Richard Strauss´ Vier letzte Lieder: Verzeichnis verfügbarer Aufnahmen

  • Lieber Rheingold!

    Nach meinen Beobachtungen hat die Distanz ihr gegenüber an Schärfe gewonnen, seit ihre Rolle in der Nazizeit thematisiert wurde. Mit so einer will man möglich nichts zu tun haben.

    Das Argument leuchtet mir überhaupt nicht ein!

    Solange ich die Szene verfolge sind Elisabeth Schwarzkopf immer wieder die gleichen Vorwürfe gemacht worden. Mag sein, dass im Laufe der Zeit die einmal gefundenen Formulierungen wieder und wieder abgeschrieben wurden, aber dass die Schärfe zunahm, habe ich nicht wahrgenommen.


    Mehr beschäftigt mich eigentlich eine andere Bemerkung von Dir:

    Ihr werden ewig die gleichen Dinge angelastet. Sie singe zu maniriert, heißt es. Wer das beklagt, der wirft dieser Sängerin eigentlich vor, dass sie Kunst macht.

    Macht denn etwa eine Elisabeth Grümmer keine Kunst? Bei ihr klingen Lieder (genau so wie Opernpartien) so wunderbar natürlich, so selbstverständlich, dass man Kunst nicht als Anstrengung des Willens wahrnimmt.

    Sie (Du sprichst von Schwarzkopf) lotet nicht nur Buchstaben und Interpunktionszeichen aus, sie erfasst singend Gedanken und lyrische Zusammenhänge.

    Aber muss das dem Hörer vermittelt werden? Muss er darauf hingewiesen werden, dass hier Buchstaben und Interpunktionszeichen "ausgelotet" werden?

    Tut mir leid, aber ich höre andere Aufnahmen lieber! Zumal dieses "Ausloten" meiner Meinung nach auch dazu führt, dass Schwarzkopfs Phrasierung nicht so weit und großzügig gelingt, wie ich das an etlichen Stellen erwarte. Das ist dann wahrlich keine Frage des persönlichen Geschmacks mehr.


    Liebe Grüße

    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Macht denn etwa eine Elisabeth Grümmer keine Kunst? Bei ihr klingen Lieder (genau so wie Opernpartien) so wunderbar natürlich, so selbstverständlich, dass man Kunst nicht als Anstrengung des Willens wahrnimmt.

    Das ist genau der Vergleich, der auf der Hand liegt. Und ich bin auch ein "Grümmerianer" und kein "Schwarzkopfianer". :yes:

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Bis auf weiteres keine neuen Beiträge mehr von mir außerhalb meiner Besetzungsrubriken!

  • Lieber Stimmenliebhaber, ich habe Fr. Grümmer auch gleich noch gehört. In meinem heimischen Regal steht nur Karajan/Janowitz. Es grüßt Hans

    ..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
    -- Aydan Özoğuz

  • Egal, was andere davon denken. Meine Lieblingsaufnahme ist Fleming unter Eschenbach, gefolgt von Cheryl Studer unter Sinopoli.


    Ach, wie ist das schwer. Dann denke ich an Lisa della Casa (Böhm), Arleen Auger, Gundula Janowitz, Anna Tomowa- Sintow, Hanne-Lore Kuhse......


    Herzlichst La Roche

    Was Du ererbt von Deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen!

  • Ich habe nur eine Aufnahme der "Vier letzten Lieder", ein Geschenk von einem Bekannten, der (wie Rheingold) sehr an der Schwarzkopf hängt. Dass diese Einspielung in dem von Caruso41 eingestellten Link von dem Autor vorangestellt wurde, macht mir dann doch Spaß: Norman / Masur...

    :hello:

    .


    MUSIKWANDERER

  • Macht denn etwa eine Elisabeth Grümmer keine Kunst? Bei ihr klingen Lieder (genau so wie Opernpartien) so wunderbar natürlich, so selbstverständlich, dass man Kunst nicht als Anstrengung des Willens wahrnimmt.

    Lieber Caruso, habe ich das infrage gestellt? Du zitierst mich aus einen Beitrag, der als Antwort auf eine Äußerung von Helmut gedacht gewesen ist. Beiderseits ging es um Elisabeth Schwarzkopf und die Einspielung der Lieder unter Szell. Um nichts anderes.

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Lustig! :D Ich habe sowohl Schwarzkopf/Szell, als auch Norman/Masur, als auch Janowitz/Karajan und Janowitz/Celibidache. Keine der Aufnahmen möchte ich missen!


    Bei Jessye Norman spürt man die Nähe zu Wagner - das ist rauschhaft-dionysisch und musikdramatisch. Natürlich grandios! Dazu ist Schwarzkopf freilich ein Gegenentwurf. Sie singt das weniger in Richtung große Oper/Musikdrama, sondern mehr in Richtung Kunstlied. Nicht nur, dass sie stimmlich meisterhaft ist. Was ihr finde ich besonders gelingt, ist die Jugendstil-Stilistik herauszuarbeiten. Sie rückt damit Strauss in die Nähe des epischen und nicht musikdramatischen Gesangs von Gustav Mahler - mich erinnert sie im ersten Lied an "Schildwaches Nachtlied", wo sie die abenteuerlich verwundenen Jugendstil-Linien geradezu dämonisch auflädt und zum betörenden Sirenen-Gesang werden lässt. Es ist also die Frage, was man mehr mag: Ob Strauss mehr nach Wagner oder mehr nach Mahler klingen soll! ;)


    (Mit dieser ganzen Politisierung kann ich schlicht rein gar nichts anfangen!)


    Schöne Grüße

    Holger

  • Zitat von Dr.Holger Kaletha

    Ob Strauss mehr nach Wagner oder mehr nach Mahler klingen soll! ;)

    Lieber Holger, ich bin der Meinung lieber nach Strauss! :)


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Lieber Holger, ich bin der Meinung lieber nach Strauss!

    Beziehungsreichtum, lieber Fiesco! Ich denke jetzt an Thomas Mann Der Tod in Venedig - die beiden Arten von Kunst: Bemeisterung durch den Willen und die Unmittelbarkeit des Schönen. Ich finde, Strauss hat von beiden etwas. Und die Interpreten können das eine oder andere betonen, Erlebniskunst oder Schilderung. Gerade wo Strauss hier sehr artifiziell ist, wirkt dann der artifizielle Vortragsstil der Schwarzkopf natürlich - wo er sonst etwas geschraubt wirkt, weil im Bemühen, "natürlich" zu singen, die Unnatürlichkeit dieses Gesangsstils gerade auffällig wird. Strauss ist ein sehr ambivalentes Phänomen, finde ich. Und deswegen hat der Ansatz der Schwarzkopf seine Berechtigung für meinen Geschmack.


    Einen schönen Sonntag wünscht

    Holger