Beethoven, Klaviersonate Nr. 29 B-dur op. 106 "Hammerklavier-Sonate", CD (DVD)-Renzensionen und Vergleiche (2017)

  • Danke, lieber Holger, im übrigen habe ich noch drei Tipps aus der kommenden Saison für dich, zwei in Dortmund, und einen in Düsseldorf:


    am 7. Februar 2020 dirigiert Thomas Hengelbrock mit seinem Balthasar Neumann-Ensemble die berühmte Beethoven-Akademie vom 22. Dezember 1808 mit dem originalen Programm nach, und zwar auf der Basis der neuesten Erkenntnisse der wissenschaftlichen Forschung:

    - Beethoven, Sinfonie Nr. 6 F-dur op. 68 "Pastorale"

    - "Ah, Perfido", Szene und Arie op. 65

    - Glora und Sanctus aus der Messe C-dur op. 86

    - Klavierkonzert Nr. 4 G-dur op. 58

    - Sinfonie Nr. 5 c-moll op. 67

    - Choralfantasie op. 80;

    Solisten: Katharina Karneus, Mezzosopran, Kristian Bezuidenhout, Klavier; (Dauaer. rund vier Stunden)


    am 28. Februar 2020 dirigiert Adam Fischer in Düsseldorf Haydns Sinfonie Nr. 49 und Mahlers Sinfonie Nr. 6, natürlich spielen die Düsseldorfer Sinfoniker;


    Falls du dich auch für Beethovens Streichquartette interessierst, gibt es noch ein Mammutevent am 20. 6. 2020:


    Das Belcea Quartett und das Quatuor Ebene führen in zwei Konzerten um 15: 00 Uhr und 20:00 Uhr insgesmat acht Streichquartette auf. Die nächssten acht folgen dann in der Saison 2010/21, ich nehme an, noch im Jahr 2020, weil das ja das Beethvoen-Jahr ist. Das ist eine Angelegenheit von nationaler Größe und Bedeutung:

    15:00 Uhr: Q Nr. 1 op. 18 Nr. 1, Q Nr. 9 op. 59 Nr. 3, Q Nr. 2 op. 18 Nr. 2, Q Nr. 11 op. 95 "Quartetto serioso", Q Nr. 12 op. 127

    20:00 Uhr: Q Nr. 4 op. 18 Nr. 4, Q Nr. 10 op. 74 und Q Nr. 13 op. 130 mit Großer Fuge op. 133


    Liebe Grüße


    Willi:):thumbup::thumbup:


    P.S. ich habe übrigens schon einmal alle Beethoven Streichquartette innerhalb einer Spielzeit live erlebt, und zwar vor vielen Jahren mit dem Juillard-Strinag-Quartet in der Tonhalle Düsseldorf.

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Lieber Willi,


    herzlichen Dank für die Tips! Gestern bekam ich eine erschreckende Nachricht - das Klavierfestival Rhein-Ruhr verschickt regelmäßig Informationen zu den aktuellen Konzerten. Da war zu lesen, dass Alice Sara Ott ihr Programm ändert, weil sie sich im Moment physisch nicht gewachsen fühlt, Gaspard de la nuit zu spielen, da sie bei ihr multiple Sklerose diagnostiziert haben:


    https://www.br.de/nachrichten/…a-ott-ich-habe-ms,RIAe6i4


    Zu Barenboim später!


    Liebe Grüße

    Holger

  • Das ist ja schrecklich. Alice Sara Ott tut mir sehr leid. MS ist ja, im Gegensatz zu Morbus Parkinson, an dem meine Frau (seit fast 30 Jahren) erkrankt ist, (noch) sterblich, und befällt, wie auch hier, hauptsächllich Personen im jungen Erwachsenenalter. Vor allem sehr heimtückisch ist die "maligne" Form der Multiplen Sklerose, die sogenannte "Marburg-Variante" ,benant nach Otto Marburg, einem österreichischen Neurologen, der 1905 die erstmalige Beschreibung dieser Erkrankung vornahm.

    Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Multiple_Sklerose

    Sie führt häufig genauso schnell und genauso grausam zum Tode wie ALS oder die die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit.

    Wollen wir hoffen, dass Alice Sara Ott nicht an dieser malignen Form erkrankt ist.

    Ich wünsche ihr, dass sie mit Hilfe der Medizin und einer geeigneten Therapie noch lange ein menschenwürdiges Leben führen kann.


    Liebe Grüße


    Willi:)


    P.A. Ich habe gestern Abend schon mit meinem nächsten Beitrag im Schubert-Sonaten-Thread begonnen und hoffe, dass ich heute noch damit fertig werde.

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Das ist ja schrecklich. Alice Sara Ott tut mir sehr leid. MS ist ja, im Gegensatz zu Morbus Parkinson, an dem meine Frau (seit fast 30 Jahren) erkrankt ist, (noch) sterblich, und befällt, wie auch hier, hauptsächllich Personen im jungen Erwachsenenalter. Vor allem sehr heimtückisch ist die "maligne" Form der Multiplen Sklerose, die sogenannte "Marburg-Variante" ,benant nach Otto Marburg, einem österreichischen Neurologen, der 1905 die erstmalige Beschreibung dieser Erkrankung vornahm.

    Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Multiple_Sklerose

    Sie führt häufig genauso schnell und genauso grausam zum Tode wie ALS oder die die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit.

    Wollen wir hoffen, dass Alice Sara Ott nicht an dieser malignen Form erkrankt ist.

    Ich wünsche ihr, dass sie mit Hilfe der Medizin und einer geeigneten Therapie noch lange ein menschenwürdiges Leben führen kann.

    Lieber Willi,


    das ist sehr traurig mit Deiner Frau! Meine Mutter verstarb an ALS - solche Erkrankungen sind fürchterlich, das weiß ich nur zu gut. Ich kenne auch Jemanden aus meiner Umgebung, der MS hat aber Dank der Medizin heute ganz gut lebt. Die Krankheit kommt in Schüben aber das läßt sich mit einer Spezialbehandlung dann doch kontrollieren. Ich hoffe sehr, dass Alice Sara Ott so eine schwächere Variante hat. Sie scheint sehr viel Lebenswillen und ein sonniges Gemüt zu haben. Ihre letzte CD u.a. mit Gaspard de la nuit, einem "meiner" absoluten Lieblingsstücke, ist derzeit im Angebot - die werde ich mir wohl holen.

    P.A. Ich habe gestern Abend schon mit meinem nächsten Beitrag im Schubert-Sonaten-Thread begonnen und hoffe, dass ich heute noch damit fertig werde.

    Meine Artikel sind schon fertig auf der Platte - der Eröffnungsartikel und einige mehr. Da ich den Liszt vorgeschaltet habe, habe ich sie noch nicht eingestellt. Da aber die letzte CD-Lieferung wohl noch 10 Tage auf sich warten lassen wird, werde ich zwischenzeitlich wohl den Schubert endlich einstellen.


    Morgen früh beschäftige ich mich erst einmal mit Deinem letzten Beitrag über Barenboim - bis eben habe ich noch zwei Liszt-Beiträge geschrieben.


    Liebe Grüße

    Holger

  • Ich habe mich heute Nachmittag, statt meinen Schubert-Text fertigzustellen, einige Stunden mit einem anderem Schubert beschäftigt, der G-dur-Messe D.167, die wir in meinem zweiten Chor nunmehr einstudieren. Ein wunderbares Stück Musik, das ich in verschiedenen Aufnahmen auf Youtube angehört und gesehen habe und ein Arbeitsblatt angefertigt habe, mit dessen Hilfe sich die Chormitglieder, die das nicht jeden Tag machen, im Internet zurechtfinden können und durch entsprechende Schritte, z. B. Hören der Messe mit gleichzeitig durchlaufenden Noten außerhalb der Chorproben zusätzlich das zuvor Geübte festigen können. In solchen Videos werden auch die überleitenden Orchester- bzw. Orgelstimmen eingespielt, die dem Sänger helfen können, den eigenen pünktlichen Einsatz z. B. in einem Fugato zu festigen, und auch der 18jährige Schubert hatte bei der Komposition dieser Messe (1815) diese Dinge durchaus schon "auf der Pfanne".

    Zusätzlich wollte ich nach der Chorprobe noch 11 CD's mit der Aufnahme dieser Messe bei Amazon bestellen. Es gab noch 20, aber man wollte mir nur 3 verkaufen. Ein Anruf konnte keine Klärung bringen, weil eine Arbeitskraft, die nach Migrationshintergrund klang, nicht verstand, was ich wollte. Das muss ich morgen weiter klären.
    Dann geht es mit der B-dur-Sonate weiter.


    Liebe Grüße


    Willi:)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • In solchen Videos werden auch die überleitenden Orchester- bzw. Orgelstimmen eingespielt, die dem Sänger helfen können, den eigenen pünktlichen Einsatz z. B. in einem Fugato zu festigen, und auch der 18jährige Schubert hatte bei der Komposition dieser Messe (1815) diese Dinge durchaus schon "auf der Pfanne".

    Zusätzlich wollte ich nach der Chorprobe noch 11 CD's mit der Aufnahme dieser Messe bei Amazon bestellen. Es gab noch 20, aber man wollte mir nur 3 verkaufen. Ein Anruf konnte keine Klärung bringen, weil eine Arbeitskraft, die nach Migrationshintergrund klang, nicht verstand, was ich wollte. Das muss ich morgen weiter klären.
    Dann geht es mit der B-dur-Sonate weiter.

    Lieber Willi,


    wenn Ihr dann das Konzert habt, sagst Du mir Bescheid! :) Du willst die CDs sicher für den Chor bestellen. Meine Vermutung: Bei Amazon werden sie diese Regel haben, weil sie nicht wollen, dass andere professionelle Anbieter bei ihnen große Stückzahlen einkaufen und die CDs dann weiter verkaufen. Da müsstest Du vielleicht im Namen des Chors bestellen. Diese Call-Center sind so ziemlich der mieseste Job, den es gibt. Den macht keiner freiwillig, wenn er es nicht unbedingt nötig hat. Deswegen finden sich da dann auch alleinerziehende Mütter oder Migranten. Die Arbeitsbedingungen bei Amazon sind bekannter Weise nicht die besten.


    Ich fand Deine Idee ja sehr gut, einen extra Interpretations-Thread aufzumachen. Dann kann man zweigleisig fahren und die Idee der chronologischen Besprechung wird nicht destruiert. Ich kann das sowieso mangels Zeit nur in Ausnahmefällen so machen. Ich würde vorschlagen, wir machen dann Verlinkungen. Die Sonate ist ja allgemein bekannt und sehr beliebt, so dass wir auch hoffen können, dass die Diskussionsbeteiligung auf diese Weise etwas reger wird. :)


    Liebe Grüße

    Holger

  • Ichglaube nicht, das vorher schon ein Siebzehnjähriger die Hammerklaviersonate someisterhaft gespielt hat, und ich glaube auch nicht, dass es nach ihm einemSiebzehnjährigen gelingt. Es ist ja nicht nur Technik, es ist auch Ausdrucksvermögen,verbunden mit der nötigen Ruhe und Abgeklärtheit, um ein so gewaltiges undkompliziertes musikalisches Gebäude wie dieses so perfekt wie möglichaufzubauen und so viel wie möglich von seinem inneren Kern freizulegen und sichund dem Hörer hörbar zu machen, und ich finde, dass ist ihm hier großartiggelungen.

    Lieber Willi,


    da hast Du mir "Appetit" gemacht, die CD demnächst auch zu bestellen. Mich würde ja interessieren, welche Vorbilder der ganz junge Barenboim hatte. Bekannt ist seine Bewunderung für Furtwängler. Das würde z.B. das eher breite Tempo im langsamen Satz erklären. An Gulda hat er sich offensichtlich nicht orientiert, obwohl der damals in Argentinien gastierte und u.a. die junge Martha Argerich mit dem 4. Klavierkonzert beeindruckte. :D Ich habe ja noch so viele ungehörte Aufnahmen - auch Gieseking und den frühen Kempff, da müsste auch die Hammerklaviersonate dabei sein. Schnabel dürfte Barenboim vielleicht gekannt haben. :)


    Liebe Grüße

    Holger

  • Ich glaube, Barenboim war damals gar nicht mehr in Argentinien, wie ein Ausschnitt aus seiner offiziellen Biografie darlegt. Und aus diesem Ausschnitt geht auch hervor, in welchem Zeitraum er die Hammerklaviersonate zum ersten Mal öffentlich gespielt hat:

    Zitat von aus Barenboims Biografie

    Seine Liebe zur Musik verstärkte sich, als er mit sieben Jahren sein erstes öffentliches Recital gab, und erhielt neue Impulse, als die Familie auf dem Weg zu einem neuen Leben in Israel 1952 nach Europa kam. In Salzburg begann er bei Igor Markevitch ein Dirigentenstudium, und er begegnete auch Wilhelm Furtwängler, der erklärte, der Elfjährige sei “ein Phänomen”. Er erhielt dann ein Stipendium, um 1955–56 Harmonielehre und Kontrapunkt bei Nadia Boulanger in Paris zu studieren. Ein sensationelles Recital-Debüt in der Wigmore Hall in London, unter anderem mit Beethovens “Hammerklaviersonate”, sowie Konzert-Debüts in Paris (1955) und mit den New Yorker Philharmonikern und Leopold Stokowski in New York (1957) bestätigten den Rang des Teenagers als musikalisches Ausnahmetalent.

    https://www.klassikakzente.de/daniel-barenboim/biografie

    Da er ja 1955 und 1956 in Frankreich war, könnte es doch sein, dass er die Aufnahme von Yves Nat gehört hat, die dieser 1954 im Saslle Adjar in Paris einspielte. Die Satzzeiten entsprechen sich sehr stark bis auf die im Adagio, wo Nat über eine Minute schneller ist.


    Liebe Grüße


    Willi:)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Da er ja 1955 und 1956 in Frankreich war, könnte es doch sein, dass er die Aufnahme von Yves Nat gehört hat, die dieser 1954 im Saslle Adjar in Paris einspielte. Die Satzzeiten entsprechen sich sehr stark bis auf die im Adagio, wo Nat über eine Minute schneller ist.

    Das könnte natürlich gut sein, lieber Willi! Gibt es eigentlich eine Autobiographie von ihm? :hello:


    Liebe Grüße

    Holger

  • Beethoven, Sonate Nr. 29 B-dur op. 106 "Hammerklavier-Sonate"

    Yves Nat, Klavier

    AD: X/1954

    Spielzeiten: 10:27 - 2:38 - 16:15 -11:27 --- 40:47 min.;


    Heute wende ich mich Yves Nat zu, der diese Sonate im Oktober 1954, also vor knapp 65 Jahren in der Salle Adjar in Paris aufnahm.

    Im Kopfsatz ist er etwas langsamer als der hier zum Vergleich herangezogene Gerhard Oppitz, aber etwas schneller als der ebenfalls hier anstehende Louis Lortie. Sein Spiel ist von Anfang an rhythmisch präzise und dynamisch von dem in der Partitur vorgeschriebenen Kontrast. Allerdings hätte ich mir das erste Ritardando in Takt 8, nur kurz, aber m. e. die erste Schlüsselstelle, etwas ausführlicher gewünscht.. Die lange Steigerung dagegen von Takt 11 bis zum Forte in Takt 16 ist grandios. Auch das Hauptthema II (Takt 17 bis 34, gefällt mir ausnehmend, diesmal auch mit einem, wie ich finde durchaus vernehmbaren Ritardando (Takt 33 mit Auftakt bis 34).

    Auch das anschließende Hauptthema III und die kurze Überleitung zum Seitenthema in der benachbarten Tonart G-dur gefällt mir ausnehmend.

    Auch das Seitenthema selbst führt er sehr schön aus mit silbrigen Oktavierungen im Diskant. Auch der mehrfache temporale Wechsel von poco ritardando und a tempo in der 2. Phase des Seitenthemas ist hier ob seiner sorgfältigen Ausführung zu loben, die Höhenwechsel zwischen Oktavierung und normaler Positionierung sehr schön fließen. Das Ganze lässt er am Ende der 3. Phase des Seitensatzes in einer wiederum kraftvollen Steigerung zum Fortissimo, im Übergang zur Schlussgruppe (ab Takt 100) auslaufen.

    Die Schlussgruppe beginnt er mit einem überragenden Cantabile dolce ed espressivo - welch ein tief empfundener Kontrast zum vorherigen hochdynamischen und vorwärts drängenden musikalischen Geschehen. Auch der sich anschließende Mittelabschnitt der Schlussgruppeüber dem langen Triller ist sehr beeindruckend samt dem 2. Gedanken der Schlussgruppe wieder im rhythmisch äußerst präzise gespielten hochdynamischen Ende der Exposition, der er selbstverständlich die Wiederholung der nämlichen folgen lässt.

    In der Wiederholung der Exposition meine ich eine stärkere Beachtung des ersten Ritardando (s.o.) festzustellen. Der zweite Hauptthementeil ist so zutreffend musiziert wie zu Beginn, ebenso Hauptthema III, Überleitung und Seitensatz, in der 1. Phase mit seinen betörenden Bögen im hohen Diskant, in der 2. Phase mit den mehrfachen Tempowechseln und in der 3. Phase mit den langen Bögen in den wechselnden Oktaven mit diversen Oktavierungen- alles wie aus einem Guss. Auch die kontrastreiche Schlussgruppe zieht ein zweites Mal in all ihrer Pracht an uns vorüber. und leitet dann in die Durchführung über. Hier führt er die aus dem Pianissimo kommende Einleitung über die Steigerung und die Sforzandi (Takt 124 bis 13 mit zwei fp-fanfarenrufe in den Durchführungskern mit seinem Fugato über.

    Die vier Themeneinsätze des ersten Fugatoteils (Takt 138 bis 176) spielt er in trockenem Nonlegato, sehr prägnant mit großer T5ransparenz und ruhiger Vorwärtsbewegung.

    Dem lässt er ebenso zielstrebig den zweiten Teil mit dem viermaligen Auftakt des Fugatothemas folgen, zuerst in der Dominante von c-moll (Takt 177), dann in c-moll (Takt 181), dann der Dominante von Es-dur (Takt 185) und schließlich in Es-dur (Takt 189), wie das bei Beethoven immer so ist, mathematisch äußerst exakt.

    Dabei ist dieser Abschnitt in seinen musikalischen Figuren äußerst abwechslungsreich, sowohl im Rhythmus als auch in der Dynamik, bei unverändert gleichem 4/4-Takt, und auch Nat gestaltet die abschließende, in den wirklich ruhigen "Stillstand" am Ende dieses Durchführungskerns sehr eindrucksvoll und spielt am Ende ein wirklich ein betörendes "poco ritardando", hinein in das kantable Espressivo (ab Takt 201). Nat stellt in dieser Sequenz nochmals unter Beweis, dass das lyrische, ausdrucksvolle Legatospiel zu seinen großen Stärken gehört, ebenso wie die im letzten Durchführungsteil anliegenden rhythmischen und dynamischen Kontraste, abschließend hin zur Reprise mit den vier überleitenden Glissandotakten 223 mit Auftakt bis 226.

    In der Reprise, die, wie schon öfter, bei Beethoven nicht eins zu eins mit der Exposition deckungsgleich ist, sondern durchaus das eingefahrene Gleis durch thematische Hinzufügungen und rhythmisch dynamische unruhige Bewegungen hier und da verlässt, trägt Nat dem in seinem Vortrag Rechnung, schon in der anfänglichen Modulation (ab Takt 234 mit Auftakt), vor allem auch im zweiten Thementeil mit der eruptiven Oktavierungsakkorden (Takt 251, 253 und 255), wieder am Ende dieses Thementeils erst mit einer grandiosen Steigerung und dann mit einem faszinierenden Ritardando auslaufend und über die Rückleitung in den abermals faszinierenden Seitensatz hinein gleitend.

    Auch hier fasziniert wieder sein Rhythmusgefühl in den Wechselnd von Legato und Nonlegato, auch im dritten Abschnitt des Seitensatzes, den er nach einer beeindruckenden dynamischen Steigerung (ab Takt 319) in die Schlussgruppe führt, die, auch verkürzt, ihrerseits unvermittelt in die unglaubliche 55-Taktige Coda übergeht.

    Eine grandiose Interpretation des Kopfsatzes!


    Im Scherzo ist Yves Nat etwas langsamer als Louis Lortie und, vor allem als Gerhard Oppitz. Bei den dynamischen Betonungen im <Mittelteil (ab Takt 15 mit Auftakt) könnte er m. E. die Betonung, die hier auf dem Anfangston der Phrase liegt, etwas deutlicher ausführen.

    In der Wiederholung (ab Takt 24 mit Auftakt) ist nichts zu beanstanden.

    Auch der erste Teil des Trios mit den Achteltriolen ist sehr aufmerksam musiziert, hier ist vor allem auch der dynamische Fluss hervorzuheben, der ihm hier sehr gut gelungen ist.

    Das Presto hingegen hätte ich mir auch etwas flotter vorgestellt. Es ist ja immerhin ein Presto. Der Prestissimotakt 112 steht dagegen wieder auf der Habenseite, ebenso wie das Scherzo II mit den gut vernehmbaren zusätzlichen Achteln im Alt des Diskant sowie im abschließenden poco ritardando - presto.


    Das Adagio spielt Nat gut eine Minute schneller als Lortie und über fünfeinhalb Minuten schneller als Gerhard Oppitz. Dennoch hat man nicht den Eindruck von Hast und Eile, vor allem, wenn man bedenkt, dass ein Fridrich Gulda 13 Jahre später den satz noch einmal fast drei Minuten schneller spielt als Nat.

    Auch dynamisch gewichtet er das Adagio völlig anders als das Scherzo, in dem er doch sehr diesseitig spielte, an der dynamischen Obergrenze. Dies ist viel intimer, vor allem die erste Durauflösung (Takt 14 bis 17) spielt er sehr introvertiert und nahezu im Pianissimo. Auch den zweiten Bogen mit der Oktavierung ( Takt 22 bis 249 spielt er wesentlich zurückhaltender als etliche seiner Kollegen. Die dynamischen Bögen machen hier wie dort nur eine sanfte Wellenbewegung, sozusagen ein sanftes Aufleuchten. Auch die kennzeichnenden Quart-Intervalle im Diskant am Ende des Espressivo grüßen eher unauffällig herüber.

    Das erste Crescendo in der "con grand'espressione-Sequenz, hier ab Takt 31, gestaltet er dann schon deutlicher, wirklich mit gewollt starkem Ausdruck. Stark auch die nächste Sequenz mit der inneren Beschleunigung mit den Sechzehnteltriolen, davor und danach Zweiunddreißigstel, alles ab Takt 33 hin zur überirdischen Überleitung, ab Takt 36, und die Überleitung selbst spielt er wirklich atemberaubend.

    Und das himmlische Seitenthema, diesen jenseitigen Choral mit seinen wunderbaren Oktavierungen spielt er auf dem gleichen Topniveau, auch die dramatische Steigerung am Schluss ab Takt 55, mit dem dritten wundervollen Bogen in Takt 58 und dem herrlichen Diminuendo in den Zweiunddreißigsteln in Takt 59 und 60.

    Auch die folgende Überleitung mit den neuerlichen Signalintervallen, hier Sext-Terz in Takt 63/64 und 65/66, hin zur Durchführung, spiel er bruchlos weiter.

    Dem schließt er die Durchführung mit ihren wechselnden Oktavgängen und Sechzehntel-Tonleitern und führt auch die lange Steigerung ab Takt 76 mit ihren dynamischen Ausschlägen sehr expressiv weiter bis in das abschließende Smorzando in Takt 86 hinein, hin zur Reprise.

    Diese einzigartige Reprise mit ihren langen Zweiunddreißigstelbögen im Diskant und den begleitenden Achtel- und Sechzehntelakkorden im Bass führt er sehr präzise aus und verdeutlicht so dem Hörer die manchmal nur geringen Änderungen in Tonhöhe und Intervallwechseln und -größen im Diskant im Verein mit den sehr gut nach zu verfolgenden Begleitakkorden im Bass.

    Auch am Ende dieser Sequenz mit den Oktavierungen in Takt 102 und 103 büßt sein Vortrag nichts von seiner Klarheit ein, sondern geht nahtlos in das erste große sechstaktige Ritardando (ab Takt 107 bis 112) über, das die nächste Durauflösung (ab Takt 108 bis 111) in sich birgt.

    Und auch hier hebt er die Signalakkorde organisch hervor, hier wieder in die "a tempo"-Sequenz übergehend, und hier kann der aufmerksam Zuhörer schon in den großen Intervallunterschieden im Bass das herannahen der überirdischen Überleitung zum Seitenthema erahnen, obwohl diese diesmal eine geänderte Form hat.

    Und dies Sequenz, (ab Takt 1189 spielt er mit höchstem Ausdruck und großem dynamischen Bogen, dabei jede dynamische Bewegung ausdrückend und erneut nach großem Crescendobogen in der Gegenbewegung in das himmlische Seitenthema hineingleitend.

    Dieses führt er nun nach dem letzten hohen Bogen (Takt 43) und dem dynamischen Abschwung direkt in die unglaubliche, einem Brennglas ähnliche coda hinein, in der noch einmal die Essenz des ganzen Satzes sichtbar und vor allen Dingen hörbar wird, angekündigt ein weiteres Mal durch unsere Signal-Intervalle Sext + Terz (hier Takt 150/151 im Diskant).

    Die Quintessenz dieser Brennglasverkürzung ist zweifelsohne der schon beschleunigte Einsatz des Seitensatzes, der sich jedoch in Sekundenschnelle tumultös auflöst, bevor ein letztes Mal das Thema ertönt, zunächst wieder in dem langen Ritardando, dann, nach einem letzten leuchtenden hohen Bogen (Takt 176) allmählich wegdämmernd in einem grandiosen Morendo.

    Yves Nat spiel allerdings in diesem schon ab Takt 178 vorgezeichneten Diminuendo zwei nicht verzeichnete Crescendi, die mir nicht so recht einleuchten. Schade!


    Das Largo spielt er schon in der ersten Sechzehntelfigur im Diskant von Takt 1 deutlich schneller als die Sechzehntel zu Beginn von Takt 1.

    Die Sechzehntel-Sequenz in Takt 2 macht aus der Sicht natürlich Sinn, weil dieser Takt mit "Un poco piu vivace" überschrieben ist.

    Das Allegro in Takt 3 bis 8 spielt er dagegen völlig entspannt, wie ich finde, im völlig richtigen Tempo. Das habe ich auch schon viel schneller gehört.

    Auch das Tenuto in Takt 9 gefällt mir ausnehmend in temporaler wie dynamischer Hinsicht.

    Im "a tempo"-Takt 10 spielt er dann wirklich, was drüber steht: a tempo, und das geht dann auch tatsächlich bis zum Prestissimo.

    Den I. Teil der Fuga, die Exposition in B-dur, Takt 16 bis 84, spielt er dann ebenfalls in entspanntem tempo, aber gleichzeitig spannend und kristallklar, die häufig wechselnde Melodierichtungen, Rhythmen und dynamischen Bewegungen kristallklar und sehr gut zu verfolgen. Das ist, wenigstens bis hierhin, eine sehr hörerfreundlichen Interpretation der Fuga.

    im II. Teil, der Themenvergrößerung in es-moll, Takt 85 bis 152, in den Schwierigkeiten, vor allem rhythmischer Art für Spieler wie Höre stark ansteigend, bleibt er seiner Linie treu und spielt diesen Teil wie es gehört, auch mit großer Vehemenz und daher dynamisch sehr kontrastreich, und er bewältigt, wie ich finde, die rhythmischen Schwierigkeit, vor allem in der Trillersequenz (ab Takt 111 mit Auftakt bis Takt 129) mit Bravour. Auch die sich durchlaufend ähnelnden und wiederholenden Figuren spielt er auch so deutlich, dass sie den Hörer wie ein "akustisches" Licht durch das Dickicht der Partitur führen.

    Auch den III. Teil der Fuga, den Rücklauf des Themas in h-moll Takt 153 bis 207, spielt er deutlich, wobei hier dem Hörer der Anfang wieder leichter gemacht wird dur das Cantabile des Themas (von Takt 54 bis 179). Ab Takt 180 verlaufen die Sechzehntelfiguren teilweise in beiden Oktaven parallel, teilweise gegenläufig und teilweise in den Oktaven wechselnd.

    Der IV. Teil, die Umkehrung des Themas in G-dur, Takt 208 bis 249, stellt nun nicht nur in der Reihenfolge den Mittelpunkt der Fuga dar, sondern auch in der Schwierigkeit, für Pianist wie Hörer.

    Doch Yves Nat spielt auch diesen Teil klar und pianistisch auf hohem Niveau, und die Struktur tritt jederzeit gut hervor.

    Dann folgt der V. Teil der Fuga, die Durchführung des 2. Themas in D-dur, Takt 250 bis 278, der kürzeste und in seiner musikalischen Struktur so völlig verschieden von den anderen Teilen: zwar auch eine Fugenform, aber von bachischem Ebenmaß, voll innerer und äußerer Ruhe und einer still leuchtenden Schönheit, in einem gleichmäßigen Dreivierteltakt.

    Nat spiel auch dieses Kleinod "comme il faut".

    Und mit dem ersten Triller in Takt 279 beginnt zugleich der längste Teil der Fuga, der VI. in B-dur, in sich dreigeteilt, Takt 279 bis 366 insgesamt, zuerst die gleichzeitige Durchführung des 1. und 2. Themas, Takt 279 bis 293, dann die zweifache Verarbeitung des 1. Themas, Takt 294 bis 348, und schließlich die Schlussankündigung der Durchführung, Takt 349 bis 366, alle drei Unterabschnitte in B-dur.

    Dem folgt nur noch die Krönung des Ganzen, die unglaubliche Schlusscoda, Takt 367 bis 400. Yves Nat meistert auch diese Schlusshürde. Das gelingt nicht vielen Pianisten. Nat ist bis jetzt der 51. in derzeit 69, nach Anzahl der Aufnahmen. Nach Anzahl der Pianisten sind es weniger, da ich z. B. nach bisheriger vorsichtiger Zählung von Backhaus 2, Badura-Skoda, Barenboim, Buchbinder, Gulda, Richter und Sokolov je 3 und von Brendel 4 Aufnahmen schon besprochen habe oder noch besprechen werde.


    Diese Aufnahme von Nat darf nach allen Abwägungen durchaus zur erweiterten Spitze gezählt werden.


    Liebe Grüße


    Willi:thumbup::thumbup::thumbup::thumbup::thumbup::thumbup::thumbup::thumbup::thumbup::thumbup::thumbup::thumbup::thumbup:

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Lieber Willi,


    hoch interessant! Und diese Nat-Box ist wirklich sehr attraktiv zu dem Preis. Darin ist auch noch Schumann und Schubert eine Aufnahme von Liszts Ungarischer Rhapsodie Nr. 2 - klar, dass ich die haben muss! :hello:


    Liebe Grüße

    Holger

  • Lieber Willi,


    vor deiner Herkules-Arbeit für dieses Forum ziehe ich den Hut! Vielen Dank für die Zeit und das Herzblut, das du hier investierst. Es sind Threads wie dieser hier, die mich vor Jahren zum Mitlesen verführt und seither bei der Stange gehalten haben.


    Eine Frage: Kennst du die Aufnahmen von Stewart Goodyear? Der kanadische Pianist und Komponist ist ein von den Beethoven-Sonaten "Besessener" (nur mein Eindruck und keineswegs negativ gemeint). Er führt sie oft auf, am 7. September z.B. in Cincinnati wieder einmal an einem einzigen Tag!


    Seine Mission: Er ist überzeugt, dass Beethovens Metronom-Angaben stimmen. Entsprechend spielt er und kommt in der CD-Version auf Spielzeiten von 9:17 - 2:42 - 14:56 - 10:35 --- 37:30 min.


    Falls du Lust und Zeit hast, da mal reinzuhören, würde mich deine Meinung sehr interessieren!


    LG Barere

  • Lieber Barere,


    mir war der Name Stewart Goodyear schon mal untergekommen, aber ich wusste nicht mehr, woher. Ich habe gerade wieder nachgeschaut und mal in die Hammerklavier-Sonate reingehört. Ich habe erst hinterher gelesen, was du über sein Verhältnis zu Beethovens Metronomangaben gesagt hast. Das hört man in der Hammerklaviersonate im Kopfsatz sofort. Er liegt da temporal ungefähr auf einer Linie mit Friedrich Gulda. Die Aufnahmen haben einen exzellenten Klang, und man hört auch, dass er sein Handwerk versteht. Das ist alles sehr transparent und entfaltet ein ungeheures Brio. Ich habe die Gesamtaufnahme:

    mal auf eine Einkaufsliste gesetzt. Ich werde sie im September anschaffen, dann kommt auch die Gesamtaufnahme von Igor Levit.

    Vielleicht bespreche ich die Hammerklaviersonate von Goodyear auch schon vorher, denn die Box mit den späten Sonaten kann man bei Amazon Music streamen. Aber jetzt ist erst wieder die B-dur-Sonate von Schubert an der Reihe.

    Auf alle Fälle war das ein guter Tipp von dir.


    Liebe Grüße


    Willi:)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Lieber Willi,


    herzlichen Dank, das ging blitzschnell! Aber es ist ja nicht das erste Mal, dass bei mir der Verdacht aufkommt, dein Tag hätte mehr als 24 Stunden... Ich freue mich auf deine gelegentliche Besprechung.


    Die Beschäftigung mit Goodyear hat mich in meiner Ansicht, heute werde vieles zu langsam gespielt, bestätigt. Auch ist mir wieder einmal bewusst geworden, welche Schroffheiten in einigen dieser Sonaten stecken. Goodyear mag zum Teil übertreiben, aber man spürt auf jeden Fall immer, dass er mit Leidenschaft dabei ist und etwas zu sagen hat. Spieltechnisch ist er ohnehin spitze.


    Besonders positiv erinnere ich mich übrigens an die Mondscheinsonate mit einem zügigen, sehr schlichten Adagio sostenuto. Goodyear hat die Fähigkeit, hier nicht "zu viel zu machen".


    LG Barere

  • Ich werde heute nichtmehr dazu kommen, lieber Barere, aber ich bin generell der Meinung, dass einige Pianisten den 3. Satz, das gigantische Adagio sostenuto zu schnell spielen, z. B. spielt Friedrich Gulda das Adagio 1967 in der Stereo-Gesamtaufnahme in 13:42 min, nur 103 Sekunden länger als den Schlusssatz, während er in seinen Aufnahmen von 1951 und 1970 (Beethovenfest) jeweils gut 2 Minuten langsamer ist, also in einem Bereich, den ich nicht mehr ohne Weiteres als zu schnell bezeichnen würde. Stewart Goodyear liegt nun genau zwischen Guldas schnellstem und seinem langsamsten Adagio. Ich muss also hören, wie mir das gefällt.

    Ich möchte noch ein interessantes Rechenexempel anschließen, in dem ich alle Metronomzahlen auf 1/8 umgerchnet habe und füge die entsprechenden Taktzahlen hinzu, im Kopfsatz in Klammer die Zahl mit Wiederholung der Exposition:

    1. Satz, Allegro:.................1/8 = 552 /405 (530) Takte;

    2. Satz, Assai vivace:......... 1/8 = 320 /175 Takte;

    3. Satz, Adagio, sostenuto: 1/8 = 92 /187 Takte;

    4. Satz, Largo:.................. 1/8 = 38 /10 Takte;

    4. Satz, Allegro risoluto:.... 1/8 = 288 /390 Takte;

    Es ist nur ein Zahlenspiel, aber wie ich finde, ein recht interessantes, vor allem, wenn man die Metronomziffer ins Verhältnis zur Anzahl der Takte setzt.


    So ist zwar das Adagio absolut gesehen nicht der langsamste Satz, das ist das Largo, es ist fast zweieinhalb mal so langsam wie das Adagio, aber das Adagio ist 19 mal länger als das Largo.

    Am schnellsten ist unter diesem Aspekt zweifellos das Scherzo. Da ist die virtuelle Metronomziffer, auf 1/8 bezogen, fast doppelt so hoch wie die Taktzahl, und wenn man genau reinschaut, hat es ja auch einen erheblichen Presto-Anteil, sogar ein grandioses Prestissimo.

    Am zweitschnellsten ist der Kopfsatz, und das bekommen ja auch einige Pianisten hin. Erst am drittschnellsten ist das Finale, und das ist auch gut so, sonst könnte es ja keiner spielen.

    Wie gesagt, das sind nur theoretische Überlegungen, aber die treiben mich schon lange um. Das liegt vielleicht auch daran, dass Beethovens Werke, vor allem die Sonaten, eine faszinierende innere mathematische Struktur haben, die man zum Beispiel bei Schubert gerade nicht findet.


    Liebe Grüße


    Willi:)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Lieber Willi,


    vielen Dank, das sind tatsächlich interessante Überlegungen. Du bringst mich glatt dazu, wieder einmal mein Metronom hervorzukramen!

    dass Beethovens Werke, vor allem die Sonaten, eine faszinierende innere mathematische Struktur haben, die man zum Beispiel bei Schubert gerade nicht findet.

    Ob mit oder ohne, bei jeder guten Interpretation einer Beethoven- oder Schubertsonate höre ich wieder etwas Neues. Das macht es ja so spannend, verschiedene Interpretationen zu vergleichen. Mit der Zeit wird einem dann klar, dass und warum es die einzig wahre Interpretation - zum Glück! - nicht gibt. Und genau das dokumentierst du ja in deinen Rezensions-Threads auf eindrückliche Weise.


    LG Barere