salisburgensis: Unverzichtbare Klassikaufnahmen - Alte Musik

  • Vorwort



    In meiner Kolumne wird es überwiegend Empfehlungen zu Alter Musik geben. Es werden so ziemlich alle Gattungen dabei sein, angefangen von Renaissance-Musik sowohl weltlicher als auch kirchlicher Art über die barocke Oper der verschiedenen Nationen bis hin zu Kantate und Instrumentalmusik im Übergang zur Klassik. Ich werde aber auch einige wenige Abstecher in das 19. Jahrhundert machen.


    Mich dabei ausschließlich auf lieferbare bzw. leicht erreichbar Aufnahmen zu beschränken, wird mir nicht immer gelingen. Auch werden mit Sicherheit einige Komponisten genannt werden, die heutzutage kaum mehr bekannt sind. Das Ganze soll aber keine Freak-Liste werden von unbekannten Tonsetzern aufgenommen von noch unbekannteren Labeln, sondern ein Fundus, der Klassikfreunden, die sich mit Alter Musik beschäftigen wollen, eine Orientierung bieten kann.


    Bei Gelegenheit werde ich auch Querverweise auf passende Themen hier im Forum einbauen. Dort kann man sich dann z.B. über Alternativaufnahmen oder Hintergründe zur Entstehung informieren.



    :hello:
    Thomas

    Da freute sich der Hase:
    "Wie schön ist meine Nase
    und auch mein blaues Ohr!
    Das kommt so selten vor."
    - H. Heine -

  • Da habe ich geschrieben, keine Freakliste erstellen zu wollen und beginne doch mit einer Aufnahme, die nicht mehr so einfach zu bekommen ist, obwohl sie grade mal 10 Jahre alt ist. Es handelt sich um eine Aufnahme von Tänzen aus dem Terpsichore Musarum (1612) von Michael Praetorius. Die Ensembles La Fenice und Ricercar Consort spielen eine Auswahl von 36 aus den mehr als 300 Stücken, die diese Sammlung enthält. Zum größten Teil handelt es sich dabei um französische Tänze.


    Was die Musiker an Spielfreude rüberbringen ist aller Ehren wert. Manchen der Stücke hängt ja der Posaunenchor-Muff an, weil man sie bei jeder Kirmes zu hören bekommt. Dabei schreibt Praetorius im Vorwort zu der Sammlung, dass sie hauptsächlich auf Streichinstrumenten und Lauten zu gebrauchen sei. Wie heilsam ist da diese Aufnahme! Das ist beschwingt tänzerisch, das ist bunt instrumentiert mit Streichern und auch Bläsern, dazu abwechslungsreiches Schlagwerk. Aber es bleibt immer edel, es ist Tanzmusik für das gehobenen Publikum gewesen. Das Cover der CD illustriert das sehr schön.


    Ein wenig zum Umfeld, in der diese Sammlung entstand, erfährt man in folgendem Thread: 30 Jahre Krieg



    Ricercar Consort & La Fenice,
    erschienen beim Label Ricercar



    Thomas

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  • Meine nächste Empfehlung gilt einem der wichtigsten Werke in der Entstehung der Gattung Oper, Claudio Monteverdis L´Orfeo.


    Meine Referenz ist die Aufnahme von Gabriel Garrido. Bei dieser Aufnahme passt alles perfekt zusammen. Die Homogenität des gesamten Ensembles auf höchstem Niveau ist die größte Stärke dieser Aufnahme. Eines muß dennoch besonders erwähnt werden: Garrido hat den Orfeo nicht wie sonst üblich mit einem Tenor, sondern mit einem Bariton besetzt. Und siehe da, das Baritonale passt zu dieser Rolle wie angegossen. Man will´s nie wieder anders hören. Den Orfeo singt der in Buenos Aires geborene Victor Torres, der sonst eher bei Rossini, Puccini, Verdi und Consorten zu Hause ist. Er ist der beste und überzeugendste Orfeo den man sich vorstellen kann. Torres´ Verzierungen sind atemberaubend virtuos, die Klage über den Verlust seiner Euridice herzzerreißend, zum mitheulen schön. Auch das Ensemble Elyma spielt hervorragend. Die Szene, in der Orfeo den Caronte besänftigt ist so stimmungsvoll wie in keiner anderen Aufnahme, woran die Instrumentalisten großen Anteil haben. Insgesamt ist Garridos Lesart nicht die eines bunten Arkadiens sondern mitfühlend erzählend, und immer mit einem melancholischen Unterton.


    Was Kurt Malisch zu Garridos Aufnahme der Poppea geschrieben hat, gilt uneingeschränkt auch für den Orfeo: ...bestechen Akkuratesse und Sensibilität des Musizierens, das jede Übertreibung und jegliches außermusikalische Agieren strikt meidet, sondern nur darauf abzielt, diese kostbare Musik zum Blühen und Leuchten zu bringen.




    Abete, Kiehr, Banditelli, Torres, Fernandez,
    Coro Antonio il Verso, Elyma Ensemble,
    Gabriel Garrido
    erschienen bei K617



    Einen eigenen Thread hat der Orfeo im Tamino Klassikforum auch: Claudio Monteverdi - Orfeo, der Beginn der Oper



    Thomas



    Man möge mir verzeihen, dass ich meinen Beitrag aus dem Orfeo-Thread hier als Grundlage benutzt habe, aber genau das gibt es zu dieser Aufnahme zu sagen.

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    - H. Heine -

  • Es folgt eine Empfehlung mit Renaissancemusik, die Missa Et ecce terrae motus von Antoine Brumel (1460-1520). Das Huelgas Ensemble unter der Leitung von Paul van Nevel singt.


    Diese Messe könnte man als das Hauptwerk von Brumel ansehen, ist sie doch fast doppelt so lang wie die meisten gleichzeitig entstandenen Messvertonungen. Aber nicht nur die Länge beeindruckt, auch die Besetzung mit zwölf Stimmen macht dieses Werk zu einer Ausnahmekopmosition. Es hat sich vergleichsweise lange Wiederaufführungen erfreut, noch rund 50 Jahre nach Brumels Tod ist durch Orlando di Lasso eine Aufführung in München bezeugt.


    Durch den reichlichen Gebrauch von Terzen klingt die Messe nicht so herb wie viele zeitgenössische Werke. Die zwölf Stimmen hat Brumel in 4 Gruppen zu je drei Stimmen aufgeteilt. Sowohl innerhalb einer Gruppe als auch zwischen den Gruppen gibt es ständig Stimmkreuzungen. Was das Huelgas Ensemble aus dem Stimmengeflecht macht ist nicht weniger als großartig. Was das Ensemble auch in dieser Aufnahme auszeichnet ist, dass die Musik den Kontakt zum Boden nie verliert sondern in einem Spannungsfeld zwischen dem Klang himmlicher Sphären und der Erdenschwere schwebt.




    Antoine Brumel: Missa Et ecce terrae motus
    Huelgas Ensemble
    Paul van Nevel
    erschienen bei Sony



    Thomas

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  • Die Kunst der Imrpovisation wird so langsam auch von klassischen Musikern wiederentdeckt. Sie ist mit der Zeit verloren gegangen, weil die Komponisten immer genauere Vorschriften in ihre Partituren notierten. Dynamik wurde in immer kleineren Einzelheiten vorgegeben, Verzierungen wurden ausführlich notiert, usw. Es gab zwar immer Virtuosen, die für ihre Improvisationskunst berühmt waren, ein Beispiel dafür ist das Orgelspiel von Anton Bruckner. Aus der notierten Musik wurde das aber immer weiter zurückgedrängt.


    In der Musik schon länger vergangener Zeiten jedoch war es Gang und Gäbe nur das Grundgerüst einer Komposition zu notieren und den Rest dem Augenblick zu überlassen. Ein sehr gelungenes Beispiel dieser Praxis liefert folgende CD des Trios Los Otros, bestehend aus Hille Perl, Lee Santana und Steve Player:




    Tinto
    Werke von Santiago de Murcia, Antonio Martin Y Coll, Francesco Corbetta,
    Angelo Notari, Girolamo Kapsberger und Bartolomeo de Selma Y Salaverde.
    erschienen bei DHM



    Die drei zeigen auf Gamben und verschiedenen Zupfinstrumenten, wie mitreißend diese Musik sein kann, wenn man sich den Freiraum für Improvisation nimmt. Natürlich ist es an sich ein Paradox, Improvisation auf CD zu bannen, weil so die Spontanität verloren geht. Die Stärke der Improvisation liegt schließlich im Augenblick der Entstehung. Nichts destotrotz ist diese CD höchst empfehlenswert. Derart lebendig hört man Alte Musik nicht oft. Man wird sich dabei ertappen, dass der Fuß mitwippt, oder die Finger den Rhythmus mitklopfen...



    Thomas

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  • Nächste Empfehlung ist Händels Cantata a tre Aci, Galatea e Polifemo von 1708, nicht zu verwechseln mit der später in Englang entstandenen Masque Acis et Galatea. Die Cantata a tre entstand während Händels Aufenthalt in Italien. Es handelt sich also um ein frühes Werk. Um so erstaunlicher ist es, wie Händel bereits in der Lage war, Gefühle in Töne zu fassen.


    Die Handlung ist schnell erzählt. Der Zyklop Polifemo hat es auf die schöne Galatea abgesehen, die aber mit Aci liiert ist. Da er nicht an das Ziel seiner Wünsche kommt, zerstört er die Beziehung von Aci und Galatea. Sie stürzt sich ins Meer und ihn meuchelt er mittels eines Felsbrockens.


    Das Stück ist höchst anspruchsvoll für die drei Sänger, am erstaunlichsten ist aber die Baßpartie des Polifemo. Händel verlangt nicht nur einen gewaltigen Stimmumfang über zweieinhalb Oktaven, sondern auch Affekte, wie sie gegensätzlicher nicht sein könnten. In der Aufnahme unter Emmanuelle Haim übernimmt Laurent Naouri diese Partie. Er ist zweifellos der Höhepunkt dieser Aufnahme, obwohl auch die beiden Damen nichts zu wünschen übrig lassen.


    Die Auftrittsarie des Polifemo Sibilar l´angui d´Aletto ist ein Bravourstück mit Begleitung von zwei Trompeten. Wenig später kocht Polifemo schon vor Wut in der Arie Precipitoso nel mar che freme. Hier zeigt Laurent Naouri wie prächtig er Kolloraturen gurgeln kann. Nachdem sich Galatea ins Meer gestürzt hat, ist Polifemo entsetzt und verzweifelt ob des Verlustes. Es folgt die Arie Fra l´ombre e gl´orrori, die zum Großartigsten zählt, was es überhaupt an Arien gibt. Wer da nicht mitweint, ist ein toter Klotz. Besser und eindringlicher als Laurent Naouri kann man´s nicht singen.





    Sandrine Piau, Sara Mingardo, Laurent Naouri,
    Le Concert d'Astree
    Emmanuelle Haim
    erschienen bei Virgin


    Fazit:
    Händel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:
    Laurent Naouri: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:


    Thomas

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  • Die Osterkantaten von Johann Pachelbel gehören bei mir unbedingt auch zu den oft gehörten und unverzichtbaren Aufnahmen. Ganz besonders mag ich die Kantate "Hallelujah! Lobet den Herrn" mit dem Text von Psalm 150. Sie ist außerordentlich groß und vielfältig besetzt. Im Text werden verschiedene Instrumente aufgezählt, mit denen man Gott loben soll. Die erklingen natürlich auch an der entsprechenden Stelle. Einfach geil ist die Musik zur Textstelle "Lobet ihn mit Paucken und Trompeten", 5 Barocktrompeten volles Rohr und Pauken dazu. :jubel: :jubel: :jubel:



    Diese Kantaten sind aber noch in mehrfacher Hinsicht interessant und bemerkenswert. So findet sich in der Kantate "Jauchzet dem Herrn" ein frühes Beispiel für den französischen Einfluß auf die Musik in deutschen Landen. Die Choralkantate "Christ lag in Todesbanden" dagegen kann als Vorlage gedient haben für die Bach´sche Vertonung dieses Textes (BWV 4).


    Es ist auf jeden Fall lohnenswert, mehr als den allgegenwärtigen Kanon von Pachelbel zu kennen. Johann Mattheson schrieb über ihn, weit nach seinem Tode: Ein Mann, der Lob verdient durch weisheitsvolle Noten, erstirbet nimmermehr: die Muse hats verboten.




    Deus in adjutorium; Christ lag in Todesbanden; Hallelujah! Lobet den Herrn;
    Christ ist erstanden; Jauchzet dem Herrn; Magnificat in C


    La Capella Ducale, Musica Fiata
    Roland Wilson
    erschienen bei cpo



    Thomas

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  • Als nächstes möchte ich dem Interessierten zwei Einspielungen französischer Barockmusik ans Herz legen, nämlich Musik für Louis XIII und seinen Nachfolger, den "Sonnenkönig" Louis XIV, eingespielt von Jordi Savall und seinem Ensemble. Während bei den Werken für Louis XIII die Komponisten nur vermutet werden können - die Stücke blieben nur erhalten, weil der König seine Musikalienbibliothek sehr gewissenhaft führen ließ - ist der Schöpfer der Musik für den Sonnenkönig um so besser bekannt: Jean-Babtiste Lully.


    Beide Aufnahmen kann ich sehr als Einstieg in die Droge französisches Barock empfehlen. Die Interpretation ist vorbildlich, besser geht´s einfach nicht. Obwohl die Musik durch vergleichsweise viele Wiederholungen gekennzeichnet ist, werden diese Aufnahmen nie langweilig. Savall versteht es meisterhaft auszugestalten, Spannungen zu erzeugen und immer noch einen draufzusetzen. Ein Mittel, wie er das erreicht, ist das sehr vielfältig besetzte Orchester, beispielhaft die Verwendung von Schlaginstrumenten. Beispielhaft ist auch das inegale Musizieren, die Musik fließt ganz natürlich. Als ob sie atmet, so folgen Spannung und Entspannung aufeinander. Und doch können die Aufnahmen auch mitreißend sein.


    Die Sonnenkönig-CD beginnt mit einer Suite aus Le bourgeois gentilhomme. Was Lully da für eine Musik gemacht hat, ist unglaublich! Majestätisch und erhaben, aber doch immer mit Augenzwinkern und voller Schalk, eine unglaubliche Mischung. Was Savall daraus macht, ist meines Erachtens der absolute Höhenpunkt dieser beiden CDs.




    L'Orchestre de Louis XIII & L'Orchestre du Roi Soleil
    Le Concert des Nations, Jordi Savall
    beide erschienen bei Alia Vox



    Thomas

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  • Was während bzw. kurz nach der Zeit von Louis XIV musikalisch in der Messestadt Leipzig passierte ist nicht minder aufregend. Mit der Thomasschule verfügte (und verfügt noch immer) die Stadt über ein weit über die Stadtgrenzen hinaus bekanntes Zentrum der Kirchenmusik. Drei Namen, drei Thomaskantoren haben die sakrale Musik zu einer Blüte gebracht. Die Rede ist von Sebastian Knüpfer, Johann Schelle und Johann Kuhnau. Ihre Werke wurden lange sträflich vernachlässigt, standen zu Unrecht im Schatten des Bach´schen Schaffens. Aber es tut sich etwas.


    Diesmal möchte ich eine Serie vom Label hyperion vorstellen, die sich, unter anderem, mit diesen Drei beschäftigt. Der Titel "Bachs Zeitgenossen" ist allerdings irreführend, das trifft allenfalls auf Zelenka zu, der in dieser Reihe auch mit einer Einspielung bedacht wurde, und vielleicht noch auf Kuhnau. Aber das tut der Qualität der Aufnahmen keinen Abbruch. Es musiziert das King´s Consort unter der Leitung von Robert King.


    Der Abwechslungsreichtum ist den Werken von allen drei Komponisten gemein. Liedhafte Solopassagen kontrastieren mit streng kontrapunktischen Chören oder an die norditalienische Mehrchörigkeit angelehnter Prachtentfaltung. Dabei verbinden die drei Herren alte und aktuelle Stile zu einem großartigen Ganzen. Beim Hören dieser Werke wird klar, dass Bach nicht aus dem Nichts kam, sondern auf einer reichen und vor allem auch hochwertigen Musiktradition aufbauen konnte.


    Robert King sind mit seinem Ensemble hervorragende Einspielungen dieser Werke gelungen. Was sowohl die Sänger, als auch die Instrumentalisten leisten, ist aller Ehren wert. Eine ganz dicke Kaufempfehlung! Es gibt auch noch weitere vorzügliche Einspielungen dieses Repertoires durch andere Interpreten, die tauchen vielleicht später noch hier auf. Für diesmal aber nur der Hinweis auf die entsprechenden Threads hier im Forum (siehe unten).




    Vom Himmel hoch;
    Was mein Gott will, das gescheh allzeit;
    Wenn mein Stündlein vorhanden ist;
    Ach Herr, strafe mich nicht in deinem Zorn;
    Quaemadmodum desiderat cervus;
    Super flumina Babylonis;
    Jesus Christus, unser Heiland;
    Die Turteltaube lässt sich hören



    Lobe den Herrn, meine Seele;
    Wohl dem, der den Herren fürchtet;
    Aus der Tiefen;
    Herr, lehre uns bedenken;
    Gott, sende dein Licht;
    Komm, Jesu, komm;
    Christus, der ist mein Leben;
    Christus ist des Gesetzes Ende;
    Vom Himmel kam der Engel Schar



    Ihr Himmel jubilirt von oben;
    Weichet ihr Sorgen aus dem Hertzen;
    Wie schön leuchtet der Morgenstern;
    Gott sei mir gnädig nach deiner Güte;
    Tristis est anima mea;
    O heilige Zeit



    Threads zum Thema:
    Thomaskantoren vor Bach
    Sebastian Knüpfer (1633-1676)



    herzliche Grüße,
    Thomas

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  • Ein ganz heißer Tipp sind die Rosenkranzsonaten von Heinrich Ignaz Franz Biber in der Einspielung von Andrew Manze und Richard Egarr.


    Die Rosenkranzsonaten von Biber gehören zum absoluen Gipfel der Violinenliteratur. Und sie sind eine der ungewöhnlichsten Sammlungen überhaupt. Zugrunde liegen die 15 Mysterien aus dem Rosenkranzgebet, die in drei Fünfergruppen aufgeteilt sind: die freudenreichen Mysterien, die schmerzreichen Mysterien und die glorreichen Mysterien*. Zu jedem dieser Mysterien hat Biber eine Sonate geschrieben. Und als Abschluß des Ganzen eine sehr ausgedehnte Passacaglia für die Violine alleine.


    Wie bei vielen Bach´schen Werken läßt sich auch in diesen Stücken jede Menge Zahlensymbolik finden, was freilich für das Hören eher uninteressant ist.


    Die Rosenkranzsonaten sind durch die ausgiebige Verwendung der Scoradatur gekennzeichnet. Darunter versteht man die Veränderung der Grundstimmung der Violine, deren vier Saiten normalerweise g - d’ - a’ - e’’, also im Quintabstand gestimmt sind. Der erste Sontate wird noch mit dieser Normalstimmung gespielt, dann verändert Biber diese aber immer weiter. Dabei müssen manche Saiten bis zu einer Quarte (!) umgestimmt werden. Ein Beispiel (Sonate Nr. 9): Tiefste Saite eine Quarte hoch -> c'; nächste einen Ganzton hoch -> e'; dritte Saite einen ganzen runter -> g' und die höchste Saite eine Terz runter -> c''. Es ergibt sich also ein C-dur. Für die 11. Sonate müssen gar a- und d-Saite vertauscht werden. Danach nähert sich die Stimmung der Normalität wieder an und die Passacaglia ist dann wieder im üblichen g-d-a-e zu spielen.


    Der Grund für dieses Spielchen sind veränderte Klangfarben durch die von der Normalspannung verschiedene Spannung der Saiten und die Möglichkeit von Mehrfachgriffen, die sonst kaum spielbar wären. Andrew Manze benutzt nicht, wie bisher üblich, mehrere Instrumente für die Umstimmerei, sondern macht das alles mit seiner Amati, nicht nur für die Produktion sondern auch in Konzerten. So hat man die Möglichkeit, den klanglichen Effekt der Skordatur auch zu hören.


    Soviel zur Theorie, was machen nun Manze und Egarr daraus? Großartiges! Diese Aufnahme ist von einer Klangschönheit, wie ich das bei historischen Instrumenten noch kaum erlebt habe, ohne dass die für alte Instrumente typischen Klangeigenschaften verloren gehen. Manze verabschieded sich von allzu dramatischer Interpretation, sondern läßt die Musik fließen. Dazu trägt auch bei, dass im Continuo nur ein Tasteninstrument spielt, meist eines kleines Orgelpositiv. Das Ergebnis ist eine tief meditative Musik. Die Passacaglia am Ende setzt dem Ganze endgültig die Krone auf! Sie ein wahres musikalisches Wunder, ein geniales Stück von Biber; unter Manzes Finger wird sie zu Offenbarung!


    Das ist die erste Aufnahme, bei der ich zwei Stunden lang hintereinander Violinsonaten hören kann, ohne, dass es mir auf den Geist geht. Im Gegenteil, es ist höchster Genuß! Ich bin restlos begeistert von dieser Aufnahme.


    Es gibt nur ein kleines Haar in der köstlichen Suppe: als letzter Track ist auf der CD eine Erläuterung der Scordatur mit Klangbeispielen durch Andrew Manze drauf. Ich hätte das lieber am Anfang gehabt. So wird man unsanft aus der Verzückung nach der Passacaglia gerissen, auch wenn Manze eine sehr angenehme Stimme hat.




    Heinrich Ignaz Franz Biber: Rosenkranz-(Mysterien-)Sonaten
    Andrew Manze (Violine) und Richard Egarr (Cembalo & Orgel)
    erschienen bei harmonia mundi



    herzliche Grüße,
    Thomas




    *Anmerkung: Johannes Paul II. hat im Jahre 2002 eine vierte Fünfergruppe hinzugefügt, die als die lichtreichen Mysterien bezeichnet werden.

    Da freute sich der Hase:
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    - H. Heine -

  • Zur Feier meines 1000sten Beitrages kann natürlich nur eines kommen: die Missa Salisburgensis von Heinrich Ignaz Franz Biber.


    Die Autorenschaft Bibers - es gibt kein überliefertes Exemplar aus seiner Hand, sondern nur eine Partitur aus der Hand eines Kopisten - ist zwar noch nicht zweifelsfrei geklärt, aber viele Indizien zeigen in diese Richtung. Reinhard Goebel schreibt im booklet zu seiner Aufnahme (in Kooperation mit McCreesh), dass es keine eindeutigen stilistischen Hinweise auf den Autor in der Messe gibt. Im selben booklet steht aber im Kommentar von McCreesh, dass stilistische Gründe eindeutig für Biber spächen. Die Herren sind sich also selbst nicht einig. Immerhin läßt sich mit der Stilfrage Orazio Benevoli ausschließen, der lange Zeit aufgund eines Vermerkes eines Archivars auf der Partitur als Autor galt.


    Auch der Anlaß, für den die Messe komponiert wurde, läßt sich mit ziemlicher Sicherheit bestimmen: die Feier anläßlich des 1100jährigen Bestehens des Salzburger Erzstiftes am 18. Oktober 1682, Ort der Aufführung: der Dom zu Salzburg.


    Gemäß des Anlasses ist die Missa salisburgensis ein in der Musikgeschichte einmalig bombastisches Werk. Biber schreibt 16 Vokal-, 35 Instrumentalstimmen, 2 Orgeln und ein reich besetztes Basso continuo vor, alles in allem 53 Stimmen. Diese teilt er in kleine Gruppen auf und plaziert sie an verschiedenen Stellen im Dom und führt sie in verschiedensten Varianten musikalisch wieder zusammen. Das Ergebnis ist eine äußerst abwechlungsreiche und prachtvolle Messkomposition, die auch den Raum, für den sie komponiert wurde, mit einbezieht. Ich kenne nichts monumentaleres aus dieser Zeit, das Stück ist der schiere Bombast.



    Von den vier mir bekannten Aufnahmen des Werkes, gehören diese zwei hierher in den Klassikkanon:


    ...


    Musica antiqua Köln/Reinhard Goebel, Gabrieli Consort & Players / Paul McCreesh, Archiv
    Amsterdamer Barockorchester und -chor / Ton Koopman, Erato



    Beide Aufnahmen sind durchweg empfehlenswert. Die Aufnahme unter McCreesh entstand in der Romsey Abbey, Südengland. In ihr kommt das Repräsentative und Bombastische sehr zum Tragen. Das ist eine Klanggewalt ohne gleichen, McCreesh läßt es ordentlich krachen. Koopmans Aufnahme hingegen, am Ortt des orginalen Geschehens aufgenommen, ist etwas feiner, streckenweise gradezu kammermusikalisch. Natürlich wird es auch bei ihm laut, schließlich beginnt die Messe schon mit dem vollen Apparat, aber die Wucht von McCreesh erreicht Koopman nicht ganz. Auch unterscheiden sich beide Aufnahmen leicht in ihrer Instrumentierung. Koopman verwendet beispielsweise auch Blockflöten, die bei McCreesh fehlen, dort wird der Part von Zinken gespielt.




    Hier noch ein link zu weiterführenden Informationen:
    Salzburg, Ende des 17. Jahrhunderts - Heinrich Ignaz Franz Biber und Co.



    liebe Grüße,
    Thomas

    Da freute sich der Hase:
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    - H. Heine -

  • Meine nächste Empfehlung ist eine Solo-CD von Harry van der Kamp mit geistlichen Konzerten und Kantaten hauptsächlich aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Folgende Stücke sind enthalten:


    J. Christoph Bach: Wie bist du denn, O Gott in Zorn auf mich entbrannt;
    Nikolaus Bruhns: De profundis clamavi;
    Dietrich Buxtehude: Mein Herz ist bereit,
    Dietrich Buxtehude: Ich bin die Auferstehung;
    Johann Rosenmüller: zwei Lektionen aus den Lamentatio Jeremiae prophetae;
    Heinrich Schütz: Ich liege und schlafe,
    Heinrich Schütz: Fili mi, Absalon;
    Franz Tunder: Salve coelis pater;
    Matthias Weckmann: Kommet her zu mir alle


    Fast 80 Minuten lang nur Kantaten für Baß, da könnte man auf die Idee kommen, dass es irgendwann langweilig würde. Aber das Programm der Aufnahme ist sehr abwechslungsreich gestaltet. Mal wird der Solist nur vom Continuo begleitet, mal spielen Streicher in verschiedenen Besetzungen mit. Und schließlich gibt es zwei Werke mit Bläsern, nämlich Fili mi, Absalon von Schütz mit 4 Posaunen und Ich bin die Auferstehung von Buxtehude mit der prächtigen Besetzung von 2 Violinen, 2 Gamben, 2 Zinken, 2 Trompeten, Fagott und Continuo.


    Van der Kamp hat ein Instrumentalensemble mit äußerst namhaften Musikern aus dem Bereich der Alten Musik zu seiner Begleitung zusammengestellt. Man merkt, dass sie sich wahrscheinlich alle gut kennen, denn es wird wie aus einem Guß musiziert, also ob es sich um ein eingespieltes Orchester handelte. Das Ensemble spielt wunderbar flexibel und klangschön, die Musik lebt und atmet. Genau so muß es sein! :jubel:


    "Star" der Aufnahme ist dennoch der Baßsolist Harry van der Kamp, obwohl er, statt die Instrumente nur als Begleitung anzusehen, sich auf die anderen Musiker einläßt und mit ihnen musiziert. Van der Kamp beherrscht es perfekt, den Text in musikalischen Ausdruck umzusetzen. Das demonstriert er auch auf dieser CD in beeindruckender Weise. Bestes Beispiel ist Schützens Ich liege und schlafe, bei dem sich alle paar Takte der Affekt ändert. Van der Kamp ist ein Gestalter vor dem Herrn, der noch dazu mit einer eingänglichen und wirklich angenehmen Stimme ausgestattet ist! Und als ob das nicht schon genug wäre, hat er auch noch einen beeindruckenden Stimmumfang in der Tiefe. Was in den Stücken dieser Aufnahme auch immer wieder verlangt wird, z.B. ein tiefes C im Lamento Wie bist du denn, O Gott in Zorn auf mich entbrannt von Johann Christoph Bach.




    Cantatas for Bass,
    Harry van der Kamp, Ensemble auf historischen Instrumenten
    erscheinen bei SONY




    Fazit: Eine perfekte Aufnahme eines großartigen Sängers und ein eindrucksvolles Plädoyer für die Musik des deutschen Raumes im 17. Jahrhundert. Deshalb ist es um so unverständlicher, dass sie momentan nicht lieferbar ist. :angry:




    link zum Thread über den Sänger: Harry van der Kamp - Meister des Ungleichen



    herzliche Grüße,
    Thomas

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  • Es folgt eine Empfehlung etwas anderer Art, nämlich eine Aufnahme zeitgenössischer Chormusik, a capella Werke von Eric Whitacre, gesungen von den Brigham Young University Singers unter Ronald Staheli .


    Die Aufnahme enthält sämtliche a capella Werke, die Whitacre, ein junger Komponist Jahrgang 1970, in den Jahren zwischen 1991 und 2001 komponiert hat. Das sind folgende Stücke:


    Water night
    three songs of faith
    Cloudburst
    Sleep
    Three flower songs
    When David heard
    Lux aurumque
    Leonardo dreams of his flying machine


    Whitacre schreibt Musik, die im Großen und Ganzen tonal ist, die aber immer wieder dissonante Akkorde von Sekundreibungen bis hin zu Clustern enthält. Diese Akkorde machen oftmals grade den Reiz der Stücke aus. Und sie machen vor allem deswegen Spaß, weil der Chor das ganz vorzüglich singt. Da gibt es kein Rumgeeier, selbst schwierig zu singenden oder schnell wechselnde Akkorde stehen sofort und glasklar. Diese technische und intonatorische Perfektion des Chores ist der Schlüssel zum genußvollen Hören dieser Werke. Da merkt man erstmal, wie schön derartige Akkorde sein können, wie weich das klingen kann! Dazu kommt noch der wahnsinnig schöne Chorklang der Brigham Young University Singers, weich und rund, saftig und brilliant, von zupackend bis luftig leicht. Mit kräftigem breiten Baßfundament, auf dem die hohen Stimmen sicher ruhen und glänzen können. Und um dem ganzen die Krone aufzusetzen, auch noch mit perfekter Textverständlichkeit.


    Drei Werke möchte ich besonders hervorheben. Zum einen Sleep, geschrieben 2000. Man wird in eine abendlich nächtliche Stimmung voll eingesogen, von ein Stück, so sanft wie ein warmer Lufthauch, man wird wie von einem Nebel eingehüllt, der Geborgenheit schafft und eine herrlich erholsame Ruhe verbreitet.


    Zum anderen When David heard von 1999, welches ein völlig gegenteiliges Stück ist. Dem Stück liegt eine Textstelle aus der Bibel zugrunden, wo König David vom Tode seines abtrünnigen Sohnes Absalom erfährt und sich darufhin schmerzerfüllt zurückzieht, dessen Tod bitter beklagt und immer wieder ausruft, lieber selbst an Stelle des Sohnes umgekommen zu sein. Whitacre zieht den Hörer tief in die Klage und die Verzweiflung des trauernden Vaters hinein. Das Weinen steigert sich immer mehr und führt den Sopran langsam in höchste Höhen, um dann entkräftet in sich zusammenzusinken. Diese höchst emotionalen 15 Minuten sind jedenfalls nichts für schwache Nerven.


    Und schließlich Leonardo dreams of his flying machine von 2001. Ein Stück, dessen Wurzeln im Madrigal des frühen 17. Jahunderts liegen. Hier hat Whitacre bei Monteverdi et al. einiges abgelauscht. Mal kommen die Madrigalismen quasi pur daher, mal integriert der Komponist sie in seine Tonsprache. Der Titel des Stückes sagt schon alles, worum es geht. Der Text von Charles Silvestri wurde ergänzt durch kurze Einträge aus Leonardo da Vincis Notizbürchern. Und am Ende hebt dann die Flugmaschine tatsächlich ab.




    Eric Whitacre: Complete a Cappella Works


    Brigham Young University Singers
    Ronald Staheli




    herzliche Grüße,
    Thomas

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  • Nachdem ich weiter oben schon eine Messe von Antoine Brumel mit dem Huelgas Ensemble empfohlen habe, hält nun eine weitere Aufnahme (und es wird nicht die letzte sein) dieses erstaunlichen Ensembles Einzug in meinen Klassikkanon: das Requiem von Jean Richafort.


    Es sind vergleichsweise viele Werke von ihm überliefert, selbst lange nach seinem Tod fanden sie noch in Veröffentlichungen einzug. Auch haben viele seiner Kollegen - darunter sind große Namen wie Morales oder Palestrina - seine Werke als Grundlage für eigene Stücke benutzt, z.B. für Parodiemessen. Um so erstaunlicher ist es, dass bei aller Wertschätzung durch seine Kollegen über Richaforts Leben ist so gut wie nichts bekannt ist.


    Vermutlich hat Richafort das Requiem auf den Tod von Josquin Desprez - er starb 1521 - komponiert, der vermutlich sein Lehrer gewesen ist. Mehrfach zitiert er darin Werke aus Josquins Feder. Es ist ein grandioses Werk, einzigartig mit seinen großen Bögen trotz strenger kontrapunktischer Durcharbeitung. Man könnte sogar davon sprechen, dass die Melodie im Vordergrund steht, obwohl es keine ausgemachte Melodiestimme gibt. Es ist ein sanft dahinfließender Strom, der zugleich schmerzerfüllt aber auch tröstlich ist.


    Wie nun das Huelgas Ensemble dieses Werk zu Gehör bringt, kann man nicht anders als sensationell bezeichnen. Wie aus dem Fließen immer wieder einzelne Stimmen ganz behutsam aufblühen und wieder in den Strom zurückfinden, wie lange Haltetöne belebt werden, das ist atemberaubend schön und erzeugt eine unglaubliche Spannung. Dabei steht immer der Klang im Vordergrund, der Text dient fast nur als Beiwerk und ist dadurch manchmal nicht leicht zu verstehen, wobei französisch ausgesprochenes Latein manchem das Verstehen noch erschwert. Aber das ist kein Mangel des Chores sondern gehört zur Interpretation des Stückes. Allzu deutliche Artikulation würde wahrscheinlich eher störend wirken. Das Fließen der Musik geht immer bis zum verklingen des Schlußakkordes; ich habe selten so schöne Schlüsse gehört, wie in dieser Aufnahme! Wie beiläufig werden auch die immer wieder vorkommenden herben Dissonanzen in den ewigen Strom integriert.


    Der äußerst homogene, schön rund und volle Chorklang des Huelgas Ensembles bei perfekter Intonation machen die CD endgültig zu einer Aufnahme für die berühmte Insel.



    Neben dem Requiem enthält die CD noch drei Motetten und drei französische Chansons, darunter sogar ein Trinklied (Tru tru trut avant) - also krasses Kontrastprogramm zum Requiem. Hier zeigt sich, dass das Ensemble auch anders kann, zupackend, ausgelassen, mit sehr guter Textverständlichkeit, aber ohne den vielgerühmten Klang aufzugeben.




    Jean Richafort (ca. 1480 - 1547)


    Requiem in memoriam Josquin Desprez für 6 Stimmen
    Motetten: Laetamini in Domino; Sufficiebat nobis paupertas; Salve Regina;
    Chansons: Ne vous chaille mon cueur; Tru tru trut avant; Il n'est si douce vie


    Huelgas-Ensemble,
    Paul van Nevel
    Harmonia mundi



    herzliche Grüße,
    Thomas

    Da freute sich der Hase:
    "Wie schön ist meine Nase
    und auch mein blaues Ohr!
    Das kommt so selten vor."
    - H. Heine -

  • Mit der nächsten Empfehlung geht es noch viel weiter zurück in die Vergangenheit, nämlich in das mittelalterliche Paris an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert. Dort spielte sich - auf musikalischem Gebiet - wegweisendes ab: die Entwicklung von frühen mehrstimmigen musikalischen Formen mit bis zu vier Stimmen. Diese Entwicklung begann freilich schon viel früher, fand jedoch in besagtem Zeitraum seinen Höhepunkt. Zwar ist die Musik aus dieser Zeit heute unter dem Namen Notre-Dame Epoche bekannt, jedoch war wahrscheinlich die Kathedrale von Notre Dame in Paris nur ein Zentrum der Pflege und Entwicklung dieser Musik. Zeugnisse aus dieser Zeit sind allerdings sehr rar. Ursache für die Bezeichnung als Notre-Dame Epoche ist das Wirken von Pérotin (oder Perotinus magnus) an diesem Gotteshaus. Er gilt als bedeutendster Musiker der Epoche und er ist einer der wenigen, die überhaupt mit Namen bekannt sind.


    Die beiden Hauptformen, die durch die Notre-Dame Schule geprägt wurden, werden Organum und Conductus genannt. Die Unterschiede zwischen beiden sind allerdings eher marginal. Bei beiden Formen bildet einen Stimme mit sehr lange ausgehaltenen Tönen die Grundlage, auf der eine oder mehrere Stimmen mit oftmals schnellen Bewegungen ruhen. Das Organum verwendet dabei als Grundlage bekannte Choralmelodien und die Oberstimmen haben oft verschiedene Tempi. Der Conductus ist dagegen eine freie Komposition mit gleichem Rhythmus in den Oberstimmen. Während das Organum den mit der verwendeten Choralmelodie verbundenen Text verwendet, hat man beim Conductus freie Texte, oftmals in Versform, unterlegt.


    Für heutige Ohren ist diese Musik äußerst fremd. Viele werden die Akkorde als leer empfinden, denn Quarten und Quinten sind die dominierenden Intervalle. Die Terzenseligkeit späterer Musikepochen fehlt hier gänzlich, weswegen sich diese Musik auch völlig der Zuordnung zu Dur Moll entzieht. Nichtsdestotrotz gibt es aber auch heftige Dissonanzen, sehr oft direkt vor einem Schlußakkord. Angesichts der - aus heutiger Sicht - sehr reduzierten musikalischen Mittel und des repetitiven Charakters, wird sich mancher vielleicht an die Minimal Music des 20. Jahrhunderts erinnert fühlen.



    Nun aber zu einer herausragenden Aufnahme dieser Musik.




    Perotinus Magnus (ca. 1160 - ca. 1220)


    Conductus: Dum sigillum; Beata viscera
    Organum: Viderunt omnes; Alleluia posui adiutorium; Alleluia nativitas; Sederunt principes


    anonym überliefert (alles im Conductus-Stil):
    Veni creator spiritus; O Maria virginei; Isaias cecinit


    Hilliard-Ensemble
    ECM



    Diese Aufnahme enthält - wie die meisten anderen Aufnahmen mit Musik der Notre-Dame Epoche auch - die beiden berühmtesten Organa von Pérotin, nämlich Viderunt omnes und Sederunt principes, die beide vierstimmig sind und damit einen Höhepunkt der Organumtradition des Mittelalters darstellen. In einer der wenigen zeitgenössischen Quellen, dessen Autor namentlich nicht bekannt ist und heute als Anonymus IV bezeichnet wird, heißt es dazu: "...Perotinus der Große [...], der ein ausgezeichneter Diskant-Komponist war und besser als Leoninus. Dieser Meister Perotinus komponierte vortreffliche Quadrupla wie Viderunt und Sederunt, mit großer musikalischer Feinheit und Vollkommenheit."


    Genau das Gleiche trifft nun auf die Einspielung mit dem Hilliard Ensemble zu, sie ist von musikalischer Feinheit und Vollkommenheit. Nicht nur die technische Seite der Ausführung, also Intonation, Homogenität und Balance der Stimmen etc., sind damit gemeint, sondern auch die interpretatorische Seite. Die Hilliards singen diese Stücke mit großer Intensität und Dichte und entwerfen dadurch ein lebendiges Bild der Zeit, man fühlt sich tatsächlich ins Mittelalter zurückversetzt. Die oben schon angesprochene Fremdheit dieses Stils macht selbst für jemand wie mich, der schon einiges davon gehört hat, die Musik ungeheuer reizvoll.



    herzliche Grüße,
    Thomas

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    - H. Heine -

  • Mit meiner nächsten Empfehlung geht das fröhliche Springen durch die Jahrhunderte weiter. Nun vom Mittelalter um gut 300 Jahre zurück in die Renaissance.


    Cristóbal de Morales hat wahrscheinlich den Requiem-Text mehrfach vertont, aber nur ein fünfstimmiges Requiem kann ihm mit Sicherheit zugeordnet werden. Daneben sind von ihm aber noch etliche mehrstimmige Teile des Officium defunctorum überliefert. Einige davon hat nun Jordi Savall mit dem Requiem à 5 zusammen auf Platte gebannt.


    An den Anfang der CD stellt Savall die Officium-Teile. Und das ist auch gut so, denn diese Stücke sind vom musikalischen Gehalt sehr schlicht gehalten. Sie sind zwar mehrstimmig, aber mit Ausnahme der Motette Circumdederunt me gemitus mortis über weite Strecken homophon gehalten und damit kaum mehr als mehrstimmige Textrezitationen. Morales unterbricht diese Rezitation immer wieder durch refrainartige, kurze Abschnitte, in denen etwas mehr passiert. Savall läßt letztere vom Tutti singen, die noch von Baßinstrumenten gestützt werden, die Rezitationen dagegen werden nur von einer kleineren Gruppe gesungen.


    Um so beeindruckender ist dann die Wirkung des polyphonen Requiems. Nach einer kurzen gregorianischen Intonation beginnt der Introitus mit ruhig fließenden Klängen, zum Ensemble kommen nun auch Blasinstrumente hinzu.


    Im Vergleich zu anderen Vertonungen des Requiem-Textes aus der Zeit, ist Morales' Vertonung schlicht und introvertiert.


    Auch in dieser Aufnahme zeigt sich Savall wieder als Meister darin, solch alte Musik lebendig werden zu lassen. Es gibt meines Erachtens Musik, die nur im Konzerterlebnis ihre unmittelbare Wirkung voll entfalten kann, während anderes auch im heimischen Wohnzimmer rüberkommt. Die Musik auf dieser CD gehört zur ersten Kategorie. Wie es Savall nun mit seinen Sängern und Instrumentalisten gelingt, die im ersten Eindruck doch recht eintönigen Stücke des Officium defunctorum so zu gestalten, dass man auch beim CD-Hören davon ergriffen wird, das ist phänomenal!


    Dazu kommt der wundervolle homogene Klang seines Ensembles aus Sängern (nur Männerstimmen), Gamben und Blasinstrumenten (Zink, Posaunen, Fagott, Serpent) und Orgel. Die Stimmen der Sänger und Instrumente mischen sich so perfekt, dass nicht immer mit Sicherheit gesagt werden kann, ob und welches Instrumente gerade mitspielen.





    Cristóbal de Morales (1500 - 1553)


    Officium Defunctorum & Missa pro defunctis


    La Capella Reial de Catalunya, Hespèrion XX
    Jordi Savall
    erschienen bei Astrée



    Zum Schluß noch der Hinweis auf den Thread zum Komponisten dieser Aufnahme: Cristóbal de Morales, der spanische Renaissance Meister



    herzliche Grüße,
    Thomas

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  • Georg Christoph Wagenseil hat viele große Namen (heute) als Zeitgenossen - und steht tief in deren Schatten. Zu Unrecht, wie ich meine - und wie man an seinen Sinfonien leichtlich hören kann.


    Seine Sinfonien sind wie ein nie enden wollender Quell von Ideen und Wendungen, die höchst originell sind. Da gibt es verspieltes, witziges, dramatisches, erhebendes, fröhliches, etc... Keine Spur von Baukasten-Kompositionen, wie man sie bei vielen Kollegen am Übergang Barock-Klassik findet - zumindest nach mein Eindruck. Keine Spur auch von klebriger Süßigkeit oder in Eleganz erstarrter Langeweile. Hier geht es richtig zur Sache! Sprudelnd und wild zuweilen, aber nie banal werdend.


    Ganz hervorragend eingespielt wurden fünf dieser Sinfonien vom L'Orfeo Barockorchester unter der Leitung von Michi Gaigg. Man kann gar nicht anders, als diese CD "furios" zu nennen. Die expressive Lebensfreude, die aus den Werken spricht, wird durch das Orchester vervielfacht. Wie die zupacken können, ohne dabei häßlich im Klang zu werden, das ist fabelhaft. Und genauso gut gelingen auch lyrische Passagen.


    Weil's so schön treffend ist und genau meine Eindrücke wiedergibt, möchte ich dazu Theophilus zitieren:


    Zitat

    Beim Hören sind aber meine Lauscher immer länger geworden und ich musste mir die Scheibe gleich ein zweites Mal durchhören. Wenn das ein HIP-Ensemble ist, dann eines, das einem diese Tatsache nicht permanent akustisch ins Gesicht schleudert, im Gegenteil. Da wird auf beeindruckende Weise im Ensemble gespielt, federnd und mit oft unglaublichem Drive, dabei immer höchst kultiviert und klangschön. Vermutlich würde bei einem direkten Vergleich mit z.B. der ASMF die andere klangliche Ausrichtung deutlich auffallen, aber für sich alleine gehört verschwendet man keinen Gedanken daran, sondern erfreut sich einfach an diesem exzellenten Musizieren.





    Georg Christoph Wagenseil (1715-1777)
    Symphonien WV 351, 413, 418, 438, 441


    L'Orfeo Barockorchester,
    Michi Gaigg
    erschienen bei cpo



    herzliche Grüße,
    Thomas

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  • Nachdem weiter oben schon die Ur-Vertonung der Orpheus-Sage durch Claudio Monteverdi unter meinen Unverzichtbaren zu finden ist, so sehe ich mich gezwungen, den Orpheus von Georg Philipp Telemann ebenfalls zu nennen.


    Telemanns Orpheus basiert auf einer gleichnamigen Oper von Louis Lully, dem Sohn vom Obergeneralhauptspitzenmusikus des Sonnenkönigs. In dieser Oper wurde die bekannte Geschichte um Orpheus und Eurydike um eine entscheidende Part erweitert: nämlich um Orasia, die thrazische Königswitwe, die mehr als nur ein Auge auf Orpheus geworfen hat. Sie ist es, die für Eurydikes Tod durch den Schlangenbiss sorgt, in der Hoffnung, dann Orpheus für sich gewinnen zu können. Der hat aber nichts besseres zu tun, als in die Unterwelt hinabzusteigen und seine Braut wieder an's Licht zu führen. Außer sich vor Wut erwartet Orasia die beiden am Tor zu Unterwelt, bereit ihren Mord zum zweiten Mal auszuführen. Wie man weiß, ist das aber gar nicht nötig, weil sich Orpheus nicht an Plutos Umdrehverbot hält. Ohne weiteren Lebenswillen weist Orpheus Orasias Ansinnen zurück und ergibt sich seiner Trauer. Orasia ist außer sich und ruft die Bacchantinnen herbei, die den Unglücklichen zerreißen. Als sie wieder zu sich kommt, bereut sie aber ihre Tat bitterlich, ist aber noch mehr entsetzt darüber, dass Orpheus und Eurydike nun wieder vereint sind. So nimmt sie sich konsequenter Weise auch das Leben, um die beiden Liebenden auch noch im Jenseits zu verfolgen.


    Hier gibt es übrigens eine bemerkenswerte Parallele zu Monteverdis Orfeo, denn es gibt neben dem bekannten happy end mit Jupiter als deus ex machina auch hier das tragisches Ende mit dem Tod des Orfeo durch die Bacchantinnen. Soweit ich weiß, ist dieses Finale aber nur als Textfassung überliefert.


    Telemann Musik zeichnet sich durch eine Vermischung der verschiedenen europäischen Nationalstile aus. Zwar ist Telemann ohnehin bekannt als Meister des vermischten Geschmacks, aber hier nutzt er das auf besonders einfallsreiche und subtile Weise aus. So sind beispielsweise Wutausbrüche in italienischen da-capo Arien, herzzerreißende Liebesseufzer in französische Airs gegossen. Und nicht musikalisch ist die Oper multilingual, denn zur Musik wird auch die entsprechende Sprache benutzt. Johann Mattheson, Hamburgs Kritikerpapst zu der Zeit - er war mit Telemann befreundet, was ihn aber nicht von scharfzüngiger Kritik abhielt - bezeichnete die Oper deswegen als elenden Mischmasch. Tja, auch Kritiker sind nicht vor Irrtümern gefeit...



    Musikalisch, dramatisch, interpretatorisch ist diese Aufnahme einfach umwerfend. So lebendig und mitreißend, jede Regung voll auslotend und -kostend. Man fühlt das Herzklopfen zwischen Orpheus und Eurydike, man spürt die Erlösung, die sich durch Orpheus' himmlischen Gesang in der Unterwelt breit macht, man vergießt mit Orpheus zusammen Tränen der Trauer ob des zweifachen Verlustes seine Angebeteten, man fühlt selbst die Wirrungen der meuchelnden Orasia hautnah nach.





    Georg Philipp Telemann (1681 - 1767)
    Orpheus oder Die wunderbare Beständigkeit der Liebe


    Dorothea Röschmann ..... Orasia
    Roman Trekel ................ Orpheus
    Ruth Ziesak ................... Eurydike
    Maria Cristina Kiehr ......... Ismene
    Werner Güra ............... Eurimedes
    Isabelle Poulenard .......... Cephisa
    Axel Köhler ...................... Ascalax
    Hanno Müller-Brachmann ..... Pluto


    RIAS-Kammerchor, Akademie für Alte Musik Berlin
    Rene Jacobs
    erschienen bei harmonia mundi



    herzliche Grüße,
    Thomas

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  • Heinrich Finck ist einer der ersten deutschen Komponisten, der uns namentlich bekannt ist. Viel ist aber nicht über sein Leben bekannt, lediglich sein häufigen Wechsel des Arbeitgebers sind überliefert. So war er in der Kapelle des polnischen Königs, in der Stuttgarter Hofkapelle, in Salzburg und zuletzt in Wien angestellt. Obwohl die prestigeträchtigsten Posten seiner Zeit anderen vorbehalten waren, war er der erste deutsche Komponist, dem die Ehre einer Gedenkmünze zuteil wurde. Diese Münze dürfte zugleich auch das einzige Bildnis sein, das von ihm überliefert ist. Sie zeigt Finck im Profil, mit beeindruckender Hakennase, und bezeichnet ihn als Musicus Excellentissimus.


    Das Ensemble Stimmwerck, bestehend aus vier Sängern, hat neben der Missa Dominicalis - also einer Messe für den normalen Sonntag - eine Reihe von vierstimmigen Liedern aufgenommen und so einen halbwegs repräsentativen Querschnitt von Fincks Werken erstellt.


    Die vier Sänger von Stimmwerck harmonisieren perfekt miteinander und pflegen einen warmen, angenehm entspannten Klang. Sie lassen die Töne fließen ohne jemals zu forcieren. Besonders beeindruckt dabei der Countertenor Franz Vitzthum, bei dem selbst die höchsten Töne niemals unkultiviert oder schrill werden. Das ist vokale Klangkultur vom Feinsten!



    Heinrich Finck (1444-1527)
    Missa Dominicalis
    Lieder: Von hin scheid ich; Auf gut Gelück; O schönes Weib;
    Habs je getan; Mein herzigs G; Ach herzigs Herz


    Stimmwerck
    (Franz Vitzthum, Countertenor, Klaus Wenk & Gerhard Hölzle, Tenor, Marcus Schmidl, Baß)
    erschienen bei Cavalli Records



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    Thomas

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  • Servus,


    die Passionszeit ist zwar vorbei, aber das soll mich nicht davon abhalten, dem interessierten Hörer Musik passend zu dieser Zeit ans Herz zu legen. Es handelt sich um die Klagelieder des Jeremia, komponiert von Jachet de Mantoue, der mit bürgerlichem Namen Jacques Colebault hieß.


    Der Text entstand nach der ersten Zerstörung Jerusalems durch Nebukadnezar fast 600 Jahre vor Christi Geburt. Es geht darin um die Schilderung der verwüsteten Stadt und des Tempels, um das Leid der Menschen. Allerdings wird der eigentliche Verursacher der Tragödie nicht erwähnt, sondern die Zerstörung als Strafe Gottes beschrieben. Entsprechend schließt jede Abschnitt mit der Aufforderung, sich wieder Gott zuzuwenden (Ierusalem convertere ad Dominum Deum tuum). Und hier knüpft auch die christliche Tradition an, diese Klagelieder in der Karwoche zu lesen oder zu musizieren.


    Viele Komponisten haben sich des Textes mit seinen starken Bildern angenommen und in Töne gesetzt. De Mantoues Version stammt aus der Mitte des 16. Jahrhunderts.


    Mit feiner Stimmbalance singt das nach dem Komponisten benannte Ensemble, das bis in die hohen Stimmen ausschließlich mit Männern besetzt ist. Die Stimmen harmonieren prima und auch an der Interpretation gibt's nichts zu mäkeln - im Gegenteil. Tiefsinnig und ausdrucksstark zeichnen die fünf Sänger die schrecklichen Ereignisse nach, rufen zu Kontemplation und zur Besinnung auf das Wesentliche auf.


    Zusätzlich wird der Text in einer französischen Übersetzung durch den Schauspieler Michael Lonsdale vorgetragen, in einer Eindringlichkeit, die dem Gesang in nichts nachsteht. So ergibt sich ein sehr stimmungsvolles harmonisches Ganzes.




    Jachet de Mantoue (1483 - 1559)
    Lamentations de Jérémie


    Ensemble Jachet de Mantoue
    Michael Lonsdale, Sprecher
    erschienn bei Calliope



    herzliche Grüße,
    Thomas

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