Was ist eine gute oder schlechte Inszenierung ? Erklärungen anhand von Beispielen

  • Die Frage, ob diese Inszenierung gut oder schlecht ist, wird nur beantworten können, wer sie – oder wenigstens bedeutende Teile von ihr – gesehen hat. Dass es hierzulande möglich ist, sich blasphemisch zu äußern, ohne juristische oder sonstige unerwünschte Folgen fürchten zu müssen, halte ich allerdings für eine bedeutende Errungenschaft, und ich meine, dass es kein Fehler sein kann, diese hart erkämpfte Freiheit auch zu nutzen.


    Allerdings machen weder blasphemische noch stark sexuell geprägte Bühnenaktionen oder solche, die beides gleichzeitig sind, eine gute oder schlechte Inszenierung. Wie sie zu bewerten sind, hängt davon ab, wie gut oder schlecht sie gemacht und in das Ganze der Theaterabends eingepasst sind. Und eben das kann man logischerweise nicht beurteilen, wenn man es nicht weiß.

  • "Sancta Susanna" von Paul Hindemith in Stuttgart

    Laut SWR gab es "Jubel ohne Ende" für die Sancta. Es war aber nicht alleine die kurze Hindemith-Oper, die gezeigt wurde, sondern eine mehrstündige Opern-Performance auf der Basis von Hindemiths Oper.


    Ich bin dann mal weg.

  • Die Frage, ob diese Inszenierung gut oder schlecht ist, wird nur beantworten können, wer sie – oder wenigstens bedeutende Teile von ihr – gesehen hat. Dass es hierzulande möglich ist, sich blasphemisch zu äußern, ohne juristische oder sonstige unerwünschte Folgen fürchten zu müssen, halte ich allerdings für eine bedeutende Errungenschaft, und ich meine, dass es kein Fehler sein kann, diese hart erkämpfte Freiheit auch zu nutzen.


    Allerdings machen weder blasphemische noch stark sexuell geprägte Bühnenaktionen oder solche, die beides gleichzeitig sind, eine gute oder schlechte Inszenierung. Wie sie zu bewerten sind, hängt davon ab, wie gut oder schlecht sie gemacht und in das Ganze der Theaterabends eingepasst sind. Und eben das kann man logischerweise nicht beurteilen, wenn man es nicht weiß.

    Ich habe gegen die vorgebrachten Punkte nichts einzuwenden. Wer sich blasphemisch äußert muss aus religiöser Sicht wissen was er/sie im Sinne des eigenen Seelenheils tut. Dem säkularen Staat steht hier kein Urteil zu. Zugleich sind die Tabus, die hier offensiv angegangen werden solche von gestern. Das Thema der Blasphemie, des "Patriarchats" und der "sexuellen Unterdrückung der Frau" könnte man auch in Hinblick auf den Islam und muslimischer Communities betrachten. Aber genau diese Themen traut sich, sowohl aus Feigheit gegenüber dem eigenen linksliberalen Lager, als auch vor der Resonanz möglicher islamistischer Fanatiker, kein Regisseur anzugehen. Und deswegen konstatiere ich hier Gratismut und intellektuelle Selbstgefälligkeit, ja, Spießertum.


    Im Übrigen: Die gezielt blasphemischen "Freakshow"-Elemente, die man im Trailer sehen konnte (Kleinwüchsige Päpste, Transvestiten Jesus etc.), waren nun ähnlich schon auch Teil der diesjährigen Olympia-Eröffnung in Paris. Die Anti-Symbolik läuft ins ermüdend Leere. Wer sich davon begeistern lässt zeigt vielleicht nur, wie innerlich ausgedünnt und sensationsgeil er ist.

    "...man darf also gespannt sein, ob eines Tages das Selbstmordattentat eines fanatischen Bruckner-Hörers seinem Wirken ein Ende setzen wird."



  • Brot und Spiele.


    Ich dachte immer, dass das pöse Regietheater angeblich die Leute aus dem Opernhaus treibt. Jetzt bekommt das pöse Regietheater aber auf einmal die Bude voll, und dann denkt man sich flugs ein neues Argument aus: die angebliche Bedienung niederer Instinkte. Wir machen uns die Welt, tralalala wie sie uns gefällt... ;)


    Dass es hierzulande möglich ist, sich blasphemisch zu äußern, ohne juristische oder sonstige unerwünschte Folgen fürchten zu müssen, halte ich allerdings für eine bedeutende Errungenschaft, und ich meine, dass es kein Fehler sein kann, diese hart erkämpfte Freiheit auch zu nutzen.


    Da stimme ich Dir zu, nur besteht diese Freiheit in Bezug auf eine bestimmte Religion eben nur de jure, nicht aber de facto (da gebe ich hasiewicz Recht). Blasphemische künstlerische Äußerungen über den Islam müssten doch eigentlich eine Verlockung für progressiv eingestellte Künstler sein. Was gäbe es denn für die fruchtbareres, als sich über eine Religion lustig zu machen, deren streng fromme Anhänger in nicht unwesentlicher Zahl gegen die rechtliche Gleichstellung von Frauen sind und Homosexuelle verachten? Irgendwie macht das aber niemand. Wieso nicht?


    LG :hello:

    "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler

  • Im Übrigen: Die gezielt blasphemischen "Freakshow"-Elemente, die man im Trailer sehen konnte (Kleinwüchsige Päpste, Transvestiten Jesus etc.), waren nun ähnlich schon auch Teil der diesjährigen Olympia-Eröffnung in Paris. Die Anti-Symbolik läuft ins ermüdend Leere.

    Na, dann ist doch alles in Ordnung. Keine Blasphemie also. Dann ist die Frage nur noch, ob das, was gemacht wurde, gut gemacht wurde. Und das kann logischerweise nur beurteilen, wer es beurteilen kann, wofür die die erste Voraussetzung ist, dass er es kennt.

    Die ewig gleiche Behauptung, dass a irgendwas irgendwie provozieren will, aber nicht mehr kann, weil die, die das erbost kritisieren, schon so abgebrüht sind, dass es sie nicht mehr erbost, ist, abgesehen davon, dass sich die Aussage selbst auslöscht, auch insofern höchst fragwürdig, als sie einfach mal eben so ohne weitere Prüfung als gegeben voraussetzt, dass eine Provokation der Art, sie sie die Erbosten nicht erbost , beabsichtigt ist. Das aber steht nun auch nicht von vornherein fest. Es kann auch sein, dass Künstler so etwas machen, was die Erbosten schon lange nicht mehr erbost, sich um diese Leute gar nicht kümmern, sie also weder ansprechen noch provozieren wollen. Das scheint mir jedenfalls erheblich wahrscheinlicher als die Annahme, dass die betreffenden Künstler gar nicht gemerkt haben, was jedem der Entrüsteten beim ersten flüchtigen Blick aufällt.

  • Bei Filmen unterscheidet man zwischen Komödien, Krimis, Pornos, Hardcore, Thrillern und Horrorfilmen usw..


    Sollte man auch beim Theater machen.

  • Ich weiß zwar nicht, was so eine Kategorisierung bringt, weil sie in der Regel mehr Probleme schafft als löst, aber es gibt ja durchaus Genres, denen man die Stücke zuordnen kann. Also zum Beispiel Komödien, Tragödien, Farcen, Possen, Tragikomödien, Lustspiele, auch einige, die heute keiner mehr kennt: Schicksalsdramen, weinerliche Komödien usw. usf. Das Problem ist nur (beim Theater wie überall): Viele große Kunstwerke (eigentlich die meisten) passen in keine dieser Schubladen. Darum führen diese Bezeichnungen so oft in die Irre. Oder sie sind einfach nichtssagend. Lessings »Nathan« ist ein »dramatisches Gedicht«,was nun wirklich gar nichts sagt. Wenn man mich fragt, würde ich sagen, dass das eine Komödie ist (eine der wenigen wirklich guten in deutscher Sprache), aber das würde auch falsche Erwartungen wecken. Also müsste man wohl, wenn man überzeugt ist, ein solches Etikett helfe weiter, ein neues also erklärungsbedürftiges erfinden, oder es eben bei dem nichtssagenden belassen. Was wäre damit gewonnen?

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  • Du bist einfach ein zu fixes Kerlchen. Ich hatte es nur wenige Augenblicke nach dem Ansenden der Nachricht ergänzt, aber Du stehst anscheinend immer bereit, sofort irgendwelche Nichtigkeiten zu finden und ebensolche darüber abzusondern. So schnell bin ich einfach nicht, zumal, wenn es nicht drauf ankommt.

    Aber hast Du auch noch etwas zum Thema beizusteuern?

  • Du bist einfach ein zu fixes Kerlchen. Ich hatte es nur wenige Augenblicke nach dem Ansenden der Nachricht ergänzt, aber Du stehst anscheinend immer bereit, sofort irgendwelche Nichtigkeiten zu finden und ebensolche darüber abzusondern. So schnell bin ich einfach nicht, zumal, wenn es nicht drauf ankommt.

    Aber hast Du auch noch etwas zum Thema beizusteuern?

    Tja so ist das leider, auch beim Bücher- oder Artikellesen fallen mir Fehler als erstes auf, bevor ich mich überhaupt mit dem Inhalt befasse. Die Einschübe können ja nun, da zur Zufriedenheit aller erledigt, entfernt werden (mir ging es gar nicht darum, einen Fehler aufzuzeigen, sondern darum, ihn zu eliminieren).


    Und nein: ich steuere nichts weiter bei; und zwar: weil mir das Werk völlig schnuppe ist.


    Ihr könnt Euch gerne damit befassen:


    https://www.br-klassik.de/aktu…art-in-nuernberg-100.html


    :saint:

    Der Glaube kann Sätze verbergen.

  • Dass es hierzulande möglich ist, sich blasphemisch zu äußern, ohne juristische oder sonstige unerwünschte Folgen fürchten zu müssen, halte ich allerdings für eine bedeutende Errungenschaft, und ich meine, dass es kein Fehler sein kann, diese hart erkämpfte Freiheit auch zu nutzen.

    Das empfinde ich nicht als bedeutende Errungenschaft. Juristisch betrachtet eine Selbstverständlichkeit, sicher, mit der der Mensch nicht umgehen kann oder will. Es gibt auch so etwas wie Respekt vor anders oder überhaupt Gläubigen. Ich verabscheue Menschen, die Korane verbrennen, weil sie sagen "ich darf das". Das gleich gälte für die Bibel, den Talmud und ähnliche "heilige" Bücher. "Seht her ich darf das und du darfst mir nichts tun, ätschbätsch", das ist schlichtweg widerwärtiges Provozieren um des Provozierens willen. Das sind "Aktivisten", die rubrizieren bei mir in der Kategorie Geschmeiß und ihr Schicksal ist mir gleichgültig.

    Die ewig gleiche Behauptung, dass a irgendwas irgendwie provozieren will, aber nicht mehr kann, weil die, die das erbost kritisieren, schon so abgebrüht sind, dass es sie nicht mehr erbost, ist, abgesehen davon, dass sich die Aussage selbst auslöscht, auch insofern höchst fragwürdig, als sie einfach mal eben so ohne weitere Prüfung als gegeben voraussetzt, dass eine Provokation der Art, sie sie die Erbosten nicht erbost , beabsichtigt ist.

    Jetzt mal eine ernsthafte Frage an den Dramaturgen: muss ich mir wirklich vorstellen, daß es um das Provozieren um des provozierens willen geht? Der Bruch der gesellschaftlichn Norm als Stilmittel, als künstlerische Ausdrucksform? Kann sich dieser Künstler nicht auf normalem Wege äußern?


    Als Tillmann Knabe in Köln "Samson und Dalia" auf die Bühne brachte war das ein ziemlicher Skandal, reihenweise sagten auch Sänger ab. Die Aufführung selbst fand ich weitestgehend schlüssig, das Geschen spielte irendwo im Gaza-Streifen und Samson endet zum schluss als Selbsmordattentäter. Alles nachvollziehbar, sogar weitestgehend harmlos, wenn da nicht das Bacchanal gewesen wäre. Auch wenn Knabe da schmerzaft berührende Bilder gelungen sind und während dieses Bacchanals Pfiffe und laute "Aufhören"-Rufe vernehmbar waren, werde ich nie so recht begreifen, warum man sich während des Bacchanals einer Oper, die auch in Knabes Lesart im Nahen Osten spielt, am Rechwitz-Massaker (Österreich, Grenze zu Ungarn, 1945) abarbeiten muss. Der Rest der Inszenierung war ordentlich, nachvollziehbar und absolut nicht skandaltauglich, so daß ich unterstelle, daß Knabe das Bacchanal sinnfrei zur Oper einfach als (sachlich) unnötige Provokation gemacht hat.


    Zu dem Schnipsel oben äußere ich mich nicht. Was in der Kürze zu sehen ist, ist degoutant genug, daß ich nicht hinginge. Dann doch eher ein echtes Pornokino und nicht Sex als Provokation.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Das empfinde ich nicht als bedeutende Errungenschaft. Juristisch betrachtet eine Selbstverständlichkeit, sicher, mit der der Mensch nicht umgehen kann oder will. Es gibt auch so etwas wie Respekt vor anders oder überhaupt Gläubigen.


    Ich habe mich weiter oben etwas arg knapp zu Werners Äußerung positioniert, deshalb nochmal etwas ausführlicher: Ich halte die Möglichkeit, das zu tun, durchaus für eine sehr bedeutende zivilisatorische Errungenschaft. Das bedeutet aber nicht, dass man diese Möglichkeit auch in die Tat umsetzen muss, und es bedeutet auch nicht, dass es unbedingt klug oder angebracht ist, das zu tun. Nicht alles, was juristisch gestattet ist, sollte man auch machen.


    Letztlich zählt bei so etwas das Ergebnis, und das kann man nur beurteilen, wenn man das Kunstwerk kennt. "Life of Brian" hat sicherlich auch ein paar blasphemische Züge, ist aber eine geniale Komödie. Die religionsbezogenen Elemente bei der Olympia-Eröffnungsfeier fand ich dagegen platt und uninspiriert.


    LG :hello:

    "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler

  • Letztlich zählt bei so etwas das Ergebnis, und das kann man nur beurteilen, wenn man das Kunstwerk kennt. "Life of Brian" hat sicherlich auch ein paar blasphemische Züge, ist aber eine geniale Komödie. Die religionsbezogenen Elemente bei der Olympia-Eröffnungsfeier fand ich dagegen platt und uninspiriert.

    Völlig d'accord, das ist aber auch alles im Zusammenhang nachvollziehbar und insofern auch bekannt, dass niemand, den Film sehen muss, der das nicht möchte.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

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  • Auch die Performances von Holzinger muss niemand sehen, der das nicht will. Jedenfalls habe icgh noch nicht gehört, dass irgendwer verpflichtet worden wäre, das zu tun. Und was die Blasphemie betrift, muss man weder gut finden, was da gemacht wird, noch ist irgendwer verpflichtet, sich dem auszusetzen. Ich finde es aber sehr gut, dass man nicht mehr wegen Gotteslästerung angeklagt werden kann weil man »Salome« oder eben auch »Leben des Brian« spielt. Dass e Situationen geben kann, in denen die Klugheit oder auch der Respekt für andere verbietet, die Möglichkeiten, die das Gesetz bietet, nicht bis zur Gerenze auszuschreiten, ist eine Selbstverständlichkeit. Ich muss gestehen, dass es mir zum Halse heraushängt, immer wieder Leuten zu begegnen, die verlangen, dass man das immer wieder explizit betont.

    Jetzt mal eine ernsthafte Frage an den Dramaturgen: muss ich mir wirklich vorstellen, daß es um das Provozieren um des provozierens willen geht?

    Das musst Du jemanden fragen, der das behauptet. Da bist Du bei mir an der falschen Adresse.

  • Dass e Situationen geben kann, in denen die Klugheit oder auch der Respekt für andere verbietet, die Möglichkeiten, die das Gesetz bietet, nicht bis zur Gerenze auszuschreiten, ist eine Selbstverständlichkeit. Ich muss gestehen, dass es mir zum Halse heraushängt, immer wieder Leuten zu begegnen, die verlangen, dass man das immer wieder explizit betont.


    Ich meine nicht, dass jemand hier das von Dir verlangt hat. Und niemand hier kann etwas dafür, welchen Leuten Du vor dieser Diskussion begegnet bist. ;)


    LG :hello:

    "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler

  • Zitat

    Ich weiß zwar nicht, was so eine Kategorisierung bringt,...

    Wenn da stehen würde:


    Heute gibt es im Theater eine Hardcore-Horror-Show, dann weiß man doch so ungefähr, was einen erwartet.


    Leute, die es vor nichts mehr graut, rennen dann hin, andere suchen mehr was mit kultureller Aussage und bleiben daheim.

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  • Wenn da stehen würde:


    Heute gibt es im Theater eine Hardcore-Horror-Show, dann weiß man doch so ungefähr, was einen erwartet.


    Leute, die es vor nichts mehr graut, rennen dann hin, andere suchen mehr was mit kultureller Aussage und bleiben daheim.


    Ich weiß nicht, ob es Dir entgangen ist, aber die Stuttgarter Oper hat im Fall der hier diskutierten Produktion ausdrücklich vorab darüber informiert, dass das Publikum mit recht drastischem Bühnengeschehen konfrontiert werden wird. Das ist eigentlich sogar sehr viel aussagekräftiger als eine Kategorisierung, die man beliebig interpretieren kann. Wenn man dann trotzdem hingeht, tut man es auf eigene Verantwortung.


    LG :hello:

    "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler

  • Vulgäre Provokation ist nicht mein Ding, diese Art von Verrohung im Namen der Kunst ist für mich nur widerlich und abstoßend..