Die Bartoli

  • Liebe Taminos,
    *schadenfroh kicher, wirklich gemein* Jaaaa, der besagte Auftritt bei der Echo-Verleihung habe ich auch gesehen und meine Meinung dazu ist so ziemlich genau dieselbe wie beim werten Gioachino :hello:


    Aber gerechtigkeitshalber muss man natürlich dazu sagen, dass die Musikindustrie eben solche Dinge diktiert...jeder kann einen schlechten Tag erwischen...sie fühlt mit dem armen Bocelli mit, oder soll ich sagen mit seinem Gesang, der Paul Potts erblassen läßt?...oder sonstwas. Das, denke ich mal, schmälert die Künstlerin Bartoli in keinster Weise. Aber der Auftritt hat mich schon gehörig an der Glaubwürdigkeit solcher Preisverleihungen zweifeln lassen, das muss ich ganz naiv und ehrlich sagen!


    Alles Liebe,
    Eure


    Theodora

  • Zitat

    Original von Theodora
    Das mit dem Entstauben wird bestimmt, genauso wie der Enthusiasmus von C.B. für Musik, der Signora auch von der Nachwelt hoch angerechnet. Die Frage ist nun, ob es nicht doch eine sehr gelungene Idee war, dem Vergleich mit anderen Divas aus dem Weg zu gehen, indem man Alben veröffentlicht mit den Sachen, die ansonsten niemand zum Besten gibt, so dass eine Vergleichsbasis fehlt?:stumm::stumm:


    Das stimmt ja nun nicht: Gerade jene Arien bzw. Stücke, die Bartoli im Vivaldi-Album oder in Opera proibita singt, gehören mittlerweile zum Standardrepertoire von z.B. M. E. Cencic oder Simone Kermes, teilweise bei Jaroussky oder auch Andreas Scholl zu finden. Es sind also jede Menge Vergleichsmöglichkeiten am Markt... sicher habe ich noch einige Interpreten vergessen.


    Sollte es der ursprüngliche Plan der Diva gewesen sein, eine Art Monopolstellung zu erhaschen, so hat sie die Rechnung ohne den Wirt gemacht...


    Zitat

    Dabei meinte ich unter den besagten Sprüngen nicht unbedingt den Vivaldi, den ich ansonsten sehr gern mag und oft höre (also vivaldsche Sprünge stören mich sonst nicht im Geringsten), sondern etwas Anderes, was man bei Bartoli auch dann hört, wenn sie Rossini oder Mozart gibt, das ist eben dieses Spezifische, was man als "Koloratur-Mezzo" bezeichnet und was in der Stimme liegt oder auch in ihrer Art zu singen, das kann ich nicht so genau sagen und diese Tiefe von Mezzo mit den Höhen eines Soprans verbindet. Das empfinde ich als unharmonisch, auch wenn es möglicherweise etwas Seltenes und Besonderes ist.


    Ich kann nicht sagen, ob es sich bei dem Beschriebenen um ein Bartolispezifikum handelt - jedenfalls mag ich Mezzosoprane sehr gerne [lieber als Soprane, nicht ganz so gerne wie Alte], denn gerade die Tiefen der Stimme mag ich [und auch das lieber als deren Höhen], wobei der krasse Gegensatz von Höhe und Tiefe mich stets in Ekstase bringt... :D - und das nicht nur bei Bartoli :P


    :hello:


    Ulli

  • Liebe Theodora, so charmante und begeisterungsfähige, dazu noch begabte Damen wie Du werden doch nicht verprügelt!!! Hast du überhaupt schon mal prügelnde Feen gesehen?????? :D



    Es ist wahr, an der Bartoli scheiden sich die Geister und ich bin da keinesfalls frei von Ambivalenz!
    La Santa Cecilia ist eine sehr irdische Person und wandelt immer wieder auf den schmalen Graden zwischen mitreissender Emphase und dem "zu viel".


    Ihre Musikalität und künstlerische Mission sind für mich das non plus ultra und damit übertrifft sie einen sehr grossen Teil der singenden Kollegenschaft bei weitem.


    Dass sie des öfteren die Grenzen des guten Geschmacks überschreitet, scheint mir zu ihrem überbordenden Temperament zu gehören.
    Das fängt wirklich bei der Kleidung an und hört bei der Mimik auf.
    Auf der einen Seite imponiert mir diese leidenschaftliche Unbekümmertheit,mit der sie schon seit 20 Jahren ihr Ding durchzieht, andererseits kann ich Reaktionen der Abwehr nachempfinden.


    Da ich 50% süditalienische Verwandtschaft und eine Menge Erfahrung mit den dramatisch-pathetischen Übertreibungen der Stiefelbewohner habe, liegt mir das wahrscheinlich einfach näher als euch.


    Rein gesanglich, hat sie mir schon von Anfang an in den lyrischeren Stücken besser gefallen als mit reinem Koloraturrepertoire. Hast du, liebe Theodora je ihre CD "Arie Antiche" gehört?
    Das ist, glaube mir, der Hammer! :faint:
    Dort zeigt sie einfach nur ihre wunderschöne und so modulationsfähige Stimme, ein ganz warmes Timbre und eine überwiegend schlichte und daher ergreifende Interpretation.
    Was die Koloraturen angeht:
    Ich habe mich schon immer gefragt, wie ihre Technik der "Gesichtsverzerrung" funktioniert, aber sie tut es .
    Das muss mir genügen. Auf der Gluck-Cd hat sie mich mit enigen Arien wirklich vom Hocker gerissen-dort ist sowohl das lyrische wie auch das beweglcihe Element gefragt und Beides erklingt in Perfektion.


    Da ich Bartoli auch live kenne: ihr Temperament reisst einfach unwiderstehlich mit. Das, was sie ausstrahlt, ist echt.
    Deshalb überwiegt bei mir trotz einiger Kritik das Bewundernde.


    Gerade auch im Malibran-Projekt-siehe oben- hat sie einmal mehr all ihr Engagement, ihre Musikalität und künstlerische Mission mit Erfolg zum Tragen gebracht.


    Andere singen, was ihnen vorgesetzt wird- die Bartoli forscht in Archiven, hat zündende Ideen und setzt sie mit allem Aufwand in die Tat um.



    Da ich kein TV habe, habe ich von der obengenannten Verleihung ncihts mitbekommen.
    Bocelli ist natürlich ihr Landsmann(wenn auch nciht aus Rom sondern aus der Toskana stammend)- allein das ist für eine echte Italinerin Grund genug, mit ihm zusammen aufzutreten. ;)
    Dramatischen Brokat mit Schleppe finde ich immer noch besser, als die schweinchenrosa Wurstpelle, in die sie in der Berliner Philharmonie eingenäht war und die bei jedem tiefen Atem zu platzen drohte...... :D



    F.Q.

  • Liebe Taminos,


    @Fairy
    Danke für die Blumen!:lips: aber Feen sind ja bekanntlich tückische Geschöpfe (s. irische Märchen), deswegen wer weiss...;) :D wirst dann verprügelt schneller als du gucken kannst!


    Na, das ist ja nun wirklich kein Problem, die Sachen, die auf den staatlichen Sendern laufen, sind alle online zu sehen, und zwar einige Zeit lang nachdem die Sendung gelaufen war, ZDF hat einen umfassenden Sendungsarchiv. Also kannst Du dir die Geschichte auf jeden Fall noch ansehen! Ein Kommentar ist sehr erwünscht!


    Du hast Recht, was den Charakter und die Ausstrahlung von CB angetrifft. Ein bisschen erinnert sie mich an meine Schullehrerin in Geschichte, die so begeistert von ihrem Fach war, dass sie nicht davor zurückschreckte, auch gelegentlich die Stimmen der historischen Personen nachzuahmen. :D Das ist wirklich sympatisch, da hast Du schon Recht.


    Was den Gesang anbetrifft, so bin ich vom Geschmack her eher Freundin des kultivierten Gesangs, differenziert und komplex und dadurch vielleicht weniger begeisternd. Jemand, der immer Extreme an den Tag legt und wie Du sagst "an der Grenze des guten Geschmacks" balanciert, ist mir einfach vom Prinzip her suspekt. Aber die Ausstrahlung hat die Dame, da hast Du schon recht.


    Ulli
    Ich komme aus dem Land der Mezzosoprane, natürlich liebe ich sie auch!!! Aber CB hat keine "normale" Mezzostimme, verglichen sowohl mit Urgestein wie Obrastsova oder Simionato als auch mit frischem Grün wie Garanca oder mit so tiefen Stimmen wie etwa von Kasarova, die ich allesamt unheimlich gern habe! Irgendwas ist an ihrer Stimme ganz anders...


    Alles Liebe,
    Eure


    Theodora

  • Zitat

    Original von Theodora
    Ulli
    Ich komme aus dem Land der Mezzosoprane, natürlich liebe ich sie auch!!! Aber CB hat keine "normale" Mezzostimme, verglichen sowohl mit Urgestein wie Obrastsova oder Simionato als auch mit frischem Grün wie Garanca oder mit so tiefen Stimmen wie etwa von Kasarova, die ich allesamt unheimlich gern habe! Irgendwas ist an ihrer Stimme ganz anders...


    Ist mir irgendein Landstrich auf dieser Welt entgangen? ?( :D


    Die Bartoli hat Gott sei Dank keine Fabrikstimme, sondern eine individuelle Färbung, durch die sie sofort erkennbar ist. Solche Stimmen schätze und suche ich...


    :hello:


    Ulli

  • Liebe Theodora, das was bei der Bartoli so ganz anders ist, ist m.E. dass sie kein dramatischer Mezzo, wie deine geliebten Landsmänninnen ist, sondern SEHR nahe am Sopran liegt. Sie kommt ja auch daher nicht auf die Idee eine Olga, oder Azucena oder Dalilah oder Amneris zu singen
    Manche halten sie ja sogar für einen verkappten Sopran.
    Das Timbre und das Volumen eines dramatischen Meezos hat sie nicht und ich würde mich schlichtweg weigern, solche Stimmen überhaupt in das Korsett eines Stimmfachs zu schnüren.
    Sie ist Bartoli und fertig.


    Mir imponiert sie aus den im letzten Posting und meiner Cd-Besprechung Gründen, aber ich bin alles Andere als ein kritkloser blinder Fan.
    Wie ihre Gesangstechnik funktioniert, verstehe ich einfach nicht-sie tut nämlich oft genau das, was mir alle Lehrer strikt verboten haben( z.B. das "Grimassenschneiden" beim Koloratursingen)- aber bei ihr funktioniert es und hat ihren Ruhm begründet.
    Ich würde sehr gerne mal ihre gesangstechnik näher kennenlernen-weiss dazu jemand etwas?


    Vieleleciht ist sie einfach so eine Einzelerscheinung wie Callas, obschon ich sie keinesfalls mit La Divina vergleiche!


    F.Q.



    Und keine Sorge: ich bin eine ganz und gar untückische Fee :angel:-es sei denn, ich habe es mit Verlogenheit und Heuchelei zu tun, was aber bei dir ausgeschlossen ist.

  • Liebe Taminos,


    @Fairy
    da bin ich ja erleichtert :D:D untückische Feen sind selten zu finden! Ja, das mit der Technik, das kann ich ja auch hören, nur wegen Laienhaftigkeit kann ich es nicht richtig beschreiben! Ich kann einfach nur hören, dass da etwas ganz anders läuft als sonst bei Mezzos... Stimmt, das mit den Rollen hab ich auch bemerkt! Verkappt? Ist so etwas überhaupt möglich? 8o


    Ulli
    Ob Dir ein Landstrich entgangen ist? Tja, ich komme aus Russland, vielleicht wird jetzt Einiges klar! Angefangen mit Arkhipova mit ihrer schwarzen Stimme bis hin zu Borodina, dazwischen noch Obrastsova, Bogachiova - alles Mezzos! Von den Sopranen der Weltklasse haben wir ja eigentlich nur meines Wissens Wishnevskaya und Netrebko, früher mal noch Maslennikova, Gulegina und Gortshakova (die letzte nur ganz kurz), aber der Ruhm der letzten drei ist ja mit dem der Mezzo-Damen nicht zu vergleichen! Na, stimmen meine Informationen mit Deinen überein oder ist mir etwas etngangen?


    Alles Liebe,
    Eure


    Theodora

  • Liebe Theodora,


    ich blicke auf 45 Jahre Opernerfahrung zurück und denke über die Bartoli ähnlich wie Du! Die Stimme - ständig auf aufgeregten Hochdruck - empfinde ich einfach nur enervierend. Und nicht nur bei Vivaldi. Also, jetzt sind wir schon zwei, aber es gibt sicher noch mehrere die so empfinden!


    Liebe Grüße aus Wien -
    Margit

  • Hallo,


    Cecilia Bartoli (Mezzosopran, hoher Mezzosopran,…?)

    (Vielleicht von der Stimmgattung ähnlich indifferent wie M. Callas?)



    Versuch (m)einer Bewertung (überwiegend in Stichworten):



    1. Stimme: gut bis sehr gut


    Guter Stimmumfang (‚kommt da noch mehr?’); hervorragende Resonanz; große Geschmeidigkeit in Forte und Piano, wenn auch im Piano der Hang zu ‚gehauchter Tonproduktion’ besteht; guter Registerausgleich; Intonation ist befriedigend; Der so genannte „lange Atem“ ist mit gut bis befriedigend einzustufen; gute Atemtechnik; sehr gute Tragfähigkeit trotz kleinerer Stimme (Aber: C. Bartoli ist keine Wagner-Sängerin, und man muss wohl davon ausgehen, dass die Dimensionierung der Stimme mit der „Geläufigkeit der Kehle“ im Zielkonflikt stehen kann.); extreme Beweglichkeit und Elastizität der Stimme.


    Technik: sehr gut (mit kleinen Abstrichen)


    Gutes Legato; Aber: Ich zitiere die Fachleute, denn das kann ich mangels Wissens nicht beurteilen: Th. Seedorf macht, zitiert nach J. Kesting, den Verzicht auf die wichtigen Portamenti, d. h. das Tragen der Stimme durch die Intervalle in Phrasen unter einem Bindebogen geltend (La Sonnambula); Triller, Koloraturen und Fiorituren brillant; gutes und (manche sagen: aber) ausgeprägtes Vibrato – Man muss aber feststellen: Es handelt sich um „nachempfundenen Belcanto“ und da gehört es m. E. dazu!


    (Stimmliche) Expression: sehr gut


    Hervorragende Klangschattierungen; werkgetreue Interpretationen der Rollen (seitens der Stimme); sehr gute Charakterzeichnungen; gewissenhafte Vorbereitung auf Werk und Rolle; überragende stimmliche und darstellerische Intensität, immer präsent; alle emotionalen Zustände werden mit der Stimme nuancenreich, virtuos und überzeugend dargestellt; sehr kontrastreicher und rollengerechter Gesang; Die Lust am Singen und Spielen ist (fast) immer vorhanden und ansteckend; Dieser begeisternde Gesang ist vermutlich ein Grund dafür, dass sie manchmal über das Ziel hinausschießt, ist aber m. E. mit Nachsicht zu betrachten, da nur manchmal Ergebnis ihres hochemotionalen Gesangsstils; gute Rollenauswahl und –planung; hohe Musikalität.


    Timbre: sehr gut


    Wie an anderer Stelle oft betont, zählt für mich hier nicht der persönliche Geschmack, sondern die Unverwechselbarkeit durch die Individualität der Stimme! Das heißt: Der Wiedererkennungsfaktor.


    Als Liebhaber des "Wagner-Gesangs" und des "nachempfundenen Belcanto", weiß ich dieses zu trennen. Man sollte m. E. nicht versuchen, die Bartoli mit "Wagner-Ohren" zu hören.

    Für mich ist Cecilia Bartoli eine der "Großen Sängerinnen"!


    Und jetzt wieder zu den "Empfindungen" und den "Bauchgefühlen"! ;)



    Bis dann.




    Nachtrag:
    Ich vergaß: Unabhängig von meiner Bewertung trifft Cecilia Bartoli meinen subjektiven Geschmack voll und ganz! Jetzt könnte ich mit der Wortmalerei beginnen... ;)

  • Die Bartoli ist eine einmalige Erscheinung, die mit ihrem Temperament und mit ihrer technisch hervorragenden, individuellen Stimme jeden Konzertsaal zum jubeln bringt. Natürlich liegen ihre hervorstechensten Fähigkeiten auf dem Gebiet des virtuosen Koloratur-Gesangs. Wer dafür keine Ader hat, sollte die Bartoli nicht hören. Ich höre sie immer wieder sehr gerne und hoffe, daß ich noch lange ihre großartige Gesangskunst bewundern kann. die Bartoli unterscheidet sich wohltuend von der ganzen Schar ihrer "Mezzo-Kolleginnen".


    :hello:Herbert.

    Tutto nel mondo è burla.

  • Obschon ich die Santa Cecilia aus vielen Gründen als Vollblutmusikerin auch sehr bewundere, möchte ich Keith doch noch zu bedenken geben, dass ihre Technik sehr umstritten ist.
    Das Grimassieren und "der Stimme nachsteigen" beim Koloraturgesang funktioniert zwar in Sachen Beweglichkeit virtuos, geht aber leider auf Kosten des Volumens und der "Erträglichkeit" des visuellen Eindrucks für nciht wenige Zuschauer.
    Ich würde daher im Bereich Technik durchaus Abstriche machen. Musiklaität, Musicophilität (musikwissenschaftliche Forschungen, neues Repertoire) und mit - wie hinreissendes Bühnentemperament gleichen das m.E. aber vollkommen aus.


    F.Q.

  • Zitat

    Original von Fairy Queen
    Obschon ich die Santa Cecilia aus vielen Gründen als Vollblutmusikerin auch sehr bewundere, möchte ich Keith doch noch zu bedenken geben, dass ihre Technik sehr umstritten ist.
    Das Grimassieren und "der Stimme nachsteigen" beim Koloraturgesang funktioniert zwar in Sachen Beweglichkeit virtuos, geht aber leider auf Kosten des Volumens und der "Erträglichkeit" des visuellen Eindrucks für nciht wenige Zuschauer....
    F.Q.



    Hallo,
    hallo Fairy Queen,


    ich habe gewußt, daß Du nicht lange auf Dich warten läßt. ;) :)


    Wer findet ihre Technik "sehr umstritten"...Herr Seedorf? ".
    Ich habe wie folgt bewertet: "Technik: sehr gut (mit kleinen Abstrichen)" (eigenes Zitat)


    Das Grimassieren", wie Du es nennst, finde ich nicht befremdlich...sondern sympathisch...Rollenidentifikation!...und auf Tonkonserve sehe ich nichts, sondern höre nur den Gesang (einschließlich der stimmlichen Expression).


    Schauspiel gehört zum Opernsänger, aber doch nicht zum Gesang i. e. S.? Und da kenne ich wesentlich schlimmere Beispiele der "Mimikkunst". :)


    Bis dann. :hello:

  • Interessant ist an C. Bartoli u. a., dass sie nicht so recht in die üblichen Schemen einzuordnen ist. Koloraturfach ja, aber welche Lage? Wahrscheinlich doch hoher Mezzo, denn das Timbre ist danach. Aber ihr steht der Sopran m. E. auch offen.


    Sicher hat eine solche Stimme nicht die Wärme einer Lyrischen, aber dies erwarte ich bei einer so fokussierten Singweise, die sie zwangsläufig an den Tag legen muss (sonst gehen diese halsbrecherischen Koloraturen nicht; viele Töne werden nicht im landläufigen Sinn "ausgesungen") auch gar nicht.


    Was die Grimassen betrifft, so muss ich feststellen, dass die Literatur der Bartoli eine enorme "Akrobatik" des Stimmapparats erfordert. Dies geht über das gängige Maß der durchschnittlichen Koloraturfähigkeit hinaus. Das sängerische "Ich - Gefühl" dieses Fachs ist mir fremd, aber ich kann mir bei Beobachtung der"Mechanik" dieses Gesangs vorstellen, dass es einer solchen Steuerung der Kiefer- und Gesichtsmuskelpartie ggf. bedarf; das Ganze also nicht Show oder technisches Unvermögen ist, sondern unvermeidlich. Ich habe das auch bei anderen hochqualifizierten Sängerinnen auch gesehen.


    Der " Hauptbruch" (verkürzt erklärt dort, wo Brust- und Kopfregister "zusammenstoßen") ist besonders schwer beim Koloraturgesang aufzufangen. Es muss viel Raum im Stimmerzeugungsbereich geschaffen werden, um nicht zu jodeln, sondern "Einregistertöne" in sehr schnellem Ablauf zu produzieren. Besonders tiefere Frauenstimmen, deren Partituren schwerpunktmäßig in diesem Tonbereich gesetzt sind, haben mit diesem schwierigen Segment einiges zu tun, um hier den optimalen Stimmsitz zu erhalten. Korrekturbewegungen speziell der Kiefer, retten wohl so manchen Ton vor dem Entgleiten.


    Das ist jetzt nur grob dargestellt, keine stimmbildnerische Abhandlung, sondern soll in etwa deutlich machen, welche körperliche Koordination hier dahintersteckt, die mit viel Geduld trainiert werden muss, auch von leichten Stimmen (schwere können auch Koloratur singen, aber das klingt eben anders, sperriger). Wer eine so "geläufige Gurgel" wie die Bartoli zeigen kann, hat auch die technik zur meisterschaft gebracht.


    Man kann es mögen oder nicht, keine Frage. Es ist nachvollziehbar, dass eine solche Stimme als kalt oder mechanisch empfunden wird. Aber es ist eine enorme Leistung, so zu singen, möglicherweise sogar mithilfe der "Grimassen".


    LG
    :hello:


    Ulrica

  • Ich empfinde ihre Stimme überhaupt nciht kalt oder mechanisch- im Gegenteil! Wer sich mal ihre Cd mit den "Arie Antiche" anhört, hört ein wunderbares Timbres, warm und rund, dazu ein äusserst gepflegtes Legato und eine angenehme und nciht übertriebene Virtuosität. Meine Lieblings-Cd der Bartoli(neben "Chant d'amour")- gerade weil sie am unspektakulärsten daherkommt.


    Was das Grimassieren bei Koloraturen angeht: ich kenne keine andere sehr gute Sängerin dieses Faches, die das in dieser Weise macht.(bitte um Namen)
    Eine solch überzogene Mimik geht zwangsläufig auf Kosten der ausgeglcihenen Resonanzen und damit des allgemeinen Klangvolumens und der Rundheit der Töne.


    Sie hat ihre Prioritäten gesetzt, was ich bei dieser Virtuosität absolut einleuchtend finde.
    Trotzdem muss man diese Art des Singens nicht kritiklos hinnehmen.
    Ich sehe das nciht als physiologische Notwendigkeit sondern als Wahl. Und diese Wahl stellt für etlcihe Zuhörer, wie wir hier lesen, eine arge Zumutung dar.
    "Was stört es die Eiche, wenn... " wird sich wahrscheinlich unsere Cecilissima denken :D


    F.Q.

  • Zitat

    Original von Fairy Queen
    Eine solch überzogene Mimik geht zwangsläufig auf Kosten der ausgeglichenen Resonanzen und damit des allgemeinen Klangvolumens und der Rundheit der Töne.
    [...]
    Trotzdem muss man diese Art des Singens nicht kritiklos hinnehmen.
    Ich sehe das nciht als physiologische Notwendigkeit sondern als Wahl. Und diese Wahl stellt für etlcihe Zuhörer, wie wir hier lesen, eine arge Zumutung [Hervorhebung von Philhellene] dar.


    Allerdings! Ich schließe mich jenen an, denen die Stimme der Bartoli ziemlich auf die Nerven geht. Schönes Timbre (das ist natürlich immer Geschmackssache!) hat sie meines Erachtens auch keines, eher ein migräneverursachendes.
    Außerdem hat sie ein extrem hauchiges Piano, in manchen Aufnahmen, die ich von ihr kenne, klingt sie für mein Empfinden schon fast wie eine Popsängerin, die sich an klassischer Musik vergriffen hat.


    :hello: Martin

  • Lieber Philhellene,
    ich möchte Dir einen medizinischen Rat geben.
    Damit Du die Migräne verhinderst, höre dir einfach die Bartoli nicht mehr an.
    Zur Genesung würde ich Dir Paul Potts verschreiben. :D


    :hello:Herbert.

    Tutto nel mondo è burla.

  • Zitat

    Zur Genesung würde ich Dir Paul Potts verschreiben.


    Aua! Das ging ja definitv ins Auge! :no: Und zwar auch der Fortunata und meiner Wenigkeit! Aber an einem Punkt hast Du völlig recht: Das muss man nich hören! Wenn ich Koloratura hören will oder Barock, dann greife ich doch lieber zu Diana Damraus CD, die verursacht bei mir keine Migräne! Und was lange fachliche Ausführungen über die Klangproduktion u.ä. angeht, so ist es ja völlig klar dass die Dame zum oberen Dutzend der Opernsängerinnen gehört. Sicher kann man ihre Stimme wiedererkennen - an dem begleitenden Migränenanfall! :baeh01:


    Belustigt,
    Eure


    Theodora

  • Zitat

    Original von keith63

    Für mich ist Cecilia Bartoli eine der "Großen Sängerinnen"!


    Dem, lieber Keith63, schließe ich mich sofort und ohne Abstriche an. Parteilich - wie ich da bin - lege ich ihre fantastische Gluck-CD zugrunde. Ich habe inzwischen mehrere "Ezios" gehört, aber keine der Interpretationen der Fulvia (Misera, dove son! ... Ah! non son io che parlo) hat die der Bartoli erreicht. Unsere Feenkönigin hat die Arie antiche genannt ...


    In keinem Fall hat mich Migräne o.a. gepackt, sondern Begeisterung und schlichte Bewunderung. Solange sie ihren Gluck so singt (schade, dass es da keine Gesamteinspielung gibt), darf sie bei mir einer freudigen Zustimmung sicher sein.


    Und wer sie nicht mag, da schließe ich mich Herbert an, kann ja weghören, gezwungen wird niemand.



    Liebe Grüße Peter

  • Hallo,


    "Nerven", "Empfindungen", "Bauchgefühl", "Migräne"...etc.


    Einige Damen und Herren haben anscheinend große Probleme mit ihrem Gefühlshaushalt bzw. ihrem Gesundheitszustand. ;)


    Die Unglücklichen und Kranken sollten sich doch bitte an einen Arzt oder Apotheker wenden, vielleicht kann auch Reiki weiterhelfen. Einen Thread gibt es. ;)

    Oder ein einfacher Tipp von mir: Ausschalten, aber dann kann man nicht mitreden...mitschreiben...auch schade. :baeh01:


    Bis dann.

  • Das Grimassieren", wie Du es nennst, finde ich nicht befremdlich...sondern sympathisch...Rollenidentifikation!...und auf Tonkonserve sehe ich nichts, sondern höre nur den Gesang (einschließlich der stimmlichen Expression).
    _________________________________________________________



    Da bin ich mit keith63 einer Meinung. Was für Schauspieler, Instrumenalisten und Dirigenten gilt, das gilt in besonderem Maße auch für Sänger. Die Mimik von C.Bartoli verstärkt den Gesang; man sieht im Gesicht, wovon sie singt. Eine Sängerin oder ein Sänger braucht kein Pokerface. Die Mimik ist natürlich bei einer Italienerin etwas anders, als z. B. bei einer Skandinavierin.


    :hello:Herbert.

    Tutto nel mondo è burla.

  • Lieber Peter,


    Es mag ja einige „Ezios“ geben, aber mit wem? Vielleicht sollten wir erst einmal den Ezio unter Curtis (DG) mit Ann Hallenberg abwarten. (Die Wiener könnten natürlich von der konzertanten Aufführung berichten).


    Generell fällt doch auf, daß die Bartoli in den letzten Jahren in sehr ausgesuchter Weise Konkurrenzinterpretationen meidet, bis auf die Sonnambula – und da ….


    Prinzipiell habe ich aber nichts gegen Raritätenprogramme. :D


    arimantas


    :hello:

  • Liebe Fairy Queen,


    als beispielsweise Doris Soffel dieses Fach (Koloraturmezzo) noch sang, ging das auch nicht ganz ohne Bewegungen im Gesicht und noch mehr in Erinnerung ist mir eine Portraitsendung über eine mexikanischstämmige aus dem Fach, die in Alaska lebt und hauptsächluch für Konzerte unterwegs ist, auch mit einem gewissen Bekanntheitsgrad, aber nicht die gnaz große Karriere. Aber, wie wir alle wissen, der Karrierestand sagt nicht immer etwas über das Können aus. Der Name ist mir entfallen, aber ich hörte diese Stimme sehr gerne. Eine hübsche Frau - und beim Singen mit Grimassen.


    Wie gesagt, man kann sich ja beileibe aussuchen, wen man hören will und vor allem auch, wie, live oder über CD. Eine wirkliche Zumutung wäre ein schlechter gesang.


    LG


    :hello:


    Ulrica

  • Also mich hat das Timbre der Bartoli sogar zu Tränen gerührt- hört euch mal ihr "Il mio ben, quando verra" von Paiesiello an oder "Hailuli "von Pauline Viardot oder so manche herrliche lyrische Stelle aus der Gluck- CD!


    Was da Migräne verursachen soll, will mir serh schlecht einleuchten. ?(


    Ich kann mir lediglich vorstellen, dass die manchmal sehr aufgeregt wirkenden Koloraturen so mancher virtuoser Raritäten im Zusammenhang mit der Mimik bei manchen Hörern für Nervosität sorgen. Tant pis!


    Bartoli bracuht keine Konkurrenz zu suchen, sie ist viel zu intelligent und neugierig , um immer nur dasselbe ausgelerte Rossini- und Mozart Repertoire zu singen. Das tun Andere reichlich.
    Sie interessiert sich für das Verborgene und ist eine echte Musikerin und ihr das zum Vorwurf machen zu wollen, finde ich doch ziemlich unerhört! :boese2:( das bitte nciht persönlcih nehmen, lieber geschätzter Arimanthas!!!!)
    Die Sonnambula habe ich ja bereits ausgiebig besprochen....... :wacky:


    Liebe Ulrica, sie ist m.E. ein etwas jenseits der heutigen Stimmfächer stehender Koloraturmezzosopran im Sinne des 19 JH.
    Die Seltenheit, das sich ein relativ dunkles Timbre mit eienr solchen Beweglichkeit verbindet und eine gute Höhenexpansion dazukommt, macht sie einfach zu etwas Besonderem.


    Ich glaube aber weiter, dass ihre Koloraturtechnik eine etwas absonderliche Variante ist, denn von all den Koloraturstimmen, die ich je erlebt habe haben nur zwei ausgesprochene Amateurinnen solche extremen Grimassen veranstaltet. Aber bei ihr funktionierst, also was solls? ;)


    F.Q.

  • Ich möchte gerne, wenn es erlaubt ist wissen, was in diesem


    Zusammenhang der hässliche Ausdruck Grimasse (Fratze )


    zu bedeuten hat ?


    :hello:Herbert,

    Tutto nel mondo è burla.

  • Zitat

    Original von arimantas
    ...Generell fällt doch auf, daß die Bartoli in den letzten Jahren in sehr ausgesuchter Weise Konkurrenzinterpretationen meidet, bis auf die Sonnambula – und da ….
    arimantas


    :hello:



    Hallo,
    hallo arimantas,


    wie Fairy Queen glaube ich nicht daran, das C. Bartoli "Konkurrenzinterpretationen meidet". Ihr Ruhm hat sich mit Mozart und Rossini begründet, und da gibt es Konkurrenz genug.


    Aber Du schreibst "in den letzten Jahren"; ich vermute eher, dass C. Bartoli lieber Neues ergründen und begründen möchte, ähnlich wie damals eine andere "Große Sängerin", als lediglich nur "ausgetretene Pfade" zu beschreiten.


    Bis dann.

  • Hallo,


    gerne möchte ich mich den von Cecilia Bartoli Begeisterten unter euch anschließen. Obwohl ich sonst absolut kein Opernfan bin, liebe ich Bartolis Gesang sehr. Sie singt gleichzeitig ausdrucksstark und beherrscht. Ihr dunkles Timbre ist, wie schon fairy queen schreibt, außergewöhnlich reizvoll.
    Daneben schätze ich auch sehr ihre Bemühungen um Vergessenes und erfreue mich an den schön gestalteten CDs.
    Vorletztes Jahr durfte ich sie live mit ihrem Opera prohibita-Programm erleben: Die Frau hat neben ihren fachlichen Qualitäten auch noch eine wunderbar natürliche und herzliche Ausstrahlung.



    Grüße


    tukan

  • Hallo,


    Nachtrag:


    Versuch (m)einer Stimmbewertung (s. o.):


    zur Technik:
    Vollkommen vergessen hatte ich ein für C. Bartoli hervorstechendes Merkmal: Die sehr gute Ausführung von (sehr) schnellen 'Passagen'('-läufen')!


    Bis dann.

  • Für alle Bartolifans ein Muss:



    Hab's live in Zürich gesehen und mich selten so amüsiert: Eine kluge, witzige Inszenierung und eine wunderbare Besetzung ohne Schwachstelle, allen voran La Bartoli und Charles Workman. :jubel: :jubel: :jubel: Ich warte schon seit zwei Jahren sehnsüchtig auf diese DVD, jetzt ist sie endlich da!
    lg Severina :hello:

  • Meldung aus der Händel-Stadt Halle an der Saale:


    Zitat

    Cecilia Bartoli wird mit dem Händel-Preis 2010 der Stadt Halle ausgezeichnet. Das Kuratorium der Stiftung Händel-Haus würdige damit ihre herausragenden Verdienste um die Pflege von Händels Musik sowie ihr Engagement für die Händel-Stadt Halle und die Stiftung Händel-Haus, sagte Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz (parteilos) am Donnerstag. Die Sängerin erhält die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung im Juni 2010 während der Händel-Festspiele in Halle.


    Der Preis wird seit 1993 für besondere künstlerische, wissenschaftliche oder kulturpolitische Leistungen, die im Zusammenhang mit der internationalen Händel-Pflege in Halle stehen, an Einzelpersönlichkeiten oder Ensembles vergeben.


    Quelle: ZDF (ddp-lsa).


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Hallo,


    Cecilia Bartoli ist für mich eine der besten Sängerinnen überhaupt: Was Händel, Haydn und Mozart angeht, kann man sie an Erfahrung und Professionalität nur schwer toppen.


    Begeistert bin ich von ihr spätestens seit ich von ihrem Engagement für die vergessene Diva Maria Malibran gehört hab...den ECHO für die CD mit Werken dieser Malibran hat sie sich echt verdient.


    Übrigens: Sergio Ciomei ist wirklich ein guter kompetenter Pianist, auch sehr, was historische Aufführungspraxis angeht. Deshalb hier ein Tipp: Er ist - wenn auch nur hintergründig - als Leiter bzw. Hammerklavier-Spieler auf der neuen CD von Sol Gabetta und dem Kammerorchester Basel mit Cellokonzerten von Hofmann, Haydn, Mozart zu hören.


    :hello:


    lg Helge