Frag nach bei Sixtus!

  • Grundsätzlich bevorzuge ich zwar die Originalsprache, weil sie auf die Musik zugeschnitten ist, während Übersetzungen immer Kompromisse mit der Musik eingehen. Aber ich gebe dir recht, wenn es sich um selten gespielte Stücke handelt - und vollends in Sprachen wie Russisch oder Tschechisch.
    Aber mein Vorstoß zielt in eine andere Richtung: Wenn ich merke, dass sich ein Sänger in der gesungenen Sprache nicht wohl fühlt und / oder mit der Aussprache nicht zurecht kommt, fühle ich mich als Zuhörer auch nicht wohl. Man merkt es manchmal den Gesichtern an, ob der gesungene Text wirklich verstanden wird.
    In solchen Fällen hat es an der Sorgfalt bei der Auswahl der Sänger gefehlt - oder an der sprachlichen Vorbereitung mit einem Coach. Eine gue Vorbereitung zahlt sich immer aus, und die Sänger freunden sich mehr und mehr mit der fremden Sprache an. Ein Theater kann das leisten, wenn es die Stücke ernst nimmt - meint Sixtus

  • Es kommt noch hinzu, dass Muttersprachler im Publikum sitzen und sich dann wundern, wie seltsam Russisch oder Tschechisch oder Spanisch oder Dänisch und auch Deutsch etc. klingen. Selbst beim Italienischen gibt es Probleme. Fischer-Dieskau und Peter Schreier singen dann ein sehr deutsches Italienisch, übrigens auch Alfred Poell in der grandiosen Figaro-Aufführung unter Erich Kleiber.

    Der Fanatismus ist die einzige "Willensstärke", zu der auch die Schwachen und Unsicheren gebracht werden können (Nietzsche)

  • Ja, die Vokalverfärbungen sind ein weites Feld. Wenn Agathe den Himmel zum Hammel macht - oder Brünnhilde ihren Siegfried mit Sagfried ansingt, dann fragt man sich schon manchmal, in welcher Sprache hier gesungen wird. Und zwar nicht nur in einer fremden, sondern auch in der eigenen Sprache.
    Das hat natürlich stimmtechnische Gründe. Sowas passiert bei hohen Tönen, die auf den Vokal i schwer zu produzieren sind. Auch das u macht in der hohen Lage oft Schwierigkeiten. Von Wotan hört man häufig "Zu viel begehrst du, zu viel der Gonst!". Oder wenn Gunther im 2.Akt beim Auftritt nervös wird, liegt es meistens daran, dass er vor der Stelle zittert "Zu höchstem Rohm rag es nun auf!"
    Die Sänger wollen bei diesen engen Vokalen trotzdem möglichst viel Klang produzieren und weichen auf breitere, offenere Vokale aus - auf Kosten der Textverständlichkeit. Tun sie das aber nicht, versteht man zwar mehr vom Text, aber der Klang erleidet Einbußen. Es klingt dann manchmal fast wie gesprochen.
    Man könnte Sänger, die an diesen Stellen auffallen, beinahe unterscheiden in Klangfetischisten und Sprachfetischisten. Überspitzt gesagt: Die einen röhren ihre Partie, die anderen sprechen auf der richtigen Tonhöhe.
    Was hilft dagegen? Schwer zu sagen - am ehesten Verbesserung der Gesangstechnik (und Intelligenz!).
    Die menschliche Stimme ist einfach ein kompliziertes Instrument - meint Sixtus

  • Man könnte Sänger, die an diesen Stellen auffallen, beinahe unterscheiden in Klangfetischisten und Sprachfetischisten. Überspitzt gesagt: Die einen röhren ihre Partie, die anderen sprechen auf der richtigen Tonhöhe.

    Lieber Sixtus,


    wieder verdächtige ich mich selbst, einfach das Vergangene zu verklären. Früher war es ein Markenzeichen guter Sänger ausgezeichnet zu artikulieren, verständlich zu singen und stabilen Klang zu produzieren. Sprache und Klang vernünftig auszubalanzieren ist kein Gegensatz. Die gesangliche Einheit muss angestrebt und kann verwirklicht werden. Durch die Beschäftigung vieler ausländischer Sänger, bei denen es an der deutschen Sprache hapert sind vielleicht die Ansprüche geringer geworden. Für mich ist es ein Armutszeugnis wenn in einem deutschen Opernhaus, bei einer deutschsprachigen Aufführung Obertitel notwendig werden, es sei denn man muss ausländisches Publikum bedienen. Auch beim Schauspiel wird oft genuschelt, zu leise oder in die Kulisse hinein gesprochen. Schwer zu ertragen, wer noch Sprechkünstler wie Wiemann, Ponto, Gründgens usw. erleben durfte.


    Herzlichst
    Operus,
    der in Punkto Sprache und Verständlichkeit wirklich traditionell eingestellt ist.

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Aber wenn in einem italienischen Opernhaus ein deutscher Tenor den Rodolfo singt, wird sich der Italiener auch denken , daß der Tenor einen Sprachhlehrer braucht.

  • Aber wenn in einem italienischen Opernhaus ein deutscher Tenor den Rodolfo singt, wird sich der Italiener auch denken , daß der Tenor einen Sprachhlehrer braucht.


    Genau das ist es doch, eine sehr gute Bekannte ist Französin die lacht sich manchmal schief über die Aussprache von nicht Muttersprachlern, aber aufgepasst, :!: Jonas Kaufmann sagt sie immer wieder singt ein fantastisches französisch!


    Also wir brauchen nicht die Nase zu rümpfen über die Aussprache nicht deutscher Sänger! Aber der liebe Sixtus sieht es ihnen ja schon an der Nasenspitze an was sie da so phonetisch gelernt haben!? :D
    Damals im Frankfurter Ring der Berghaus sang Caterina Ligendza die Brünnhilde und ich war bei sehr vielen Proben dabei und Gielen und die Berghaus arbeitete viel mit ihr, auch wenn sie nicht so gut deutsch sprach, sie hat alles kapiert, warum muss man immer gleich so negativ urteilen!
    Nur mal als Beispiel, hört euch mal FIDIs italienisch an ! :thumbdown:


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Lieber Fiesco,
    an der Nasenspitze sehe ich den Sängern nicht an, ob sie wissen, was sie singen. Aber der Gesichtsausdruck gibt manchmal schon Aufschluss darüber, ob sie den Text richtig verstanden haben.
    Bei Catharina Ligendza (um bei deinem Beispiel zu bleiben) hatte ich daran nie einen Zweifel. Und in einem kurzen Gespräch mit ihr über ihre Stuttgarter Isolde (in Ölbronn) hat sie mich vollends davon überzeugt, dass sie sowohl den Text als auch die Musik sehr wohl zusammen, als Einheit, interpretieren kann.
    Es kommt auch immer auf die Persönlichkeit an, die auf der Bühne steht - meint Sixtus


  • Bei Catharina Ligendza (um bei deinem Beispiel zu bleiben) hatte ich daran nie einen Zweifel. Und in einem kurzen Gespräch mit ihr über ihre Stuttgarter Isolde (in Ölbronn) hat sie mich vollends davon überzeugt, dass sie sowohl den Text als auch die Musik sehr wohl zusammen, als Einheit, interpretieren kann.


    Da hat Catarina Ligendza (ohne "h" im Vornamen) ja noch einmal Schwein gehabt, ansonsten müsste man ihre Karriere heute vielleicht ganz anders beurteilen.

  • Wenn Agathe den Himmel zum Hammel macht - oder Brünnhilde ihren Siegfried mit Sagfried ansingt, dann fragt man sich schon manchmal, in welcher Sprache hier gesungen wird. Und zwar nicht nur in einer fremden, sondern auch in der eigenen Sprache.


    Also Hammel klingt doch sehr deutsch, lieber Sixtus. :D

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Apropos Hammel:
    Lieber Rüdiger, da böte sich an, eine Rangliste der schönsten deutschen Wörter aufzustellen, die von Sängern versehentlich neu geschaffen wurden und werden. Als erstes fällt mir ein: Man tääte dieses Weib!
    Es fragt sich nur, ob eine solche Sammlung im Sinne eines Opernforums wäre. Immerhin könnte die Übung manchen hier von Häme-Attacken gegen unliebsame Kollegen ablenken. Damit wäre wieder einiges gewonnen. Es besteht nur die Gefahr, dass wir im Übermaß der neckischen Rankingspielchen ersticken.
    Bedenken will ich´s; wer weiß, was ich tu... meint diesmal Sixtus

  • Beim Schmökern fiel mir mal wieder auf, dass immer wieder sehr viel Energie in Probleme investiert wird, die meiner Meinung nach keine sind. Die ursprüngliche Lust, mich an dem Thema zu beteiligen, vergeht mir dann, weil ich den Eindruck habe: Man beißt sich an Nebensächlichkeiten fest, man streitet um des Kaisers Bart.
    Aktuelles Beispiel: In Chrissys Thread über die neue Bohème in Liberec hat man Mimi das Sterbebett vorenthalten. Sie haucht ihre Seele auf einem Stuhl aus. Das wird ausführlich kommentiert und diskutiert.
    An solchen Bagatelldebatten will ich mich nicht direkt beteiligen, aber etwas Grundsätzliches dazu anmerken. Deshalb tue ich das an dieser Stelle:
    Wer mich kennt, kann sich denken, dass ich Mimi ihr Bett gönne. Aber wenn die Regisseurin sie auf einen Stuhl verbannt, tritt sie Puccini und seinen Librettisten nicht ans Schienbein. Da gibt es Wichtigeres. Die Aufführung war einfach im Ganzen gelungen, lieber Christian, wenn ich dich richtig verstanden habe. Mit der kritischen Erwähnung des Stuhles hast du unnötigerweise schlafende Hunde geweckt - und zwar auf beiden Seiten des RT-Schützengrabens. (Womit ich weder die Verfechter der einen noch die der anderen Seite als Hunde bezeichnen will). Aber du hast, sicher ungewollt, eine Debatte losgetreten, die wieder unsachliche Angriffe hervorgerufen hat. Dabei glaube iich herausgelesen zu haben, dass dir die Aufführung einfach gefallen hat.
    In solchen Fällen plädiere ich dafür, fünfe grade sein zu lassen und solche Petitessen zu vernachlässigen, um unnötige Gereiztheit zu vermeiden.
    Ich glaube, da gibt es über den Berliner Tristan Grundsätzlicheres zu diskutieren. Da ist nämlich nicht nur ein Stuhl auf der Bühne, sondern ein ganzes Sessel-Foyer auf einem Schiff, das nur dazu dient, Irlands Prinzessin nach Cornwall zu befördern. Und dieses Interieur passt nun überhaupt nicht auf das Deck eines Schiffs, das menschenunwürdige Transporte tätigt. Übermorgen wird im Rundfunk (Deutschlandfunk Kultur) ein Mitschnitt dieser Produktion gesendet. Weil mich die Besetzung lockt, werde ich mir das anhören - und über diesen ausschließlich akustischen Eindruck berichten. Ich hoffe, dass ich dabei vor meinem geistigen Auge mehr sehe als Sessel mit gelangweilten Schiffspassagieren.
    Herzliche Grüße von Sixtus

  • Lieber Sixtus,


    du verkennst, dass das "Traumschiff" (ZDF - ich habe es allerdings noch nie gesehen) in der besonderen Gunst des Publikums zu stehen scheint. Und da muss ein "modischer" Regisseur in der Oper doch mithalten, wenn in dieser - wie in "Tristan und Isolde" - ein Schiff vorkommt. Das ist doch endlich mal wieder eine neue Idee. Vielleicht werden wir künftig noch mehr Sofas auf antiken Schiffen erleben.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Mich haben die Bühnenbilder der Berliner Tristan-Inszenierung von Dmitri Tscherniakow durchaus überzeugt.

    ..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
    -- Aydan Özoğuz

  • Mich haben die Bühnenbilder der Berliner Tristan-Inszenierung von Dmitri Tscherniakow durchaus überzeugt.


    Und im Gegensatz zu Deinen beiden Vorrednern hast Du sie auch gesehen.

    Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht.

  • du verkennst, dass das "Traumschiff" (ZDF - ich habe es allerdings noch nie gesehen) in der besonderen Gunst des Publikums zu stehen scheint. Und da muss ein "modischer" Regisseur in der Oper doch mithalten, wenn in dieser - wie in "Tristan und Isolde" - ein Schiff vorkommt. Das ist doch endlich mal wieder eine neue Idee. Vielleicht werden wir künftig noch mehr Sofas auf antiken Schiffen erleben.

    Oh, was gab es damals (1988) doch für einen herrlichen "Skandal", als Ruth Berghaus es in Hamburg wagte, in ihrer kongenialen Tristan-Inszenierung (siehe hier) im ersten Aufzug Deckchairs (aka Liegestühle) auf das (Raum-)Schiffsdeck zu stellen :thumbsup:

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs, eine Behauptung noch kein Argument und ein Argument noch kein Beweis.

  • Gerhard Wischniewski


    „ du verkennst, dass das "Traumschiff" (ZDF - ich habe es allerdings noch nie gesehen) in der besonderen Gunst des Publikums zu stehen scheint. Und da muss ein "modischer" Regisseur in der Oper doch mithalten, wenn in dieser - wie in "Tristan und Isolde" - ein Schiff vorkommt. Das ist doch endlich mal wieder eine neue Idee „


    Wenn keine Erfahrung von zeitgenössischen Regiearbeiten von Wagners Tristan vorhanden, verwundert es natürlich nicht, dass du dann ein Sessel-Foyer als neue Idee postest.


    Ergänzend zu den Liegestühlen Mehta/Konwitschny-Tristan:
    https://www.youtube.com/watch?v=brxXJinyjb4



    Gerhard Wischniewski
    „Vielleicht werden wir künftig noch mehr Sofas auf antiken Schiffen erleben.“


    Auch das ist eine Falschinformation. Wagner verortete seinen Tristan überhaupt nicht in der Antike. Und wesentliche Quellen des Tristanstoffs entstammen aus dem heutigen Frankreich/Groß-Britanien ca. 11. bis 12. Jahrhundert n.u.Z. …

  • Ich hab den Tristan aus Berlin zwar nur auf Video gesehen, mir hat die Inszenierung aber auch gefallen

    Es scheint mir nicht die Frage entscheidend, ob mir etwas gefällt oder nicht. Auch ich habe das Video gesehen und mich streckenweise ziemlich amüsiert. Wie weit ein Tristan amüsant sein soll, müssen die Befürworter dieser Inszenierung mir beantworten... Wenn ich richtig liege, beherrscht Tcherniakov die deutsche Sprache nicht einmal rudimentär, so kann er viele Aspekte des Librettos logischerweise nicht erfassen. Warum man ihn trotzdem inszenieren lässt... :no:

  • Und im Gegensatz zu Deinen beiden Vorrednern hast Du sie auch gesehen.


    Die Fotos auf der Website waren eigentlich groß und deutlich genug. Blind ist glaube ich keiner von uns. Oder darf man sich jetzt etwa auch nicht zur Mona Lisa äußern, wenn man noch nicht im Louvre war und dort dass Gemälde gesehen Hat?

    Gott achtet mich, wenn ich arbeite, aber er liebt mich, wenn ich singe (Tagore)

  • du verkennst, dass das "Traumschiff" (ZDF - ich habe es allerdings noch nie gesehen) in der besonderen Gunst des Publikums zu stehen scheint.

    Lieber Gerhard, ich bekenne mich schuldig!! Ich sehe das Traumschiff sehr gerne und freue mich schon auf die nächste Folge am Sonntag. Das ist für mich die richtige Fernsehlektüre, um den ganzen Politikkäse zu vergessen und eben in den "Traum" zu flüchten.


    Und in einen solchen "Traum" möchte ich auch flüchten, wenn ich ins Theater gehe. Probleme sehe und lese ich jeden Tag.


    Herzlichst La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Wenn ich richtig liege, beherrscht Tcherniakov die deutsche Sprache nicht einmal rudimentär, so kann er viele Aspekte des Librettos logischerweise nicht erfassen. Warum man ihn trotzdem inszenieren lässt... :no:

    Nach dieser Logik dürften auch diverse Sänger oder Dirigenten sehr viele Rollen bzw. Opern nicht singen oder dirigieren - das erscheint mir nicht schlüssig!?

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs, eine Behauptung noch kein Argument und ein Argument noch kein Beweis.

  • La Roche
    „Lieber Gerhard, ich bekenne mich schuldig!! Ich sehe das Traumschiff sehr gerne und freue mich schon auf die nächste Folge am Sonntag. Das ist für mich die richtige Fernsehlektüre, um den ganzen Politikkäse zu vergessen und eben in den "Traum" zu flüchten.


    Und in einen solchen "Traum" möchte ich auch flüchten, wenn ich ins Theater gehe. Probleme sehe und lese ich jeden Tag.“


    Gegen in den „Traum flüchten“ ist prinzipiell nicht einzuwenden.


    Wagners Opern bieten einiges an Phantasmagorien und Eskapismus, aber ohne sich darin zu erschöpfen. Im Gegentum. Wagners Mucke durchbricht auch den eigenen Zauber.


    Ja, ja Ist schon höchst merkwürdig, dass RT-Phobe einerseits auf genauste Librettoumsetzung bzw. das „was ein Komponist gewollt hat“ bestehen und als „Verunstaltungstheater“ identifizieren, was dem eigenen Tunnelblick zu widerläuft, andererseits vom Opernbesuch erwarten, sich dennoch bloß auf Andachtskitsch versteifen zu können und damit Anforderungen der Werke selbst ignorieren.

  • An solchen Bagatelldebatten will ich mich nicht direkt beteiligen, aber etwas Grundsätzliches dazu anmerken. Deshalb tue ich das an dieser Stelle:
    Wer mich kennt, kann sich denken, dass ich Mimi ihr Bett gönne. Aber wenn die Regisseurin sie auf einen Stuhl verbannt, tritt sie Puccini und seinen Librettisten nicht ans Schienbein. Da gibt es Wichtigeres.

    Selten war ich mit "Sixtus" so sehr einer Meinung wie hier!


    Nun war das allerdings für einen bestimmten User - der seit Jahren darüber gewettert hatte, dass die Mielitz-Inszenierung von "La Bohème" an der Staatsoper Dresden (ich schreibe bewusst nicht Semperoper, weil ich gar nicht genau weiß, ob die vor oder nach 1985 Premiere hatte) skandalöserweise Mimì zum Sterben das Bett vorenthalten hatte und diese sich auf einem Stuhl bequemen musste - sicher ein großer Schock, als er an seiner "Paradies-Bühne" erleben musste, dass da - gut dreißig Jahre später, offenbar haargenau dasselbe passierte. Dennoch merken wir an der Sache: Was in Dresden skandalös und absolut unmöglich ist, ist in Liberec dann doch hinnehmbar! :thumbsup: :hahahaha: :hahahaha: :hahahaha:

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Ich komme gerade aus der Tscherniakow-Inszenierung des Parsifal an der Berliner Staatsoper, die ich jetzt zum vierten Mal (immer an den Karfreitagen der letzten Jahre) gesehen habe. T. bricht mit vielem, was man beim Parsifal erwartet. Aber er bringt eine schlüssige - wenn auch gänzlich unsentimentale - Sicht auf die Bühne.

    ..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
    -- Aydan Özoğuz

  • Ich komme gerade aus der Tscherniakow-Inszenierung des Parsifal an der Berliner Staatsoper, die ich jetzt zum vierten Mal (immer an den Karfreitagen der letzten Jahre) gesehen habe. T. bricht mit vielem, was man beim Parsifal erwartet. Aber er bringt eine schlüssige - wenn auch gänzlich unsentimentale - Sicht auf die Bühne.

    Ich habe die Produktion 2015 2x gesehen und gehe Ostermontag nochmal rein, wegen der Sänger. Mit den Rahmenakten kann ich leben, das ist beinahe das beste, was ich von diesem Regisseur gesehen habe (vor allem die Gralsritterchöre und Titurel), den 2. Akt finde ich allerdings ziemlich unterirdisch inszeniert.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Lieber Stimmenliebhaber, Schager und Pape waren großartig, Reinhard Hagens Titurel hat mir sehr gut gefallen. Mit Frau Stemme hatte ich meine Probleme, Lauri Vasar durchaus beeindruckend, aber Wolfgang Koch hat mir als Amfortas in dieser Inszenierung mehr zugesagt. Bei Falk Struckmann kann ich nicht unparteiisch sein - ich mag den Sänger sehr und fand seinen Klingsor großartig. Auf Dein Urteil bin ich gespannt.
    Es grüßt Hans

    ..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
    -- Aydan Özoğuz

  • Mit Frau Stemme hatte ich meine Probleme, Lauri Vasar durchaus beeindruckend, aber Wolfgang Koch hat mir als Amfortas in dieser Inszenierung mehr zugesagt.

    Nina Stemme habe ich in den letzten knapp zwei Jahren recht häufig erlebt (Isolde und Elektra an der DOB) sowie alle drei Brünnhilden in Dresden und da hat sie mich eigentlich immer sehr angesprochen, wenn nicht häufig sogar begeistert. Aber ich kann mir vorstellen, dass ihr als Kundry etwas fehlen könne, nämlich eine süffige Mezzolage in der Tiefe - und weite strecken dieser Partie liegen ja recht tief, obgleich die als 2Götterdämmeurngs"-Brünnhilde im letzten Herbst in Dresden wirklich eien sehr gute Tiefe hatte. Ob ich ihre Stimme als besonders erotisch einordnen würde, weiß ich nicht, eher nicht - ich bin mal gespannt, die von mir sehr geschätzte Sängerin auch in dieser Rolle zu erleben. Bei einigen Fachkolleginnen hätte ich dankend abgelehnt...


    Lauri Vasar hatte ich schon mal vor 14 Jahren in "Parsifal" - als Gralsritter! :D

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Leider darf an Karfreitag in NRW keine Opernaufführung stattfinden, da das ein besinnlicher und ruhiger Feiertag sein soll. Vor diesem Verbot war ich Karfreitag auch immer im Parsifal an der DOR. Häufig hat Wolfgang Schmidt den Parsifal gesungen.