Texte von über 30 Bachkantaten entdeckt?

  • Weiss jemand etwas über die entdeckten 30 Texte zu den Bachkantaten? Ist nun schon ein Jahr, seitdem die Meldung geschah.


    Im Internet finde ich nichts.

    Alleen / Alleen und Blumen // Blumen / Blumen und Frauen // Alleen / Alleen und Frauen // Alleen und Blumen und Frauen und / ein Bewunderer


    Aus Solidarität mit Eugen Gomringer habe ich die Übersetzung eines seiner Poeme gesetzt, weil dieses Gedicht, das sich an einer Hausfassade in spanischer Sprache befindet, überpinselt werden muss. Grund: Sexismus-Vorwurf
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  • Weiss jemand etwas über die entdeckten 30 Texte zu den Bachkantaten? Ist nun schon ein Jahr, seitdem die Meldung geschah.


    Im Internet finde ich nichts.

    Also: laut Bach Archiv Leipzig hat Dr. Christine Blanken vor ca 3 Jahren in Nürnberg 30 Bachkantatentexte gefunden, alle schon bekannt. Das Neue: der Textdichter ist nun bekannt. Sein Name: Christoph BIRKMANN, ein luth. Theologe aus Nürnberg und auch dortiger Pfarrer. Das Erstaunliche dabei ist, dass jener Birkmann dort einen völlig neuen Kantatenjahrgang zusammengestellt hat, ausschließlich aus bekannten Bachkantaten. Noten sind leider nicht überliefert.

    Es spricht nun sehr viel dafür, dass Birkmann in Leipzig studiert hat, Bachs Schüler war und die Texte, wahrscheinlich auch die Noten nach Nürnberg brachte, und dass dieser "neue" Jahrgang auch aufgeführt worden ist.

  • Lieber Bachianer


    Ich danke für diese Information. Dann sucht mal schön in den Archiven, bis ihr fündig werdet.


    LG moderato

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    Aus Solidarität mit Eugen Gomringer habe ich die Übersetzung eines seiner Poeme gesetzt, weil dieses Gedicht, das sich an einer Hausfassade in spanischer Sprache befindet, überpinselt werden muss. Grund: Sexismus-Vorwurf
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  • Nicht dafür.

    Tja, wenn das Suchen in Bibliotheken ein reines Vergnügen wäre. Welche Bibliothek darf es denn sein? Unzählige Kirchen-, städtische Bibliotheken stehen zur Verfügung, wo sind die Prioritäten? Von den Privatbibliotheken in Adelsschlössern ganz zu schweigen. Manchmal landet man dann in Oberbergamtsbibliotheken ;). Alle Eigentümer behaupten dann treuherzig, dass "ihre" Bibliothek fein säuberlich geordnet sei. Wer´s glaubt wird selig. Danach müssen Hunderte von Blättern einzeln gelesen werden um dann festzustellen, dass es Beschwerden von Küstern in Kuhkackerode sind oder ähnliches. Es ist wie in der Lagerstättenkunde: 95 - 99% sind völlig untauglich.

  • Wie ist es im Bergbau? Bei Bach muss es schon ein Vergleich mit Diamanten sein.


    1 bis 7 Karat Diamanten auf 1 Tonne gefördertes Gestein ist ein gutes Förderergebnis, das heisst 0,2 g bis 1,4g auf eine Tonne Gestein = 1'000'000 g. 1 Millionstel Ausbeute.


    Aber mit Bibliotheken und Archiven hat noch keiner Geld verdient. In meiner Faksimile Ausgabe der bachschen Violinpartiten und Sonaten steht, dass die Blätter der Autografen in St. Petersburg auf einem Stapel Papiere lagen, der zum Einwickeln von Butter vorgesehen war.


    LG moderato

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    Aus Solidarität mit Eugen Gomringer habe ich die Übersetzung eines seiner Poeme gesetzt, weil dieses Gedicht, das sich an einer Hausfassade in spanischer Sprache befindet, überpinselt werden muss. Grund: Sexismus-Vorwurf
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  • Naja, die schöne Geschichte von Bach-Originalmanuskripten als Einwickelpapier wurde schon von Mendelssohn und der Matthäuspassion in Berlin berichtet. Auch hier: wer´s glaubt wird selig.

    Zwischen Bergbaulagerstätten und Archiven gibt es große Gemeinsamkeiten. Dort kommt ein Ziegenhirte aus dem Atlasgebirge, in seiner Hand ein Pyrit oder Kupferkies, in seinen Augen pures Gold, an das man mit ein paar Schaufeln leicht herankäme, hier ein Archivbesucher mit einem Choralbuch anno 1897 in der Hand, in dem einige Choräle mit JS Bach bezeichnet sind. Er ist felsenfest davon überzeugt, dort weitere Bachnoten zu finden. Das ist wie mit dem Pyrit.

    Die Wahrscheinlichkeit in einem Archiv originale Bachnoten zu finden, dazu noch unbekannte, tendiert gegen Null. Deswegen stellt sich immer die Frage: wie kann man Suchprioritäten definieren, allein schon um Zeit und Kosten zu vermeiden.

  • Wenn's nicht stimmt, so ist's schön erfunden. Die Geschichte solcher Autographen wäre ein Thread wert. Ich weiss, dass die Chaconne im Besitz von Johannes Brahms war, der eine Klavierfassung-Fassung für die linke Hand herausgab. Er sagte dazu „Diese Chaconne ist eines der wunderbarsten, unbegreiflichsten Musikstücke. Auf einem einzigen Notensystem schreibt der Mann eine ganze Welt von tiefsten Gedanken und Empfindungen." Er hatte es für Clara Schumann transkribiert, die sich an der rechten Hand verletzt hatte. Ich. habe sie auf CD in der Interpretation von Ugorski.



    Und hier das Original gespielt von Henryk Szerynk.



    In der Universal Edition /Wiener Urtext Edition steht zur Quellenlage der Sonaten und Partiten für Violine Solo:


    "Johann Sebastian Bachs Sonaten und Partiten für Violine solo zählen zu den berühmtesten Meisterwerken ihrer Art. Anders als die ihnen nahestehenden Suiten für Violoncello solo sind die Violinsoli in einer autographen Reinschrift des Komponisten überliefert, auf deren Basis allein bereits ein im Wesentlichen zuverlässiger Notentext zur Verfügung steht. Dennoch ist dieses Manuskript bereits eine Abschrift vorausgegangener Konzeptniederschriften oder sogar weiterer Reinschriften des Komponisten. Die Wiener Urtext Edition zieht als Sekundärquelle eine frühe Köthener Kopistenabschrift heran, der bislang nur ein geringer Quellenwert eingeräumt wurde. Trotz deren Nähe zum erhaltenen Autograph ist nicht auszuschließen, dass diese Abschrift auf ein weiteres Originalmanuskript Bachs zurückgeht; jedenfalls können anhand ihres Textes einige offensichtliche Versehen der erhaltenen Reinschrift geklärt werden, darüber hinaus überliefert sie eine Reihe anderweitig nicht bezeugter Artikulationen (z.T. sogar mit Alternativen), die exemplarisch zeigen, wie man diese Werke ihrer Entstehungszeit gemäß aufführen kann. In den Interpretationshinweisen erklärt Dagmar Glüxam die Zusammenhänge zwischen den musikalisch-rhetorischen Inhalten des Bachschen Notentextes und deren adäquater Ausführung und führt damit so manche Vortragsanweisung eingeführter Interpretationsausgaben ad absurdum."

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    Aus Solidarität mit Eugen Gomringer habe ich die Übersetzung eines seiner Poeme gesetzt, weil dieses Gedicht, das sich an einer Hausfassade in spanischer Sprache befindet, überpinselt werden muss. Grund: Sexismus-Vorwurf
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  • Das Problem einer "Endfassung" eines Musikwerks aus früheren Zeiten ist hinlänglich bekannt. Beispiel: Das BWV (Schmieder, 1990) muss neu geschrieben werden wg. neuer Quellen und daraus resultierenden neuen "Erkenntnissen" (die alle subjektiv sind). Dazu gibt es dann noch die "kritischen Berichte zur Neuausgabe sämtlicher Werke", so um die 50 Bände, die ebenfalls alle neu verfasst werden müssen. Irgendwann wird das Bach Archiv all das fertig gestellt haben (ich werde das wohl nicht mehr erleben) und zum Druck geben. Ist das dann käuflich zu erwerben, ist das schon veraltet wegen neuer Quellenfunde. Der Begriff "Endfassung" ist ein nettes Täuschungsmanöver, weil kein Behaupter weiß, ob Bach später noch eine weitere Version verfasst hat, die nun gerade nicht mehr greifbar ist. "Letzt-erhaltene Fassung" wäre korrekter. Beispiel: die Clavierübung I und II wurden, von Bach veranlasst, 1731 gedruckt, also heute als "Endfassung" deklariert. Leider gibt es da Kopien eines Bachschülers JC Ritter (1710 - 1767, Organist in Clausthal), nach 1740 verfasst, die erhebliche Varianten zu dem Druck aufweisen. Woher wissen wir, dass Bach bei seinem Unterricht dem Ritter diese Varianten beigebracht hat, dieser die aufgeschrieben und sie später in seiner Abschrift der Druckvorlagen eingefügt hat?

    Ähnliches, wenn nicht noch kritischer, ist von den Interpretationen zu vermelden. Da werden uralte Tondokumente eines Brahms, Liszt zitiert und als gültiges Interpretationsmuster verkauft. Woher wissen wir, dass die in späterer Zeit ihr Werk nicht anders gespielt/interpretiert haben? All das sind doch nicht mehr als subjektive Hypothesen.