NOSKOWSKI Zygmunt - Die Sinfonien

  • Wie einige bereit bemerkt haben, kehre ich fur einige Zeit zurück zu einem meiner Hauptinteressen - und das sind heute eher vergessene Komponisten, die aber zu Lebzeiten als herausragend betrachtet wurden
    Zigmunt NOSKOWSKI (1946-1909) gilt als der bedeutendste Komponist Polens des 19. Jahrhunderts. Seine Ausbildung absolvierte er bei Stanislaw Moniuszko in Warschau und danach 1872-74 Bei Friedrich Kiel in Berlin.. Er war ab 1902 Leiter der Warschauer Musikgesellschaft, ab 1905 der Warschauer Philharmonie, ab 1097 der Warschauer Oper.
    Dieser Thread ist seinen 3 Sinfonien gewidmet, eventuell auch seinen Sinfonischen Dichtungen, die Anzahl ist mir nicht bekannt, indes war er der erste polnische Komponist der für diesen Bereich Werke komponierte. Wo wir diese unterbringen, hier oder in einem gesonderten Thread wird di Zukunft entscheiden. Derzeit ist das Angebor an orchestraler Musik Noskowskis denkbar überschaubar. Es gibt derzeit lediglich 3 CDS, sämtlich bei STERLING erschienen, von denen jede eine der 3 Sinfonien enthält, ergänzt durch kleinere Instrumentalwerke.


    mfg aus Wien


    Alfred


    Eine kurze Vorstellung der Sinfonie Nr 1 folgt innerhalb weniger Stunden.

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Es ist schwierig ein Werk zu bewerten und zu beschreiben, wo so gar keine Hilfestellung in irgendeinem Konzertführer kommt. Üblicherweise höre ich ein mir unbekanntes Werk, mache mit ein Bild, hinterfrage es und sehe dann in verschiedenen Quellen nach inwieweit sich meine Eindrücke mit den Verfassern der Nachschlagewerke deckt - oder wo ich einen krassen Gegensatz orte. Oft wird man auch auf etwas aufmerksam, das man überhört hat.
    Im konkreten Fall, bei Noskowskis Sinfonie Nr 1 in A-dur aus dem Jahre 1875 bin ich ganz auf mich selbst angewiesen.
    Die Sinfonie hat 4 Sätze mit einer Gesamtspieldauer von 44 Minuten


    1) Allegro molto
    2) Adagio Cantabile
    3) Vivave
    4)Finale - Allegro con fuoco



    Die Sinfonie beginnt mit einem Paukenschlag, genauer gesagt mit zweien. Das folgende weit znächst keine besonders markanten Eigenschaften aufm vielleicht mit der Ausnahme daß es sich um auffallend schöne heitere Musik handelt. Während ich mich üblicherweise an die Tonsprache eines mir unbekannten Komponisten erst gewöhnen muß, so ist das hier nicht der Fall. Dennoch dauerte es einige Zeit, bis ich irgendwekche Assiziationen zu anderen Komponisten herstellen konnte (wobei ich mich nicht dafür verbürgen möchte. Ich hatte bein Hören des ersten Satzes ein "sonnendurchflutetes Gefühl" und eines der Fröhlichkeit. "Das Erwachen heiterer Gefühle auf dem Lande ?" - Nein das wars nicht wirklich. Aber im Moment hatte ich keine bessere Assoziation. Schließlich kam ich zu dem Schluß, daß die "Italienische Sinfonie" von Mendelssohn einen vergleichbaren Eindruck hinter mir gelassen hat. Der zweite Satz ist - wie nach dieser Erfahrung gar nicht anders zu erwarten war, von überirdischer Schönheit . einfach zum Versinken. Doch - da ist "lyrischer Beethoven" (?) Mal sehen was als nächstes kommt.
    Der Beginn des dritten Satzes erinnert indes eindeutig an Mendelssohn, und zwar aus das Scherzo aus dem Sommernachtstraum. das wird zwar nicht beibehalten, die Stimmung pendelt zwischen tändelnd verspielt und überschäumend.
    Auch der vierte Satz ist voll von überschäumender Lebensfreude und wunderbarer Melodik, inwieweit hier polnische Folklore mit eingeflossen ist vermag ich nicht zu sagen . vermutlich ist es aber der Fall...
    Wie dem auch sei - eine herrliche, klangschöne Sinfonie


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Wenn es gestattet ist, gebe ich gerne einige Zeilen von Zusatzinformationen. Zum Beispiel die, dass Noskowski kurz nach dem Studienaufenthalt bei Kiel in Berlin zunächst Städtischer Musikdirektor in Konstanz war. Mein Lexikon nennt als Beginn der Dirigententätigkeit in Warschau das Jahr 1881 und das Jahr 1888 als Antritt am Warschauer Konservatorium. Bei den übrigen Daten (betreffend Warschauer Philharmonie und Oper) werden die Jahre 1904 und 1906 angegeben.


    An Kompositionen werden 3 Sinfonien, mehrere Sinfonische Dichtungen und Ouvertüren, 3 Streichquartette, 1 Klavierquartett, Klavierstücke, Chorwerke und Lieder gelistet. Für die Bühne stehen 18 Opern, 2 Operetten und 1 Ballett im Werkverzeichnis. An WoO-Kompositionen ist die Mitarbeit an Volksliedersammlungen erwähnt und dass seine Musik 'voll der Hochromantik' angehört.


    :hello:

    .


    MUSIKWANDERER

  • Hier gibt es eine lange Liste mit Werken von Noskowski, von dem ich bislang lediglich das "Meerauge" bewusst gehört habe - mit großer Anteilnahme.

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold 1876

  • Heute habe ich - bevor sie CD ins Archiv eingereiht wird -die Sinfonie Nr 1 erneut angehört. Im wersentlich stimmt mein heutiger Höreindruch mid jenem meines Eröffnungsbeitrages überein, lediglich daß ich die wunderbare Insrumentale Farbenfracht noch intensiver empfand als damals. Diesmal konnte ich auch in den beiden Ecksätzen einen Hauch von Mendelssohn spüren und zwar bezogen auf die "Italienische" Sinfonie - die Lebensfreude, der strahlende Klang.

    Es ist merkwürdig, da0 Noskowski öfter als "Polens bedeutendster Komponist" bezeichnet wird, in den meistn Konzertführern und auch im Reclams Komponistenführer nicht erwähnt wird - Strange....

    Noskowski ist übrigens auch für seine Symphonischen Dichtungen bekannt - Er war der erste Komponist in Polen, der Werke dieser Gattung komponierte Ich werde im Laufe der Zeit einige hier einstellen.


    mfg aus Wien

    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Heute bin ich über den Komponisten Zygmunt Noskowski gestolpert und zwar über seine sinfonische Dichtung "Die Steppe". Ob er da die gleichen Steppen besingt wie einige seiner russischen Kollegen oder ob es in Polen eine Steppe gibt, entzieht sich meiner Kenntnis. Das 20-minütige Werk - wohl im Heimatland sein populärstes - hat mir jedenfalls so gut gefallen, dass ich jetzt auch mal die 3 Symphonien erkunden werde.

    Die gehörte Aufnahme gibt es nur noch auf dem Gebrauchtmarkt,


    http://www.musicweb-internatio…03/Dec03/Polish_C19th.htm


    es gibt auch eine Aufnahme mit Philipp Herreweghe, die ist aber gekoppelt mit einem Klavierkonzert von Chopin, von dem ich keine Aufnahmen mehr brauche.


  • Streaming macht's möglich, den oben gesetzten Vorsatz gleich mal anzugehen. Im Gegensatz zum Forenbetreiber fange ich aber hinten an, bei der 3. Symphonie. Die entstand 1903 also über 25 Jahre nach den ersten beiden Genrebeiträgen. Sie trägt den Namen "Von Frühling zu Frühling", ist also eine Jahreszeitensymphonie. Da gab es natürlich schon verschiedene Beiträge, von Vivaldi, von Raff, der gleich vier Symphonien zu dem Thema komponierte. Und von der Musik Joachim Raffs ist Noskowski hier auch nicht sehr weit entfernt.


    Die einzelnen Sätze lauten:


    Frühling

    Sommer. Charme einer Mittsommernacht.

    Herbst. Das Okrcine-Fest. Erntelied und Tanz.

    Winter. Stille und Starre in der Natur. Ein Schneesturm. Rückkehr des Frühlings und Begrüßung eines sonnigen Morgens.


    Das ist also ein ziemlich explizites Programm, dass sehr farbig und eindrücklich in Töne gefasst wird. Dass die Musik da endet, wo sie begann, legt schon der Titel nahe. Also gleich nochmal hören.


    Die Symphonie wird dargeboten vom Symphonieorchester von Kattowitz unter Jose Maria Florencio, einen brasilianischen Dirigenten, der seit 1985 polnischer Staatsbürger ist.


  • Heute bin ich über den Komponisten Zygmunt Noskowski gestolpert und zwar über seine sinfonische Dichtung "Die Steppe". Ob er da die gleichen Steppen besingt wie einige seiner russischen Kollegen oder ob es in Polen eine Steppe gibt, entzieht sich meiner Kenntnis.

    Was für ein wunderbares Stück, lieber lutgra! Sehr gut instrumentiert, wie ich finde. Reicht die eurasische Steppe nicht fast bis an die südöstliche Grenze des damaligen Polen, des Polen von Noskowski? Das müsste man sich mal genauer ansehen. Auf jeden Fall habe ich mir die "Steppe" gleich wieder angehört. Eindeutiger ist es bei der sinfoinischen Dichtung "Das Meerauge" in der Hohen Tatra bei Zakopane. Das kenne ich auch aus eigenen Anschauung - und auch wieder nicht. Trotz zweier Anläufe, fand ich es immer im Nebel versunken. Das hatte auch wieder etwas. Meine Eindrücke meine ich auch in der Musik zu hören, die sehr malerisch ist. Es dauert, bis sich die Pracht der Gipfel zeigt.

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold 1876

  • Lieber Rheingold

    Das "Meerauge" habe ich jetzt auch gehört und finde, das ist auch eine sehr schöne Komposition. Dass es sich dabei um einen berühmten See in der Tatra handelt ,habe ich dazugelernt, davon hatte ich noch nicht gehört, die Photos im Internet sind eindrucksvoll, natürlich ohne Nebel.

    Mit der Steppe ist es wohl so, dass sie nicht an das heutige Polen grenzt oder an das von 1870, aber durchaus an das Königreich Polen-Litauen im frühen 17. Jahrhundert, das viel weiter östlich lag.


    OT: Du hattest ja berichtet, dass Herr Zube vom Cafe Horenstein gestorben ist, den Laden scheint es aber immer noch zu geben, oder? Ich war lange nicht mehr in Berlin, mein Sohn ist inzwischen auch nach Friedrichshain gezogen, da wohnt man wohl jetzt in seinem Alter.;)


    Liebe Grüße

    Lutz

  • OT: Du hattest ja berichtet, dass Herr Zube vom Cafe Horenstein gestorben ist, den Laden scheint es aber immer noch zu geben, oder? Ich war lange nicht mehr in Berlin, mein Sohn ist inzwischen auch nach Friedrichshain gezogen, da wohnt man wohl jetzt in seinem Alter. ;)

    Lieber lutgra, diesen Laden gibt es noch Wilmersdorf. Auf meinen Spaziergängen komme ich oft daran vorbei und frage mich auch, wer ihn jetzt führt. Die Plattenstapel sind nach wie vor vorhanden. Gesehen habe ich bisher aber niemanden hinter der Fensterscheibe, in der noch der alte Zettel mit den Öffnungszeiten hängt. So denke ich oft an den guten Wolf Zube. Ich habe auch keinen Kontakt zu jemanden, der die näheren Umstände kennt. Ja, Friedrichshain ist wohl derzeit sehr angesagt in Berlin. Ich komme aber nie hin. Was sollte ich dort auch? ;)

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold 1876