Leopold Kozeluch - Die Sinfonien

  • Um eine gewisse Übersicht einerseits zu wahren, und um das Thema etwas gezielter zu betreiben, habe ich mitch entschlossen die neue bei NAXOS erscheinende Serie der Sinfonien vom Leopold Kozeluch (1747-1818) zu Anlass zu nehmen diesem Genre einen eigenen neuen Thread zu spendieren. Ähnliches wird mittelfristig in anderen Bereichen von Kozeluchs Schaffen passieren, bei ca 400 Werken bleibt einem ab einem bestimmten Zeitpunkt gar keine andere Wahl.


    Ob die neue Naxos-Serioe eine Gesamtaufnahme aller Sinfonien bieten wird ist fraglich. Generell werden ihm 30 Sinfonien zugeordent, im Werkverzeichnis von Milan Poštolka finde ich nur 23.


    Dieses Werkverzeichnis ist für meine Begriffe auch nicht äusserst durchschaubar - aber damit müssen wir eben leben, denn zusätzlich gibt es Werke mir Opuszahl und manche Klassiklabel machen ausser der Tonart überhaupt keine Angaben über die eingespielten Werke. Wie ich soeben sehe, gibt es auch Werke, welche verloren gegangen sind.....


    Ursprünglich hatte ich gefürchtet zu diesen Sinfonien kaum etwas substanzielles schreiben zu können, und nun sehe ich, daß ich den Einführungsbeitrag splitten muß. Hier wird an Hand des Wersverzeichnisse nur in groben Zügen gezeigt welche Sinfonen (auch die konzertanten werden mit einbezogen) es überhaupt gibt. Über die posthume Bewertung werde ich in Beitrag 2 ein paar Zeilen schreiben. Erst dann stelle ich in meinem 3 Beitrag (es mag ja sein dass sich jemand vorher zu Wort meldet) die erste auf der Naxos enthaltene Sinfonie Pos K 1:7 in A-dur vor....



    P I: 1 \ Symphony in D major "L'Arlechino"
    P I: 2 \ Symphony in C major
    P I: 3 \ Symphony in D major Op. 22 No. 1
    P I: 4 \ Symphony in F major Op. 22 No. 2
    P I: 5 \ Symphony in G minor Op. 22 No. 3
    P I: 6 \ Symphony in C major Op. 24 No. 1
    P I: 7 \ Symphony in A major Op. 24 No. 2
    P I: 8 \ Symphony in G major Op. 24 No. 3
    P I: 9 \ Symphony in C major
    P I:10 \ Symphony in A major "A la Française"
    P I:11 \ Symphony in B flat major "L'irresoluto"
    P I:A1 \ Symphony in A major
    P I: D1 \ Symphony in D major (lost)
    P I: D2 \ Symphony in D major
    P I: D3 \ Symphony in D major
    P I:E1 \ Symphony in E major
    P I:F1 \ Symphony in F major
    P I:G1 \ Symphony in G major
    P II:1 \ Sinfonia concertante in E flat major
    P II:2 \ Sinfonia concertante in C major
    P III:1 \ Overture in G major
    P III:1 \ Overture Op. 9 in G major
    P III:2 \ Overture in D major


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

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  • Wie ist nun Leopold Kozeluch zu bewerten ?
    Persönlich finde ich, daß das eigentlich ziemlich gleichgültig ist, Hauptsache, die Musik gefällt
    Aber die Musikwissenschaft sieht das andersm den sie verlangt - vor allem seit dem 20. Jahhundert - Originalität und Fortentwicklung. Und das kann man Kozeluch beim besten Willen nicht nachsagen. Er war - wie so viele seiner Zeitgenossen - am Vorbild Joseph Haydns orientiert -zumindest steht das so in den Konzertführern, wenn sie gelegentlich doch die Gnade besitzen ein Wort über Kozeluch zu schreiben. Aber lassen wir das fürs erste so im Raum stehen. Andrerseits wurde schon vor knapp 100 Jahren geschrienem , daß er auch in seinen besten Werken nicht die Qualität eines Mozart oder Haydn erreicht. Solchen Statements stehe ich immer mit äuserster Skepsis gegenüber, denn die Musikwissenschaft ist in ihrem Urteil immer sehr bestimmt, zielsicher und unbarmherzig - solange sie den Komponisten kennt. Im Falle von Zuschreibungen hauden die aber gerne mal ordentlich daneben, oder ändern die Zuschreibung alle 20 Jahre. So groß dürften also die Qualitätsunterschiede gar nicht sein. Auch Leopold Mozart muß das so gesehen haben, warnt er doch seinen Sohn immer wieder vor diesem Konkurrenten. Im Falle eine EINDEUTIG verifizierbaren Qualitätsunterschiedes wäre das gar nicht nötig gewesen.
    Nun ist der "Genusshörer" verunsichert . Bekomme ich nun "gute" Musik - oder Musik zweiter Wahl ?
    Warum erscheint Kuzeluch kaum in einem Konzertführe, Mozart und Haydn aber doch ?


    Kozeluch schrieb besonder flüssige, leicht eingämgige und elegante Musik, oft auf sehr einfachen Themen aufbauend die geschickt immer wieder variiert wurden. Siw war deshalb bei den Zeitgenossen sehr beliebt. Mozart und Kozeluch kannten einander übrigens und tauschen sich über musikalische Themen aus.
    Berühmt ist die Geschichte (ich erzähle sie gerne, daher wird man sie vermutlich mehrfach im Forum finden)
    Wo Kozeluch gegenüber Mozart ein Werk Haydns kritisierte, und meinte er hätte einiges anders komponiert. Mozart antwortete darauf etwas schnippisch:
    "Ich auch - uns wissen Sie auch warum ? Weil - wenn man uns beide zusammenschmölze - da käme noch lange kein Haydn raus "
    Analisiert man den Satz, dann konnt heraus, da Mozart Kozeluch durchaus als auf gleicher Augenhöhe betrachtete (ob er sich dessen bewusst war- das ist eine andere Frage - aber der Satz weist eindeutig in diese Richtung) Haydn aber höher stellte. Mozart hat sich ja oft in doe Richtung geäussert, daß er Haydn für den "Größeren" halte. Ich war mir nie sicher ob er das ernst gemeint hat, oder rd aus Höflichkeit dem Älteren gegenüber gesagt hat. Wenn er es aber jetzt - beinahe in "Zorn" ausdrückt - dann bekommt die Aussage eine ander Bedeutung.
    Elegante, flüssige, gefällige Musik, war spttesten seit Beginn des 20. Jahrhunderts nicht mehr gefragt, jo sogar verpönt. Auch Boccherini und Vivaldi "litten" unter dieser Beurteilung
    Aus diesem Blickwinkel betrachtet ist es nur eine Frage, welche Philosophie man in Bezug auf Sinfonien akzeptiert. Hier ist die Entwicklung dieses Genres nicht uninteressant: Zu Beginn als dreisätzige Ouvertüre, dann als gehobene "Unterhaltungsmusik" (ihrer Zeit) bis hin zum doppelbödigem Kunstwerk , das sich mit den Problemen und der Ästhetk der jeweiligen Zeit auseinandersetzt.......


    Die Sinfonien Kozeluch s waren vo allem melodienbetont , elegant und klangschön. Mit den gesellschaftlichen Strömunngen ihrer Zeit haben sie sich nie befasst und auch keine revolutinäre Vorschau auf "künftige Zeiten" angestrebt.....


    mfg aus Wien
    Alfred

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  • Ich beginne mit der ersten auf der gezeigten Naxos CD enthaltenen Sinfonie


    Sinfonia in A-dur PosK I:7 Op. 24 No. 2


    Sie ist viersätzig und hat eine Spieldauer von knapp über 20 Minuten
    Wie damals nicht unüblichbesteht op 24 aus einer Gruppe von 6 Sinfonien
    Sie dürften 1787 entstanden sein, das überprüfe ich noch und korrigiere es gegebenenfalls noch nachträglich


    Wenn auch in einem der Booklets vermerkt ist, dass diese Sinfonien selten gespielt wird, so gibt es dennoch zumindest 3 Aufnahmen davon am Markt und ich zögere nicht der Naxos-Einspielung die Siegespalme zu überreichen, Eigentlich überraschend, denn in der Vergangenheit waren bei Naxos gerade die Sinfonien aus dieser Epoche manchmal eher lieblos und ton technisch zu dick geraten,
    Beim ersten Hören ist mir die Ähnlichkeit zu Haydn nicht wirklich aufgefallen, es fehlt IMO der immer wieder beschworene „Witz“ der Haydn-Sinfonien ist – wenn überhaupt – nur in abgeschwächter Form vorhanden. Der erste Satz (Allegro moderato) hat zusätzlich zu seiner wunderbaren Melodik etwas höfisch-elegantes an sich.
    Beinahe . Mit dem 2. Satz (poco adagio) kehrt nicht nur Beruhigung ein, nein er klingt introvertiert und stellenweise erinnert er an eine Sinfonia concertante.
    Der dritte Satz ( Menuetto; Allegretto) ist naturgemäß wiederum etwas lebhafter angelegt,
    Der Schlusssatz (Prestissimo) wird , bei allem Temperament, immer wieder abgebremst und abgefedert, vielleicht dass er ausnahmsweise etwas feuriger konzipiert ist als ähnliches von Haydn. Interessant auch, dass - zumindest in dieser Sinfonie – manche der Sätze eher abrupt enden, so beispielsweise hier der Finalsatz, was IMO etwas überraschend und ungewohnt wirkt.
    Ein Hilfe von Seiten diverser Konzertführer zu dieser Sinfonie (und vermutlich wird das öfter der Fall sein) und überraschenderweise auch der Booklets war nicht zu bekommen, die Autoren verkrochen sich fast ausschließlich hinter den biographischen Daten des Komponisten. Immerhin erfuhr ich aus einem dieser Texte, das es zwar an sich 30 Sinfonien Kozeluchs gäbe (von denen zumindest eine als verloren gilt – (warten wir ab was da noch an Überraschungen auf uns zukommt) – aber nur 11 sind mit Sicherheit authentisch – was wiederum Licht ins Dunkel in Sachen des auf den ersten Blick unübersichtlichen Werkverzeichnisses von Milan Poštolka bringt - es dürfte sich um die ersten 11 Sinfonien handel -welche anders nummeriert sind als die folgenden


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred


    clck 112

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  • Die im vorigen Beitrag kurz vorgestellte Sinfonie in A-dur PosK I:7 Op. 24 No. 2 ist meines Wissens mindestens 3mal aufgenommen worden.
    Neben der oben gezeigten neuen Naxos Aufnahme stehen noch folgende Einspielungen zur Verfügung:



    Dabei gefällt mir von den beiden mit dem kurpfälzischen Kammerochester besser als jene des Zürcher Kammerorchesters. Letzte scheint mir ein wenig "weich", was natürlich nur dann zum Tragen konmt, wenn man die verschiedenen Einspielungen kennt oder kurz hintereinander gehört hat. Irgendiwe wird die Züricher Aufnahme eine wenig "flüchtig hingepinselt", wie man bei einem Gemälde sagen würde. Allerdings ist die Aufnahme dadurch nicht "disqualifiziert". Wer sie nicht bereits besitzt, kann sie derzeit sowieso nicht kaufen - sie ist gestrichen und wird hier nur der Vollständigkeit erwähnt...


    mfg aus Wien
    Alfred

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  • Berühmt ist die Geschichte (ich erzähle sie gerne, daher wird man sie vermutlich mehrfach im Forum finden), wo Kozeluch gegenüber Mozart ein Werk Haydns kritisierte, und meinte er hätte einiges anders komponiert. Mozart antwortete darauf etwas schnippisch:
    "Ich auch - uns wissen Sie auch warum? Weil - wenn man uns beide zusammenschmölze - da käme noch lange kein Haydn raus."
    Analysiert man den Satz, dann kommt heraus, daß Mozart Kozeluch durchaus als auf gleicher Augenhöhe betrachtete (ob er sich dessen bewusst war - das ist eine andere Frage - aber der Satz weist eindeutig in diese Richtung), Haydn aber höher stellte. Mozart hat sich ja oft in die Richtung geäussert, daß er Haydn für den "Größeren" halte. Ich war mir nie sicher, ob er das ernst gemeint hat, oder es aus Höflichkeit dem Älteren gegenüber gesagt hat. Wenn er es aber jetzt - beinahe in "Zorn" ausdrückt - dann bekommt die Aussage eine andere Bedeutung.

    Ich denke generell, solche Anekdoten muss man auch immer mit einer gewissen Vorsicht genießen, sie kann stimmen, muss es aber nicht wenn Derjenige von dem sie stammt nur eine blühende Fantasie hatte. Sie stammt von Friedrich Rochlitz. Er schrieb für die "Allgemeine musikalische Zeitung" Artikel und war angeblich auch mit einigen Persönlichkeiten befreundet (Goethe, Schiller, E.T.A. Hoffmann, Spohr, Carl Maria von Weber, Robert Schumann,...), darüber hinaus machte er auch Bekanntschaft mit Mozart, Beethoven und Schubert. Man könnte quasi sagen, wenn man sich das Leben einer anderen Person aus der Vergangenheit aussuchen könnte, dann wäre das bei so einem Freundschafts- und Bekanntenkreis ein heisser Kandidat. ;) Die Frage ist halt, inwieweit bei den flüchtigen Bekanntschaften auch tatsächlich alles der Wahrheit entspricht. Ludwig Nohl schreibt in seinem Buch "Mozart nach den Schilderungen seiner Zeitgenossen", über Rochlitz "Von dem nachfolgenden Zeugen hörten wir schon wiederholt. Allerdings ist er mehr geistreich ausschmückender Schriftsteller als getreuer Chronist." Die Überlieferung geht folgendermassen: "Ein gewisser damals erst bekannt werdender, nicht ungeschickter, fleissiger, aber ziemlich geniearmer Componist, der jetzt erst mehr Ruf gewonnen hat, nagte immer nach Möglichkeit an Haydns Ruhm und thut es wahrscheinlich auch später noch. Dieser Mann überlief Mozart oft, brachte ihm z.B. Symphonien, Quartette von Haydns Composition, hatte sie in Partitur gesetzt und zeigte nun Mozart mit Triumph jede kleine Nachlässigkeit im Styl, welche jenem Künstler, wiewohl selten, entwischt war. Mozart wendete oder brach doch das Gespräch ab. Endlich wurde es ihm aber zu arg. 'Herr',-sagte er äusserst heftig, 'und wenn man uns beide zusammenschmelzt, wird doch noch lange kein Haydn daraus!'"


    Falls diese Anekdote stimmen sollte, dann muss man das nicht zwangsläufig so verstehen dass er sich mit Kozeluch auf gleicher Stufe sah, sondern viel eher das er davon ausing wie Kozeluch sich selber gesehen hat, und damit Kozeluch es besser versteht aus seinem Blickwinkel darstellen, dass Beide kein Recht dazu haben Haydn zu kritisieren, weil Haydn schon alleine bezüglich der Originalität einzigartig und unverwechselbar, darüber hinaus auch handwerklich sicher über Kozeluch zu stellen ist. Eigentlich klar, wenn Mozart mit Kozeluch fusionieren würde, dann würde das ja zwangsläufig die Qualität Mozarts auf ein viel schlechteres Niveau drücken...da kann ja Haydn nur gewinnen. :D
    Kozeluch ist wohl auch nicht unbedingt ein Kandidat für den "Mozarts Freunde in Wien"-Thread. ;) So wie das überliefert ist, war der Umgang wohl eher sachlich, emotionsloser Natur, nicht mehr und nicht weniger. (Geschäftlich hatten sie ja mitunter zu tun) Er war auch später bei Beethoven nicht beliebt, und galt allgemein als ziemlich eingebildet.


    Zur Musik Kozeluchs. Ich finde sie teilweise durchaus anhörbar, äußerst gefällig, eingängig, unterhaltsam...gut für Momente wo man sich mal eher von Musik berieseln lassen möchte, weniger seine ganze Konzentration auf jedes Detail zu lenken, denn den kunstvollen Momenten mangelt es ihr doch großteils (wenn man es mal mit den späten Sinfonien Mozarts, den meisten Haydn Sinfonien, Klavierkonzerten Mozarts vergleicht) Ich habe diese Einführung zu den Klavierkonzerten 1,5 und 6 gefunden und sie trifft es m.M. nach genau auf den Punkt:


    Zitat

    Nimmt man Mozart als Goldstandard des Solokonzerts an, so ist es schwer, abwertende Vergleiche zu vermeiden. Den Konzerten Kozeluchs, besetzt mit einem kleinen Orchester aus Oboen, Hörnern und Streichern und damit auch für kleine Verhältnisse geeignet, fehlt es klar an der melodischen Eleganz, dem vollen Holzbläsersatz und den opernhaften Dialogen der großen Wiener Konzerte Mozarts. Außerhalb der Tuttis dient das Orchester bloß als diskreter Hintergrund für den Solisten; formale und harmonische Überraschungen sind rar. Doch bezaubern die galanten Konzerte des Böhmen auf ihre schlichte Art (Richard Wigmore)


    und für ein online Musikmagazin schrieb ein R. Kraus

    Zitat

    The orchestration tells you that this is not Mozart. Kozeluch’s strings are joined only by oboes and horns, instead of the more opulent array of winds which make the mature Mozart Piano Concertos so distinctive. (Die Orchestrierung zeigt einem sofort, dass es sich hier nicht um Mozart handelt. Zu Kozeluchs Streichern kommen nur noch Oboen und Hörner hinzu, statt der opulenteren Aufmachung an Holzbläsern, welche die reiferen Klavierkonzerte Mozarts so einzigartig machen)


    Trotz alledem nicht unbedingt schlecht, doch einen Vergleich mit Mozart sollten sie besser scheuen. ;) Und wenn das jeder geübte Hörer und Fachmann heraushören kann, dann konnte das schon erst recht Mozart. Somit erübrigt sich die These, er hätte ihn auf gleicher Augenhöhe gesehn...künstlerisch auf jeden Fall nicht, das kann höchstens nur im ökonomischen Sinne (wer hat mehr Erfolg bei Publikum und Kritikern und dergleichen) der Fall gewesen sein. Es gibt noch etwas Interessantes in Bezug zu Kozeluch. Die 3 letzten Sinfonien Mozarts werden ja immer in Bezug zu den Pariser-Sinfonien Haydns gesetzt, von denen die letzten drei Sinfonien zwei Jahre zuvor herausgebracht wurden. Es gibt ja die Vermutung, das könnte auch eine Inspiration für Mozart gewesen sein. Kozeluch hat nur ein Jahr zuvor drei Sinfonien in Wien herausgebracht, und mit der Gemeinsamkeit dass hier auch zwei davon in Dur und eine in g-moll steht.



    Vergleicht man diese jetzt mit den ein Jahr später folgenden Mozart Sinfonien, dann ist es für jeden halbwegs geübten Klassikhörer ohne großartiges Analysevermögen sofort heraushörbar, dass da nicht nur ein wenig, sondern regelrecht Welten dazwischen liegen. Für sich gesehen, sind diese Sinfonien natürlich trotzdem durchaus anhörbar, wenn man prinzipiell den Stil des späteren 18. Jahrhunderts mag. Aber es bedarf wohl auch keine weitere Erklärung für...


    Zitat von Alfred Schmidt

    warum erscheint Kuzeluch kaum in einem Konzertführe, Mozart und Haydn aber doch ?


    Solange dass nicht nur Kozeluch betrifft, sondern Komponisten die ich für talentierter halte (wie etwa Paul Wranitzky, Michael Haydn, J.M. Kraus,...) ist das kein Umstand der besonders verwunderlich wäre. ;)


    gruß

    „Eine Erkenntnis von heute kann die Tochter eines Irrtums von gestern sein.” (Marie von Ebner-Eschenbach)

  • Lieber âme


    An dieser Stelle möchte ich meiner Begeisterung über Deine wunderbar detaillierten Beiträge Ausdruck verleihen. Es klingt sehr überzeugend für mich, daß die berühmte oben zitierte Anekdote, eben nur eine Anektdote ist, so glatt wie alles zusammenpasst. Was deie Bewertung Kozeluchs zu Lebzeiten betrifft, war man sich schon zu Lebzeiten nicht einig, und nach seinem Ton umso weniger. Seine Karriere indes ist beneidenswert, alles was Mozart lange versagt bekam , bot man ihm geradezu an. Der folgende Text stammt übrigens aus dem berühmten österreichischen Lexikon von Constantin Wurzbach, Mitte bis ende des 19. Jahrhunderts, welches ausschliesslich berühmte Persönlichkeiten des Kaiserrreichs Österreich behandelte und 60 Bände im Lexikonformat umfasste. Es gilt als Zeitzeuge noch heute als unverzichtbar. Der erzählerische Plauderton ist typisch für dieses Werk, vermutlich dem Zeitgeist geschuldet. Am Schluß des Artilels gibt es noch eine freie Übersetzung von mir...


    Kozeluch, Leopold (Tonsetzer, geb. zu Welwarn in Böhmen, im Jahre 1753, gest. zu Wien 8. Februar 1814). Ein Vetter des Johann Anton K. [s. d. Vorigen], von welchem er auch den ersten Unterricht in Musik und Gesang erhielt. Leopold besuchte die Humanitätsclassen in Prag, hörte ebenda die Philosophie und schickte sich bereits zum Studium der Rechte an, welches er aber bald wieder aufgab und sich ganz der Musik widmete, für die er ein ebenso ungewöhnliches Talent besaß, als es von mehreren Seiten nicht an Aufmunterung zu ferneren Arbeiten auf diesem Gebiete fehlte. Zuerst schrieb er Pantomimen und Ballete für das Prager Theater, die allgemeinen Beifall fanden. Aber um sich in seiner Kunst auszubilden und um den Geschmack zu läutern, begab er sich im Jahre 1778 nach Wien, wo er bald ein gesuchter Lehrer ward und seine Compositionen in musikalischen Kreisen mit besonderer Vorliebe gespielt wurden. Sein Ruf vergrößerte sich immer mehr und so wählte Kaiser Joseph II. ihn zum Musiklehrer für die Erzherzogin Elisabeth, erste Gemalin des nachmaligen Kaisers Franz II., welcher, als er nach Leopold’s II. Tode die Regierung 1792 antrat, K. nach Mozart’s Tode an dessen Stelle zum k. k. Hofcapellmeister und Hofcompositeur ernannte. Diese Stelle versah K. bis zu seinem, im Alter von 61 Jahren erfolgten Tode. K. war ein ungemein fruchtbarer Componist, jedoch beeinträchtigte die Menge seiner Arbeiten nicht ihren inneren Gehalt. Schon während seines Aufenthaltes in Prag, als ein für das National-Theater von ihm componirtes Ballet ungewöhnlichen Beifall erhielt, schrieb er in rascher Folge hintereinander 24 Ballete und 3 Pantomimen. Gediegenere Arbeiten lieferte er aber während seines vieljährigen Aufenthaltes in Wien, wo überdieß viele derselben im Stiche erschienen sind. Seine Compositionen sind, insoweit dieselben durch den Druck oder durch Aufführung bekannt geworden, die Opern: „Le Mazet“, eine französische komische Oper; – „Didone abbandonata“, italienische Opera seria; – „Judita o la liberazione di Betulia, opera seria“, auf Befehl des Kaisers Leopold II. geschrieben, aber nicht aufgeführt; – „Ottone“, großes heroisches Ballet, auf Allerh. Befehl geschrieben und später im Clavierauszuge gedruckt; – „Mose in Egitto“, großes italienisches Oratorium, im Jahre 1787 und in den folgenden im k. k. National-Theater zum Besten der Tonkünstler-Witwen-Societät aufgeführt; – eine große „Krönungs-Cantate“, auf Ersuchen der böhmischen Stände zur Krönung Leopold’s II. zum Könige von Böhmen geschrieben und am 6. September 1791 von 200 Tonkünstlern im Prager National-Theater aufgeführt; – „Cantate auf das Fräulein Paradies“; – „Joseph der [93] Menschheit Segen, Cantate“, im Clavierauszuge gestochen; – „Pfeffel’s Cantate auf Fräulein von Paradies“, für das Clavier 1784 gestochen; – „Die Begebenheiten Telemach’s auf der Insel der Kalypso“, 1798 für den Grafen Fuchs componirt, für den K. auch sonst noch mehrere Tonstücke geschrieben hat; – „Denis’ Klagen auf den Tod Maria Theresiens“, für das Clavier 1781 gestochen; – „Cantate“, für Sopran mit concertirenden Violinen nebst Clavier, mit Begleitung von 2 Violinen, 2 Oboen, 2 Hörnern, 2 Bratschen und Baß; – Vierzig und mehr Clavier-Concerte, mehrere theils für vier Hände gesetzt, theils für zwei Claviere geschrieben, 16 davon sind im Jahre 1799 im Stiche erschienen; – Je zwei Concerte für Violoncell, Clarinette, englisches Horn; – Drei Concertanten für Violine, Viola und Violoncell; – Dreißig und mehrere Symphonien; – Sechs Quartetten, welche sämmtlich im Stiche erschienen sind; – Sechzig und mehr Sonaten, theils in Wien, theils in Offenbach bei Andrä im Stiche erschienen; – Ein Heft Lieder aus den besten deutschen Dichtern, zum Singen und Spielen am Clavier (Wien 1798); – „Harmonie pour 2 Oboes ou flutes, 2 Clarinettes, 2 Cors, 2 Bassons et Contrebasso“. Außerdem eine große Menge Arien für italienische Opern, Chöre und Arien für deutsche Schauspiele; Serenaden[WS 1] für Blas- und andere Instrumente, Lieder, Symphonien, Cantatinen, Notturno’s, Canzonetten u. dgl. m. Gaßner gedenkt rühmend des Melodienreichthums seiner durchaus gefälligen Arbeiten, seiner geschmacks- und ausdrucksvollen Spielweise und seiner höchst geregelten Lehrmethode. Gerber aber, sein Zeitgenosse, schreibt über ihn: „Den Charakter seiner Werke bezeichnen Munterkeit und Grazie, die edelste Melodie mit der reinsten Verbindung und gefälligsten Ordnung in Absicht der Rhythmik[WS 2] und Modulation“. – Kozeluch’s Tochter Katharina vermälte sich mit dem Advocaten Cibbini und hat unter diesem Namen als vortreffliche Pianistin und sinnige Tonsetzerin sich bekannt gemacht [vergl. dieses Lexikon Bd. II, S. 367].


    Außer denselben Quellen, welche bei seinem Vetter Johann Anton angegeben sind, als Dlabacz, Gaßner, Gerber, Schladebach-Bernsdorf, Oesterreichische National-Encyklopädie u. s. w., sind über ihn besonders anzuführen: Meusel (Joh. Georg), Teutsches Künstler-Lexikon (Lemgo 1808 und 1809, 8°.) Zweite umgearb. Auflage, Bd. I, S. 3510 bis 513. – Wigand’s Conversations-Lexikon (Leipzig, gr. 8°.) Bd. VII, S. 672. – Allgemeine Wiener Musik-Zeitung, herausg von Aug. Schmidt, Jahrg. 1841, Nr. 127–129: „Romantische Skizzen aus dem Leben berühmter Musiker“. Von J. H. Mirani. – Dalibor (Prager musikalisches Blatt in čechischer Sprache), herausgegeben von Emanuel Melis, 1862, Nr. 35, S. 273. – Porträt. W. Ridley sc. 1797 (kl. Fol.). – Fétis in seiner „Biographie universelle des musiciens“ fällt ein minder günstiges Urtheil als Gaßner und Gerber über Kozeluch: „Après la mort de Mozart“, schreibt Fétis, „la haute societe mit en vogue la musique de Kozeluch de preference a toute autre. Cette musique ne se fait pas remarquer par un grand mérite de facture, on y trouve même bon nombre d’incorrections, mais la mélodie gracieuse, élégante et facile y abonde. De la vient quelle était recherchée par tous les amateurs.“
    "Nach Mozarts Tod entstand in der High Society die Mode, Kozeluchs Musik den Vorzug vor allen anderen einzuräumen. Diese Musik fällt nicht durch besondere handwerkliche Meriten auf, es gibt auch einige Unkorrektheiten, aber die Melodik ist graziös, elegant und leicht. Genau das was von allen Amateuren gesucht wurde...."


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

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  • Danke Alfred, freut mich das zu lesen. Wahrscheinlich ist es eher die Minderheit an Themen in diesem Forum zu denen ich etwas beitragen kann, aber auch wenn ich wohl noch nicht zu den reifesten Semestern des Tamino-Clubs zähle habe ich mich schon etwas mit meinen bevorzugten Komponisten und deren Umfeld beschäftigt, und möchte das auch gerne hier mit einbringen (auch wenn das, wie du ja schon längst weißt, leider nicht immer zeitlich möglich ist).
    Was Kozeluch anbelangt, das ist sicher nicht geringschätzig gemeint, sondern aus kommerzieller Sicht vielleicht sogar clever, aber er verstand es damals sehr gut einen eher breiteren Geschmack zu bedienen. Im Gegensatz zu Mozart der versuchte öfters einen Spagat zwischen "lange Ohren" und Kenner zu finden, oder teilweise auch in manchen Werken speziell für eine Zielgruppe schrieb, hatte Kozeluch seine Musik generell auf den damalig vorherrschenden Geschmack der Aristokratie und dem gehobenen Bürgertum zugeschnitten (von unwissenden Laien wird ja gerne Mozart als die damalige Mainstream-Rampensau hingestellt, aber im Vergleich zu Kozeluch wird deutlich, das er das im Großen und Ganze nicht war und sich sicherlich nicht um jeden Preis anbiedern wollte... sieht man mal von vereinzelten Ausnahmen ab). Wenn man böse wäre, könnte man zwar auch sagen, Kozeluch wäre vielleicht zu mehr auch nicht im Stande gewesen. Aber ob Limitierung oder kommerzielles Kalkül, diese Frage kann man ruhig offen lassen. Wie geschrieben ist sie auch heute nicht schlecht, wenn man mit dieser Epoche prinzipiell etwas anfangen kann, aber so richtig mitreissen kann sie mich dann letztendlich auch nicht, da es ihr dann doch meist an emotionalem Tiefgang und kunstvollen Details mangelt.


    gruß

    „Eine Erkenntnis von heute kann die Tochter eines Irrtums von gestern sein.” (Marie von Ebner-Eschenbach)

  • Wie sicher schon herauszulesen, beurteile ich Kozeluch wesentlich günstiger als âme.

    Das mag zum Teil damit zusammenhängen. daß meine Schwerpunkgte andere sind. Ich beurteile ein Werk nach desseb Eibgängigkeit , Liebreiz und Wirksamkeit auf deb Hörer, nich nach allfälligen Tiefgang und "künstlerischem" Wert. Im Fall Mozarts haben wir es mit jemandem zu tun, der beie Ansprüche voll erfüllen konnte. Kozeluch geriet (allerdings erst nach seinem Tode) ins Ziefleuer der Kritik, wobei auch Äusserungen von Mozart und Beethoven -mit denen er nicht wirklich befreundet war - eine gewisse Rolle spielten.

    Der Kolturreisende, Musikhistoriker und Kritiker, Charle Burney isdes, beurteilte ihn sehr positiv.

    Hier wieder ein Lexikonauszug - diesmal von WIKIPEDIA

    Zitat


    Schon nach kurzer Zeit avancierte Koželuh zum gefeierten Pianisten. Der kaiserliche Hof betraute ihn mit der Nachfolge von Georg Christoph Wagenseil als Musiklehrer der Erzherzogin Elisabeth, der Tochter von Kaiserin Maria Theresia. 1781 lehnte Koželuh das Amt des Hoforganisten in Salzburg als Nachfolger Mozarts ab. Dafür wurde er 1792 nach Mozarts Tod gleichzeitig Kammerkapellmeister und Hofkomponist auf Lebenszeit. Einige Schüler, darunter die blinde Pianistin Maria Theresia Paradis, unterrichtete er privat zu Hause.

    Von freimaurerischen Ideen begeistert, trat Koželuh in Wien den Logen Zum Palmbaum und Zu den drei Adlern bei.

    Bereits zu Lebzeiten erfuhr Koželuh Anerkennung in ganz Europa; in seinen letzten Jahren wurde er aber häufig als Vielschreiber kritisiert. Die negativen Kritiken von Mozart und Ludwig van Beethoven sind bis heute unvergessen. Dennoch weisen seine besten Werke schon Züge der Musiksprache Ludwig van Beethovens und Franz Schuberts auf. In der Tat wurden einige seiner Werke über längere Zeit Beethoven zugeschrieben.

    Ich habe mir heute die zweite auf der gezeigten CD enthaltenen Sinfonie angehört

    Sinfonia in C-dur PosK l:6

    und war mehr als angetan dafon: Kraftvoll und leuchtend wie Mozatzs "Jupiter" beginnt der erste Satz- Der zweite weist Stellen von bemerkenswertem Liebteitz auf, und der dritte, das Nenuett erinnert mich entfernt an diverse Stück von Mozarts "Tänzen und Märchen" einer alten Serie au LP, die sämtliche WErke dieses Genrens von Mozart veröffentlichte


    der vierte Satz bringt die Sinfonie mit Verve zum Schluß


    Alles in Allem eine gelungen zwanzigminütige Sinfonie der man gerne zuhört


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