da hast Du natürlich völlig Recht! Die "spätromantische Geste" wäre hier unangebracht. Ich verstehe ja auch die Situation eines Künstlers in Corona-Zeiten, der nicht konzertieren kann und sozusagen auf seine private Existenz zurückgeworfen wird. Nur wäre ein Klappentext sinnvoll gewesen, wo die Künstlerin dann doch ihre sehr private Auswahl erläutert. Denn das Private hat es an sich, dass sich sein doch eher esoterischer Sinn nicht so ohne weiteres der Öffentlichkeit erschließt ohne der Erläuterung des Kontextes. So muss man sich auf´s Raten und Erraten verlegen als Hörer und rätselt da herum. Ich hätte auch gerne erfahren nicht nur im Hinblick auf die Filmmusik-Assoziationen, sondern gerade auch das "klassische" Programm, warum sie diese Stücke gewählt hat und nicht andere. Oder hat sie das im Internet erläutert? Es findet sich aber kein Hinweis darauf!

    So wird aus dem Salon des 19. Jahrhunderts die Lounge des 21. Jahrhunderts - in beiden Fällen bin ich gerne lauschend zu Gast.


    Den Gedanken finde ich interessant. Dafür spricht einiges! Nur in Corona-Zeiten wirkt das schon irgendwie komisch angesichts von Lockdowns usw. :) :hello:


    Liebe Grüße

    Holger

  • Bei meiner Recherche im Internet, gabe ich zufällig die hier gezeigte - imo sehr einfühlsame Interpretation gefunden:

    Da es sich hier im Forum offensichtlich um Olga Scheps -Bewunderer handelt, haben die sich diesen Clip wirklich verdient:



    Ludwig van Beethoven: Piano Concerto No.3, Op.37
    Conductor: Robert Kružík, Šéfdirigent Filharmonie Bohuslava Martinů
    Piano: Olga Scheps Orchestra: Filharmonie Bohuslava Martinů Zlín
    Recorded live in Zlín, Czech Republic 2021


    Interpetatiorisch, Ton- uind-Bildtechnisch ein Glücksfall - vom feinsten

    Auch der Mut der Interpretin und des Orchesters sind bewundernswert:

    Man spielt ohne Covid-Masken...



    mfg aus Wien

    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Banner Trailer Gelbe Rose
  • Lieber Alfred,

    vielen Dank für dieses wunderschöne Video, in der Tat ist Olgas Youtube-Kanal eine Fundgrube. Dies zeigt eindrücklich, dass auch eine Künstlerin wie sie, die exklusiv für Sony CDs aufnimmt, zusätzlich immer mehr andere Kanäle nutzt, um ein noch größeres Spektrum an Aufnahmen zugänglich machen zu können.
    Gestern hat sie übrigens in Österreich gespielt, in Raiding beim Liszt - Festival. Davon hätte ich auch gerne eine Aufnahme, allerdings dürfte das wohl nicht mitgeschnitten worden sein.