Richard Wagner - Wesendonck Lieder

  • Das liest sich natürlich alles sehr gut, was Stimmenliebhaber verlinkt hat. Beweise für eine handfeste Liebesgeschichte mit allem drum und dran finde ich darin nicht. Sowohl Wagner als auch Mathilde neigten zur Schwärmerei. In diesem Zusammenhang möchte ich auf die Briefe zwischen Wagner und Ludwig II. verweisen. In Teilen lesen die sich auch so, als hätte beide ein intimes erotisches Verhältnis gehabt. Es wird sogar ins vertrauliche Du gewechselt. Die Briefe erinnern mich in ihrem Stil sehr an die Korrespondenz mit Mathilde. Das ist auch Ausdruck ihrer Zeit.


    Mich würde noch interessieren, ab wann Wagner die Gedichte der Wesendonck "peinlich und abgeschmackt" fand? Giebt es dafür genauere Quellen? Wenn nicht., werde ich selbst danach suchen. Bekanntlich hat Wagner in seiner Autobiographie, die per se für König Ludwig gedacht war und dann auch gegenüber Cosima vieles relativiert, wenn nicht gar verdreht, um Konflikten aus dem Weg zu gehen. Ich hatte weiter oben von einem Besuch auf dem ehemaligen Grundstück der Wesendoncks in Zürich berichtet. Es ist ja alles noch sehr gut erhalten. Die Villa selbst ist in ihrer baulichen inneren Anlage sehr offen und nicht verwinkelt. Ich kann mir also nicht vorstellen, dass Richard und Mathilde Türen verriegelt haben, um sich gegenseitig hinzugeben. Oder ist die Dame des Hauses selbst durch den Garten zu Wagner geschlichen? Dort wimmelte es von Dienstboten und Zuträgern. Außerdem war - wenn ich mich nicht irre - Minna meist anwesend. Und die verfolgte alles mir Argusaugen.

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Beweise für eine handfeste Liebesgeschichte mit allem drum und dran finde ich darin nicht.

    Das ist richtig. Aber vielleicht war es auch zu lange ein gedankliches Dogma, die Möglichkeit, dass da vielleicht doch mehr gewesen sein könnte als ein "platonisches" Verhältnis, völlig auszuschließen. Es gibt nämlich weder für die eine noch für die andere Variante sichere Beweise.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Bis auf weiteres keine neuen Beiträge mehr von mir außerhalb meiner Besetzungsrubriken!

  • Mich würde noch interessieren, ab wann Wagner die Gedichte der Wesendonck "peinlich und abgeschmackt" fand?

    Die genaue Quelle wäre wirklich wichtig. Stammt es aus besagter offizieller Autobiographie? Dann wäre es mit Vorsicht zu genießen. Stammt es aus Cosimas Tagebüchern? Dann wäre es wohl glaubwürdiger.

    Dass hochgebildete und selbstbewusste Damen aus gutem Hause dem Charme des deutlich älteren Richard Wagner erlagen, lässt zumindest das Bild vom menschlichen Scheusal wanken, als das man ihn oft hinstellt.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Von den Männern sollte Sandor Konya nicht fehlen, von dem in das Eloquence-Album aber leider nur zwei der Lieder aufgenommen wurden.

    Heißt das, lieber Caruso, es gibt den gesamten Zyklus mit Konya?

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."



  • Was ist eigentlich von der Platte mit René Kollo zu halten? Aufnahme von 1992 unter Thielemann. Kollo nach 1990, da bin ich immer etwas skeptisch, aber bei Liedern mag das noch klappen. Die Tempi sind ja offenbar ungewöhnlich getragen (glaube ich den Angaben bei Amazon).

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • handfeste Liebesgeschichte mit allem drum und dran

    ??? ??? ???


    Auf jeden Fall: "Er sah mir in die Augen!"


    Im übrigen noch ein Wort zu den Interpretationen durch die diversen Damen und Herren.

    Ich finde einfach erstaunlich, wie unterschiedlich die Lieder interpretiert werden können. Ich liebe natürlich auch die Eileen Farrell mit ihrer echten Isolden-Stimme. Aber deswegen sind mir die Damen, die die Lieder eher mit einer Brangänen-Stimme singen wie Ludwig und Brigitte Faßbaender, nicht weniger lieb und wert. Aber auch mit einer Evchen- oder Elsa-Stimme - wie der von Elisabeth Grümmer oder Michaela Kaune - entfalten sie ein besonderen Reiz. Von Grümmer scheint es keine Aufnahme zu geben, sie hat den Zyklus aber immer wieder bei Orchesterkonzerten und auf Liederabenden gesungen.

    Von den Männern mag ich eigentlich nur Sandor Konya. Kollo ist mir zu unsinnlich und trocken, Kaufmann zu studiert.


    Ganz besonders schätze ich die Aufnahme von Hannelore Kuhse! Sie ist einfach sehr dicht an der Textausdeutung, die ich erwarte, und großartig gesungen. Eine erstaunlicherweise total unterschätze Aufnahme.

    Meine ganz große Liebe aber gehört der Aufnahme von Régine Crespin. Sie bringt die Fülle und üppige Pracht einer Isolden-Stimme mit, aber auch sublime Phrasierungskunst, ein rundes klangvolles Piano, eine reiche Paletten an Farben und Nuancen und last but not least etwas, was mir in den meisten anderen Aufnahmen völlig fehlt: Féminité und Sinnlichkeit.

    In diese Aufnahme muss sich mancher Musikfreund vielleicht erst einhören, aber: je öfter man sie hört um so mehr macht sie süchtig.


    Beste Grüße


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!



  • Das sind meine liebsten Aufnahmen der Wesendonck-Lieder!

    Die Kuhse wurde ja schon erwähnt, daß ist allererste Garnitur zusammen mit Dagmar Peckova!

    Die Baker ist auf der Live Aufnahme imo besser als mit Boult, ihre Wortauslegung nimmt eine ganz andere Form an, viel zupackender!

    Die Peckova habe ich div.male Live in Oper u. Liederabenden gehört, vorallem auch mit Mahler, das war größtenteils nicht nur gut sondern überragend!


    Zu Kollo mochte ich anmerken, er kommt mit den Liedern sehr gut zurecht, außer dem "Engel", jedoch singt er das wie ne Wagner Arie was manche für gut halten werden, ich jedoch empfinde das als abträglich für diese Lieder.

    Wer das auch gut rüberbringt ist Roman Trekel, allerdings ziemlich unpersönlich, vielleicht liegt es auch einfach an der Klavierbegleitung das man solch eine Empfindung hegt.

    Eine Empfehlung für eine Interpretation mit Klavier ist die mit Marie-Nicole Lemieux....


    .....und eine hervorragende Interpretation mit Steichsextet ist jene mit Michelle Breedt, auch interresant im Vergleich mit der Henze Fassung!

    Eine hervorragende Ausdeutung der Henze Fassung ist jene mit Jard van Nes, die ich schon mal im Siegfried Idyll erwähnt habe!


    Und zu guter letzt zu Jonas Kaufmann :jubel::thumbup::jubel::thumbup:! Sollte man gehört haben!


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Liebe Freunde,

    Günther Groissböck ist der erste Bassist, der sich an die Wesendonck-Lieder heranwagt. Er schreibt im Booklet:"Mich hat die Klangsprache der Wesendonck-Lieder immer schon fasziniert, da sie eben dem Tristan an vielen Stellen so nahesteht. Außderdem habe ich im Text keine verbindliche Geschlechterzugehörigkeit entdeckt, sodass ich mir einfach gedacht habe: Warum denn nicht mal diese "gender-neutralen" Lieder als Mann singen, weil es ja auch Titel wie "Schmerzen" oder "Stehe Still" gibt, zu denen etwas draufgängerisches Testoreson sehr gut passt, wie ich finde."

    Diese Auffassung setzt Groissböck in seiner Interpretation auch gekonnt um: Mit voluminös strömendem Bass, differenzierendem Ausdruck, vorbildlicher Artikulation und dadurch hervorragender Textverständlichkeit gestaltet der Sänger den Ausflug in eine für einen Bassisten neue Welt. Für mich bekamen Wagners bekannte Lieder wie Groissböck sie gestaltet tatsächlich eine zusätzliche maskuline Dimension. Die ganze Liedplatte "Herz-Tod" offenbart - auch für den, der das Glück hat, den Sänger seit seinen Anfängen begleiten zu dürfen - eine tiefgehende Dimension, die bei dem vital, kraftvollen, jugendlich-sportlichen Sonnyboy nicht erwartet wird und daher neue Erkenntnisse über den Bass- Heroen liefert.

    Herzlichst

    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Das "Verhältnis" von Wagner und Mathilde Wesendonck erinnert sehr an die Affäre (die sicher nicht stattgefunden hat) von Leos Janacek zu Kamila Stösslova, der Muse seines Alters. Das war eine sehr einseitige Sache, weil Kamila ziemlich unmusikalisch war.

    Ich kann gut Mitmenschen umgehen (Anon.)

  • Ich bilde mal die von Operus erwähnte Einspielung von Günther Groissböck ab.




    Leider konnte man sich nicht dazu entschließen, eine der Orchesterfassungen einzuspielen, was die Platte für mich unattraktiv macht.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Heißt das, lieber Caruso, es gibt den gesamten Zyklus mit Konya?

    Lieber Rheingold,


    ja, den ganzen Zyklus gab es mal. Im RIAS wurde er öfter gesendet. Ob Teile davon im Prozess der Auflösung des RIAS oder sonst wie im Laufe der Zeit verlorengegangen sind, kann ich nicht sagen. Ich war überrascht, dass auf dem Eloquence-Album nur noch die "Träume" und "Schmerzen" wieder veröffentlicht wurden.


    Im Übrigen:

    Sandor Konya hat den ganze Zyklus übrigens mindesten zweimal in Berlin live gesungen. Einmal immerhin unter André Cluytens. Heute wird ja soviel mitgeschnitten. Das gab es damals noch nicht. Ganz traurig!

    Beste Grüße


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Danke, lieber Joseph II., für die Unterstützung. Gerade bedankte ich mich in einer für mich typischen Art für alle liebenswürdigen Unterstützugen, die ich im Forum bekomme. Also lese die Geschichte von den zwei Mäusen.

    Herzlichst

    Operus

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  • Die Wesendonck-Lieder gibt es auch in Fremdsprachen gesungen. Dieses Album enthält eine Version in Russisch, vorgetragen von Maria Maksakova Sr. (1902-1974), die inzwischen auch bei YouTube zu finden ist:



    Die Maksakova, von Haus aus Mezzo, war einer der legendären Stars des Bolschoi. Dirgent ist Nicolai Golovanov. Ob er auch die Intsurmentierung vergenommen bzw. verändert hat, vermag ich allerdings nicht zu sagen. Sie unterscheidet sich deulich von der üblichen Orchestrierung, ist rubuster und - wenn man so will - derber.

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Danke für den Hinweis auf Maria Maksakova, die ich hörenswert fand, da die Lieder ihrer wunderbaren Stimme sehr entgegen kommen. Ihre lyrische Interpretation finde ich auch durchaus ansprechend, weil sie sehr hingebungsvoll gesungen ist. Da stört mich auch die fremde Sprache nicht!


    Angeregt durch diesen Sidestep möchte ich mal eine andere lyrische Sopranistin einstellen, die mich wirklich nicht erreicht. Es ist fraglos eine Sängerin von Rang, und sie singt auch untadelig, aber mich zumindest kann sie mit diesen Aufnahmen überhaupt nicht überzeugen: Margret Price



    https://www.youtube.com/watch?v=UrJNOSci8iA


    Oder liegt es an mir, dass ich die Aufnahme - sagen wir mal - lauwarm finde?


    Beste Grüße


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Ich erinnere mich dunkel daran, daß ich die Aufnahme mit Frau Price mal hatte, aber auf meinen Unterlagen ist sie durchgestrichen, jetzt weiß ich auch warum! 8-)


    Frau Maria Maksakova singt das wahrlich untadelig und mit beseelter Stimme, aber mit der Sprache habe ich ganz große Probleme, das geht mir auch mit Russischen Opern so, kann ich auch nicht mehr abstellen! :(


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Kurioser Fakt am Rande: Auf vielen Veröffentlichungen steht fälschlicherweise Wesendonk zu lesen, also ohne ck. Auch in diesem Thread gibt es bereits mehrere Beispiele auf den eingestellten Covern. Selbst in den Editionen der Lieder tritt dieser Schreibfehler auf, worauf auch Wikipedia verweist.




    Eine Erklärung findet sich bei Martin Gregor-Dellin im Angang seiner Richard-Wagner-Biographie. Ich zitiere: "Die Schreibweise Wesendonck mit ck entspricht dem damaligen Gebrauch der Personen. Wesendonk mit einfachem k wurde erst von Wesendoncks geadeltem Sohn Karl angenommen, in Briefausgaben eingeführt und in der Wagner-Literatur üblich. Die abweichende Schreibweise in der Bibliographie ist daher unvermeidlich." Wie auch Joseph beobachtet hat, trifft man noch heute auf beiden Schreibweisen. So langsam aber scheint sich die richtige durchzusetzen.


    Prof. Dr. Karl von Wesendonk (1857-1934) war Experimentalphysiker und hatte eine Professur in Berlin.

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Danke für diese erhellenden Ergänzungen, lieber Rheingold!


    Auf dieser Seite findet man einige interessante Informationen der Vita von Dr. Karl Ferdinand von Wesendonk, gebürtig Wesendonck, der im Jahre 1899 oder 1900 (man findet beides) in den preußischen Adelsstand aufgenommen wurde. Dieses Portrait, mutmaßlich von 1873, stellt ihn dar:


    Karl_Wesendonck_1873_01.jpg

    adresse_1911_karl_wesendonck01b.gif

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Danke, lieber Joseph, für den weiterführenden Beitrag und das schöne Porträt. Solche Beiträge weiß ich immer sehr zu schätzen. :)

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Reinhard

    Hat den Titel des Themas von „Richard Wagner -Wesendonck Lieder“ zu „Richard Wagner - Wesendonck Lieder“ geändert.
  • Hallo!


    Seit gestern gibt es eine weitere "Herren-Aufnahme":



    Hat mir beim ersten Anhören gut gefallen.


    Gruß WoKa

    "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."


    Victor Hugo