Der Bariton André Schuen aus Südtirol

  • Andrè Schuen stammt aus Südtirol. Er studierte am Mozarteum in Salzburg und besuchte mehrere Meisterkurse u.a. bei Thomas Allen, Brigitte Fassbaender und Olaf Bär.
    Nach eigenen Aussagen widmet er 40% der Oper, 40% dem Liedgesang und 20% dem Oratorium.
    2006 trat er erstmal bei den Salzbuger Festspielen auf. 2010 wurde er Mitglied der Oper Graz.
    Er ist ein gefragter Lied und Oratoriensänger.


    Es gibt bereits folgende Einspielungen von ihm:




    Sehr empfehlenswert ist das Studiokonzert von Bayern Klassik mit ihm. Man kann es sich hier anhören.


    https://www.br-klassik.de/concert/ausstrahlung-1226010.html


    Ich kenne ihn schon seit einigen Jahren und finde, dass er über eine besonders schöne Stimme verfügt.


    :hello:


    Jolanthe

  • Liebe Jolanthe,


    bisher hat noch niemand auf Deine Vorstellung von André Schuen reagiert. Ich hatte zunächst gedacht, die Österreicher werden sich sicher äußern. Fehleinschätzung! Die scheinen überwiegend Nostalgie-Melomanen zu sein. Wie die meisten deutschen ja leider auch! Für neue Stimmen interessieren sich leider nur wenige Taminos. Also nimm das Schweigen nicht so schwer. Mit dem jungen Bariton hat es nun wirklich nichts zu tun. Der verdient durchaus Aufmerksamkeit.


    Live habe ich ihn bisher nicht gehört aber Deinen Link zu dem Liederabend habe ich genutzt und außerdem noch einige Videos auf Youtube studiert! Deshalb habe ich mir auch die neue CD angehört und ich finde sie sehr eindrucksvoll. Offenbar ist die Stimme groß und sehr wohlklingend. Mir gefallen zwar nicht alle Interpretationen in der Sammlung. Manche finde ich etwas oberflächlich und ungut extrovertiert. Da verlässt er sich zu einseitig auf die dramatische Kraft und Schönheit seines Baritons. Aber andere Interpretationen verdienen höchstes Lob. Da hat er sorgfältig an Nuancen gefeilt und seine Ausdeutung von Text und Musik klug durchgearbeitet. Das ist dann schon sehr gut!

    Er hat ja auch für sein Konzert in der Wigmore Hall gute Kritiken bekommen!


    Beste Grüße


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Liebe Jolanthe!


    Inzwischen habe ich André Schuen auch live gehört:

    in der Neueinstudierung des Don Giovanni in Hamburg hat er stimmlich und sängerisch einen fabelhaften Eindruck in der Titelpartie gemacht. Die kernige Stimme kann zupacken aber auch samtig einschmeichelnd klingen. Auch hat er die Lockerheit und das Temperament für die Champagnerarie. Im Zusammenspiel mit Kyle Ketelsens Leporello bildete er wirklich das Zentrum - zumindest musikalisch, denn die Inszenierung war ein Graus. Insofern möchte ich André Schuen auch nicht ankreiden, dass er noch kein überzeugendes Rollen-Profil entwickeln konnte. Immerhin hatte er die erotische Energie für die Partie. Den Ausdruck wird er sicher noch entwickeln, mehr Nuancen, Farben und Tiefen zeigen, wenn er mal mit Regisseuren zusammen arbeitet, die ein Konzept für das Werk und seinen Titelhelden haben.



    Beste Grüße


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • In einer Aufführung des "Elias" in der Essener Philharmonie hat er den Elias gesungen - sehr beeindruckend!

    Glaubst du, dass er sich bloß ein bisschen geniert hätte? I, Gott bewahre, ganz dreiste weg, als ob er sagen wollte: Ja, meine Herrschaften, da steht der Rotwein, und nun nehme ich ihn mit nach Hause (Theodor Fontane, Stine)

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  • Liebe Jolanthe,

    André Schuen, der gestern in der Salzburger "Cosi" den Guglielmo sang, hat einen Plattenvertrag mit der Deutschen Grammophon abgeschlossen.

    Das mit dem Plattenvertrag ist eine gute Nachricht!


    Über den Guglielmo von André Schuen sagst Du nichts?


    Mir hat er in der Partie ausgezeichnet gefallen. Er war deutlich überzeugender als in Hamburg als Giovanni.

    In Salzburg bot ihm der Regisseur aber auch ein Rollenprofil an, das er gut umsetzen konnte, und Joana Mallwitz war eine Dirigentin, die die ihm mal Raum ließ, seine Stimme und seine Gefühle zu entfalten, mal aber auch energisch voran trieb.

    Ich bin gespannt auf die weitere Entwicklung des vielversprechenden Baritons.


    Beste Grüße


    Caruso41

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  • Über den Guglielmo von André Schuen sagst Du nichts?

    Er hat mir sehr gut in dieser Rolle gefallen.
    Vor einiger Zeit konnte man im Internet eine japanische Produktion der Zauberflöte sehen, in der er den Papageno gesungen hat. Da war er auch sehr überzeugend.

    :hello:

    Jolanthe

  • Guten Morgen, mein Einruck ist, dass André Schuen mit dem Guglielmo eine Rolle gefunden hat, die wie maßgeschneidert für ihn ist. Ich wünschte mir, er bleibt in diesem Fach. Viel Mozart, viel Lieder. Das ist es, wofür er seine enorme Begabung mitbringt. Er singt so schön sanft und vermittelt eine künstlerische Sensibilität, die auf den ersten Blick wie ein Gegensatz zu seiner robusten tiroler Erscheinung wirkt. Einen schönen Film gibt es in der Mediathek des Bayerischen Rundfunks, der seine Persönlichkeit und seine Kunst sehr gut erfasst, wie ich finde: Die Stimme aus dem Gadertal.. Schuen ist durch und durch ein Sympathieträger. Das ist für einen Sänger nicht die schlechteste Eigenschaft. Ich freue mich jetzt auf die großen Schubert-Zyklen, mit denen er bei der Deutschen Grammophon starten soll. Jolanthe hatte bereits darauf aufmerksam gemacht. :hello: Er bringt für den Liedgesang enormes Potenzial mit. Von diesem Sänger werden wir noch sehr viel hören. Davon bin ich ganz fest überzeugt. Die weiter oben abgebildete CD "Wanderer" mit Liedern von Schubert ist eine der besten, die mir seit ihrem Erscheinen untergekommen ist.


    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Obwohl ich mich mit Cosu fan tutte so gar nicht anfreunden kann, haben mir die Inszenierung und alle Sänger hervorragend gefallen. Da sieht man wie wichtig die Zusamnenarbeit mit einem guten Regisseur ist. Für Herrn Schuen würde ich mir wünschen, daß er sein Rollenrepertoire vorsichtig erweitertert, vieleicht mit Rossini.

  • Lieber Rheingold!

    Guten Morgen, mein Einruck ist, dass André Schuen mit dem Guglielmo eine Rolle gefunden hat, die wie maßgeschneidert für ihn ist.

    Deine Beiträge habe ich schmerzlich vermisst!

    Dass Du jetzt wieder schreibst, ist ein toller Auftakt für diesen sonnigen Hochsommertag!


    Ganz herzliche Grüße


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


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  • Liebe Jolanthe!

    Ich bin Deiner Empfehlung gefolgt und habe mir Tschaikowskis lyrische Szenen angehört.

    Das hat sich allerdings wirklich nur wegen André Schuen gelohnt.

    Seine schön timbrierte und glänzend geführte Stimme kann sich in der Partie des Eugen Onegin bestens entfalten. Ich finde erfreulich, wie fein überlegt er dynamische Differenzierungen und farbliche Nuancen einsetzt. Ein klar umrissenes Portrait des Onegin habe ich allerdings noch nicht entdecken können. Da brauchte er wohl mehr Unterstützung durch den Dirigenten (und einen Regisseur).


    Im Übrigen war die Übertragung eine Enttäuschung. Sie klang über weite Strecken fade und uninspiriert. Die verwackelten Einsätze und erhebliche Abstimmungsprobleme trübten das Bild noch zusätzlich. Leider gab es auch neben Schuen keine wirklich überzeugende Gesangsleistung. Nicole Car wirkte gehemmt. Mit den langsamen Tempi des Dirigenten (Tomáš Hanus) schien sie nicht klar zu kommen. In der Deutschen Oper Berlin fand ich sie entschieden besser. Besonders enttäuscht war ich von Bogdan Volkov. Er hat so eine schöne Stimme und fängt damit so wenig an. Hinzu kamen an diesem Abend noch unüberhörbare Höhenprobleme.


    Beste Grüße

    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • LE NOZZE DI FIGARO - Wiederaufnahme
    Inszenierung: Jean-Pierre Ponnelle
    Musikalische Leitung: Philippe Jordan
    u. a. mit Andrè Schuen (Graf Almaviva), Federica Lombardi (Gräfin Almaviva), Louise Alder (Susanna), Philippe Sly (Figaro), Virginie Verrez (Cherubino)


    Guten Morgen, Jolanthe, danke für den Tipp. Ich bin sehr gespannt. Gespannt, wie sich zwei Sänger, die ich sehr schätze, in eine mehr als fünfzig Jahre alte Inszenierung einpassen lassen werden. Ich frage mich auch, wie sich die Arbeit eines so detailversessenen Regisseurs wie Ponnelle, bei dem selbst eine kleiner Stuhl immer genau an der selben Stelle stehen musste, nacharbeiten lässt. Schuen als Graf und Sly als Figaro (die Fettung ihrer Namen weiter oben stammt von mir)! Zwei Sänger deutlich unter vierzig, die zu singen und sich zu bewegen verstehen und in der Lage sind, auch optisch etwas riskante Produktionen auszufüllen. Diese Konstellation zweier männlicher Konkurrenten, wie ich sie auch im Stüick selbst angelegt sehe, dürfte sehr stimmig sein. Einmal mehr dürfte sich also Susanna auch vom Graf verwirren lassen. Beide treten auch in Carusos "Neue-Stimmen-Thread" auf, Sly öfter als Schulen. Ich bin froh, dass Schuen nach dem wunderbaren Guglielmo in Salzburg bei Mozart bleibt. :)


    In der von Karajan geleiteten "Figaro"-Premiere 1977 waren Tom Krause der Graf und José van Dam der Figaro.

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

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  • LE NOZZE DI FIGARO - Wiederaufnahme
    Inszenierung: Jean-Pierre Ponnelle
    Musikalische Leitung: Philippe Jordan
    u. a. mit Andrè Schuen (Graf Almaviva), Federica Lombardi (Gräfin Almaviva), Louise Alder (Susanna), Philippe Sly (Figaro), Virginie Verrez (Cherubino)

    Inzwischen steht der neue Termin für den Stream der Wiener Staatsoper fest: 7. Februar ab 19.00 Uhr

    :hello:

    Jolanthe

  • Das ist ja eine gute Nachricht! Danke.

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent


  • Die Enspielung von Schuberts "Müllerin" mit André Schuen ist für dieser Tage an gekündigt. JPC zitiert den Sänger wie folgt:


    "Ich wollte mit der Aufnahme von Die schöne Müllerin nicht zu lange warten, weil Stimmen mit dem Alter gemeinhin dunkler und schwerer werden... Indem ich das Werk jetzt aufnehme, wo ich noch relativ jung bin, kann ich auch noch viele helle Farben in die Musik bringen. Denn ohne sie ergibt die Müllerin für mich keinen Sinn."

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Gerade ist diese DVD erschienen:



    Es ist eine einzige Freude sie anzusehen und anzuhören. Sehr interessant ist auch die ca. 50 minütige Dokumentation von den Proben.

    :hello:

    Jolanthe