Der Tanz der 7 Schleier - Meine Lieblingsversionen

  • @ Dritte Dame:


    Ich habe das Ganze jetzt ein bisschen verändert. Ich poste hier noch mal das Video von mir, und darunter den Text der Szene. Letzteres vor allem, weil man ihn in der lauten Musik oft nicht so gut versteht, und ich will ja, dass du weißt, was gesungen wird.


    Meine Bitte wäre daher diese: lies dir zuerst nur den Text durch, damit du weißt, worum es geht, und DANN schau erst das Video!






    Liebe Grüße und viel Spaß!
    Hosenrolle1

  • Hallo Hosenrolle 1, erst einmal ganz lieben Dank für das Video! Gruselig ist gar kein Ausdruck, das ist beklemmend und jagt einem Schauer über den Rücken!
    Besonders unheimlich fand ich es, als Salome zu singen beginnt und die Musik dann auf einmal ins "Romantische" überschwenkt ( Ich mag dieses Wort nicht besonders, aber mir ist bis jetzt kein anderes eingefallen, das gleichbedeutend, aber weniger abgedroschen ist... ), im Hintergrund aber trotzdem irgendwie unterschwellig die bedrohliche Atmosphäre dieser Szene noch beibehalten wird...
    Salome ist in diesem Augenblick ja komplett in ihrer eigenen Welt!
    Ich finde, man hört hier deutlich, wie alles um sie herum sie entsetzt anstarrt, während sie völlig ungerührt davon diesen abgeschlagenen Kopf küsst...
    Mich hat's geschüttelt, auch ohne etwas zu sehen!
    Was mich ja prinzipiell interessieren würde, wäre natürlich auch der Gedanke dahinter: Was hat Salome denn so "irre" gemacht? Strauss / Wilde werden sich ja sicherlich ihre eigenen Gedanken gemacht und nicht nur einfach die biblische Vorlage übernommen haben.
    Hat diese kranke Umgebung sie auch krank gemacht?
    Ach ja, noch etwas! Leider hast Du ja den Anfang des Satzes unterschlagen, aber er war nicht schwer herauszufinden! Was meint sie mit "Das Geheimnis der Liebe ist größer als das Geheimnis des Todes"? Tot reicht er ihr auch, Hauptsache, sie hat ihn jetzt da, wo sie ihn wollte?

  • Liebe Taminos, wieso beschimpft ihr nicht Hosenrolle wegen dieser Aussage?

    Ach nein, bitte nicht! Niemanden beschimpfen, okay? Das ist generell kontraproduktiv und wirft immer so eine negative Stimmung auf ansonsten brauchbare Gespräche!


    Tatsächlich? Ich finde seine Überlegungen zur Rollendeckung durchaus als sinnvoll.

    Das empfinde ich grundsätzlich auch so! Natürlich wäre es hirnrissig, sich für die Kosten eines Monatsgehaltes eine Opernkarte zu besorgen, um Pavarotti singen zu hören und sich dann über seine Beleibtheit zu mokieren...
    ( Sicher gibt es auch Leute, die ein Monatsgehalt zu opfern bereit sind, nur, um sich über etwas beschweren zu können, aber solchen Leuten ist eh nicht mehr zu helfen...)
    Warum ist es denn legitim, zu sagen, dass man den speziellen "Klang" einer Stimme für manche Rollen passend findet und für manche nicht, aber wenn es dann ans Optische geht, darf man keine Vorlieben bzw. Abneigungen äußern?
    Gerade in einer Operaufführung spielt eben das Optische auch eine große Rolle, und ich freue mich auch, wenn Cherubino wirklich jungenhaft aussieht, und Octavian nicht aussehenstechnisch deutlich die vierzig schon überschritten hat...
    Gut, ich gebe zu,dass man mich mit der unfrei willigen Komik mancher Darstellungen auch sehr erfreuen kann: der schwangere Cherubino, den jemand einmal erwähnte, wäre so ein Beispiel... Oder ein Tamino, der allein durch seine Körperfülle nicht fähig wäre, der Schlange zu entkommen... Oder ein Leporello, der weitaus attraktiver ist als sein Chef...
    Übrigens vielen, vielen Dank für das Kopfkino bezüglich Pavarotti und Caballé! Das half mir beim Einschlafen, die makaberen Bilder aus der Schlussszene der "Salome" auszublenden... ;)

  • Hallo Hosenrolle 1, erst einmal ganz lieben Dank für das Video! Gruselig ist gar kein Ausdruck, das ist beklemmend und jagt einem Schauer über den Rücken!


    Das freut mich natürlich, mir gehts ja nicht anders :)



    Besonders unheimlich fand ich es, als Salome zu singen beginnt und die Musik dann auf einmal ins "Romantische" überschwenkt ( Ich mag dieses Wort nicht besonders, aber mir ist bis jetzt kein anderes eingefallen, das gleichbedeutend, aber weniger abgedroschen ist... ), im Hintergrund aber trotzdem irgendwie unterschwellig die bedrohliche Atmosphäre dieser Szene noch beibehalten wird...


    Ich weiß schon was du meinst, du meinst diese schöne Ohrwurmmelodie, das "Liebesmotiv" von Salome, das da von den Streichern kurz angestimmt wird, bevor wieder die unheimlichen Triller der Holzbläser kommen.


    Das ist überhaupt eine tolle Stelle für mich: zuerst die gruseligen Triller, dann scheint kurz das schöne Motiv auf, dann wieder die Triller, und dann wieder das Motiv, das sich dann steigert bis das ganze Orchester mitmacht.


    Übrigens, was die Szene auch noch schauriger macht ist, dass Salome den Kopf "im off" küsst, also in der Dunkelheit; anders gesagt, das Publikum sieht es nicht, sondern hört nur die Musik, und dann die Stimme von ihr, die sagt "ah, ich habe deinen Mund geküsst". Leider zeigen die meisten Regisseure da blutige Köpfe, die herumgeschwenkt und eben auch geküsst werden, dabei wirkt das viel schauriger, wenn man es NICHT zeigt (wie es von Wilde und Strauss ja auch beabsichtigt war).


    Aber ich mag auch, wie panisch die Musik wird, wenn Herodes Angst bekommt, diese kalten, präzisen Blechbläsereinsätze.


    Vielleicht kannst du nach diesem Hörbeispiel verstehen, wieso ich so "schockiert" war über die Musik des Rosenkavaliers, die völlig anders ist als diese hier.



    Was mich ja prinzipiell interessieren würde, wäre natürlich auch der Gedanke dahinter: Was hat Salome denn so "irre" gemacht? Strauss / Wilde werden sich ja sicherlich ihre eigenen Gedanken gemacht und nicht nur einfach die biblische Vorlage übernommen haben.
    Hat diese kranke Umgebung sie auch krank gemacht?


    In diese Geschichte wird ja viel hineinpsychologisiert; ich selbst denke schon, dass diese dekadente Umgebung auch Schuld ist für ihr Verhalten. Sie ist ja fasziniert von Jochanaan, weil der NICHT tut, was sie will, weil er sich ihr verweigert, weil er auf ihre Mutter und Herodes schimpft. Das Problem ist, dass Jochanaan das andere Extrem ist, nämlich ein religiöser Fanatiker, also auch kein richtiger Ausweg aus dem ganzen



    Ach ja, noch etwas! Leider hast Du ja den Anfang des Satzes unterschlagen, aber er war nicht schwer herauszufinden! Was meint sie mit "Das Geheimnis der Liebe ist größer als das Geheimnis des Todes"? Tot reicht er ihr auch, Hauptsache, sie hat ihn jetzt da, wo sie ihn wollte?


    Stimmt, den Satz habe ich leider schlecht geschnitten, ich wollte ihn vollständig drinlassen. :(
    Ich verstehe den Satz auch nicht so ganz, ehrlich gesagt, aber es gibt einige Sätze, besonders bei Oscar Wilde, die ich nicht ganz verstehe.





    LG,
    Hosenrolle1

  • @ Dritte Dame



    Ein Video von einem Pauker im Orchestergraben.
    Geh mal bitte auf 2:10 und schau dir die letzten 18 Sekunden an. Das ist der Schluss von der Salome, und die Pauke muss hier eine Reihe schneller 16tel Noten spielen ...




    LG,
    Hosenrolle1

  • Ich finde die vom ORF 1960 produzierte "Salome" bemerkenswert gut gelungen. Die Ausstattung und die Kostüme sind aus heutiger Sicht möglicherweise etwas "retro" aber durchwegs ästhetisch. Die Kamera- und Bildregie weisen bereits in die Welt des Films. Die Personenführung ist librettotreu und wertet auch kleine Rollen auf. Die Interaktion zwischen Narraboth und Salome vermittelt die schwärmerische Bewunderung für die Prinzessin ebenso wie die Verzweiflung des Hauptmanns über seinen Ungehorsam gegenüber Herodes. Die Juden nehmen am Tanz der sieben Schleier Anteil. Der Herodes von Julius Patzak und der Jochanaan von Hans Hotter sind Klassiker. Wunderbar die Wiener Philharmoniker unter Hans Swarowsky. Die Gestaltung der Salome durch Maria Kouba begeisterte in den 1960er und 1970er Jahren das Publikum in allen großen Häusern Europas und den USA. Ihre mädchenhafte Figur, ihr natürliches Spiel und nicht zuletzt ihr geschmackvoller Tanz überzeugen auch ohne schonungslose Nacktheit. Maria Koubas Stimme klingt jugendlich frisch mit strahlender Höhe. Zudem kann man jedes Wort verstehen. Ich habe etwa 80 Vorstellungen von "Salome" gesehen und beinahe alle Sopranistinnen, die diese Rolle in den vergangenen Jahrzehnten gesungen haben - und finde Maria Kouba eine der besten! Diese TV Produktion war übrigens die erste Filmversion einer gesamten Oper, die je vom ORF produziert wurde und über Eurovision über 20 Millionen Zuseher erreichte - eine Sensation in der damaligen Zeit! Wieland Wagner telegraphierte unmittelbar nach der Ausstrahlung an Maria Kouba ein Einladung nach Bayreuth, die Mailänder Scala fragte an und der ZDF bedauerte dieses Projekt nicht selbst realisiert zu haben. Mein Tipp: Ansehen und genießen auf youtube.com.

  • Vor zig Jahren stieß ich auf diesen Film und den Namen der Sopranistin Maria Kouba. Wirklich viel findet man zu ihr ja leider nicht. Lebt sie noch? Diesem Eintrag zufolge wurde sie 1922 in Altenmarkt bei Wies/Steiermark geboren und lebte zumindest 2015 tatsächlich noch in Köflach/Steiermark.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Ja, Joseph II, Maria Kouba (eigentlich Boshart nach ihrem zweiten Ehemann) lebt jetzt in einem Seniorenheim in der Steiermark ganz in der Nähe ihres Neffen und seiner Familie, die sich liebevoll um sie kümmern. Maria feiert im Februar 2021 ihren 99. Geburtstag! Ich arbeite gerade an ihrer Biografie und zu ihrem Geburtstag wird auch eine Webseite über sie online gehen. Es existieren Opernfilme von Cavalleria Rusticana, Jenufa und Salome und angeblich gibt es auch einige Rundfunkübertragungen.... ich suche nach weiterem Audio- und Videomaterial! Ich bin sehr an Erinnerungen, Berichten, Fotos, Zeitungsartikeln zu Maria Kouba interessiert und hoffe es reagieren Opernfreunde auf mein Inserat im Opernglas (Januar 2021).