Bayreuth 2018

  • Ich nehme mir das morgen auf.


    Hoffentlich kommt kein Gewitter. Das ist der einzige Nachteil, wenn man eine Schüssel auf dem Dach hat. Denn gibt es Ton- und Bildausfall bei Starkregen. :hello:


    Ich sitze hier in meiner Wohnung bei 30 Grad Innentemperatur...


    Schöne Grüße
    Holger

  • Hallo Holger,
    da wohnst Du sicher Westseite, durch Sonneneinstrahlung bei der momentanen Hitze die ungünstigste Seite. Unsere Wohnung ist in der obersten (5.) Etage eines Neubaus, Wohnzimmer Südseite (ab 18.00 Uhr ohne Sonne im Sommer), alles andere Nordseite, 30 Grad hatten wir noch nie, z.Zt. draußen 32 Grad, innen 26.


    Ich nehme den Lohengrin auch auf, und wir haben Kabel Deutschland/Vodafone. Keine Probleme.
    Ich mach mir nur Sorgen um die Bewölkung. Wir haben heute abend Freunde eingeladen,wir wollen den Mond sehen. Beste Voraussetzungen von unserer Terrasse sind eigentlich, über uns niemand, vor uns freie Sicht ca. 8 km bis zum Horizont, der Mond geht 20.50 Uhr auf, ab 21.30 ist totale Mondfinsternis. Nur ist es im Südosten im Moment bewölkt, die Vorhersage ist aber positiv.
    Herzlichst La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Zitat

    Dr. Holger Kaletha: Hoffentlich kommt kein Gewitter. Das ist der einzige Nachteil, wenn man eine Schüssel auf dem Dach hat. Denn gibt es Ton- und Bildausfall bei Starkregen. :hello:


    Also, da sehe ich schwarz, lieber Holger. Nach der momentanen Wettervorschau soll es in Münster ab 14:00 Uhr gewittern und bei uns schon ab 11.00 Uhr, aber da wir vorgestern schon das Meiste abbekommen haben (70 l in einer guten halben Stunde), hoffe ich dass wir diesmal glimpflicher davnkommen.
    Aber ich habe ja während des ganzen Gewitters Lohengrin geguckt (und gehört), da habe ich, mit dem AKG 712 auf den Ohren, kaum etwas mitbekommen. Dafür habe ich gestern mit meinem Vermieter Stunden in meinem Keller zugebracht, denn meinen Keller hattes es richtig erwischt, allerdings nicht annähernd so schlimm, wie es weiland jene Dame erwischt hatte, die weiland ans ZDF schrieb:
    "Sehr geehrtes ZDF, wir sind gerade dabei, die 50 cm "heiter bis wolkig", die Sie vorausgesagt haben, aus dem Keller zu pumpen". :D
    Aber ich kann einen guten Teil der Utensilien, die ich dort gelagert hatte, wegwerfen.
    Da ich Kabelfernsehen habe, kann ich mir den Lohengrin ein zweites Mal zu Gemüte führen, denn mir er hat er sehr gut gefallen.


    Zitat

    La Roche: Nur ist es im Südosten im Moment bewölkt, die Vorhersage ist aber positiv.


    Was den Blutmond betrifft und seine Ansicht, lieber La Roche, da haben wir allerdings bei uns in Coesfeld bessere Karten. Na ja, ein geisser Ausgleich muss halt auch sein.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • da wohnst Du sicher Westseite, durch Sonneneinstrahlung bei der momentanen Hitze die ungünstigste Seite. Unsere Wohnung ist in der obersten (5.) Etage eines Neubaus, Wohnzimmer Südseite (ab 18.00 Uhr ohne Sonne im Sommer), alles andere Nordseite, 30 Grad hatten wir noch nie, z.Zt. draußen 32 Grad, innen 26.

    Lieber La Roche,


    da hast Du es schöne 26 Grad kalt! :D Das ist der Nachteil unserer wunderschönen Maisonette-Wohnung. Unten ist es 30 Grad, oben 34 Grad - trotz Sonnenschutzmaßnahmen an den Dachfenstern.

    Ich nehme den Lohengrin auch auf, und wir haben Kabel Deutschland/Vodafone. Keine Probleme.

    Vin wegen Vodaphone-Kabel. Ich habe drei Stunden vergeblich den Grund des Netzausfalls herausfinden wollen - Telefon und Internet weg. Über Handy gibt es angeblich einen funktionierenden Service. "Geben Sie ihre 9stellige Kd.nummer ein." Sie hat aber 12 Stellen!!! Also kommt immer die nervige automatische Antwort: "Ich habe ihre Nr. nicht erkennt!" Schließlich habe ich einen Vodaphone-Shop in der Stadt angerufen. Die sagten dann, es wäre wohl ein Mast durchgebrannt und ganz NRW sei ohne Internet. Jedenfalls ist der Notfall-Kundendienst bei Vodaphone eine Katastrophe! Schließlich war dann das Internet für einen ganzen Tag weg! :D :D

    Beste Voraussetzungen von unserer Terrasse sind eigentlich, über uns niemand, vor uns freie Sicht ca. 8 km bis zum Horizont, der Mond geht 20.50 Uhr auf, ab 21.30 ist totale Mondfinsternis. Nur ist es im Südosten im Moment bewölkt, die Vorhersage ist aber positiv.

    Ich habe leider nichts sehen können, trotz wolkenreiem Himmel! Schade!

    Also, da sehe ich schwarz, lieber Holger. Nach der momentanen Wettervorschau soll es in Münster ab 14:00 Uhr gewittern und bei uns schon ab 11.00 Uhr, aber da wir vorgestern schon das Meiste abbekommen haben (70 l in einer guten halben Stunde), hoffe ich dass wir diesmal glimpflicher davnkommen.

    Lieber Willi,


    oh Gott! Bei uns gab es nur ein ganz kleines, harmloses Gewitterchen. Morgen muss ich in die Stadt, ich hoffe, es wird nicht so schlimm!

    Aber ich habe ja während des ganzen Gewitters Lohengrin geguckt (und gehört), da habe ich, mit dem AKG 712 auf den Ohren, kaum etwas mitbekommen. Dafür habe ich gestern mit meinem Vermieter Stunden in meinem Keller zugebracht, denn meinen Keller hattes es richtig erwischt, allerdings nicht annähernd so schlimm, wie es weiland jene Dame erwischt hatte, die weiland ans ZDF schrieb:
    "Sehr geehrtes ZDF, wir sind gerade dabei, die 50 cm "heiter bis wolkig", die Sie vorausgesagt haben, aus dem Keller zu pumpen". :D
    Aber ich kann einen guten Teil der Utensilien, die ich dort gelagert hatte, wegwerfen.

    Ein Alptraum! Das Zitat kenne ich - ich habe das Buch! :D


    :hello:


    Liebe Grüße
    Holger

  • Was den Blutmond betrifft und seine Ansicht, lieber La Roche, da haben wir allerdings bei uns in Coesfeld bessere Karten. Na ja, ein geisser Ausgleich muss halt auch sein.


    Lieber Willi, lieber Holger


    meine Enttäuschung war sehr groß, wir wollten schon Tränen vergießen. Wir hatten sogar zur Feier des Tages Champagner da, außerdem Bier. 20.00 Uhr war der Himmel im Süden und Südosten total zu, und dann hat irgendwer (Merkel?? Trump??) ein Wunder vollbracht. Gegen 22.30 schimmerte etwas rundes, rotes durch die dünner werdenden Wolken, 15 min später war der Blutmond völlig klar zu sehen, und das Heraustreten des Mondes aus dem Erdschatten führte zu einer wunderbaren Sichel, bis hin zum Vollmond. So eine Kulisse im Lohengrin wäre ja auch zeitgemäß und hätte Abwechslung in das Einheitsblau bringen können. Der Champagner (etwas sauer) wurde alle, die Biervorräte bedenklich weniger.


    Zu allem Überfluß haben die da oben gegen 23.15 auch noch den Mars angeknipst, unterhalb des Mondes. Der Jupiter war zu sehen am Südhimmel und im Westen hat die Venus gegrüßt. Das weiß ich von der Presse, die gestern beschrieben hat, welche Planeten wo zu sehen sind. Saturn soll auch dagewesen sein. Die Venus hat mich enttäuscht, sie war nicht nackt!! Boticelli muß ein anderes Modell gehabt haben! Den unzähligen anderen Sternen kurz vor Mitternacht kann ich leider keinen Namen zuordnen, meine astronomischen Kenntnisse sind bescheiden.
    Herzlichst La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Lieber La Roche,


    toll! Wenigstens habe ich den Mond gesehen, wie er zu einem Drittel mit Erdschatten bedeckt war. Zur fraglichen Zeit war nichts zu sehen - entweder war bei uns die Finsternis schon total oder der Mond verdeckt - zu nah am Horizont und wegen der Bebauung nicht zu sehen!


    Die nackte Venus am Himmel - das wäre was! Der Aufstand aller Puritaner wäre sicher auch eine tolle Komödie! :D


    Schöne Grüße
    Holger

  • Ach ja, wenn man Eure in diesem Fall freundschaftlich-herzlichen Beiträge liest, dann wird die Zufriedenheit gestärkt und Dankbarkeit ausgelöst, wenn man wie wir in einem Bungalow am zweithöchsten Punkt in Heilbronn in der letzten Straße -ab da gibt es nur noch Ackerfeld - praktisch inmitten eines grünen Parks wohnen kann. Überflutungen hat es in dieser Höhenlage bisher nicht gegeben. Einige Taminos waren bereits liebe Gäste von uns und können unser Paradies bezeugen.

    Wenn man Euren Mailverkehr auf der Zunge zergehen lässt wäre eine Inszenierungsidee, den Lohengrin einmal auf dem Mond spielen zu lassen. Lohengrin käme mit dem Raumschiff wäre der Heilbrinnger für die Mondlinge. Wer greift die Idee auf und realisiert sie? :hello:

    Herzlichst

    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Zitat

    La Roche: Den unzähligen anderen Sternen kurz vor Mitternacht kann ich leider keinen Namen zuordnen, meine astronomischen Kenntnisse sind bescheiden.


    Nun zumidnest, lieber La Roche, war ab ca. 22:30 der "Große Wagen":


    untere Figur


    deutlich auszumachen. Allerdings habe ich nicht auf den kleinen Wagen und den Polarstern geachtet. Letzterer bildet ja mit der Erdoberfläche am Beobachtungspunkt einen spitzen Winkel, der der Ziffer des Breitengrades am Beobachtungspunkt entspricht. Also, wo ich gestern Abend stand, waren das etwa 51°56'36'' N, also kanpp 52 Grad nördlicher Breite sowie knapp 8 Grad östlicher Länge. Heute Abend werde ich mir den Großen und den Kleinen Wagen nochmal in einer Pause des Lohengrin zu Gemüte führen:


    @ operus:


    Lieber Hans,


    heute Morgen war wieder Treffen Betroffener am Wertstoffhof, die dort durchnässte Gegenstände aller Art hinbrachten. Ich war mit von der Partie und hatte eine größere Partie zerkleinerte Kartonagen, in Säcken verpackt, beizusteuern. mein Keller trocknet zur Zeit wieder aus, wenn er nicht heute im Lauf des Tages erneut wieder eingenässt wird. Ach ja, hiermit möchte ich auch gerne die paradiesische Lage eures sehr geschätzten Anwesens bezeugen.
    Was nun den "Mondengrin" betrifft (der Ausdruck ist mir just in diesem Moment eingefallen), so hatte ja der diesjährige Bayreuther Lohengrin schon das passende Gefährt, aber um ihn und seine Gefährtin auf Frau Luna zum Singen zu bringen, müsste noch ein Regisseur gefunden werden, der über zusätzlichen Qualifikationen verfügt, z. B. "Fachgerechte Anleitung zum Singen im luftleeren Raum". :D:D


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Die Flügel der heuer präsentierten Schmeißfliegen sogar im König-Heinrich-Format wären im luftleeren Raum dann endgültig ad-absurdum geführt.


    Dafür kämen die Protagonisten als Mondkälber zum Einsatz, die Leitkuh wäre dann Mondengrins Space Shuttle. Flatrate-Tarif Monsalvat-Mond und zurück all inclusive, versteht sich. Ein Wunder, ein Wunder...

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Das ist jetzt schon die zweite Rezension, bei der Waltraud Meier nicht gut wegkam. In der Stuttgarter Zeitung ein Totalverriss, was ich überhaupt nicht verstehe.
    Werde heute Abend nochmals die 3sat- Aufzeichnung anhören, nachdem die BR- Aufnahme am PC schlecht synchronisiert war und das Bild zu oft stehen blieb.
    Musikalisch hatte ich bisher, abgesehen von einigen Tempifehlern zwischen Chor und Orchester nichts auszusetzen.
    Von den Protagonisten gebührt Piotr Beczala die Krone.

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Heute nun kam ich endlich dazu, ebenfalls in diese Aufnahme ausschnittsweise zu hören. Ich schreibe bewusst Aufnahme, weil ich einzig die Tonspur (BR Klassik) verfolgte und mir das Bild und somit die Inszenierung von vornherein ersparte. Von daher von meiner Seite auch keinerlei Kommentar hinsichtlich der Regie und des Bühnenbildes.


    Was fiel mir auf? Thielemann schlägt mitunter ziemlich flotte, um nicht zu sagen verhetzte Tempi an, die mir nur teilweise zusagten. Das schöne Vorspiel zum 1. Akt war mir hier etwas arg gehudelt; besser klappte das dann naturgemäß im Vorspiel zum 3. Akt. Auffällig: Etliche Koordinationsschwierigkeiten zwischen Bühne und Orchestergraben. Da waren nicht nur Unsauberkeiten zwischen Chor und Orchester, sondern auch bei den Solisten. Stellenweise klang das ganz merkwürdig (Gralserzählung, Finale 3. Akt), so dass ich mich fast fragte, ob es noch eine andere Fassung dieser Oper gibt. Beczala natürlich schon sehr gut, aber auch er mit Unsicherheiten und mitunter sehr freier Textgestaltung.


    Ich habe im Anschluss dann noch vergleichsweise in einige bewährte Aufnahmen gehört, um mich darin bestätigt zu sehen, dass das orchestral steigerungswürdig ist. Ob nun Karajan, Kempe, Kubelík, Leinsdorf oder in jüngster Zeit Elder: Gefielen mir eigentlich alle besser.


    Rein als Tonaufnahme wohl nichts, was man unbedingt haben muss.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Die Fernsehübertragung finde ich lobenswert; auch den angenehmen Moderator. Mit Schaudern und peinlich berührt erinnere ich mich an andere Moderationen, etwa an die von Annette Gerlach. Besagte Störungen (Ton-Aussetzer) bemerkte ich erst zweimal, also geschenkt: bei der Ankunft Lohengrins und im zweiten Aufzug beim Auftritt der Ortrud. Einzig die leichte Normalisierung bei der Dynamik stört mich im Fernsehen oft - vielleicht liegt es aber auch an meinem mittelmäßigen Equipment. Bei der Radioübertragung, die ich mit Phonostar von WDR 3 aufgenommen habe, der mit 320 kb/s sendet, war ich begeistert, dass man von einer Dynamikanpassung fast nichts bemerkt.
    Sehr schön auch der kleine Rundgang mit Waltraud Meier, der in der 1. Pause gezeigt wurde.

    Bitte bedenken Sie, dass lautes Husten - auch zwischen den Stücken - die Konzentration der Künstler wie auch den Genuss der Zuhörer beeinträchtigt und sich durch den Filter eines Taschentuchs o. ä. erheblich dämpfen lässt.

  • Nun ist das erste Bild zu Ende. Als Gegner des sog. RT habe ich eine vorgefaßte Meinung, die auch im Vorbericht auf 3Sat ab 19.20 Uhr nicht wesentlich beeinflußt wurde. Meine Eindrücke bisher:
    Bayreuth hat schon wesentlich Schlimmeres verbrochen. Diesmal ist Lohengrin gerade noch so Lohengrin. Nicht gestört hat mich die blaue Stunde, kann man machen. Aber von Beginn an gestört haben mich die Untertitel.


    Wenn der Regisseur meint, daß es sich um einen Handwerker handelt, der Elsa retten soll und dazu aus der E-Branche kommt, dann hat er konsequent gehandelt. Aber paßt das zusammen? Elsa spricht in ihrem Gebet, daß ihr im Traum ein Ritter erschienen sei, der sie rettet. Und es kam ein Handwerker mit einem Blitz als Waffe, passend zur Trafostation und zu den Isolatoren, aber nicht passend zum Text!! Vor Kurzem hatte ich eine Verstopfung im Abwassersystem, auch da kam ein Handwerker, und der sah aus wie Lohengrin. Romantische Stimmung in einer romantischen Oper?? Nein! Und der ist mit dem Schwan gekommen, den alle im Chor gesehen und nach ihm gerufen haben? Ein Handwerker kommt mit dem Schwan? Und so einem miesen Vogel? Das war nicht mein Schwan.


    Die beflügelten Insekten waren für mich eine neue Variante des RT. Auch Beczala schien seine Probleme zu haben, im Vorbericht sagte er, daß er es sich überlegt hätte, Bayreuth anzunehmen, wenn er gewußt hätte, daß er als Insekt aufzutreten hätte. Ein Gag war für mich der kurze Luftkampf, dessen Sinn sich mir nicht erschlossen hat. Immerhin hat Telramund einen Flügel verloren, ist wohl zu nahe ans Feuer gekommen. Der Ärmste.


    Positiv war für mich auf alle Fälle, daß die Kostümierung diesmal auf Ratten , Schulkinder u.a. verzichtet hat. Beflügelte Brabanter kann es ja geben, aber wenn Wagner beflügelte Brabanter gewollt hätte, hätte er das in seinen Regieanweisungen vermerkt. Stimmung in einer der schönsten Opern der Opernwelt kam bei mir nicht auf. Lediglich beim Ausruf des Königs "Mein Herr und Gott, ich rufe Dich" rieselte es mir etwas den Rücken entlang. Und bei den kraftvollen Chorszenen.
    Und damit bin ich bei der Musik. Uneingeschränktes Lob dem Chor und dem Orchester. Und noch darüber Beczala, der gegenüber dem Dresdener Lohengrin an Durchschlagskaraft ,aber auch an Ausdruck gewonnen hat. Er dürfte als Lohengrin nicht zu toppen sein. Harteros, als z.Zt. wohl beste Elsa weltweit angekündigt, hat ihre Rolle bisher gut gemacht, sie ist Beczala ebenbürtig. Genauso Zeppenfeld als König, dessen Stimme ich aber live erlebt deutlich dunkler in Erinnerung hatte. Der Heerrufer, dessen Präsenz oft unterschätzt wird, war prächtig. Waltraud Meyer, die bisher wenig zu singen hatte, beeindruckte durch ihre Bühnenpräsenz. Man weiß bei jedem Schritt, bei jeder Geste, daß sie in der Oper versuchen wird, ihre Ränke szu spinnen. Bleibt noch Tealramund, der mich nicht überzeugen konnte. In den Phrasen, wo er Töne halten mußte, konnte er seine Stimmkraft überzeugend einsetzen, aber oft verfiel er in abgehackten Sprechgesang.
    Alles in Allem musikalisch hervorragend, wie man das von Bayreuth aus längst vergangenen Tagen kannte. Trotzdem beende ich jetzt den Opernabend, aber die Aufzeichnung läuft noch. Bei besserer Stimmung werde ich den Rest ansehen.
    Und noch etwas. Tonwackler hatte ich bisher zwei bemerkt, aber einmal wackelte das Bild für etwa 1-2 Sekunden wie bei einem Erdbeben.
    Herzlichst La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Tonwackler hatte ich bisher zwei bemerkt, aber einmal wackelte das Bild für etwa 1-2 Sekunden wie bei einem Erdbeben.
    Herzlichst La Roche


    Wenn es das ist, was ich auch bemerkt habe: das war eine Erschütterung an der Stelle der betreffenden Kamera.

    Bitte bedenken Sie, dass lautes Husten - auch zwischen den Stücken - die Konzentration der Künstler wie auch den Genuss der Zuhörer beeinträchtigt und sich durch den Filter eines Taschentuchs o. ä. erheblich dämpfen lässt.

  • Thielemann schlägt mitunter ziemlich flotte, um nicht zu sagen verhetzte Tempi an, die mir nur teilweise zusagten. Das schöne Vorspiel zum 1. Akt war mir hier etwas arg gehudelt;

    Nachdem ich mir nach der Premieren-Übertrag via livestream heute - etwas nebenbei - auch die offizielle Fernsehaufzeichnung auf 3sat anschaue, muss ich Dir, lieber Joseph II, gerade in diesem Punkt recht geben: Wobei man das Lohengrin-Vorspiel sicher auch etwas schneller spielen lassen kann, jedoch fehlte hier dann doch dass irisierende blau ( ;) ), der unmerkliche Einsatz verschiedener Instrumente, die abstufungslose Steigerung, die der Zuhörer erst dann bewußt wahrnimmt, wenn sie ihren Höhepunkt erreicht. Hier läßt Thielemann für meine Begriffe zu akademisch, geradezu buchstabiert musizieren. Das Ergebnis ist eher HIP, als romantisches Legato. - Vielleicht stellt sich auch bei einem Profi, wie Thielemann etwas Nervosität ein im Bewusstsein, erst der zweite Dirigent zu sein, der - hier mit dem Lohengrin - den vollständigen "Bayreuther Kanon" zur Aufführung gebracht hat (der andere war m.W. Felix Mottl, was Du als einer der Dirigenten-Experten des Forums sicher besser wissen wirst). Interessant könnte es sein, wenn er den Lohengrin auch in 2019 dirigiert, wie es sich dann anhört. Allerdings auch dies "Jammern auf hohem Niveau", den über die Strecke zeigt der musikalische Direktor der Bayreuther Festspiele einmal mehr, warum er der musikalische Direktor der Bayreuther Festspiele ist.

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs, eine Behauptung noch kein Argument und ein Argument noch kein Beweis.

  • Und einer der Gäste in dem sogannten Studio tat gegenüber dem Moderator (beider Namen habe ich allerdings vergessen, durchaus eine interessante Äußerung: er verglich die Regie-Idee mit dem "elektrischen Umspannwerk" und unserem Lohengrin als Überbringer der elektrischen Energie mit dem Prometheus-Gedanken. Ich fand das einleuchtend (im wahrsten Sinne des Wortes), weil diejenigen, die den Fortschritt an sich optimistisch sehen, Prometheus auch mit der Emanzipation des Menschen in Verbindung bringen, und die unstillbare Wissbegierde des Menschen, hier in der Person der Elsa, siegt ja letzten Endes über den Willen des Gottähnlichen, hier in der Person des Lohengrin, sich den Menschen, also Elsa, untertan zu machen, und dadurch emenzipiert sich Elsa ja.

    Und wieder denke ich, lieber Willi, Deine Deutung ist absolut plausibel. Ich schaue grad die Fernsehaufzeichnung und bin darüber mit meiner Tochter ins Gespräch gekommen: Lohengrin in dieser Inszenierung jemand, der die Erkenntnis, den Fortschritt (Energie, Strom) bringt, sich aber gleichzeitig durch das Frageverbot der Erkenntnis und dem Fortschritt (in der Rolle Elsas auch als Fortschritt durch Emanzipation angelegt) verweigert. Anders formuliert, sobald der Geist der Erkenntnis, dass prometheussche Feuer in die Gesellschaft getragen ist, gibt es keinen Weg mehr zurück - allein dadurch, dass Lohengrin erscheint, ist bereits vorherbestimmt, dass das Frageverbot - noch bevor es ausgesprochen - gebrochen werden wird.

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs, eine Behauptung noch kein Argument und ein Argument noch kein Beweis.

  • Als Gegner des sog. RT habe ich eine vorgefaßte Meinung, die auch im Vorbericht auf 3Sat ab 19.20 Uhr nicht wesentlich beeinflußt wurde. [...]

    Entschuldige bitte, La Roche, es wird Dich kaum interessieren, aber Deine hier vorgetragene Meinung empfinde ich als Diskussionsverweigerung auf einem Niveau, welches ich eher von anderen Mitgliedern dieses Forums gewohnt bin.

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs, eine Behauptung noch kein Argument und ein Argument noch kein Beweis.

  • Ich habe im Anschluss dann noch vergleichsweise in einige bewährte Aufnahmen gehört, um mich darin bestätigt zu sehen, dass das orchestral steigerungswürdig ist.

    Findest du den Vergleich zwischen Studioaufnahmen und einer Live-Aufführung nicht selbst ein bissl albern?

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Und es kam ein Handwerker mit einem Blitz als Waffe, passend zur Trafostation und zu den Isolatoren, aber nicht passend zum Text!!

    Das nennen Literaturwissenschaftler eine Metapher, lieber La Roche. Die Passung zum Text ist dann durch das tertium comparationis gegeben.

    Vor Kurzem hatte ich eine Verstopfung im Abwassersystem, auch da kam ein Handwerker, und der sah aus wie Lohengrin. Romantische Stimmung in einer romantischen Oper?? Nein!

    Einspruch Euer Ehren - mit dem Erzromatiker Novalis (Friedrich von Hardenberg), der von Beruf übrigens Bergwerksingenieur war:


    „Die Welt muß vollkommen romantisiert werden. So findet man den ursprünglichen Sinn wieder. Romantisieren ist nichts, als eine qualitative Potenzierung. Das niedre Selbst wird mit einem besseren Selbst in dieser Operation identifiziert. So wie wir selbst eine solche qualitative Potenzreihe sind. Diese Operation ist noch ganz unbekannt. Indem ich dem Gemeinen einen hohen Sinn, dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Aussehen, dem Bekannten die Würde des Unbekannten, dem Endlichen einen unendlichen Schein gebe so romantisiere ich es – Umgekehrt ist die Operation für das Höhere, Unbekannte, Mystische Unendliche – dies wird durch diese Verknüpfung logarithmisiert – es bekommt einen geläufigen Ausdruck. Romantische Philosophie. Lingua romana. Wechselerhöhung und Erniedrigung.“


    Die "qualitative Potenzierung" hat für mich doch stattgefunden durch das wirklich sehr schöne Bühnenbild von Rauch, so dass das Gewöhnliche und Gemeine, das Umspannwerk, ungewöhnlich erscheint, einen hohen Sinn bekommt und ein geheimnisvolles Aussehen und damit "romantisiert" wird. :D :hello:


    Und was heute das Umspannwerk ist, war einst bei Shakespeare der ordinäre Nachttopf. Hegel hat sehr schön gesehen, dass die Romantik eine Tendenz zum Prosaischen hat. Alles wird gezeigt, nicht nur das Hohe, gerade auch das Alltägliche und die Alltagsbanalität:


    „In den Darstellungen der romantischen Kunst hat daher alles Platz, alle Lebenssphären und Erscheinungen, das Größte und Kleinste, Höchste und Geringste, das Sittliche, Unsittliche und Böse, und besonders haust sich die Kunst, je mehr sie sich verweltlicht, mehr und mehr in die Endlichkeiten der Welt ein, nimmt mit ihnen vorlieb, gewährt ihnen vollkommene Gültigkeit, und dem Künstler ist es wohl in ihnen, wenn er sie darstellt, wie sie sind. So sehen wir z.B. in Shakespeare, weil bei ihm die Handlungen in ihren endlichsten Zusammenhang auslaufen, sich in einen Kreis von Zufälligkeiten hinein vereinzeln und zerstreuen und alle Zustände ihr Gelten haben, neben den höchsten Regionen und wichtigsten Interessen ebenso die unbedeutendsten und nebensächlichsten: wie in >Hamlet< neben dem Königshöfe die Schildwachen; in >Romeo und Julia< das Hausgesinde; in anderen Stücken außerdem Narren, Rüpel und allerhand Gemeinheiten des täglichen Lebens, Kneipen, Fahrleute, Nachttöpfe und Flöhe, ganz ebenso wie in dem religiösen Kreise der romantischen Kunst bei der Geburt Christi und Anbetung der Könige Ochs und Esel, die Krippe und das Stroh nicht fehlen dürfen.“


    Schöne Grüße
    Holger

  • Findest du den Vergleich zwischen Studioaufnahmen und einer Live-Aufführung nicht selbst ein bissl albern?


    Also Kempe (Bayreuth 1967), Leinsdorf (Tanglewood 1965) und Elder (Amsterdam 2015) waren durchaus live. Generell stimme ich zu, dass ein Vergleich zwischen Live und Studio problematisch sein kann. Hoffen wir also auf Thielemanns Studio-"Lohengrin".

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Hoffen wir also auf Thielemanns Studio-"Lohengrin".

    Die Zeiten sind vorbei! Im Übrigen kann ich mich deiner Kritik nach dem 3Sat-Durchlauf nicht anschließen. Im Vergleich zu dem, was die Herren Ka und Kna in den 1950ern in Bayreuth live abgeliefert haben (alles nachhörbar, wie der Laden da immer wieder auseinanderfliegt), war das unter Thielemann geradezu eine perfekte Studioaufnahme! :thumbsup:

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Nach meinem Eindruck hat Thielemann betont optisch dirigiert. Soll heißen: Seine Interpretation ist ohne Bild über weite Strecken nicht so nachvollziehbar als wenn die Szene hinzukommt. Das ist für mich ein ganz besonders starker Eindruck gewesen. Er machte nicht sein Ding für sich, er arbeitete in strenger Koordination mit dem Bühnengeschehen und also dem Regisseur Yuval Sharon. So diszipliniert nahm ich ihn bisher nicht wahr. Er ist eben doch ein Profi, der sich in ein Ensemble integrieren kann. Besonders wurde mir das in der Szene vor dem Münster im zweiten Aufzug deutlich. Sie war für mich der Schlüssel und der Höhepunkt. In ihrem Verlauf war alles schon entschieden. Das unmenschliche Frageverbot wurde in alle seine noch so kleinen und verstörenden Einzelheiten zerlegt. Wie mit der Rasierklinge. So stelle ich mir Theater vor. Auch wenn ich vieles an dieser Inszenierung nicht verstand und manches auch als albern empfand, wenn es darauf ankam, stimmt es. Die Kameraleute haben sehr gut gearbeitet und konnte auch das einfangen, was sich auf den Gesichtern zutrug. Die Handlung fand ja über weite Strecken auf den Gesichtern statt. Da störten mich auch mancher sinnlos erscheinende schreitende und leere Gang über die Bühne nicht. Das war vielleicht sogar Absicht. Nach den ersten Eindrücken beim Live-Stream, die - wie sich jetzt herausstellte - ziemlich oberflächlich waren, hat mich die TV-Sendung am Sonnabend in meinem insgesamt positiven Urteil nur noch bestätigt.


    Die Sänger machten nach meinem Verständnis einen guten Job. Bei der Hitze! Beczala hat für mich das Zeug zu einem Lohengrin, der es mit seinen großen Vorgängen wird aufnehmen können. Ich liebe diese lyrische Grundierung mit einem Schuss Italianita. Er sang sehr sicher und genau. Anja Harteros brauchte viel Zeit, um in die Rolle zu finden, die sie ja aus dem Effeff beherrscht und seit vielen Jahren singt. Sie klang zunächst merkwürdig farblos und flüchtete sich gelegentlich in einen unschönen Sprechgesang. Ich war froh, dass der Traum zu Ende ging. Dem allseitigen Lob für Waltraud Meier kann ich mich nicht anschließen. Sie klang doch sehr grau und ausgesungen. Stimmliche Defizite vermochte sie nicht raffiniert genug in Ausdruck zu wandeln wie das einst der Varnay möglich war. Sie war mir nicht dämonisch genug, was aber auch in dieser Inszenierung nicht verlangt wurde. Das spricht für sie. Die extremen hochdramatischen Exzesse, auf die man in jeder Aufführung wartet, verloren sich in merkwürdigen Zusammenraffungen ganzer Wörter. Sie schleifte. Der Telramund von Konieczny war etwas grobschlächtig und stimmlich undiszipliniert. Das störte mich aber nicht. Zeppenfeld, den ich schätze, sang wieder einen markanten König.


    Ein sehr kurzweiliger und spannender Abend war das für mich - versehen mit einigen Gläsern kühlem Rosé. :)


    Hinzufügen möchte ich noch, dass ich die musikalischen Eindrücke, die Joseph II. (102) und Michael (106) aus der Aufführung gewannen, höchst interessant finde. Darüber werde ich noch weiter nachdenken. :hello:

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Entschuldige bitte, La Roche, es wird Dich kaum interessieren, aber Deine hier vorgetragene Meinung empfinde ich als Diskussionsverweigerung auf einem Niveau, welches ich eher von anderen Mitgliedern dieses Forums gewohnt bin.


    Entschuldige bitte, MSchenk, auch wenn es Dich nicht interessiert. Das ist meine vorgefaßte Meinung, und es ist unfair, auf diesen einen Satz eine allgemeingültige Kritik über das Diskussionsniveau und insbesondere mein Diskussionsverhalten loszulassen. Die von Dir und anderen eingestellten Kritiken sind bei mir schon in der Lage, eine Erwartungshaltung zu erzeugen, und die war negativ. Dennoch habe ich ausführlich geantwortet und tapfer geguckt.


    Sicher ist es Dir nicht entgangen, daß ich um 21.55 Uhr einen sehr ausführlichen Beitrag zur Diskussion nur des ersten Bildes eingestellt habe, von dem ich natürlich nicht erwarte, daß jeder meiner Meinung zustimmt. Damit habe ich aber doch keinesfalls eine Diskussion verweigert, Du hast nur den ersten Abschnit gelesen, weiter nichts. Ich habe aber insgesamt 21 Zeilen geschrieben, welche Du wohl übersehen wolltest. Dein oben zitierter Beitrag ist weit unter Deinem sonst sachlichem Niveau!!
    Herzlichst La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Das nennen Literaturwissenschaftler eine Metapher, lieber La Roche.


    Lieber Holger,
    wie das Literaturwissenschftler nennen, ist mir egal. Mich hat Lohengrin an den Klempner erinnert, der bei mir die verklemmten Abfälle aus dem Abflußrohr entfernt hat. Damit war der Rest romantischer Empfindungen der Realität gewichen. Nur hatte mein Klempner keinen Schlips um und seine Montur zeigte, daß seine Arbeit schmutzig ist.....


    Einspruch Euer Ehren - mit dem Erzromatiker Novalis (Friedrich von Hardenberg), der von Beruf übrigens Bergwerksingenieur war:

    ... und Einspruch abgelehnt. Ein Klempner ist ein Klempner, ein Beruf, den ich als handwerklicher Amateur sehr zu schätzen weiß. Aber nicht im Lohengrin. Wie gesagt, die Romantik war weg, das konnten auch die zugegeben schönen Bilder von Neo Rauch nicht ändern. Übrigens sei mir einen Frage gestattet: Was hat den Wagner-Clan veranlaßt, einen Maler mit den Bühnenbildern zu beauftragen, der selbst zugegeben hat, den Lohengrin mal während seiner Arbeit im Atelier nebenbei gehört zu haben? Ein Fachmann für den Lohengrin scheint er nicht zu sein! Ich betone, daß mir die blaue Farbgebung nicht unangenehm war.


    Auch Deine Erklärung von Shaekespeares Nachttopf über Hegel bis hin zum Lohengrin kann sich mir nicht erschließen. Ich weiß nicht, und zum Glück weiß das keiner, wie Wagner die ganze Chose beurteilt hätte. Spekulieren bringt uns da nicht weiter.


    Übrigens diskutiert meine Frau in einem anderen Forum mit Opernfreunden, deren Besuch im Theater an keiner Stelle mit literaturwissenschaftlichen Auslegungen verbunden wird. Es ist schon traurig, daß bisher erst 3 Diskutanten aufgetaucht sind, die aber alle 3 diesen Lohengrin abgelehnt haben, nur aus szenischen Gründen.
    Ich würde diesmal nicht so weit gehen, ihn völlig abzulehnen. Ich würde mir diesen Lohengrin in Bayreuth schon ansehen, allein um die herrliche Musik, die tolle Interpretation und auch Chor und Orchester zu hören. Diese Regie würde ich ertragen. Allerdings wäre ich nicht bereit, mehr als 50,- Euro auszugeben, und es müßte deutlich kühler sein.
    Herzlichst La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Als jemand, dem Wagners Musik nicht sooo nahesteht, der außerdem das Verunstaltungstheater ablehnt, habe ich mir, den Beschwörungen vieler User hier folgend, wonach man gesehen haben muss, was man loben oder kritisieren will, diesen 'Lohengrin' gestern auf 3sat in voller Länge angetan. Und ich muss sagen, 'angetan' bringt einen falschen Zungenschlag in den Beitrag, gemeint ist: angehört und angesehen. Und ich habe es - pauschal geurteilt - nicht bereut!


    Als Fazit dieses Television-Opernabends halte ich nämlich fest, dass es sängerisch und orchestral ein Ereignis war. Ich hätte diesem Gesamt-Ensemble noch stundenlang zuhören können. Ich wage mich hier nicht auf das Glatteis, die Sängerleistungen zu beurteilen, das war noch nie mein Metier und ist es auch heute nicht (Oper lebt von Stimmen, die Stimmenbeurteilung bleibt subjektiv, signiert Ralf Reck völlig richtig!) , das überlasse ich gerne den berufenen wie auch den selbst berufenen Kennern. Pauschal halte ich fest, dass mir alle Protagonisten auf der Bühne gefallen haben. Dem Jubel für jeden einzelnen dieses Ensembles hätte ich mich, wäre ich im Hause gewesen (was mir aber angesichts der Preisgestaltung auf dem 'Hügel' in diesem Leben unmöglich war und ist), ausnahmslos und aus Überzeugung angeschlossen. Selbstverständlich gilt das auch für Orchester (das man durchaus mal hätte zeigen dürfen, denn es ist schließlich auch ein nicht zu unterschätzender Teil in der Oper!) und Dirigent. Thielemann ist für mich ohnehin einer der ganz Großen in diesem Metier, in dieser Zeit. Nicht zu vergessen der stimmlich hervorragend positionierte Chor - zwar in Renaissance-Kleidung, was mich aber nicht weiter gestört hat.


    Dieses Lob für die musikalische Seite vermag ich nicht Eins-zu-Eins auf Bühnenbild, Kostüme und Regie zu übertragen. Dabei schicke ich vorweg, dass mich die szenische Umsetzung keinesfalls abgestoßen, eher manchmal ratlos, öfters aber belustigt hat. Die Isolatoren, das an ein Umspann-Häuschen erinnernde, schrecklich stümperhaft ausgemalte Brautgemach (ich bin mir ziemlich sicher, dass die Ritter und Herrscher der damaligen Zeit den Aus-Maler des Liebesnests zumindest in die Wüste geschickt, wenn nicht gar Schlimmeres angetan hätten!), den Luft-Kampf Lohengrins/Telramunds und dann dieses alles beherrschende Blau (Blau-Fans, Thomas Mann soll einer gewesen sein, wie der [erträgliche] Reporter meinte], mögen es ja genossen haben), eine statuarische Personenführung, und die an Insekten gemahnende Kostümierung - nein, hier sah ich kein mich überzeugendes Konzept.


    Wenn ich es im Abspann richtig mitbekommen habe, hat die Deutsche Grammophon die Aufführung mitgeschnitten - ob mich das allerdings dazu bringen könnte, diesen 'Lohengrin' zu kaufen, ist eine Frage des Preises. Und der wird mich wohl eher abschrecken.


    Alles in allem - ein musikalisch durchaus nicht enttäuschender Wagner-Opernabend.


    :hello:

    .


    MUSIKWANDERER

  • Vielleicht stellt sich auch bei einem Profi, wie Thielemann etwas Nervosität ein im Bewusstsein, erst der zweite Dirigent zu sein, der - hier mit dem Lohengrin - den vollständigen "Bayreuther Kanon" zur Aufführung gebracht hat (der andere war m.W. Felix Mottl, was Du als einer der Dirigenten-Experten des Forums sicher besser wissen wirst). Interessant könnte es sein, wenn er den Lohengrin auch in 2019 dirigiert, wie es sich dann anhört. Allerdings auch dies "Jammern auf hohem Niveau", den über die Strecke zeigt der musikalische Direktor der Bayreuther Festspiele einmal mehr, warum er der musikalische Direktor der Bayreuther Festspiele ist.


    Eine Live-Aufführung ist der gelebte Augenblick, mit all seinen Unwägbarkeiten. Im Studio kann ich wiederholen und ausfeilen bei der Bühnenaufführung nicht. Unter diesen Gesichtspunkten finde ich die orchestralen, musikalischen Leistungen von Dirigent, Orchester und Chor insgesamt hervorragend. :jubel: :jubel:

    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Ich habe mir lange überlegt, warum diese RT-Auffassung des Lohengrin bei mir und anderen nicht den üblichen Ablehnungseffekt hervorruft. Selbstverständlich ist dieser Lohengrin RT in Reinkultur, da häufig gegen das Libretto inszeniert wird.
    Aber erstens ist die musikalischen Gestaltung eine Sternstunde, wie man sie seit Jahren in Bayreuth vermisst hat. Dass Koniezny brüllt und Waltraud Meier in ihrem Alter mit den Spitzentönen Schwierigkeiten hat,ist neben den restlichen Protagonisten und dem Dirigat unwesentlich.
    Was zweitens jedoch die Regie betrifft ist der entscheidende Unterschied zu Neuenfeld, Castorf oder gar Konwitschny der folgende:
    Die Bühnenaesthetik ist wunderschön und in seiner (nicht immer einleuchtenden) Art wurde das Werk trotzdem ernst genommen und nicht verhöhnt. Es wurde mit grosser Intelligenz ein anderes Märchen erzählt und den Figuren wurde ihr Würde gelassen.
    Auch hier wurde z.B. der König als nicht sehr intelligent gezeichnet, ohne dass er, wie bei Neuenfels als besoffener Alkoholiker rumtaumeln muss.
    Jedenfalls hat Bayreuth nach den Kosky-Meistersingern ein zweites Werk, das man sich auch als RTphober Opernliebhaber durchaus zu Gemüte führen kann.
    Schön wäre es, wenn man nächstes Jahr mit dem Tannhäuser auf dieser Schiene weiterfahren würde.

  • Zitat

    Joseeph II: Thielemann schlägt mitunter ziemlich flotte, um nicht zu sagen verhetzte Tempi an, die mir nur teilweise zusagten. Das schöne Vorspiel zum 1. Akt war mir hier etwas arg gehudelt:


    Lieber Joseph,
    für jemanden wie dich, der die "Knappertsbusch'schen" Tempi so verinnerlicht hat, musste das ja wohl zu schnell sein. Mir hat das in seinem Vorwärtsdrang und in seinen enormen dynamischen Kontrasten sehr gefallen. Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass für mich Thielemann und sein Orchester die eigentlichen Stars des Abends waren, und wenn ich schon Beczala als sehr gut bezeichnet hätte, müsste ich eigentlich auch Waltraud Meier und Anja Harteros auf den Schild heben. Auch der bewährte Georg Zeppenfeld als Heinrich gefiel mir ausnehmend mit wunderbaren, balsamischen Tiefen.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • wie das Literaturwissenschftler nennen, ist mir egal. Mich hat Lohengrin an den Klempner erinnert, der bei mir die verklemmten Abfälle aus dem Abflußrohr entfernt hat. Damit war der Rest romantischer Empfindungen der Realität gewichen. Nur hatte mein Klempner keinen Schlips um und seine Montur zeigte, daß seine Arbeit schmutzig ist.....

    ... und mir, lieber La Roche - und vielen Anderen, die sie unmittelbar verstehen -, ist dann egal, dass Du eine Metapher nicht erkennen kannst. Damit arbeitet die Literatur schon seit der Antike. ;)

    ... und Einspruch abgelehnt. Ein Klempner ist ein Klempner, ein Beruf, den ich als handwerklicher Amateur sehr zu schätzen weiß. Aber nicht im Lohengrin. Wie gesagt, die Romantik war weg, das konnten auch die zugegeben schönen Bilder von Neo Rauch nicht ändern.

    Jean Paul - auch wieder ein Romantiker - sagte zu seinem "Titan", der Held sei eigentlich ein Anti-Held. Und die Romantik ist damit nicht einfach weg! Alles eine Frage, was man denn unter Romantik verstehen will. Novalis hat das Entscheidende gesagt: Alles kann romantisiert werden. Das "Romantische" ist nicht irgendein "Was" (Eichen und Tannen, der "röhrende Hirsch", die Alpenhütte etc.), sondern ein "Wie" des Gezeigten. :D

    Auch Deine Erklärung von Shaekespeares Nachttopf über Hegel bis hin zum Lohengrin kann sich mir nicht erschließen. Ich weiß nicht, und zum Glück weiß das keiner, wie Wagner die ganze Chose beurteilt hätte. Spekulieren bringt uns da nicht weiter.

    Auch die poetisierte Prosa bleibt Prosa - weswegen sich die Prosa dann vordrängt und Romantik in den Realismus umschlägt. Diese Kehrseite der Poetisierung darf ein intelligenter Regisseur schon zeigen - das Gewöhnliche im Ungewöhnlichen sichtbar machen. Wenn das konsistent ist - bitte!


    Übrigens sei mir einen Frage gestattet: Was hat den Wagner-Clan veranlaßt, einen Maler mit den Bühnenbildern zu beauftragen, der selbst zugegeben hat, den Lohengrin mal während seiner Arbeit im Atelier nebenbei gehört zu haben? Ein Fachmann für den Lohengrin scheint er nicht zu sein! Ich betone, daß mir die blaue Farbgebung nicht unangenehm war.

    Die "blaue Blume" der Romantik? Rauch hat gesagt, dass ihn Wagners "Lohengrin" zwei Jahre nahezu täglich im Atelier begleitet hat. Er hat sich also in Wagners Welt eingelebt! Malen und dabei Musikhören ist so ziemlich die beste Art, sich in die Musik zu vertiefen. Ich spreche aus Erfahrung! :D


    Schöne Grüße
    Holger