Franz Schubert, Klaviersonate Nr. 21 B-dur D.960, CD (DVD)-Rezensionen und Vergleiche (2017)

  • Das hab ich auch erlebt, in Köln. So, ich gehe jetzt an meine Erinnerungen, und später versuche ich mal die Dateien zu überspielen.


    Liebe Grüße


    Willi:)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Lieber Willi,


    so, nun habe ich schon einges auf der Platte gespeichert und werde nun noch eine Rezension über Ushida schreiben - aber nicht mehr heute Abend. Die Bleistiftskizzen sind aber schon da... ^^


    Mein Vorhaben: Es gibt zunächst drei Rezensionen von mir: Ushida, Annie Fischer und Clara Haskil. Dann werde ich anschließend einen reflektierenden kleinen Beitrag einstellen, und die Aufnahmen von Pianistinnen zusammenfassend betrachten: Was ist dran am "weiblichen" Schubert? Gibt es so etwas wie einen "femininen" Interpretationstil, wie Katia Buniatishvili behauptet?


    Danach habe ich eine weitere Idee: exemplarische und gegensätzliche maßgebliche Interpretationen zu behandeln, um die Interpretationsalternativen diskutieren zu können. Rubinstein und Horowitz habe ich schon fertig.... Ich finde das im Moment spannender als stur nach Alphabet vorzugehen. Denn dann kommt die Alternative, die man vielleicht diskutieren möchte, erst nach 3 Monaten. Alles hat halt seine Vor- und Nachteile! :)


    Liebe Grüße

    Holger

  • Mitsuko Uchida: Im Flüsterton (Aufnahme Decca 1996/97)



    Der von J. W. von Goethe hoch geschätzte Danziger Kupferstecher Daniel Chodowiecki illustrierte Goethes Die Leiden des jungen Werther. Chodowieckis Buchillustration zeigt Werther nach dem Selbstmord nicht in einem Augenblick wilder Verzweiflung wüst auf dem Boden hingestreckt. Er liegt vielmehr ruhig im Bett – umgeben von einem hell leuchtenden Lichtschein: Der Tod, er wird hier dargestellt im Geiste des Pietismus, als mystischer Augenblick heiliger Ruhe und Stille.


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    Pietistisch-romantische Empfindsamkeit, sie prägt auch G.W.F. Hegels Lob „wahrhaft idealischer Musik“ wie die von Palestrina, Durante, Lotti, Pergolesi, Haydn, Gluck und Mozart:


    „Die Ruhe der Seele bleibt in den Kompositionen dieser Meister unverloren; der Schmerz drückt sich zwar gleichfalls aus, doch er wird immer gelöst, das klare Ebenmaß verläuft sich zu keinem Extrem, alles bleibt in gebändigter Form fest zusammen, so daß der Jubel nie in wüstes Toben ausartet und selbst die Klage die seligste Beruhigung gibt.“


    Diesen geistesgeschichtlichen Hintergrund lohnt es zu erinnern, will man Mitsuko Uchidas Zugang zu dieser letzten Schubertsonate verstehen. Die idealisierte Empfindsamkeit „seliger Beruhigung“, sie ist vom ersten Ton an bei ihr zu spüren. Das melodische Hauptthema wird musikalisch gesprochen gleichsam im Flüsterton, sachte, feierlich leise und zart. Man könnte meinen, die Pianistin legt für den Hörer den Zeigefinger auf die Lippen, um ihn mit Schuberts Musik zum Schweigen eines Tönens in der Stille zu bringen. Solche romantische Verklärung bedeutet nun nicht einfach, die Konturen verschwimmen zu lassen, die Formgrenzen aufzulösen. Es geht in einer solchen Empfindsamkeit vielmehr um die Milderung grober, starker Affekte, die Vermeidung greller Kontraste, die wie in einer Photographie mit einem Rotfilter zu sanften Ton-in-Ton-Schattierungen werden. Die Folge ist, dass sich die Buntheit verschiedener Farben der Empfindungen zur Einheit einer Grundstimmung des Fahlen, Traumhaft-Dämmernden verbindet.


    Mitsuko Uchidas Interpretation verfolgt diese Romantisierung mit großem musikalischem Sachverstand und wahrlich beeindruckender Konsequenz. Wie sie ein solches ästhetisches Konzept mit überragendem Gefühl und hellem Verstand zugleich umsetzt, kann man nur bewundern. Die Frage ist allerdings, was dies für die dramatische Konzeption der Klaviersonate bedeutet. Dramatische Kontraste werden zu romantischen Ton- und Stimmungswechseln gemildert, was die Ausbrüche von Forte-Kraft wie beim Hauptthema in der Exposition keineswegs ausschließt. Die Semantik ist die des Träumens und zeitweiligen Erwachens, um sogleich wieder in die Grundstimmung dahindämmernden Träumens zurückzusinken: aus dem harten Gegeneinander von kontrastierenden Affekten wird ein kontinuierliches Ineinandergleiten, eine dynamische Wellenbewegung von Bergen und Tälern. Uchidas Milderung dramatischer Kontraste zu Stimmungstönen kann aber bisweilen auch dazu führen, dass die Belebungen der Stimmung etwas schlafwandlerisch müde wirken. So deutet sich Schubert triumpfierender Ton aufgemunterter Wanderschaft nur sachte an, als dass er wirklich überzeugt auftrumpfen würde. Die Schlussgruppe der Exposition wirkt etwas schleppend, die geschmacklos laut rumpelnden Forte-Basstriller, die Alfred Brendel so stören, werden in Uchidas empfindsamer Milderung fast schon delikat geschmackvoll.


    Fragezeichen und Zweifel verdichten sich allerdings im dramatischen Herzstück des Sonatensatzes, der Durchführung. Uchida verschärft nicht die Kontraste, sie mildert sie ab, verklärt Dramatik ins Geheimnisvolle. So beginnt der dynamische Aufbau im ahnungsvollen Dunkel. Die musikalische Bewegung kommt jedoch nicht so richtig vom Fleck, wirkt eher müde und schlaftrunken. Zum Schlüsselerlebnis wird schließlich der allzu „gemütlich“ wirkende Basstriller, der die Reprise einleitet. Schuberts letzte Sonate hat in diesem romantisierenden Blick nichts Kämpferisches, Aufrührerisches, das musikalische Subjekt zeigt keinen auftrumpfenden Willen, lässt sich vielmehr treiben in willenloser Passivität: Der musikalische Fluss treibt ruhig dahin im Totenbett. Genau hier kann man sich fragen: Wo ist das Klassische geblieben in solch sentimentalisierter Romantik, der Sonatengeist dramatischer Kontraste von unvereinbaren Gegensätzen, welche die Vergegenwärtigung der großen Konflikte auf der Weltbühne bedeuten? Uchidas romantisierende Empfindsamkeit reduziert solche romantische Klassizität auf das Rein-Romantische. Genau damit aber droht Romantik in Gemütlichkeit umzukippen, in biedermeierliche Heimlichkeit eines Rückzugs von der großen Weltbühne ins Ruhig-Behagliche wohlbehüteten Wohnens im eigenen Inneren einer schönen Empfindungswelt. Den Einwand biedermeierlicher Verharmlosung eines Sonatensatzdramas, ihn kann man einer solchen empfindsamen Romantisierung letztlich nicht ersparen, so berührend ein solcher Vortrag auch ist.


    Dass genau diese Problematik im Andante sostenuto auftaucht, wundert nicht. Die Betonung des Romantisch-Stimmungshaften führt zu einer Entrhetorisierung, was bedeutet, dass nicht die einzelnen Phrasen expressiv artikuliert werden, so dass der Ausdruckswert einem bestimmten Motiv anhaftet. Der Ausdruckscharakter durchzieht vielmehr das Ganze so, dass Alles und Jedes in gleicher Weise in einem trüben Licht erscheint. Nun wird allerdings dieser Satz getragen von den Motiven und Motivbewegungen (in „Motiv“ steckt lat. movere = bewegen) und ihrem expressiven, rhetorischen Gestus. Weil Uchida das Rhythmisch-Bewegende der Ausdrucksmotive in die Unbeweglichkeit eines alles ergreifenden düsteren Stimmungsnebels von „trüben Wolken“ auflöst, hat dies zur Folge, dass die expressiven Bewegungsmotive ihren Bewegungsimpuls tendentiell verlieren und so der Eindruck des Schleppenden und Langatmigen entsteht. Gerade auch der Mittelteil verblasst auf diese Weise, wirkt eigenartig kraftlos. Zwar wechselt auch bei Ushida hier der Ton, doch ist er nicht wirklich selbstbewusst auftrumpfend. Kraftakte verabscheut die mildernde Empfindsamkeit. Entsprechend bekommt diese Episode den Charakter des Mozarthaften, Spielerisch-Leichten. Genau damit verschwindet aber das Drama der Subjektivität, das Hin und Her eines Sich-Vergabens im Schmerz und des Aufbegehrens, wird egalisiert zum Ästhetisch-Spielerischen, zum Impressionistisch-Atmosphärischen, seinen Störungen, Eindunklungen und erleichternden Aufhellungen. Die Rückkehr des Andante-sostenuto-Themas schließlich krankt bei Uchida daran, dass sich das Trübe einfach nicht weiter eintrüben lässt, ohne einschläfernd zu wirken.


    Wie nicht anders zu erwarten ist das Scherzo bei Uchida alles andere als derbe Lebensfreude und überschäumende Lebenskraft. Ihre behutsame Empfindsamkeit macht auch diese Scherzo-Fröhlichkeit spielerisch und natürlich leicht, zu einem Schubert, der einmal mehr so klingt, als sei er eigentlich Mozart. Uchida spielt dieses Scherzo mit einer ganz und gar unschuldigen und unreflektierten Empfindsamkeit, mit natürlicher, schlichter Empfindung. Doch genau diese Beschwörung Mozartscher Unschuld hat ihren Preis: Es verschwindet romantische Reflektiertheit und das, was Schubert insbesondere auszeichnet: der Ton von Gebrochenheit. Im Trio wird dies offensichtlich, wo kontrastmilderne Empfindsamkeit das Diabolische schlicht und einfach verharmlost: Der Kontrast zwischen fließender Melodie und dem exzentrisch den Melodiefluss immer wieder unterbrechenden Bass, er hat sich in Uchidas Weichzeichnung aufgelöst ins gleichgültige Nebeneinander. Die musikalischen Bewegungen, ihrer Widerhaken beraubt, sie werden so auch träge und zäh, einen Eindruck, den die romantisch entrhetorisierte Motivik in der Entkräftung ihrer expressiven Kraft noch unterstützt.


    Das Rondo-Finale hat schon bei Beethoven die Simplizität eines nur lösend-aufheiternden Kehraus-Schlusses verloren, vereinigt vielmehr das Weitertragen dramatischer Spannungen mit der Lösungswirkung des Rondos, wie etwa in der Sonate op. 13 „Pathétique“. Schuberts B-Dur-Sonate zeigt anders die Ambivalenz eines Kehraus-Finales, das nicht so Recht weiß, ob es beginnen will, von der Unruhe des Überdrusses an der Rondo-Gelöstheit angekränkelt ist. Wie zu erwarten erfährt auch dieser Finalsatz in Uchidas Interpretation seine empfindsame, „selige Beruhigung“ – wird zum ruhig-gelassenen Kehraus im Ton Mozartscher Unschuld. Harte affektive Kontraste erscheinen auch hier ins Empfindsam-Zarte geläutert. Schon der Anfangston – eine „Bremse“, ein Innehalten? – ist einfach zu weich. Bei Uchida sinkt man zurück ins weiche Sofa und genießt in der Folge ein kindliches Spiel, zart und ohne große seelische Komplikationen. Dabei reduziert sie zwar empfindsam besänftigend allzu aufrührerische Forte-Kraft, verniedlicht sie aber auch nicht. Wiederum ersetzt das dynamische Kontinuum eines Schlaftraums, der an seinem Höhepunkt aus dem Träumen erwacht, das alterierende Kräftespiel. Die sanfte Einebnung und Egalisierung zeigt ihre Wirkung so auch weniger an den deutlich markierten dynamischen Höhepunkten, sondern mittendrin in den vielen kleinen Kontrastierungen. Der Geist eines alterierenden Rondos ist in dieser spielerischen Besänftigung aller Schroffheiten kaum noch zu spüren. Schon das Hauptthema ist im Ton viel zu zart und einfach und das kontrastierende Mannigfaltige, es wird assimilierend in den sanften Ton einer egalisierenden einheitlichen Grundstimmung des Leise-Heiteren getaucht einander viel zu ähnlich. Bezeichend ist auch der Schluss: Die Musik verzagt hier nicht oder verzweifelt, vielmehr hat der klagende Gestus etwas von dem eines bittenden Kindes. Der Mensch, er ist angesichts des Todes zum Ende dieser empfindsam durchdrungenen Sonate zum gebürtlichen Anfang seines Lebens zurückgekehrt, wird folgerichtig zum naiv spielenden Kind, das nichts mehr begehrt im Sinne großer erschütternder Leidenschaften. Und weil der Mensch in der Gewissheit und seligen Beruhigung seines Endes keine Bedürfnisse mehr hat, muss er sich in die großen Zweifelsfragen des Daseins auch nicht mehr vertiefen.


    Uchidas romantisch-empfindsame Verklärung der B-Dur-Sonate geschieht letztlich im Geiste der Tröstung. So wie Mitsoku Uchida diese großen Sonate in empfindsamen Episoden vorführt, könnte man sie Franz Liszt erinnernd mit Consolations überschreiben, Spiegelungen einer schönen Seele in der mild-lächelnden Ergebenheit in das Unvermeidliche. Die kritischen Fragen, die ein solches idealisiertes Schubert-Bild grundsätzlich aufwirft, sie betreffen nun keineswegs das überragende künstlerische Gestaltungsvermögen der Interpretin, vielmehr das ästhetische Konzept, die unvermeidliche Reduktion des Klassisch-Dramatischen in einer solchen romantisierenden Sentimentalisierung. :) :)


    Schöne Grüße

    Holger

  • Lieber Holger, auch diese Besprechung habe ich mit großem Interesse und Wohlgefallen gelesen. Vielen Dank für deine sehr anregende Arbeit! Sie verdeutlicht m.E. nachvollziehbar, welche Schwierigkeiten Interpreten von Schuberts letzter Sonate lösen müssen und wie komplex sie sind. Und es wird auch klar, welchen Spielraum es bei diesen Lösungen gibt, denn z.B. die Akzentuierung des "Tröstlichen" halte ich - ohne Ushidas Einspielung zu kennen - für grundsätzlich gut denkbar, solange dies nicht die Verharmlosung der Abgründigkeit bedeutet.

  • Zitat von Dr. Holger Kaletha

    Uchidas romantisch-empfindsame Verklärung der B-Dur-Sonate geschieht letztlich im Geiste der Tröstung. So wie Mitsoku Uchida diese großen Sonate in empfindsamen Episoden vorführt, könnte man sie Franz Liszt erinnernd mit Consolations überschreiben, Spiegelungen einer schönen Seele in der mild-lächelnden Ergebenheit in das Unvermeidliche. Die kritischen Fragen, die ein solches idealisiertes Schubert-Bild grundsätzlich aufwirft, sie betreffen nun keineswegs das überragende künstlerische Gestaltungsvermögen der Interpretin, vielmehr das ästhetische Konzept, die unvermeidliche Reduktion des Klassisch-Dramatischen in einer solchen romantisierenden Sentimentalisierung. :) :)

    Lieber Holger,


    schönen Dank für deine ausführliche Rezension, in der du dich für die B-dur-Sonate auf einen Charakter festlegst, der mehr die dramtischen Züge der klassische Sonate trägt als diejenigen, die Dame Mitsuko hier präferiert. Die Frage wäre, ob sie damit falsch läge, oder ob die B-dur-Sonate so ein weites Feld ist, dass sie auch diese Sichtweise verträgt. Es scheint nun gerade für diese Sonate keine Literatur vorzuliegen, die sich mit dieser Frage ausführlich beschäftigt, das habe ich im Vorfeld zur Beschäftigung mit dieser Sonate sehr vedauert. Anscheinend haben sich potentielle Schriftsteller nicht herangewagt, und ich möchte auch jetzt hier in diesem Thread keine solche Diskussion lostreten oder losgetreten sehen. Dieser Thread ist schon sehr umfangreich, und er wird noch umfangreicher werden (alleine ich hab noch über 80 Rezensionen vor der Brust). Es wäre aber eine andere Sache, parallel zu diesem Thread einen zweiten Thread zu eröffnen, in dem sich Interessenten in sachlich fairer Weise zusammenfinden und über die verschiedenen Interpretationen und Interpretationsansätze diskutieren könnten.

    Ich könnte mir vorstellen, lieber Holger, dass du für eine solche Herangehensweise zu haben wärest.


    Ein einzelner Aspekt deines o. a. Resumées fiel mir noch ins Auge, lieber Holger, als ich meinen Beitrag gerade abgeschickt hatte:

    Zitat von Dr. Holger Kaletha

    Spiegelungen einer schönen Seele in der mild-lächelnden Ergebenheit in das Unvermeidliche.

    Könnte nicht damit genau Schuberts Seele in seinen letzten Lebenswochen gemeint sein? Die menschliche Größe, sich in der Hofffnung auf eine schmerzfreie Zukunft in einer besseren Welt dergestalt in sein Schicksal zu ergeben, hatte Schubert zweifellos.


    Lieber Grüße


    Willi:)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Sie verdeutlicht m.E. nachvollziehbar, welche Schwierigkeiten Interpreten von Schuberts letzter Sonate lösen müssen und wie komplex sie sind. Und es wird auch klar, welchen Spielraum es bei diesen Lösungen gibt, denn z.B. die Akzentuierung des "Tröstlichen" halte ich - ohne Ushidas Einspielung zu kennen - für grundsätzlich gut denkbar, solange dies nicht die Verharmlosung der Abgründigkeit bedeutet.

    Lieber Leiermann, genau das hatte ich im Sinn, diese Spielräume auszuloten. Ich lese gerade Paul Natorp, was er über Beethovens "Eroica" schreibt. Er sagt da vereinfachend, dass es nicht darauf ankommt, was Beethoven selbst genau wollte. Es gibt immer verschiedene Auslegungsmöglichkeiten. Die Frage ist dann, was "annehmbar" ist. Diese Annehmbarkeit (mehr oder weniger) ist jenseits der Alternative notwendig-beliebig. Uchida ist ganz sicher annehmbar - aber Clara Haskil oder Annie Fischer sind es auch, die ganz andere Wege gehen. Genau deshalb sind Interpretationsfragen so spannend! :)

    Es wäre aber eine andere Sache, parallel zu diesem Thread einen zweiten Thread zu eröffnen, in dem sich Interessenten in sachlich fairer Weise zusammenfinden und über die verschiedenen Interpretationen und Interpretationsansätze diskutieren könnten.

    Ich könnte mir vorstellen, lieber Holger, dass du für eine solche Herangehensweise zu haben wärest.

    Das ist eine sehr gute Idee, lieber Willi. Das wäre dann der dritte Thread über die B-Dur-Sonate! :thumbup:

    Könnte nicht damit genau Schuberts Seele in seinen letzten Lebenswochen gemeint sein? Die menschliche Größe, sich in der Hofffnung auf eine schmerzfreie Zukunft in einer besseren Welt dergestalt in sein Schicksal zu ergeben, hatte Schubert zweifellos.

    Ob das genau so ist, lieber Willi, wissen wir glaube ich eher nicht und können es auch wohl gar nicht. Aber möglich ist es zweifellos. Das ist eine Frage der "Annehmbarkeit", die ich oben formuliert habe. :)


    Liebe Grüße

    Holger

  • Lieber Willi,


    ich arbeite am Eröffnungsbeitrag für meinen Interpretations-Thread, den Du vorgeschlagen hast! :) Ich werde meine Beiträge - auch wegen der Länge und der Möglichkeit des schnellen Zugriffs - als Kolumnenartikel einstellen und dann zusätzlich einen Thread dazu eröffnen, wo wir diskutieren können (mit Link zur Kolumne). Vielleicht morgen ist er fertig. Dann haben wir das als Ergänzung zum chronologischen Vorgehen. Das hat auch den Vorteil, dass ich nicht jede Rezension in den Interpretations-Thread einstellen muss, sondern beide bedienen kann. Schubert hat so viel Aufmerksamkeit verdient, glaube ich!


    Den Brendel (2008) habe ich inzwischen! :hello:


    Liebe Grüße

    Holger

  • Ich muss mich die nächsten Tage etwas zurückhalten, lieber Holger: heute Abend haben wir gesungen, morgen führe ich mir in Köln die Johannes-Passion zu Gemüte, morgen Abend in Düsseldorf La Traviata und Sonntag und Montag singen wir wieder, wie jedes Jahr zu Ostern, in Lette und Coesfeld (oder umgekehrt).

    Und dann kommen Schubert und Beethoven wieder an die Reihe.

    Ich freue mich schon auf deinen Thread, lieber Holger und wünsche dir und deiner Frau einstweilen ein frohes Osterfest. Schönes Wetter gibt es gratis.


    Liebe Grüße


    Willi

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).