ADAM, Adolphe Charles: GIRALDA OU LA NOUVELLE PSYCHÉ

  • Adolphe Charles Adam ( 1803 – 1856 )
    Giralda ou La nouvelle Psyché
    (Giralda oder Die neue Psyche)


    Romantisch-komische Oper in drei Akten
    Libretto: Eugène Scribe
    Originalsprache: Französisch


    PERSONEN DER HANDLUNG


    Ginès, ein Müller, Tenor
    Giralda, seine Braut, Sopran
    Die Königin von Spanien, Mezzosopran
    Der Prinz von Aragonien, ihr Gemahl, Bass
    Don Japhet d'Atocha, Hofherr der Königin, Bass
    Rosine, Hofdame, seine Gemahlin, Sprechrolle
    Don Manoel, Hofherr, Tenor
    Almedo, ein Bauer. Bass
    Hofstaat, Dienerschaft, Bauern und Bäuerinnen


    Ort und Zeit der Handlung: Santiago de Compostela, 18. Jahrhundert


    INHALTSANGABE


    ERSTER AKT
    Freie Gegend bei Santiago de Compostela mit Haus des Almedo und Scheune
    Bauern und Bäuerinnen sind zum Hochzeitsfest gekommen und singen ein Preislied auf das Paar. Doch Ginès ist wütend auf den Schneider, der seinen Hochzeitsmantel noch nicht geliefert hat. Endlich kommt dieser und Ginès kleidet sich bei einem Couplet in sein neues Gewand.
    Giralda kommt mit Mädchen. Sie ist traurig. Während die Gäste dem Haus zustreben, bittet Giralda Ginès um eine Unterredung. Sie erklärt ihm, dass sie ihn nicht liebe. Wir erfahren, dass sie als Tochter eines verbannten Edelmannes von dem Bauer Almedo als Pflegekind aufgenommen wurde, der sie nun an den Müller verheiraten wolle und ihm eine reiche Mitgift versprochen habe. Als Ginès sie nicht freigeben will, gesteht sie ihm, dass sie einen Unbekannten liebe, der sie aus der Hand zweier Räuber errettet und den sie bisher nur in der Dunkelheit gesehen habe. Wenn Ginès sie zur Heirat zwingen werde, werde sie ihm das Leben zu Hölle machen.
    Da plötzlich tritt Don Japhet auf. Er nimmt das Haus für die Königin von Spanien und ihren Hofstaat, die sich auf dem Wege nach Santiago befinden, in Beschlag. Widerwillig geht Ginès um alles zu veranlassen.
    Don Manoel kommt auf der Suche nach Giralda, die er liebt und von der er weiß, dass sie ein Pflegekind Almedos ist. Aus dem Zwiegespräch mit Don Japhet ergeben sich folgende Tatsachen: Don Japhet spioniert im Auftrag der Königin ihren Gemahl aus, der ein Schwerenöter ist. Der König, der das wohl weiß, hat geschworen, dass er süße Rache an der Gattin Don Japhets üben werde, falls dieser sich verheiratet. Allerdings weiß noch niemand, dass dieser bereits heimlich mit Rosine verheiratet ist. Don Manoel ist Waise, Sohn eines Rebellen, ein Schützling der Königin. Don Japhet geht, um das Quartier für die königliche Gesellschaft zu bestellen.
    Don Manoel ist entsetzt: Wehe, wenn der König die schöne Giralda sieht! Er singt eine Cavatine auf seine Liebe.
    Ginés kehrt zurück und beschwert sich, dass das Haus seines Schwiegervaters in Anspruch genommen werde und er nach der Hochzeit bei Nacht mit Giralda zu seiner Mühle wandern müsse. Als Don Manoel einwendet, dass das doch nichts bedeute, wenn seine Frau ihn liebe, erfährt er, dass es damit nicht weit her ist, und Ginès es vor allem auf die Mitgift abgesehen habe. Nun vernimmt er, dass die Braut seine Geliebte Giralda ist und beschließt, diese zu retten. Er bietet Ginès das Doppelte der Mitgift und dieser entsagt Giralda. Seinen Brautmantel, Hut und Strauß übergibt er Don Manoel, der sich damit in der abendlichen Dunkelheit unerkannt mit Giralda trauen lassen will. Außerdem soll ihm Ginès die Mühle gegen Entgelt überlassen und sich bis zum nächsten Tag verstecken.
    Als die Hochzeitsgesellschaft kommt, zieht Manoel die verzweifelte Braut, die ihn für Ginès hält, an sich und ab geht’s zur Kapelle.
    Ginès schleicht sich noch einmal heraus und freut sich über den gelungenen Tausch. Dann hört man Trompeten und er verbirgt sich schnell.
    Der König mit Garden kommt bei Fackelschein. Er besingt seine Jugendlust, die Königin betrachtet er lediglich als Gefährtin. Nun folgt auch die Königin mit ihrem Hofstaat. Sie will über Nacht in der Kirche bleiben und Don Japhet soll ihr am Morgen darüber berichten, wie der König die Nacht verbracht hat.
    Schließlich kehrt auch die Hochzeitsgesellschaft zurück. Als Don Manoel die Herrschaften erblickt, verschwindet er schnell, um sich der Hochzeitskleidung zu entledigen und nicht erkannt zu werden.
    Der König interessiert sich sofort für die schöne Giralda, doch die Königin verlangt, den Ehemann zu rufen. Der echte Ginès kommt aus der Scheune und Giralda glaubt, dass sie soeben mit ihm getraut wurde. In einem Ensemble wundert sich Ginès, dass sie nun doch seine Müllerin ist, Giralda gibt ihrer Trauer darüber Ausdruck, der König schwärmt für das Mädchen, die Königin sieht es mit Bangen und die Übrigen preisen das jungverheiratete Paar.
    Die Königin befiehlt Ginès, sich sofort mit der Braut zu seiner Mühle zu begeben. Dieser willigt ein und Giralda muss sich fügen. Ein Bauer bringt ihm seinen Hochzeitsmantel und den Hut, den er gefunden hat. Inzwischen hat sich der König nach dem Weg zur Mühle erkundigt.


    ZWEITER AKT
    Im Innern der Mühle von Ginès
    Ein Mädchenchor führt Ginès und Giralda in die Mühle und dann Giralda durch eine Seitentür fort.
    Ginès freut sich, nun nicht mehr allein zu sein. Zwar sei seine Braut ihm nicht treu, aber er tröstet sich mit dem schönen Sümmchen, das er erhalten hat.
    Doch der Fremde, den er verschwunden glaubt, tritt plötzlich durch die Hintertür ein, löscht das Licht aus, gibt sich zu erkennen und hindert Ginès daran, fortzugehen.
    Die Mädchen kommen mit Giralda zurück. Als diese sich über die Dunkelheit wundern, souffliert Don Manoel Ginès, das er sagen solle, dass es ihm als Hausherr so behage und dass sie ihn mit seiner Braut allein lassen sollen. Dann fordert er ihn ebenfalls auf, zu gehen.
    Mit der verzweifelten Giralda allein, gibt er sich ihr zu erkennen und bekennt ihr, dass sie ihn in der Verkleidung des Ginès geheiratet habe. Er kann ihr noch nicht verraten, wer er ist, denn König und Königin dürfen es nicht erfahren, weil es seinen eigenen Tod bedeuten würde. Er gibt ihr ein Losungswort, mit dem sie sich im Dunkeln erkennen können. Sie möchte jedoch gerne sein Gesicht kennenlernen und eilt fort, Licht zu holen.
    Es gibt ein Geräusch. Don Japhet erscheint auf dem Balkon. Ihm ist die Leiter umgefallen. Er ist dem König als Spion der Königin nachgeschlichen, der jetzt eintritt. Don Manoel zieht sich in eine Ecke zurück. Der König, der Don Japhet entdeckt hat, macht ihn zu seinem Mitschuldigen, indem er ihm befiehlt, Schildwache zu stehen. Dann geht er ab, um Giralda zu suchen.
    Don Manoel ruft Ginès herbei und befiehlt ihm gegen Entlohnung, schnell nach der Kirche zu eilen und der Königin zu melden, ihr Gatte sei in Gefahr. Dieser eilt davon.
    Der König kehrt zurück, um Giralda zu erwarten. Er zieht sich in eine Ecke, Don Manuel in eine andere Ecke zurück
    Giralda sucht ihren Geliebten, aber der König ist es, der sich an sie herangeschlichen hat. Da sie die Stimme nicht erkennt, lässt sie vor Schreck die Lampe fallen, die erlischt. In einem Terzett drückt der König seine Freude aus, während Giralda und Manoel verärgert über diesen Frevel sind und Manoel schon daran denkt, sich an dem König zu rächen.
    Der König gaukelt Giralda vor, ihr Gatte zu sein. Da sie ihn nicht an der Stimme erkennt und um das Losungswort fragt, bringt sie ihn in Verlegenheit. Inzwischen konnte sich Don Manoel ihr nähern und ihr zuflüstern, dass er sie beschützen werde.
    Im rechten Moment taucht Ginès wieder auf. Inzwischen führt Don Manoel Giralda hinaus, bleibt aber lauschend an der Tür stehen. Ginès erkennt bald, dass der Anwesende nicht derjenige ist, dem er seine Braut überlassen hat, verrät aber, dass die Königin gleich kommen werde. Der König, der jetzt in der Enge sitzt, bietet ihm einen guten Lohn, wenn er ihn ungesehen hier hinausschafft. Ginès geht, um das zu arrangieren.
    Während Don Japhet schon die Königin ankündigt, bietet sich Don Manoel dem König, der ihn nicht erkennt, als Retter an. Zur Entlohnung gibt der König ihm eine Kette und bedeutet, dass dem Überbringer jede Gnade gewährt werde. Don Manoel verschwindet mit dem König.
    Ginès kommt und verwechselt den zurückbleibenden Don Japhet, der sich jetzt vor dem Erscheinen der Königin fürchten muss, mit dem Ehemann Giraldas. Dieser jedoch glaubt, seine Frau Rosine sei in der Mühle und lässt sich schnell von Ginès in ein anderes Zimmer verstecken.
    Die Königin kommt mit Gefolge und gleichzeitig Giralda aus dem Nebenzimmer. Die Königin lässt die Mühle durchsuchen. Man findet nichts, hat jedoch noch ein Zimmer nicht durchsucht, in dem Don Japhet steckt, Giralda aber ihren Ehemann vermutet. Sie fleht die Königin um Gnade an.
    Inzwischen tritt der König wieder ein. Er gibt vor, vom Pachthof zu kommen, wo er erwacht sei und den Abmarsch gesehen habe, dem er gefolgt sei. Die Königin will nun wissen, von wem die Nachricht käme, dass der König bedroht sei. Ginès erklärt, dass es der Ehemann seiner Braut gewesen sei und die Königin befiehlt, diesen vorzuführen. Man führt Don Japhet herein. Giralda ist entsetzt, und Don Manoel, der sich unter das Gefolge geschlichen hat, fängt die Ohnmächtige auf.
    Don Japhet wird zum Geständnis gezwungen, dass er sich heimlich verheiratet hat, und da man Giralda als seine Braut vermutet, fügt er sich in die Täuschung, die ihn vorläufig rettet. In einem Ensemble freut sich Don Jephet, dass er durch die Verwechslung der Strafe entging, Giralda, die annehmen muss, dies sei der ihr noch unbekannte Ehemann, und Manoel sind verzweifelt, die Königin glaubt ihren Gatten entlastet, der König freut sich schon auf die „süße Rache“ an Don Japhets Ehefrau, Ginès ist mit dem Verdienst, den er durch die Affären hatte, glücklich und der Chor wundert sich über die Milde der Königin. Diese befiehlt Don Jephet, ihr mit seiner (vermeintlichen) Gattin an den Hof zu folgen.


    DRITTER AKT
    Saal im Palast der Königin in Santiago de Compostela.
    Giralda ist von der Königin zum Gespräch bestellt worden und wartet mit Bangen, was nun geschehen soll. Sie betet, dass ihr beschieden sei, in die Heimat zurückzukehren.
    Die Königin kommt mit Don Manoel und zwei Damen. Sie bittet die Damen, Giralda in die Kapelle zu führen, wo sie warten solle. Mit Don Manoel allein, trägt die Königin ihm das Amt des Großmeisters vom Orden des heiligen Jakob an, was diesen – natürlich – nicht glücklich macht. Dann klagt sie über die Leiden ihres Standes als Königin und bittet ihn, ihr behilflich zu sein, diese junge Frau, auf die der König bereits ein Auge geworfen hat, vom Hof zu entfernen, was er gerne verspricht.
    Nun tritt Ginès mit Don Japhet, der ihn am Eintreten zu hindern versucht, und von der anderen Seite der König auf. Die Königin will Ginès anhören. Ginès beklagt, dass der, den er heimlich verschwinden ließ und als den er Don Jephet vermutet, ihm den versprochenen Lohn nicht zahlen will. Don Japhet, der König und Don Manoel, um ihre Meinung befragt, können alle drei nur mit Schweigen antworten. Don Manoel und auch der König stecken Ginès heimlich eine Geldbörse zu und nun schweigt auch dieser.
    Eine Ehrendame tritt ein und ruft die Königin zur Morgentoilette, der sie sich gerade jetzt nicht unterziehen möchte. Sie beordert Don Manoel, sich des Müllers zu bemächtigen, damit sie ihn später befragen kann. Die Königin sowie Don Manoel mit Ginès gehen ab.
    Der König erklärt Don Japhet, dass er Giralda in Ruhe lassen werde. Er habe seine Blicke jetzt auf die schöne Rosine gelenkt. Er übergibt Don Japhet ein Billet, das dieser der Dame (seiner eigenen Frau) überbringen soll.
    Entrüstet kommt die Königin herein. Sie hat bei der Toilette von der Heirat Don Japhets gesprochen. Da habe die Hofdame Rosine gestanden, dessen Gattin zu sein. Sie ruft Don Manoel herbei, der Don Japhet wegen Bigamie gefangen nehmen und der Inquisition ausliefern soll. Als dieser leugnet, Rosine als seine rechtmäßige Gattin bezeichnet und angibt, nie mit Giralda verheiratet gewesen zu sein, lässt sie diese herbeirufen.
    Giralda erzählt nun, dass sie dem Befehl der Königin, mit diesem Mann aufs Schloss zu kommen, gefolgt sei. Unterwegs aber wären sie überfallen worden. Man hätte sie geraubt und am Schloss abgesetzt, ihr bedeutend, dass sie hier sicher sei. Als jetzt der König eine Bemerkung macht und Don Manoel sich zu dem Fall äußert, ist Giralda von den verschiedenen Stimmen verwirrt, glaubt aber, in Don Manoel den Richtigen erkannt zu haben. Doch dieser reagiert auf die Losungsworte zunächst nicht, um sich nicht zu verraten. Als die Königin zu einem Termin mit dem Kardinal abberufen wird, befiehlt sie den Anwesenden, zu bleiben. und Don Manoel leise, ihrem Gatten nicht von der Seite zu weichen. Von Don Japhet erbittet sie ihr Gebetbuch, in das dieser heimlich das Billet des Königs an Rosine versteckt. Die Königin geht und Don Japhet eilt zu seiner Gattin.
    Der König versucht, auch Don Manoel loszuwerden, um „das Mädchen zu trösten“, aber dieser erklärt, er sei von der Königin beordert, bei ihm zu bleiben. Da befiehlt der König ihm, sich in ein Buch zu vertiefen und nicht auf ihn zu achten. Als der König ein Lied auf Giralda anstimmt, bemerkt diese, wie Don Manoel zornig wird und glaubt nun, in ihm den Richtigen erkannt zu haben. In dem Augenblick, als der König sich Giralda nähert, meldet ein Diener, dass man im Gebetbuch der Königin das königliche Billet an Rosine gefunden habe. Bevor er forteilt, bittet der König noch heimlich Don Manoel, bei Giralda für ihn zu sprechen.
    Nun endlich können sich die Liebenden umarmen. Doch die Stunde naht, da die Königin Don Manoel zum Großmeister des Ordens machen will. Er will der Königin alles gestehen, muss aber den Kirchenbann fürchten.
    Der zurückkehrende König ertappt die beiden bei der Umarmung. Don Manoel gesteht und bittet den König um Fürsprache bei der Königin, indem er ihm die Kette zeigt, die dieser ihm am Vorabend gegeben hat. Der König verspricht es ihm und besiegelt sein Versprechen mit einem Kuss auf Giraldas Stirn.
    Das sieht die hereinkommende Königin. Der König klärt sie über die heimliche Ehe auf. Als die Königin ihn auf das Billet anspricht, behauptet er, dass er es Don Japhet für die Königin übergeben habe. Das Stelldichein sollte angeblich dazu dienen, die Königin über die Ehe Don Manoels aufzuklären. Giralda und Don Manoel bestätigen das. Da setzt sich die Königin, um – wie Giralda und Manoel befürchten – ihr Urteil zu schreiben, das auch der König unterschreiben muss.
    Sie läutet die Höflinge herbei und verkündet das Urteil: Don Manoel wird das Gelübde erlassen. Sie segnet seine und auch die Ehe Don Japhets. Das Werk endet mit einer Arie Giraldas und dem Schlusschor auf das Wohl der Königin.

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

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